Ausgabe 
11.3.1912 Erstes Blatt
 
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Damen

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Hane

Südwe

Bab^ Kinder

I verkaufen 21 I Geackäftes.

Konstantinopel, 10. März. DaS KriegSmini- fterium veröffentlicht ein Telegramm des Kommandanten von Tripolis, wonach die Türken am 7. März Ain Harah angegriffen und die dortigen Telephonleitungen zerstörten. Am 4. März sollen die Italiener den Ort Solls an der Küste des Yemen bombardiert haben. Die ita­lienischen Schiffe sollen sich jetzt vor Lohaja befinden.

zu nennen. ..

" Stadttheater. In der morgigen ersten Aufführung von Molnars witziger Komödie »Der Lei bgarbifi* wird Fräulein Kitty Francte vom Stadttheater in Barmen für Daß Zach der Salondamen auf Engagement gastieren. Erwähnt sei, daß die Aufführungen der drei Emaltec am Mittwoch und derPolnischen Löirtschaft" am Freitag die überhaupt letzten Aufführungen dieser Werke bedeuten.

* DaS Konzert des Bauerschen Gcsqngvct - ein» ist im Laufe der Zeit zu einer ständigen Einrichtung ge­worden, die Mustk,ceunüe nur ungern Dcruiqicn wuroen gute Besuch der gestrigen Äusführung oeroicd, baß immer wertete Streue bic trefflichen Meinungen des Vereins auf dem Geviele des Manner- aefangS anerkennen und ihm ihre Sympathien entgegnchrmgen. | '2115 Solisten waren für den Abend die Herren Albert Munch aus Frankfurt a. M. und Herr Julius Hahn aus Gießen geroonnen. Zerr Münch verfugt über einen sehr fympath.ichem leicht an- iinecbcnben, lyrischen Teiwr und ein jchätzvares Bortragsge,chuk; die chm nach der Arie aus BerdiS Rigoletto einen oervorrur eintrugen. Seine Stunmittel berechtigen zu ichonen vonnungen Er versäume aber nicht, seine noch fiark flackernde ^j.tgehung und seinen nrusikalischm Geschmack (Veufchel-Lbermci r.) nner lorgfältigen Wandlung zu unterriehen. Am Klavier ortoligw ich als Begleiter und Solist Herr Julius vahn. der als tud>*| tiger Virtuose den technischen Apparat seiner Lortragsnummern völlig behrnchle. Tie Leichtigkeit, mit bet er die oer,ch:edenen Anschlags Nuancen in Hiller-5 Toccata und Weber Volacca bru» lante bewältigte, die Bolubilität der Finger war Proben eines tüchtigen Könnens und trugen auch ihm kräftigen Bei,all und einen Hervorruf ein, den er mit einem McndclssohnschenLied ohne Worte' dankend quittierte. Psyche aber regte nur ,chüchtern die Schwingen. Eine weitere Abwechslung bot das Programm mit iroei Doppel-Quartetten. Recht gut eingefungene Mit­glieder bei Vereins brachtenFilkesElslein von Caub" und

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HübnerS ,^Jn stiller Nacht" so eindrucksvoll zu Gebot, daß sie sich nach dem zweiten Liede, dem kundgegcbenen Wunsche entsprechend, zu einer Zugabe entschlossen Der Schwerpunkt und Höhepunkt der musikalischen Darbietungen lag in den Chorl e i st u 11 g c n. Be­diente daS vom Vereinschor an diesem Abend Geleistete schon nach der quantitativen Seite hin alle Achtung .8 Ehöre! so kann man angesichts der musterhasten Sauberkeit und Akkutales'c, der sorgfältigen Tertbehandlung und schön abgewogenen Schat­tierung, mit der alles gesungen wurde, mit uncingcschränlrer Anerkennung nicht zurückbalten. Zumal, wenn inan eingedenk bleibt, daß Dirigent und Sänger hierdurch eisernen Zleig in den Proben ersetzen müssen, was ein anderer, aus musikali,ch be"er vorgesämltcn Kräften rekrutierter Verein an rechni,chem Können voraus hat. Vor allem zeichnet der B. G.-B. sich aus durch die Schönheit seines Stimmenmaterials und durch die von seinem Chotmeister, Herrn Ctto Görlach, den Sängern anerzogene manne timbrierte, ausdrucksbelebte und jederzeit klangschöne »ingroeife. Das Gesamtergebnis der Leistungen des Chores aus denen ZöllnersDie drei Worte des Glaubens", HaydnsBered,am» reit" und SchubertsNachtgesana im Walde", besonders hervor- gehoben seien war denn auch ein für den Verein, wie für seien meisterlichen Führer äußerst ehrenvolle uub wurde in diesem Sinne auch von der Zuhörerschaft durch reichen Bei,all 0aubstummengottesdienst. Nächsten Sonntag, 17. März, findet hier im Konfirmandensaale der LukaSgemeinde wieder Taiibslummengotteßbien't statt; on öen Gottesdienst schließt sich die Feier deS hl. Abendmahls. Mittellose Taubstumme werden gebeten, sich wegen Erlangung eines Ausweises zur Fahrpreisermäßigung an Pfarrer BechtolSheiiucr in Diesten zu wenden.

Deutscher Frauenverein vom Roten Kreuz für die Rolon hn. Wir machen nochmals auf den heute abend in der Reuen Aula der Universität slattfindcnden Vor­trag des HofratS Dr. B. Hagen über die Stellung der Frau bei den Eingeborenen unserer Südsee - Kolonien aus- merksam.

** Schneider-Aussperrung. Infolge ^>eS Be- ichlnsfeS des deutschen Arbeitgeberverbandes für daS Schneider- gewerbe ist heute früh auch hier die Aussperrung der organi­sierten Schneidergehilsen eingetreten. In 18 Betrieben wurden etwas über 100 Gehilfen auSgefperrt.

♦♦ In Streit geriet in verflossener Nacht in der Sonnenstraße ein Fahrgast mit dem Kutscker. Unter Mit­wirkung des Bruders vom Kutscher wurde der Fahrgast

I verhauen; Rtonnschaften der Sanitätskolonne mußten einen

Aur Stadt und Land.

(»teyen, 11. Marz 1912.

** Tageskalender für Montag, 11. März: Lichtbilder-1 Vortrag im Fruueiwercin vom Roten Kreuz kür die Kolonien: votrat Tr. Hagen-Frankkurt: Tie Stellung der Fran bei beul Eingeborenen uiifeier Lübsee-Kolonien. Abends v)L Uhr in der I Reuen UnioersitatS-Auta. »

LandeSuniversität. Prioatdozent Dr. Rauch, der Leiter beS kunstwlffenschaftlichen Instituts ber Universität, ist vom Grostherzog zum austerorbentlichen Proftssor ber Kunst- wiffenschaften ernannt worben. I

* Die Einweihung des P r 0 v in zi al-W as» serwer ks Inheiden findet am Samstag, 30. März, I nachmittags 12/4 Uhr statt. Die Teilnehmer an der Feier begeben sich mit Sonderzug von hier aus nach und von dem Werke. v ,

* Die Hessische Landes-Hypothekenbank gibt bekannt, daß sie in Aenderung der bisher gültig ge­wesenen Darlehensbedingungen den Satz der Geldb e- schaffunaskosten mit Wirkung für bie vom 15. Marz 1912 ab bei ihr einlaufcnden Anträge auf Gewährung von Hypothek, und Kommunal-Darlehen bis auf weiteres auf li/i Prozent festgesetzt hat.

** Im Stadttheater wurde gestern abend eine gute Vorstellung vonNestr 0 ps aller Zauberposse Lum- pazivagabunduS gegeben, zu der sich die Zuschauer sehr zahlreich einaefunden hatten. Unter Herrn Nordens 'gewandter Leitung wickelten sich die lustigen Szenen aut unb glatt ab, und die Darsteller wurden nach jedem Akt lebhaft gerufen. Von den Mitwirkenden zeichneten sich vor allen anderen aus die Herren Norden, der unl^r starkem Beisall eine witzige Einlage zum besten gab, als cöia durstiger Schuster, und Großer als lustiger, be­hender Schneider, zu denen sich Herr Rappep 0 r t als ehrsamer Tischler gesellte. Von den übrigen Darstellern sind noch die Damen Scholz und IÜnglin g als Laura unb Camille, Herr Volck als Stellarius und Hobelmann

Ausland.

Präsident Falliörcs uno Die Minister wohnten am Sonntag auf dem Polygon von St. Bineent der Parade über die Garnison von Paris bei. Zehn Flug­zeuge unb mehrere Lenkballons manövcrierten gleich­zeitig über bem Paradefeld. Eine große Zuschauermenge brachte dem Präsidenten, den Ministern und den Fliegern begeisterte Huldigungen dar. _

Bei der Pforte ist eine Meldung eingegangen, daß die gesamte englische Flottenbivision von Malta nach Kreta in See gegangen sei. Die Schutzmächte seien entschlossen, die Fahrt der kretischen Deputierten nach Athen, die auch den Griechen Verlegenheit bereiten würde, au verhindern.

Aus Hessen.

Klein-Linden, 9. Marz. Heute abend wurde nach einem Vortrag des Landlagsapgeoroneten Professor Urstadl über das Thema:Der Liberalismus in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" di»-Grüiidung eines Vereins

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willig die Abende frei geben.

KreiS Alsfeld.

- Wäldershausen, 10. März. Die Nachricht, daß das Rittergut Wäldershausen verkauft werden sötte, wird von zuständiger Seite als unrichtig, bezw. aus Der Luft gegriffen bezeichnet.

Starkenburg und Rheinhessen.

w. Darmstadt, 9. Marz. Heute mittag 1 Uhr wurde bei der S.alion Kranichs! ein ber Taglöhner § r ick e t au» Arhcilgen vom Schnellzug ersaßt, zur fceue geschleudert unb schwer verletzt. Er starb heute abenö 11m yiejigen Krankenl-aus an den erlittenen Verletzungen.

Verband anlegen.

** I m Landtagsbericht ber SamStagsnum m et ist in ber Rede bes Abg. Grünewalb infolge undeutlichen Manu­skripts eine Reihe von Druckfehlern entstanden, die Abg. Grüne­wald uns zu berichtigen bittet: Zunächst ist uu ersten Absatz auf der viertletztcn Zeile statt ber Wortefeine Partei" zu lagen feine Partei". Im zweiten Absatz Zeile 6 mutz es stattUrteile Vorteile" heißen. In der zweiten Spalte aus ber 4. Zeile darf cs nicht heißen, wir bürsen nicht meinen, baß wir bie tote Flut nicht cinbämmen unb hierburch gefährlich machen bürten, jonbetn baß man sie ausfangen unb in eineJRinniale ableiten müsse, sondern es muß heißen:wir dürfen die rote Flut nicht aus enge Räume eindämmen und hierdurch gefährlicher machen, man muß sie vielmehr verteilen und in Rinnsale ableiten, bamtf sie nicht gewaltsam unb verderblich sich betätigt, sondern frucht­bringend wirkt". Auf der letzten Zeile dieses Absatzes hinter dem Worterfolg" muß es heißenseit der französischen Revolution . Im 3. Absatz muß in der 3. Zeile dasnicht wegsallen. Im letzten Absatz muß es stattverwogen"vollzogen' heißem Der Schluß der Rede gang dahin, daß man aushören solle, die Sozial- I demotraten als Minderwertige Bürger zu behandeln und datz inan aufhören solle, die zu schmähen, die dieser Beiveguna mit Ver­ständnis gegcnäberstehen und sie nicht unterdrücken, sondern heran- ziehen wollen zur staatlichen Mitarbeit. Nennen Sie uns nicht mehr Stiefbrüder der sozialdemokratischen Partei, sondern lassen' Sie uns alle wie Brüder sich bie Hand reichen unb zusammen ar-, beiten zum Wohle deS VaterlanbeS. (Beisall.)

KreiS Büdingen.

stellung des jeder Begründung entbehrenden Urteils gab, '.jf festgestellt werden, daß eigentlich keine Notwendig- feit zu einer solchen Richtigstellung vorlag, weil die Aus- lassungen der Regierung über die Gründe ihres Vorgehens in Tripolis vollständig klar waren.

Neue Kämpfe nm Ain Zarah.

svurde.

Die fortschrittliche Volkspartei des Reichstags hat zur zweiten Beratung des Haushalts für das Reichs amt Des Innern (Gesundheitsamt) den Antrag gestellt, die verbün- beten Regierungen zu ersuchen, bie bei der Einfuhr v 0 n aus ländis chem Speck und Schin ken tm Reichs- flcischbeschaugeietz vorgesehenen Ausnahmen von der 4 Kg.- Gewichtsgtenze auch aus selbständige, leicht zu untersuchende Organe (Leber und Zungen) auszudehnen.

Nachdem der sächsische Kronprinz Georg am Freitag im Dresdener Neustädter Gymnasium bie Reife­prüfung abgelegt hatte, fand Sumstag mittag im Taschen­bergpalais in Gegenwart des Königs die feierliche Ent- laffuim des Kronprinzen unb der übrigen Abiturienten der Königlichen Prinzenschule statt. Montag vormittag 11V, Uhr wird der Kronprinz eine Auslandsreis e antreten, bie über Wien nach Triest, nach Korfu, Griechenland Dalmatien unb Montenegro führen wird. Tie Rückkehr nack Dresden ist für den 23. Mai in Aussicht genommen. In Begleitung des Kronprinzen befinden fich Generalmajor v. Carlowitz und Leutnant v. b. Busch.

H Bübingen, 8. Mär». (Ge mer n berat-sttzuua.) Wilhelm Wittekinb II. legt gemätz dem BesAusse deS Ge- meinberats aus bet vorigen Sitzung abgeänberte Plane über bic Erbauung seines Wohnhauses vor, btc ,etzt d^ Zustimmung beS Gemeinderats finben. Der Vorbehalt, baß Wrttettnb so lange in bem bärtigen Bauquartier keine anderen Verhältnisse ein­treten, feinen Anspruch auf Einführung von Gas, Wasser, Kanatt- fierung hat, bleibt bestehen. Maurer Wbrecht hat »rn voriaen Jahre bei einer Feldwegherstellung lerne vorsck^ftsmäßige Arbeit geliefert. Die Bauleitung hat deshalb bic Restzahlung feinet Rechnung im Betrage von 78 Mack mebt anertannt Der Bau­sachverständige bestätigt die mangelhafte Arbeit, gibt aber auch zu, daß noch andere Vorkommnisse Schuld an bet beutipen schlechten Beschaffenheit des Weges tragen. ES wird beschlossen, Albrecht au zugeben, das ganze Gassenpflaster des Weges bcraudninebmen unb unter AMchl ber Bauleitung neu bniuftcllen. Er» na» bet richtigen Vollenbuna ber Arbeit wirb ihm b« Rest feiner Rechnung ausbezahlt und die Mehrleistung entsprechend nctgüUU Serügt wird noch die rücksichtslose Benutzung des WegeS durch die Fuhrleute, namentlich wird festgestellt, baß daS ^"enhemm« unter allen Umständen zu verbieten sei. der

Blumenbinbekun st schule, bic fetzt Konzession

erhalten hat, sucht um Uederlassung »tverer Sckmlsale im mum Schulhause nach In Anbetracht, daß m ber nadtften^8nt iu>4 weitere Schulklassen errichtet werben müssen, "wb von ber Abgabe der Räume abgesehen. Der Gemeinderat erkennt jedoch die Bo- Deutung unb ben Nutzen bet Schule Mr bie Stadt an Ul^

I schließt auf Antrag deS Gemeindetat- Keil, daß zwei 00)111* jale im alten Schulhause am Marktplatz, bie nur im Winter von her landwirtschaftlichen Winterschule benutzt zur

Verfügung gestellt werben. Detschiedene BescMssc der Gas* werks^mminwn werben aenchmigt oder Die Vorkomm­

nisse bei Einbauung ber Fcrnzuntwng werdm nnn u'^ zogen unb bestimmt, daß sobald wie mög 1 ich die VcrhaItnisse Zuziehung des Sachverständigen Kargestem ^dev 'ollen. Cme Anzahl Rechnungen für daS städtische

ein Kredit nicht mehr vorhanden ist, metben genehmigt unb*n~er Krebit bewilligt. Bei Genehmigung der Rechnung eine- Ke­imen Lieferanten, bic aus bem vorigen Rcchrmng-tahte stammt, aber ent jetzt eingcteicht wurde, wird bestimmt, datz in Zubmft da* artige Rechnungen nicht mehr anzunchmen find.- ;tet ourg meuter teilt mit, daß Professor v, Thu bi

mr Einrichtung einet stSdtischcn Bibli 0 thc k und nneu Betrag zu deren Errichtung übersandt habe. ®in Qkfufl vc- Vorsitzenden des KticgervereinS Budingen um Ucbetla sul^ der Turnhalle zur Abhaltung eine- EamatiterfutsuS wird iurt« Ler Voraussetzung genehmigt, daß btc beibat Turnvereine, ben« . an vier Abenden in ber Woche bic Turnhalle überlassen ist, tw

der fortschrittl. Volkspartei beschlossen. 58 Mit-I glieder zeichneten sich bis jetzt in bie Liste ein.

Das Haupt der Wilhelmshavener 5pionenvande vor Gericht.

X Aurich, 10. Mat».

Wahrend ber deutsch-englischen Spannung im letzten Sommer erregte e5 in ganz Deutschland begreifliches Aufsehen, als be­kannt wurde, daß in Wilhelmshaven, dem Hauptftutzpunkt der deutschen Schlachtflotte, eine Sirionenbanbe ihr Wesen trabe, bie um so gefährlicher werben konnte, als ihre Mitg.ieber tetlrociie au5 Beamten bestanden, denen geheim zu haltoide Gegenftande leichter zugänglich waten, als anderen P-tsonat. Tie Entdeckung der Gesellschaft gelang nach inchtwöchenllichet Beobachtung erst im Herbst v. I. unb zwar infolge bes UmstanbeS, baß mehrere bet Beteiligten auch eine regelrechte Diebesbande gebildet hatten, )ie sich durch EinbruchSbicbstähle einen guten Nebenverdienst Der» I chasfte. Es handelte sich in erster Linie um den Schutzmann Glauß unb ben Schutzmann Jänicke. Mit ihnen kommt als I Schulbiger noch ein Signalgast bet Kaiserlichen Platine in Be-1 tracht. Fetner bat man starken Verdacht, daß bic 6hcTtauen| ber btc i Schutzmänner bem verräterischen Treiben ber Angeklagten Vorschub geleistet haben. Es wurde zugegeben, bav ein gehameS Signalbuch gestohlen und an die englische Abmiralrtat verkauft worden sei. Andererseits gingen Gerüchte durch die Prcsfc, die von viel umfangreicheren, ausgefprochenen Osfensivmaßtegeln der englischen Admiralität anläßlich der Spannung des letzten Sommers mit Hilfe bet brei Angeklagten wissen wollten. Es habe sich ergeben, baß bic Pläne der Einsahrtfchleusen zum Wil­helmshavener Kriegshafen, die Pläne ber Süßwasservetsorgung unb bas geheime Signalbuch verraten worben waren. Die Ein- sahrtschleufen, bic bie einzigen Zugänge bes Kriegshaiens -ur See bilbcn, sollten im gegebenen Augenblick gesprengt werben. Wil­helmshaven wäre baburch als Krieashafen in wenigen Sekunden total unbrauchbar geworden und sämtliche im Hafen liegenden Kriegsschiffe hätten sich in einer Falle befunden, in der sie zum mindesten auf Wochen hinaus eingeschlossen gewesen wären, ohne sich von ihren Liegeplätzen rühren zu können. Das Deuffchc Reich wäre damit in der ersten und wichtigsten Phase des Krieges in bet Norbsee völlig wehrlos gewesen, zumal zurzeit bic Verbreit^ rung bes Kaiser-Wilhelm-Kanals noch nicht fertig gestellt ist unb bie übrigen Zufahrtstraßen natürlich sofort burch Minen vet- chlossen worden waren. Um dieser Gefahr zu entgehen, habe' ich das deutsckie Hochseegeschwadet Wochen lang tn Sce au,gehalten, ohne in den Heimatshaien einzulaufen. Bon offiziöser Sette erfolgte natürlich ein Dementi dieser Mitteilungen. Was Wahres an ber Sache ist, wirb bie Ocffentlichkeü wohl nie erfahren, ba bet Hauptschulbige, eben Glauß, wegen biefer Straftaten nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. Et hatte sich aber nunmehr wegen ber von ihm eingeftanbenen Einbruchsbiebstahle vor bet Strafkammer bes hiesigen Lanbgerichts zu verantworten. Zu seiner Verteibigung führte ber Angetlagte an, baß er von bem Schutzmann Jänicke, ber sich gegenwärtig in einer Irrenanstalt befindet, zu den Verbrechen aufgejorbert worben sei. Der Bor- sitzenbe stellte fest, baß gegen Jänicke, als bessen Geisteskrankheit noch nicht erkannt war, in ber Sache bereits vethanbeit worben sei. Jänicke habe dabei ausgesaat, daß Glauß der Verführer gewesen sei Der Angetlagte gab dies zu, er will Janicke geraten haben, )ie Schuld aus ihn, Glauß, zu schieben, weil er damals schon die Absicht hatte, zu fliehen. Ter Gerichtshof verurteilte Glautz ru einer Zuchthaus strafe von sechs Jahren und zehn Jahren Ehrverlust. Einige weitere Fälle werden dem­nächst ber Aburteilung burch bas Gericht unterliegen.

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Aus China.

Nanking, 9. März. (Reuter.) Die Nationalver­sammlung hat folgendes Programm angenommen: Juan- schikai wird nach Ablegung des Amtseides bem Präsiden- , ten ber Nankinger Nationalversammlung die Namen der , Kabinettsmitglieber telegraphisch mitteilen. Nachdem bie : Versammlung bie Wahl bes Ministeriums gebilligt hat, wirb sich das Kabinett nach Nanking beg'ben, um sein Amt anzutreten. Sunyatsen legt die provi^.ifche Leitung nieder unb übergibt Liyuanheng, dem Vertreter Yuanschikais, das Präsidentschaftssiegel. .

Die republikanischen Behörden in schanghai begrn nen vorsichtig die Truppen auszulöfen. Vierhundert Mann, hauptsächlich aus Hangtschau, haben ihre Waffen unb Uni­formen abgeliefert unb für einen Monat Soll) erhalten. Spezielle Vorsichtsmaßregeln werden getroffen werden, um Unruhen der Truppen zu vermeiden.

Die internationalen Banken haben der Re­gierung einen Kredit von 320 ODO Taels gewährt und sich bereit erklärt, den chinesischen Vertretern im Aus­lande weitere 180 000 Taels zu zahlen. In der nächsten Woche werden der Pekinger Regierung 600000 Taels aus­gezahlt werden. Die Banken beavsicytigen, die Regierung oder die Regierungen zu sinanzieren, bis deren Finanzen wieder in Ordnung sind uno bereiten sich darauf vor, inner­halb der nächsten zwei oder drei Monate 6 bis 7 Millio­nen Taels vorzuschießen. Die Japaner und Russen sind zur Teilnahme zugelassen, doch halten bie Rus,en noch keine angemessene Bantvertrewng geschaffen. Wenn bie Sechs-Mächte-Gruppe gebilbet worden ist, wird das Ab­kommen rückwirkende Kraft bekommen. Die Anleihe wiro sowohl den gegenwärtigen Vorschuß wie den jüngsten Vor­schuß an die Nankinger Regierung decken.

Deutsche» Neictz.

In Anwesenheit oes vom staijer mit seiner Vertretung betrauten Prinzen August Wilhelm Hai am Sonntag vor- mittag am Geburtstage der Königin Luise bie Ein­weihung der ihrem Gedächtnis gewidmeten neu erbau­ten Kirche in Schöneberg statigefunden. Das Denk­mal der Königin Luise war, wie immer, das Ziel zahl- reicher Berliner. Der reiche Fruhlingsschrnuck der Luijen- injcl wurde auch vorn Kaiser und der Kaiserlichen Familie besichtigt.

Prinzregent Luitpold hat am Sonntag vormittag die beiden Bürgermeister und die B 0 rstände des Gemeindetollegiums, darunter auch den sozial­demokratischen Vorstand Witti, empfangen, die bem Regenten die Glückwünsche der Stadt Rtünchen zu seinem 91. Geburtstag überbrachten. <

Tie Nachwahlen zur Zweiten Kammer des Land­tags in Elsaß-Lothringen halten folgendes Ergeb­nis: Im Wahlkreise Hab s h eim-L an d s er haben von 6639 eingeschriebenen Wählern abgestimmt 5510, davon für Broglie (Ztr.) 2983, für Müller-Möglin (S.) 2489, zersplit­tert 12, ungültig 71 Stimmen. Reattehrer Broglie ist somit gewählt. Im Wahlkreise Sulz u. W^Wörlh wurden abgegeben für KieSner (Ztr.) 2832, sur Alfred Wolf (Lll>.) 2773. Kies ner ist gewählt.

Mit einer Entsu-ewung des Kaiserlichen Rats hat nun­mehr die vielbesprochene Affäre des französisch angehauch­ten Vereins Lorraine sportive" in Straßburg ihr definitives Ende gefunden. Man erinnert sich noch, daß Ende März v. I. in umfangreicher Gerichtsverhandlung sich der Leiter des genannten Vereins, der Zigarrentaus- mann Alexis Samain unb acht anbere Veremsrnitglieber wegen grober Ausschreitungen zu verantworten hatten. Die Angeklagten wurden seinerzeit auch verurteilt unb bann in ber Folge die Auslösung desLorraine sportive" unb eines ähnlichen Vereins, desjeunesje lorraine", angeorbnet. Gegen diese Auslösung legten beide Vereine Einspruch beim Kaiserlichen Rat ein, ber nunmehr verworfen