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Dienstag, 16. Zamiar M2
162. Zahrgang
Erstes Blatt
General-Anzeiger für Oberheffen
Äuzetger Gictzcn. d ’ * ’’ . w
Xnnadme von A.izeizea Hoiafionsbnid und Verlag der vruhl'fchen Univ.-Vucks. und Zleindruckerei R. Lange. Redaktion. Lrpeditton und Druckerei: Zchmflraße 7 bis üönmnaflsnyuiu” Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschästsslclle vahnhosstratze 16a.
Be^nqSvrei 3: monot(idi75"BfM viertel« jährtiff) Mk. 2.20: durch .'ibbolc- il Zweigstelleir monatlid) 6ö '!?{.; Durch die Post Mk.2.— viertel- jährt. au«id)L BeileUg. 3cileni>rei5: lokal lö'UU ausivärtS 20 Ptenniq. Chefredakteur: A Goetz. Veraulwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuilleton'. .Vernnschtes' imb .Gerichtsiaal-: St. Neurath; für .Stadt und Land": (L^cb; für den Anzeigenteil: H. Beck.
llr. 15
Ter Siebener Nnzel-er erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: luermot wöchentlich HicbciterZamttleriblLUer, r,i>ciiiinlivod)ciitl.Kiti$: blollfür bcn Kreis Siefjct: iTieustagund^reitaas; zweimal nionoil. Land wirtschaftliche Seitfragcn r<eniivved) - Ausdtlitne: für die Redaktion 112, Berlag u. Expedition 51 91hi efie für Tepeldieu:
Die Heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
1. für Aufrechterhaltung des bestehenden Wahlrechts für den
uctiiänümd mit uns zu entschewen.
in der fortschrittlichen
In der nattonalliber<Aen toi;
Der Kaiser in der Deutschen Grientgesellschast.
(Vortrag eines Gießener Professors.)
In Gegenwart des Kaisers und vor einer zahlreichen aläuzenden Versammlung hielt in der Deutschen Oricntgese.l- ia>ast am Sonntag naajmihag der (Siebener Archäologe Professor li. Watzinger einen Lichibilderoortrag über die deutschen Forschungen in Palästina. Es waren insonderheit die Ausgrabungen der Deutschen Orientge.ellfckaft, denen der Vortragende als archäologischer Augenzeuge beigewohnt hatte, die der noch jugendliche Gelehrte in den Kreis seiner Betrachtungen zog.
Professor Wavinger erzählte zunächst von den Forschungen im Berglande Galiläa, wo die ^deutsche Expedition eine hochinteressante Synagogenruine in Telhu freilegte. T.ese Stadt ist das alle Eapernaum am See Genezareth, und in der aufgelegten Synagoge haben wir die Stätte zu sehen, an der Jstus als Jüngling weilte. Tics Gotteshaus zeigte den für seine Eni- siehullgüperiode, die Ztomerzeil, charatteristischen Grundriß der dreiteiligen Basilika. Die Außenfront der Synagoge ist noch in ziemlich guter Weise erhallen; sie . zeigt reichen figürlichen Schmuck, der, späteren Satzungen entsprechend, wieder abge.nechelt zu sein scheint. In Galiläa hat bie CrientgeieLfa^ft noch veis'cl>i ebene andere alstüdische Tempelruinen entoedt. Von größerer Bedeutung aber waren die Funde in der Totenstadt von Petra, unweit der Hedschasbahn, wo man besonders ein wunderbares Grabdenkmal aus rotem Sandstein, das sog. „Schavhaus des Pharao" erforschte. Zum Schluß ging der Gelehrte auf die Grabungen der D. O. G. ein, die 1908/03 unter Professor Sellin an der Stelle des alten Jerichow unternommen wurden. Er zeigte hier eingehend und deutlich die Spuren einer dreimaligen Besiedelung der S.adk, die einst die stänite Feste Der Jtanaanuer war. Am deutlichsten nachweisbar sind hier die Spuren der Wicdcre.bauung des unter Josua zerstörten Jerichow, von der im Buoje der Könige berühr, wird, daß sie de.n Eroauer, einer alten Satzung gemäß, „den ältesten wie den jüngitn seiner Söhne gekostet" habe.
Nach dem Vortrag zog der Kaiser, der die Uniform der 1. Garde-Tragoner trug, Professor Watzing er in ein_ längeres Gespräch und unterhielt sich in sichtbar fröhlicher Stimmung längere Zeit mit ihm sowie den Herren vom Vorstand der Deui- schen Lrientgesellsegaft.
Die p.eugische Thronrede.
Man schreibt uns aus Berlin:
Zwischen Rcichstagshaupl- und Reichstagsstichwahlen wurde am Montag der preußische Landtag eröffnet. Es würde eine Act Anerkenntnis der Suprcmatte des Reiches mit seinem allgemeinen, gleichen und direkten Stimmrecht über den Bundesstaat Preußen mit seinem TreMasscmvahl- rcd)t bedeuten, das; sich die,er Staatsakt angc.ich.s der im Reiche durch die Wahlen gegebenen Lage in den nüchternsten Formen vollzog, uno der König ihm fernblieb. Aber man wird wohl sein Fernbleiben darauf zurücksühren müssen, das, auch in der heutigen Thronrede, die der Ministerpräsident ziemlich tonlos vorlas, eine preußische Wahl- r e f o r m nicht angelündigt wird, obwohl König Wilhelm II. schon im Ltlober 1908 sie „als eine der wichtigsten Ausgaben der Gegenwart" bezeichnet hatte; das muß sogar oen König von Preußen genieren, und deshalb
Die ReiäMgewahlen.
Ueberall, too der 12. Januar noch keine Entscheidung gcbraajt hat, rüsten sich die Parteien zur Eutsibeidungs- ,chlacht. So haben die Fortschrittliche Voltspartei und die Nationalliberalen ihre Vertrauensmänner so,ort nach Vertin einberu.en, die yauptiinien ihrer Strategie scflzulegen. Der Vorstand der Sozialdemo- c r a t i, ch e il Partei ist mit seinem Krieg..plan bereits fertig; er veröffentlicht an der Spitze seines Beniner Zentralorgans die Jenaer Stichwahlbedingungen, welche oer Parteitag im vergangenen Ja.-re beschlossen hat. Nach diesem Beschluß „dür,en die Eeno.sen nur denjenigen
Kandidaten i.^re S.imme zuwenden, die sich vor Zeugen oder schriftlich verpflichten:
250000 Mk., zur Beschaffung von EinrichtpngSlagerung und Bekleidungsaegenständen für das neue Amtsaerichts- und Gefängnis g wände in N i e d e r l a'h n st e i n 9600 Mk, und für Erweiterung der Geschäftsräume der Gerichtsbe- Hörden in Frankfurt a. M. 25000 Mk.. Für Kreuznach sieht der Kultusetat für den Erweiterungsbau des Gymnasillms in Kreuznach eine erste Ra.e von 60 000 Mark vor.
— Eine neue erfolgreiche Operette. Man schreibt uns aus Wiesbaden: Im Walhalta-Operetten-Theater fano die Urauf,ührung der Operette „z. e r Lockvogel" des Wiener Kompomnen Lev Ascher, Text von Alexander Engel und Julius Vorst, statt. Das graziöse Werku-en gefiel ungemein, und der anwesenoe Komponist, der seine Operette seloft mit Umsicht und Liebe dirigierte, mußte naaj jedem Atte w.e^er und wieder vor die Rampe trctciL Was der begabte Komponist zu bieten hatte, waren eajte Wiener Walter, sütz uno einschmeichelnd, originell und meloDDs. Jeoe Nummer e.wies sich a.s Sastager uno mußte wieoeryolt werden. Die Handlung iit natürlich ope- ret.enhatt uno un^laubwaro g, aber sie i i so lebens würdig uno luftig, von so guten neuen Witzen durchsetzt, trag ma.i ue willig mit in Kauf nimmt. Eme fesche lleine Frau, der d.e Männerwelt zu Füßen liegt, läßt sich gerne dazu herbei, den Loclvogel zu spielen und ihren Schwerem uno Kusinen Die Männer zuzufuhren. Doch als die vier Mädchen glüdlia) versorgt sind, hat sich- der arme Lockvogel bei dem Spiel die Finget verbrannt uno fitzt einsam daneben. Ta erobert sie ihr Mann, den sie bis Dahm verachtete uno der sich mit öilfe oes Buches „Wie werde ich energisch" vom Waschlappen zum energischen Mann burylern:. Alcxanorine Reinhardt, nie ausgezeichnet Wiener Soubrtt.e, gab den Lockvogel mit dem ihr eigenen Charme. Direktor Paul Westermeier war als energifch ge.ooro.nec Chemann^bewnders gut und holte sich durch seine schlagende Komik einen Soiw.r-Erfolg.
— Die dramatisierte Ilias. Aus Be.st.i io.ro u>.s geschrieben: Wer Die Gndviälung der schönen und narren Begabung, die Wilhelm Schrnidrboiin sein eigen nennt, mit hostender Anteilnahme verfolgt, verl.eß am Samstag, nach der Uraufführung des neuen Tramas „D er Zorn des Ach 11 les mit einem Gefühl schmerzlicher Enttäuschung das Teutiche Theater. Denn nvr die ersten Szenen dieser Dramatinertcn Episode aus der Ilias ließ einen Lauch echten Dramatischen Lebens spüren. Man gLaabt anfangs, Dag schmidtoonno B-- arbettung Der Tragödie des starrsinnigen Jndioidualifteu zu- firebt. Dock der Ttchter hat sich diesen Vorwurf bald entgleiten lassen und beraubt seinen Velden ieoen Gegenspiels, indem er Die Gnechenfürstcn zu heimtückischen kleinen intriganten crn.ejrigt. oo bl..b. eine Art gr:eu;i|ujCi Kohihaas, rc.e iiaj überhaupt v.e.e Anklange an Kleiit uno namen.li-) an dessen Peitttztt'.lm aufdrängen. Die vrächstge tstavpe schlagkräftige Bühnempraaie Schmidibonns, in der nur hm und wieder einige salopp nuoerne Wendngenu ftören, vermag über Den Wrangel im g ütigen Ge üge des ganzen Werkes nicht hinwegzutäuschen, «starten Beifall fanden
Berlin, 15. Jan. Im Abgeordne tenhaus ging ein Antrag Schiffer- Magdeburg, T. Laaenverg uno Genvs.e.» eai. Das Vans Der Abgeoromteu walte befchliegeu, t-c.ii Ennvurf des Gesetzes über die Befreiung Der Dchwenun-Kinder vorn R e - tigionsunter richt Die versassun^smävige Zuistniwu.-g zu erteilen. Ferner ist ein Antrag a.x. Schröder-Kassel uno Genossen cmgcgQiigcn, Die tonch.iche StaaGrcgiernng zu ersuu-cn, vei Den oer^undctrn Regierungen Dahin zu wirten, oag deut bttichstag ein Gesetzentwurf, vetref.end bie bi c g e i u n g des Subutissions- iu e j c n « im Teut>ch«n Reiche vorge.egt werde. Lern A^georo- uetei.hause ist ferner fü.genoe Anfrage Der Aogg. Schn, ei er (^-öhcn- martej, Tönnies uno Görck (Natl.) zugegangen. „Was ged.nit Die Staatsregierung zu tun, um in Zukunft D.n sckpveten Schaden hintanzuhettrn, roeiü/e bei der Bclui.lpiung Der sJJl a u l * und Klauenseuche für die LanDwirtw-r.fi und den vondel an Der Westttifie Sasteswig-Lwlsieins.aus den ucr Vieh,eu^.-enge,etzgevung ungeoronctcn Verwattuiigsmas.r.g.lu ergeben t“ Wetter i,t ein Antrag v. Campe und Genossen (Natl.) eingegangen. Die Smats- regicrung zu ersuchen, im Jntereste des Votts,chulwc,ens Einrillungen zu treffen, durch welche den V o i t'S s ch u 11 e h r e r n und Lehrerinnen eine bessere Mogiich.ett zu einer wissen- Ichaf11icheu Vorbereitung auf d.n Dieup an den Mitte-,- Ichulen, seruer in der Leitung Der Vottssck/ulem, in Der Lehrerbildung uno der Schulau,sicht gewährt werden.
93 e r l in , 15. Jan. Tas verrenhaus trat heute zu feiner cr^en Sitzung Äuiamme.i und w^h.te ven Grafen Webet- Priesdorf zum Präsidenten, Den CbcrLÜrgermeiuer a. T. jo eai er zum er.ien uno ucn Freiherrn von Lanosverg zum zweiten Vizepräsidenten.
In den „Mittelungen" des Hansabundes ist zu lesen: Auf Grund der jetzt vorliegenden Zi.fern ist die Leitung des H a n f a - D u n d e s von dem Wahlergebnis befriedigt, da von den Mitgliedern des Han,a-Bundes sich ' - Stichwayl befinden 3 4 National-
Illiberale, 51 Fortschrittler, 1 Freito n^er- gegen' jede v a t i v e r. Dazu kommen von den Nationaltiberalen, Fortschrittlern und FreEoniervativen noch 30 Kandidaten, die auf dem Boden der Richt.inien des Hansa-Bundes stehen. Bei Dieser Za^l von Kandidaten bestehl die Hof.nung, daß die Bestrebungen des Han,a-Bundes im tün,tigen Reichstage eine sachgemäße Bertre.ung finden werden. Jetzt gilt es, für alle Mitg.ieder und Freunde des ^ansa-Bunoes zur Durch,etzung dieses Zieles vou neuem mit aller Kraft
die ersten beiden Alte trotz ein.r etwas bewußten Herausarbettung der erottschen Momente in Der Freundsryaft zwischen "Achill und Patroklus. Wegener als Achilles bot eine prachtoolle schaufptele- risa,e Leistung, Der nur eines fehlte: Die Elementarkraft des Zontes. Tamlt verlor der Titel des Werkes seinen beiten Suw, uno auS uCiit jjom ve» tvuiu: nur ein -vrotz d.s Aafttlis.
rff.) W i e Liszt und Wagner sich a u s s ö h n t e n^ Dec runiiche Munter Alexander Siloti, ein stoüler tfron; Liszts, erzählt in seinen Lebenserinnernngen, die jüngit ms Englische üocrirageit worden fino, die Geichichte der Auslöhnung zwilchen Wagner und Liszt, Die er aus Liizts eigenem Munde gehört haben will. NaQ)dem 3iitoarD Wagner Liifts Tochtcr Cosima geheiratet hatte, hatte sich Lozt von Wagner ganz zurück gezogen. „Ich lehnte alle Vorichläge Coicmas,, mich mit Wagm- zu versöhneit, unzweideutig ab," soll Liszt zu Siloti getagt haben. ,Eines Tages aber erhielt ich vou Wagner einen Zettel, Den er hu. Wirtshause zum Eie,amen geschrieben hatte. Er schrieb, er sei gerade mit feiner Frau in Weimar angetommen und wolle einen lehren Venöhnungsverfuch machen. Er bat mich zu kommen und mit ihm Frieden zu sa;ließcn und sagte, er wurde warten bis ia) käme. Da er es nicht wagte zu mir zu tomnien. yjieme Achtung vor ihm schien miu) dazu zu treioen, und schließlich entschloß ich mich denn auch Hinzugeyen. Ms ich dort anlangte, hielt Wagner mir eine Nedc, Die etwa 20 Muiuten lang Dauerte. Es war eine Rede, Die ich nie vergessen toerde. Ich war davon so g.rührt, daß uh alles an ihm, ausgenommen seine guten Seiten, vergaß, und scylie,stich — schmauuen und zechttn wir bi6 6 Ahr morgens. Tann wurde ich nach Vause gebracht, beinahe bewußtlos von all Dem -lognak, Den ich getrumen hatte."
— Ein serft örter Muri11 o. Ein Meinenoerk van Murillo, Die „Unbefleckte Empfängnis" im Mv'tui.i von S e - rilta ist, wie das Athenäum berichtet, in folg ein* r fahrlässigen Reinigung, zum Teil jeritört woroen. Bewuons sind die Ztei.ck tone oer Eherubinm, Die mit Dünnen Laiuren gemalt |ino, Durch Den Spiritus, Den Der bienaurator Virgilio Matoni angewandt hat, vollnändig aufgelöit und vernichtet w.'roen. Ter uitge- |U;iate Künstler ist verhaftet woroen nnc e.war.et jetzt feinen Prozeß wegen Verlegung oes .\.es, das in Spanien jeoti mann vermutet, oie bieuauration eines Bittes in einer ö»eni licken Ca.eAe ohne oie ausdrückliche Ermächtigung durch Die Akademie Der Künste vorzunehmeu.
— Ter neue e a ui p a n 11 e in Venedig, der bekanntlich genau nach Dem Modell und an der -Melle des a'.teu etngeitürmten Glockenturmes errichtet worden ist, geht nun seiner Vollendung
zu arbeiten.
Tie Stichwahlparoie in Hessen.
bs. TarmstadL, 15. ^ait. Ueoer die Stellungnahme der Fortschri pichen Volkspartei bei den S.irch
blieb er fern.
Wir müssen gestehen, daß wir von der Thronrede auch keine Neuauflage oer vor zwei Jahren verunglückten Wahl- resorm erwartet haben. Denn selbst wenn eine solche in neuer Gestalt dem Landtage zugehen touroe, auf Annahme hätte sie bei seiner Zusammensetzung nicht zu rechnen. WaS die Thronrede wirtlich bringt, tst nicht weiter aufregend. Es ist ja freilich hocher, reulich, wenn anfangs gesagt wird, daß die Finanzlage des S.aates sich günstig entwickele und der ja schon beiannte Voranschlag für 1012 einen weiteren Fortschritt zu dem Ziel, das Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben herzustellen, bedeute. Aber bei dem mäßigen Fehlbetrag (19 Millionen) begreift man nicht, weshalb man ihn nicht von den geplanten höheren Rücklagen für den Ausglcichsfonds der Eisenbahnen Don vornherein abgezogen hat, sondern ihn auf Anleihe entnehmen will. Und dann begreift man auch nicht, weshalb 2r. Leiitze trotz der sich immer günjttger entwickelnden Finanzlage Preußens in einer Novelle zum Einlommen- und Ergänzungssteuergesetz die vor drei Jahren vom Lauo- tage nur auf Zeit bewilligten Zuschläge verewigen will, zumal sie auch die Kommunalsteuern automatisch in die Höhe schnellen lassen.
Gegen die Erweiterung des Staatseii'enbahnnetzes, die Förderung des Kleinbahnwesens, sowie die Elet'trisierung des Groß-Berliner totalen Eisenbahnverket/rs iii nichts zu sagen und ebensowenig gegen das Wasserge,etz und das noa) ausstehende Fischereigesetz. Verlangen die,e beioen Gesetzesentwürfe schon ein eingehendes Studium, so ist das nämliche der Fall bei den angekündigten Vorlagen über den Zwang der Arbeitsscheuen zur Arbeit, über die Jugendpflege und über den in der vorigen Session gescheiterten, jetzt wieder aufs neue vorzulegenden Gesetzentwurf hin,ichtlich der ländlichen Forlbiloungsschulen. Umstrittene Punkte der Thronrede sind ihr Eingehen auf die Leoensmittelteuerung und auf die Lstmarkenstolitik. Tort verschanzt man sich dahinter, daß alles mögliche zur Linderung geschehen sei, und hier spricht man wohl von einer Förderung des Tentsch- tums, schweigt sich aber — in Rücksicht auf das polen- sreulidliche Zentrum- — klüglich darüber aus, ob die im Lchrante ruyende Enteignungsvorlage enb.iaj angeroenbct werden soll oder nicht..
Ter Voranschlag der Juslizverwal.ung 1912 enthält für den Neubau des amttgerichtlichen Geschüf.S- uno GZ^ngnis- gebäitdes in R ü d e s y e i m die erste Ra.e mit 1UU uOJ kitt'., für den Neubau des amtsgerichtlichen Geschäftsgebäudes x,- - r . ...
und eines Gefängnisses in H ö ch st a. M. die erste Rate mit Presse sieht man den Stichwahlen opttmtftisch entgegen.
Und die Aussichten sind in der Tat nicht schleckst. Die „Nationallib. Korresp." schreibt:
Tic Stichivahlaussichten Der beiden liberalen Parttien lassen sich, je eingehender man die Lage in den eiinclnen Kreisen Prüf'», um so günstiger an. Freilich beklagen die Nattonallibcralcll den Verlust einer großen Reihe ausgezeichneter Kräfte: fo vor allen die des bisherigen Abgeordneten Tr. Strcsernann, de,sen großes Wifien auf sozial- und Han delsvolitiscyein Gebieic ihn im Verein mit seiner glänzenden RcOnergabe als eines der bcdculclidstcn Mitglieder des ReichStags crschcmeii ließ. Tie nationalliberale Fratiio»^ muß Meiler auf Die unermüdliche Arbeiisiratt des Geheimrats Vorn R.uß, der namentlich bei Der Durchocratung der R. '-8. C. hervortrat, einst Metten coenso verzichen wie auf die vortrefflick-e Mitarbeit von Männer.», »o.e Vergyauptmann Vogel, Lic. Eoerting, L.nu, Niumr. Lagcmann, Atzülter-LiuDotstaDt, Kochan, Wommelsdorf, Vaas, lut end, Görck unb Görcke. Aber einmal besteht für Die Aus - geschieoeneii Die Möglichicit, sich im Falte von Er.atzwahlen den dteichsiagsiitz noch naasträglich zu erobern, und dann dürften Der Parte» aus ihren 64 -Stichwahlen neue und hervorragende Ersatz.rüste zuwachttn.
Das „Beniner Tagcbl." geht noch feinem alten Traum von einem Großblock per Linien nach und sieht sehr rosa- rostg in die Zumitst, inoem es schreibt:
Nauman n tommt nicht wieder, Gyßling kehrt nicht zurüa, Stettin, Bremen, Tstsau sind verlöre.», und das ist geiuif» must enrcuiid) uno tut uns asten sehr leid. Aber niemand, der mit Den Veihattniffen betraut war, yak ettvas anderes erwartet, mcmanD hat etwas anderes geglaubt, und statt der verlorenen Kreise lu.roai v^r.imtsta) Karl-rahe und Freiburg gewonnen wer- oen, Züttichou-Krofic.», Guinomnen, Mlnaiin-Waren,^Dithmar- >a-e.l, KpuigSberg-Land und einige aridere Sitze mehr. Tie vürgcr- timen Link^-li^cralen ro.rDen am Schluffe des ganzen Kampfes lujtuerau) fehr viel schwua^r dasteheti als vor der schlackst, unb 11 e werden enorm, ivetD.n meyr ms sicys in lurzen Worten lagen labt, anpolitischer Aiacht gewonnen hauen, ivciut lie Dann Den rechten Flügel einer P a r l a^m e n t s m e h r- Ijeit biloen werden, dessen linken Flügel die Soziaideutotratie bCi.it. sticht die Sozialoernckratie wird das Terrain beherrschen, uno wäre ne noch fo start, fonoern Der Lioeralismus allein. Der das vie.zitierte „Züngtem an oer Wage" iviro, uno zum ersten yjta.e »Diro in allen grOsten Fragen des Reiches das Wort des Liveralismus enlfcheidend fein. Das alles wird geschehen, wenn in den cLmmalj.cn jeccr Liveratc Den schwarzolauen Bwck äutüübrangcn Iji.it uno Die Parteien der Linien starn, und wenn er, bei der Frage: schwarz mau oder rot, entschioiien für Die Sozialdemvlraten stimmt, ohne Deren Vermehrung es eine Liulsmajorität nicht givt. Erfaßt der liberale Bürger klaren XjstckS Die Situaston, Dann werden »vir einer Aera des Liveralts- mus entgegengehen. Tann wird B a s s e r m a n n Der „u n gekrönte Slöiiig" werden, und Ziemer G^neralielt»« m a r f dj a 11.
Tas Wahlergebnis unb der Haulabnnd.
Reichstag; 2. gegen eine Beschränkung des Vereins- uno Per-, imtSreicber lungs- und des Koalitionsrechts; 3. gegen eine Verichärfung! , -, Der sogenann.en politischen Paragraphen des Strafrechts; ^iltverate, o i gegen ein wie immer gear.etes Aus.uih.negesetz; o. l „ Ciyt,ljung oder Neueinfuhrung von Zöllen auf die VerorauchS- ariiEel der großen Atasse; 6. gegen jede Neue.nführung ooer Erhöhung inoiref.er Steuern auf Verorauchsartttel Der großen Masse cinzu.reten und zu stimmen. Stehe.» in d.r engeren Wayl zwei Kandidaten, Die beide bereit suw. Die aufge..eilten Bedingungen zu erfüllen, so ist Der Leoerale dem btichttibera.en vorzuziehen. In jedem anderen Falte ist strikte Sum.ne..e.ii- IjaLung zu proklamieren. Danach unb unter Würdigung Der Pcrsonlichtcit Der in Frage kommenden Kanoidaten ist im Em-


