Nr. 9
Zweites Blatt
152. Jahrgang
Donnerstag, U. Januar J9U
Erfchein! tLgllch mtt Ausnahme des Sonntag».
Tie „Oietzener Samfllenblätter** trerben btm ^Anzeiger* otermal wöchenlltct» betg*legt, ba6 „Kreisblati für ben Kreis -letzen" zweimal wöchentlich. Tie „tandwlrfschaftttchev Seit» fragen" erfdjemen monatlich jroennaL
General-Anzeiger für OberlMn
Rotationlbrud unb Seviag Oer 8r ü blichen llnroerftiätb - Buch- und SteinbrudtEtL Ä. Lange, V'eßen.
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Liberal: Wählerversammlung in Steins Garten.
Gießen, 11. Januar.
Tie gestrige, vom liberalen Wahlausschuß einberuscnc Wähler- Versammlung war außerordentlich stark besucht. Um 1 - 9 Uhr war dec große Saal von Steins Garten samt dem Ncbensaal überfüllt und noch immer strömten Leute herbei, bi? an der lebten liberalen Kundgebung in Gießen vor dem Wahltag teilnehmen wollten.
Der Vorsibende, Geh. Justizrat Metz,, eröffnete die Versammlung mit einem Willkommensgruß und sprach die Hoßnung aus, daß der starke Besuch eine gute Vorbedeutung für den Erfolg am Wahltag sei.
Der erste Redner, Geh. Justizrat Prof. Tr. Biermann, wies aus die liberale Einigung in einem großen Test des ReicycS hin. Leider mache man in Lessen eine Ausnahme, aber von dieser Ausnahme mache unser Wahlkreis wieder eaie Ausnahme. Er glaube bestimmt, daß diese Einigung, die an früheres gemeinsames Vorgehen anknüpsc, dauernd sein werde. Die na» tionalliberale Partei trete für den fortschrittlichen Kandidaten ein, weil sie es nach ihren Grundsätzen mit gutem Gewissen tun könne. Ter Liberalismus habe rccyts und links einen schweren Kampf zu kämpfen und laufe bei Uneinigkeit Gefahr, zerrieben zu werden. Daß die Nationallibcralen nickst für den fozialdenw- kratischen Kandidaten cintrctcn können, fei klar. Die Sozialdemokraten haben kein Gefühl für die staatlichen und nationalen Notwendigkeiten, deshalb kämen sie für die Nationalliberalen nickst in Betracht. Man habe aber auch in unserem Wahlkampi gegen den allen Gegner von rechts zu kämpfen.^ Man habe sich 3U wenden gegen das Zentrum, dessen wenige Stimmen ja dem nntiscrnitischen Gegner zufallen. Man habe ferner zu kämpfen gegen die Konservativen, denen er am 12. Januar eine gründlich Niederlage wünsche. Die Konservativen beße.rschen die Parteien der Rechten, mit denen man es bei uns zu tun habe. Die hiesigen Gegner nennen sich Teutschsozial, ein schöner Name für eine schlechte Sache. Das Programm dieser Partei sei aus den Pro Grammen aller übrigen Parteien zusainmengestellt, das eigene, was sie habe, sei die Gegnericfan't gegen die Juden. Im jetzigen Wahlkampfe sei allerdings hiervon nicht viel zu merken, das werde nach der Wahl wohl wieder anders werden. Wer den antisemitischen Ton richtig kennen lernen wolle, müsse die deutschsozialeit Blätter lesen. So viel Schmutz wie in diesen Blättern werde sonst nirgends verbreitet. Ter antisemitische Gegner sei an sich nicht gefährlich, diesen Geisteskapazitätelt sei man wohl noch gewachsen weiterleit). Gefährlicher sei der ebenfalls am Kampfe beteiligte Bund der Landwirte. Seine (Redners) Partei jtebe dem Bund der Landwirte nicht ganz so gegenüber wie die Fortschrittspart.i. Es sei den Landwirten so wenig zu verdenken, sich zusammenzuschließen wie den übrigen Ständen und der Bund habe in der ersten Zeit seines Bestehens gutes bewirkt. Aber heute sei er eigentlich überflüssig. Tie Interessen der Landwirte seien nicht dieselben und die Heinen Landwirte seien vielfach in den Bund gekommen, ohne zu wissen wie. Der Bund sei, wenn man ihn mit seinen eigenen Was, en bekämpfen wolle, durch einen Bund der Konsumenten zu bekämpfen. Tas tue man selbstverständlich nicht, aber bei allem, was man für die Landwirtschaft tue, habe man vom Bund keinen Tank, er verlange immer mehr. Der Bund Der Landwirte sei gemeingefährlich geworden, weil er eine einseitige Klassenpartei geworden sei, gerade so gut, Ivie es die Sozialdemokraten seien. Allerdings iünnc diese in Bezug auf die Agitation iwch etwas vom Bund der Landwirte lernen. Aber die liberalen Gebauten würden nicht allein wie der schwarzblaue Block durch die gcmcinfamc Abwehr gegnerischer Bestrebungen zusammengehatten, sondern durch ihre gemeinsamen Grundanschauungcn, die beruhen auf dem Idealismus, auf der gemeinsamen Weltanschauung, die die allgemeine Wohlfahrt aller Stände fördern wollen. Wer diese gemeinfamen liberalen Anschauungen fördern wolle, der solle dazu beitragen, daß am 12. Januar der gemeinsame liberale Kandidat Erkelenz gewählt werde. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.)
Privatdozeut Dr. Vogt wies daraus hin, daß der Libe- ralisnrus den schweren politischen Kamps der letzten Wochen gern geführt habe, weil ein solcher Kamps Gelegenheit gebe, im Volke politische Erziehungsarbeit zu leisten. Der Kamps habe gezeigt, daß, wer Unkraut säe, leichte Arbeit habe, daß der aber schwere Arbeit zu leisten habe, der einen Baum pslanzen wolle. Aus welcher Löhe sich der Kamps der Antisemiten bewege, habe der Vorredner gezeigt unb zeigten die „Fluchblätter" der Gegner. Erfreulich sei nur, daß der Kantps mit dem Antisemitismus nicht mehr lauge dauern werde, daß es auch hier gelingen werde, unsere Gegend von dem Namen zu befreien, der wahrlich keinen Ruhmestitel bedeute, nämlich den Namen des dunkelsten Tcutsch- lano. Ter Liberalismus sei noch lange nicht verloren, er stehe kampssreudig da und sei wieder von Optimismus erfüllt. Tas Wort Bebels von vor 20 Jahren, daß der Liberalismus tot sei, sei nicht wahr geworden und werde nicht wahr werden. Tie Sozialdemokratie gerade habe es mittlerweile gesehen, daß es nicht so schnell gehe mit der Verwirklichung ihrer Grundsätze. Tic Entwickelung der letzten Jahre habe gezeigt, daß der erste Teil des sozialdernokratiscien Programms, die Vergesellschastung der Produktionsmittel, sich nicht erfüllt habe. Deshalb wende man sich jetzt mehr dem zweiten Teil des Programms zu, dem demokratischen. 9lber auch hier zeige sich, daß die Entwickelung der Dinge eine andere sei, als die Sozialdemotratie vorausgesagt habe. Ein Stück nach dem andern werde von dem Programm ausgegeben, bloß die Verelendungstheorie tauche noch hie und da aus. Und wie sehe es mit den GegenwartsForderungen der Partei aus. ,Sic kämpse mit großen Worten für die Wahlsreiheit, für das Koalitionsrecht, für den Schutz der Minderheit, aber in der Praxis handle man da, wo man die Macht habe, ganz anders. In der sozialdem. Partei säßen Republikaner unb Monarchisten, Freihändler und Schutzzöllner. Das gleiche Bild wie bei uns zeige sich bei den ausländischen Sozialdemokraten. Weil man wisse, daß die Sozialdemokratie ihr Programm durchlöchere, habe man auch keine Ängst mehr vor ihr. Tie Sozialdemokratie sei mit ihren 3—4 Millionen Stimmen nichts als eine große Maschine, die Rauch und Feuer mache, aber nichts leiste. Tic Agitation sei ihr alles, die Politik nichts. Durch ihren Wort- radikalismus fördere die Sozialdemokratie nur die Reaktion, die ihre Helle Freude au ihrem Gebaren l;auc. Beide Parteien handelten wie eine Versicherungsgesellschaft aus Gegenseitigkeit, bei der aber die Arbeiter die Prämien zu zahlen hätten. Aber auch bei der Sozialdemokratie mehrten sich die Anzeichen, daß sie im gegebenen Falle anders handeln könne. Tic Sozialdcnw kralle hätte dem Liberalismus den Vorwurs gemacht, daß er indirekte Steuern habe bewilligen wollen. Er glaube, wenn die Erbschaftssteuer angenommen worden wäre und rann ßu Konservativen sich abseits gestellt hätten, so hatte wohl auch die Sozialdemo kralle indirekte Steuern bewilligt, um nicht der Reaktion dann die ganze Saaje zu übemnen. Bll der eliau-lothttngiw,cn Verfassung, frage l,abe die Soziaidemokcalle sogar für^eine 1. Kammer geiämmt. Man brauche keine Ängst vor d.r Sozialdemotratie zu haben. Sie bleioe eine einsei.ige Kiastenpartei, die bis jetzt noch niasts erreicht habe. Wenn man ;iu) einmal den Liberalismus wegdenke, dann werde die P itiE eben ohne die Linie gemacht. Ein Staat könne nicht von unten heraus
regiert werden, man dürfe das Reckst der Persln lieble t nicht außer Ache lassen. Te Führung in Kampfe gegeben schwarzbiai.en Block gehöre dem Liberalismus, wenn ma: ein neues T.utfcklai d hab.» w.lle. Ter Liberal s.nusmüße aber wenn er die Führung haben wolle, sozial wllkeu. Ec bur,e di. Arbeiter n.cht bloß brauchen ivoilen b.i den Wahlen. Ter Lib. ra.ii.mus müsse te; aufste.g.nb.n Arbllteeschicht, ii: die Person lichtest ancri.niK, gerecht werden. Wir in Gießen konnten stolz ein, einen Führer d.cher ausste.gende.i Arbei eriu.L.t in den Reichs tag schicken zu wollen, einen Führer, der dazu berufen ist, diest neue Entwicklung des Vaterlandes mit anzubahnen. Wer den Lwc- ralisnrus nicucr zur Geltung bringen wvite, i.Ui,e XJr>iC bringen. Leisen Sie alle mit, den Liberalismus wieder zur G.l tung zu bringen, wählen Sie Erkelenz! (Stürmisck>er Beifall.-
Ta der bleich.tag.^noivac E-^t.i.z iteu, muj. ö.aiwau,, wo er zuerst sprach, erscheinen war, gab Ooercho iothera. Tr. Ebel Kenntnis von einem Flugolatt d.r Antiscm.. .i, da. eine Reihe von Kommerzienräten ms RiitergutSbe,itzer lltst) Au, lichtSralsmikglieder aussührt. Ter Redner setzte den Behanp tungen des F.uzbiastes ü.cr die Gestnnungen der Li.eralen d.e Bestrebungen d r Liberalen für den Bauernstand entgegen. Ei bezeichnete das Flugblatt als ein Zeichen des Niederganges des Antisemitismus und sorüerte aus, das Wort eines liberalen ländlichen Vertrauensmannes wahr zu machen „..über inu dem AutstemstiS mus". Er schloß unter sehr lebhaitem Beifall mit dem Rufi „Wühlen Sie Erkelenz".
Vcrbanbssekretur Erkelenz, der mittlerweile gekommei. war, wurde mit stürmischen Beifall begrüßt. Er wies darauf hm. daß es sich bei dem bevorstehenden Walstgaug um große wichtige Entscheidungen handle. Es sll nvtweuoig, iiu) bei dem Wah.kamp. auch mit der auswärtigen Politik zu beschäsiigeu, die bis jetz. eigentlich zu kurz geloinmen sei. Teutschland müsse sich al. großes Voll damit beschäftigen, auch außerhalb Deutschlands grogc Kulturausgaben zu erfüllen. Tie Kruste baiür ständen uns zue Verfügung, cs haiid.e sich darum, diesen Krusten die Stelle z: ichasieu, wo sie arbeiten könnten, um gcwßßcernaßcn ein zweite. Teutichiand zu schassen. Eine gut geleitete auswärtige Polili. und auch eine gute Kotoniall'oliuk liege gerade im Interesse de» Arbeiterschaft unb sonstigen Leinen Leute. Tas Verständnis bafiir, das in England weit verbreitet sei, sehie leider bei,uns fast allgemein. Eine weitere wichtige Ausgabe sei, baß alle Stände unb Klassen sich zusammen stndeu |ür eine gemeinsame fortschrittliche Poli.it und sich ablvcnben von ber einseitigen Ktaffcnpolitik. Ein Wahlkampf sei nicht bloß ein Kamp, um einen Parlamentssitz, sondern eine Gelegenheit, bas Voll suiammeii’uiancn und politisch . weiterzubilden. Wir müßten nicht nur roeiterlommcn in der wirtschaftlichen Entwickelung, sondern auch aus dem Gebiet der geselischastlichen und politischen Freiheit. Es sei notwendig, baß der Wille zur Mitarbeit an biesen Zielen bei allen Männern unb Frauen vorhanden sei. Notwendig sei ferner die Erkenntnis, bau die moderne Entwickelung einzelnen Schichten Nachteile bringe und daß man dafür sorgen müsse, die Nöte ber einzelnen Stände zu beseitigen. Ter Frcihcitsgedanle müh'e_ aus die Nöte der einzelnen Stände Rücklicht nehmen und Verständnis haben, dann werde man zu einem gesunden, lebeuskrästigen Liberalismus kommen. Tie Reichssiuanzresorm könne die große Umkehr in der En> loiaclung werden, indem sie die einzelnen Stänoe wieder zu- fammengeführt haoe. Fn dst>em Sinne luiiuc man van ber bieioj»’ finanzreiorm sagen, bau sie ein Teil von jener Kraft sei, die stets Las böse will unb doch das gute schasst. Tazu fei aoer notwendig, daß jedermann seine Psticht tue. 7000 Wähler Istitteu bei der letzten Wahl nicht gewählt, diese müßten zur Wahlurne gebracht werden, dann könne der Ersolg nickst ausbleiben. Es handle sich uni die große Aufgabe der policischen unb sozialen Befreiung bes Volkes. Wenn auch die Gefahr, baß wir wie Spanien regiert würden, nicht in den nächsten 5 Jahren nahe sei, vorhanden sei sie. Wer weder von Spanien oder „Spahnien" regiert werden wolle, müsse seine Pslicht tun. (Langanhaltender stürmischer Beifall.)
In ber Aussprache wandte sich Derr Gemoll aus Esten gegen die AuSsührungen bes Privatdozentcn Tr. Vogt über die Sozialdemokratie. Tie fortschrittliche Volkspartei schlage immer aus die Sozialdemokratie, weil diese nicht tue, was die Fortschrittspartei wolle. Richtiger sei doch, daß die Fortschrllisvattei, die ja doch im Ausstcrben begriffen sei (Gelächter), der Sozialdemokratie sich anschließe. Mit dem Wort Freiheit solle man gerade bei dem Fortschritt vorsichtig sein. Von den Kolonien in Afrika sei für Deutschland nichts zu wollen. Gerade die liberalen Parteieii hätten die Lebensmittel verteuert. Tie liberalen Forderungen müßten von ber Sozialbemokratie vertreten werben, weil ber Liberalismus zu schwach geworben sei. Von Herrn Erkelenz erwarte er für bie Arbeiterschaft nichts, ba ihn sonst bie Nationalliberalen nicht unterstützt hätten. Herr Erkelenz habe nur bie Interessen ber Parteien zu vertreten, bie ihn gewählt hätten. Ein benfenber Arbeiter könne nicht Erkelenz wählen, sondern nur Beckmann bie Stimme geben. (Vereinzelter Beisatt.)
Herr Erkelenz sprach bann bas Schlußwort, in bem eiben Vorrebner kurz abiertigte. Wenn besten Freunbe ihn hätten hierher kommen lassen, so hätten sie sich bas Fahrgelb für ihn sparen können, berat verbient habe er es nicht. Herr Gemoll habe sich hier nach Art ber nordbeutschen Genossen als Raoi- k'alinski ausgespielt, ber neben seiner mueßbaren Meinung teilte anbere bulbe. Von ber hiesigen Sozialdemo kralle fei man Jm allgemeinen eine vernünftigere Stellungnahme gewöhnt. Für den Liberalismus handele es sich nicht darum, nn- ieblbare Glaubenssätze auijuftelten, sondern die Entwicklung des ganzen Volkes zu fördern. Die Sozialdemoiratie habe mir ihren einteiligen Forderungen feit langer Zeit nichts erreicht, und es sei Kickst, bas schönste Zukuiiftsstaatsprogramm auisunellen. Für bie Gegenwart werde auer mit wichen Dingen nidjis erreich! Es würbe ber ganzen Entwicklung bienen, wenn bie Sozialbemokratie in ber Gegenwart dazu beitragen würde. Erreichbares zu erreichen. Der Redner bezeichnete es dann als eine erfrischende 4,at, daiz ber Liberalismus mit irischem Mut unternommen habe, daß sieb Bürger, Bauern und Arbeiter zusammensinden zu gemeinsamer Arbeit. Leiser versage die Sozialdemokratie hierbei, lie arbeite vielfach mit der Reaktion Hand in Hand. In Baden und Bayern könne sie atteröings auch anders. Ter Liberalismus kämpfe im Kampfe gegen links nicht gegen die Arbeiter,chast, sondern er wolle sie zu gemeinsamer uroeit gewinnen. Der Liberalismus wolle Bürgertum, Bauernschast unö Arbeiterschaft zusammensühren im Interesse der wirtschastlichen und sreiheit- licheii Entwicklung, im Interesse der Kultur und der nationalen Ehre (Langanhaltenser, stürmischer Beifall.)
Geh Juitiirat Metz schloß die Veeiammlnng mit ber Aufforderung zu estriger Wahlarbeit unb emem Hoch auf bas Vater- lanb worauf mit dem besänge von „Deutschland, Deutschland über' alles" die große. Dcnauicne Kunögeoung ihr Ende erreichte. *
Aus dem Wahlkreis tz-icßen-Ärüubere-Nidda.
Vom Prehau.-fchuß der liberalen Patte en
erhalten wir folgende Zuschrift: . ,
s3ie kann ein streng nationaler Gl, evius- wähler Herrn Ertelenz wählen? Diese irn Flugblall des Heern Werner aufgeroorienc Frage wurde am z.e.id.ag in
rincc zahlreich besuchten Wählerversammlung in Nieder-Ohmen .tipp und klar bcan.ioortct. Herr Dr. med. K. stellte sich selbst als rech.sstelfcnder Nationallibcta.er und Giseviuswähler vor, trat aber gleichwohl mit Entschiedenheit, unter lebhafter Zustimmung oer Versammlung, für Herrn Erkelenz ein. Er könne, so führte er auS, caic Pattci nickst unterstützen, bie mit bem Zenkruni verbündet sei und der Partei Liebesdienste leiste. — Also gerade bas nationale Gefühl führt diesen Giseviuswähler Herrn Erkelenz zu.
Tie fortschrittliche VolkSpattei unb die Zolle.
Vom Wah.ausschuß der f o r t s ch r i t t l i ch c n B o I! S- Partei werden wir um Aufnahme folgender Berichtigung gebeten:
In Lcr in Friedberg erscheinenden neuen „Tages-Zeitung" vom 0. Januar laufenden Jal-ces wurde unter der lleberfchrift: „Wie der Freifinn Bauernagilation betreibt" in fetter ödfrift i.,e Tatsache behauptet, alü Erkelenz in Gießen aufgestellt wurde, .;abe ein freisinniger Stadtverordneter gesagt: „Wir müssen den Bauern 7 Mk. Zoll verbrechen, zu halten brauche man cs ja nickst." Die Behauptung ist eine grobe U n w a h r tt e i t. Ter wahre Sachverhalt ist solgcnder: In der Verirauensmänner-Vcr .ammlung der sortschritteichen Vollspartei in Gießen, in der Herr Erke.enz ausgestellt wurde, tat H e r r Stadcperordnetcr J ö b c r eine Äeußcruiig, die von einzelnen Anwesenden dahin jcrlV . je« wurde, man brauche wegen der Erfüllung von Ver ,pre .tgen bezüglich der landwirtschaftlichen Zölle niajt zu ängst- .ich , fein. Hiergegen wurde in der Versammlung von mehreren utcbiuen unter Zustimmung der ganzen Versammlung alsbald Protest eingelegt unb ansgeführt, daß man nur das versprechen । ürje, was man auco unbedingt hatten wolle nnb könne, worauf ,;err Laber sofort erklärte, daa das auch feine Meinung und er mißverstanden worden sei.
Ein cnglis.her Brief an den Kandidaten Erkelenz.
Uns wird folgender Brief zum Abdruck übergeben: London, den 4. Januar 1912.
Mein lieber Herr Erkelenz!
Ich habe mit großer Freude Ihren Brief empfangen und die Nachrichten pfllck)lschuldigst letzten Sonntag früh der Aoult Schcoi überbracht. Nun soll ich Ihnen sehr herzliche Glückwünsche für das neue Jahr sagen ob, obwohl wir unS als Engländer nickst cinmischen wollen in die deutschen Parteikümpse, so wollen wir Ihnen doch nicht vcrhehsen, daß uns der Eintritt eines so echten Kämpen für die höchsten Ziele (so sterling a Champion of the aighest causes) als ein Gewinn für den Reichstag erscheinen würde.
Ich tarnt Sie und jeden Kandidaten, ber sich jetzt um Stimmen in Tllutschland bewirbt, nur versichern daß bie warme Frunb- schaft, die das englische Volk für das deutsche sühlt, durch unser auswärtiges Amt, gelinde gesagt, nur sehr ungenügend zum Ausdruck gebracht worden ist. Durch die letzten 3ebat.cn in Parlament unD Presse ist der Beweis hinreichend erbracht worden, daß unser gegenwärtiges Ministerium d.s Aeußcren voltkommen die^Fühlung mit dem Volke, das es vertreten sott, verloren h-at. Ich hofsc. Laß Lie deutschen Wähler ebensowenig Sir Eöwaro Grey als das wahre Sprachrohr (mouthpiece) der englischen Gefühle belrachten werden, wie wir hier die kriegerischen Aeußcrungen des Herrn v. Heydebrand als gloubtoürbige Wiedergabe ber bentschen Ge finnungen ansehen.
Es hat mich sehr interessiert zu ersahren, das Sie in Gießen kandidieren, wo ich ein wunderschönes Semester als Student vor 27 Jahren verbrachte, als Harnack dort Prosessor war.
Ta unsere Zeitungen die Einzelergebnisse Ihrer Wahlen nicht bringen, so wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie mit eine Post- farte ober eine Zeitung mit dem Wahlresnltat senden lassen wollten.
Treue Grüße an Gießen unb bie besten Wünsche an Sie. Von Herzen Ihr I. Herbert Stead.
Herbert Stead ist der Bruder von William Stead, dem bekannten englischelt Scßrittsteller. Er ist Geistlicher der 5iongrcgationalisten der drittgrößten Kirche Englands. Gleichzeitig fungiert er als Leiter des Browning Settlement im Nordosten Londons, einer Einrichtung, bie sich die Wohlfahrtspflege in ihrem Bezirke angedeihen sein läßt. Tamit verbunden ist eine Adult School, d. h. etwa Schule für Erwachsene, in der Männer an Sonn- und Wochentagen zusammentretsii, um Vorträge anzuhören unb zu besprechen. Tiesc Schulen zählen in Großbritannien mehr als 500 000 Arbeiter als Mitglieder. Angehörige aller Parteien unb Konfessionen, auch Sozialisten, sind vertreten. Erkelenz hat bei seiner englischen Stubienreise monatelang mit biesen Leuten zusammengearbeitet und unterhält noch heute rege Beziehung mit ihnen.
Tie Versammlungen für Tr. Werner.
Vom Wahlausschuß für oie Kandidatur Tr. Werner wevq den wir um Abdruck folgenden Sammelberichtes gebeten:
Wir haben bis heute weder in der Friedberger „Neuen Tageszeitung", noch im Gießener Anzeiger unseren Freunden und Parteigenossen über unsere Wahlversammlungen berichtet, noch irgend welche andere Veröffentlichungen gemacht. Ta aber von verschiedenen Seiten ein Bericht gewünscht wird, kommen wir diesem Wunsche hiermit nach. Schon vor seiner Wiederausstellung hac Herr Tr. Werner in einer großen Zahl von Orten des Wahlkreises gesprochen. Tie eigentliche Versammlungstätigkeit setzte sofort nach der am 13. Tezember aogehaltenen Vertrauensmänner-Ver- fammlung ein. Herr Tr. Werner sprach bis jetzt in einer sehr großen Zahl von Orten und sand saft überall begeisterte Zustimmung. In der ersten freisinnigen Versammlung in Grünberg, die schwach besucht war, trat ein Pfarrer aus der Nachbarschaft Herrn Erkelenz entgegen. Herr Ertelenz gab zu, daß die Freisinnigen den Zolisu)utz verhindert haben wurden, wenn sie die Macht dazu gehabt hätten, jetzt fei er aber nicht so ohne weiteres ab- zuschassen. In Harbach sprachen als Gegenredner gegen Herrn Erkelenz mehrere Leute aus der Nachbarschaft und fanden die Zustimmung der ganzen Versammlung^ In L a u t e r, N o n n e n r o l h, L b e r o e s s i n gen, in M ü n- fter, wo ein paar Sozialdemokraten dem freisinnige.: :lled- ncr Beifall zollten, uno in N i e d e r - B e s s i n g e u erzlllleu unsere Redner in den gegnerischen Ver,ammlungen großen Erfolg. In Saasen, wo wir selbst eine Versammlung veranstalteten, kam unser Redner aus die vcrschieoentlich behaupteten 44 Prozent allen Bodenoesitzes, ja sogar bed Ackerlandes, die der Großgrundbesitz in Hänoen haoeu soll, zu sprechen. Er bewies aus dem statistischen .(abrönch nir das Großherzogsum Hessen gerade bas Gegetnell, woraus auch heroorgrug, daß aus den Grvßgruuobesltz, den Wald rnüeingerscy.iet, noch keine 10 Prozent»


