Nr. 83
Der «ießener Nnzelger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich -iehener^amilienbläller, zweimal wöchentl.Nreir- blatt für den Kreis Stehen (Dienstag undFreiiag); zweimal inonnlL kand- wirtfchaftlicheSeitftagen Fernfprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
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Erstes Blatt
162. Jahrgang
Dienstag, 9. April 19(2
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei K. Lange. Redaktion, Lrpedilion und Druckerei: Zchulstrahe 7.
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Die heutige Nummer umfafet 10 Seiten-
Zur grantjurter Univerfitätsfrage
wird uns geschrieben:
In Frankfurt a. M. bereitet sich in diesen Tagen die Gründung einer Universität vor und dies geschieht auf einem Weg, der nach jeder Richtung hin äußerst seltsam ist. Nichts spiegelt die Zielendes geistigen Strebens einer Zeit so deutlich wieder, als die Einrichtungen, die sie schafft, ihren Z w e ck e n z u d i e n e n. Nur der Zeitgeist, die gerade moderne Richtung, setzen sich einen kurzen Zweck; aber in einem tiefen inneren Sehnen und Wünschen, das durch Jahrzehnte und Jahrhunderte eines Volkes geht, da liegt ein wahres Bedürfnis. Diese Bedürfnisfrage zu erörtern hat sich der preußische Untcrrichtsminister von Trott zu Solz im Abgeordnetenhaus recht leicht gemacht. Mit einer Wendung, wie man sie nach 40 Jahren des Deutschen Reichs, an solcher Stelle nicht hätte für möglich halten sollen, schlängelte er sich an ihr vorbei, sprach davon, daß das neue Institut der Universität Marburg wohl wenig Konkurrenz machen werde — und damit war die Bedürfnisfrage in bejahendem Sinn entschieden. Daß die Stadt Frankfurt a. M. ein starker preußischer Vorposten mitten int nichtpreußischen Süddeutschland ist, daß kaum 60 Kilometer nördlich und südlich von Frankfurt nichtpreußische Universitäten sich befinden, darum braucht ein preußischer >lnltusminister sich nicht weiter zu bekümmern. Es kommt hinzu, daß man sich an volkstündiger Stelle längst darüber klar ist, daß wir gerade in dieser Gegend der Universitäten an einer Ucberproduktion von Anwärtern auf geistige Be rufe geradezu leiden, weil diese scheinbar günstige Gelegenheit zu studieren dem Gewerbe die gewecktesten Köpfe entzieht, und sie nachher in den meisten Fällen zur Unfruchtbarkeit verdammt. Eine solche ungesunde Ueber- schweminung mit Aerzten und Rechtsanwälten, wie wir sie zurzeit in unseren Gegenden erleben, wird von denen am meisten bedauert, die zum Studium verleitet, nun die Oede in ihren Wartezimmern sehen und nun einen Kampf um's tägliche Brot führen, für den ein wohleingesessener Meister nur einen Blick des Mitleids hat.
Erstaunen muß es weiter, daß das neue Bildungsinstitut den Namen Universität führen soll, während ihm die älteste und vornehmste Fakultät fehlt. Von einer uni^rsitas der Wissenschaften kann also keine Rede sein, und der Mangel ist um so mehr zu bedauern, als gerade In dieser Tagen der heftige Kämpft zwischeir der positiven und der liberalen Richtung in der Theologie, die vielfach beobachtete Welt- frcmdheit unserer Pfarrer, die starke Entfremdung vieler Volkskreisc vom religiösen Denken und kirchlichen Leben, beweisen, daß auf keinem Gebiet mehr suchend und forschend gearbeitet werden muß, wie in der Theologie Sollte der preußische Unterrichtsminister eine allzu starke Bevorzugung einer ihm nicht genehmen Richtung befürchten, bann wäre das doch ein sehr bedauerliches Zugeständnis dessen, daß — hier ganz allgemein gesprochen — eine so starke wirtschaftliche Abhängigkeit, wie sie in Frankfurt a. M. geschaffen worden ist, und die damit notwendig öerbunbene Anpassung in gesellschaftlicher Hinsicht, es außerordentlich erschweren nach Menschenmöglichkeit voraussetzungslos und tendenzlos zu arbeiten. Eine staatliche Universität, die mit staatlichen Mitteln unterhalten wird, bildet die breiteste Grundlage, die von Menschen Überhaupt geschaffen werden kann, nämlich die nationale. Ein Bildungsinstitut aber, das von einer Kommune seinen Ausgangspunkt nimmt und auch von einem ebenso beschränkten Kreis seine Mittel
empfängt, muß notgedrungen das Gepräge tragen, das der Stadt eigentümlich ist. Wir sind allzumal Menschen, auch die Gelehrten!
Der Kaller in Korfu.
Der Kaiser hat dem Reichskanzler während der Oster- tage einen Beweis seines Vertrauens gegeben, indem er ihn auf einem besonders dazu auserwählten Schiff der deutschen Marine zu sich nach Korfu bringen ließ. Er erwartete ihn selbst im Hafen und geleitete ihn zu seiner Wohnung ins Schloß. Das widerlegt die Gerüchte vom bevorstehenden Rücktritt des Herrn v. Bethmann Hollweg. In den letzten Tagen hat die amtliche „Norddeutsche Allg. Ztg." wieder einmal den Mund aufgetan, um über „Verwilderung der öffentlichen Meinung" ein Klagelied anzu- stimmen. Und zwar hatte sie besonders die Zeitungsnotizen über den bekannten Jesuitenerlaß der bayerischen Regierung im Auge. Es war vielfach behauptet worden, die Reichsregierung habe mit Frhrn. v. Hertling diesen Schritt „abgekartet", ober ber Reichskanzler versteckte sich hinter dem Kaiser. Es kann zugegeben werden, daß solche Aeußerungen zu weit-gingen. Immerhin sind die amtlichen Aufklärungen der „Nordd. Allg. Ztg.", wie wir in der letzten Zeit oftmals haben feststellen müssen, zumeist von einer beklagenswerten Ungeschicklichkeit; sie haben oft weder Hand noch Fuß. Dies müßte die Regierung zuerst einmal abstellen, bevor sie über „Verwilderung" klagt. Durch eine sichere, charaktervolle Haltung des Regierungsblattes würde die öffentliche Meinung im guten Sinne beeinflußt werden, nicht aber wird sie es durch bloße Schulmeisterei.
Wir erhalten folgende Meldungen:
Der Empfang des Reichskanzlers.
Achilleion, 8. April. Der Kaiser begab sich am Samstag nachmittag 5.30 Uhr im Automobil zur Stadt, ging dann an Bord der „Hohenzollern", um dort das Einlaufen der „Äolberg" abzuwarten. Die Kolberg, mit dem Reichskanzler v. B e t l; m a n n - H o l l w e g an Bord, in dessen Begleitung sich Adjutant Freiherr v. Sell befand, lief nach schneidiger Fahrt von Brindisi nachmittags um 6 Uhr im Hafen von Korfu ein. Der Kaiser hat den Reichskanzler eingeladen, mit ihm die Osterfciertage im Achilleion, das dieser noch nicht kennt, zu verleben. Kaiser Wilhelm empfing den Reichskanzler auf der „Hohenzollern", begab sich dann mit ihm im Automobil nach dem Achilleion, in ber Stabt überall herzlichst begrüßt. An der Landungsstelle in der Stadt Korfu hatten sich bei der Ankunft des Kaisers und des Reichskanzlers eingefunden: Gesandter Freiherr v. Wangenheim, Konsul Spenglin und Präfekt Varatassis. Der Kaiser und der Reichskanzler trafen bald nach 6.30 Uhr auf dem Achilleion ein, wo für den Reichskanzler eine Wohnung im Schlosse selbst bereit gehalten worden war. Bei der Abendtafel saß der fraifer zwischen Prinzessin August Wilhelm und dem Reichskanzler. Neben diesem saß Fürst zu Fürstenberg.
Gestern nahmen der Kaiser, die Fürstlichkeiten und ber Reichskanzler ben Tee auf ber „Hohenzollern", bie Abend- tafei war in Achilleion. Heute vormittag machte ber Kaiser, ber Reichskanzler unb sämtliche Herrschaften einen Spaziergang auf ben Berg Kyraki. Gegen Mittag zog eine feierliche Prozession, bestehend aus bem Geistlichen und ben Einwohnern des Dorfes Gasturi durch ben Park an dem Schloß vorüber. Der Kaiser, der Reichskanzler und die übrigen Herrschaften standen auf dem Balkon des Schlosses. Der Geistliche sprach den Segen über den Kaiser, worauf die Musikkapelle „Heil dir im Aiegerkranz" spielte.
Gin Grlafj des Scheich-uISsIam gegen die Mode.
Der Scheich-ul-Jslam, der die höchste religiöse Behörde in der Türkei darstellt, hak soeben eine Proklamation erlassen, die die bescheidenen Modegelüste der türkischen Frauen verdammt und zugleich ein Beweis dafür ist, daß der kurze Frühling der türkischen Frauenemanzipation durch die Strenge der konservativen Rechtgläubigkeit bereits wieder zerstört wird.
Es batten ja, nad)bem die Jungtürken zur Herrschaft ge- kominen, lindere Lüfte im Leben der Frau zu wehen angefangen. In diesen Blütetagen einer freieren Auffassung, in denen man den Frauen nichi mehr nach dem Gebot Allahs die Seele absprechen wollte, waren Männer mit ihren Frauen zusammen ausgefahren und ausgegangen, ein bis dahin unerhörter Anblick; ein Frauen- Thib war gegründet worden; neue Schulen waren entstanden, in denen Reformen in der Mädchenerziehung durchgeführt wurden.
Natürlich hatte sich auch in der Mode diese freiere Regung ausgedrückt. Wenn auch nur ganz wenige Frauen wagten, sich europäisch zu kleiden, so wichen doch viele Mohammedanerinnen von der altlxrgebrachten und durch den Koran vorgeschriebenen Kleidung ab; wurde auch der Schleier nicht aufgegeben, so erschien er doch immer weniger dicht, immer dünner unb feiner; ja er wurde sogar in den europäischen Vierteln über den Kopf zurückgeschlagen. Diese liberalen Ideen haben nun aber in weiten Kreisen tiefe Erbitterung und Verstimmung hervorgerufen. Die Regierung mußte einsehen, daß die Toleranz, die sie gegen die Bestrebungen der Frauen zeigte, ihre eigene Autorität untergrub, daß immer häufiger behauptet wurde, nur ein Verächter der Lehren des Koran, ein schlechter Muselmann, könne derartige „Zügellosigkeiten" bestärken. Seit einiger Zeit ist deshalb ein völliger Wandel in den Ansichten unb Zielen der maßgebenden Kreise'eingetreten: die kurze Freiheit, in der die türkische Frau aufalmen durfte von ihrer hundertjährigen Knechtschaft, ist neuer Bedrückung gewichen. Vor allem richteten sich gegen die gottlosen Abweichungen von der alten Kleiderordnung strenge Verbote; die Polizei erhielt den Befehl, jede Frau, die mit einem dünnen Schleier erscheine, die aufiällige und anstößige Kleider trage, zu verhaften, und es wurden auch einige Exempel statuiert.
Nachdem den Damen so das Tragen dünnerer Schleier unmöglich gemacht worden war, kam eine Mode auf, nach der der „Tschartschas", das große Umschlagetuch, von den eleganten Türkinnen willkürlich verändert wurde, in seinem Umfange zusammenschrumpfte und nur noch ein kleines fesches Cape war; ebenso wurden die Röcke enger und enger und zeigten eine gewisse
Verwandtschaft mit dem berüchtigten Humpelrock. Gegen diese neue Unbotmäßigkeit hat nun der Schcich-ul-Jslam seinen strengen Erlaß gerichtet, in dem er über die Verletzung der Vorschriften des Islam klagt. „Diese Befehle tun nicht nur Gutes, sondern wenden auch viel Ucbel ab, ihre Wohltaten sind von weisen Leuten gutgeheißen. Nichtsdestoweniger werden leider diese religiösen und nationalen Forderungen vernachlässigt. Die Tfckzartschafs, die von altersher von Mohammedanerinnen getragen werden, sind in ihrer Form zum Entsetzen aller fühlenden Männer verändert worden." Es sei die Pflicht aller Männer, sich gegen diese „unmoralische und dem Koran zuwider handelnde" Sitte zu wehren. Die Regierung habe deshalb dem Strafgesetzbuch einen Paragraphen hinzugefügt, nach dem jedes Mitglied einer religiösen Gemeinschaft bestraft werde, das sich gegen die Lehren seines Glaubens vergehe.
Die Modedamen, die in Schleiern und Tüchern sündigen, sollen also unter die Gotteslästerer eingereiht werden.
— EinebeachtenswerteOperation. Dem Direktor der chirurgischen Klinik in Leipzig, Geheimrat Dr. Payr, gelang es, ein blödsinniges Kind dadurch zu heilen, daß er ein von einem Kinde einer gesunden Mutter stammendes Stück Schilddrüse in die blutreichen Gefäße der Nieren verpflanzte.
kf. Eine neue Welt. Auf der bekannten Mount Wilson Sternwarte in Kalifornien ist gegenwärtig eine Schar von Astronomen bei einer Beobachtung tätig, die bisher noch keinem Astronomen geglückt ist. Dr. Edward Fath, der Leiter dieses astronomischen Beobachtungausschusses, hat nämlich jüngst an Pros. P. T. Todd vom Amherst College einen Bericht geschickt, in dem er behauptet, mittels des 60 zölligen Refraktors der Mount Wilson Sternwarte könne gegenwärtig das Entstehen eines neuen Sonnensystems, einer Welt, die viele Male größer sei als unser Sonnensystem, beobachtet werden. Dr. Fath bat auch photographische Aufnahmen des noch nie beobachteten Vorgangs gemacht. Auf diesen Aufnahmen soll deutlich erkannt werden können, daß ein riesiger Spiralnebel im Weltenraume gerade im Begriff ist, sich zu einem Weltsystem, zu einem leuchtenden Stern, zu entwickeln.
ff. Elektrisch behandelte Schulkinder. Sonnte Arrhanius, der berühmte schwedische Physiker, soll, wie aus Stockholm berichtet wird, an Schulkindern eigentümliche Versuche gemacht haben, die für die außerordentlich günstige Einwirkung hochgespannter Ströme auf Wachstum und Intelligenz sprechen. .Es wurden, so erfährt der „Matin", zwei Gruppen
Am ßcftrigcu Nachmittag sand auf ber „Hohenzollern" das übliche versuchen für die Mannschaften statt. Das Wetter ist sehr schön.
Korsuer Nationaltänze.
Korfu, 9. April. Der Militäroberpfarrer Goenshielt gestern vormittag üuf der „Kolberg" den Gottesdienst ab. Viele Deutsche nahmen daran teil. Von Bord w.irden Huldigungstelegramme an den Kaiser und die Kaiserin gesandt.
Am Nachmittag wurde in G a st u r i eine uniformierte Musikkapelle, die aus jungen Leuten des Dorfes gebildet war, auf Anordnung des Kaisers i n e i n e m deutschen Wirtshause mit K a f s e e u n d Kuchen bewirtet. Sodann spielte die Kapelle unter Clio en zum Korsuer Nationaltanz auf, den reichgeschmückte Frauen und Mädchen des Dorfes polonaisenartig ausführten. Volk aus der Umgegend, Städter, zahlreiche Fremde und v i e l e d e u t s ch e M a t r o s e n hatten sich cingefunbcn, um am sonnigen Nachmittag das eigenartige Schauspiel zu genießen. Gegen 5 Uhr erschien der Kaiser unb stellte sich mit dem Prinzen und den Prinzessinnen, dem R e i ch kanzler, dem Fürsten zu Fürstenberg und den Umgebungen mit in den Ning, der sich um die Tänzerinnen gebildet hatte. Auch der Gesandte v. Wangenheim und der griechische Präfekt waren anwesend. Der Tanz wurde fortgeietzt. Sodann trat die Musikkapelle in den Ring und spielte «abwechselnd mit der Dorfkapelle korfiotische Tänze. Im weiteren Verlaufe intonierte die deutsche Kapelle den alten Rheinländler „Im Grünewald ist Holzauktion", dessen Risih- mus dem eines griechischen Tanzes entspricht. Die Griechinnen tanzten danach lustig weiter unter allgemeiner Fröhlichkeit. Am Schluß spielte die deutsche Kapelle und die griechische Dorfkapelle die deutsche Hymne, die der Kaiser und alle Anwesenden unbedeckten Hauptes anhörten. Nach beinahe anderthalbstündigem Verweilen begab sich der Kaiser und seine Begleitung nach dem Achilleion zurück.
Der Wiesbadener Aufenlbalt des Kaisers.
fc. W i e s b a d e n , 8. April. Der Aufenthalt des Kaisers im Schlosse zu Wiesbaden wird, wie jetzt endgültig festgestellt, 10 Tage dauern, und Prinzessin Viktoria Luise mit dxm Kaiser hier eintreffen. Die Kaiserin^ welche zur Zeit der Ankunft des Kaisers in Wiesbaden Mitte Mai noch in Bad-Nauheim zur Kur weilt, nimmt während der Anwesenheit des Kaisers in Wiesbaden einen zwei- Isis dreitägigen Aufenthalt am Wiesbadener Hoslager. Das Schloß wird "für den kaiserlichen Aufenthalt bereits hergerichtet.
Dom italienisch-türkische» Kriegsschauplatz.
„FIieger"-Bomben.
Rom, 7. April. Die Agenzia Stefani meldet aus Benghasi vom 6. April: Gestern warf ein Flieger mehrere große Bomben in das feindliche Lager, welche die Insassen des Lagers in Schrecken setzten und viele von ihnen töteten.
Deutsches Neich.
Das „Berliner Tageblatt" erfährt aus gut informierter Quelle, daß demnächst ein Handschreiben Pius X. an die deutsch e n B i s ch ö f e erscheinen soll, wodurch allen Welt- und Ordens- geistlichen das öffentliche Auftreten in politischen Versammlungen irgendwelcher Art unter Strafe einer Zensur verboten wird, desgleichen die Teilnahme an solchen Versammlungen. Das Auftreten der Geistlichen in sozialer Hinsicht, in Arbeitergesellenvereinen usw. wird nicht untersagt.
Aus Varel (Oldenburg) wird gemeldet: Die Fortschrittliche Volkspartei stellte Dr. W i e m e r als Nachfolger Trägers im zweiten oldenburgischcn Wahlkreise als Kandidaten auf.
von je 50 Schulkindern ausgewählt. Die eine Gruppe arbeitete mit ihren Lehrern sechs Monate hindurch in gewöhnlichen Schulzimmern, während die Arbeitsräume der anderen mit einer elektrischen Einrichtung versehen waren, die hochgespannte Ströme von allen Wandungen in die Zimmer entlud. Weder die Schulkinder noch die Lehrer wußten, was für Versuche eigentlich mir ihnen angestellt wurden. Das überraschende Ergebnis soll nun sein, • daß nach einem halben Jahre die elektrisch behandelten Schulkinder um 18 Millimeter mehr gewachsen waren, als die Kinder der anderen Gruppe; ebenso soll das geistige Wachstum dem ber anderen Gruppe überlegen sein. Auch die Lehrer, die elektrisch behandelt worden sind, geben an, durch die Behandlung sei ihre Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung erhöht worden.
— Teures Möbelholz. Möbel aus Eichenholz beherrschen wieder einmal die Diode. Die Nachfrage nach Eichenholz ist darum überaus rege, was natürlich zu einer großen Preissteigerung Anlaß gab. Die Preise für diese Holzart sind innerhalb der letzten Jahre um mehr als 100 Proz. gestiegen, und was für Summen zu zahlen man heute bereit ist, beweist z. B. eine Versteigerung, die kürzlich im Spessart stattsand. Hier legte eine Frankfurter Firma für eine aus 5,87 Festmetern Holz bestehende Steineiche den Preis von 3150 Mark an und erwarb einen Stammabschnitt von nur 3,71 Festmetern für 2000 Mark. Das wären 540 Mark für den Festmeter. Mit Recht nennt das „Fachblatt für Holzarbeiter" dies einen „enormen" Preis für Eichenholz. Stellt sich dies damit doch in die Reihe unserer teuersten überseeischen Möbelhölzer. Das sehr geschätzte wertvolle Teakholz, das aus Südasien stammt, kostet pro Festmeter nur 250—400 Mark — Preise, die den Laien in Erstaunen versetzten, erzielt aber vor allem auch das Mahagoniholz. Für einen einzigen großen, in drei Teile zerschnittenen, Mahagonistamm opferte einst eine Pianosortefabrik den berühmt gewordenen Preis von 60 000 Mark! Kein Wunder, daß man mit diesem teuren Holz jetzt sparsamer und sparsamer umgeht! Moderne Furniermaschinen verstehen es, aus dem Mahagoniholz Blätter herzustellen, die nur eine Dicke oder vielmehr eine „Dünne" von Bruchteilen eines Millimeters besitzen!
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb W issen - schast. In Athen wurde am Sonntag der 16. Orien- t a l i st en - K o n g r e ß eröffnet. Anwesend waren die königliche Familie, der Kronprinz von Sachsen und zahlreiche Orientalisten aus der ganzen Welt, u. a. Professor Delbrück von ber- Universität Jena.


