in Burgstädt, der zum Obervurgermetster von Zittau gewählt worden war, die Bestätigung versagt toorbtm. Der Hauptgrund für die Nichtbestatigung soll darin bestehen, daß Dr. Roth einige Male hazardrerte. In manchen Kreisen glaubt man jedoch, daß der wirkliche Grund in dem politischen Auftreten des Dr. Roth zu suchen ist. Dieser hat die Entscheidung der Regierung angerufen.
Ausland.
Tie „Köln. Ztg." meldet aus Teheran vom 9 d. M : Wie verlautet, soll der Regent beabsichtigen, aus Gesundheitsrücksichten einen längeren Aufenthalt im Auslande zu nehmen. Es ist wahrscheinlich, daß er abdanken totrb, da sich innere Schwierigkeiten ergeben und dem Regenten be,anders m der hohen Geistlichkeit eine neue Gegnerschaft erstanden ift — Gegen Salar ed Tauleh werden weitere Truppen ausgesandt. Hier glaubt man, daß er durch türkische Grenzstämme unterstützt wird.
Aus Ktadt und Land.
Gießen, 11. April 1912.
Die Sterblichkeit in Hessen im Jahre 1911.
Die Sterblichkeit in Hessen hat seit längerer Zeit von Jahr zu Jahr abgenommen. Tas Jahr 1911 aber brachte einen Rückschlag. Denn nach den Feststellungen der Zentralstelle für die Landesstatistik ereigneten sich im Jahre 1911 18 575 Sterbefälle gegen 17 996 im Jahre 1910. Un- günstig war n. d. Darmst. Ztg. da§ Jahr 1911 hinsichtlich der Sterblichkeit für die Säuglinge einerseits und für die alten Leute (über 70 Jahre alt) andererseits, günstig dagegen für die Kinder im 1.—5. Lebensjahr. ES starben nämlich im Jahre 1911 Personen im Alter von unter 1 Jahr 4273 (gegen 3914 im Jahre 1910), von 1—4 Jahren 1277 (1580), von 5—14 Jahren 635 (647), von 15—29 Jahren 1312 (1278), von 30—59 Jahren 3947 (3851), von 60—69 Jahren 2719 (2717), und von 70 und mehr Jahren 4412 (4009). — Rach Todesursachen verteilen sich die Sterbefälle wie folgt: Angeborene Lebensschwäche 826 (im Vorjahre 812), Altersschwäche 2015 (1926), Kmdbettsieber 49 (51), andere Folgen der Geburt 55 (53), Scharlach 60 (88), Masern und Röteln 58 (214), Diphtherie und Krupp 188 (150), Keuch- husten 166 (234), Typhus 27 (25), übertragbare Tierkrank, heilen 2 (3), Rose 57 (37), andere WundmsektionSkrankhelten 100 (88), Tuberkulose der Lungen 1778 (1811), Tuberkulose anderer Organe 547 (512), akute allgemeine Miliartuberkulose 64 (62), Lungenentzündung 1421 (1557), Influenza 277 (160), andere übertragbare Krankheiten (venerische Krank- cheiten usw.) 32 (37), Krankheiten der Atmungsorgane 1033 (1121), Krankheiten der Kreislauforgane (Herz usw.) 1829 (1726), Gehirnschlag 883 (789), andere Krankheiten be3 Srervensystems 929 (1045), Magen- und Darmkatarch, Brechdurchfall 1922 (1185), anderd Krankheiten der Vecdauungs- ocgane 444 (466), Blinddarmentzündung 89 (97), Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane 457 (422), Krebs 1156 (1200), andere Neubildungen 146 (154), Selbstmord 303 (321), Mord, Totschlag, tödliche Körperverletzung 32 (20), Verunglückung oder andere gewaltsame Einwirkung 431 (358), andere benannte Todesursachen 590 (604) und Todesursache nicht angegeben 609 (668).
* • Vom Großherzoglichen Hofe. Die Abreise des Großherzogspaares nach Rußland ist, n. d. ,Darmst. Ztg.", auf Sonntag, 14. April, festgesetzt worden.
In Audienz empfangen wurden vom Großherzog am Mittwoch u. a. der Schriftführer des Krieger- Vereins Friedberg Scriba, sowie die Semmarlehrer Muth und Baldauf von Friedberg.
• • Erledigt ist die Stelle eines Hauptsteueramts- dienerS bei Großh. Hauptsteueramt Mainz.
* * B i e n e n z ü ch t e r v e r s a m m l u n g. Gestern nachmittag hielt der Oberhessische Bienenzüchterverein seine Ausschußsitzung im Hotel Schütz hier ab. Die Verhandlungen, denen ein gemeinsames Mittagsessen vorausging, begannen mit einem vom Vorsitzenden, Lehrer Buß-Leihgestern, erstatteten Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr, das für die Imker der südlichen Hälfte von Oberhessen ein zufriedenstellendes Ergebnis hatte, während die des Vogelsberges über schlechten Honigertrag klagen mußten. Der Verein hat 1128 Mitglieder. Die beiden zu Hirzenhain abgeholtenen Jmkerkurse waren von elf Mitgliedern besucht. Die diesjährigen Kurse finden vom 28. Mai bis 1. Juni und vom 24. bis 29. Juni statt. Die Rechnung für 1911 schließt mit einem Ueberschuß von 167,73 Mark, sie wird von beit Herren Dietrich- und Kuntpf-Gießen geprüft und für richtig befunden. Der Reservefonds beträgt 2000 Mark. Durch die Zunahme der Mitglieder ist ein Neudruck der Satzungen nötig geworden, der in diesem Jahre vorgenommen werben soll. Der Voranschlag für 1912 beläuft sich in Einnahme und Ausgabe aus 2820,04 Mark, zu dessen Ausgleich der Reservefonds in Anspruch genommen werden muß, der aber in den nächsten Jahren wiederauf seine jetzige Höhe gebracht werden soll. Da der Versand der Vereinszeitschrift zu hohe Kosten verursacht, wird ein Ausschuß ernannt, roeldjer die zur Verringerung dieser Kosten vorgeschlagenen Wege eingehend prüfen und dem Vorstand Vorlagen machen soll. Für den zurzeit schwer erfranlten Rechner Hotz-Nidda wird bis zu dessen Wiederherstellung Lehrer Mergot-Nidda bestimmt. Die diesjährige W anderver santmlung findet in Verbindung mit dem Vilbeler Markt am 20. August in Vilbel statt, wobei Post- sekretär Kumpf-Gießen den Hauptvortrag halten wird. Zum Schluß wird noch ein Antrag des Zweigverems Gießen einstimmig angenommen, wonach die Gewinne bet Verlosungen des Ober Hess. Bienenzüchtervereins nur noch gegen Vorzeigung des betr. Gewinnloses verabfolgt werden.
Kreis Lauterbach.
4- Schli h, 10. April. Em heftiger Südweststurm, der am 3. Feiertag bereits den zahlreichen AuSflüglern sich unangenehm bemerkbar machte, hat einen starken Tempc- ratursturz unb lebhaftes Schneetreiben zur Folge gehabt. Heute morgen zeigte sich bei 3 Grab Kälte bie mit einer bünnen Schneebecke bebeckte Erde roiebec im rechten Winterkleib. Auch heute noch herrscht bei starkem Sturm dichtes Schneegestöber. Der Frost bürste an ben frühblühenben Obstbäumen unb Beerensträuchern beträchtlichen Schaben an- gerichtet haben. — Gleichzeitig mit ber Rückkehr beS Winters ist bie ebenso unerwünschte Wieberkehr ber vielgesuchten, aber nirgenbs zu faßenden Zigeuner zu verzeichnen. In ber Nacht vom 2. zum 3. Feiertag hatten sie ein Lager auf dem benachbarten Eisenberg. Als Forstbeamte anlangten, war bie Banbe natürlich wieder verschwunden.
Kreis Schotten.
88 Vom Hoherodskopf, 11. April. Was ber Winter versäumt hat, scheint ber Frühling nachholen zu wollen, denn seit vorgestern herrschte hier tüd)tiger Schneefall und bis heute früh hat bie Schneedecke, die geschlossen dis Schotten liegt, eine Höhe von 25—30 Zentimeter erreicht. Heule nacht sank die Temperatur auf 7° Kälte. Zum Schilauf ist die Bahn sehr gut geeignet, unb eine .Anzahl Schiläuser haben sich bereu» eingestellt.
Kreis Friedberg.
O. Friedberg, 10. April. Seit heute wirb in ben hiesigen Schloßgebäubenunbin ben baranstoßenden Parkanlagen gearbeitet. Auch ist am Tag vor Feiertag das betreten ber Parkanlagen verboten.
△ Friedberg, 10. April. Der oberhessische Obstbauverein hielt heute nachmittag in den „Drei Schwertern" eine K r e i s v e r s a m m l u n g ab, die sich mit einer sehr wichtigen Frage befaßte. Ein An.rag des Ortsvereins Bad-Nauheim ging dahin, den Kreis- und Orts- Vereinen größere Selbständigkeit zu geben, wodurch ein allmähliches Auflösen des Provinzialvereins eing:)e£t. hätte. An der Aussprache nahmen außer den Vertretern aus Bad- Nauheim teil: Krcisrat Schliephale, Oekonomierat Spieß, Sekretär Dr. Hofsmann, Bürgermeister Maul-Ossenheim, Beigeordneter Falck-Friedberg und Büraermeister Ncrn- Kirch-Göns. Sie sprachen sich für unbedingte Beibehaltung des Hauptvereins aus. Die Nauheimer erklärten, sie seien mißverstanden worden, auch sie wollten den Fortbestand des Provinzialvereins, dieser solle nur im Interesse des Obstbaues umgestaltet werden. Nach Ablehnung des ersten Nauheimer Antrages wurde'ein abgeänderter Antrag Bad-Nauheim einstimmig angenommen: „Unter Aufrechterhaltung des Provinzial-Obstbauvereins sollen die Ortsgruppen und Kreisverbände selbständiger ausgestaltet und namentlich mit eigenen Mitten ausgestattet werden." Dieser Beschluß wird der Hauptversammlung des Provinzialvereins vorgelegt werden. Nach dem Voranschlag des Hauvt- vereins kostet die Vereinszeitschrift 2503 Mk. jährlich, die Vortrüge 1700 Mk., die Vorlesungen 400 Mk., der Gehalt des Technllers für Alsfeld-Lauterbach erfordert 1800 Mk. Der Verein zählt jetzt rund 4000 Mitglieder. Bedauert wurde, daß die Landwirtschaftsiammer nichts tue für die Ausgestaltung der Frankfurter Obstzentra.e, da Frankfurt das Hauptabsatzgebiet des Weiterauer Obstes sei. Der Bürgermeister von Ober-Eschbach regt mehr prakt.sche Demon- strationen in den Vereinen an. Als Vorsitzender wurde durch Zuruf Kreisrat Schttephake gewählt.
W Bad-Nauheim, 10. April. Prinzessin Heinrich von Preußen weilte heute zum Besuch ber Kaiserin hier unb kehrte abenbS nach Darm stabt zurück.
L. Nieber-Wöllstabt, 10. April. Heute würbe der älteste Bewohner unseres Torfes, ber 97jährige Herr 'Neurath, zu Grabe getragen. Sem Tobestag war zugleich sein Geburtstag.
Starkenburg und Rheinhessen.
Darmstadt, 10. April. Gestern ist in Heidel, berg der frühere hiesige Senatsprofessoc Hermann Schäfer im Alter von 68 Jahren gestorben
w. Darmstadt, 10. April. Die als Begleiterin der Witwe des Dichters Gottfried Schwab in Nervi in Italien weilende Tochter des Pfarrers Ro em Held in Pfungstadt stürzte aut einem Gange am Strande von einem scharf abfallenden Felsen ins Meer. Tie Leiche wurde gelandet.
er. Bingen, 9. April. Der städtische Voranschlag für 1912 schließt mit 1314 780,70 Mark ab. An einzelnen Posten sind u. a. zu verzeichnen. Waldungen: Einnahmen 59 500 Mark, Ausgaben 34 610 Mark, Reingewinn 24 990 Mark: Hasen: Einnahmen 92 200 Mark, Ausgaben 63 640 Mark, Reinertrag 28 560 Mark. Ferner an Einnahmen: Gemeindesteuer 409 300 Mark, Lagerhäuser 52 500 Mark, Gaswerk 36 000 Mark, Kanalsteuer 21760 Mark, Oktroi 18 200 Mark, Märkte 10 380 Mark und Gas- und Elektrizitätswerk je 8000 Mark. An Ausgaben: Sckiulen 73 660 Mark, Allgemeine Verwaltung 61620 Mark, Armenpflege 52 070 Mark, Weinbergsschutz unb Vertilgung schädlicher Tiere 51300 Mark, Polizei 32 810 Mark, Straßenbeleuchtung 21 780 Mark, Srraßenbereinigung 17 240 Mk. und Straßenunterhaltung 7910 Mark.
(ch) Aus R y einy es s en, 10. April. Die Spargelernte hat in den letzten Tagen stellenweise ihren Anfang genommen. In Nieder-Jngelheim wird der Spargelmarkt in den nächsten Tagen eröffnet. Bei den bisherigen Abschlüssen, bei denen es sich meist um größere Posten handelte, wurden für die erste Sorte 38—42 Mark und für die zweite Sorte 10—15 Mark für den Zentner angelegt.
Kongreß für Zamiliensorschung.
Gießen, 11. April.
Im Anschluß an den Kurs für Familiensorschunb, Ver- erbungs- und Regenerationslehre findet von heute bis zum Samstag hier ein Kongreß statt, der sich mit denselben wissenschaftlichen Fragen beschäftigen wird. Der Kongreß, zu bem sich eine große Anzahl Gelehrter von Ruf eingefunden hat, wurde gestern abend mit einer offiziellen Begrüßung im Hotel Großherzog einaeleitet.
Unter ben Teilnehmern, deren Zahl inzwischen auf 160 awgewachsen ist, befinden sich u. a.: Prof. Dr. Buchholz-Hamburg, Augenarzt Dr. Crzellitzer-Berlin, Prof. Dr. Deneke-Hamburg, Med.-Rat Tr. Fux-Emmendingen, Dr. Hagelftam-Helsingfors, Dr. Hammer-Stuttgart, Med.-Rat Tr. Hoffmann-Berlin, Tr. Har- lander-Regensburg, Dozent Tr. Sundberg-Apsala, Macco-Berlin, Sd-ulinspektor M. Meyer-Hamburg, Geh. Sanitätsrat Neuhaus- Düsseldorf, Prof. Tr. Rosenfeld-Vtünster, Landesbibliothekar Dr. Tille-Tresden, Oberstaatsanwalt Tr. Schwarz-Mainz, Oberstaatsanwalt Hofmann-Gießen, Tr. Rekzeh-Charwttenburg, Prof. ä/c. Strohmaier-Jena, Direktor Dr. Schauen-Schwetz, Direktor Tr. Schedtler-Mersehausen, Kammerherr Tr. Rekule von Stradointz- Grcß-Lichterfelde, Privatbozent Tr. Straud)-Berlin, Med.-Rat A/r. Wilhelmy-Schwerin, Schulrat Wehrhahn-Hannover, Tr. v. d. Velden-Weimar. Tas Ausland ist vertreten mit: Oesterreich- Ungarn, Schweiz, Rußland, Finnland, Belgien, Italien, Türkei.
Geheimrat Prof. Dr. Sommer, dem als dem geistigen Vater und Organisator des Kongresses von allen Seiten herzliche Anerkennung zuteil wurde, begrüßte die Gäste und gab eine kurze Uebersicht über das Programm des Kongresses, das eine Entfaltung und Weiterentwicklung der int vorausgegangenen Kurs ausgeführten, hauptsächlich die Methodenlehre behandelnden Themen darstellt. Wir werden über den Kongreß berichten.
Universitäts-Nachrichten.
Marburg, 10. Apru. Der Prmatoozem sur Geographie an ber hiesigen Universität Dr. Alsreb Rühl würbe zum Abteilungsvorsteher am Institut für Meereskunde in Berlin als Nachfolger von Prof. Dr. G. Braun berufen. — Ernannt wurde Der hiesige Privatbozent Dr. phll. Ehrisiian Jensen zum außerordentlichen Professor für llassische Philologie an der Universität Königsberg i. Pr. Er wirb hier Nachfolger von Prof. L. Deubner, ber zum Ordinarius befördert wurde.
Neue Lhrenöottocen.
A t h e n, 10. April. Gelegentlich des Jubiläums hat die hellenische Universität heute 92 Ausländer zu Ehrendoktoren ernannt. Darunter die deutschen Professoren Lipsius, Ludwig Mitteis, Bruegmann, Edgar Martini, Partsch von der Universität Leipzig, Erusius-München, Del- drueck-Jena, Diels, Harnack, Hiller von ©oertingen, von Lu- schan, v. Wilamonttz-Moellendorf von der Universität Berlin,
Gymnasialdir, ltor W.lhelm v. Roscher, Schultze-Greifswäld, Wuensche-Königsberg, L e p s i u s-D a r m st a d t, Philipp- son und Karl Robert von der Universität Bonn und der Archäologen Toerpfeld.
Wandern und Neisen.
Marburg, 10. April. Der hiesige Wandervogelbundestag hatte nahezu tausend Wandervögel, unter ihnen fast 150 Mädchen, in den Mauern Marburgs vereinigt. Sie waren in den umliegenden Ortschaften, in Privatquartieren und in der Kaserne, untergebracht. Von Nord und Süd unb Ost und West waren bie sangesfrohen Scharen eingetroffen, um an den Verhandlungen und Unterhaltungen teilzunehmen. München, Danzig und Prag reichten sich hier die Hände. In der Begrüßungsansprache hob der Bundesleiter des deutschen Bundes für Jugendwandern, Dr. König- Frankfurt a. Main, hervor. Daß die Wahl diesesmal auf Marburg gefallen sei, da hier beide Bünde, der Altwandervogel unb der deutsche Bund, vertreten seien. Beigeordneter Schimv f - Marburg begrüßte die anwesenden Wan' Dervögel, bie mit flatternden Fahnen auf dem Marktplatz Stellung genommen hatten. Aus 500 Kehlen klangen hier die schönen Wandervogellieder. Die zuvorkommende Marburger Polizei hatte bis 10 Uhr abends Sing- unb Redefreiheit gegeben. Jedoch erklangen auch oftmals noch nach diesen Stunden Wandervogel- weisen, wofür die freundlichen Schutzleute nur wohlgemeinte Ermahnungen übrig hatten. Von größter Wichtigkeit für das fernere Wohlergehen war ber Beschluß des deutsch?n Bundes für Jugend- Wanderungen, dem Altwandervogel die vollständige Einigung an- zubieten und die Bundesleituna zu ermächtigen, in diesem Sinne zu verhandeln. Bon beiden Lagern wurde dieser Beschluß mit großer Begeisterung ausgenommen und in der schon lange angc- bahnten Einigung ist man wieder einen Schritt weiter. Am Min woch morgen vereinigte ein großes Kriegsfpiel die Wandervögel Die am Tage zuvor geschlagene blaue Armee verteidigte ihren Rückzug bei Marburg, um Zeit zu gewinnen, daß die Pioniere die zerstörten Brücken ausbessern tonnten. Die aus dem Hinterland nadjbringenbe rote Armee brach bei Wehrnshausen in die blaue Stellung ein unb hatte so den Kampf zu ihren Gunsten entschieden. Für bie, die sich hieran nicht beteiligten, waren bie Pausen zwischen ben Verhandlungen mit der Besichtigung Marburgs ausgefüllt. Am Mittwoch nachmittag mußten wegen des eingetretenen Schneesturmes die Volkstänze unb Wettgesänge in den Turnergarten verlegt werden. Großen Beifall sanden die Weber- und Schuhmachertänze, der Ohrfeigentanz unb Schuhplattler von echten Münchener Jungen im blauen Kittel erregten Lachsalven. Bei ben weiteren Verhandlungen wurde die seitherige Bundesleitung wiedergewählt. Die Wandervögel werden wohl nach dem Gebotenen den besten Eindruck mit nach Hause nehmen und mit erneuter Freude an ihren schönen Bestrebungen weiter arbeiten. Aber auch die Marburger hatten ihr Vergnügen an den prächtigen Jungen, die auch ohne Alkohol so fröhlich sein konnten. Alle Kreise nahmen sich ihrer mit großer Freude an.
Beim P r e i s w e t t s i n g e n erhielt im Hordengesang die Ortsgruppe Darmstadt den erjien Preis. Beim Einzelsiwgen tarn ein Preis auch der Ortsgruppe Gießen zu.
Canötvirtjd^aft«
Fohlenankaus. Auch in diesem Jahre ist von ber Landivirtichastökamlnec em Antons von Zucht io hl en in Belgien und Oldenburg beabsichtigt. Es sollen angekausr werden: Jährlinge und zweijährige Fohlen ans Belgien und L Idenburg. Ter Einkauf in Belgien ist für Die erste Häl'le des Monats 'j)lai, der in Oldenburg für Juni oder Juli vorgesehen. Anfragen über den ungefähr zu zahlenden Preis werden von der Landivwischailskainmer umgehend beantwortet. Tie Bestimmungen über Ein'uhr der Fohlen werden Jnteresjenlen ebenfalls auf Wunsch zugesandl. Tie LanDwlrtschaftskannner übernimmt bei diesen Ankäufen die sämtlichen allgemeinen Kosten (alle Kosten abzüglich der Ankaufspreise). Außerdem wird noch em Zuschuß zu den Ankaufskosten gewahrt, dessen Höhe sich nach der Beteiligung am Import ndnet, aber 20 Proz. des Ankaufspreises nicht ubcriielgen soll. Ter Zuschuß wird an einen Besteller nur für höchstens zwei Tiere bewilligt.
Lustschisfahrt.
Gotha, 10. April. Unter dem Vorsitz des Prinzen Albert von Schleswig-Holstein fand im Schloghotel- in Gotha die Besprechung uoer das vom deutschen Fliegerbunde im August 1912 in Gotha geplante Turn ier statt. Die Versammlung beschloß im Prinzip, die Veranstaltung im August 1912 stattsinden zu lassen.
vermischte».
"Das versunkene Schatzschiff. Der englische Daull> fer „Lyons", der im vorigen Sommer an der Küste der Insel P e r s ch e l l i n g nach den Schätzen des Schiffes „L u t i n e" suchte, int Oktober aber wegen des stürmischen Wetters die Arbeit einstellen mußte, wird seine Versuche mit den neuesten technisch verbesserten Hilfsmitteln wieder ausnehmen. Tie „Lutine" ist eine englische Fregatte, die im Jahre 1799 mit einer Labung von 25 Millionen Mark in Gold- unb Silber-Barren unb 3 Millionen Mark in Goldmünzen von Parmouth nach Cuxhaven bestimmt war und unterwegs bei Perschelling scheiterte. Vor 50 Jahren gelang es, rund 2 Millionen an Gold an bie Oberfläche zu bringen. Seit jener Zeit sank bas Wrack immer tiefer in ben Sand.
* Tas Schiffsunglück auf dem N i l. Aus Kairo wirb gemeldet: Taucher suchen den Nil ab, wo der Vergnügungsdampfer gesunken ist. Fünf Leichname von Europäerinnen wurden gefunden. — Tas Schiff kam von einem besuchten Ausflugsorte. Ungefähr zwölf Kilometer vor Kairo wurde es von einem Schleppdampfer angerannt unb sank fast senkrecht. In ber Dunkelheit gab es schreckliche Szenen. Ter Schleppdampfer rettete siebzig Personen. Viele arabische Barken eilten zur Hilfe. Tie Polizei schätzt bie Zahl ber Pafla- giere entsprechenb der Durchschnittszahl aufübervierhundert. Es ist aber unmöglich, bie genaue Zahl anzugeben. Tie Red senden gehörten in der Mehrzahl dem kleinen Bürgerstande an
Kieme u,age$d)ronit.
Kommerzienrat Lei chner, der Inhaber der bekannten Schminke- und Puderfabrik, ist in seiner Villa im Grünewald einem Schlaganfall erlegen. (Leichner ermöglichte es, durch Bereitstellung der erforderlichen Mittel, datz das Richard-Wagner-Museum, das nach Amerika verkauft werden sollte, Deutschland erhallen blieb und in Fritz Reuters Villa in Eisenach eine Ställe fand. Ferner stiftete Leichner das Richard-Wagner-Denkmal im Berliner Tiergarten, das am 1. Oktober 1903 enthüllt wurde.)
Bet Arnsberg traf der Wilderer Apel auf dem Pürschgang auf einen gleichfalls wegen Wilderns vorbestraften Leistenmacher Stötzer. Er tötete diesen durch mehrere Schüsse unb brachte feinem Begleiter leichte Verwundungen bei. Der Mörder wurde verhaftet.
In Ellens (Mosel) gerieten ein Vater unb sein 19jäbriger Sohn mit einem 15jährigen Winzer in Streit, bei dem der Winzer zahllose M e s s e r st i ch e erhielt, die seinen sofortigen Tod zur Folge hallen. Die Täter wurden verhaftet.
Bei einer Talfahrt auf dem Rhein tippte bei Schaff- Ha u s e n ein Boot um, in bem einVater mit vier Kinbern eine Spazierfahrt machte. Ein neunjähriger Knabe würbe gerettet, zwei Ätäbchen ertranken. Mit bem jüngsten, zweijährigen Knaben unter dem Arm, erreichte ber Vater als guter Schwimmer bas Ufer. Der Knabe war bereits tot.
Aus Innsbruck wird gemelbet: Im Slrlberggebiet werden seit mehreren Tagen drei Schifahrer vermißt. Man befürchtet, daß sie im Schneesturm umgekommen sind.
Im Fränkischen Jura wurden Erzlager entbedt, die 60 bis 70 Kilometer Länge unb 50 Kilometer in der Breit«


