Erstes Blatt
162. Jahrgang
Zreitag, 14- Juni 1912
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
h"" bie’^cvnum’nc! H^Mionsdnid und Verlag der vrühl'schen Unio.-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange.
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Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten- r -----
Reichr-Lustpoftvellehr.
Der Zeppclinkreuzer „Schwaben", den man das erste deutsche Postluftschiff nennt, hat auf feinen Fahrten zwischen Frankfurt a. M., Mainz und Darmstadt an einem Tage rund 2 Millionen Postkarten befördert. Ein schöner Erfolg. Aber man verdankt ihn zunächst nur der Post- kartenwoche der Großherzogin von Hessen- Man verdankt ihn dem Reiz der Neuheit, dem das Publikum willig Hcka tombcn von Ansichtskarten opfert. Jedes neu eröffnete Cafelokal ist zunächst mit Gästen voll besetzt. Es gilt, die Gäste an die neue Einrichtung zu fesseln, auch wenn die Neugierde nachgelassen Hal und wenn der Duft der Sensation verflogen ist. Es gilt, aus der Spielerei der Luftpost ein ernstes Geschäft zu machen. Die Reichs- Post- und Telcgraphenverwaltung will, soll und muß .Geld verdienen, und sie tut es wie mit den Eisenbahnen und Schiffen gerne auch mit den Lenkballonen, wenn diese die Garantien eines Postvcrkchrsmittels bieten. Bieten sie diese Garantien bereits?
Bon einem Postverkehrsmittel verlangt das moderne Bedürfnis außer der selbstverständlich möglichsten Schnelligkeit dreierlei: Pünktlichkeit in Abfahrt und Ankunft, unbegrenzte Aufnahmefähigkeit und Sicherheit gegen Verlust. Prüft man die Leistungen der neuesten Zeppclinlustschifse an diesen Forderungen, so darf bereits ohne amerikanische Uebertreibung und Ueberschwänglichkeit von dem baldigen Beginn eines Reichs Luftpostvcrkehrs gesprochen werden. Tie beiden Hauptcinwändc gegen die Leistungsfähigkeit der Zeppclinluftschiffc waren bisher die Schwierigkeiten bei der Landung und die Schwere. Diese Bedenken sind tatsächlich neuerdings hinfällig geworden. Dr. Hugo Ecke ner, der Führer des Luftschiffes „Schwaben", hat mit diesem Ballon im Jahre 1911 schon 145 Fahrten gemacht, ohne daß irgend ein Spanndraht gerissen wäre, auch bei den schwierigsten Landungen. Man muß bedenken, daß nach mehrstündigen Fahrten nicht etwa ein starker Abtrieb das Luftschiff aus die Erde heruntcrzieht, sondern daß vielmehr durch den Betriebsstosfoerbrauch ein starker Austrieb vorhanden ist, der die Landung besonders bei Wind stille schwierig macht. Es Ringt paradox, ist aber eine W Tatsache, daß bei starkem Gegenwind das Landen am besten । vorgenvmmen werden kann. Auch die Verankerung auf ■ freiem Felde ist wegen der festen Angriffspunkte gerade I bei starren Luftkreuzern am sichersten zu bewerkstelligen, I wie die Erfahrung öfter bewiesen hat (die Katastrophe I bei Echtcrdingen ist auf mangelhafte Verankerung zurück * zuführcn). Man darf also nicht an die Landungsweise der Freiballons denken. Die lenkbaren Luftschiffe stehen . unter anderen Bedingungen und garantieren eine immer größere Pünktlichkeit und Sicherheit.
Was nun die Aufnahmefähigkeit anbelangt: Während bei Freiballons ein Gasverlust bis zu 20 Prozent bei Erwärmung eintritt, verlieren die Z-Schiffe nie mehr als 2 Prozent, höchstens 3 Prozent, da die Erwärmung über • die Lufttemperatur nicht über 9—10 Grad beträgt. Das
Das Rätsel der Sphinx. -
Was ist die Sphinx? Was bedeutet sie? Diese Fragen haben schon Unzählige aufgeworfen und die ägyptologisclrc Wissenschaft sucht seit einem halben Jahr- f Kunden die Antwort. Richt mehr ist es das griechische Sagen- f geschöpf von Theben, das Oedipus nach der Deutung seiner Geheimnisse zum Sprung in die Tiefe zwang, in die es vorher Jo viele andere gestürzt: nicht dies weibliche Fabelgeschöpf gibt uns beute das große Rätsel auf, sondern jene gewaltige maniUichc l Gestalt mit dem stolzen unbewegten Antlitz, die da „sitzet vor den Pyramiden zu der Völker Lochgericht"; die große Steinsphinx . von Gifeh. '
Dickte Schleier des Geheimnisses sind um Ursprung und Zweck dieser ältesten Sphinx, der „Urmutter" aller anderen geschlungen. ?. ikessen Züge trägt dies Ricsenbild, das, auf der einsamen Felsen | kllppe hingcstreckt, Jahrhundert um Jahrhundert der aussteigenden | Sonne die Brust entgegerrbreitet? Wer hieb es heraus aus dem ß Gestein, und warum ? Tie Aegypter selbst, die dies Werk ge- D schaffen, halten seinen Sinn vergessen. Die Priester einer späteren r Zeil nannten die Sphinx Ra-Harmakhis, den Gott der Morgcn- t bämmerung, und erzählten auf einem Granitstein, der noch heute V davor steht, eine lange geglaubte Geschichte von dieser Gottheit; Itad) der König Thothmes IV. int Traume der Gott der Morgen Gdämmerung in der Gestalt der Sphinx erschienen war und dieser U das Heiligtum vom Sande befreit und wieder hergeftellt habe. Dae I Lriester der Isis verlegten die Entstehung der Pvramrde von Gisch | in eine 1500 Jahre ältere Zeit, in die Tage des Cheops. In neuester Zeit haben besonders deutsche Gelehrte vernicht, die ^-phtnx s für eine verhältnismäßig sehr junge Schövsung zu er Karen, sie sollte eine archaisierende, im Stil des alten Reiches ausgesuhrte Arbeit fein, die höchstens in das mittlere Reich 2000^-1800 t. Chr.), wahrscheiiilich aber erst in die Zc,t der 26. ^vnafne f (663—525 v. Chr.) zu setzen sei. Für alle Ravel, die die Sphinx tisher der Wissenscliast und der Menschheit ausgab, will mm der 7 iltsgezeichnele amcrikanisüv Aegvptologe, Pros. G. -L Reisner i ton der Harvard-Universftät, der die jüngitcn Au_.grabungen der | barvard Boston-Expedition im Taltempel des Mykcrrnov leitete, tice Lösung gefunben haben, die er in einem umfangreichen Aus f bte des Cosmopolitan Magazine darlegt.
| Gegen Ende der 2. Dvnastie waren Die Aegvpter vom au mit ’k Lehmzsegeln zur Verwendung von Stein in ihrer .lrchiterlur uber- !kegangen. Das erste Anzeichen für Verwendung des Steins beim treuen findet sich im Grabe des Königs K'ba 'ekhemui «etwa um 3050 v. Cbr.); d er er ste St e i nb au ist in cmcr >zmchrnl dieses s-rabes erwähnt: der Tempel, der da heitzt „Gott hat Geduld . T<r Nachfolger Kha-sekhemuis, Zoser, begann die erste bvramrd^ Slusenpyramide von Saggarah, fünfzig ^ahrc spater, um -you
bedeutet im Höchstfall einen Gasverlust von 700 Kilogramm. Taaeqen sind die dynamischen Potenzen des Luftschiffes so stark, daß sic das dreifache Gewicht, also 2100 zkilo aramm, in beträchtliche Höhen tragen können. Das einzig Bedenkliche ist nasser Schnee, der sich in unberechen baren Mengen auf dem gewaltigen Rumpf ansammeln kann. Viel gefährlicher als der Gasverlust sind dem Luft schiff st ü r m i s ch e Böen. Es handelt sich dabei nicht um gleichmäßige, stürmische, horizontale Luftbewegungen, sondern nm die eigentlichen Gewitterböen, bei denen vertikale Strömungen mit großer Geschwindigkeit auftreten, die das Luftschiff in kurzer Zeit auf- und abwerfen. Solchen Böen ist die „Deutschland" im Teutoburger Walde zum Opfer gefallen. Man will derartigen Böen in Zukunft dadurch begegnen, daß man zunächst in einigen hundert Metern Höhe Gas abläßt, um das aeroftatifche Gleichgewicht wieder herzuftellen, und sich dann in etwa 100 Meter Höhe hält, da die vertikale Luftbewegung in der Nähe der Erde bekanntlich geringer jst.
Nach diesen Berechnungen und Erwägungen bietet ein modernes Zeppelinluftschiff tatsächlich bereite soviel Sicherheit und Pünktlichkeit als Postverkehrsmittel wie ein See dampfer, der ja auch die präzisen Zeitleiftungen des geflügelten Rades wohl nie erreicht, weil er stets gewärtig jein muß, mit den Elementen einen besonderen Kampf aus zufechlen. Tie Aufnahmefähigkeit der Postluftschiffe wird allerdings auf absehbare Zeit nur für Briefschaften, nicht für Frachten, jedem Ansturm gewachsen sein. Bei Post- andrang muß eben der Passagierverkehr zurücktreten.
Was nun die Befördern ngs st recken der künftigen Postluftschiffe anbelangt, so hat, wie wir hören, Graf Zeppelin in seinen letzten Berliner Besprechungen mit Vertretern der Reichsregierung darauf hin- geroiefen, daß die Flugzeuge die kleineren Luftschiffe bereits abgelöst haben oder sie doch bald über- jlüssig machen werden. Für den Verkehr auf kurzen Strecken werden zweifellos die F l u g m a s ch i n e n und nicht die Lenkluftschiffe als Verkehrsmittel in Frage kommen. Aber für rasche Verbindung auf weiten Strecken werden, so ver- jicherte Zeppelin, die großen Luftschiffe in den nächsten Jahren überraschendes leisten. Und der unermüdliche Erfinder erklärte, es sei nur noch eine Frage der Kapitalisierung, daß man unter B wutzung b«*r regelmäßigen Winde Ueberfccflügc mit weit größeren Luftkreuzern als die jetzigen größten Z - Luftschiffe veranstalten werde und könne. Der geniale Alte denkt also bereite an den Wcltpo st verkehr in den Lüften.
Luftpost am Rhein und Main.
Die Geschäftsleftuna der Flugpost hat nunmehr Abmachungen für Lustpostbeförderung von 800 kg getroffen (bis jctzr find erst zirka 400 kg Postkarten) vom Publikum aufgegeben worden). Die LuftbcförDcrung steht unter bet Kontrolle der Kaiser!. Poslbehörde, die die mit ihrem Flugstempel versehenen Postkarten nicht eher an die Adressaten weitergehcn läßt, als bis sic durch die Luft befördert sind.
Die Postflugmaschine „Gelber Hund" nimmt von jetzt an nur noch die besonderen (gelben und roten) Fl u g z e ug ka rt c n mit. Was von diesen Starten im Gebiet der Luftpost rechtzeitig vorher aufgegeben ist, wird nach Mainz befördert und von dort
baute Snefru die erste wirkliche Pyramide, und nach ihm kam Cheops, der die erste Pyramide von Giseh errichtete; sein Sohn Chephren führte die jmeitc Pyramide auf, die auch fein Grab enthält. Er schuf die ganze gewaltige Anlage, den Opfertempel an der Ostseite der Pyramide, die lange, gedeckte Kunststraße, die zu dem Granittempel, dem sog. Svhinxternpel, führt, und diesen selbst der der Tal- oder Eingangstempel zu der ganzen Grabanlage des Chephren ist. Die Sphinx gehört eng zu diesem Komplex und wurde augenscheinlich aus dem Grat des Felsens herausgehauen, den die Bauleute des Cheops unberührt gelassen hatten. Tie Richtigkeit all dieser bisher so vielumstrittenen Angaben beweist Reisner aus den Ergebnissen seiner Expedition, bei der er einen Tempel aus der 4. Dynastie freilegte, derga auch die Sphinx angehören soll. Es handelt sich um den Taltempel der dritten Pyramide, der nach dem Tode des Pharao Mykerinos nicht vollendet, vom Regenwasser überschwemmt und von Sandmassen begraben war. Der Tempel wurde in all seinen Teilen wieder ausgedeckt; Raum auf Raum dieser weiten Anlage erschloß der Forscher dem Tageslicht und formte die herrlichsten Kunstschätze bergen: die dreivier tel- lebensgroßen Figuren des Mykerinos und seiner Gattin, vier Statucn-Gruppen, von denen jede drei Figuren aufwies, einen Alabaster-Kopf des Mykerinos, der die gleiche Haartracht zeigt wie die Sphinx, einen Alabaster-Kops des Äepses-kaf, seines Nachfolgers, und drei Basen von Alabaster^Statuen, eine mit einer Inschrift. Außerdem wurden über tausend kleinere Kunstgegen- stände aufgefunden, Fragmente von großen Statuen, Steingeiäße und Geräte aller Art, Zauberwerkzeuge und Statuetten; die Bildwerke waren zum Teil unvollendet, denn die Arbeiten hatten nach dem Tode des Mykerinos jäh abgebrochen werden müssen, weil Skepses-kas durch eine andere Dynastie verdrängt wurde.
Der Schlüssel für die endgültige Lösung des Sphrnxrätsels liegt nun in der Tatsache, daß die neu aus gefundenen Statuen der 4. Tvnastie alle charakteristischen Einzelheften der Sphinx auf- weisen und ebenso eine von Mariette gefundene Diorft-Statue des Chephren, die gleichfalls für ein Svätwerk aus dem neuen Reich erklärt worden war. Stammen diese Bildwerke, wie nunmehr erwiesen, aus der 4. Dynastie, bann können sie nur um 2800 v. Chr. unter dem König geschaffen worden fein, zu Hessen Grab sie gehörten, unter Chephren. Die Tiorft-Statue war ein Porträt des Chephren, ausgestellt in seinem Taltempel, um die Lpsergaben zu empfangen; die Sphinx aber war das zunächst dem Chephren eigentümliche und von ihm erfundene Symbol, die erste und die größte aller Sphinxen, die dann so zahlreich als Wächter heiliger Stätten in der ägyptischen Kunst hingesetzt wurden. Sie stellte sich also dar als der üörper eines Löwen, der den Porträtkops des Chephren trug: der Horus-König als Löwe, sein eigen Grab bewachend gegen alle Feinde und bösen Geister.
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aus am Sonntag oder Montag nach Frankfurt a. M. durch die Luft bestellt. Alle anderen Karten werden von der „Schwaben" befördert.
Leutnant von Hiddessen ist mit der Euler-Masck'ine „Gelber Hund" <Flugpostmaschine) am Donnerstag morgen von Darmstadt—Griesheim mit 50 kg Post um 3 Ubr 45 Mill, in Wor m s angekommen, wo Postbeamte d,e Post aufnahmen und einen neuen Postsack xinlegten. Um 6 Ubr 30 Mfti ist die Postslngniaschine von Worms nach Mainz abgcflogcn und dort nach 26 Minuten auf dem „Großen Sand" gelandet, um die mitgeführten Karten an die Post abzugeben. Sic bleibt bi« Sonntag oder Montag in Mainz und nimmt bann die Post de förberung nach Frankfurt unb al-Zdann Frankfurt—Darmstadt wieder auf.
Der italienisch-türkische Krieg.
TaS türkische Vorgehen gegen die ausgewiesenen Italiener.
Saloniki, 13. Juni. Die Polizei hat gestern mit der zwangsweisen Entfernung berjenigen italienischen Staatsangehörigen begonnen, bie keine behördliche Erlaubnis znm weiteren Aufenthalt besitzen. Die Ansgewiesenen mürben von der Polizei an Borb eines nach Griechenlanb abgehenden Dampfers geschafft. Ihre Zahl beträgt ungefähr 100, fic gehören zumeist ber ärmsten Klasse an Unter ihnen befinben sich 45 alte Leute unb auch solche, bie nach dem Attest des beutschcir Konsulats foulten hier bleiben können, ihr Attest mar aber von den türkischen Behörden nicht beglaubigt worben. Die Leute m u ß t e n größtenteils ihre Habe verkaufen, um bas Reise- gelb zusammen zu bringen.
Ein Angriff auf die Italiener bei Hom8.
Rom 13. Juni. Die Agenzia Stefani mclbet ans Homs vom 12. Juni: In der Rächt vom 11. zum 12. Juni machte der Feind, nachdem er die italierfifdien Linien hier unb bort beunruhigt hatte, um 4 Uhr einen unvorhergesehenen heftigen Angriff gegen bie italienischen Streitkräfte, bie bett Hügel bei Lebba besetzt hielten. Als bie Lage geklärt war, ließ General Reisoli mit allen in Homs verfügbaren Truppen einen Gegenangriff in Flanke unb Rücken des Feinbeö unternehmen. Ter Kamps war sehr erbittert. Um 8,15 Uhr waren bie Araber unb Türken bereits überwunden unb dezimiert. Ein Teil der Feinde entfloh eiligst, von den Italienern verfolgt unb ben italienischen Batterien bombarbiert. Ein anderer Teil würbe in ber Oase umzingelt und aufgerieben. Die Verluste ber Türken unb Araber waren sehr bebeutenb. Die Oase unb Umgebung waren mit Leichnamen ber .Feinde geradezu übersät. Nicht nur die nächste Umgegend, auch die sich am'cksticßendcn kleinen Berge bei Lebda sind von den Feinden verlassen. Dort wurden 4 21 Leichen gefunden, von denen 219 bestattet wurden. Viele andere waren vom Feind während der Schlacht fortgeschafft worden. Andere liegen noch in großer Anzahl auf b-'m vom italienischen Gelände weit entfernten 'Gelände unb auf bcr Rückzugsttnie des Feindes zerstreut. Die Italiener erbeuteten zahlreiche Gewehre unb eine große Meng« Munition. Tie Verluste belaufen sich auf 3 1 Tote, barunter zwei Offiziere, unb 59 Verwunbete, darunter zwei Offiziere.
Konstantinopel, 13. Juni. Das Kriegsinini - sterium veröffentlicht folgende Depesche aus Homs: In der Nacht vom 4. zum 5. Juni griff ein türkisches Detachement die italienische Front bei Merkab an unb erbeutete bie Felbküche unb Lebensmittel. Am 6. Juni faub ein Kampf statt, wobei die Türken und Araber ein italienisches Fort einnahmen. Tie Italiener hatten zwanzig Tote. Am 7. Juni besetzten bie Italiener das Fort wieder, mußten es aber nach einem bis zum Abend andauernden Kampf wieder verlassen. Die Jtalieirer zogen sich teils auf Homs, teils auf Merkab zurück.
Rom, 13. Juni. Die Agenzia Stefani erklärt bie vom otto- manisckren Kriegsministerium veröffentlichten Nachrichten über bie Kämpfe am 5., 6. unb 7. Juni bei Homs für falsch. Am ö. und 6. Juni habe kein Kampf bei Homs ftattgefunben, unb am
— Der Tob bes französischen „Tichtcrkönigs". L6on Die'rx, ber französische Tichterkönig, ber nach Per- laine und Mallarme im Jahre 1898 auf Grunb einer vom Temps- veranstalteten Abstimmung zum „Fürsten ber Poeten" erwählt wurde, .ist im Alter von 74 Jahren aus dem Leben geschieden. Ein stiller Mann ging in ihm aus der Welt, der durch die Krönung- seiner lyrischen Genossen auf die Höhe des Parnasses gestellt wurde, während er sich selbst zeitlebens nur als einen bescheidenen Mftstrebenden im Anstieg zu den Dichterhöhen angesehen hatte. Er stammte von der Insel Räunion, und diese französische Kultursphäre unter afrikanischer Sonne hinterließ in ihm starke Erinnerungen, als er sich in Paris niederließ und hier eine bescheidene Stellung im Ministerium des öffentlichen Unterrichts erhielt. 1864 veröffentlichte der 36jährige einen Gedichtband „Poemes et Poßsies", der ihn ganz im Banne jener klassischen Formenstrenge zeigt, die der Paniaß predigte. Doch vergebens strebte er jener klaren, kalten Medaillenkunst des Verses nach, die ein Bild efoenr und scharf ausprägt und ihren Meister tn Öer6bia fand. Tie Mächte des Gefühls Drängten in diesem stillen, zarten Gemüt mächtig empor, und so zeigte er in seinem späteren Gedichtband „Lövres cleses" sentimentalere Töne, die m ihrer inneren Beseeltheit an Heine gemährten, und eine gedankentiese Resignatwn, die ^ben ewigen Sieg bes Ideals über alle dunklen Mächte preist. Tie ganze dichterische Arbeit seines Lebens ift in dem 1894 erschienenen Bande seiner sämtlichen Werke ent- hchten. Aber diese wenigen Gedichte gehören zum Besten, was die französische Lyrik des 19. Jahrhunderts heroorgeorach: hat, und werden den Namen dieses schlichten „Tichterkönigs" auf lange hin lebendig halten.
— Sudermanns „Heimat" in Japan. Wie aus Tokio gemeldet wird, haben die Behörden die Aufführung von Subermanns „Heima t" verboten, da sie Der Ansicht sind, daß bie Handlung und bie Theorien der Magda Gefahren Tür die lapanische Moral enthalten. Tie Uebersetzer wollen jedoch in allernächster Zeit um die Erlaubnis einkommen, das Stück in Lsaka und Nagoja auffüforen zu dürfen. In der Darstellung der Magda sollen einige Veränderungen eintreten; auch sollen einige Streichungen des Textes selbst vorgenommen werden. Es ist wahrscheinlich, daß dann dort die Erlaubnis gegeben werd, aber aus Tokio nnrd Sudermann verbannt bleiben. Die Presse be-- spncht in spöttischer Weise dieses Verbot. Die AuMhrung des Schauspiels felbtt, dessen Hauptrolle Frl. Mathui, eine der eriten Schauspielerinnen Japans darstellt, hat großen Beifall gesunden.


