|62. Jahrgang
ter Blatt
Lrfchemi täglich mit Ausnahme befl SonnragS.
General-Anzeiger für Oderhesjen
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Mit Recht kann Scotts Emulsion
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Frauenstimmrecht schaden, von dem Daß es sich in .Wirklichkeit aber
redht*“mit auffallender Schärfe Front machte, so zeigt das, b.ir Kofsuth sich damit der Anschauung des überwiegenden tiilr-3 der gegenwärtigen Regierungsmehrheit, die für ein znrar allgenrernes, aber Durch ein gewisses Pluralwahlrecht dmchbrvchenes gleiches Wahlrecht eintritt, ganz bedeutend
ruppen der Opposition ihre Obstruktion gegen die Wehr- >rlage fortsetzen, die Geschäftsordnung schärfer als bisher
sie durchzusetzen, hat Khuen-tzedervarn zwei Mittel Hand. Nämlich einmal, falls die bisher geeinigten
wenig politisches Interesse besähen, um überhaupt zu wählen. Freilich bedenken die Gegner bei diesem Einwand nicht, daß gerade, wenn sie recht hätten, ihr Widerstand doppelt unverständlich
ic nach dem Anteil, den Sprit, Kognak usw. an dem fertiget! Erzeugnis haben. Sodann kommt co auch auf die Cualuät des verwendeten Sprits an. Zu den bcfscren Verschnitten wird zunächst ein sehr guter Kognak usw und alsdann ein äuperit reiner Sprit, der sogenannte Weinsprit, verwendet. Je billiger das Produll im Verkaufe werden soll, desto geringer fällt natürlich
wäre. Tenn was könnte ein Niemand Gebrauch machte!
I die Krone auf dem Standpunkte Jusths und nicht der Mitrungsmehrheit und bis zu einem gewissen Grade auch Richt des Utilitätspolitilers Khuen-Dedervarh, lassen sich
den Waldungen Rumäniens sammeln. C h r i st i n e , Spaniens ehemalige Königin, hatte vor einigen Jahren mit ihrem Lieb- lingsparsüm wechseln müssen. Bis zum spanisch-amerikanischen Kriege benutzte sie nämlich Dlang-Vlang, ein Parfüm, dessen Rohltosse auf den Philippinen gewonnen werden. Seitdem die Philippinen amerikanisch sind, ist sic diesem Parfüm untreu geworden und verwendet statt dessen sowohl Parfüms wie Seifen
Grauen-Feuilleton.
Vo>l den Toilettentischen der Königinnen.
Die Krise in Ungarn.
Die internationale Lage ist heute so verworren und iu gefahrdrohend, daß Oesterreich-Ungarn, will es seine Gleitung als Großmacht behaupten, nichts mehr am Herzen liegen muß, als die Wehrvorlagen in den beiden Parlamenten zur Annahme zu bringen. In Oesterreich, pwie in Ungarn, gehört dazu eine Zweidrittelmehrheit in •en Abgeordnetenhäusern Aber diese ist tn Oesterreich nicht vorhanden, wofern es dem Ministerpräsidenten Grafen
ichnitl deklariert werden.
Als Verfälschungen sind aber Zusätze anzusehen, mit denen beabsichtigt ist, den Käufer über den Gehalt der Ware an Alkolwl zu täusrAn, wie z. B. Paprika- und Psefferschärsen und solche uon Kocielskörnern, s'wie auch eine übermäßige Verdünnung ber Vranntwcine mit Wasser. „Echter" Original-Jamaika Rum ist vielsach nichts weder als ein mit Zuckerkouleur gefärbtes Gemisch ans Spiritus und Wasser, tas miticld künstlich hergestellter Rum essenz parfümiert ist. Aehnlich verhält es sich mit mandicm unter der hochtrabenden Bez ichnung als „Alter Französischer Kognak" m den Handel gebrachten Gemisch. Auch „Echter Nordhäuser" ist nicht selten ein gefälschtes Produkt. Tie Schärfung von Branntwein wird häufig dadurch herbeigeführt, daß mit Pfeffer gefüllte Säckchen in das Innere der Fässer eingehängt werden.
Bei Likören kommen oft Verfälschungen in Frage, wo es sich um die unter Verwendung von Fruchtsäften hergestellteu Sorten handelt, bei denen auch die betreffende Obstsorte aus der Bezeichnung des Produktes hervorgeht, wie z. B. Himbeerlikör u. a. in. Nicht selten werden vollständige Kunstprodukte angc- troffen, die aus Farbstoffen und Kunslälher hergestellt sind.
Samstag, 15. Januar W2
Rolanonsdruä unb Verlag öet Vrüdl'kchen Universnäls»Buch- und 6iein6mdeceL R. Lange, Gießen.
T>e ^Oletzener fiamlllenblärttr" roerben dem .Ülnxeiaer' viermal wöchenllich beiqeleqi, da- „Kretsblan für den Ureis Kietzen" *roeimal wocheullich. Die .,£anba>trtid)afllt(hen Seit* tragen" erlehernen monailich «rveunaL
ganz anders verhält, zeigten die Wahlen in Kalifornien, wo di- Frauen vor kurzem das Stimmrecht erhielten. In Los Angeles gaben nicht weniger als 95 Prozent aller dazu berechtigten Frauen ihre Stimmen ab. Von den 2000 zur Wahlarbeit aufgeforderten Frauen entzog sich keine einzige der ihr zugeteilten Arbeit. 2je Aeußerungen der Wahlvorsteher werden aber selbst die Fürsorge des Frauenstimmrechts überraschen. Große amerikanische Zeitungen, wie „New Bork Tribüne" und New Bork Times" berichten, daß die Wahlvorsteher versicherten, die Frauen hätten bei den Wahlen weniger Anweisungen nötig gehabt und weniger Turck^inander verursacht als die Männer. Auch hätten sie ihre Stimmzettel viel rascher abgegeben als die männlichen Wähler.
— Aus der Frauenwelt. Vor kurzem mürbe in England ein Preis von 5000 Mk. für die beste Novelle ciisgcletzt Die Siegerin ist Miß Miriam Alexander aus der Grafschaft Dublin, deren Erstlingswerk „The House of Lisronan" preisgekrönt wurde.
kf. Frauen a l s Barbiere. In einem Berliner Barbiersalon ist seit kurzer Zeit ein weiblicher Gehilfe tätig. Diese Gehilfin versieht ihre Obliegenheiten so gut, daß die Kunden wie der Geschäftsinhaber mit dem Versuche gleich zufrieden sind. Es ist übrigens nicht durchaus neu: in London find schon vor mehreren Jahren in einer An^thl von Barbierläden Frauen angestellt worden, und der Eriolg »var- gleichfalls zufriedenstellend. Bei dieser G'legenheit haben urteilsfähige Personen schon darauf hingewiesen, daß die Fran eigentlich gerade für den Beruf des Barbiers besonders günstige Vorbedingungen, mitbringt, so daß es aufsallen muß, daß sie die in biefenr Berufe sich ihnen bictenben Aussichten noch nicht zu verwerten versucht haben. Die Frau hat, was beim Barbiere ja -ehr in Betracht tomml, eine leichte Hanb, sie ist flink, gebutbiger, als die Mehrzahl ihrer männlichen Kollegen, und daß sie gewisse Gewohnheiten, wie z. B. das Rauchen schlechter Zigaretten vermissen läßt, denen die Barbiere männlic^n Geschlechts zu frönen pflegen, das »oird ihr wohl mentnnb als Nachteil anrechnen. Tie Besorgung der Haar- und Bartarbeiteu nn Männerhäuptern endlich würde den Frau um io weniger schwer fallen, als sie ja bereits jetzt vielfach die schwierige Arbeit der Damcn- fripir verrichten. Niemand wird leugnen, daß ein Barbierfalon, in dem saubere und flinke junge Mädchen bedienen, einen gefälligen und einladenden Eindruck erwecken muß.
angewandt wird, sie viel - zum Ver-
Kölnisches Wasser scheint bet den Königinnen sich außer- mdcutlicher Beliebtheit zu erfreuen. Wenigstens weiß eine eng- Hict-e Zeitung, die sich mit dem Toilettentisch der Königinnen kschäsügt, eine ganze Reihe von Herrscherinnen zu nennen, die k?'e wohlriechende Flüssigkeit mit Vorliebe anwenden.
Königin Marn, Englands Herrscherin z. B., die künst- ifc Wohlgerüche sonst durchaus uicht liebt, lprt regelmäßig ölniscl es Wasser aus ihrem Toilettentische. Ties ist beinahe is cinjige Parfüm, das sie anwendet. Wilhelmine, Hol- i.ds Königin, verbraucht Kölnisches Wasser in großen Mengen, l e neue Flasche prüft sie erst sorgfältig, ehe sie verwendet wird. In den Zusatz des Kölnischen Wassers zum Bade führt bie stlänbischc Königin ihre frische, reine Haut zurück. Merkwürbigcr- viie uerjidjtct Königin Wilhelmine, soweit es sich um das ließt handelt, ans die meisten anderen Tinge, die fonit zum •? aidtii üblid) sind, selbst auf i?>m Gebraud) der Seife. Das V -idil reinigt und wäscht sie stets nur mit einem loderen Tuche, ji•? in warmes Wasser getaucht ist: Hautcreme aller Art sowie tu bet verwirft sie gänzlich. Königin Alexandra benutzt als liebliugsparfüm Eschougiici, eine belanntc Mischung von einer limzen Reihe vilanzlicher Wohlgerüchc, unter denen Rosen, Beil- Hut, Jasmin, Lrangenblüien und Lavendel zu TinDcii sind. Tic- ■v. Parsüm wird übrigens von englischen Königinnen bereits Pti bent Jahre 1822 verwendet. Tie deutsche Kaiserin ijioK für Kölnisches Wasser ebenfalls eine besondere Vorliebe haben; jqi:' irbcnt wird von ihr erzählt, sie benutze eine besondere, nur jur sie hergestellte Seise. Alexandra von Rußland soll gl?id)falv eine besondere Seife verwenden, ein englisches Er- k-guis, dessen Bcstandteilc Staatsgeh imnis sein sollen. Äußerem aber verwendet die Zarin Parfüm aller Art. .Tas meiste davon stannnt aus Frankreich. Auf ihrem Toilettentische, einer^ präch- liqen Malachitplatte auf Silberfüßen, stehen sehr viele Flasckcn iller Formen und Größen voll Parfüm, und in Grasse an tr Riviera sollen Hunderte von Frauen nur mit Pslücken von k umen besckäsligt sein, deren Tnststoffe in diesen vielen Flaschen 'er Zarin endigen. Tie Zarin bekommt die Parsümilasdun pcigens nid?t unmittelbar zugesandt, sondern diese werden erst itr Petersburger Akademie vorgelegt, dereu Clremiker sie ;u iriiicn haben. Wie es heißt, werden die Gemäcker der Zarin äolidi mehrmals mit Parfüm besprengt, so daß deren Vcr- itctud) daran recht erheblich ist und die Jahresrcchuung Dasür ni Betrage von 80 000 Mark einigermaßen crNärlich erscheint, dar men Sylva, die rumänische Königin, verwendet an Duft- toiien und zum Waschen kein käusliches Parsüm, sondern stellt ich selbst Kräuterauszüge her. Die Pflanzen dazu läßt sie in
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Toilettenwasser, die in Spanien hergcstellt werden. K.-F.
e Zusendung? weinen Znb- 3
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die Öualilät des vcrwend?tcn Sprits aus.
Sosern bei diesen dermaßen „verschnittenen" Edelbrannt weinen nicht die Bezeichnung des Ursprungs, z. B „Jamaika- Rum" oder „Französischer Kognak", c mehr unter ausdrücklicher Bczcicknung als „Verschnitt" [auf gelangen, werden >tunstproDuktc nicht beanstandet, gewöhnlichen billigen Sorten wird darauf gcad'tct, daß sie, weun ihr WToUilgeßalt weniger als 40 Bol.-Proz. beträgt, als Der
Spklplan der Siegener Stadtthcaterr.
Direktion: Hermann Steingoetter.
Sonntag, den 14. Januar, nachmiuaqs 3'. Uhr, bei kleinen VreiKn: 'Vohuldie Winschaü." Ende nach 6 Uhr. Abends 7',? Hur, bei fleuien Vreden: „TaS kleine Elwkolabenmabckc'u." Ende nach 10 Uhr. Tienstag, Den 16. Januar, abends 8 Uhr 113. TienstagS-Aboiinement-Voritelluna): „Tie Hochzeit vonValcin." Ende gegen 11 Uhr. 'JJiittivoch, den 17. Januar, abends 7 Uhr (13. PliuivockS - Abonnement - Vorstellung>: „Toftor Klaus." Ende 91-, Uhr. Aieitaq, den 19. Januar, abendS 8 Uhr (15. Freilags- Abouueineni-Porslelluug): „r anueles Himmelkalu t." Eude gegen 10 Uhr. Samstag, den 20. Januar, uactuniktags 3'/, Uhr, bei Volks preisen : Kmder-VorUettung : „Dornröschen." Ende 5 Uhr. Touutag, den 21. Januar, nachmittags 3% Uhr, bei kleinen Preisen: ,Tas kleine Cliokoladenniädchen." Ende nach 6 Uhr. Abends 7 /? Uhr, bei kleinen Preisen, unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Jniauteiie - Regiments: „Buinmelstudenten." Ende 10^ Uhr.
In Vorbereitung: „HanS Sonnenstäßers Höllenfahrt" — ,Colbe»g- - „Julius Eäfar" — .Bildfchuitzer" — „Loltcheus i^el'uristag".
Tcr Triunips der Feder in der neuen Mode.
Tie neuen Frühjahrsmoden werden in diesem Jahre eine ungewöhnliche Ucbcrrasclung bringen: die Schöpfer der Mode l aben diesmal den Plan gefaßt, den Pelz durch die Feder zu ersetzeii. Aber es handelt fid) dabei nicht etwa um eine Wiedererweckung der alten Fcderboas. Tie modernen Federn des Frühjahrs werden in der Kleidung der eleganten Frau in einer ungewohnten Weise erscheinen.
Einer der bekanntesten Londoner Tamenschneider, der soeben von einer „RckWnoszierungsreise" nach Paris zurückgekchrt ist, erzählt davon: ,;Man wird lange Fcderstolen tragen, aber sie werden mit winzigen kleinen glatten Federn bedeckt sein, mit Tausenden von kleinen Federn, die so geschickt und eng aneinander- gearbeitet sind und so glatt liegen, daß sie auf den ersten Blick Den Eindruck kostbarer Pelzwaren machen. Aus demselben Material werden and' große fiifenförmige Muffe geschaffen, ja in Paris arbeitet man bereits an einer Anzahl von Mänteln und Jacketts aus diesem Federgewcbe. Tie Neuheit wiro in Der Farbenwahl Der Frül jahrsmode eine außerordentlich große Rolle spielen. Man kann die Federstvlcn und FeLermü se in ollen erdenklichen Farben erhalten, vorn lichtesten Rosa oder Gelb bis zum dunkelsten Giün, Blau oder Scknvarz. Bei Pelzen ist natürlich die Farbenwabl sehr beschränkt und in diese Lücke springt Die neue Mode ein, die im Gegensatz zu den dunkleren Farben der Pelze der Vorliebe für lichtere Effekte die Bahn ebnet. Aber die Feder beschränkt sich nickt nur auf die Srraßcnkleidung, sie wird in den nächsten Wochen auck in Den Salon ihren Einzug halten, eine ganze Reihe Pracht- voller Gesellschaftskleider, die gegenwärtig in den Pariser Werkstätten in Arbeit sind, zeigen einen leichten Federbesatz, ja sogar bei einigen Straßenkleidern taucht dieser Schmuck auf.
Tcr neue Einfall hat aber außerdem noch einen praktischen gesundheitlichen Vorteil: die leichten und dabei doch warmen hfberitole’i, Fcdcrmüffe und Federjacketts bilden einen erwünschten Ikbcrgang von der schweren warmen Pelzkleidung des Wintcas zu Der leichten Sommergarderobe." So weit die Enthüllungen des Londoner Modespions.
— Politisches Interesse der ^r au. Häufig wird gegen das Frauenstimmrecht rwrgebracht, baß die Frauen viel iu
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Iflcnähert hat.
Im ungarischen Abgeordnctenhaufe ist, wie schon gesagt, ine Zweidrittelmehrheit für die Wehrvorlage vorhanden, flhre Verabschiedung kann nur durch ein Wiederaufleben er schon am 12. Juli b. I einsetzcnden technischen >Ob- cnltion verzögert werden: doch läßt sich diese, da die ahlresormdtsfcrenzen zwischen Kossuth und Jufth auch entonoch sortdanern, in ihrem bisheriaen Umfange schwcr- ich erwarten. Nur müßte der ungarische Ministerpräsident Lhuen-Hedervary die Borsanltion des Königs Franz Joseph fur ein durch ein Pluralwahlrecht eingeschränktes gleiches Wahlrecht in der Tasche haben, da sein ursprünglicher Auftrag dahin lautete, in Ungarn nach dem Niuster Oester-, ircichS ein gleiches Wahlrecht einzuführen. Steht hier also
genannt werden, denn sie hat sich im Laufe von 35 Jahren einen ständigen Platz in unzähligen Familien erworben. Für Kinder wie für Erwachsene ist
Scotts Emulsion unzweifelhaft ein vottreffliches Skäikunasmittel.
rf) lmnt! I also für Ungarn unter Umständen in dieser Frage Different iü'km Geld - X len mit der Krone befürchten, die zur Entlassung Khuen-, ildjjentnhme § V ßedervarys führen können, so wird man doch kaum er- M, besseren - y märten dürfen, daß Kaiser Franz Joseph als König von Ungarn um der noch herzlich weitausschauenden Dahl-« reform willen auf t>jc baldige Erledigung der Wehrvorlage
Durch die jetzige Reaierungsmehrheit handhaben zu lassen, oder zweitens durch Ausnahme der Kossutl - oder Justh- partci auf Grund eines Kompromisses über die Wahlrcsorm eine neue Regierungsmehrheit auch für die Wahlvorlage ;u bilden. Vorläusig sprechen wegen seiner Haltung zur Wahlrefonn alle Momente dafür, daß Kossuth und feine Anhänger bei der jetzigen Regierungsmehrheit Aufnahme finden, aber auf der anDeren Seite hat sich die Justhgruppe bisher als der geschicktere und energischer operierenoe Teil der Opposition erwiesen, so daß es auch keineswegs ausgeschlossen erscheint, daß die Justhianer auf Gruno eincs Junktims zwischen Wehrreform und Wahlreform zuw ausschlaggebenden Faktor in der ungarischen Krise werden Innerhalb der fetzigen Regierungsmehrheit hat allerdings Die von Justh propagierte Verbreiterung des Wahlrechts nur die Minderheit Unter sich, aber ganz abgesehen davon, oas; man in Wien die rückhaltlose Uebertragnng des österreichischen Wahlrechts auf Ungarn wünscht, ist der für Diese Uebertragung eintretende Finanzminister Lukacz ein so geschickter Führer, daß man, wenn K'huen-k aedervarh bei Wehrreform und Wahlreform versagt, mit ihm als Dem zuiünfligen Ministerpräsidenten Ungarns wird rechnen müssen. ____________
v rfälf+jung von Spiritualen.
Anläßlich der Massenerkranlungen im Berliner städtischen Ob Dach, die, wie inzivischen mit Sicherh it festgeßellt werden tonnte, ■.um größten Teil aus den Genuß von Methylalkohol zurückzu hchren sind unb über 80 Todesfälle zur Folg? hatten. Dürften einige Mitteilungen über die Verfälschung von Spirituosen wohl von Interesse sein.
Im allgemeinen herrscht eine erstaunliche Unkenntnis über die Bedeutung Des Wortes „Verschnitt" bei Kognak, Rum und Arrak. Selbst die Grunestosse, aus denen diese Spirituosen hergestcA. werden, sind vielen unbclannt. Kognak wird aus Wein h rgcstc.lt, unb zwar aus leichtem, sranzüsischem Weißwein, der speziell in Der Eharcnte in Frankreich gebaut wird. Aus diesem Eharente- wein wird Durch vorsichtiges Erhitzen unter Luftabschluß der darin enthaltene Ali'ohol cbbei.iliicrt. Tie a.f h-olh-.a.tigen Tampfe niet’ Den in besonderen Vorrichtungen immer un.cr Lufta schluß kon- ücnüert, unb bas so erhaltene Probutt, der reine „Weinbrand", n ird in eichenen Fässern cingelagert. Turck Das Lagern im Faß zieht Dieser Äeinalkoliol aus dem Eichenhalz eine Reil,? uon Extraktstofum, Die ihn mild machen unb ihm, Der vorher wasser teil war, zugleich Die charakteristische goldige Färbung geben. Versuche mit leichten Deutschen Weinen sind bisher unbetrieDigenb ausgesallen.
Tnrch ein ähnliches Testillationsvcrfahren wirb aus Zucker roher Rum unb aus Reis Arrak gewonnen. Alle biese ProDuktc, Deren Güte wesentlich von der Qualität d?r verwcnbeten Grnnb- Üosse -unb nickt zum mindesten von der Sorgsalt b.i ber Herstellung abhängt, werben so hockgrabig erzeugt, daß sie nicht ohne weiteres trinkbar sind. Kognak z. B. ist zwischen 60 unb 70 Proz. stark, Rum bis Über 70 Proz. und Arrak etwa 65 Proz. Es toüroe. also schon eine recht ausgepichte Kehle bazu gehören, um das Getränk in seiner ursprünglichen Form zu genießen. ^Deshalb werben biese Spirituosen mit Hilsc von destilliertem Wasser aUoh-olschwächer gemacht, verdünnt, Kognak gewöhnlich auf 40 bis 45 Pro;., Rum unb Arrak auf etwa 50 Proz. Durch Hevab- letzung bes Alkoholgehaltes verlieren diese Produkte nichts an Qualität, im Gegenteil, sie gewinnen nur an Blume, Milde und Schmackhastigkcit. Tie dermaßen gebrauchsfertig hergestellten Kognaks, Rums und Arraks, bie sorgfältigste unb mit Geschick üorgenommene Herstellung erforb.in, unbedingte Reinheit und ausreichendes Alter verbürgen müssen, sind natürlich verhältnis- ntäßig teuer.
Um nun auch weiteren Kreisen den Genuß dieser Getränke zu ermöglichen, mußten billigere Sorten dieser Spirituosen gc- schasseii werben, bie sogenannten Kognak-, Rum- ober Arrak- Verschnitte. Diese Verschnitte werden Durch Zusatz von Sprit hergestellt, nachdem sie verhältnismäßig stark mit destilliertem Wasser verdünnt lvordcn sind. Durch den Sprit wird ihnen bann Die nötige Störte an Alkohol wiedcrgegeben. T-as Getränk besieht sonach bei ben billigen Marken vorwiegcnb aus Sprit, Wasser unb Kognal bezw. Rum ober Arrak. Selbstverstänblich weichen Die Qualitäten Der Verschnitte außerordenrlich vonernanDer ab.
Redaktion, Ervkdition unb Truderet: Schul- ftraite 7. Eroeb .non unb Verlag: 5L
Rebaklion:^O t12. ret.-Abr.:Aii»etgerGie8en»
Siürgkh nicht gelingt, die Tschechen auf seine Seite zu ziehen, was nur durch einen beide Nationalitäten befriedigenden Ausgleich in Böhanen möglich wäre. In Ungarn dagegen ist wohl eine Zweidrittelmehrheit für die Wehr Vorlage im Abgeordnetenhaus vorhanden: nur wird hier ihre Annahme mit der Fra^c der Wahlreform verquickt, so ' daß also, wenn inan auch in Oesterreich, sowie in Ungarn über die Notwendigkeit der Wehrresvrm grundsätzlich einig ist, doch ihre Verabschiedung von der Erfüllung interner Forderungen der beiden Reick^shälsten abhängt.
Ter ungarisck>c Reichstag ist nun heute zusammen- I getreten, um die vor dem Fest abgebrochenen Berakuntzen wieder aufzunehmen. Es dürfte oo.mit bis etwa Mitte Februar zu Rande kommen, dann läuft der zwischen der Acgierungsmehrheit und der Opposition zu Anfang des Monats Wooeniber geschloffene Waffenstillstand ab, und die ; schon im Sommer die Beratung der Wehrvorlagen er- siywerende Obstruktion tritt wieder in ihre Rechte. Diese . l Lbstrultion der Kossuthianer und Justhianer gegen die Alehrreformen ist nur aus dem Grunde verständlich, daß । f bie beiden Oppositionsparteien hofften, inzwischen zu einer • Einheitlichkeit der Anschauungen über die kommende Wahl I reform zu gelangen. Aber die Tisserenzen im Oppositions- 1 lager sind heute schärfer denn je. Tenn wenn Kossuth ge- leg entlieh Der Neujahrsansprachen in der Budapester 5?of- . \ bürg sich für eine Reform des Reichstagswahlrechts aus- , prach, dabei aber gleichzeitig gegen die Iusthschen For-i I di rungen der Einführung des allgemeinen, gleichen Wahl-


