Ausgabe 
8.11.1912 Drittes Blatt
 
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Hr. 264

Drittes Blatt

162. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag».

DieGießener Zamiliendlätter" werden dem ^Anzeiger* viernral wöchentlich beigelegt, da» Krcisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Siehener Anzeiger

General-Anzeiger für Cberheffen

Zreitag, 8. November 19^2

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitälS Buch- unb Eieuldruckerei.

R. Lange, (Sieben.

Redaktion, Grpebition und Druckerei: Schul« strabe 7. Expedition imb Verlag: bl.

Rcbaktion:e--^112. Tel.-Adr.: AnzeigerEießen.

Ans heften.

Eine Konferenz im Ministerium.

Darmstadt, 7. Nov. Auf Einladung des Mini­steriums fand heute mittag in der Zentralstelle für die Gewerbe eine Konferenz statt, an der die Minister, die Ministerialräte, Polizeidirektoren und die sämtlichen Kreisräte des Landes teilnahmen. Die Besprechungen gal­ten der Neuorganisation der Bauverwaltung, der Aus­gestaltung des Bauarbeiterschutzes und der Jugendfürsorge. Die Konferenz wird morgen fortgesetzt mit einer Be­sprechung der Reichsversicherungsordnung.

Zur Vereinfachung des hessichen Staatshaushalts haben die Abga. Bähr u. Gen. folgenden Antrag bei der Kammer eingebracht:

Wir beantragen, die Kammer wolle beschließen, Großh. Re­gierung zu ersuchen: 1. bei ihren Vorschlägen, betr. Vereinfachung der Staatsverwaltung, die Angliederung des Staats- ministeriumsanbasMinisteriumdesJnnernvor- ; u s e h e n, 2. Beamtenstellen im Staatsministerium, die vorher zur Erledigung kommen, nicht meln zu besetzen."

Mit dein Antrag soll zunächst bezweckt werden, das oemnächst beim Rücktritt des Herrn Geh. Staatsrat Krug v. Nidda zur Erledigung kommende Amt nicht mehr zu besetzen und die abgesonderte Einrichtung des Staats­ministeriums überhaupt zu beseitigen, ivodurch zahlreiche Beamte in Wegfall kommen und erhebliche Ersparnisse er­zielt werden sollen.

San Giuliano in Berlin.

Staatssekretär v. K i d e r lc n - W ä ch t e r besuchte am Donnerstag nachmittag Marquis Sau Giuliano auf der italienischen Botschaft. Tie Staatsmänner hatten eine Unterredung, die länger als eine Stunde wahrte.

Die italienische Kolonie veranstaltete zu Ehren San Giulianos im reichgeschmückten Festsaal des Wein- hauses Rheingold ein Bankett, wozu 155 Gedecke aufgelegt waren. Ter Botschafter Pansa und sämtliche Mitglieder der italienischen Botschaft waren erschienen. Unter den Amvesenden befanden sich der italienische Konsul, der Präsident der italienischen Handelskammer und der Präsident der Socieka Mutuo Succurso.

Ein Dankschreiben des Königs von Italien.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" gibt bekannt: In einem eigenhändigen Handschreiben des Königs von Italien, das dem Kaiser von Marquis di San Giuliairo bei der Audienz im Neuen Palais überreicht wurde, ist f ü r den während des Tripoliskrieaes den Ita­lienern gewährten deutschen Schutz warm ge­dankt. Ter Kaiser dankte noch am selben Abend mit einem sehr herzlichen Telegramm.

Deutsches Reich.

Der Bundesrat stimmte der Vorlage betreffend den Abschluß des Ab­kommens mit den Niederlanden über die zeitweilige zollfreie Zulassung von von Handlungsreisenden mit­geführten Mustern zu. Zur Annahme gelangten der Antrag auf Errichtung einer Abrechnungsstelle im E ch e ck v c r ke h r bei der Reichsbank in Magdeburg, der Antrag betreffend die Einführung jährlicher Viehzählungen in Deutschland, die Vorlage betreffend die Grundsätze für Beistandleistung in Fürsorge (Zwangs- Erziehungs-Angele­genheiten und für die Erstattung der entstehenden Kosten, die Vorlage betreffend die Feststellung des Börsenpreises von Wertpapieren, der Entwurf einer Verordnung über die Beaufsichtigung bayerischer Vcrsicherungsunlern.hmun- gen, die Vorlagen betreffend die Aenderung der Militär­tarife für Eisenbahnen und die Aenderung einiger Bestim­mungen der Eisenbahnbau-Betriebsordnung.

Die Dienst- und Ruhezeiten der Betriebs- beamten der deutschen Eisenbahnen

sollen demnächst einheitlich geregelt werden aus Grund der Vorschläge, die zu Beginn dieses "Jahres von den Vertretern der Bundesstaaten dem Reichseisenbahnamt unterbreitet worden waren. Die Prüfung dieser Vorschläge hat ergeben, daß eine einheitliche Regelung für sämtliche deutsche Eisen­bahnen inbezug auf die Dauer der Dienstschichten und hin­sichtlich der Ruhezeit möglich und wünschenswert sei.

Hansa-Bund und Entwurf des neuen P o st - scheckgesetzes.

Der Entwurf des neuen Postscheckgesetzes ist heute dem Reichstag zugegangen. Er enthält in der Hauptsache fol­gende Veränderungen gegenüber der alten Postscheckord­nung :

Tic Gcbührenfrage ist in § 5 dahin geregelt, daß für jede Einzahlung mittels Zählkarte eine vom Einzahler zu er­hebende Gebühr von 10 Psg., für jede Auszahlung eine vom Auftraggeber zu entrichtende Gebühr von 5 Psg. mir einer Steige­rungsgebühr von Vio pro Mille des auszuzahlenden Betrages verlangt wirb. Für die Ucberroeifung von einem Postscheckkonto auf ein anderes sollen 3 Psg. vom Auftraggeber gezahlt werden. Wichtig ist, das; die Gebühren mit Zustimmung des Bundesrats durch den Reichskanzler herabgesetzt werben können. Als ein Ent­gegenkommen gegenüber den Forderungen von Industrie, Handel und Gewerbe darf wohl davon Kenntnis genommen werden, daß die frühere Steigerungsgebühr bei mehr als 600 Buchungen von 7 Psg. für jede Buchung in Wegfall kommen soll. Ferner ist wichtig, daß die «tammenckage, welche früher 100 Mk. be­trug, auf 50 Mk. ermäßigt wird. Bemerkt sei noch, daß die Gut­haben nicht verzinst werden, und daß im Gesetzentwurf dem Reichskanzler eine weitgehende Anordnungsbefugnis im Jnier esse der Erleichterungen des Verkehrs eingeräumt werben soll

Es kann nur festgestellt werden, daß der Geist des Entwurfs in wichtigen Punkten deu Wünschen von In­dustrie, Handel und Mittelstand Rechnung trägt, wenn auch u. a., besonders bezüglich der Fragen der Verzinsung der Guthaben, der Ueberweisungsgebühr von 3 Psg., über wei­tergehende Wünsche des Gewerbestandes noch zu reden sein loird.

Ausland.

Tcr Hecresausschuß der österreichischen Delegation

hat das Heeresbudget angenommen. Im Laufe bejr Aussprache gab der Marinekornmandant Aufklärung über den Stand der S ch i f s s n e u b a u t e n und führte aus, das SchlachtschiffPrinz Eugen", das dritte der großen Schlachtscknffe, werde am 30. No­vember vom Stapel laufen. Ter vierte Treadnought joll im Juli nächsten Jahres vorn Stapel gelassen werden. Das Schlackt chiifViribus unitis" ist seit vier Wochen in Tienst gestellt. Steigende Zahl der Geburten in Frankreich?

Nach dem Ausiveis des französischeit Ministeriums der sozialen Fürsorge beträgt die Zahl der Geburten im ersten Halbjahr 1912 387 807 gegen 385 999 in der gleichen Periode des Jahres 1911, doch übersteigt die Zahl der Geburten diesmal die der Todesfälle um 14172.

Ein russisch-mongolisches Abkommen.

Am 3. November wurde ein russisch-mongolisches Abkommen abgeschlossen. Tarin sagt, nach einer Petersburger Meldung, Rußland der Mongolei seine Unterstützung bei der Aufredttorhal hing des autonomen Regimes, das sie errichtet, zu, sowie im Recht auf ein nationales Heer, und in dem Bestreben, chinesische Truppen und chinesische Ansiedler von ihrem Territorium fern- zuhalten. Ter Souverän der Mongolei und die mougolifd)e Regierung belassen, wie bisher, den russische Untertanen und dem russischen Handel die Besitzungen, Rechte und Privilegien, die das Protokoll aufzählt. Dabei versteht es sich, daß die Unter­tanen anderer Nationen in der Mona ckei nicht mehr Neckte als die rufiifd en genießen dürfen. Wenn eS die m-ongolqd)C Regierung für notwendig bennbet, einen Separatvertrag mit Ehina oder einer anderen fremden Mackch zu schließen, so darf sich der neue Vertrag in keinem Falle gegen die Bestimmungen des gegenwärtigen Abkommens richten und das dein Vertrag beigefügte Protokoll ohne die Zustimmung Rußlands nicht abändern. Tas gegenwärtige freunbfdwtlid . Uebereinkommen tritt mit dem Tage der Unter­zeichnung in Kraft.

. Die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten.

Nach den letzten Wahlergebnissen hat Wilson nud) in Illi­nois gesiegt, somit in 40 von 48 Staaten mit 442 Elekto- rat ft im men. Tast erhielt 12 Stimmen. Auf Roose­velt entfielen 77 Stimmen. An Bolksstim m c n erhielt Wilson 6192000, Roosevelt ungefähr 4194000, Taft 3 537 000 Stimmen. Die sozialdemokratischen Stimmen haben erheblich Angenommen. Das sozialistische Mitglied des Kongresses, Berger, ist geschlagen, doch sind drei Sozialdemokraten in die Legislatur von Illinois gewählt. Die voraussichtliche Zusammen­setzung des Unterhauses wird sein: 287 Demokraten, 122 Republikaner, 16 Progressisten, die des S e n a t s: 52 Demokraten, 35 Republikaner und 6 Progressisten.

yccr und Flotte.

Neue Unterseeboote.

Berlin, 8. Nov. Im neuen Marinehanshalt sind nach authentisd;en Mitteilungen 18 Millionen Mark zur wei­teren Ausgestaltung der Unterseebootsslottille eingestellt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 8. November 1912.

* Zur Fleischte ne rung. Das hessische Ministerium des Innern hält c§ für erforderlich, daß die von den kommu­nalen Verwaltungen und industriellen Unternehmungen zur Linderung der Fleischteuerung getroffenen Maßnahmen hin­sichtlich ihrer Durchführung und besonders nach ihrer Wirkung auf die Preisgestaltung eingehend und fortlaufend verfolgt werben. Ties gilt namentlich für die Einfuhr aus­ländischen Viehs und Fleischs und für die von ihr im Zu­sammenhang mit der Zollrückerstattung und der Eisenbahn­tarifermäßigung erhofften Wirkung auf die Senkung der Preise an den hauptsächlichsten Marktorten. Tie in Betracht kommenden Städte, Gemeinden und industriellen Unter­nehmungen sind durch die Kreisämter zu veranlassen, daß sie den gegenwärtigen Stand alsbald, danach aber etwa alle zioei Monate das Ministerium durch Vermittelung der Kreis- ämter Richtungen mit entsprechender Nachricht versehen.

Geri chtS personalien. Der Großherzog hat den Gerichtsassessor Tr. Franz Bittet aus Mainz zuin Cbcr* landeSgerichtssekretär bei dem OberlandeSgericht in Darmstadt ernannt.

Liebig-Museum. Geh. Kommerzienrat Heide­mann in Slöln stiftete in hochherziger Weise dem Fonds zur Erhaltung des Liebiglaboratoriums die Summe von 10 00 M ark. Dem Spender sei an dieser Stelle nochmals der Tank deS Arbeitß-AusschusseS bargebracht.

** Ausschuß der Gießener Studenten­schaft. Am Donnerstag nachmittag 4 Uhr fanden die F a k u l t ä t s v e r t r e t e r lv a h l e n für den Ausschuß statt Für die medizinische Fakultät muß die Wahl nochmals stattfinden, da der gewählte Vertreter die Wahl abgelehnt hat. Um 41/2 Uhr fand bereits die erste Ausschuß sitzung dieses Semesters statt. Mit Einmütigkeit wurde der Antrag des Vertreters der theologischen Fakultät, der Aussck) wolle die Stud. Ar beit er-Unt erricht s- kurse übernehmen, angenommen und eine Kommission mit der sofortigen Inangriffnahme der Vorbereitung ufw. beauftragt.

" Freie Studentenschaft. Am Mittwoch abend fand die erste Allgemeine Nichtinkorporierten-Versammlung für das Wintersemester statt. Die 6. Ausgabe des Gießener 5tu b. Taschenbuchs, zu ber ber Rektor ber Universität, Prof. D. Eck, unb ber Vorsitzende des akad. Ausschußes für Leibesübungen, Prof. Dr. Mittermaier, sehr beachtcns- verte Beiträge geliefert haben (.Wissenschaft und Religion*, Dutten und Luther*, §. 2225, .Der akad. Ausschuß für Leibesübungen*, S. 2629), kommt zurzeit an die Dozenten tnb Studierenden der Universität zur Verteilung.

** Stadttheater. Durch die Liebenswürdigkeit der Kasseler Intendanz, die die Heldenmutter des Hoftheaters für den 10. November freiließ, ist, wie schon erwähnt, das Gastspiel von Frl. Auguste Scholz für dieIsabella" inBraut von M e s s i n a" ermöglicht worden. Frl. Auguste Scholz ist eine akkreditierte Vertreterin ihres Faches. Auch durch Verstärkung der Chöre aus Kreisen der Stu­

dierenden dürfte die Vorstellung, die von Oberregisseur TworkolvSky inszeniert wird, besonderes Interesse gcwmncu.

* Der Turnverein veranstaltet am nächnen Sams­tag sein Winterfest, zu dem eine größere Anzahl Dar­bietungen vorgesehen sind. Neben einigen sorgfältig vor­bereiteten turnerischen Aufführungen werden zwei Theater­stücke, GefangSvorträge des SängcrchorS und eines ge­mischten EhorS usw. die Besncher unterhalten. Nach Ab­wickelung des Unterhaltungsprogramms beginnt der Ball.

** Gin neuer herein. Um einem Bedürfnis abzuhelscn, ist hier vor einigen Tagen ein Sanbftu rm 0 er ci n gegründet worden, lieber die denkwürdige Gründung wird uns gcfchrieben: Die in die Restauration zum Schiefen Balken, Schloßgassc, einbcruienc Versammlung hatte sich eines außerordentlichen Be suches zu erfreuen. Nadi einleitenden Worten der Ginbcrufer wurde der Verein in einer Stärke von 20 Mann gegründet, ein Bcnxns, daß für eine solche Vereinigung in Gießen Interesse besteht. Neue Mitglieder stets willkommen. Die nächste Versammlung wirb in diefem Blatt bekannt gemadit." lieber bcn eigentlichen Zweck des Vereins enthält die Zuschrift nichts, was cigcntlid) recht schade ist.

Landkreis Gießen.

n. Groß en-Lin den, 7. Nov. Von hier ist der seltene Fall zu melden, daß in drei Monaten sich kein Sterbefall ereignete.

Kreis Büdingen.

= Büdingen, 6. Nov. Im Beisein von Lehrern und Freunden der Anstalt wurde der diesjährige Kursus der hiesigen landw. Win ter sch ule durck) den Vor­sitzenden des Anftick)tsrats, Kreisrat Boeckmann, er­öffnet. Tie Schule, die ihre Zöglinge in zwei Klaffen unterrichtete, ist feit zwei Jahren im ehemaligen Vvlks- schulgebäude am Marktplatze untergebracht. Sie zählt ge genwärtig 26 Schüler, von denen 14 der Ober-, 12 der Unter klaffe angehören. Tie meisten von ihnen stammen aus dem Kreise Büdingen, nur einer ist aus dem Kreise Schotten, einer aus dem preußischen Kreise Hanau gebürtig.

! Merkensritz, 7. Nov. Hur entgleiste heute mittag ein Güt erzug. Drei Wogen stürzten nm und das Geleise wurde schwer beschädigt Der hier 1250 mittags abgehende Personenzng konnte infolgedessen die Strecke nicht passieren und kehrte wieder um V22 Uhr hierher zurück. Da die Strecke nicht fahrbar ist, wird der Verkehr durch Umsteigen aufrecht erhalten. Ter Nachmittagszug StockheimLauterbach, der gegen V24 Uhr hier eintrifft, erlitt eine Verspätung von an­nähernd einer Stunde. Man arbeitet eifrig an der Wieder­herstellung des Geleises, doch bieten die umgestürzten Wagen ein großes Hindernis. Die Ursache des Unfalles konnte noch nicht festgestellt werden.

Kreis Alsfeld.

Ruppertenrod, 6. Nov. In große Bekümmernis würben hiesige Eltern versetzt burch die telegraphische Benach­richtigung von Bochum, baß ihr 25jähriger Sohn unb Stiefsohn, der dort als Maurer arbeitete, verbrannt sei. Der junge Mann hat in einer Fabrik an einem Schmelzwerk gemauert. HerauStrctenbe Stichflammen verbrannten ihn babci derart, baß er sofort starb. Der Verunglückte war ein braver und fleißiger Mensch.

Kreis Schotten.

Schotten, 6. Nov. Am hiesigen Bahnhof befinbei sich nun schon seit Jahr und Tag die Trümmer statte des vor- 1 ä T> r i g c n Brandes, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Was man mit Erhaltung dieser Ruine bezwecken will, ist un- crllärlich.

Starkenburg und Rheinhessen.

ch. Bingen, 7. Nvv. Eine Eingabe des Verbandes der st ä d t i s ch e n Beamten, den Beamten wöchentlich einen freien Nachmittag zu gcwähreii, wurde in der heutigen Sitzung der Stadtverordneten beraten. Ter Stel- lenbesetzungsausschuß war der Ansicht, daß den die ganze Woche über sitzenden Beamten dieser Nachmittag zugebil­ligt werden solle. Es wurde beschlossen, den freien Nach- mtttag für Samstags zu bewilligen. Tie Bewältigung der Arbeitslast dürfe darunter aber nicht leiden.

Kreis Wetzlar.

= Wißmar, 7. Nov. Tw Pächter unserer Gemeinde- jagd, Gebrüder Schnabel-Düsieldorf, erlegten drei Kapital- Hirsche. Jüngst war ein mächtiger Zehnender von 240 Pfund ihre Jagdbeute.

Hessen-Nassau.

Frankfurt«. M., 7. Nov. Der Zirkus der Fünfzehn- tausend wird binnen wenigen Tagen vollendete Tatsache sein. In ber Festhalle sind Hunderte von Arbeitern am Werke, um den Umbau des Innern vorzunehrnen. Für den 16. November ist die Eröisnungsvorstellung angcsetzt. Das Projekt, daß man für ameri­kanisch halten könnte, wenn es nicht in den Händen eines deutschen Zirkusdirektors läge, verdient Aufmerksamleit schon aus dem Grunde, weil es möglid) sein wird, eine auf dem Besuche der breitesten Massen basierende Zirkusschau zu veranstalten. Sarra- fani hat sein Unternehmen in ber letzten Zeit derartig vermehrt, baß im Winter alle in Europa bestehenben Zirkusgebäude zu klein sind. Die Frankfurter Festhalle mußte ihn reizen, etwas zu schaffen, was völlig eigenartig ist. Durch eine geniale Kon­struktion wird es möglich sein, mehr als 15 000 Menschen gleich­zeitig eine Zirkusvorstellung zugänglich zu machen. Dadurch können die geringsten Eintrittspreise gefordert werden. Dazu hat Sarrasani für die kurze Saison in Frankfurt, die mir bis Mitte Dezember dauern wird, ein Programm aufgestellt, an dem nichts fehlt, was innerhalb einer Zirkusvorstellung überhaupt gezeigt werden kann. Es treten außer den vielen Pferden und exotischen Tieren ganze Trupps von fremdländischen Artisten in die Er- scheinung .

(ßcrid>tsfaaL

(X) Hanau, 6. Nov. In leidttsertiger Weise haben der Musketier August Weber vom hier garnifonierenden 2. Bataillon Jnfant.-Regts. Nr. 88 und der Taglöhrrer Karl Wellstein aus Mafsenheim ihren Eid wissentlich durch ein falsches Zeugnis ver­letzt: um dem mit ifyven befreundeten, beim gleichen BetaiÜvnZ dienenden Musketier starl Stein von der Unterhaltungspfticht feines außerehelichen Kindes zu schützen. Nach dem Spruch der Geschworenen wurde Weber zu 1 Jahr 3 Monaten Zuchthaus, Wellstein zu 1 Jahr 1 Monat Zuchthaus verurteilt, außerdem wurden ihnen die bürgerlichen Ehrenrechte auf 3 Jahre aberkannt. Stein, der die beiden zu der falschen Eidesablage verleitet hatte, erhielt wegen Verleftung zum Meineid 2 Jahre Zuchthaus und