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16.11.1912 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfahr 20 Seiten.

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Die Oberwälder, Roman von .Alfred Bock. .Verlag ton E. Fleischcl L.Co., Berlin.

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Gelegenheit finden, den geheiligten Brauch zu berücksich­tigen und ihre Wünsche in anderer ftorm burchzusetzen £>crr Asquith erklärte seine vorher verabredete Zustim­mung, machte derKontinuität der Traditionen" noch ein besonderes Kompliment und drückte gleichfalls den Wunsch aus, das; man sich am Montag Wiedersehen werde Bis dahin wird die Regierung die Finanzparagraphen in der Form ein wenig umändern und in der Sad)C dann ihr Ziel erreichen.

Vielleicht wäre dieser Streit um des Kaisers Bart auch in dieser harmlosen Weise entschieden worden, wenn die internationale Lage weniger verwickelt wäre. Es handelt sich wiederum um eineKontinuität der Tradition", daß das britische Weltreich in seiner Orientpolitit keine Ge­legenheiten verpaßt. An England liegt es hauptsächlich, den so viel gefürchteten Weltkrieg zu verhindern. Es braucht nur nachPctersburg und nach Wienabn-ehrend hinzuwinken, und alle Gefahren sind entschwunden, da das nötige Gegen­gewicht gegen den Dreibund fehlt. In der Tat scheint heute Serbien isoliert zu sein, da die Gerüchte von einem russi­schen Ultimatum an Oesterreich von Petersburg aus in einer Weise dementiert worden sind, die für die Belgrader Politiker nichts weniger als ermutigend ist. Auch Herr Sasonow scheint dem Kabinett Paschitsch den guten Rat ge­geben zu haben, seine Truppen lieber nicht nach Durazzo und Alessio marschieren zu lassen. Trotzdem soll nach einer Meldung derFrankfurter Zeitung" in ihrem gcstri gen Abendblatt in Belgrad die amtliche Verkündigung erschienen fein, daß Serbien die von ihm besetzten adria- tischen Küstenstriche als serbisches Gebiet einstweilen in militärische Verwaltung genommen habe. Die große Be­deutung einer solchen amtlichen Veröffentlichung wäre nicht zu verkennen, aber das amtliche Wolffsche Bureau, das in Belgrad doch auch vertreten ist, weiß mit keiner Zeile über diese Begebenl>eit zu berichten. Es ist also anzuneh­men, daß es sich hier um ein Mißverständnis handelt. Dagegen wird heute gemeldet, daß montenegrinische Trup- peii in der Nähe von San Giovanni di Medua (südlich von Skutari, an der Küste) sich festgesetzt Mitten. Da König Nikita die harte Nuß Skutari nicht zu knacken vermochte, wollte er wenigstens aus Umwegen zum Meere gelangen. Wäre es möglich, daß die Serben sich hinter ihn gesteckt hätten, um mit vereinten Bemühungen vielleicht doch ans Ziel zu kommen? Dazu iväpe ein Vorfall zu berichten, den das Wolffsche Bureau gleichfalls verschweigt. Einer Wiener Meldung zufolge gab nämlich der öfter reichisch-ungarischc Gesandte Baron Giesl dem König von Montenegro die Erklärung ab, die B e s e tz u n g v o n S a n Giovanni d i Medua und Alessio könne nicht als endgültig angesehen werden, da diese zwei üüstenpunkte für das auton omeAlbanien Vorbehalten seien. Darauf soll der König erwidert haben, er be­trachte diese Erklär ung als nicht abgegeben und fühle sich nicht gebunden. In Ofenpest herrsche darüber nicht geringe Besorgnis. TieFrank furter Ztg.", die in der Adriafrage bisher nur ihre Sym­pathie für den Frieden erklärt hat, aber in der Beurteilung der hier in Frage stehenden Interessen von Oesterreich zu Serbien und von Serbien zu Oesterreich geschwankt war, veröffentlicht folgende Zeilen ihres Ofenpester Mitarbeiters:

An ben maßgebenden Stellen ist man nicht geneigt, das Auftreten König Nikitas tragisch zu nehmen. Cb eine öffentliche Antwort erfolgt, ist noch fraglich. Als wesentlich be­trachtet man, baß bem König ber Protest Oesterreich Ungarns und Italiens zur Kenntnis gebracht ist. Den Zeitpunkt zur Regeluna ber Angelegenheit lasse mmt sich aber nicht von ber Laune emeS an diplomatische Formen noch nicht ge­wöhnten kleinen Potentaten vorschreiben. Tie Inter­essen Europas an einer frieblichen Lösung ber Angelegenheit seien dafür zu groß. Auch ber bevorstehende Einzug ber Serben in

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Hauptmanns 50. G.burtstag.

Gerhart Hauptmann, Träger des Nobel­preises.

Die schwedische Akademie veröffentlicht heute amtlich die Verleihung des N o b e l p r e i s e s für Literatur au Ger­hart Hauptmann.

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Das ist in kurzen Zügen ber Inhalt bes Werkes, bas seinen Dichter aut einer erfreulichen Höhe zeigt. Seine Gestaltungs­kraft ist gewachsen, seine Sprache noch knapper unb gedrängter geworden. Da ist kein Wort zu viel, und jedes einzelne mit sorgfältigem Bedacht erwogen und an seinen Platz gestellt. Und wie seine .Sprache, so ist die Charakteristik der Menschen und die Schilderung ber Landschaft: klar unb groß. Man hat seine Freude an diesen zähen Bauern, an ihrer Pfiffigkeit und an ihrer Kraft, die raub und instinktiv ist, unb so fest unb gesichert fteht wie ber Basalt ihrer Berge. Sie leben leibhaftig vor uns mit ihren Fehlem unb ihren Vorzügen, Menschen von Fleisch und Bein, die in harter Arbeit um ihr Leben ringen, ohne nach rechts und links zu sehen, und doch irgend ein Liebes im Herzen tragen, das sie hüten mit sorglicher Hand. Menschen sind es. Und über allem Emst und aller Schwere maltet ein geruhiger Humor, der Bilder von köstlicher Frische schafft, Bilder, die ' Holzschnitte wirkm und von einer lebendigen Fülle sind.

Bulgariens Aufschwung.

bulgarische Finanzminister erklärt nach einer Zeitung-* aus Sofia: Alle Inhaber bulgarischer Pa-

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aflen ein Bein stellte. Sei es nun, daß viele Liberalen ober onstiae Mitgänger ber Regierung das Manöver nicht gleich rirchschauten, sei es, daß aus andern Gründen Stimm»

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pierefön neu beruhigt fein. Tie Auszahlung fälliger Kupons sei bis Mai 1913 durch 83 im Auslande liegende Mil-

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Nach einer Meldung desBerl. Lok.-Anz." aus Sofia ant- morttee Bulgarien der Türkei, daß es erst auf Verhandlungen könne, wenn die Türkei greifbare Vorschläge mache.

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zeichnet hat, sind wohl das beste, was Alfred Bock seither schrieben, unb wer sich an der oberflächlichen Gewandtheit ferer Modervmane mit ihrer galanten Salonästhetik den literarischen Appetit verdorben bat, der wird diesen Roman mit innigem Be- hagm genießen, wie ein durstiger Wanderer das klare Wasser einer einsamen Bergquelle. Karl Neurath.

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Ein neuer Roman von Alfred Bock. '

Alfred Bocks starke und eigenartige Kunst, die ich kürzlich kn meiner Einleitung zu der in Reclams Universalbibliothek er­schienenen Auswahl seiner Novellen eingehend gewürdigt habe, ist nach längerem Schweigen mit einem neuen Werk an die Oeffent luhfeit getreten. Es ist wiederum ein Heimatroman, ber ursprüng­lichste unb t-odenwüchsigste vielleicht, ben Bock seither geschrieben hat Kraftvoll unb herzhaft heben sich die Bleiartigen Gestalten von bem gut gesehenen und ck>arakteristisch gegebenen Hintergrund ber oderhessisckwn Landschaft ab. Ein Dors tnt hohen Voge^berg, buht am Oberwald ist der Schauplatz der Geschichte, die Nch ein­fach unb schlicht, aber mit unerbittlicher Logik aus dem bäuerlichen Leben ihrer Menschen entwickelt, um nach einer grandios geichu» betten Katastrophe mit einem reizvollen, prächtig erschauten Bilde

' K'rai't^mb Kampf ist in dem Werk. Die reichen, grobherzigen Bauern des Ortes drücken die armen, schwer um ihr tägliches Brot ringenden Taglöhner fast bis zur Hörigkeit herab, und die Durchführung ber Sclbbemmgung ist nicht dazu angetan, Frieden zu schaffen, oder gar Eintracht zu stiften, Gegenteil, IM unb Reid unb Zorn gären wilder auf und mit einem ,nn geschilderten Wirtshausstreit beginnt die Handlung des Ro-

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politifcbe Wochenschau.

Gießen, 16. Nov.

In England hätte es vor einigen Tagen beinahe eine Regierungstrifis gegeben. Herr Afquith erfüllt die letzten Forderungen ber Parlamentsmehrheit, die ihm den Mi- nisterfeffel schenkte, und zu dieser Mehrheit gehörten be­kanntlich auch die Iren. Ihnen soll endlich, nach ihrem jahrelangen, vergeblichen Streben, Homerule, Selbstregie- runfl, gegeben werden, und für dieses komplizierte Gesetz hatte Herr Asquith schon vor geraumer Zeit eine beträcht­liche Mehrheit zusammengebracht. Da erlebte er am Mon­tag eine Ueberraschung, ober vielmehr eine Ueberrumpelung. Tie Unionisten, seine Gegner, stellten zu dem finanziellen

Ter 50jährige Geburtstag Gerhart Hauptmanns wurde im Lessingtheater in Berlin mit der Aufführung desBiber­pelz", int Schillertheater durch die des TraumstückesSt g a" gefeiert. Tas Königliche Sckiau spiel haus brachte dieVerfun kene Glocke" zur 'Jluffübnmg, das neue Volkslheater ben Michael Kramet". Tas Bankett, das zu Ehren des Dich lers abends tm Hotel Adlon statffand, trug einen intimen Charakter.

Gerhart Hauptmann war Donnert sag in Berlin eingetroffen unb hat tm HotelAdlon" Wohnung genommen. Aus Anlaß seines 50. Geburtstages liefen Hunderte von telegraphischen Glück- wüm'che ein. Der Geburtsort des Tichtei»s, O b er s a l z b r u n n, sandte ihm ein photographisches Kunstwerk mit Ansichten aus seiner schlesischen Heimat. Auch andere schlesische Orte haben Glückwünsche gesandt.

Mit einem Wagnis wie keine yoeite deutsche Bühne hat Leipzig, dessen Alma Mater ja auch als die einzige deutsche Universität ihn vor Jahren schon zum philosophischen Ehrendoktor promovierte, den größten ber lebenden Dichter zu seinem 50. Geburtstage geehrt: Der Intendant der städtischen Theater Geheimrat Mar Martersteig brachte zum 15. November eine eigene neue Inszenie­rung des seit den nie wiederholten Berliner Aufführungen von den deutschen Bühnen vergessenenFlorian Geyer". Mar- terüeig hat mit Recht auf die Darstellung ber Umwelt bei seiner Inszenierung den Nachdruck seiner Riesenarbeit gelegt und räumt der kriegerischen Bühnenmusik in diesem Hauptmann- Werke ihren gebührend breiten Raum ein. Dem elegischen vierten Aufzuge vermochte Martersteig eine prachtvolle, mitreißende Wir­kung zu geben. Tas Vorspiel war gänzlich geftridjen. Die 64 Personen des Dichters waren unmerklich auf 38 beschränkt, die Rollenbesetzung mit größtem Geschick bewirkt.

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ansheckt, wird auf den Antrag des Lehrers hin das Amt des Rechners übertragen, und mit Feuereifer widmet er sich seiner neuen Würde. Aber sein ungezügeltes Streben wird ihm zum Verhängnis, er fällt einem Gauner in die Hände, der die Kasse um eine bedeutende Summe betrügt. Tas ganze Tors lodert von Enipörung: die maßlose Wut der geschädigten Bauern wendet sick gegen den Lehrer, der sie zur Gründung der Kasse beredet hat. und sie stürmen sein Haus. In der ersten Erregung schickt er seine Liebste, die sich offen zu ihm bekannt hat und deswegen von ihrem Vater auS bem Hause gewiesen wurde, in die Nacht hinaus. Aber rasch bereut er sein hartes Wesen und nach einer in ihrer Schlichtheit ergreifenden Aussprache trennen sie sich ver­söhnt. Auch der Kasse wird Hilfe. Vorstand unb Aufsichtsrat müssen den Ausfall decken und die Genossenschaftskasse bleibt dem Dorf erhalten. Ter Lehrer aber zieht wieder ins Flachland hin­unter und baut sich mit seiner Liebsten ein glückhaftes Nest.

cifthalftlng geübt wurde das Ergebnis der Abstimmung (228 Stimmen für, 206 gegen ben Antrag) bedeutete eine Niederlage für die liberale Regierung Aber Herr Asquith betrachtete die Sache als nebensächlich und gebuchte die paar falschen Striche im Manuskript mittels einer neuen Abstimmung alsbald auszuradieren. Schon am Mittwoch sollte über seinen Antrag, die Abstimmung vom Montag cufzuheben, entschieden werden. t Der Ministerpräsident hielt Ubci eine Rede, die zwar voller vernünftiger Gründe war, «ber die Form seines Vorgehens war, wie die Folgen zeigten, doch wenig geschickt. Er berief sich darauf, daß erst vor wenigen Tagen bei der Abstimmung über die finan­ziellen Verordnungen des Gesetzes, die durch den neuen Antrag über den Haufen geworfen würden, eine Mehrheit bon 121 für die Regierung herausgekommen sei. Inzwischen sei nichts geschehen, um die Mehrheit in eine Minderheit zu verwandeln, und daher bestehe er darauf, daß das HauS die Entscheidung vom Montag aufhebe. TaS war eine doch etwas unbedachte Herausforderung der OKgner, die darauf geltend machten, die parlamentarische Praxis habe es 300 Jahre lang nicht für zulässig erachtet, über ein und dieselbe gleiche Sache zweimal abzustimmen. Als ein Ver- tagungSantrag der Opposition abgelehnt wurde, entstanden die bekannten Vorgänge, die im englischen Unterhalts nocki nicht dagewesen sind und ein wenig an die ungarischen Kerlftiltmsse erinnern. Nicht nur Schimpfwvrte gab es, sondern auch Handgreiflichkeiten. Zwar haben die Papier- balle, mit denen einige rabiate Konservative nach den M.- nistertischen tvarfen, nicht viel Schllmmes angerichtet, und es war wse ein Zugeständnis, daß auch von der Regierung nur ein papiernes Unrecht begangen worden sei, indem sie in der Form fehlgegriffen, in der Sache aber recht habe. 15-in Abgeordneter aber schleuderte dem Minister Churchill ein Buch ins Gesicht. Die Leidenschaften waren echitzt, und e8 war nicht vorauszuschen, daß die Frage am Ende doch ganz gemütlich erledigt würde. Es war aber nur eine sck>einopposition seiteits der Unionisten, und die Regierung hat in richtiger Erkenntnis dessen ihnen vom Präsidenten eine goldene Brücke bauen lassen. Die klugen Führer der Rechten hatten wohl eingesehen, daß bei dieser Angelegen» ljeit nicht viel Ruhm zu ernten sei, und der Wursgeschoß- Attentäter leistete Abbitte. Es gab am Donnerstag eine wundervolle Vermittlung, die es zeigt, daß der englische Vetter doch noch einige verwandtschafilick>e Züge von uns trägt. Um die Gemütserregungen zu beschwichtigen, so etwa sagte der Präsident, gebe es nichts Gescheiteres, als eine Vertagung eintreten zu lassen. Die Regierung werde dann

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I ticken gelingt es, fick' unter ben tfeirnachgcn Bauern Achtung I und Ansehen zu erringen. WaS selbst der Regierung nirfit gelang, F des scheint er durchzusetzen, die Ueberbnldung Der Gegen, atze. I Indern er die gemeinsamen Interessen beroorhebt, gelingt e» t ihn trotz der Widerborstigkeit der reichen Bauern, die t^meinde Im Gründung einer Genossenschastskaste zu bewegen. Aus Wider­spruchsgeist und aus Feindseligkeit gegen den Bürgermeister tritt sogar der reichste Bauer deS Ortes, der Vater feiner heimlichen Verlobten, für die großzügigen Pläne des Lehrers ein, und damit tDörc der erste Schritt zur Einigung getan.

Dem Dorskrämer, einem ehrgeizigen Manne, ber immer oolt i ton schwärmerischen Ideen steckt und unablajiig überspannte 4-lane

Durazzo, den der aus Belgrad beute zurückkebrende Professor Masarnk ankündigt, nnrb die ruhige Haltung der Monarchie nicht beeinflussen. Für die Serben gelte das Gleiche wie für Monteneipw. Sie könnten hinein, müßten aber wieder heraus. Oesterreich- Ungarn fühle sich für den Weltfrieden am meisten verantwortlich und werde selbst den Sdxin der O'iensive vermeiden, aber es müsse unerbittlichauf seinemStandpunkt bestehen, unb ohne eine Konferenz abjuivarten, ihn auch durchsetzen.

Wenn aber die Launen des Reinen Potentaten irgendwo einen mächtigen Rückhalt haben? Schon einmal hat König Nikita den Stein ins Rollen gebracht, als er ganz keck dein großen OSmaneureiche den Kricfl erklären liefe. Tas darf man in Wien sich nicht verhehlen, dafe die Berseck;tuiig der österreichischen Sadje schwier i ger wird, wenn die Serben und Montenegriner an der Adria sich bereits häuslich niedergelassen haben. Man ist in Belgrad und Eetinjc weniger vorsickftig und llug alS in Sofia, wo man aus diplomatischen Gründen auf ben Einzug in Kon­stantinopel verzichten will. Es muß auch noch Aufgaben der Zukunft geben. Wenn heute Konstantinopel und die Dardanellen noch in türkischem Besitze bleiben, wer könnte es hindern, daß das größere Bulgarien später mit Aus­sicht auf Erfolg die orientalische Frage in seinem Sinne zu lösen versucht?

Teil des Homerule-Gesetzes einen Abänderungsantrag, der feinen genauen Inhalt feed man durch die Zeitungs- meldungen nicht erfahren können dem Gesetzeswerk sozu-

Der angebliche Waffenstillstand.

Nach einer Note ber Agence Haras haben bic Ge» sanbten ber Großmächte Schritte im Sinne einer Vermittelung in Sofia, Beigrab unb Athen sowie in Cetinje unternommen. In ben brei erstgenannten Hauptstäbteu erklärten bie Regierungsvertreter, ihren Regierungen Be­richt erstatten wollen. In Cetinje antwortete d-ie Re­gierung, sie werbe sich mit ben oerbünbeten Staaten ins Benehmen setzen. Sie glaubte jeboch für ben Augenblick, baß nur bei vorbehaltloser lieber gäbe Skutaris sie einen Waffenstillstanb bewilligen könne.

Sofia, 15. ,Nov. Der Mini st errat beriet über bas Ersuchen um Waffenstillstand, bas von dem Großlvesir an den König gerichtet worden war. Er beschloß zu ant­worten, daß die Regierung den verbündeten Kabinetten bad Gesuch ber Türkei vvrlegen und nach Herstellung einer Einigung die Antwort so schnell als möglich übermitteln werde. ' Die Verhandlungen über ben von der Türkei direkt gestellten Friedensvor- schlag sollen zuerst vom Armeekommanbo unter Berück sichtigung ber militärischen Gesichtspunkte geführt werben. Erst wenn bie Türkei bie Bebingungen angenommen hat, teilte Verstärkungen heranzuziehen, würden die Verhand­lungen über den Frieden mit der bulgarischen Regierung beginnen können. In hiesigen politischen Kreisen hält man bie Aussichten für eine Einigung nicht für besonders günstig

Der türkische Minister deS Aenßern erklärte nach seiner Rückkehr aus bem Ministerrat, baß über bic in Sofia zwi­schen der Pforte unb ben, Balkanstaaten eingeleiteten bi* retten Besprechungen noch keine Antwort vorliege. Von einem Waffenstillstanb könne beshalb noch nicht bie Rebe fein, vielmehr bereite bic Türkei für alle Fälle eine zweiteKerteioigungslinie hinter Tschataldscha vor. Nazim Pascha habe keinen Aujf- trag, mit ben Bulgaren zu verhanbeln.

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Ur. 271 Erstes Blatt 162. Jahrgang Samstag, 16. November 1912

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