Ausgabe 
10.4.1912 Zweites Blatt
 
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Zweiter Blatt

162. Jahrgang

Nr. 84

Erschein ISgllch mit Ausnahme deS EonntagS.

Die ^Gtehener Kamilienblätter- werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Seit- fragen erscheinen monatlich zweimal.

Telegramme von Vertretern Rußlands in Persien angeführt über die innere Lage in Persien und über die .Aktion des früheren Schahs.

Hierauf wurden die weiteren Verhandlungen auf Mittwoch früh vertagt. Am Abend findet int Kgl. Schauspielhaus eine Fcst- vorstellung statt, in welchem ein DramaZar Peter" des Dres­dener Oberlehrers Otto Erl er zur Aufführung gelangt.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:b4AN2. Tel.-Adr.: AnzeigerDießen.

Deutsches Ueieh.

LautEvening News" wird Kaiser Wilhelm während der Woche der am 17. Juni beginnenden Internationalen Pserde- ausstcllung Lord Landsdowne auf dessen Schloß Lowther- Castle besuchen. Auf der deutschen Botschaft in London ist von diesem Besuche noch nichts bekannt.

Dem Vernehmen nach wird die Reichsregierung noch weitere Sachverständige aus den Kreisen der Reichstagsmitglieder und B e r s i ch e r u n g s m a t h e m a t i k e r zu dem Sachverstän- digenausschuß zuziehen, der die Frage prüfen soll, welche sinanzicllen Wirkungen eine Herabsetzung der Altersgrenze von 70 aus 65 Jahre für den Bezug dec Altersrente im Jahre 1915 haben würde. Tie Bundesregierungen haben ihre Sachverständigen sür den Ausschuß bereits ernannt.

Man schreibt uns aus Berlin: Wie uns aus Bundesrats­kreisen mitgcteilt wird, ist es nicht bcabsichttgt, die Wehrvor­lage mit den Deckungsgesetzen durch ein Mantelgesetz zu ver­binden. Die Regierung hosft, daß sowohl Wehrvorlagc wie Dcckungsgesetz im Reichstage die erforderliche Mehrheit finden werden, ein Mantelgesetz würde der .Verabschiedung der Wehr- vorlagen nur Schwierigkeiten bereiten.

Wie wir aus Berlin hören, wird die nationallibe- ralc Fraktion des Reichstags über den Jesuiten- erlaß der bayerischen Regierung beim Wieder- zusammcntritt des Reichstags eine Anfrage einbringen, um der Reichsregierung Gelegenheit zu geben, zu dem bayerischen Erlaß Stellung zu nehmen. Voraussichtlich wird sich auch der Bun­desrat in seiner nächsten Sitzung mit dieser Materie besassen. Wie in Bundesratskreisen verlautet, soll der Reichskanzler auf dem Standpunkte stehen, daß der bayertsche Erlaß das dem Kaiser allein zustehende Recht der Ausführung von Reichsgesetzen an­tastet. Man nimmt an, daß in Korfu der Kanzler vom Kaiser Anweisungen erhalten haben dürste, um diese peinliche An­gelegenheit möglichst schnell aus der Welt zu schaffen. Wie verlautet, werden zwischen der bayerischen und der Reichsregic- rung bereits Verhandlungen gesührt, die die Meinungsverschieden­heiten bei der Handhabung des Jesuitengcsetzcs bald beheben werden. Zu irgendwelchen inneren Krisen dürfte der Zwischen­fall nicht führen.

In Hoffet starb in der Nacht zum Ostermontag der Landtags­abgeordnete des oberbayerischen Landtagswahlkreises Pfaffenhofen, der Oekonomierat Aichbichler (Ztr.). Er gehörte dem baye­rischen Landtgae seit dem Jahre 1881, dem Reichstage 1884 bis 1906 an.

Aus Nürnberg meldet man: Ter Parteitag derDcutsch- konservativen nahm eine Entschließung an, in der das neue bayerische M i n i st e r i u m warm begrüßt wird. In ctner zweiten Erklärung wurden neue Verhandlungen mit der konservativen Vereinigung und den anderen konservativen Ele­menten in Bayern zur Bildung einer neuen konservativen Landes- Partei gutgeheißen. Es wurde für die Verfolgung dieser Auf­gabe ein dreigliedriger Ausschuß gewählt.

Im sozialdemokratischen Volkshaus zu Gotha streiken die Kellner! Sie fordern Lohnerhöhung. An den Osterfesttagen waren Ausschußmitglieder der Volkshaus- genoilenschast, darunter der Landtagsabgeordnete Hildebrandt, als Streikbrecher tätig.

Ausland.

Deutsche Klagen kommen aus China über den un­genügenden Schutz der deutschen Interessen an den besonders ge­fährdeten Punkten. Es wird darauf hingewiesen, daß außer Deutschland alle Großmächte mehrere tausend Mann an die gefährdeten Punkte entsandt hätten, Japan 5000, England 3000, Amerika 6000, Frankreich 1400, Deutschland etwa 400 außer der Tsingtauer Garnison. Infolgedessen müssen sich zahlreiche Deutsche unter französischen Schutz stellen, für die Aus­ländsdeutschen in China ein beschämendes Gefühl. Das Ansehen des deutschen Reiches werde durch solche Maßnahmen in China auf das schwerste geschädigt und der deutsche Kaufmann müsse die Sünden der Berliner Bureaukratie tragen.

In einer amtlichen russischen Veröffentlichung über die persische Angelegenheit wird nach einer längeren Widerlegung verschiedener Pressenachrichten erklärt, daß dre -russische Politik in Persien nur ein Ziel habe: die möglichst baldtge Beendigung der Unruhen, welche für die wirtschaftliche Interessen Rußlands unheilvoll seien und neue Verwicklungen hervorzurufeu drohten. In dem Communiquü werden mehrere

Aus Reffen.

Eine Vertrauensmännervcrsammlung der Deutsch- und Christlich- sozia'en des Reichstagswahlkreises Gießen.

Gießen, 9. April. Tie heute im Lenzschen Felsenkellcr abgehaltene gemeinsame Vertrauensmännerversamm­lung der deutsch- und christlich-sozialen Partei des hiesigen Reichstagswahlkreises war trotz des schlechten Wetters auch von auswärts gut besucht. Reichstagsabgeordneter Tr. Werner berichtete zunächst, daß auch sein Prozeß gegen den Redakteur derNeckarzeitung" in Heilbronn, Tr. Jeck, zu seinem Gunsten entschieden worden sei. Er wies dann darauf hin, daß seine Wahl durch die Sozialdemokratie angefoch­ten sei und zwar hauptsächlich deshalb, weil Herr Postinspektor Bültzingslöwen imGießener Anzeiger" darauf hingcwiescn habe, daß ein Beamter nicht sozialdemokratisch wählen dürfe. Tarauf kam Abg. Tr. Werner auf seine bisherige Tätigkeit im Reichs­tage zu sprechen, worauf einzugehcn an dieser Stelle sich er­übrigt, da derGießener Anzeiger", was auch von Herrn Tr. Werner anerkannt wurde, darüber ziemlich eingehend berichtet hat. Tic sich an diesen Vortrag anschließende Aussprache war recht lebhaft.

Tarauf ergriff Landtagsabgeordneter Dorsch das Wort, um über seine Tätigkeit und Beobachtungen im Landtage zu be­richten. Er sprach über Notariat- und Grundbuchwescn, über Entschädigung bei Maul- und Klauenseuche und wünschte schließ­lich auch die Ansicht der Versammlung über die bevorstehende Beamtenbesoldungsreform zu hören. Es entspann sich, da auch Beamte verschiedener Kategorien anwesend waren, dar­über eine lebhafte Aussprache. Ter Vorsitzende der hie­sigen Christlich-Sozialen bat die Glieder der Fraktion des Bauern­bundes, doch ja dafür zu sorgen, daß auch wirklich alle, auch nicht a n g e st e l l t e n , Beamten von der Vorlage ersaßt würden. Es sind in der jetzt dem Landtag gedruckt zugegangenen Vorlage zwar eine Anzahl Gruppen genannt, aber nicht alle; es fehlen z. B. die Assistenten und die nicht angestellten Diener der techi- nischen Hochschule und der Landes-llniversität. Auch wies er hin auf die nicht befriedigende Lösung der Frage der Alt­pensionäre, deren Besserstellung zum Teil abhängig gemacht werden soll von der Vermögenslage, was doch bei den aktiven Beamten nicht geschieht. Von einem Assessor wurde darauf hingewiesen, daß manche Richterstelle, die eigentlich mit angestellten Richtern zu besetzen wären, von Assessoren verwaltet würden. (Im Anschluß an diese Bcamtenfragen wurde noch gesprochen über die Teckungsfrage und dabei hingewiesen aus eine obligatorische staatliche Mobiliarversicherung wie auf die Behand­lung der Mobilien in der Vernrögenssteuer.)

Mittwoch, 10. April M

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS - Blich- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesien

Deutsche Kolonien.

Gouvernementwechsel in Togo.

Herzog Adolf Friedrich bon Mecklenburg ist nunmehr, wie dieKöln. Ztg." aus Berlin erfährt, be­stimmt als Gouverneur von Togo in Aussicht genommen. Der schon früher in der Presse geäußerten Vermutung, daß die etwaige Ernennung zum Gouverneur von Togo lediglich als eine kurze Vorbereitung für den Gouverneursposten in Ostafrika zu betrachten sein würde, wünscht der .Herzog selbst ausdrücklich entgcgenzutreten. An den Staats­sekretär des Reichskolonialamtes schreibt der Herzog:

Aus Pressenotizen und Privatgcsprächen erfahre ich, daß all­gemein angenommen wird, ich sähe den Gouverneursposten von Togo gewissermaßen nur als Ueberqang zu dem in Tar-es-salam an. Ich möchte Eure Exzellenz bitten, diesen Gerüchten entgcgen­zutreten. Ich habe lvahrend meiner Expedition genugsam Ge­legenheit gehabt, Einblicke in die verschiedensten Vcrwaltungssyftcme zu tun, um zu wissen, welche Arbeitskraft und welcher Ernst zum Ausharren in so exponierten Stellungen erforderlich ist. Ich denke gar nicht daran, den Vcrwaltungsbetricb von Togo, an den ich mit aller Hingabe herantrete, bald wieder auszugeben. Ich darf Eure Exzellenz versichern, daß ich über das Vertrauen, das mir durch die Ausnahme in den praktischen Kolonialdienst gezeigt wird, aufrichtig erfreut und gewillt bin, meiner Pflicht als Gouverneur mit allem Ernst und mit nicht weniger Eifer nachzukommen, wie meine Vorgänger.

Der neue Gouverneur ist am 10. Oktober 1873 in Schwe­rin geboren; er hat die übliche, bei Fürstensöhnen beschleu­nigte militärische Laufbahn hinter sich, aber in dieser und daneben eine gute Allgemeinbildung erworben. In weiteren Kreisen wurde er erst bekannt, als er sich zu einem größeren Forschungszug nach Afrika entschloß, der sich zu einer Durch­querung von der Ugandabahn und dem Viktorio-Njansa aus durch die vulkanischen Hochländer Deutsch-Lstafrikas jen­seits dieses Sees das Hauptcrkundungsgebiet auf dieser Reise dann über den nördlichen Teil der Kongokolonie nach der Westküste entwickelte. Die Reise dauerte vom Juli 1907 bis Ende Mai 1908. In derselben Weise war, so schreibt dieKöln. Ztg.", die zweite Reise vorbereitet, die im August 1910 am Kongo begann und die Tschadseeländer zum Ziele hatte, nach denen die sudanischen Gebiete zu erkunden waren dergestalt, daß die Expedition an der Ostküste ihr Ende finden sollte. Die kriegerischen Ereignisse, in denen zu Anfang 1911 die Franzosen namentlich in Wadai verwickelt waren, verursachten einen vorzeitigen Abschluß der Expedition, über deren Verlauf und Ergebnisse der Herzog in Vorträgen vor mehreren Abteilungen der Deutschen Kolonialgesellschaft In­teressantes berichtet hat. Auch dieser Zug war ergiebig, uns insbesondere hat er es ermöglicht, von deutscher Seite einige nähere und neuere Angaben über die Gebiete zu sammeln, die durch den Vertrag vom 4. November 1911 Frankreich an Deutschland abgetreten hat, und die das Hauptfeld der kurz abgebrochenen Expeditionen bildeten.

fünfter deutscher Gberlehrertag.

4 Dresden, 9. April.

Ter Verein akademisch gebildeter Lehrer Deutschlands, dem gegenwärtig 37 Vereine mit rund 20 000 Mitglieder angehören, trat heute nachmittag im Festsaale des Evangelischen Bereinshauses unter dem Vorsitze des Rektors Professor Tr. Matthias (Plauen i. V.) zu seiner fünften ordentlichen Verbandstagung zusammen. Sämtliche 37 Vereinsorganisationen haben Abgeordnete zu der wichtigen Tagung entsendet.

Nach einer Begrünung durch den Vorsitzenden des Dresdener Obcrlehrervereins Rektor Professor Dr. P o l a n d begründete der Vorsitzende einige Satzungsänderungen. Dann sprach Professor Dr. Zimmermann (Meiningen- über dieBegründung einerAuskunfts stell c". Dem Vortragenden, der die Grün­dung der Stelle angeregt und die nötigen Vorarbeiten getroffen hat, wurde die Leitung und der Ausbau des Unternehmens übertragen.

Hierauf berichtete der Vorsitzende über dieUnterrichts­abteilung der Brüsseler Weltausstellung". Er hob hervor, daß die Abteilung der deutschen höheren Schulen im Wettbewerb mit den gleichen Anstalten des Auslandes und den Lehrerbildungsanstalten der Heimat ein höchst erfreuliches Bild geboten haben. Die Ausstellung zeigte, wie in den gesamten deutschen Schulen der Gegenwart gearbeitet wird und welche Ver­dienste um eine zeitgemäße Ausgestaltung des Unterrichts der deutsche Oberlehrerstand hat. Der Redner bezeichnete es als eine vornehme Pflichi des Lehrerstandes, daß diese für Schulmänner und Schulfreunde wichrige Sammlung erhalten werde, als Grund­stock zu einem R e i ch s schu l mu s e u m , das ein Gesamtbild des deutschen Unterrichtswesens geben und vielleicht in Verbindung mit einer pädagogischen Akademie zugleich einer watw- haft schulwissenschaftlichen Fortbildung des deutschen Lehrerstandes dienen soll. Auf Vorschlag des Redners wurde folgende Kund- gebu^ng einstimmig angenommen:

In dem Bewutztsein, daß das Werk unserer gesamten öffent­lichen Erziehung nur gedeihen kann, wenn alle Gruppen der Mit­arbeiter je an ihrer Stelle und mit den dieser entsprechenden Mitteln dienend zum ganzen sich fügen, macht der 5. deutsck-e Oberlehrer­tag die Forderung führender Schulmänner nach einem Reick)s- schulmuseum einmütig zu der seinigen, gleichviel wo es seine Stätte findet, wenn es nur der gesamten deutschen Lehrerschaft in gleicher Weise zugänglich gemacht wird. Je nach den Schwierigkeiten, die sich der Aufgabe entgcgenstellen, mag man zu ihrer Lösung das Jahr 1913 als das des 25 jährigen Regterungsjubiläums S. M. des Kaisers, oder 1919 als Allerhöchstdesselben 60. Geburts­tags, oder 1921 als das der 50 jährigen Jubelfeier des Reiches ins Auge fassen. Nachdem Naturwissenschaft und Technik, Ge- sundheits- und Kunstpflege eine solche Stätte besitzen, wäre eine solche Anstalt das zeitgemäßesle Geschenk, um dem Reich an solch einem Freudentage die dauernde Dankbarkeit aller Lernenden zu sichern."

lieber Fragen des Verbandsorgans berichtete sodann der derzeitige Schriftführer Oberlehrer Ehrentraut (Dresden); da die Vorbereitungen noch keinen rechten Ueberblick zulassen, wurde die Angelegenheit dem nächsten .Verbandstag überwiesen.

Oberlehrer Dr. R o s e n m ü l l e r (Dresden) begründete sodann den Vorstandsbeschluß, einen ständigen P r e s s e a u s s ch u ß einzurichten, mit dem Hinweis auf die öffentlichen Angriffe, die gegen die heutige höhere Schule gerichtet worden siird. Dieser Aus­schuß soll Angriffe möglichit schnell uiid kräftig abwehren und in gemeinsamer Beratung Kundgebungen des Vereinsverbandes vor­bereiten. Der Vortragende wurde von der Vertreterversammlung beauftragt, in Verbindung mit Standesgenossen, die sich freiwillig zur Mitarbeit gemeldet hoben, den Besastutz des Vorstandes aus­zuführen.

5. Tagung der deutschen tropenmedizinischen Gesellschaft-

O Hamburg, 8. April.

Unter überaus zahlreicher Beteiligung von in- und ausiän» bischen Gästen und Mitgliedern fand im Institut für Schifss- und Tropenkranll-eiten hier die 5. Tagung der deutschen trop.m- medizinischen Gesellschaft statt. Anstelle deS wegen Krankheit aus­scheidenden bisherigen Vorsitzenden Geheimrat Professor V a e I z (Stuttgart) wurde der Leiter des Hamburger Instituts sür Schiffs und Tropenkrankheiten Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Nooh zum Vorsitzenden gewählt und zu dessen Stellvertreter der General ­arzt der Marine Professor Dr. Rüge (Kiel). Außerdem wurde in den Vorstand Geheimrat Ostertag (Berlin) gewählt. Die Verhand­lungen der Tagung wurden durch einen Vertrag van Loghcms (Amsterdam) über dieP e st i n n i e d e r l ä n d i s ch Ostindien und ihre Verbreitung durch die Ratten und Nattenflöhe" eingehiict. Den nächsten Verhandlungsgegenstand bildeten dieTropische n Geschlechtskrankheite n". lieber die Fr a mb ö sie nnb bereit Zusammenhang mit der Syphilis sprachen Plchn (Berlin) und Bärmann (Sumatra). Obgleich diese Krankheit nicht ganz identisch mit der Syphilis sei, habe man doch auch bei ihr mittel:, des Ehrlichschen Salvarsan gute Erfolge erreicht. Sodann beschäf­tigte sich die Versammlung mit der Frage der Malariabe kämpfung und - Verhütung. Generalarzt Professor Rüge (Kiel) machte neue Vorschläge, die vor allem auf Vorbeugung gegen die Krankheit innerhalb der Marine durch Chininverordnung ab zielten. Giemsa und Stabsarzt Dr. Werner (Hamburg) berichteten hierauf über Versuche mit neuen Chininderivaten. Dr. M. Meyer und Tr. da Rocha-Lima (Hamburg) hielten einen experimentellen Vortrag über einen neuen Krankheitserreger das Schizotrypanun Cruzi, einen Verwandten des Schlafkrankheits­erregers, der insbesondere unter den Kindern im Innern von Brasi­lien eine bösartige, endemische Krankheit hervorruft, die durch be­stimmte Wanzen übertragen wird. Dr. M. Koch (Berlin zeigte dann an einigen Experimenten, wie die Larven der Pentastimen Würmer aus der Nase des Hundes auf den Menschen übertragen werden, wo sie sich meist in der Leber ansiedeln. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Erörterung des Themas Die Schlafkrankheit und ihre Bekämpfung" ein. Der General­oberarzt Dr. Stendel (Berlin) vom Kommando der Schutztruppen zeigte in Lichtbildern Die bisher auf diesem Gebiete in Ostafritä geleistete Arbeit. Am Viktoriasee hat die Zahl der Kranken schon soweit abgenommen, daß die Bekämpfungsmaßregeln eingeschränkt werden konnten. Dagegen sind die Arbeiten am Tanganikasee noch nicht von demselben guten Erfolge begleitet. Medizinalrat Pros. Dr. Nooh (Hamburg), der im Auftrage des Hamburgischen Staates eine Expedition nach Ostafrika ausführte, bestätigte diese Angaben. Die zur Anlockung von Insekten konstruierte Abressche Lampe, Die bei der Bekämpfung der Stechfliegen, die die Schlafkrankheit und die gefährliche Tsetsefliege der Zugtiere auf die Menschen über­tragen, habe sich nicht bewährt; es wurden zwar alle möglichen Insekten angelockt, nicht aber die Stechfliege. Prof. Dr. Ziemann (Berlin) berichtete, hierauf über die Arbeiten zur Schlafkrankheits­bekämpfung in Kamerun, wo die starke tropische Vegetation die Vertreibung der sich hauptsächlich im Buschwerk aufhaltenden Stech­fliegen sehr schwierig mache. Man habe daher nach neuen Mitteln suchen müssen. Die Ammunisierungsversuche, über die Braun, Teichmann und Prosessor Schilling (Berlin) berichteten, erregten daher großes Interesse. Dr. Olpp (Tübingen) gab dann eine Uebersicht über die missionsärztliche Tätigkeit in deutschen und fremden Kolonien. Stabsarzt Dr. Rodenwaldt (Togo) empfahl/ für die Kranken in den Tropen das Milchnährpräparat Voghurt. Professor Fülleborn (Hamburg) und Dr. Leber (Berlin) sprachen über die Filarienwürmer, die vermeintlichen Erreger der Elephan­tiasis. Mit einer Schlußfeier fand die interessante Tagung ihren Abschluß.___________________________________________________________

Ans Stadt und Land.

Gießen, 10. April 1912.

Landesuniversität. Auf eine 25jährige Tätigkeit alS UnioersitätSprofessor kann am 12. April der Direktor der Augenklinik, Geh. Medizinalrat Dr. med. Adolf VossiuS hier, zurückblicken. Prof. VossiuS, geboren am 10. Februar 1855 zu Zempelburg in Westpreußen, begann seine akademische Laufbahn im Jahre 1882 als Privatdozent für Augenheilkunde in Königsberg, wo er gleichzeitig eine Assistentenstelle an der Augenklinik bekleidete. Am 12. April 1887 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Profesior an.der Königs­berger Hochschule. Ostern 1890 siedelte VossiuS afs Ordinarius und Direktor der Augenklinik nach Gießen als Nachfolger A. v. Hippels über. Sern »Lehrbuch der Augenheilkunde* erschien in mehreren Auflagen.

** Jubiläum des Gießener Kaiser-Wilhelm-, Regiments. Man schreibt uns: Am 2. ßfterfeiertag fanden für die Amtsgerichtsbezirke Alsfeld, Homberg, Lauter­bach und Schlitz Versammlungen ehemaliger 116er statt, die von über 250 alten Kameraden besucht waren. Für alle vier Bezirke wurden lose Vereinigungen gegründet. Denen sämtliche Erschienenen sofort als Mitglieder beitraten. Als Vorsitzende wurden gewählt: Kreissttaßenmeifter Rudloff in Alsfeld, Theodor L ö ch e l in H o m b e r g a. O., Gerbermeister Fritz Jakob in Lauterbach und Heinrich Best in Schlitz, an die An­meldungen zu richten sind. In allen Orten dieser Bezirke sollen Obmänner ernannt werden, die den Verkehr mit dem Festausschuß vermitteln sollen. Es herrscht aller Orten eine große Begeisterung für das Jubiläum, das Tausende ehemaliger Angehöriger des hiesigen Regiments nach Gießen bringen wird. Auch in den be-' nachbarten preußischen Gebietsteilen regen sich die alten Kameraden, und .suchen Anschluß an die bestehenden Vereinigungen. Dem-^ nächst sollen solche lose Bereinigungen auch noch für die Amts- gerichtsbezirke Herbstein, Ortenberg und Büdingen ins Leben gc»' rufen werden, so daß dann die ganze Provinz Oberhessen einheitlich organisiert ist. Am 3. Osterfeiertag fand in Gießen eine Ver­sammlung statt. In dieser wurde auch für den Amtsgerichtsbezirk Giehen-Land eine lose Vereinigung gebildet, zu deren Vor­sitzenden Lehrer Da ab in Lollar gewählt wurde. An ihn mögen sich die Kameraden wenden, die bereit sind, das Amt eines Obmannes für ihren Ort zu übernehmen. »

In der Versammlung wurde mitgeteilt, daß wahrscheinlich, der Kaiser an der Jubelfeier teilnimmt. Das Re­gimentsjubiläum findet wahrscheinlich an dem ersten Samstag und Sonntag im Monat Juni 1913 statt. Das Fest findet auf demTrieb" statt. Hier werden eine Festhalte und eine Anzahl Bierhallen erridytet. Für den Samstag ist geplant eine Fest - Vorstellung im Stadttheater nachmittags und die Fahnen­weihe des Vereins ehemaliger 116 er in Gießen. Sonntag v mittag ist Feldfestgottesdienst auf dem Trieb, Parade - und ,k- esfen, nachmittags Volksbelustigung, Turnen der aktiven A. schäften des Regiments und bataillonsweise Feiern der ebemaiibcz!

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