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11.6.1912 Erstes Blatt
 
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sitzen etwa zehn Beamte unD verkaufen diese kleinen roten Tingcr- chen mit dem sonderbaren Bogel darauf. Am Sonntag mutzte gar die Post unter polizeilichen Schutz gestellt werden. Nicht etwa, weil man den Beamten tue Marken gewaltsam zu cnlrcißcn drohte, nein, nur weil daneben auch der Verkehr stockte und aus dem Leiden kein Mensch raus und keiner rein konnte.

Großherzogin und Post beide können mit diesem Erfolg zufrieden fein. .

wieOnkel Toms Hütte" entstand.

(Zu Larriet Beecher^StoweS 100. Geburtstag, 12. Zuni.)

Noch heute wird, werOnkel Toms Lütte" liest, von dem leidenschaftlichen Pathos dieses Romanes und von den ergreifenden Bildern, die er entwirft, unmittelbar gepackt, obwohl doch letzt fchon zwet Menschenalter verflossen sind, seit tarnet Beeck-cr-Slawe ihn in die Welt geschickt hat. Man fühlt dem Buche an, datz es nicht Literatur, sondern Leben, erlebtes Leben ist. Zn der Tat hat tzarriet Bcecher-Stowe, wie ihr Sohn, der Reverend Charles Edward Stowe noch kürzlich oezeugl hat, sichvon der Wiege an, wenn auch unbewußt, auf dieses, ihr Lebcnswerk, vorbereitet". Aus eigener Anschauung kannte sie all die Grausamkeit und öic Lane des Sklavenlebeiw - sic war in einer Atmosphäre ausge­wachsen, die sic notwendigerweise zu einer erbitterten Feindin der Sklaverei machen mußte.

Schon als Mind traten ihr die Tranen in die Augen, wenn das Wort Sklaverei fiel, und sie hat uns oft erzählt, wie sie bitter­lich weime, wenn ihr Baier täglich für dasarme, bedrückte, blutende Afrika" betete, dessen Beireiungstag bald kommen möchte. Eine Tante schilderte ihr die Schrecken der Sklaverei auf den lvestindijchen Pflanzungen, ujiD lange Zeit stand tm Dienste der oamilie eine ehemalige Sklavin, die am einer Zuckerplantagc in Louisiana ihre Jugend unter den Peitschenhieben der Sklaven- pcinigcr zugcbracht hatte. Sie selbst hatte Plantagen in Meiuudn besucht, wo sie allerdings die Sklaverei in der milden, gewisser­maßen patriarchalischen Körnt sah, wie sie ste später in den ersten Mapiteln vonOnkel Toms Lütte" geschilden hat. Und nicht zuletzt in ihrer Ehe wurde ihre Erbitterung gegen die Sklaverei gefestigt und verstärkt. Als junges Weib sah sie einmal sie lebte damals am User des Ohio, wie eine Viegerin über den Kluß in kalter Winternacht mit ihrem Minde auf dem Arme flüchtete und dabei von Eisscholle zu Eisscholle sprang, em Ereignis, welches sie nie vergessen konnte. Ste hat es ihrer Geschichte einoerleibt. Ihre Sehnsucht wuchs, ihre Mitmensck-cn zuni Kampfe gegen dieses Hebel, diese Schändlichkeit aufzuruicn, und sie äußerte, daß sie etwas schreiben mochte, welches das ganze Volk empfinden lasse.

daß Sklaverei das Bersluchteste auf Gottes Erde sei", lind in geradezu geheimnisvoller Weise entstand der erste Entwuli von Onkel Toiris Lütte". Sie saß in ihrem Ltnljl in der chrwiirdigen ilirdje von Brunswick und war in iromine Betrachtungen oersitnlen Ta schien sich plötzlich vor ihrem geistigen Auge eine Bildet reihe zu entrollen Szene aus Szene folgte: cs >var der Tod Onkel Toms, den ihre Phantasie hervorzauberte. Tie Rührung überlaut sie und Tränen traten ihr in die Augen, so daß ste das Gotteshaus verließ und nach Lause zurückkehrte. Tort aber idjloB iic nch ein und legte das nieder, was sie kurz zuvor in der Mir die geh lr.it harre. Es wurde das Mapitcl ihres Buches, das Onkel Toms Tod schildert. Bald war ihr Schreibpapier zu Ende Aber ihre Phantasie war rastlos tätig. So setzte sie denn ihre Et Zahlung auf dem acwöhnlichen rauhen Packpapier fort, tu das oh Gi, u- kramhändler seine Waren eüizuwickeln pflegt Tie Bildet und Gedanken flogen ihr ju; sie konnte kaum Schritt mit ihnen Hali n. Ter Baier war an dem Tage nicht zu Lause, und so las iic uns Mindern abends das vor, was sie geschrieben hatte. Wir alle waren tief ergriffen und meinten.

Zn den folgenden Tagen wurde sie durch häusliche Pflichten veihinoert, sich ihrer Erzählung zu widmen, und nur durch einen Zufall geriet der erste Entwurf in die Lände ihres Gatten, dec sich nicht genug wundern, aber auch nicht genug bewundern konnte. Auf seinen Rat hin vollendete sie dann das Werk, uno am ..>jm 1851 veröffentlichte sie den Anfang m derNational i^u", einer Zeitschrift, die gegen die Sklaverei kämpfte. Zm Marz 1852 erschien der Roman zuerst in Buchform, und in einem ein­zigen Zähre wurden mehr als 300000 Exemplare verkauft.

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Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- schäft. Die A u s st e l l u n g d e s B c r b a n d e s der M u n fl- freundc aus den Ländern am Rhein, die diesmal rn Metz stattf'indet. Dauert bis zum 31. Juli Als nächster Aussl ttuvi. ort wurde Essen bestimmt^ Unter den Preisträgern bcmioen nch u. a. Oskar Cbier aus Stuttgart, Der Den eisten Preie von 2500 9Jlt. Ernst-Ludwig.Preis- jur ein OelgemäldcTa-- Modell" erhielt, ferner Lans Sprung aus Karlsruhe, Der den zweit, n P 5 von 1500 Mk. für ein OelgemäldcMoselkern bei mu ii.ii er rang, sowie Emil Lnb Frankfurt a. M., Dein für eine." j orbmte Pariserin" Oer dritte Preis von 1000 Mk jufiel i niicr Losrat Professor Tr. Martin von Schanz, Ordinarius Der klassischen Philologie an der Univeriuat Wurzburg, feiert am 12. Zuni seinen 70. Geburtstag. Seit 1868 lehrt er m Würz­burg, wo er 1870- außerorDentlicher und 1874 o. Professor wurde. Berufungen an andere Umnerjüdten lehnte er ad. »

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Nr. 135

Ter Siebener Lnzelger erscheint täglich, außer Sonntag». - Beilagen: viermal wöchentlich SiebenerFamilienblätter zn'eunal roocficntl.Kreis- blattsürdenKreisSieben (Tien6tag und Freitag!; ziveimal monatl. Land­wirtschaftliche Scitfraatn .ernsoreck - Anschlüße: r die Redaktion 118, . ci lag u. Expedition 51 Adresse für Tcvc'djen:

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Annahme von Anzeigen für Die Tagesnuinmer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt

162. Jahrgang

Dienstag, 11. Juni 1912

GietzenerAnzeiger

Seneral-Anzeiger für Oberhessen

Rotationr-ruck und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Such- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstraße 7. vüdingen: Zernfprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16 a.

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Zernslug und Orientierung.

Bon einem militärischen Mitarbeiter wird uns ge­schrieben:

Die Militärcwiatik sah den Ergebnissen des Fernfluges Berlin Wien mit ganz besonderem Interesse entgegen, weil man davon wichtige Erfahrungen und Linweise für die kommenden Manöver erwartet und zwar nicht nur für das Kaisermanöver, sondern auch für die anderen deutschen Manöver, in denen die Flugmaschinen in diesem Sommer und Derbst ausgedehnte Verwendung finden sollen. Ter Fernflug BerlinWien Hal seine Bedingungen zwar in erster Linie auf die Grundsätze des Weitfluges und her Geschwindigkeit ausgebaul. Er hat von Belohnungen für besondere Gelände-Austlärungen, für lriegsinäßiges Ver­halten, Unsichtbarkeil, Unhörbarleit, Geschoßwurf usw. ab gesehen und ledialich die Reiseacschwindigleit maßgebend sein lassen. Ziocifellos aber spielt die Orientier u n g s- f ii n ft bei diesem Flug, besonders über die vielen Gcbirgs- lamme zwischen Breslau und Wien eine außerordentlick>e Rolle, und man kann aus der Auwenduug und dein Erfolge dieser Mim ft bei dem Fcrnflug bereits sehr viel für die Manöver lernen und verwerten. Schon beim Start in Johannisthal, der wegen Nebels zunächst verschoben wer­ben mußte, hat sich gezeigt, welche Schwierigkeiten der Militärflieger warten, die auf Befehl fliegen müssen oder doch sollten und die nicht warten dürfen oder wollen. Zn der afrikanifch klaren Luft, die während des vorig­jährigen Maisermanövers im Strelitzschen und in der Ucker mark herrschte, waren die Flieger vor denkbar einfache Auf­gaben gestellt. Wie wird aber die Lage bei unsichtigem Wetter?

Zn den vom Großen Generalslab herausgegebenen Vierteljahrsheften ist die dann nicht wegzuleugnende Un­zuverlässigkeit des Fliegerkorps folgendermaßen zusammen gefaßt:Nacht, Wind, Nebel, sogar dunstige Luft erschweren die Beobachtung oder schalten den Ausstieg ganz aus. Truppen im bedeckten Gelände find nicht zu erlernten, Freund und Feind nicht immer zu unterscheiden. Die Be­wegung ist so rasch, daß Martenlesen und Notizcnmachen Schwierigkeiten bereitet. Dazu kommen allen Auskiärungs- organifationen anhaftende Mängel, wie mangelhaste Auf- fajfung des Auftrags, Verirren int Gelände, Unfälle aller Art und die Bekämpfung von der Erde aus. Als Lanptnachtcil hat sich gezeigt, daß vom rasch fliegenden Flugzeug aus das Objekt immer nur in einem turzen Augenblick beobachtet werden konnte." Oberlt. Walter Mackenthuu, der be­kannte Fluglehrer, unterscheidet in seinem WertchenDas Militärflugzeug" bereits genau, welche Objekte vom Flug­apparat aus gefehen werden lönnen und welche nicht: Große Höhen, die der Beobachter auf dem Flugzeug in der Regel beibehalteu muß, um sich dem feindlichen Feuer zu entziehen, gewähren zugleich die Möglichkeit, einen Ueberblict über ein viele Quadratkilometer großes Gelände zu erhalten. Mulden, Täler, Torfstraßen, Höfe, je selbst lichte Wälder werden eingesehen. Molonnen und größere Truppenmassen lönnen sich bei überraschendem Auftreten des Fliegers nur schwer seiner Sicht entziehen. Dagegen sind unbewegliche kleine, feldgrau gekleidete/ aufgelöste Truppen- Ab» t e i l u n g e n schwer, manchmal g a r n i ch t zu erkennen. Zu ihrer Auffindung und Feststellung ist das Flugzeug meist ungeeignet. Um daher die Vorteile auszunutzen, wird das Flugzeug zweckmäßig mit größeren Aufklärungen beauf­tragt und auf entfernt liegende Geländeabschnitte oder Straßenzuge abgesandt.

Es wird also dringender wie bisher die Frage entschie­den werden müssen, wie die Aufklärungsarbeit der M a -

valleric, in die der Fliegertruppe als Ersatz, als Vor­arbeit und Rückhalt ciugreifeit, wie sie mit der Flieger- tätiglcit zusammenwirken muß. Mluegsminister v Hee­ring e n sprach sich vor einiger Zett im Reichstag darüber aus:Eine Bermindernng der ftaoattene infolge der Flug­schiffahrt kann wirklich kaum in Frage kommen . . Wenn Nebel oder Wind cintritt, so daß das Lust- oder Flugschiff überhaupt nicht fliegen kann, sollen wir dann sagen: Bitte sehr, beute wird nicht mitgespielt? Tas gehl doch nickt! Kavallerie ist ein unbedingtes Erfordernis, um die Augen des Feldherr» vorne am Feind klarzuhalien. Tabei werden wir ewig bleiben müssen, wir mögen Luftschiffe und Flng- masu' inen haben, so schöne wie wir wollen." Äavallerte und , lieget schließen sich also nicht gegenseitig aus, ihre Tätis.tcit ergänzt sich vielmehr gegenseitig. Während der v o r i g f ä h r i g c n M a i s c r m a n ö v e r haben sie sich in einer Weise ergänzt, daß die Führer ausnehmend gut über die feindliche Lage unterrichtet waren. Drei gute Flieger» mcliungeu waren die tägliche Leistung. Tahin und noch weiter müssen wir es auch in Manövern bringen, die vom Weil» weniger begünstigt sind als die des Jahres 1911. Die Verhältnisse bei dem Feinde, mit dem man in Berüh­rung fleht, wird die Mavallerie, die Vorgänge weit hinter Der Front werden die Flieger aufklären. Darum gilt es, beide mustergültig im AusklärungSdienst auszubilden. Ver fügen muß das deutsche Heer über beide erstklassige Auf- klarungsorgane.

Der Fernflug B e r l i n W i e n wird endlich auch für die Methode der Beobachtung wichtige Anhaltspunkte liefern. Die genaue Orientierung erfordert (damit hat man sich nun einmal abgesunden) stets einen zweiten Mann neben dem Flieger. Die Militärflugtechniv wird aber wahrscheinlich künftig noch einen dritten Passagier zum Schreiben, Zeichnen, Photographieren, Tele graphieren usw. verlangen und damit eine Erhöhung der Nutzlast auf mindestens 240 Milogr. (Frankreich verlangt bereits 300 Milogr.). An allen diesen Fragen wird man die Ergebnisse des Fernflugs zu prüfen haben.

Ter weitere Vetlaus de8 Feruflngcs Berlin-Wien.

Wien, 10. Juni. Ezakay (Oberleutnant Blaschke), der uni 5,29 Uhr in Breslau mit Oberleutnant Nietner ausslieg, landete abends zwischen neun und zehn Uhr bei völliger Tunkelheit unb strömendem Regen, der den Apparat durchnäßt halte und außer­ordentlich beschwerte, bei Untl'rgangerndorf an der Nordbahn. Ter Apparat war unbeschadigl. Bon dem Flugfeld in Aspern, das etwa eine halbe Eisenbahnstundc entfernt liegt, gingen mehrere Automobile zur Lilfelcistnng ab

Breslau, 10. Zuni. Ezakay mit Oberleutnant Nietner ist um 5,29 Uhr zum Weiterflug nach Wien ausgcstiegcn. Ec wurde um 6,47 Uhr über Frcüvaldan um 7,20 Uhr über Olmütz und um 8,30 Uhr über Lundenbcrg gesichtet. Eine weitere Nach richt fehlt bisher.

Guben ,10. Juni. Äricgerm, der mit Oberleutnant Bertram um 4* i Uhr von Grotz-Brcessen ausgesticgcn war, ist nach kurzem Flug in Manig (Kreis Guben- wieder gelandet.

<ylugplatj Aspern, tu. Zuni. Tee Flieger Hirth passierte mit LellUimn Meller um 6 Uhr 1 Minute die Ziellinie und landete um 6 Uhr 8 Minuten glatt. Hirth legte die Strecke Breslau- W i e n in zwei Stunden 64 Minuten zurück.

Die österreichische Regierung und ihre wehroorlage.

Wien, 10. Zuni. Nachmittags versammelten sich die Obmänner der Mlubs des Abgeordnetenhauses sowie der Präsident des Abgeordnetenhauies Tr. Sylvester bei dem Minister des Innern, der im vollen Einvernehmen mit dem durch Mranfljeit am Erscheinen verhinderten Ministerpräsi­denten namens der Gesamtregierung eine Erklärung abgab, in der er betonte:

DaS internationale Prestige der Monarckiie, unsere Bünduie- sähigkeit sotvic die Sicktcrung der von uns stets iefigi haltcncii Politik eines ehrenvollen Friedens erfordert eine termingem \v I n k r a s t s e tz u n g d c r W e h r r e f o r m Ebenso vertan len 1 die mNitarischen Interessen, wie auch die Interessen twi B runa selbst, die die in den Vorlagen enthaltene Erfüllung toll reicher dringender Wünsche enuortet Die ohnedies wesentlich verzögerten Assentierungen lassen sich nicht weiter hmanssckneben. ~i Äush bimg muß unter allen Umständen bereit beS neuen WehrgesetzcS, das heißt unter dem Gesichtspniikke i r ,iveijährigen Ditnft ।eit erfoljen Du biol andern Staate der W c h r r c f o r m c n t g e g c n st e h e n - den Schwierigkeiten erscheinen wohl angesichts der An­nahme des Gesetzes im ungartfchen Abgeordnclenhausc behoben. Für alle veranttvortlicheit Faktoren des Reiches erwachst daher die Pflicht, unter allen Umflänocn auch bei und Bvranssetzungen für das Inkrafttreten der Vorlagen zu schaffen. Tie Einhaltung des für die Durchführung der Reform in unmittelbarer Nahe be findlichen Termins erheischt, der Wchrresorm unter allen Arbeiten des Rcichsrates den ersten und vornehmsten Rang einzuräumen.

Tie Verquickung dieser Angelegenheit mit irneuo- welchen J o n ft i g e n Fragen würde dem E r n st des Augenblicks nicht entsprechen, ebenso wie die Regie­rung die Bewilligung der Vorlagen lediglich als eine unbe* dingte Staats not Wendigkeit, nicht ettva alö einen kon- ftituhouellcn Vertrauensbeweis anspricht Der einzig mögliche Weg zur Verwirklichung der scsten Absicht, der große» Mehrheit der Parteien des Abgeorbnetenhanses, die Dnrchsührnng der Wehr reform zu sichern, ist die '21 nfHeilung und strenge Einhaltung eines präzisen Malendarnms. Tie Regierung verlange daher eine ent­sprechende B c s ch l e n n i g u n g d e r B e r a t n n g c n int Wehr-, auSschutz, den Beginn der zweiten Lesung der Wchrvorlagen bis spätestens 17. Zuni, sowie die Erledigung alhi Lesungen bis spätestens 25» Zuni, damit noch eine lernt mm.t füge Erledi gung des Budgetprovisoriums möglich sei. Tie Regierung erbittet eine präzise Mitteilung über die Stellung dcS MlubS bis längstens übermorgen. Tic Regierung erwartet die erbetene Antwort im vollen Bewußtsein ihrer entscheidenden Bedeutung für die weitere politische Entwicklung.

An diese Erklärung knüpft sich eine Aussprache, in dec sich die Vertreter der Sozialdemokratie sowie der Rntheneu dagegen ausfprachen, daß die Wehrreforinvorlagen vor dem Budgetprovisorium zur Verhandlung gebracht werden, wäh­rend der Abg. Tr. Stein Wender für die Beschleuni­gung der Ausschußarbeiten sowie dafür ein trat, dag jener Ausschuß, der seine Arbeiten früher beendige, mit seinem Vorträge zuerst vor das Haus trete.

Am Schluß der Monferenz betonte der Minister des In­nern, bat, die Regierung den zitierten § 14, der doch nur ein Notbehelf sei, gewiß nicht wolle. Wenn das heutige gehen der Regierung als ungewöhnlich bezeichnet werde, io gebe dies der Minister auch ohne weiteres zu, es sei aber auch die Lage ungewöhnlich.

Aus dem imgarischen Abgeordnetetihaufe.

Ofen pest, 10. Juni. Tic oppositionellen A b - geordneten begaben sich zusammen vor das P a r l a m e ii t, wo eine N a ch m i t t a g s s t tz u n g abgchalten wnroe. Die in­folge Der Verfügung des Grafen Tifza ansgeschlofscitett Oppo­sitionellen wurden von dem Polizeilordon angehalten, so oatz sie das Parlament nicht betreten tonnten. Nach einem längeren Wortwechsel mit den Polizcibearnten zogen Die ausgeschlonenen Oppositionellen ab, währcnD sich die anderen in Den Beratttttgs- saal begaben. Noch vor Beginn Der Sitzung verließen jamtlidje Oppositionellen Dao Parlament, da Dieies, wie Grat Appoitpt erklärte, vom Militär umringt fei und Die Oppositionellen Dritter nicht weiter an Der Beratung teilnehmen würden.

Zm Abgeordnetenhause fetzten einige Abgeordnete der polizeilichen AuStveisnng langwierigen W i D e r it a n D entgegen. Tie Abgeordneten Zuslh, Polonyi und Fornbach Hch-.'h sich nach ihrer Entfernung ans Dem Beratimgstaal au> einer Bank in Den Wandelgängcn nieder unb waren ent nach langem Parlamenticren zu bewegen, das Parlamcntsgebäube zu öeriaüen.

posttarienwoche und Flugpost in varinftadi.

Bs. Darmstadt, 10. 3uni.

Darmstadt im Zeichen der Postkarlenwock-e, d. b. auf der Rheinflraße und Den anschließenden Plätzen, wo Militärkapellen aufspielen, drängt sich die Menge. Fast glaubt man sich in einer Großstadt. c .

Tic Wohltätigkeit braucht das Neue und Originelle, wenn sie Früchte tragen soll. Die Blumentage sind längst veraltet. Es sei Denn, daß die Blumen von einem Lustsckstsf oder Flugapparat aus verkauft werden. Nun, die Tarmltäbter Dürfen sich nicht beklagen, sic haben diefe Sensation: ihre Postkartenwoche i,t gewürzt durch Den für Diese Zeil errichteten L u s t p o sl b e l r i e b. Man denke sich nur: eine wirkliche Briefmarke von wirklichen Aeichsposibeamteii in Den Räumen Der wirklichen Reichspoit ver lauft! Dazu ein echter amtlicher Poststempel. Mehr tann das pcrz selbst des verwöhntesten MarkenfammlerS nicht wollen. Zn Die Strecke auch kurz, auf Der Die geschriebenen Grüße durch die Luft sausen, und kommen Die Marten auch inü reichlicher Ver­spätung an, was schadet das alles, die Lauptsache iit ooch, daß all diese München mit den Bildern der Großh. Familie auch wirklich durch Die Luft gefault find. Unb Das hat Die Poilver wattung in all ihrer Amllichkcit auch zugesichert. Leute abend kam Denn auch Der moDemUc Postwagen, Der Doppeldecker, mit dem schönen NamenGelber Lund", des Leutnant v. Liddenen auf Dem DarmstäDter Truppenübungsplatz an, uni Die un Laute des TageS gesammelten Marten zu holen. Weicker RetL liegt nicht schon für Die jungen MäDchcn Darin, daß ein tuabrbajtiger Leutnant hier Den Postillon D'amour spielt 4,ie xarmitaDter sehen aber ihrem WohltätigkeitsDrang ein Ziel ü^tzt: von Den 360 000 Karten sinD heute am -weiten Tage Der Woche nur noch wenige vorhanDeu, Eine allgemeine Poitkarteniiot ut ansge- Lrochen. Schon steigen Die Preise bei Den ^tratzenhanDlcm, die sich diese günstige Gelegenheit, einen schönen Verdi en N nut Leichtigkeit zu erzielen, nicht entgehen lassen, ganz autzerordentlich. Zch befürchte fast, luenn nicht bald eine neue Auflage Der Marten erscheint. Daß es -u einer Revolution in Der guten ctaöt Darm­stadt kommt. Schreckliche Drohungen uno Verwümchungen horte ich auf offener Straße in unmittelvarer Nähe Der vnter Der Itaat liehen Ordnung. Aber diese Not schuf man sich leibst, man tiicht auf den Einfall gekommen, eine Luftpost zu errichten, toure wohl manche Marte unbeschrieben unD unbeklebt geblieben. -u>te larf man sich jetzt Dagegen eine solck>e Sensation entgehe lauen

In Den Heinen Laden in Der Rheinstraße, wo Die -^enhsvost eine Filiale zum Verkaufe ihrer guftbriefmarfen auigemacht hat,