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15.5.1912 Zweites Blatt
 
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Zweit« Blatt

Mittwoch, 15. Mai (912

Nr. M

162. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erfchcsttt t>g7tch mit Ausnahme itii EormtagK

General-Anzeiger für Oberhessen

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DieGletzener Semtncnblätter** werden dem ,ltngeifler' viermal wöchentlich beigelegt, da« Xrdsblatl für öen Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die Landwirtschaftliche» Lett- fragen" erscheinen monatlich zweunal.

u n t e r A n pa s s u n g d e r V c r h ä 11 n i f s c v v n 5 t a b t und Land durch Festsetzung von 'J? o r m a i i v b c ft t in mungcn über Bodenaufteilung, Bebaullngsvläne und Ban ordnungcn behufs Verbilligung und Erleichterung des Allein wohirungsbaues sowie zwecks weiträumiger Bebauung und Dezentralisation der Besiedelung,

2. durch Gewährung von Steuererleichterungen und Abgaben an die Besitzer von Häusern mit üleinwohnungen sowohl seitens des Staates wie der Kommnnen,

3. durch Gewährung des E n t c i g n u n g S r c ch t s an die Kommunen zur Beseitigung von schweren Mißständen in Erbauungs und Wohnungswesen, welche die Bebauung hemmen, und von veralteten zur Bewohnung ungeeigneter Gebäuden.

i<f) Zustimmung, sondm er juchen noch sürchtm ug auf GewisjeiiS- un?

ist und wir hegen h- tuig denken können, in I und selbständig genug.

Rebaktton, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: eo 5L RedaktiowE-EIIS. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Ter BranntweinsteuerauSschuß heute die zweite Lesung auf Grund der Anträge bet'

chen EakranirntSbegw 'it >uit ihnen in bei ld bc§ als perjöntit übens, durch welch? : Heilsgewihheit zuteil i. Ob unsre Semem'- : Linie für uns in über glauben wir ein

R*tetion«bmcf und vertag der Srühlfcheo UnwersilätS - Buch- und 6tetnbrucf<rtL 91 Cent«» Dießen.

au-.' dem Ausschuß.

Es entspann sich weiter eine Aussprache über den Verkauf von Altmaterialien" nach zweijähriger Pause. ES wurde der Verkauf an eine G.

Die Volksparrci ändert inzwischen den Wort laut ihrer Entschließung durch einen Zusatz ab:daß dem Marine-Ingenieurtorps redoch die Strasgewalt nicht b e i g e l c g l werden soll".

Nunmehr erklärt sich die Sozialdemokratie mit der Entscl licfung einverstanden Ein n a t i on a l l i b c r a l e r Red­ner ist durchaus der Auisassung, daß der Jngenienrstand in ieher Richtung in seiner Stellung gefördert und gehoben werden müsse. Natt dem aber der Staatssekretär die verletzenden Anstttanungen aus dem Sceossiziersstande selbst mißbilligt und die hohe Be­deutung der Ingenieure für die Flotte anerkannt habe, und sich bereit erklärt habe, an der Hebung ihrer Stellung mitzuwirkcn, scheine ihm kein Grund für die Annahme der Entschließung vorzu liegen. Nachdem der Antragsteller selbst die Strasgewalt aus­geschieden habe, sei auch die Entschließung zum Teil inhaltlos geworden.

Es wird abgestimmt und die Entschließung, gegen die Stimmen der Volkspartei und der Soz.ial- demo traten abgelchnt.

Hieraus entspinnt sich eine Erörterung über die schon bei früherer Gelegenheit im Reichstag erörterte Frage der

HeiratderUnleroffiziere.

Ein sozialdemokratisches Mitglied bemängelt einen Erlaß aus dem Jahre 1906, durch den Unteroffiziere, die eine Heirat zur Ehrenrettung ihrer Braut eingegangen sind, die Teck- ossizietlauibahn verschlossen bleibt. Das habe zur Folge, daß sich viele Unteroffiziere ihrer Anstandsverpflichtung gegenüber ihrer Braut entziehen. Der Vertreter des Reichsmarineamts erklärt, daß die Privatverl ältnisse der Deckosfizier Anwärter auf Grund neuer Verfügungen in j ehern Einzelsalle wohlwollend geprüft wür den und generelle Ausschließungen von der Deckofsizicrlaufbahn auf Grund der Eheverlzältnisse nicht mehr stattfittdet.

2. Vorschriften über eine a m l l i ch c W o b n u n g s a n s s i ck t durch £rt$» be,w. Bezirks- und Landeswohnungsämter mit einem Reichs-Wohnungsamt als Zentralstelle für das gesamte Wohnungswesen.

, 3. Errichtung von P s a n d b r i e s a n st a l t e n im Anschluß

an die Landesvcrsicherungsanslalt zu dem Zweck, um unter Reicks garanlie nach festen Normativbestiinmungeii möglichst hohe Pfand- briefdarlehn aus Hausgtuitdstütte mit ?l I c i n w o h n u n g c n so­wohl an Baugenossenschasten, als auch an Privatpersoneh zu gewähren.

4. Regelung des W o h n u n g s n a ch w e i s we sc n .

5. Ausbau des Erbbaurechts zum ausgiebigeren Ge brauch im Interesse des üleinwohnungsbaus

Weiter will der Wobnungsausschun die Verbündeten Regie­rungen ersuchen, die Ergebnisse der Wohnnngskoinrolle, des Stan- des des WohnnngS- und Bodcnmarktes, der Wohnungsmieten und der Bautätigkeit jährlich zn v er ös s e n t l i che n.

Schließlich soll der Reichskanzler ersucht werden, in geeigneter Weise daraus hinzuwirken, daß im Wege der Landesgetztzgebnng der Bau von K l e i n w o h n »t n g e n g e s v r b e r t werde

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b. H. in Berlin beanstandet, die nur den Zwiselzenhandelsverdtenst einschiebe. Ter Vertreter der Militärverwaltung gibt Auskunft über die neue Art der Verwertung der Altmate­rialien.

In rascher Folge wurde dann mit einigen unbedeutenden Ab­striches der Marinevoranschlag erledigt. Morgen Auswärtiges Amt.

Tie ReichswohnungSgesetzgebung auf dem Marsch.

Ter Ausschuß für die Wohnungsfrage trat heute nach längerer Pause wieder zusammen. Es wird nickt auf nur ein Wohnungsgesetz, sondern eine ganze Wohnungs- gesetzgebung gerechnet: u. a. hat der Unterausschuß schon einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Einrichtung einer Woh - nuugsinspeklion fordert. Vermutlich werden bei der dritten Lesung des Voranschlags des Reichs­amts des Innern, also noch vor Pfingsten, die Anträge des Unterausschusfes, die der H a u p t a u s s ch u ß in seiner heutigen Sitzung mit tlcuieii Aenderungen annahm, zur Sprache und zur Abstimmung gebracht werden, so daß dann die Tätigkeit der behördlichen stellen für die Vorberatung von Wohnungsgeseyeii einzusetzen haben wird. Im Buirdesrat und im Reichstag sind in dieser Richtung treibende Kräfte, aber auch bremsende und hemmende tätig.

Tie Vorschläge, die in den nunmehrigen Anträgen der Woh­nungskommission 'ür die gesordcrten Gescycntwürse gemacht werden, enthalten folgende Grundzüge.

1. M indestvorschrtften über Beschaffenheit und Benutzung der Wohnungen iLage, Lusiraum, Zu fuhr von Licht und Luit in die Sohn-, Schlaf- und Arbeitsräume, Zahl und Anlage der Aborte, Schlasstellenwesen usw - unter An­passung an die Verhälmisse in Stadt und Land.

Die volksvarteilichen Mitglieder des Ausschusses haben gestern eine Entschließung über d ic Teckofsiziere ein gebracht, die in ihrer Fassung inzwischen geändert ist und nun- mehr lautet: den Reichskanzler zu ersutt-en, in Erwägungen dar­über einzutreten, die soziale und wirt schastliche Stel­lung her Teckofsiziere der Marine zu heben. Zu- nadjft ist zu erwägen: 1. das Herausheben der Teckofsiziere aus dem Mannschaftsstande, a) Neuregelung des Grußverhältnisscs, b) Ab­schaffung der Mkiberbcyoi», c) Geheimhaltung der Personalpapiere der Deckoffiziere, di Stellung eines Putzers, e> bessere Bootsvec- hältnisse: 2. Vermehrung von Dienststellen für Teckofsiziere an Bord unserer Schiffe; 3. Einführung einer Gehaltsstaffel für alle Deckoffiziere, eine stasselförmige Fachzulage für alle technischen Deckoffiziere: 4. Gewährung eines Wohnungsgelbzuschufses: 5. bis zur Neuregelung Wiederverleihung des Zivilverforgungsstt>eins.

Zur Begründung dieser Entschließung wird kurz aus eine dem Budgeiausschuß zugegangene Broschüre über die soziale und wirtschaftliche Lage der Teckofsiziere verwiesen.

Staatssekretär v. Tirpitz stellt fest, daß-die von dem Vor­redner erwähnte Brostt üre viele Unrichtigkeiten enthalte. Ter Verfasser der Brostt-ürc, dessen Zorn sich hauptsächlich gegen die dienstlich eingerichteten .st l e^t d r b e p o t s für Teckofsiziere richtet, sei Inhaber eines SchneidcrgeschäftS für Deckoffiziere und insofern nicht ganz uninteressant bei dieser Frage. Ter Staats­sekretär betont das ausgezeichnete Verhältnis zwi­schen den Seeoffizieren und Teckoffizieren, das immer bestanden habe und weiter bestehen werde. Das Alter der Teckofsiziere werde heute überschätzt. Es handele fick dabei nur in seltenen Fällen um Personen, die über 30 Jahre alt sind Etwa MO Prozent seien jünger*. Die Frag» desPutzers" löse sich sel/r einsach durch die Praxis. (rin tüttstiger Bootsmann habe mindestetis immer einen Putzer. Der Staatssekretär stehe ein erGehaltsausbesserung derD eck ofsiziere sehr shmpathisch gegenüber, aber nicht auf dem Wege über die Putzer, sondern durch eine klare und direkte Neuregelung, zu ber die wohlwollenbe Mithilfe des R e i ch s s ch a tz a m t e s und des Reichstags notwendig sei.

Ein Zentrumsmitglied wendet sich mit großer Schärfe gegen die Entschließung. Wenn die Manne sich so großer Popu­larität erfreue, so beruhe das zum großen Teil darauf, daß Leute mit einfachster Ausbildung zu schönen Stellungen ausrücken können. Würde man nun die Stellung der Teckofsiziere noch weiter heben, so würde bald die Forderung nach Ausschuß von Leuten mit ein» lacher Votksschulbildung kommen, und er würde das bedauern. Im übrigen stehe die Entschließung im Widerspruch mit der ganzen Auffassung des Budgctausschusscs zu ähnlichen Fragen, wonach Arbeiten, die keine höhere Ausbildung verlangen, auch von unteren .Kategorien geleistet werden können,

Ein l o n s e r v a 11 v e r Abgeordneter bespricht die Pensions­verhältnisse der Teckofsiziere. Ter Staatssekretär sagt zu, die Vorschläge in Erwägung zu ziehen. Ein sozialdemokra­tisches Mitglied spricht gegen die Entschließung.

In der Abstimmung wird die Entschließung nur in ihrem ersten Sa tz angenommen, den Reichskanzler zu ersuchen, in Erwägungen darüber einzutreten, die soziale und wirtschaftliche Stellung der Deckoffiztcre der Marine zu heben. Aus den weiteren Teil der Entschließung verzichten die Antragsteller selbst im Hinblick auf den Widerspruch

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die Plätze

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.stompromißparteien konservative, Zentrum, Polen und National- liberale mit Ausnahme eines süddeutschen nationallibvralcii Ab­geordnetem fort. Von Bedeutung war zunächst, namentlich die Verhandlung und die Abstimmung über einen Antrag der Sozialdemokraten, die eine Begrenzung des M on- tingentö nach oben wollten und eine Mehrheit des Ans- schuffes dafür zu gewinnen wußten, daß em Höchstkontin - gent von 3000 Hektoliter ins Gesetz aufgenommen wird. Dieser Antrag richtet sich gegen einige größere Brennereien. Daß bei dieser Gelegenheit ein Teil des Zentrums das M o nt promiß zu u ng u nft c n bestimmter süddeutscher Interessenten durchbrach, gab Anlaß zu sehr lebhafter Auseinandersetzungen innerhalb der .stompromißparteien.

Ein zweiter wichtiger Vorgang aus der heutigen Ausschuß­sitzung ist der, daß im Gesetzentwurf der stompromißpartei ein Para­graph enthalten ist, wonach die beim Uebergang von einem Ver­fahren der Hefeerzeugung zu einem anderen Verfahren oder von einer Art des zu bearbeitenden Rohmaterials zu einer anderen' nach dem 31. März 1912 ihren Betrieb wechseln­den Brennereien eine gewisse Einbuße am Lurch- schnittsbrand zu erleiden haben. Dieser Antrag mar gestern verkeilt; heute ist in einer berichtigenden Drucksache anstelle des Datums 31. März 1912 das Dalum 3 0. A pril 19 12 gesetzt worden. Auf eine Anfrage von sozialdemokratischer Seite e r - klärte ein Vertreter der Regierung, daß dies auf Betreiben einiger Inte re f fernen gruppen ge schehen sei. Diese Erklärung rief eine erhebliche Sensation hervor, die noch dadurch verstärkt wurde, daß der Antrag auf Wiederherstellung des früheren Datums nur durch eine Zufallsmehrheit von 14 gegen 13 Stimmen abgelehnt wurde.

Ter dritte Vorgang von Bedeutung war ein Antrag Dietrich (kons.), die Betriebsauflage für den Heber- brand in den Fällen, wo der Durch,schnittsbrand durch den Bundesrat gekürzt wird, auf die Dauer der .stürzung für jedes Prozent um 2 Mark pro Hektoliter zu erhöhen. Tas würde einem vollständigen Verbot jedes Ucberbraiibee gleidjfommcn' und dadurch naturgemäß die Macht der Zentrale außerordentlich stärken. Die Zentrumspartei ließ nach den Einwendungen der Opposition, die auf diese Verhältnisse hinge- wiesen hatte, erklären, sie sei außerstande, einer derartigen Be­stimmung zuzustimmeit. Diese wurde denn auch abgelchnt.

Endlich ist aus der Verhandlung noch Zu erwähnen, baß, Vergütung aus der Bet r i ebsau f l ag e für die Zu ' fünft auch dem mit Essig unvollständig vergällten Branntwein zufließen darf, lieber die Höhe wird die Entscheidung morgen fallen.

Ter Ausschuß für daS Reich«, und Staatsangehörigkeilsgesetz erledigte heute in Fortsetzung der ersten Lesung die 20 bis 24. Durch Streichung des § 20 wurde entgegen der Vorlage bestimmt, daß der Angehörige eines Bundesstaates mit der Aufnahme in einen anderen Bundesstaat die bisherige Staatsangehörigteu nicht verliert, außer wenn er es ausdrücklich wünscht. Einstimmig wur­den die Bestimmungen des § 21 angenommen, die den Ver - lust der Staatsangehörigkeit infolge des Er­werbs einer ausländischen Staatsangehörigkeit regeln. Tcr Verlust tritt nur ein, wenn der Beteiligte roeoer seinen Wohnsitz noch seinen dauernden Aufenthalt im Inlande Hal. Soweit das Gesetz die Möglichkeit vorsieht, daß Personen, die eine ausländische Staatsangehörigkeit erwerben, gleichwohl mit Genehmigung ihrer Heimatbehörde die deutsche Staatsange­hörigkeit beibehalten, soll die Anhörung des deutschen Konsuls sichergestellt und damit zugleich Dem politischen I n t c r e s sd e s Reichs Rechnung getragen werden. Ties Interesse kann auch erfordern, daß der Reichskanzler in der Lage ist, die^Bribehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit beim Erwerb der Staatsangehörigkeit in einem bestimmten ausländischen Staate allgemein zu verhindern: hierbei werden hauptsächlich solche Staaten in Frage kommen, die von den Aufzunehmenoen etwa dte Abschwörung der Pflichten gegen i h r frü­heres Vaterland verlangen. Unter Avlehnung eines" sozialdemokr. Antrags merben in H 22 die für die A usbür- gerungwegen Nichterfüllungder Wehrpf licht maß­gebenden Vorschriften genehmigt. Danach verliert ein militär­pflichtiger Deutscher, der im Inland weder seinen Wohnsitz noch seinen^ dauernden Aufenthalt hat, seine Ltaaisangehörigkeit mit der Vollendung des 31. Lebensjahres, sofern bis zu diesem Zeitpunkt noch feine endgültige Entscheidung über diesen Zeitpunk: hinaus nicht erfolgt ist. 8 23 gibt der Zentralbehörde des Heimat- staats die Möglichkeit, einen Deutschen, der sich tm Auslande aufhält, seiner Staatsangehörigkeit verlustig zu erklären, wenn er im Fa11 eeines Krieges ober einer Kriegsgefahr einervomKaiserangeordneten Aufs Order ungzur Rückkehr keine Folge leistet. Und nach § 24 kann ein Deutscher^der ohne Erlaubnis seiner Regierung in auslän­dische Staatsdienste getreten ist, ausgebürgert werden, wenn er einer Aufforderung zum Austritt nicht Folge l e i st e t.

Ter Wahlprufung-ausschuß

kam heute zur Entscheidung über die Wahl b:i Abg Paul s. iHagetww. 9iad: dem Ergebnis der Prüfung ist der mialocmj- kratische Bewerber zu unrecht anstatt des vollspartLilichen in die

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Au; den Reichstagsausschüfien.

' Berlin, 14. Mai.

Ter Marine-Voranschlag im Budgetausschuß.

Tic ersten Stunden der heutigen Beratung des Budgetau: schusfeS füllte vollständig die Erörterung der Frage der Stel­lung der Marine-Ingenieure. Tie Volkspartei l ich en Mitglieder ersuchen in einer Entschließung den Reichskanzler, dem Grundsatz praktische Geltung zu verschaffen, daß das Marine-Ingenieurkorps neben dem Seeoffizier steht und iafo nach dem Vorgang anderer Marinen ein weiterer Ausbau er Dienst grade Marine Ingenienrkorps in die Wege geleitet rott den soll. Ter Llbg. Tr. Struve begründet diese Entschließung tingel-end.

Staatssekretär v. Tirpitz äußert sich zunächst zu einem Ai titel des Abg. Struve in der heutigen Morgennummer des ,,B e r linerTageblat t". Tie Berechnungen überSeeoffiziere bei uns und in England" entbehren her Schlüssigkeit, weil sie auf unzutreffenden Angaben aufgebaut sind. In England herrstt)e nebenbei ein so starker Mangel an Seeoffizieren, daß

llnzahl von Dockoffizieren zur Auffüllung vakanter Sei offiiierftellen herangezogen wurde. Tie Vergleiche zwischen Tonnen gchalt und Seeoffizierzahl sind an sich anfechtbar: z. B. haben französische Blätter gemeldet, daß in Frankreich ein Seeoffizier au* 220 Schiffstonnen, in Teutschland ein Seeoffizier auf 1352 Tonnen komme, was das Gegenteil dessen beweisen würde, waS in dem Tageblatt-Artikel ausgeführt ist.

Ter Staatssekretär roenbet fick dann zur Befprechitng der I tt g e n i e u r f r a g e und der Entschließung der Fortsckr. Volkspartei und empfiehlt deren Ablehnung. Er lehnt ein Be dürfnis für die Erweiterung der S t r a f g e w a l l s b e- fug nisse an Bord der Sckiffe ab. An den bewährten Unter ordnungsverhältnissen im Bordledcu müsse prinzipiell fcstgehal ten werden. Auch die Marine Aerzte und Seebalaillons-Offiziere müßten sich diesen Verhältnissen fügen. Tic Entschließung fei geeignet, Unzufriedenheit zu erzeugen. In der englischen Marine fei man von dem durch Lord Seiborne cingeführlen gemeinschaft­lichen Erziehungsmodus von Seeoffizieren und Ingenieuren wieder abgekommen. Man Ijabc einen Ausf ch u ß eingesetzt, der diese Vcrhältnisfe neu regeln solle.

Ter fortschrittliche 9lbge\ 'bncte verliest hierauf ein ihn, zugegaugenes geheimes Dienstschreiben. Der Staats­sekretär erwidert Darauf: Wenn die Verl)ältnisfe für die In^ gcnicurc so schlecht wären, wie sie foeben angegeben worden, so würden sich nicht so viele Anwärter zu diesem Beruf melden. Es sind dreimal so viel Anwärter vorlwnden, als notwendig. Der Staatssekretär bedauert, daß der freisinnige Abgeordnete in der Lage ist, ein internes Schreiben hier zu verlesen, das ihm nur durch den B er t r a u e ns b r u ch eines Marineange­hörigen iugegangen sein kann. Nun handele es sich aber bei dem Schreiben nicht um einen Antrag an das Reichsmarineamt, son hem um ein Rundschreiben zur Prüfung der ganzen Frage inner halb der Hochseeflotte Tie überwältigende Zahl der befragten Schiffskommandos bat sich ablehnend gegen die Ausdehnung der strafgercait an Bord ausgesprochen. Als oweder die Strafgewalt der Seeosfiziere, noch der in gleichartiger Stellung und Eharge befindlichen Ingenieure solle erweitert werden.

Ein Zentrums Mitglied spricht gegen die volkspartci- lichc Entschließung, die keineswegs öen Wünschen der Mar in e- ingcuieurc entspreche. Die Zuweisung von Strafgewalt würde nicht im Interesse der Mannschaften liegen, die damit einer mehrfachen Strafgewalt und in vielen Fällen einer Verschärfung der Strafe unterworfen würden. Dem schließt sich auch ein sozialdemokratisches Mitglied an: auch nach seiner Auf­fassung liege fein Bedürfnis für neue Stellen vor.

Der ö t a a 13 f c f r e t ä r verliest zur Charakterisierung der Auffasf'ungen, die im Ingcuieurkorps herrschen, ein ihm zu- gegangenes Schreiben des ältesten Ingenieurs der Marinestation der Nordsee und fügt hinzu, er habe rin gleichartiges Schreiben beide Schreiben selbstverständlich unaufgeforbert vom ältesten Ingenieur der Marinestalion de r Ostsee erhalten. Beide schreiben spiegelten den Geift wieder, der wirklich im Ingenieurkorps herrsche. Tas erste dec beiden Schreiben lautet:

Wilhelmshaven, den 25. April 1912. Allem Anscheine nach bereitet der Abg. Tr. Struve für die demnächst beginnenden Verhandlungen des Budgetausschusfes einen neuen hef­tigen Vor st o-tz gegen den Staatssekretär des R e i ch s m a r i n e a m t c s im Interesse der Marineingenicure vor. Er hat die-en Mampf mit einem Artikel in denTeu- schen Nachrichten" Nr. 65 vom 17. März d. I. begonnen. Im Namen der hinter mir stehenden aktiven Marineingenieure der Nordfeestation verwahre ich mich dagegen, daß der Abg. Dr. Struve mit bei Wahrnehmung nu­ferer Interessen betraut worden ist. Meine Kameraden und ich stehen dem Treiben des Abg. Struve durchaus fern. Wir erblicken in den Bestrebungen des Tr. Struve nickt den geeigneten Weg, die Ent­wicklung unseres Morps zu fördern, und find davon überzeugt, daß die Erörterungen im Reichstag und in der Presse in hohem Grade geeignet sind, dem Ansehen des Marine-In- genieurkorps zu fchaden. Ich erhoffe, daß von dem Staats­sekretär des Reichsmarineamtes Mittel und Wege gefunden werden, um dem Abg. Struve zum Ausdruck zu bringen, daß bas M a r i n e - I u g e ui c u r k o r p s sich j e b c Ein­mischung in seine Interessen verbittet."

Der Abg. Gothein verteidigt seine Parteifreunde gegen den Vorwurf des Pertraueusbruckw- Wenn seiner Partei solche Tinge zugehen, sei es ihre Pflicht, das zur Sprache zu bringen. ES sei in her Tat für die Stellung der Ingenieure erdrückend, wenn die höchst erreichbare Stellung die eines Fregattenkapitäns | >ei. Es entspräche nicht der Bedeuntug dieses Staubes. __ Der Abgeorbuete verwies bann aus zwei Schreiben hohe r^S e c - Offiziere, in denen eine Einschätzung der Stellung der Sckiffs- ingenieure zutage tritt, die keineswegs der Auffassung des Reicks tages entspräche. Es banbclt sich z. T. um sehr scharfe Aenne tungen:Die Anmaßung der Ingertieure werde immer größer und es sei Zeit, energische Schritte dagegen Zu ergreifen. Es fei nickt wünschenswert, daß Seeoffiziere und Ingenieure aus bcnfelben Familien genommen werden, weil dadurch salfche gesell- ichastlickfe Vorstellungen usw. entstehen könnten, und anderes mehr. Weiter luirb darüber in einem dieser Schreiben Beschwerde ge- mhrt, baß ein Ingenieur es geivagt habe, mit 'einer Frau bei einem Seeoffizier Besuche zu m a ch c n. Gegen bicscn ganzen Kreis ber Uebcrhebung wolle seine Partei mit ihrer Entschließung anfänwfcn.

Der Staatssekretär betont, daß er selb ftausbrücklich gegen bieses Schreiben Verwahrung eingelegt habe.

Ein Zcntrumsabgcorbueter wendet sich nochmals fegen die Zuweisung der Strasgewalt an die Ingenieure: er fei im Interesse ber Mannschaften entschieden gegen die Entschließung, ''las das Rundschreiben des Chefs der Hochfeeflotte seien cb- l lelfnenbc Aeußeruugcn von ber Flotte eingegangen.

Ter Antragsteller Struve gibt seinem Erstaunen Ausdruck über den lebhaften Widerspruch des Staatssekretärs gegen die Entschließung, obwohl er doch die von seinen Parteifreunden ge­rügten Ausführungen selbst nicht billige.

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