Ausgabe 
10.2.1912 Erstes Blatt
 
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Obergarderobier Steuerwald und Riistmeister Feuser her.

Großherzogtum Hessen.

Erledigte Lehrcrstellen. Die mit eine», evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Genieindeschule zu Heegheim. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Büdingen steht das Präsentationsrecht zu; die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Ippes­heim. Mit der Stelle ist Organislcndiensl verbunden; eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Gau-Odernheim. 2)Ht der Stelle ist ein Teil des Lcganistendienstes verbunden; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrecstelle an der Gemeindeschule zu Ha ckenheim.

" Stadtthcater. Die Aufführung von Shakespeares Julius Cäsar* am kommenden Dienstag verspricht neben einer sorgfältig vorbereiteten Darstellung auch sehenswerte Bühnenbilder. Was an Dekorationen neu ist, wurde von Tekorationsmaler Schwedler und Theatermeister Harprecht angefertigt. Neue Kostüme und Waffen, soweit sie in der eigenen Werkstatt hergestellt werden konnten, rühren vom

Ans Stadt und Land.

Glegen, 10. Februar 1912.

TageSkalender. Etadttheater: Sonntag nack- mittag 3*/, Uhr:Polnische Wirtschau.* Abends Uhr:Tie Hochzeit von Talent."

Kinematograph: Täglich Vorstellung.

Biograph; Täglich Lor stell ung,

Personals krank sind, so wurden zur Ergänzung deS Personals einige Kräfte besonders für die Cäsar-Aufführungen verpflichtet.

** Kunstverei n. Tie Sammlung von Martin Brandenburg ist morgen, Sonntag, zum letztenmal hier ausgestellt. Bon Montag an bleibt die Ausstellung wegen vollständigen Wechsels der Gemälde fünf Tage geschloffen.

Ein zeitgemäßer Lichtbildtheater-Neubau soll nunmehr auch in Gießen entstehen. Das Theater, das mit allen Errungenschaften der Neuzeit auSgestattet werden wird, findet auf dem Höfischen Anwesen in der Bahnhof­straße, Ecke Schanzenstraße, seinen Platz und soll auch einen zwanglosen Wirtschaftsbetrieb führen. Tie Architekturarbeiten sind dem Gießener Architekten Hans Burg übertragen. Hinter dem Unternehmen steht eine Frankfurter Gesellschaft.

*' Die A n l a g e n m u s i k fällt morgen aus.

*Vom Karnevalzug-Ausschuß wird uns ge­schrieben: In dem Fastnacht Sonntag stattfindenden Fastnachts­zug soll auch ein Knaben-Trommlerkorps Verwendung finden. Tie Anzüge und Hüte werden den Knaben gestellt, die Trommeln sind selbst zu stellen. Eltern, die gesonnen sind, ihren Buben (nicht unter neun Jahren) diese Freude zu machen, mögen sich bei der Firma Heilbronner (Marktstraße) den Melde­bogen holen; das Trommeln wird den Knaben im Lause der kommenden Woche gelernt. (Im Schaufenster genannter Firma ist ein Trommelgardist ausgestellt.) Zu der Abteilung Gie­ßener Kläpperbu^be können sich alle Knaben einreihen, die einen sogenannten Schnitzelanzug sich machen lassen, der um weniges Geld (denn es handelt sich ja nur um rot-weiß-blau-gelbes Papier) herzustellen ist. Im Schaufenster der Firma Heilbronner ist ein so!ct)er Anzug ausgestellt, und den Eltern wird dort Auskunft über die Anfertigung gegeben. Die Kopfbedeckungen werden den Knaben bei der Zugaufstellung kostenlos übergeben. Jungens, die im Besitz eines Clownanzuges sind und Mund­harmonika spielen können, sollen jedenfalls im Zpge Ver­wendung finden. Zwecks gemeinsamer Erlernung nötiger Musik­stücke ist eine vorherige Anmeldung nötig, die Seltersweg 50 zu bewirken ist. Herr Musikmeister Lober hat bereits der Großen Gießener Karnevalgesellschast 1911 einen von ihm kom­ponierten Kathedermarsch gewidmet, der jedenfalls schon in der Montagssitzung gespielt roerben wird,

" Naturheilverein Gießen. Man schreibt uns: Arn Mittwoch, 14. Februar, abends, wird im Hotel Schütz Generaldirektor G. Horst-Sieber aus Leipzig über das ThemaMedizinaberglaube, Heilmittelunwesen, Impfung, Serumtherapie und Ehrlich Hata 606* sprechen. Herr Sieber ist ein außerordentlich schneidiger Redner, der die Welt und ihre Schwachen, aber auch ihre Schönheiten in reichem Maße kennen gelernt hat. Er hat lange Jahre in Amerika gelebt, auf vielen Reisen die Welt kennen gelernt und sich einen Standpunkt hoch über allem Aberglauben erworben. Sein Vortrag richtet sich gegen die Hochburg der herrschenden Schule und muß jedermann interessieren.

** 2 er Verein der Hausbesitzer hielt im Hotel Schütz am Mittwoch abend unter dem Vorsitz des FabrlkaiUen I n d e r l h a l seine Hauptversammlung, die von etwa 45 Mit­gliedern besucht war, ab. Ter von Kaufmann Ringel er- ftattete Jahresbericht für 1911 erwähnte die Gründung des hes- fischcn Unlerocrbandes, der seine Tätigkeit enlleitetc mit einer Eingabe an die hessiscl>e Kammer wegen Berücksichti­gung des Schuldenabzugs bei der neuen Gemeindesteuer, sich mit der Frage der Kanalgebühren und des Waiserzinses be- schäfligte, auch Stellung nahm zu der Abänderung des Gesetzes über die hessische Lanoesbrandversicherungsanslalt für Gebäude. Es wurde hiugewiesen auf den Plan einer Mietverlustversicherung und einer eignen Haushaftpilichtversicherung, der andauernd den Zentralverband beschäftigt, Fragen, denen der Verein wünscht, daß sie im neuen Jahre ihrer Verwirklichung ein Stück naher gebracht werden, und die er dadurch zu fördern suchte, daß er sich selbst mit einer Einlage von 1000 Mk. an der zu arundenden Versicherung (zunächst für Haftpflicht! beteiligte. Ter Verein besaß!e sich im abgelaufenen 5. Geschättchahr mit der Neuregelung des GaSpreises, dem städtischen Zuschlag zur Reichs- > zuwachsueuer, nut dieser selbst, mit Prüfung der Verträge über ' die Nähtischen Beleuchtungsrosetten, mit der behebenden Schwie- i rigfeit Wegen Beschaffung zweiter Hvvoiheken um?. Er schloß wegen I Troltoiireimgung einen Vertrag mit dem Wach-, Schließ- und 1 Trotwlrreuiigungsiiislitut ab, gestaltete ßen Wohnungsnachwcis

v. Heerrngen und Admiral v. Müller. Lord Hal- tbane hatte seinen Platz neben dem Kaiser. Er folgte abends einer Einladung zum Tiner beim Reichskanzler, wozu noct) geladen waren Professor Harnack, mehrere 'Generale und Staatssekretär v. Kid er len-W achter.

Paris, 9. Febr. Der Ag ence Havas wird aus ibesonderer Londoner Quelle bestätigt, daß der iBesuch Haldanes in Berlin durchaus vrivat sei.

i London, 9. FebrTailh Telegraph" ist vom englischen 'auswärtigen Amt zu folgender Erklärung ermächtigt:

LordHaldane ist in seinerEigcnschaft als Vori itzen- derderKöiiiglichenKommissionfürUniversitäts- bildung in London in Begleitung seines Bruders Tr. Hal- dan e nach Berlin gereist, um gewisse Erkundigung en über die wissenschaftliche Bildung an den deut - scheu Universitäten einzuziebcn. Ta er aber nut vielen führenden Leuten in Deutschland bekannt ist, wird er ohne Zweifel .allgemelneUnterhaltungen überdie volitischeLagc unb über die Beziehungen der beiden Länder haben.

Dailv Chronicle" schreibt hierzu: Wir sind sicher, datz Lord .Haldanes Aufenthalt einen Schritt weiter zur Ver ständigung bildet. Wenn es auch zu früh sein wird, ernstlich von einer EnteMe "zu sprechen. t

Berlin, 10. Febr. (Trahtb.). Wie dasBerliner Tageblatt" hört, fand gestern nachmittag eine neue Kon­ferenz zwischen dem englischen Kriegsminister Lord H a l- dane mit dem Dirigenten der politischen Abtei­lung des Auswärtigen Amtes, v. Stumm, bei diesem statt.

DemBerliner Lokalanzeiger" wird aus Rotterdam gedrahtet: DerNieuwe Rotterdamsche Current" erfährt aus erster Quelle, daß die Verhandlungen, die in ,Berlin im Gange sind, internationaler Art seien, und daß außer England auch Nordamerika dabei interessiert sei.

Mehrere Pariser Abendblätter veröffentlichen !Londoner Depeschen, in denen nachdrücklich versichert wird, -daß Botschafter Jules Cambon in Berlin von dem eng­lischen Kriegsminister Lord Haldane über dessen Konver­sationen mit den leitenden politischen Persönlichkeiten aus­reichend unterrichtet werde, so daß für Frankreich kein .Anlaß zu Mißtrauen gegeben sei.

Eine Rede des englischen Kriegsministers.

Glasgow, 9. Febr. Der erste Lord der Admirali­tät Churchill hielt bei dem Frühstück anläßlich der Besichti­gung des Clyde Shipbiulding Parbs eine Rede, in der er aus­führte:

Die britische Flotte ist nicht nur stark, sie ist auch .ausgezeichnet vorbereitet, jedem plötzlichen Rufe sofort Folge zu leisten. Wir hoffen, daß die Schaffung des Generalstabs der

macht und der Seemacht des großen befreundeten Deutschen Rei- -ches und ich vertraue darauf, daß es lange ein großes befreun­detes Deutschland bleiben möge (Beifall) besteht indessen der Unterschied, daß für uns die Flotte eine diotwendigkeit, während sie von manchen Gesichtspunkten aus für die Deut­schen mehr eine Ar t Luxus ist. Tie Macht zur See schließt die Existenz Großbritanniens ein. Wir können weder den Frieden eines einzigen Dörfchens auf dem Festlande bedrohen, noch Wünschten wir das. (Beifall.) Wie groß und überlegen unsere Flotte auch werden möge, auf der anderen Seite würden aber alle Güter unserer Rasse und unseres Landes, der ganze Reichtum, der durch Jahrhunderte lange Arbeit und Opfer aus- ,gehäuft wurde, untergehen und hinweggefegt werden, wenn unsere Ueberlegenheit zur See gefährdet würde. Was für England er­forderlich sei, sei ein schnelles Bauen nach einem regelmäßigen >Plan. Aber für ein sensationelles plötzliches Abweichen von iden bestehenden Methoden sei kein Bedürfnis. Churchill schloß mit den Worten: Wir würden die erste Macht sein, die eine Verzögerung oder ein Nachlassen der Rivalitäten zur See willkommen hieße und würden ein solches Nachlassen nicht mit Worten, sondern mit Taten begrüßen. 'Bestall.f Falls aber Verstärkungen auf dem Kontinent statt- sinden sollten, werden wir keine Schwierigkeiten haben, ihnen zu begegnen. Wenn der Wettstreit zur See schärfer wirb, wer­den wir nicht die Zahl unserer Schiffe vermehren unb bic Bauten, 'sondern auch bas Verhältnis änbern, in welchem unsere Flotte zu denen anderer großer Seemächte stehl, so daß unsere pro- zentualeUeberlegenheitgrötzerundnichtkleiner mit dem Anwachsen der Spannung wird.

Volks Vorstellung des Mädchen Vereins: öoimtag nachmittag */,4 Uhr in Steins Garten.

Museum für Völkerkunde. Geöffnet an vsonntagen von 111 Uhr und von 46 Uhr.

Gemäloeaus st ellungdesKun st Vereins im Turm­haus am Brand. Geöffnet täglich, mit Ausnahnw von Samstag, von 111 Uhr, Sonn und Feiertags von 113 Uhr, außerdem Mittwochs von 35 Uhr.

Museum des Oderhess. GeschichtsoereinS Sonn­tag, 11. Febr., geschlossen. «

** Landesuniversität. Auf eine 25jährige Tätigkeit als akademischer Lehrer kann am Mon­tag der Geheime Justizrat Prof. Tr. Arthur Benno Schmidt zurückblicken. Er ist seit 1897 Mitglied der Ersten Kammer der Stände des Großherzogtums Hessen als Vertreter der Landesuniversität. Sein Lehrfach um­faßt Geschichte des deutschen Rechts, bürgerliches Recht, Wechselrecht und Kirchenrccht. Geheimrat Schmidt ist ein geborener Leipziger (1861). Am 1. Februar 1887 habili­tierte er sich in der Leipziger Juristenfakultät und wurde im Herbst 1889 als Ordinarius für deutsches Recht und Kirchenrecht nach Gießen berufen als Nachfolger von Prof. Heinrich Otto Lehmann. 1900 1901 bekleidete Schmidt das Rektoramt der G'/ßener Hochschule. Einen Ruf nach Kö­nigsberg i. Pr. (1904) hat er abgelehnt. Ter Gelehrte ist Mitglied des Großherzogl. Verwaltungsgerichtshofes und Staatliches Mitglied der Historischen Kommission für das

l n ...c; aus, aociik i. xe r.-r, u..-

Ternsche Ha.: efirer rung", nakm b.e Neuderauegabe d.--

. Mietvertrags mit einem Reklameteil für die @efd

sie Mitglieder finbf in Aussicht und führte die Auskunft über lablungsunfabiae und bergt Mieter ein. Er ließ ।einen Mit- , gliedern die Gelegenheit verschaffen. die Einrichtungen der neuen . Heil- unb Pflegeanstalt »u besichtigen und Beispiele soliden, mutter- gültigen Bauens kennen zu lernen. Ter Verein mhlt jetzt c Mitglieder. Tie durch Weißbindermeister Ehr Schmidt II. erfolgte Rechnungsablage ergab, daß der Verein infolge unbe­zahlter, ehrenamtlicher Tätigkeit der Beteiligten bisher trotz des niedrigen Jabresbeitraas von 2 Mk. gut gewirt,chattet bat. Bei der Vorstandswahl wurde das ausscheidende Trittei .Architekt Hamann. Fabrikant Horst, Weißbindermeiner Launsoach. Rechts­anwalt Raab) durch Zuruf auf weitere drei Jahre wiedcrgewälm. Alsdann sprach Rechtsanwalt Raab über5trauen» und Trottoirkostenbeiträge" Er hattH 'ich einecdmltflti besorgt und erläuterte an der Hand von Skizzen jüber e trafen; unb 'Straßenteile und von Durchschnitten durch Straßenkörper, sowie an Fällen aus der Praxis und an einer Reihe von Bei spielen die einschlägigen Bestimmungen, die bei eingehendem Stu bium des Materials, wie er zeigte, technisch und rechtlich weit schwieriger seien, als es auf den ersten Blick scheine. Im An­schluß hieran kamen noch zu ausführlicher Erörterung die schon im Jahresbericht gestreiften Gebiete: Srottoirreimgung, Woh­nungsnachweis, Mietvertrag, Schutz gegen 'Schädigungen durch Mieter, sowie die im Mai in Berlin stattfindenden Tagungen (internationaler Lausbesitzerkongreß, deutscher Zentralverbands- taa, sowie die gleichzeitig hiermit geplaMe Ausflellung ..Haus- unb Wohnungsbau", Ausstellung von Bedarfsartikeln für den städtischen HausbesitzL lieber bic reiche Tagesorbnung des Abends entspann sich zu einzelnen Punften ein lebhafter Meinungs- austausch und nach den mehrstündigen Verhandlungen konnte der Vorsitzende I n d e r t h a 1 die Versammlung mit dem Hinweis schließen, daß man eine sehr anregend verlaufene Zusammenkun't gehabt habe, und er entließ bic Erschienenen mit ta: Aufforderung, es solle jeder in seinem Kreis für die Sache wirken und weitere Mitgleider werben. _

Unfug. Heute nacht wurden am Wiesecker Weg und in der Marburger Straße eine Anzahl Gartenspaliere beschädigt, indem die Latten abgeriffen und ganze Spalier, teile quer aus die Straße gelegt wurden. Eine Schutzmanns­patrouille faßte die Täter, junge Leute von feier, ab, so daß die Angelegenheit ein gerichtliches Nachspiel haben wird.

Landkreis Gießen.

Klein-Linden, 9. Febr. Eine eigene Pfarr- fielle gedenkt die Gemeinde zu errichten, die bisher Filial- darf von Großen-Linden war. Unser Cd hat rund 2000 Seelen.

= Gründ er g, 9. Febr. Zum ersten Male wird an unserer vorige Ostern ausgcbautenHöheren Bürger- schule" die Abschlußprüsung abgehalten, durch deren Bestehen der Berechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Militärdienst erlangt wird. .Acht Unter-Sekundaner wer­den sich ihr unterziehen. Die schriftlichen Arbeiten nehmen Dienstag, 13. ds. Mts., ihren Anfang, während die münd­liche Prüfung am 2. März stattfindet.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, 9. Febr. Tem Vernehmen nach hat die am 26. Januar d. Js. dahier oerftorbene Witwe Julie Calmberg, geb. Fink, der Stadt Lauterbach testameMarisch 5 0 000 Mk. zu wohltätigen Zwecken vermacht. Hutfabrikant Feick feier wird im Laufe dieses Jahres ein neues Fabrikgebäude mit Tampfkesselanlage auf dem Gelände hinter dem Kalkofen südlich ch-s Friedhofs xrrichten. Das Ersatzgeschäft im Kreise Lauterbach beginnt in diesem Jahre außergewöhnlich früh. Cs nimmt am Donnerstag, den 29. Februar, in Grebenhain seinen Anfang. Unter dem Vorsitz des Kreisamtmatms Her­berg wurde in der heutigen öffentlichen Kreis ausschuß- s i tz u n g über einen Einspruch gegen den Voranschlag der Stadt Lauterbach für 1912 verhandelt. Ter Blechfabrik­arbeiter Karl Stövler hatte gegen den Voranschlag während der Lsfenlegungssrist Einspruch erhoben und diesen damit begründet/ für Haltung eines Ziegenhirten 500 Mk. und für Wiederherstellung der Stablschäserei eilten Zuschuß von 200 Mk. einzustellen. Außer­dem sollten für Herstellung ber Feldwege 1000 Mk. eingestellt und die für Pflasterung der Mischeck vorgesehenen 1000 sDZf. gestrichen werben. Ter Reklamant übergab bem Vorsitzenden eine mit etwa 80 Namen unterzeichnete Eingabe, die an ber Haltung eines Ziegeichirten und der Wiederherstellung ber Stadt­schäferei interessiert seien. Bürgermeister Stöpler bestritt die Berechtigung des Reklamanten zur Reklamation, weil dieser webet an dem einen noch dem andern Punkte persönlich interessiert sei, ber Einspruch fei deshalb unzulässig. Tas Urteil lautete: Tie Einwendungen des Karl Stövler gegen den Voranschlag ber Stabt Lauterbach werben zurückgewiesen unter Verurteilung bes Rekla­manten in die Kosten des Verfahrens und zur Leistung eines Aversionalbetrags von 10 Mk. in die Kreiskasse. Eine weitere Verhandlung über die Reklamation der Freiherrlich Riebeselschen Rentkammcr gegen den Voranschlag ber Gemeinde Angersbaä> wegen Heranziehung ber Bewohner bes Hofes Saasen zu den S ch u l k o ft e n wurde ebenfalls kostenpflichtig zurückgewiesen. Ter Einspruch des Heinrich Reibeling II. unb Eduard Krömmel- bein in Wallenrod gegen die Errichtung eines Schlacht­hauses leitend des Metzgers Karl Döll daselbst, wurde unter Verurteilung bet Reklamanten in die Kosten des Verfahrens und Zahlung eines Aversionalbetrags von 10 Mk. in die Kreiskassc verworfen unb bem Karl Töll bie Errichtung einer Schlächtere unter den vorgelegten Plänen gestattet.

Kreis Schotten.

---- Ober-Schmitten, 9. Febr. Der Männer- Ges a n g o e r e i n hat in seiner letzten Hauptversammlung reschloffen, in diesem Jahre das Fest seines fünfjährigen Bestehens mit Fahnenweihe zu verbinden. Dazu sollen etwa 50 Vereine eingeladen werden. Da eine Feier in größerem Umfange geplant ist, sind die Vorbereitungen dazu chon im Gange.

Der banigeschüstliche verkehr Eietzenr im gahre i9p.

Entgegen allen Voraussagungen erster ginanzmänner /ist auch das Jahr 1911 für die Bankgeschäfte als günstig zu bezeichnen.

Der Scheckverkehr ist allerdings durch die Schecksteuer einerseits und den sich immer mehr verbreitenden Postscheck- perkehr andererseits erheblich zurückgegangen; es scheint, daß die lästige, dem Staate nicht sehr nützliche Steuer, dem Vorteilhaften Scheckverkehr noch großen Schaden zufügen wirb. Das Wechselgefchäft ging etwas über das Niveau des Vorjahres hinaus; allerdings machte sich eine starke ^Verringerung an kleinen Warenwechseln bemerkbar ein Zeichen des sich vergrößernden Barverkehrs. Warenwechsel voni Ausland sind jedoch dieses Jahr in größerer Anzahl vvrgekommen (bedungen durch den stärteren Verbrauch Gießens besonders an Fischen und Konserven). Kredit­briefe und Reiseschecks waren, der langen Reifezeit wegen, sehr begehrt.

Ein Rückgang ist im Verkauf von Wertpapieren in der Umgegend zu verzeichnen, vmr welcher Seite aus auch nur weniges Geld hereinkam. Dagegen ist naturgemäß die Nach­frage nach Hypotheken und Tarlehen vom Lande aus be­sonders stark gewesen.

Eine hohe Umsatzzifscr erreichte der Spekulationsver- kehr, bei dem meist größere Gewinne zu verzeichtten sind; unverkentibar wird jedoch das Interesse an heimtschen SpekulationSwerten immer großer. Die in der Umgebung Gteßens liegenden Bergwerke, an denen teilweise Gießener Banken beteiligt sind, arbeiteten durchweg gut, so daß auch hier ein Gelvinn zu verzeichnen ist; jedoch hat das In­teresse des Kapitalismus an diesen Werten abgenommen.

Neu-Emissionen von Anleihen seilens Gießener In- dustriekreisen waren nüfet zu verzeichnen, trotzdem die hie­sige Industrie gut beschäftigt ist.

An fallierten Häusern des In- und ^luSlandes waren die hiesigen Banken nur schwacv beteiligt.

Es ist somit im Jahre 1911 im Bankverkehr ein größerer Fortschritt zu verzeichnen, der so viel sich vorausseheli.ßt im neuen Jahre noch fraglich ist.

Kreis Friedberg.

L. F r i e d b e r g, 9.' Febr. Die P l a tz f r a g e für unser neues Postgebäude ist nun gelöst. Cs kommt in die neue Wilhelmsrraße zu stehen. Dre erste Rate für bk Erwerbung des Platzes ist in den neuen Reichshaushalt.' Voranschlag eingestellt.

X Bad-Nauheim, 9. Febr. Ein größeres industrielles Unternehmen, das eine gute Zukunft har, ist von dem hieffgir Zahnarzt Tr. Hoddcs im Herbst ins Leben gerufen worben, eine Zahnfabrik. Sic heißt ,.Germania^ unb hat sich fest brr Gründung schon so vergrößert, daß bereits über 3U Personen barm Beschäftigung finben. Tas Unternehmen soll noch weitet ver­größert werden.

X Steinfurth, 9. Febr Tas Projekt eines Schulhau-5- Neubaues geht feiner Verwirklichung entgegen. Der le&ien Gc- meinberatsfiyung wohnten Jtrmrat Schliephakc, Schulrat Suß und Baurat Gombel bei, bie sich für einen nertlanigcn Ncubrrn aussprachen. Ter Lrtsvorsmnd null sich aoer unter Weiurbeimtzui'i des seitherigen Schulhauses nur für einen ein Balligen Nem.iu entschließen.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offen bad;, 9. Febr. Tie elektrische Bahn- oerbinbung OffenbachDeilingen scheint vor de: Verwirklichung zu stehen. Ju einer in Offenbach tagende Versammlung erläuterte Oberingenieur Becker die drei Pro­jekte unter besonderer Hervorhebung ber finanziellen Seist, owie ber '.Rentabilität. Danach würde bic Strecke Alzenau-

Marine eine Wiederholung der vor turzem allgemein verbreite­

ten Gerüchte unmöglich machen, baß bic Flotte nicht kriegsbereit ^yuuuv^uict vi«i«.vuiv m.u 0*>

sei. Die britische Seemacht dient im wesentlichen Verteidigungs- kme Anzahl weiterer Requisiten wurde von ber bekannten zwecken. W i r hegen keine aggressiven A b s i ch t e n s Theater-AiiSflattlingsfirma Hugo Baruch L Co. in Berlin und hegten sie nie. Wir sahen solche Gedanken auch nicht bezogen. Ta zurzeit verschiedene Mitglieder des Herren« bet anderen Großmächten voraus. Zwischen der engliichen See- 0 - -