Nr. 60
Ter rietzener Anzei-er erscheint täglich, außer ConnlagS. - Beilagen: viermal wöcbenilich GiebenerFamiliendläNer, zweimal wöchentl.Xreir- dlaNsilrdenXrrizSiietztn (Dienstag undFreilaqsi, zweimal monatl. Land- »irtschastltche Seilhagtn ^erniprech - Anschlüsse: tür die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gieße».
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Erster Blatt
162. Jahrgang
imrittag, U. März 19(2
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
Rotationsbrutf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steiudruekerei H. Lange. Nedattion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7.
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Die heutige Nummer umfafet 10 Seitew
Die Entdeckung des Süöpols.
Amundsen hat den Südpol entdeckt. Die not fvegischen Zeitungen „Arten Posten" und „Tideno Teyn" veröffentlichen einen aussiihrlichen Bericht über die Expedition des Norwegers A m u n d s c n zum Südpol.
In dem Bericht heißt es u. a.: Am 1. Februar 1911 begannen unsere Arbeiten im fernen Süden. Am 1. April hatten wir drei Depots errichtet, nro ivir Vorräte verschiedener Art nieder legten, im ganzen 4100 Kilo. Die niedrigste Temperatur wurde am 13. August festgestellt. Sie betrug minus 53^Celsius. Am 8. September traten wir — 8 Mann mit 7 Schlitten, 90 Hunden und Vorräten für vier Atonate — den Marsch nach dem Südpol an. Ta die Temperatur von setzt an von 'Tag zu Tag.sank, worunter besonders die Hunde zu leiden hatten, kehrten wir zu unserer Schneehütte zurück. Am 20. Oktober wurde der Marsch zum Pol von neuem angetreten. Die Expedition bclland nunmehr aus 5 Mann mit 4 Schlitten, 52 Hunden und Vor raten für 4 Monate. Am 17. November erreichten mir den 85. Breitengrad. Hier wurde das Hauptdepot niedergelegt. Tas Terrain, das wir nun antrafen, schien fast unübersleigbar. Bergrücken bis zu einer Höhe von 10000 Fuß, die in lüblicher Richtung noch höher zu sein schienen, mußten wir übersteigen. 'Sir waren genötigt, große Umwege zu machen, um breite Rine und Klüfte zu umgehen, die zum Teil mit Schnee angefüllt waren. Am 1. Dezember überschritten wir ein Feld, das von zahlreick>en Löchern unterbrochen war. Ter Schnee befand sich in Bewegung wie Eisschollen auf einem See. Ter Marsch über das gefrorene Terrain war schwierig. Zunächst brach ein Mann durch, und dadurch einige Hunde. Unsere Ski konnten wir auf diesem Terrain nickt benutzen. Am besten bewährten sich die besonders eingerichteten Eisschlitten. Dir nannten dieses Gelände „T a n z - saal des Teufels". .
Am 2. Dezember erreichten wir bei 8/ Grad 40 ..rin. diegrößteHöhe, nämlich 10 750 Fuß über dem Meereslvicgel, Am 8. März zeigte die Observation, daß wir 88 Grad lo .Jan. südlicher Breite waren. Vor uns lag vollkommen flaches -terram. Am 13. Dezember erreichten wir 89 Grad 45 Min. und mußten also am nächsten Tage den Südpol erreichen. Am 14. Durber wehte eine leichte Brise von Südost und es herrschte eine Temperatur von minus 23 Grad. Um 3 Uhr nachmittags machten tou: Halt, da mir zu diesem Zeitpunkt nach unseren Berechnungen
Der Ausstand der Nohlenarbeiter im Auhrrevier.
Die deutsche Kohlenbergarbeiterbewegung im Ruhr- /evier steht in keinerlei verabredetem Zusammenhang mit dem großen nationalen Ausstand der Kvhlenbergleute in England, mag auch immerhin das Bestreben der dem alten isozialdemokratischen) Verband angehörigen Bergleute, der Hirsch-Dunkerschen und polnischen Bergleute des Ruhr- reviers — die christlichen Organisationen halten sich fern — gerade )etzt in eine Ausstcmdsbewegung «nzutreten, durch das Beispiel ihrer englischen Kollegen Aufwasser bekommen haben.
Vielmehr gährt cs im Ruhrrcvier schon seit geraumer Zeit, etwa seit Oktober vorigen Jahres, weil während der letzten industriellen Krisis die Löhne der Bergleute gesunken waren und auch heute, wo wir wieder in einer Zeit der Hochkonjunktur stehen, noch nicht den alten Stand vom Jahre 1907 erreicht l>aben. Wenigstens nicht nach Auffassung der Bergleute, die deshalb an erster Stelle eine Erhöhung der Durchschnittslöhne für alle Arbeiter um 15 Prozent und außerdem die Beseitigung der jetzt bestehenden großen Lohn- uukerschiede für gleichartige Arbeiter fordern. Von den Zechenverwaltungen wird dem entgegnet, daß von der Forderung einer gleichmäßigen Lohnerhöhung für alle Arbeiter schon wegen der besonderen Art des Bergwerkbetriebes, der an die Zuverlässigkeit der größtenteils aufsichtslos arbeitenden Knappen die höchsten Anforderungen stellt, nicht die Rede sein könne, weil sowohl die Leistungsfähigkeit, wie Leistungswilligkeit der „unter Tage" arbeitenden Bergleute ganz verschieden sei, und man sich daher bei der Lohnzahlung ganz allein an das Maß der geförderten Kohlen halten müsse. Das ist zweifellos richtig, und deshalb wird auch die angekündigte englische Bill über den Mindestlohn großen technischen Schwierigkeiten begegnen. Mer immerhin Herr schen im deutschen Kohlenbergbau gewisse Mißstände, die vor allem darin gipfeln, daß der einzelne Bergarbeiter mehr oder minder der Willkür der Grubenbeamten ausgesetzt ist, die, wenn das von ihm geförderte Kohlenmaterial nicht einwandfrei ist, seinen Wagen, wie der technische Ausdruck lautet, „nullen", ihn also nicht in Anrechnung bringen.
Trotzdem ist es aber von den Angehörigen der obengenannten drei Verbände unrecht, zu behaupten, die heutigen Schichtlöhne hätten noch nicht den Status vom Jahre 1907 erreicht. Denn wenn auch der Schichtverdicnst auf den einzelnen Zechen ziemlich verschieden ist, so zeigen doch die Lohntabellen aller Orten eine aufsteigcnde Beivegung, ja, die Löhne haben sogar heute zum Teil die Durchschnittslöhne vom Jahre 1907 bereits überschritten. So erhielten a. B. auf einer Zeche des Oberbergamtsbezirks Tort- muno (die in Klammer gesetzten Zahlen beziehen sich aus das Jahr 1907) Gesteinshauer 5.95 (5.94) Mk., Reparatur Hauer 4.93 (4.54) Mk., Schlepper 3.81 (3.43) Mt., Arbeiter über Tage 3.72 (3.50) Mk. und Koksarbeiter 4.45 (4.31) Mk
Eine allgemeine Notlage der Kohlenbergarbeiter läßt sich deshalb an sich nicht feststellen. Nur wird man bei der Forderung der Bergarbeiter auf Lohnerhöhung zu berücksichtigen haben, daß seit dem Jabre 1907 alle Lebensverhältnisse bedeutend teurer geworden sind.
Die AuSstandSerklärung.
Herne, 10. März. Die Revierkonferenz der 3x die Lohnbewegung cingetretenen Verbätrde, des alten Verbandes, des Hirsch-Dunckerschen und des polnischen Verbandes, beschlossen mit 507 gegen 74 Stimmen den Streik.
Die Revierkonferenz dauerte über vier Stunden. In
der Aussprache ttnirbr» von einem Teil der Delegierten Bedenken gegen den Streik vorgetragen, da man befürchtete, daß die Haltung des Christlichen Gewerkvcreins den Streik erfolglos machen könne. Die Versammlung nahm schließlich folgende Entschließung an: Die am 10. März 1912 in Herne tagende, von den Delegierten der drei Vereine beschickte Revierkonferenz ist mit dem Vorgehen und den Forderungen dieser drei Verbände voll und ganz einverstanden, und ist einmütig dafür, daß auch von den christlichen Führern vollständig gutgehcißene For dckungen mit allem Nachdruck einheitlich verfochten und zur Annahme gebracht werden sollen, was nach der erfolgten Ablehnung seitens der Zechenherren nur Durch den gesetzlich zulässigen Streik erfolgen kann. Selbst wenn einige Zeck>en bereinigen sollten, so müßten diese Beleg- schasten doch solange den Streik mitfortsetzcn, bis die Re- vicrkonferenz darüber entscheidet. Die Konferenz ersucht alle Kameraden, die günstige Zeit mit auszunutzen und den Streik mit aller Ruhe und unter Aufrechterhaltung musterhafter Ordnung bis zu Ende zu führen. Die Konferenz ersucht alle Kameraden, strengste Disziplin zu halten. Hoch die Slodiarität!"
Nach Annahme dieser Entschließung erklärten auch die 74 Delegierten, die gegen den Streik gestimmt hatten, fid) mit dem jetzt einmal beschlossenen streik einverstanden.
Aus Bochum wird gemeldet: Tic Gesamtzahl der von dem Dreibund veranstatteten Versammlungen betrug siebzig. Die Besucherzahl betrug insgesamt 132 000. In vielen Versammlungen meldeten sich christliche Gewerkschaftler zum Wort, um zu erklären, daß sie ihren Führern nicht folgen, sondern den Streikenden sich anschließen würden. In Botrop forderte der christliche Gewerkverciuler Landtagsapgeordnetcr Brust die Christlichen auf, sich morgen früh mit Knütteln zu bewaffnen und zur Grube zu gehen.
Aus Essen wird gemeldet: Tic Aussichten des Kampfes der streikenden Bergarbeiter sind vorläufig unsicher. Es ist damit zu rechnen, daß diejenigen Zechen, deren Betrieb durch den Streik in nennenswerter Weise betroffen werden, im Interesse der Arbeitswilligen nur in einer Schicht fördern lassen, als etwa von 8 Uhr früh bis 4 Uhr nachmittags. Ter Ab und Zugang der nicht streikenden Bergleute vollzieht sich daim am hellen Tage und dadurch wird ein erhöhter Schutz gegen die Belästigungen der Streikenden geschaffen. Die -streikenden verfügen im Ganzen über 30 Mk. auf den Kops der Organisierten, daher ann der Streik nicht lange dauern. Die gesamte Belegschaft des illuhrkohlengebietes betrug am 1. Januar 1912 336 104 Köpfe. Von der Berliner Schutzmannschaft sind 200 Mann unter Führung eines Polizeioffiziers nach dem Streikgebiet abgegangen. Weitere Nachschübe werden in den nächsten Tagen folgen.
In einer in Bochum ab gehaltenen christlichen Bergarbeiterversammlung wurde mit Dreiviertel der anwesenden Stimmen beschlossen, nicht in den Aus st and zu treten. Nur die Anhänger des alten Verbandes stimmten für den Streik, k
Der Gewerkv erein christlicher Bergarbeiter für das Ruhrrevier verbreitete ein Flugblatt, in dem er auf den beabsichtigten Bergarbciterftreik eingeht und erklärt, daß der Gewerkverein, trotzdem ihm sozialdemokrattscherseits die Vernichtung angedroht werde, sich nicht für den Streik erkläre, weil der Streik in diesem Augenblick unverantwortlich und für die Arbeiterschaft schädlich sei. Es heißt in dem Aufruf u. a.: Cs handelt sich aber um die Frage. Kann durch den Streik jetzt das, was die Bergleute wünschen, durchgesetzt werden? Daraus kann die Antwort nur lauten: Nein! Da in England gestreikt wird, besteht nicht die Gefahr, daß unserem Bergbau Absatzgebiete verloren gehen. Ter Streik im Bergbau würde jetzt in erster Linie den englischen Grubenbesitzern nützen. Tie deutschen
unser Ziel erreicht hatten. Ich hißte an dieser Stelle, wo wir uns befanden, die seidene norwegische Flagge und nannte das ungeheure weitgestreckte Terrain, auf dem der Südpol liegt, „König-Hakon-Lan d".
Es ist ein ungeheures, flaches, einförmiges Terrain. Im Lause der Nacht durchstreiften wir das Land in einem Umkreis von ackt Kilometern. Am folgenden Tage stellten wir von 6 Uhr nachmittags bis 7 Uhr morgens Beobachtungen an. Tas Ergebnis war 89 Grad 55 Min. südlicher Breite. Um dem Pol so nahe wie möglich zu kommen, machten wir noch neun Kilometer in südlicher Richtung Am 16. Tezmber verbrachten wir einen angenehmen Tag bei strahlendem Sonnenschein. Vier Teilnehmer der Expedition waren den ganzen Tag über mit Beobachtungen beschäftige. Eins ist sicher: Wir sind dem Südpol so nahe gekommen, wie es mit den uns zur Verfügung stehenden Instrumenten, einem 6ertönten und dem künstlichen Hori^mt, menschenmöglich war, und wir haben das Terrain in einem Umkreis von acht Kilometern umkreist. Wir erreichten ein kleines Haus, auf dem wir die norwegische Flagge und den Wimpel des Expeditionsschiffes „Fram" hißten. T-em norwegischen Haufe und dem Südpol gaben wir den Namen „P o l he i m".
Ter Abstand zwischen unserm Winterauartier und dem Pol betrug ungefähr 1400 Kilometer. Wir hatten also durchschnittlich täglich 25 Kilometer zurückgelegt. Die Rückreise wurde am 17. Tezember angetreten. Tas Wetter war außerordentlich günstig, so daß wir bereits im Januar 1912 in guter Verfassung mit zwei Schlitten und 11 Hunden unser Winterauartier wieder erreichen Tonnten.
Die wichtig st en ^Ergebnisse der Expedition sind außer der Erreichung des Südpols die Bestimmung der Ausdehnung und des Charakters der Roß-Barriere, ferner die Entdeckung einer Verbindung zwischen Südoiktoria-Land und wahrscheinlich König- Eduard-Land und ihrer Fortsetzung in einer mächtigen Bergkette, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach quer über den ganzen antarktischem Konttnent zieht. Wir namtten die Bergkette „Königin-- Maud-Berge". TasiExpedftionsschiff „Fram" kam am 9. Januar in der Walftsckbucht an. Am 16. Januar traf die javanische Expedition in der Walsischbucht ein und landete auf der Eisbarriere dickt bei unserm Winterquartier. Wir verließen die Dalfisch- bucht am 30. Januar. Tie Reise von dort war langwierig infolge schlechter Winterverhältniffe. Sämtliche Teilnehmer befinden sich woL.
Arbeiter haben aber keine Veranlassung, die englische Industrie, die der deutschen aut Schritt und Tritt Schwierigkeiten wacht, zu unterstützen und ihr ?lbsatz^ebiete zu sichern. Nickt über) Ixt werden darf auch, daß im ^aarretner, Wurmrevier, Sachsen, Oberscklcsien und Niederschlesien jetzt nicht gestreikt wird, .'tonnen wir letzt so lange streiken, daß unsere Arbeitgeber nackgeben ntüffcni “ sind noch un
organisiert. In 14 Tagen wären die Gelder der Organisationen verteilt. Was wären also die Folgen des Streiks? Not und Elend in hunderttausenden von Bergarbeiterfamilien. Der Streik der Bergleute würde die Arbeiter anderer Berufe in Mitleidenschaft ziehen und insbesondere auf den Mittelstand ungünstig einwirken. Es ist eine Cftwisscn- losigkeit angesichts solcher Tatsachen, die Bergleute in den Slrei' ui Hetzen. Tie Zechenverwaltungen müssen aber die berechtigte» Forderungen brr Bergleute erfüllen Die Arbeitcrausschüsse müsse» sich mit den Grubenverwaltungen in Verbindung setzen, damit si, ihnen cntgegenkommen. Von der Behörde verlangen wir ausreichenden Sckiutz aller Bergleute, die nicht streiken wallen. Der Ausruf schließt mit der Forderung korporativer Ar> beitsvcrträge.
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Zwickau, 10. März. Nachdem die BergwerckSverwaltungen mit den Organisationen die Berliandlungen abgelchnt batten, fani beute, Sonntag, eine von 15 0 0 Bergarbeitern besuchte öffentlich Versammlung statt, in der die von den Gruben- und Vertrauensleuten und von den Organisationsleitern ausgestellten Forderungen gut gelnnßcn wurden. Tie Versammlung beauftragte die Arbcitcrauöschüsse der Werke, bis spätestens Dienstag, 12. 9)uin, eine Sitzung einzuberusen, in welckier sich die Werke erklären sollen, welche Zugeständnisse sie zu mad)en gedenken.
Der Bergarbeiteranßstand in England.
London, 10. März. Das Mitglied dcS Unterhauses, Sir Tudor Walters, sagte in einer Rede in Sheffield, er glaube, der Vorabend zur Beilegung des Ausstandes fei gekommen. Londoner Kreise, die die Lage genau überblickten, seien heute hoffnungsvoller. Wahrscheinlich werde bis Dienstag eine nicht ungeeignete Grundlage für eine Einigung geschaffen. Tie Grubenbesißer und Bergleute in Schottland hegen wenig Hoffnung auf eine baldige Beilegung, obwohl sie der Ansicht sind, daß eine neuerliche nationale Konferenz der Bergleute zu einem günstigen Ergebnis führen könnte.
Dom ita1ieni,ch-türlischen Kriegsschauplatz.
Neue Friedensvermittlung.
Rom, 10. März. Tie „Tribuna" meldet: Die Botschafter von Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Oesterreich-Ungarn und vor ihnen als erster der russisch^: Botschaftsrat in Vertretung des erkrankten russischen Botschafters begaben sich gestern einzeln in die Consulta, um den Minister des Aeußern zu fragen, unter welchen Bedingungen Italien geneigt wäre, die freundliche Vermittlung der Mächte für eine Einstellung der Feindseligkeiten anzunehmen Der Minister behielt sich vor, eine Antwort zu geben.
Angebliche Absichten Deutschlands auf Tripolis.
Rom, 10. März. Unter der Ueberschrift „Angeblich fremde Absichten auf Tripolis" schreibt die „Tribuna": Einige Aeußerungen des Abgeordneten Chiesa in der Kammer vom 23. Februar über angebliche Absichten. Deutschlands auf Tripolis und die Cyrenaika fanden in der auswärtigen Presse ein Echo, bas sie in Italien weder innerhalb noch außerhalb des Parlaments finden konnten. Einige ausländische Zeitungen ließen sogar vermuten, daß die Regierung die Auffassung Chiesas geteilt und zogen aus dieser Vermutung übertriebene, sogar übelwollende Folgerungen. Wenn im Verlauf der Debatte der Ministerpräsident keine Gelegenheit zur Richlig-
Buenos Aires, 10. März. Peter Ehristophersen, ein Bruder des norwegischen Konsuls, erhielt heute früh solgendes Telegramm: In dankbarer Erinnerung an Ihre großmütige Untersttitzuny teile ich Ihnen im Vertrauen mit, daß wir angekommen sind. Der Zweck der Expedition ist vollständig erreicht. Wir gewannen wichtige geographische Ergebnisse. .An Bord ist alles wohl. Herzliche Grütze. Ich werde
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— Ein großer Theater krach erregt zurzeit die Bewohner der sächsischen Industriestädte Crimmitschau, Meerane und Glauchau. Ter Direktor Willi Brosch von den vereinigten Stadttheatern dieser drei Städte mußte den Betrieb einstellen, da der Besuch angeblich so gering war, daß er mit den Einnahmen nicht einmal die Gagen der Schauspieler bezahlen konnte. Tie Stadtverwaltungen der drei Städte werfen jedoch dem Direktor vor, daß er einen schlechten Spielplan herausgebracht habe. Hiergegen wendet der Tirekror ein, daß er bessere und teurere Werke nicht aunühren könne, da die Unterstützung der Städte geradezu Näglich sei. Glauchau habe für jede Vorstellung eine Unterstützung von 30 Mark gewahrt, die sie aber mitten in der Spielzeit wieder zurückzog. Crimmitschau habe für die ganze Spielzeit eine Unterstützung von 500 Mark in AusficA gestellt, hiervon aber mir 300 Mark ausgezahlt Tie Staot Glauchau habe außerdem verlangt, daß die Mitglieder des Ensembles in Glauchau wohnen sollten. Tazu komme noch, daß die Kinemawgravhenthealer oen Besuch der Theater sehr ungünstig beeinflußt hätten. Bei dem Zusammenbruch konnten nicht einmal die Gagen der Schauspieler bezahlt werden und so sitzen nun die bedauernswerten Lkünstler in Not und Elend. T-teser Fall ist, so schreibt man uns aus Glauchau, geradezu ein Schulbeispiel, wie notwendig es ist, fowobl im Interene der Schauspieler als tm Interesse des tbeeter« besuchenden Publikums, das Anspruch auf einen gediegenen Sw el- plan erheben darf, endlich mit dem Reichscheaterge'etz ernst zu machen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Am 1. April, dem Todestage MartinGreifs, wird, wie uns der Verlag C. F. Amelang in Leipzig mitteil', dct fünfte Band seiner „Gesammelten Werke", der von Greiss Freunden seit Jahren erwartete Prosa-Land als Schluß-Stein seines Lebens* Werkes der Oeffentlichkeit übergeben werden.
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