Deutsches Ueich.
Dem p r e u fe 11 U) c 11 *<. u a j r ujl c t c it 1} a u f e ging ein Antrag der Fortschrittspartei zu, die Stqaisregierung zu ersuchen, m Ausführung des Artikels 61 der preußischen Verfassung einen Die Verantwortlichkeit Der Al inister regelnd en Gesetzentwurf vorzulegen. Ein weiterer Antrag der Fortschrittspartei ersucht die Ätaacsregierung um Vorlegung eines Ge/ctzenlwurjs, der eine einheitliche uiu den veränderten Zeitverhättnisslni entsprechende Neuregelung des gesamten Beamtenrech.s herociführt.
'Die römische „Trlluna" erfährt, daß Derr von Kiderlen- Wächter, der sich gegenwärtig in Stuttgart auf Urlaub befindet, beabsichtige, einen Teil des Urlaubs in Norditalien zuzubringen. Wahrscheinlich werde Herr Kidenen-Wächter Lei dieser Gelegenheit eines Tages auch nach Rom kommen, um den Minister Les Aeustern San Giuliano persönlich kennen zu lernen.
Die Schweizerische Depeschen-Agentur meldet: Am Samstag eröffnete der deutsche Gesandte v. Bülow dem Bundespräsidenten mündlich, der Kaiser gedenke Anfang September die Schweiz zu besuchen. Der Bundes- Präsident sprach dem Gesandten seine Freude über diese Eröffnung aus. Der Bundesrat nahm in der Sitzung vom Dienstag hiervon Kenntnis und genehmigte und- erteilte die Antwort.
Ans Hessen.
Eioe Beso.dungsrcform ohne Lternrerhohuuz?
rb. Darmstadt, 16. Jan. Die von der Regierung Ende Januar zugefagte Vorlage über die Reform der Beamtenbesoldung wird sicherem Vernehmen nach eine mäßige Erhöhung für die Beamten aller Besoldungsstufen bringen. Zur Bestreitung der Kosten sollen neben dem rechnerischen Ueberschuß von 430 000 Mk. aus dem neuen Vorunschlag noch weitere Ueberschüsse, besonders aus den Eisenbahnerträgnissen, herangezogen werden. Es soll auf diese Weise ermöglicht werden, die Besoldungsreform ohne Stcuererhöhung durchzuführen.
Tie Vere nfachung der Staat.Verwaltung.
rb. Darmstadt, 13. Jan. Der parlamentarische Sonderausschuß für Vereinfachung der Staatsverwaltung hat heute nachmi.tag Li Gegenwart zahlreicher Regierungsver^rcter im Sitzungssaal der Ersten Kammer eine bis gegen 7 Uhr andauernoe Satzung abgehalten. Den Vorsitz sü^rre Staatsmi.lister Dr. Ewald. Die sehr eingehenoe Beratung drehte sich vorzugsweise um die Vorschläge der Regierung zur Reorganisation der Forst- Verwaltung, der Bauabteilung und der Bergbaubepöroe.
vom türkisch-italienischen Kriegsschauplatz.
Beschießung eines sranzösischen Postdampfers.
Paris, 16. Jan. Nach einer Blüttermeldung aus Marseille wurde der daselbst eingetroffene Poft- dampfer „Sinai" der Messagerie Maritime am 8. Januar, kurz nach der Abfahrt von Smyrna, von mehreren türkischen Kanonenbooten beschossen, ohne jedoch getroffen zu werden. Der Kapitän des „Sinai", unter dessen Passagieren eine große Panik entstand, signalisierte den Namen seines Schiffes, woraus die türkischen Kanonenboote, lic Liren Irrtum ccfannt hatten, sich zurückzogen. Es scheint, naß die Turren den sranzösischen Dampfer in Verpacht harten, Kriegskonterbande an Bord zu haben. Der französische Botschafter in Konstantinopel, dem der Kapitän über den Vorfall Bericht erstattete, hat bei dem türkischen Minister des Aeuhern Vorstellungen erhoben.
Ein beschlagnahmter französischer Tampfer.
Tunis, 16. Jan. (Agenze Haras.) Es benötigt sich, daß derDampser „K a r t h a g o", der den P o st d i e n |t von ALar- feille nach Tunis versieht, aus hoher See von italinischen Torpedobooten angehalten und nach Cagliari gebracht worden ist. Die „Karthago" hatte ein Flugschiff des Fliegers Duval und Teile eines Flugschisfes des Fliegers Ovre geladen. Tie italienischen Behörden, Die Flugschiffe als Kontrebanoe betrachten, haben das Flugschisf ausgeladen. Duval und Obre, die bereits in Tunis angetommen sind, haben beim General resident en Beschwerde erhoben.
Rom, 16. Jan. iDie Agcnzia Stefani meldet aus Ben- tlhasi vom 14. Januar: Ein zur Rekognoszierung ausgehendes halbes Regiment .Kavallerie hatte mit einer Gruppe Beouinen ein Scharmützel, bei dem die Italiener einen Leichtverwundeten, die Feinde fünf oder sechs Tode hatten.
Innere Schwicrigseiteu in der Türkei.
Konstantinopel, 16. Jan. Die Mitglieder deS Sonderausschusses des Senats, der untersuchen soll, ob
- Stadtrat Sahm-Magdeburg). Im Anschluß an di:s2 St^ungf . findet int Klubsaale (Gwßener GescllschaftshauS), Sonnen- : straße 19, ein gemeinsames Essen statc — trockenes Couvert
3 Mk. (Beginn etwa 2 Uhr.) Für den Abend ist ein gemeinsamer Besuch des Sladttheaters vorgesehen; zur Aufführung gelangt „Hans Sonnenstößers Höllenfahrt", ein ■ heiteres Traumbild von Apel.
** Zur Wohltätigkeitsveranstaltung des Automobil-Club sGteßenundUmgebungA.D. A. C. sind wir gebeten, noch folgende Zeilen aufzunehmen: Tie Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten des hiesigen Säuglingsheimes hat, wie berichte:, einen sehr befriedigenden und schönen Verlauf genommen und wie man hofft, auch einen pekuniären Reinertrag in ganz stattlicher Höhe erzielt. Die genaue Aufstellung hierüber wird in einigen Tagen eingehend veröffentlicht und die Belege der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.. So wenig also ein Mißerfolg erzielt worden ist, so sicher ist es auch, daß bei einem etwas regeren Besuche — es waren etwas mehr als die Hälste der vorhandenen Plätze verlauft — bei einem Besuche, wie das Programm u;n eigentlich hätte erwarten lassen, ein bedeutend höherer Reingewinn halle erzLll werden müssen. So ist es z. B. doch lehr zu verwundern, daß aus Professoren- und Oifizierskreisen dieser Veranstaltung so gar kein Interesse gezeigt worden ist, das den durch den Klubball veranlaßten schwächeren Besuch etwas ausgeglichen hätte. Es wäre zu wünschen, daß die hofsen.- lich nunmehr überwundene S^yeu vor Veranstaltungen des Automobil-Clubs Gießen in Zulunst weniger zutage treten möge. Doppelt lobenswert muß daher Das von einigen Geschäftsleuten grzeig.e rege Interesse für die gute Sache erscheinen und anerkannt werden. Tas Blumenhaus Dietz am Seltersweg hat als Dank für die vom Automobil-Club Gießen gemachte Bestellung von sechs großen Lorbeerlränzcn die so gefällige Ausschmüctung des Theaters kostenlos übernommen. Herr Stückrath lieh Die notwendige große Anzahl von Tischen und Stühlen ebenfalls entgegencom- mendcr Weise, ohne dafür eine Rechnung zu stellen. Herr Rath, der Bescher des Lass Ernst Ludwig, — in Dem übrigens nach dem Koitzerte die veranstaltenden Vereine im Familientreise sroh vereint noch schöne Stunden verlebten — hat den während der Teepause ausgeschenllen Sekt, ca. 80 Flaschen, fast zum Eintaufspreife Überla,sen und sich und seine Angestellten der guten Sache unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Weitere Unterstützung wurde dem Auto- mobil-Elub Gießen und Umgebung H. D. A. C. zutell durck das Entgegenlommen des Herrn Eiges, Restaurant Royal, sowie der Herren Löwer unD Bechstein, Neustadt, und Der .Herren Gebrüder Datz in Firma Carl Schwaab Nachfolger. In danlenswerter Weise stellte Herr Theaterdirektor Stein« go etter die erbetenen Kostüme, Utensilien und Requi- ,iten dem Club zur Verfügung, und Herr Oberregisjeur Backoff hat mit Rat und Tat die Veranstaltung unterstützt. Besonoers lobenswert muß nocy das Entgegenkommen des Verlages Ahn und Simrock, Berlin und G. Rieordi u. Co., Leipzig hervorgehoben werden, die tantiemenfrei das Aufführungsrecht ,ür Samson und Dalila und Maskenball genehmigten und die Erlaubnis erteilten, das erforderliche 'Notenmaterial bei der Generaldirellion des Darmstädter Hoftheaters anszuleihen. Die Intendanz dieses Theaters stellte demzufolge die Noten liebenswürdiger Weise kostenlos zur Verfügung. Aus alle dem kann man ersehen, welche große Arbeit zu leisten war und daß eine große Summe selbes erspart worden ist. Zum Schlüsse fei auch hier Der Bereitwilligkeit der Damen und Herren gedacht, die während der kurzen Zeit der Teepause den stattlichen Reinverdienst von saft 300 Mark ermöglichten. Allen Besuchern der Veranstaltung unseren geziemenden Dank — auch im Namen der'er, die es angehll
'"' Reichstommers der Gießener und Marburger Burschenschaft. Wie alljährlich sindet in Gemeinschaft mit den Drei Burschenschaften der Universität Marburg eine von der gesamten Dnr.chenfchast der hiesiaen Universität, veranstaltete Gründungs,eier des Deutschen Reichs statt. Dem in Steins Saatbau am Abend des 17. Januar anberaumten Kommers geht am Mittag gegen 4 Uhr ein Zug voraus, der sich von Der Bahn aus, wo Die Marburger Burschenschafter abgeholt werden, durch die Straßen der Stadt nach dem „Anores" bewegt. Den Vorsitz führt die Gießener Burschenschaft „Frankonia".
** Reichsgründungsfeier. Vom Alldeutschen Verband wird uns geschrieben: In der morgen Donnerstag stattsindenden allgemeinen Reichsgründungsfeier wird der Bauersche Gesangverein Den Isis und Osirischor aus der Zauberflöte von Mozart, die Schillerschen Drei Worte des Glaubens, vertont von Zöllner, und den deut-- chen Ehrenpreis von Methfessel zum Vortrag bringen. Fräu- etn I. Stammler wird singen „Dunkel, wie dunkel in Wald und Feld" von Brahms, „Wer in die Fremde will wandern" von Wolf, ,Leiser schwanken die Aeste" von Strauß, „Wenn die Rosen blühen" von Reichard und „An ihren bunten Liedern klettert" von Weingartner. Als pia- nistische Darbietungen hat Herr $. Hahn „Auf Flügeln des Gesanges" von MendelssohnLiszt, die Gavotte D-moll von d'Albert und den Balse brillante As-dur von Chopin ausgewählt. Auch in künstlerischer Beziehung wird aiso der Abend der Bedeutung des Tages vollauf entsprechen.
** Stadttheater. Unter den wenigen dramatischen Neuheiten der letzten Zeit, die einen ehrlichen Erfolg errungen haben, fleht „Hans Sonnen st ößers Höllenfahr t", cm hlltcres Traumspiel von Paul Apel an etiler Stelle. Von Der Urauf» ühtung am Dresdener Lvitheatet aus ist das Werk von Ersolß zu Erfolg geschritten und erst in Den letzten Tagen roieDer am vof- theater in Karlsruhe und Den Stadttheatern zu Straßburg und Dortmund mit vielem Beifall aufgefuhrt worden. Die hiesige Premiere des S.ückcs findet Dienstag, 23. Januar, statt. — In Vorbereitung für Die nächste Zeit stehen außerdem: Lolöerg, Juilus Cäsar, Lollchcns Geburtstag, Leibgardist, Bildschnitzer.
** Treue im G e s chä fls l e b e n. Dieser Tage wurde und ein altes Quittungsbuch vorgelegt, aus dem heroorgeht, daß Wirt Johs. Kehr in Treis a. d. L. seit 1845 mit der Firma I. Kann Söbne hier im ununterbrochenem geschäftlichen Verkehr steht. Während das Quillungsbuch, das auch sonst manche iinereifanttn Angaben enthält. Die Verbindung seit 1845 nach-- weist, ist auf andere Weise festzustellen, daß die geschäftlichen Beziehungen zwischen Der Firma Kann und der Familie Lchr bis zum Jahre 1832 zurückgehen.
** Be118wcch> el. xer Bankier Joseph Herz kaufte von Kratz aus Glauchau einen ca. 2000 qm großen Garten an Den Eichgärten für Mk. 8000.
LanDkreiS Gießen.
-r Klein-LinDen, 16. Jan. Unser Kriegerve rein hielt am Sonntag bei Kamerad Friedrich Rinn seine Jahresoer sa mm lung ab. '5>er Vorsitzende, Lehrer Keil. erstattete Den Jahresbericht. Der Verein zählte am 31. Dezember 100 uroentiieuc, 15 außerordentliche Mitglieder und zwei Ehrenmitglieder. Sechs Mitglieder traten neu bei, eins verzog nach Lützellinden. Es wurden 42 Hejsifche Kamerad und 100 Hajsiakalcnder gelesen. Der Verein hat in Gemeinschaft mit der Gemeinde eine Veteranengtoenktafel errichtet. Die die Namen von 28 Betevane»
Der Artikel 35 immer vollständig befolgt worden ist, gehören zum größten Teil der jungtürkifchen Partei an, die dadurch eine rasche Auflösung der Kammer zu erreichen hofft. Es heißt, daß Hilmi Pascha, der gegen eine sofortige Auflösung der Kammer war, seine Anschauung geändert habe. Es wird behauptet, die Jungtürken hätten ihm dringend nahegelegt, unmittelbar nach der Auflösung das Großwesirak zu übernehmen. Weiter verlautet, das Dekret ,-ur Auflösung sei bereits unterzeichnet. Nach anderen Gerüchten übernimmt Hilmi Pascha vorläufig das Ministerium des Innern.
Konstantinopel, 16. Jan. Der Senatsausschuß sprach sich zugunsten der Kammerauflösung aus.
Heer und Flotte.
Eine Skansalgc,chichte im französischen Heer.
Paris, 16. Jan. Aus Dole im Departement Jura lvird den Blättern gemeldet, daß vier Korporäle des 14. Jägerregiments einen Viehhändler an einen abgelegenen Ort lockten und ihn, nachdem sie ihn durch einen Säbelhieb schwer verletzt hatten, zu berauben versuchten. Der Angegriffene wehrte sich jedoch verzweifelt und stieß laute Hilferufe aus, so daß die Soldaten fchließ- lich die Flucht ergriffen. Am anderen Morgen wurde der Viehhändler sämtlichen Korporalen des 14. Jägerregiments gegenübergestellt und erkannte sofort seine Angreifer, Die unverzüglich in Hall genommen wurden.
Korporäle als Straßenränder; das gereicht dem Heere, auf- das die Franzosen sich so viel einbiioen, wahrlich nicht zur Ehre!
Au» Stadt und Land.
0) i e b e n, 17. Januar 1912.
** Tageskalender für Miitrvow, 17. Januar: Stadt-
ll h e a t e r: , Lolior ixlaus/ An'aug 7 Uhr.
D
— Reichstagswahl. In Der heutigen Nummer be- inben sich mehrere amtliche Beka nntmachu ngen wegen Der Reichstags-Stichwahl, worauf ausdrücklich hin- gewiesen sei.
** Staatsbahn-Personalien. Ernannt würbe Der Eisenbahn^Rangierfüyrer Karl D e r n in Gießen zum Eisenbahn-Rangiermllfter, Der Stalionsgehilfe Grölz unD der Eisenbahn-Aushelfer Thiemer, biroe in Gießen, zu Weichenstellern (Eisenbahn-Gehilfen). Versetzt wurde oer Baynmeifteraspirant Küllmer von .Gießen nach Höchst a. M.
♦* Die Lahnkanalisation. Der Zentralverein ür deutsche Binnenschiffahrt veranstallet am Dienstag, den 23. Januar, vormittags 10V, Uhr, in der alten Aiua der Landesuniversi.ät eine Sitzung seines Großen Aus- chusses. Auch Nichtmiiglieder des Ausschujses, nicht nur alle mittelbar durch die Zugehörigkeit zu unserem Verein dem Zentralverein Ang^sci-losfen.n, sondern auch onftige Interessenten können Daran llilnehmen. Zur Verhandlung steht folgende Tagesoronung: 1. Geschäftliche Erteilungen. 2. Das neii£ Projekt einer Kanalisierung rer Lahn für 230 Tonnen^chisfe a) nach der technischen Seite (Berichterstatter Regierungsbaumeister a. D. Arnolo- Franlsurt a. M.), b) nach der wirtschaftlichen Seite (Berichterstatter: HanDelsiammersynDiius Dr. Metfchte-Wetz- ar). 3. Ter zweckmäßige Typ eines Motorschiffes für Den Verkehr aus der Layn und Den anschließenden Wasser- traßen (Berichterftatter: Geyeimrat Prosenor Flamm- Charlottenburg). 4. Tie Koph^imer Schleuse uno Die Jn- teresien Der S^ainschi,fahrt (Berichterstatter: Handetstam- mersynDiius Dr. Trumpier-Franksurt a. All). 5. Dec neue Entwurf eines preußiscyen Was,erge|etzes (Berichterftaller:
Zum Uebetfall auf Yuanschikai.
Peking, 16. Jan. Drei von Den Angreifern Puanschikais sind scstgenommen worden, außerdem wurden noch drei andere RenolMionäre unter dem Verdacht der Mit- töterschaft rcrha tet. Ein Poli^eibeamter u. ein Seldat nur.cn Durch Die für Puamchiiai bestimmte Bombe ß2tötet, zwöll Soldaten und Drei Zivilisten verletzt. Auch eine Anzahl Pferde sind getötet und verletzt worden.
Den Termin der Beerdigung ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen.
Einer ber wenigen deutschen Diplomaten, die noch unter dem Fürsten Bismarck auf Den höchsten Stellungen Des auswärtigen Dienstes gestanden haben, ist mit dem in Berlin verstorbenen Botschafter v. Radowitz Dahingegangen. 1839 in Frankfurt a. M. als Sohn des bchnn.en Generals und Politikers geboren. Der unter Friedrich Wilhelm IV. eine so bedeutende Rolle spielte, studierte er Die Rechte, trat 1860 in Den Diplomatischen Dienst unD kam als Attachee zuerst nach Konstantinopel, Dann in Den Fernen Osten und wurde 1865 nach Paris versetzt, wo er vier Jahre blieb. An dem Feldzug 1866 nahm er als Ordonnanzoffizier des Prinzen Friedrich Karl teil. 1869 wurde er zum Generalkonsul in Bukarest ernannt. Nach einer kurzen Tätigkeit als Geschäftsträger in Konstantinopel wurde er 1872 in Das Auswärtige Amt berufen, um die orientalischen Angelegenheiten zu bearbeiten, wozu ihm feine Erfahrungen im Osten besonders befähigten. Obgleich Radowitz :toei Jahre später zum Gesandten in Athen ernannt wurde, blieb er doch tatsächlich mit kurzen Unterbrechungen dauernd in Berlin, bis er 1880 als Geschäftsträger nach Paris ging, um bann 1882 als Botschafter nach Konstantinopel versetzt zu werden. Hier gewann er einen außerordentlichen Einfluß beim Sultan und erfreute sich zugleich bet feinen Landsleuten wegen seines kräftigen Eintretens für ihre Interessen Der allgemeinsten Achtung und Beliebtheit, fo daß man ihn mit großem Bedauern scheiden sah, als er 1892 nach Madrid als Botschafter kam. Die Gründe dieses Wechiels braucht man, so stellt heute auch Die „Köln. Ztg." fest. Der wir Die je Angaben entnehmen, heute nicht mehr zu erörtern, sie lagen nicht in ben Leistungen Des Herrn v. Rabowitz. Nocp einmal bot sich ihm Gelegenheit zum Hervorlreten, als er 1906 am ber Konferenz von Algeciras Deutschland vertrat. Zum Zeichen der Anerkennung seiner Verdienste verlieh ihm der Kaiser den Schwar'en Mlerorben. Er tonnte, was leiten vorkommt, Das 25 jährige Jubiläum als Botschafter feiern. Dann trat er ball) in den Ruhestand. Von seinen Söhnen hat einer ebenfalls die diplomatische Laufbahn gewählt unD wirkt augenblicklich als Botschafter in Tokio^__
BieReg erungserfläruiig in Oer französischen itammer.
Paris, 13. Jan.
Die in der Kammer und im Senat verlesene ministerielle Erklärung betont, daß es die gebieterische Pflicht der Negierung sei, alle Fraktionen der republikanischen Partei zu demfelben nationalen Gefühl zu eini- Sen uno so schnell wie möglich die endgültige Ratifizierung es Vertrages zu sichern, über.den im Namen Franireichv verhandelt worden ist.
Der Vertrag, so heißt es weiter, der, wie wir nicht zweifeln, bald durch ein loyales Abkommen mit Spanien ergänzt löeroeu wird, wird uns erlauben, in Diarokko ein Protellorar einzurichten, welck)es das natürliche Ergebnis unserer afrikanischen Politik ist. Er wird uns ebenfalls erlauben, zwischen einer großen benachbarten Nation unD F r a n k r e i ch aufrichtig im fricDIidjcn Geiste höfliche und freimütige Beziehungen aufrechtzuerhalten, Die zur GrunD- lage haben Die gegenseitige Achtung vor Den Interessen und Der Würde beider Länoer. Ebenso wie früher gedenken wir, unserem Bündnis und unseren Freundschaften treu zu bleiben. Wir w.rden uns bemühen, sie mit jener Beharrlichkeit und Stetigkeit zu pflegen, die bei den Geschäften ber Diplomatie das be.'te Pfand für Redlichkeit unD Billigkeit sind. Die Regierung ist entschlojstii, ihre Verantwortlichkeit zu übernehmen utu> ohne Schwache thre Autorität auszuüben.
Die Regierung hat nicht nur die öffentliche Ordnung auf» rechtzuerhalten, Verbrechen und Vergehen zu unterdrücken, sie muß auch unter der Kontrolle der Kammer Die Rolle des sozialen Leiters unD Erziehers spielen. Die Regierung ttnrD Den Beamten einen bestimmten Statut geben, unD in tur^er Zeit über Die Wahlrechtsreform abi.imincn laisen, sie wird die Laienschule, welche eine die nationale Gewissensfreiheit ängstlich hütende Schule bleiben muß, gegen Die ivitematischen Angrftfc verteidigen und Den Schulzwang energisch durchführen. Weiter wird die Regierung bemüht sein, zu Dem Gesetz betreffend Die Arbeiter-Ruhegehälter zwisckren Der Kammer und Dem Senat unverzüglich eine Einigung herbeizuftih.en. Eb.nso wird die Frage Der JnvaliDilätsversicherung bei gegenseitiger Müarbeit unverzüglich geregelt toerDen. D.e Prüfung des Einkommensteuergesetzes Durch Den Senat soll beschleunigt werden, um Die Annahme ber Steuerreform sicherzustellen, Die endlich Die öffentlichen Lasten ohne drückende Maßnahmen zu einer gerechteren Verteilung bringen soll. Die Regierung wird bestrebt sein, Die Betätigung Des franzöjischen Kapitals zu fördern und es sich zur Pflicht macken, diele finanzielle Kraft, die eine so große Hilfe für Frankreich ist, mit den Land- unb Seestreitkräftcn in .Einklang zu bringen. Wie aufrichtig Frankreich auch den Frieden wünscht, so ist es nicht Herr über alle Zufälligkeiten. Es will seinen Aufgaben stets gewachsen sein: deshalb wird die Regierung der Armee und 9JZarine Aufmerksamkeit und Fürsorge aitgedeiheu lassen und in ihnen die geheiligten Stützeit der Republik und des Vaterlandes erblicken.
Die das deutich-,riilzo,ija)e Avtommen betreffenden Stellen der Regierungserklärung wurden von der Stummer mit vollständibern Schweigen angehört. Die Aussprache über die Regterungserllärung nahm einen ruhigen Verlauf. Die von den Republikanern der Linken eiugcbrachte Vertrauens-Tagesordnung wurde mit 440 gegdn 6 Stimmen angenommen. Tie geeinigten Sozialisten, eine Anzahl Sozialistisch-Radikaler und die Konservativen enthielten sich der Wstimmung.


