162. Jahrgang
Zweiter Blatt
Ur. 256
Erscheint täglich mit AllSnahme des Sonntags.
sprach über
dieArbeiterfrage.
er werde
die
Er verlangte in einer Entschließung die Durcharbeitung der Gewerbeordnung und die Herstellung eines allgemeinen deutschen sozialen Arbeiter- und Angestelltengesetzes und sprach die Erwartung aus, t>aß die Parteileitung und die parlamentarische Vertretung der Partei sich in steter Fühlung mit dem Rcichsverein liberaler Arbeiter und Angestellter halte.
Dasselbe Thema besprach
Arbeitersekretar Erkelenz, der darauf l)inwies, daß auf die Taner eine Fortschrittspartei ohne die Arbeiter nicht bestehen könne. Die Partei solle sich zum Grundgedanken sozialer Reformen bekennen und sich nicht in Einzelheiten verlieren. Er wandte sich dann ganz entschieden gegen die Vernachlässigung der Arbeiter bei der Besetzung der Präsidial st eilen und meinte, etwas derartiges hätte nicht vorkommen dürfen, der einzige Arbeitervertreter sei hinausgewählt worden.
Ureiz-Ackerbüu- und Obftaurstellung Alsseld.
+ Alsfeld, 6. Okt.
Die vom Landtv.-Kammer-Ausschuß für Oberhessen und dem Oberh. Obstbauverein hier am Samstag und Sonntag veranstaltete Kreisausstellung wurde gestern eröffnet. Die Ausstellungsräume befinden sich im oberen Saale des „Deutschen Kaisers". Die Ausstellung zeigt, wenn die Beteiligung aus verschiedenen Gebieten des Kreises auch nicht
der Dank des Parteitages für ihre Tätigkeit zum Ausdruck gebracht.
Ein Vortrag des Reichstagsabgeordneten Dr. P a ch n x cf e betrat das Thema: „Fortschrittliche Volkspartei und Mittelstand".
Er legte eine öntfcbliefjung vor, in welcher vor allem Pflege des gewerblichen Unterrichts, Ausdehnung der Fortbildungsschulen auf Stadt und Land, Vergebung öffentlicher Arbeiten zu an gemessenem Preis und Prüfung der Voranschläge durch Fach männer, Trennung von Fabrik und Handwerk, Heranziehung der Fabriken zu den Kosten der Lehrlingsausbildung, Einschränkung der Konkurrenz der Gefängnisarbeit, Bekämpfung der Borg- wirtschaft und Gewährung der Altersrente aus der Invalidenversicherung vom 65. Lebensjahre ab gefordert wird. Der Redner legte entschieden Protest ein gegen die Andeutung, die aut, dem letzten Handwerks- und Gewerbekammertag in Würzburg gefallen sei, daß man der Sozialreform ein „Halt!" zurusen müsse. Gegen eine Einschränkung des Koalitionsrechtes der.Arbeiter müsse entschieden Stellung genommen werden. .
Tas gleiche Thema behandelte auch Bartschat (KönigsbergV der .namentlich *über die Buchführung der Handwerker und den heimlichen Warenhandel der Beamten sich ausließ. Wenn die Forderungen der Handwerker berücksichtigt würden, äverde zwar der goldene Boden des Handwerks nicht wiederkehren, aber man könne weiterbauen zum Besten des Staates und des ganzen Vaterlandes. „ .
In der sich an die beiden Vorträge anschließenden Aussprache widersprach n. a. der Vizepräsident des Reichstages Dr. Dove der Forderung der Aushebung der Konkurrenz der Gefängnis- arbeit mit dem Hinweis darauf, daß die Gefangenen ein Recht auf Beschäftigung haben.
Tr. Pachnicke ersuchte um Ablehnung der Forderung aus Beseitigung der Gefängnisarbeit-Konkurrenz. Abg. Dr. W i em er
Tie „Lietzener ZamitteadlStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, bad „Kreisblatt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Der Deutsch-soziale Parte tag
fand unter starker Beteiligung vom 5.-8. Oktober in Erfurt statt. Tie Verhandlungen am Sonntag leitete der Parteivorsitzende, Amtsgerichtsrat L a 11 m a n n - Schmalkalden mit einem Nachrufe für den verstorbenen Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg ein.
Vom Reichstag sind anwesend die Abg. Dr. Werner, Herzog und als Gast Herr Lizentiat Mumm.
Redaktion, Expedition und Truckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: 112. rel.-Adr.:AnzeigerGießen.
erstattete der Reickistagsabgeordnete v. Paper, in dem er Partei gegen den Borwurf in Schutz nahm, für agrarische Fragen kein Verständnis zu haben oder nur akademische Interessen vertrete. Er betonte namentlich den Erfolg, den die liberale Partei in der .Frage der Vorschriften über das Ansragerecht der Ab- gcorbneten erzielt habe. Der Reick)stagsfraktion wurde schließlich
Montag, 7. Gttoder (9(2
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts - Bilch- und Steindruckerel.
R. Lange, Gießen.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Vberhesjen
den Baum nicht überallhin, da er nur im troviscben Klima gedeiht. So sah man sich genötigt, das er'orderlicke Holz von den Antillen und von Südamerika zu beziehen. Aniangs schienen die natürlichen Bestände unerschöpflich. Mit der Zeit wurden sie jedoch in der Räbe der Seeküsten völlig abgebolzt- die rolz'äller müssen jetzt üe’er in das Land und in die Berge vor dringen, um Zedernholz zu erhalten. Tie gefällten Stämme roeiben nun von Aesien geicimgt und so in rohem Zustande nach dein nächsten Flusie gebracht, aid dein sie nach dein nahen Seehasen verflÖBt werden. Aui Seeschiffe verfrachtet, treten sie von hier iveite Reiien in ferne Lander an. Tie Hanptstaveloläize der Welt für das Volz der soanischen Zeder sind immburg und New Port Bon hier gelangen die Stämme in ftiftenfabtifen, in denen fie^ in dünne Brettchen zersägt werden. Daraus werden bann zum Teil nut Vil'e von Maschinen die Killchen zusammengesetzt. Es gibt Fabriken, die täglich 20 000 Zigarrenkisten Herstellen können. - Bei dem großen Verbrauch des Holzes droht auch der spanischen Zeder die Gei.ihr der Ausrottung. Glücklicherweise läßt sie sich leicht aus Samen ziehen und wächst schnell, so daß ihre Kultur m geeigneten Gebieten wohl möglich ist. Leider sind bis fetzt nur schwache Annalten hierzu gemocht worden, so daß Eile im Neu- pflanzen nottut, wen» nicht einmal eine ernste Holznot in der Zigarrenkistenbranche eintreten soll.
kf Holländische Museumsleiden. Ein in der bei E A. Seemann in Leipzig erscheinenden Kunstchronik veröffentlichter Bericht wirft ein betrübendes Licht auf den Mangel an Pflege und Sorgfalt, den sich Holland einer ganzen Anzahl seiner Provinzialmuseen gegenüber zuschulden kommen läßt. Zwar soll das Frans-Hals-Museum in Haarlem endlich aus fernem bisherigen feuergefährlichen Hause in ein besonderes, freistehendes Gebäude, ein altes „Hoffe", verlegt werden. Aber, datz man die Stelle des Direktors dieser höchst wertvollen Sammlung einem geschulten Kunsthistoriker versagte, weil dieser statt des xn Aussicht gestellten Anfangsgehaltes von 2500 Mark cm Minimum von 3400 Mark verlangte, das muß doch wahrhaft spießbürgerlich und kläglich genannt werden. Handelt es sich doch um die Verwaltung des Erbes des größten Haarlemer Kindes! Ganz übel steht cs um das erzbischöfliche Museum in Utrecht, das nur ein heizbares 3immer besitzt, in dem es im oberen Stockwerk durchregnet und wo im Erdgeschosse nur ein kleiner Teil der Gemälde bei den unglücklichen Beleuchtungsverhältnissen sichtbar ist. Ebenso sprechen die alten, dunkeln, engen Privathäuser in Leyden, die das ethnographisckv und Antikenmuseum bergen, allen modernen Anforderungen an Licht und Raum, an Uebersichtlichkeit und Sicherheit Hohn, und es berührt sonderbar, daß eines der reichsten Länder Europas für die Hut feiner großen künstlerischen Erbschaft so wenig übrig hat.
Reichstagsabgeordneter Müller (Meiningen) stellte den Antrag, den geschäftsführenden Ausschuß mit der Herstellung eines Programms über die Ziele und Forderungen der Partei auf dem Gebiete der Landwirtschaft, des Handwerks und des Arbeiterrechtes zu beantragen, dieses Programm dem Zentralausschuß zur GenelMigung vorzulegen und nach der Genehmigung dem nächsten Parteitag zu unterbreiten. Bei der Ausarbeitung des landwirtschaftlichen Programms sollen die bäuerlichen Verhältnisse der einzelnen Landesteile möglichst berücksichtigt werden.
wünsche. _ .
Dann erstattete Generalsekretär Henningsen den Geschästsberickst, der für das Iabr 1911 — ohne die Wahlgelder — in Einnahme und Ausgabe mit 51 164,01 Mark abschließt. Wenn auch der Wahlkampf den Verlust mehrerer Wahlkreise brachte, so sei doch allenthalben in der Organisation etne arbeits- und kampsesfreudige Stimmung vorhanden: das komme am besten dadurch zum Ausdruck, daß die Einnahmen in dem lausenden Jahre in den ersten 9 Monaten schon 50 605,76 Mark betragen, so daß das Vorjahr wesentlich überholt wird. Die Zahl der Mitglieder und Förderer sei im ständigen Steigen begriffen. Treue Freunde im ganzen Reiche unterstützten die Abgeordneten,. sowie die Geschäftsstelle bei ihrer Arbeit. Besonders wirkiam, habe sich nach der Reichstagswahl die aufflärenbe Arbeit m per Iudensrage erwiesen. In der nächsten Leit sollten neben den ländlichen Bezirken auch besonders große und mittlere Städte bearbeitet werden. Richt die Zahl der Mandate mache die Starke einer Partei aus, sondern die innere Geschlossenheit und die Macht ihrer Anschauungen.
Der Parteitag spricht Generalsekretär Henningsen und den anderen Parteibeamten den Dank für die geleistete Arbeit aus.
An den Vortrag des R ei chs t a g s a b g e or d n e t e nH e r - zog und den Bericht des Herrn Henningsen schloß sich eine ausführliche Besprechung an, die volle Einmütigkeit m allen wesentlichen Fragen bei den Deutschsozialen ergab.
Die verschiedenen jur Frage der
Fleischteuerung vorliegenden Anträge werden in folgende Entschließung zusammengezogen und einstimmig angenommen:
,,3n ernster Würdigung der augenblicklich bestehenden Fleisa)- teuerung erklärt sich der Deutschsoziale Parteitag mit allen Maßnahmen einverstanden, die geeignet erfdjeinen, einem unberechtigt hohen Preisstande der Flcisckstxahrung entgegen zu wirken. Er verwirft jedoch alle Bestrebungen, die unsere bewährte Wirtsck>aftspolitik zum Nachteile unserer deutschen Landwirtschaft schädigen und uns vom Auslande abhängig machen würden. , • .. . _
Ter Deutschsoziale Parteitag hält es für notwendig, daß die Reichsregierung zur Klärung der zahlreichen Widerspruche in der Flefschteucrungsfragc, nach dem Vorbilde der Bank- Enguete-Kommission aus dem Jahre 1908 einen Unter* suchungsausschuß einsetzt, in dem Angehörige aller beteiligten Berufsstände vertreten sind. Diesem Ausschüße würde die Aufgabe zufallen, bestehende Unklarheiten zu beseitigen, sowie geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, die bei einer Wiederkehr besonders ernster Teuerungszeiten die Rechte der Produzenten und der Verbraucher wahren."
Nach einer gemeinsamen Mittagstafel fand nachmittags eine stark besuchte
öffentliche Versammlung statt, in der der frühere Reickistagsabgeordnete Raab sprach Übci die Frage: „Schutzzoll oder Freihandel?". Der Reichstagsabgeordnete, Oberlehrer Tr. Werner-Gießen, sprach dann über: „Warum sind wir Gegner der Juden?"
Heber die politische Lage berichtet her Abg Herzog, der auch für den verhinderten Abg. Rupp eintrat, wobei ^r besonders die Verbindung zwischen den Liberalen und den -Sozialdemokraten geißelte und die Bedeutung des Rassenproblems für die Politik der Zukunft seststellte. Tie deutschen Schutzzölle müßten auch trotz der augenblicklichen Fleischteuerung aufrecht erhalten bleiben, da ihre Beseitigung für später nur noch größere Notstände herbeiführeii und uns vom AuSlande in verhängnisvollster Weise abhängig mackten würde. Auch für die Industrie, für den Mittelstand und besonders für den .lr- beiterftanb sei die Aufrecht er Haltung des geltenden Wirtschafts pstems von zwingender Notwendigkeit. Bei Besprechung natwncuer Fragen bespricht der Redner auch die geplante Aufhebung des I e f u i t e n g c s e tz e s , für die er nicht cintrctcn könne, obgleich ober gerade weil er ein friedliches Verhältnis zu den Katholiken
Parteitag der Zortlchnttlichen öolfspartci.
-f- Mannheim, 6. Okt. f
Die diesjährigen Verhandlungen des Forffchrittlichen Parteitages, zu dem neben außerordentlich zahlreichen Vartenreunden auch die Reichs und Landtagsfraktionen, loroie ctma cOO ^e- legierte erschienen sind, wurden mit einer Ausschutzsitzung und । einer Telegiertenbesprechung eingeleitet, an welche Hw ein Begrüßungsabend anschloß. Die Hauptverhandlungen leitete Ab- ' geordneter Fung (Frankfurt a. M.).
Abg. Mommsen (Berlin) erstattete den Geschäftsbericht, in dem hervorgehoben wird, daß nach dem Zusammenschluß der drei linksliberalen Parteien die Fortschrittliche Volkspartei sich innerhalb weniger Monate sest organisiert habe und sich ihr Wirkungsgebiet heute über ganz Deutschland erstrecke, da sie 51 452 Vereine und Ortsgruppen, 30 Jugendvereine, 13 Arbeitervereine und 2 Frauenvereine umfasse. Tie Partei verfügt zurzeit über 43 Reichstagsmandatc und 223 Abgeordnete in den gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten. Es bestehen 19 Landes- bezw. Provinziallandesorganisationen.
Reichstagsabgeordneter W i c m e r verbreitete sich sodann über die Reichstagswahlen
und betonte, daß sich seit dieser Einigung der linksliberalen Parteien die Stoß- und Werbekraft der Liberalen verstärkt habe. Der Sffmmenzuwachs der Liberalen bei der letzten Reichstags- wähl betrage 25 Prozent. Hinsichtlich der sogenannten „Tampfung" Dertrat Wiener den Standpunkt, daß die Tämpfung benagt habe, Denn solche Mmachungen hätte man vor der Hauptwahl treffen müssen. Tic Gegensätze zwischen Sozialdemokratie und Liberalismus werden immer bestehen bleiben, man könne aber immerhin eine Strecke weit gemeinsam gegen den gemeinsamen Gegner marschieren.
ReichstagSabgeometer Gothein (Breslau) behandelte die Wirtschaftspolitik.
In von ihm vorgelegten Entschließungen wird erklärt, daß der Delcgiertentag in der Zollabspcrrung eine schwere Schädigung des deutschen Wirtschaftslebens erblicke und eine Herabminderung der Zollschranken verlange. Es wird auf die Gefahr einer Unterernährung des gesamten Volkes infolge der ungeniigenben Fleischversorgung und der Preissteigerung aller Lebensmittel hingewiesen, die Ermäßigung der Gctreidezölle, die Beschränkung der Einfulm'cheiuc auf dieselben Fruchtarten, Aushebung der Zölle auf Futtermittel, Erleichterung und Verbilligung der Einfuhr von Zuchtvieh, Beseitigung der hestehenben Fidei- kommisse unb bic Verhinderung von Neugründungen von solchen, ferner die Beseitigung des 8 12 des Fleischbeschaugesetzes, die Erweiterung der den Stadtverwaltungen für den Fleischbezug gewährten Erlasse und schließlich die Zulassung ausländisckten Schlachtviehs verlangt wird. Die sosortige Einberufung des Reichstags wird als unerläßlich bezeichnet.
Abgeordneter Dr. Wendorff sprach über
Fortschrittliche Vvlkspartei und Landwirtschaft. In einer Entschließung forderte er Schaffung von ausgedehntem Mittel- unb Kleinbesitz unb von Arbeiteransicbelungen, Austeilung bes staatlichen Domänenbesitzes, zollfreie Einfuhr von Zuchtvieh unb Futtermitteln, Gleichstellung ber ländlichen und gewerblichen Arbeiter und Förderung der Landeskultur.
An den Vortrag Wendorff schloß sich eine längere Aussprache,
un welcher auch Pfarrer Korell (Darmstadt) teilnahm, der die Worte „Ermäßigung der Getreidezölle" in der Entschließung gestrichen sehen wollte. Ter Antrag Gothein wurde schließlich einstimmig angenommen unb der Antrag betreffend Ermäßigung der Getreidezölle dem Ausschuß überwiesen.
Den Bericht über
die Tätigkeit der Reichstags fraktion
Der Zigarrenkiftenbaum.
Zur Herstellung der Zigarrenkisten wirb heute verschiedenes Material, selbst Pavve, verwendet. * as ist aber nur bet billige1’ Sorten zulässig; sonst verlangt ber Handelsbrauch, baß testiere Zigarren in Kisten au5 besonderem Holze verpackt werben. Der Baum, der es liefert, gedeiht m der Heimat des Tabaks. Er wächst auf den Antstien, m Zentralamerika und wirb auch im Amazonas- gebiet angetrossen. Im Handel ivirb er svanifche Zeder genannt; er bot aber mit der eckten Zeder, wie der Libanonzeder, nickts ge- metnfiun, denn diese sind NadelbätiNie, während die svansicke Zeder ein Laubbaum ist, der immergrüne, paarig gefieberte Blätter trägt Bis die ersten spanisctien Ansiedler auf den Antillen den Biaarren- Tiftenbaum kennen lernten, wurden sie durch den aromatischen Geruch seine- Holzes an das echte Zedern bolz erinnert und nannten ihn darum cedrela. woraus sich im Handel der Name svanüche Zeder bildete. Der botanische Name des Baumes ist cedrela odorata. Auf nassem Boden ober gar in Sümpfen ist unser Baum nicht zu finden; steiniger Boden sagt ihm mehr zu, unb er gedeiht darauf nicht nur in ber Tiefebene sondern auch un Gebirge bis zu einer Höhe von 1000 bis 1200 Nieter. Seine Früchte sehen Wall- nüfjen ähnlich, schmecken aber stark harzig; auch in seiner Gestalt erinnert er an den Wallnußbaum. Die spanische Zeder wird 20 bis 25 -Dieter hock unb ihi Stamm erreicht einen Durchmesser bis 1,50 Meter Zur Zeit der Entdeckung von Amerika benutzten die Indianer diese Zeder mit Vorliebe zum Bau ihrer Pirogen, da ihr Holz sich le«cht bearbeiten laßt Von den Weißen wurde es an aiigs zu Tischlerarbeiten uermenbet; vor allem fertigte man ans ihm Truhen, in denen man Kleider mottensicher aufbewahrte da der Geruch deS Holzes die Insekten fernhält. Diese Eigenichaft des 'Zederiibolzes ivar gewiß der Anlaß, daß man beim Au>blichen der Tabakindustrie auf Kuba die Zigarrenkisten daraus verfertigte ; man wollte dadurch die Ware vor Zniektenfraß unb Verderben schützen. Nachdem sich das Holz zu diesem Zwecke einmal eingebürgert hatte, wollte man noch eme andere Entdeckung gemacht gaben. Tas ätherische Zedernöl, das ihm den Geruch verleiht, sollte auch das fMroma der Zigarren beeinflussen unb es veredeln. Cb dies wirklich ber Fall ist, barüber würbe bis tu die Gegenwart hinein viel gestritten. Tas eine steht fest, daß durch einen zu hohen Gehalt des Kistenholzes an diesem Cel der Geschmack der Zigarre beträchtlich leiden kann. Mau begegnet aber dem llebclftanbe leicht durch Trocknen und längeres Lagern des in Bretter zersägten Holzes.
Mit der zunehmenden Verbreitung der Zigarren wuchs auch der Bedarf an spanischem Zedernholz für die Zigarrenkisten, eic wurden nicht nur auf ben Antillen verfertigt, sondern ihre Her- stellung bürgerte sich mit dem Tabakbau und der Zigarren- fabritation auch in andern Ländern ein. Verpflanzen konnte man
Der Antrag Erkelenz unb ein Antrag Naumann, alle Mittel zum Schutze von Leben unb Gcsunbheit ber Arbeiter zu benützen, ferner ber Antrag Wiem er unb jener bezüglich ber Landarbeiter wurde angenommen unb daraus die Verhandlungen auf morgen vertagt.
uisse ber einzelnen Landestcile möglichst berücksichtigt Ter Reichsvcrbanb liberaler Arbeiter sei zu begrüßen, aber keine neue liberale Aera herbeiführen.
— Gin soziologischer Kongreß inNom. Ter achte Kongreß des internationalen Institutes für Soziologie wirb benv nächst in Rom seine Tagung beginnen. Ter Arbeitsplan stellt in den Mittelpunkt ber wissenschaftlichen Verhandlungen den Begriff des Fortschrittes, ber von allen Seiten beleuchtet werden soll: anthropologischer Fortschritt, ökonomischer Fortschritt, politischer, geistiger unb moralischer Fortschritt bilden Gegenstand der Vorträge. Man will ben Versuch machen, eine allgemeine Formel zu finden, unter der sich, alle Seiten der sozialen ftultur zusammenjassend, der Begriff des allgemeinen Fortschrittes bestimmen läßt.
— Das neue ft e Maschinengewehr. Aus London wird berichtet: Tas von der großen englischen Waffenfabrik Vickers gebaute neue Maschinengewehr scheint gegenüber dem bisher eingeführten System einen gewaltigen Fortschritt zu bedeuten der sim auch darin ausprägt, daß die Regierungen von fünf europäischen Großmächten bereits größere Bestellungen ausgegebev haben. In den letzten Wochen sind nicht weniger als 1080 dieser neuen britischen Maschinengewehre für fremde Militärmächte in Auftrag gegeben worden. Gegenüber den bisher konstruierten Maschinengewehren besitzt das neue Geschütz viel geringeres GewiÄ, ist daher leichter beweglich unb kann seine volle Feuerkraft auf einen viel längeren Zeitraum entfalten, ohne sich zu überhitzen. Dieser Erfolg wurde durch ein neues Kondensationssystem erreicht, bei dem das 29affet zur Kühlung der Läufe durch einen besonderen Kondensator in stetem Umlauf erhalten wird. Bei einem der letzten Versuche wurden aus einem Geschütz 180 000 Runden abgefeuert, dabei 30 378 Schüsse aus demselben Laus; erst dann konnte etne Abnahme ber Treffsicherheit festgestellt werden. In 15 Minuten wurden 2672 volle Runden abgegeben, und von dem ursprünglichen Wassergehalt von 6 Litern war dann immer noch 1 Liter übrig. Tas neue Geschütz wiegt nur 27 Pfund, mit voller Wasserkühlung 36 englische Pfund. Tie Länge des Wassermantels ist foabet bis zum Ende des Schosses, wo die Hitze am größten ist, erweitert worden. Die Verbesserungen sichern nach den Angaben ber Times bi eiern neuen britischen Fabrikat ber Waffenindustrie einen wesentlichen Fortschritt vor ben bisher üblichen Systemen, bet denen die Erhitzung ber Läufe viel schneller eintritt, so daß bic Feuerkraft sich schneller erschöpft.
— Eine Frau als Richter. Eine bedeutungsvolle Errungenschaft der Frauenbewegung wird aus Australien gemeldet: dort wurde eine Juristin, Miß Isaacs, von der Regierung als vollbestallte Richterin an den Berufungsgerichtshof von Melbourne berufen. Ts ist das erstemal, baß eine Frau in Australien eine Staatsstellung erhält. Miß Isaacs ist die Tochter eines höheren Beamten am Berufungsgerichte: ihr Vater war in früheren Jahren einmal australischer Justizminister.


