Ausgabe 
7.10.1912 Erstes Blatt
 
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«Die heutige Nummer umsatzt 10 Seilen.

Dcr Minister hat sich offensichtlich bemüht, Europa von seinen Friedenswünschcn -u überzeugen. Er spricht aber zu­gleich vonäußerster Zurückhaltung", von einerSache, die sich unglücklicherweise jedem Vorausblick entziehe" und so kann man annehmen, daß die Kriegsgefahr durch­aus noch nicht beseitigt ist. Zwar sollen auch Eng­land und Deutschland den russisch-französischen Vorschlag schon zustimmend besprochen haben. Eine Pariser Mel­dung besagt darüber:

Tcr französische Botschafter in London Paul Cambon hat, da Sir Edward Grey abwesend ist, den Vorschlag Poin- carös Sir Arthur Nicolson übermittelt. Wie der Botschaster dem Ministerpräsidenten Poincarä telegraphierte, ist England einer gemeinsamen Aktion günstig. ES zieht vor, daß diese Aktion in Konstantinopel von allen Großmächten solidarisch, in den Öaupb Habten der Balkanstaaten jedoch von Oesterreich und Rußland unternommen werde. Was Deutschland anlange, so habe Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter den französischen Bot­schaster Jules E a m b o n empfangen und weder dem Wesen noch dcr Form nach gegen den Vorschlag Poincares irgendwelche Ein- wcndungcn erhoben, aber erklärt, daß mit Rücksicht aus die Wichtigkeit der Frage er dem Kaiser Vortrag halten m ü s s c. Kiderlen-Wächter habe übrigens aus seiner Ucberzeugung, daß diese Antwort eine günstige sein werde, fein Hehl gemacht.

Die Antwort Oesterreichs.

Wien, 6. Okt. Der französische Botschafter Du- maine überreichte gestern dem Grafen Bericht old den Vorschlagderfranzösischen Regierung, welcher die Durchführung der geineinsamen Aktion der Mächte, vor allem zur Verhinderung des Kriegsausbruchs und zur Erhaltung des Statusquo aus dcr Balkanhalbinsel, bezweckt. Die französische Regierung gab abermals einen Beweis ihrer friedliebenden Gesinnung, nachdem sic sich schon seit dem Ausbruch der Balkankrise in dankenswertester und eifrigster Weise bemüht, einer drohenden Kouflagranon in icnen Gebieten vorzubeugen. Die Österreich lsch-ungarische Antwort wird, so besagt eine amtliche Korrespondenz, ehe­stens und gewiß so ra>ch erfolgen, als eS im Interesse der Verhandlungen dienlich erscheint.

Inzwischen wird schon gemeldet:

Wien, 6. Okt. Die Antwort der österreichisch-un­garischen Regierung auf den französischen Vorschlag ist be­reits dem Botschaster Dumaine zugegangen. Die Ant­wort soll dem Vorschläge Poincares günstig sein.

Die deutsche Regierung

hat in der Wochenrundschau derNorddeutschen Allgem. Zeitung»"' folgende Mitteilung herausgegeben:

Tie r u h i g e r e A u s f a s s u n g , wonach die Mobilisierungen auf dem Balkan nicht unmittelbar den Ausbruch des Krieges bedeuten, behielt vorläufig recht. Ob Aussicht vorhanden ist, daß es gelingen könnte, den Krie g ganz zu verhüten, lassen wir dahingestellt. Nacydem aber ernstliche Verhandlungen der Mächte darüber, int Gange sind, einen eventuellen Krieg zu lokalisieren, so ist Teutschland an der Frage nur sehr indirekt interessiert und kann mit Ruhe die gemeinsamen Entschließungen der beiden nächsibeteiligten Mächte, Oesterreich-Ungarn und Rußland, abwarten. Ihrem gemeiuschast- lichen Vorgehen werden sich die anderen Maaite zweisellos an­schließen.

Die Wirkung in Konstantinopel

AuS Konstantinopel wird gemeldet, daß die Bot­schafter Rußlands und Frankreick)s beim Minister Nora- dunglstan vorsprack)cn, der daraus mit Kiamil Pascha eine Unterredung hatte. Die Diplomaten der Balkan- länder erklären fortgesetzt, daß kein Schritt den Krieg verhindern könne. Sie würden alle, so heißt es, gleich­zeitig Konstantinopel verlassen, wüßten aber noch nicht, wann. In der Versammlung der Entente liberale wurde eine Erklärung angenommen, welche die Regierung auffordert, den Vorschlag einer Konferenz nicht anzunehmen, sondern den, Krieg zu erklären. Tie Erklärung wurde in die Pro­vinzen telegraplstert und auch dem Sultan vorgelegt.

Eine Versammlung des jung türkische n Ko­mitees, an der über 20 000 Menschen teilnahmen, nahinl eirre Erklärung an, die der Regierung Unter­stützung verspricht, wenn sie ihre Pflicht tue.

Tie Ausfuhr von Getreide ist verboten worden.

Eine ernste Rote dcr Türkei an die Mächte.

Die Pforte veröffentlicht den Text zweier an die Mächte im Wege der türkischen Botschaften gerichteten Noten vom 2. und -L Oktober. Die erste tut in eingehender Weise dar,-, daß die Mobilisierung der Ba l ka n st a a t c n k e i n e B c r e ch t i g u n g h a b c, die zweite führt aus, daß, wie die Pforte vorausgesehen habe, das mündliche Eiw» schreiten der Mächte bei den Balkanstaaten nicht den ge-' wünschten Erfolg erzielt habe. Selbst wenn der eine oder der andere dieser Staaten geneigt uxirc, den Ratschlägen Der Mächte zu folgen, würde er durch die Furcht, das zlvi- schen den Staaten geschlossene Ablommen zu verletzen-, daran gehindert werden. Andererseits könnte die Uebcrreizung der Völker dieser Länder nur durch drohende Schritte besänftigt werden. Tiefe Ueberreizung habe natürlich einen Rüuschlag her- gerufcn bei der ottomanischen Bevölkerung und Armee, die bereits durch die verbrecherischen und blutig gen, seit Jahren begünstigten Umtriebe aus der Fassung ge­bracht worden sei. Die ott omanische Regierung sei daher bereit, die letzte Herausforderung anzunehmen und jeden Angriff auf die Sicherheit des Reiches zurückweisen. Die Lage sei äußerst ernst.

Wenn sich die Mächte zu viel Zeit lassen sollten, unt sich über die zu ergreifenden Droh-maßnahmen zu einigen, so könnten sich die Ereignisse überstürzen und die Feind­seligkeiten beginnen, bevor es zu einer Intervention käme. Die Türkei tue ihre Pflicht, indem sie noch einmal auf die Gefahren Hinweise und die Notwendigkeit, dieselben un­verzüglich zu bannen.

Tas ist ein Standpunkt, der die größte Achtung und Zustimmung aller Unparteiischen verdient. Das türkische Volk hat sich verhältnismäßig ruhig und besonnen gezeigt, aber märe geradezu in Mißkredit gekommen, wenn der er­wähnte patriotische Rückschlag ausgeblieben wäre.

K o n st a n t i n o p e l, 6. Okt. Die Verwaltung des Roten Kreuzes beschloß in Konstantinopel, Adria- nopel und Ucstub Hospitäler zu errichten.

Die Schüler der obersten Klasse der Militär sch ule werden als Leutnants in die Armee eingereiht. Zwei ägyptische Prinzen ließen sich als Freiwillige

Noch keine Entscheidung.

Auch der Sonntag hat in der Ballaitkrisis noch keine Ueberraschung gebracht. Ter große Rat der Diplomaten ist noch bei der Arbeit. Wie utopistisch die Vorstellung von einem dauernden friedlichen Einvernehmen aller Groß­mächte ist, das zeigt sich gerade jetzt wieder. Alle Welt ist davon eingenommen, daß das Feuer auf dem Balkan erstickt werden müsse, aber von einem Handsesten Zugreisen ist nicht die Rede. Zuerst werden immer iwch die natio- iialen Interessen allerorts abgewogen. Der Sitz des internationalen Dämpsungs-Aussa-usses ist gegenwärtig in Parts. Dort ist der russische Minister Sasonow eingetroffen und von dort her tönen große Worte. Man spricht von einem französischen Vorschlag und rückt geflissent­lich die Bemühungen des russisch-französischen Bundes in das Vorderlicht. Was nach einer Pariser amtlichen Mel­dung über den Inhalt einer solchen Vorstellung an die Balkanmächte und die Türkei verlautet, klingt ganz ver­ständig. Der Vorschlag soll lauten:

Tie Mächte mißbilligen die kriegerische Haltung der Balkan st aalen; zweitens: Die Mächte werden teineriei Aenderung des territorialen Statusquo auf dem Balkan gestatten; drittens: die Mächte werden die Verwirklichung der Reformen in Mazedonien selbst in die Hand nehmen.

Ruffische Phrasen.

Dazu hat der russische Minister des Auswärtigen, Sa- fonoiu, einem Redakteur desTemps" noch eine Aufklä­rung gegeben, die an Unbestimmtheit und Phrasenhastigkeit wenig zu wünschen übrig läßt:

Ich will keine Voraussage machen, aber ich kann sagen, daß wir uns bereits heute einem Resultat gegenüber befinden, dem Resultat nämlich, daß sich Europa in den letzten drei Tagen wieder gefunden bat. Di a n hat gefragt, wo i st E u r o p a ? Nun, Europa befindet sich in der redlichen Bemühung,^ welche gegenwärtig unter Mitwirkung aller Nkächte erfolgt. Selbst den Fall angenommen, daß die Bemühungen nicht genügt, unt den Krieg zu verhindern, so hat sie doch wenig­stens die Feststellung gestattet, daß derselbe Gedanke, ja das Gefühl derselben Pflicht, die Staatskanzleien leiten kann. Ter Friede Europas findet in dieser Gemeinsamkeit eine starke Bürg­schaft. lieber die Gefahren einer Balkankrisis kann und will ich nichts sagen. Tas i|t eine Sache, die sich unglücklicher­weise jedem Vorausblick entzieht und betreffs welcher die äußerste Zurückhaltung geboten ist. Heute vormittag haben Ministerpräsident Pvincars und ich nach einem neuen, aber vielleicht nützlichen Vorgel-en die Gesandten Bulgariens, Serbiens und Griechenlands solioarisch entgangen. Wir haben ihnen formell unsere Gesichtspunkte dargelegt. Ich weiß nickst, welche Form die Aktion der Mächte haben wird. Was uns an­langt, so sind wir bereit, die zwei möglichen Methoden anzunehmen: Entweder gemeinsame Aktion ober eine Aktion Rußlands und Oesterreich-Ungarns int Namen der Großmächte. Wir haben [eine Hintergedanken und sind überzeugt, daß dies auch bei den anderen Mächten der Fall ist. Tic Ausnahme, die der Vorschlag ui den verschiedenen vanptstädlen gemnom hat, beweisi dies. Ich freue mich, das; meine seit langem geplante Reise mit siefcr Krise zusammenfällt.

Nr. 256 Erstes Blatt 162. Jahrgang Montag, L Mover 1912

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Lin Großmeister der modernen Ll)em.e.

(Zum '<0. Geburtstage irmil oilwers, 9. stöber.)

ES gibt wohl kaum einen Ehemiier, dein auf dem Gebiete der organischen Chemie so viele Erjolge von größter praktischer Trag­weite beschiebcn gewesen sind, wie dem Leiter des Chemiscl-en Institutes der Universität Berlin, Emil Fisck-er. Bereits mit 23 Jahren gelang ihm sein enter gro^r Lüstag: die Entdeckung des Phenylhydrazins, eines Stosses, der mit den versckstedenen Zuckerartcn wichtige Reaickonen em gebt. Von hier aus l)at Emil Fischer bann iveiter das Gebiet zahlreicher für das rnenschlickst Seb en wichckgen Stoffe erforscht. Zunächst war es bas Gebiet des Zuckers, in bas er tiefer eindrang, und seine Erfolge auf diesem Gebiete trugen ihm bald den Ehrennamen desZucker- sischers" cm. AuS den einfachen ckstmiichen Stoßen, nämlich aus Kohlensäure und Wasser, also auS den Elementen Wanersloif, Saueriioft und Kohlennoff, die der Hauptsache nach alle lebenben organischen Wesen au,bauen, ist es ihm gelungen, die Zucker- arten und Stärken shntheli,ch aufzuvauen, ivobei er als Energie­quelle die ultraoioletieii Strah.eu verwandte, die die Ouecksüber- lantpe zusammen mit ihrem sichtbaren Lichte ausstrahlt.

Einem etwas aoberen Gebiete geboren loei.cre ersolgreickze Synthesen an, nämlich die gewiiser Pilanzcuallaloide, die der Ehemlker zu derZGruppe der Purine stellt: das Con'ein, das sich im Ha-fee und Tee ftndet, sowie das TyeobromlN, das Allaloid des Kakaos, hat Fischer synthetisch bargcucllt. Auch die Lr- rinbung, wie man die Herstellung neuer Stoffe ivohl nennen muß, von einigen medizinisch nua)iigen Stossen, nämlich von Veronal und SajoDin i|t Fisa-ers Werk. Besonders der erste dieser beiden Stosse, der vor zei-n Jahren zuerst hergestellt worden ist, spielt heute als Schlasmiftel eine wichtige Rolle in der Heilkunde. Diese letztgenannten Arbeiten Fischers liegen aber etwas außerhalb der Reihe der Untersuchungen, die ihn allmählich von einer Synthese zur anbereit bis am das Gebiet der biologisckstn Chemie geführt haben. Seit der Mitte der neunziger Jahre hatte Fischer sich von der Zuckersorschung der Ciwrißsor,chung zugewandt, der Unter- Nlchnng einer Gruppe von Stossen, die biologisch von größter Bedeurung ist. Es ist ihm gelungen, die verwickelt gebauten ein­zelnen Eiweißanen zunächst analylisch auf einfaax Atomoerbin- düngen zurückzuführen und dann aus dem umgefeljrten Wege, von Aminosäure ausgehend, Die verschiedenen Eiweißarten (Polypep­tide) synthetisch darzustellen. Tiese Untersuchungen sind es, die ihm zusammen mit den ersolgreichen Zuckersorichungen den Nobel- Preis und Ehrungen durch eine ganze Reihe gelehrter Gesell- ja-asten eingetragen haben. Neuerdings hat sich Emil r)isck>er dem Studium der Fermente zugewandt und ist Damit tieser in das Gebiet der Biologie ljineingelangt. Mit diesem schritt hat er zwei Zweige einer Wisstensck)ast, die Biologie und die Chemie, die ursprünglich als einheitliche Wissenschaft betrieben wurden, einander wieder sehr nal-e gebracht. Was srüher von Zoologen und Botanilern unter Dein Mikroskope untersucht wurde, i|t letzt der chemischen Behandlung zugängig.

Eine viel im Zusammen.-ange mit Fiia-ers Synthesen er­örterte Frage ist die nach der synil)eli,chen Herstellurig einiger für das menschliche Leben wichtiger Stoffe. Fischer hat beispiels­weise den Nachweis geführt, bag die Seide, sowohl die vom Seiden­spinner wie Die von einigen Spinnenarien gewonnene, int wesent- lid)cn F-ibroin ist, ein Stoff, Den er synthetisch im Laboratorium Herstellen kann. Allein Die Herstellung synihelisck^er KuiftlseiDe wird Darum noch niemand betreiben, weil die Natur diesen Stoss bei weitem wohlseiler liefert. Ebenso ist es vorläusig mit der Synthese der Ciu-eißjiofse. Sie ist möglich, aber Die Forschung ist noch nicht so weit, daß man kün.üicye Nayrungsmitiel im Laboratorium des ChemiterS wittsa-aitlich henteilen kann. kf.

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Anstandsregeln und Gesundheitslehre. Ein großer Teck unserer gesellschaftlichen Litlengesetze, unserer soge­nannten Anstandsregeln, leiten bekanntlich ihren Ursprung von Der GesunDheitslehre her. Tas Zuhalten DeS Vtundes beim Räuspern und Hrnien, das Zerlegen des Fisches mit der Gabel, oas Verbot, beim Essen mit dem Messer in den Mund zu fahren, alle diese Vorschriften und Verbote und iwch viele andere ent­standen wie von selbst durch das enge Zuiammenleoen Der Menschen und durch die Rücksick-t, die man au, das Wohlergel-en und die Gesundheit seines Mimtenschen nehmen mußte. Wenn es nun auch jedem einleudjtet, Dag es vor allem die Hygiene war, die diese Gesetze vorschrieb, so gibt es doch zuivetlen Dinge, bei denen der Ursprung nicht so ohne weiteres auf per Hand liegt. Mancher hat sich wohl schon gefragt, warum es als umajiatico gilt, beim Kaffee die Brötchen oder das Gebäck, das dazu gcgcfien wird, in Das Getränk einzutauck^n. Und doch waren auch hier in erster Linie gesundheitlia-e Rucksicksten matzgebend. In Der Ausstellung Ter Mensch" zu Tarrnstadt sehen wir in her AbtrilungAtmung, Verdauung" in einem Glasbehalter Zwieback ausgestellt unh da­neben in einem anDeren Glasbei-älter Die Speichel menge. Die beim Verzehren Dieses Zwiebacks vom Mund abgesondert und den Ver- Daiiungsorganen zugesuhrt wird. Tie Menge Des Speichels, der für Die VerDauung eine so wichtige und wertvolle Rolle spielt, beträgt etwa l2 Liter. Würde Der Zwieback vor dem Verzehren eingetaucht, so entfiele Der Reiz zu Dieser starken Absonderung von Speichel, Der gcrahe in Der troctenen Besck-assenheit oer Speise liegt; es wurde mithin weniger von dem wichtigen Verdauungs- fait gebübet, der unserem Magen ein gutes Teck seiner Arbeit abnimmt. Tie Ausstellung zeigt uns das an Dem Beispiel eines Apfels. Von dem saftigen Fleisch dieser Frucht geht, wie man an Den vorgesührten Gläsern sieht, kein besonderer Reiz zur Speichelbildung aus, die abgesonderte Menge ist deshalb nicht annähernd so groß wie beim Zwieback. Aus diesen Grüiwen pflegt man auch kleinen Kindern oder Leuten mit schwachem Magen den trockenen Zwieback zum Kauen z» geben, weck dieser durch Die starke Speichelabsonderung tm Hhtnöc vorverbaut, oder besser gesagt, angebaut wird, so daß Der Magen keine große Leistung mehr zu 1 verrichten braucht. Alton sieht hieraus. Daß viele Der aeselljchait--

lichen mitten im tugiia/en Verteyr, uoer oie vielteickst mancher, Dem sie nicht ge,allen, die Nase rümpfen mochte, nicht ohne Gruiw enlftauDcn sind und daß selbst kleine, un,chtinbare Tinge im Grunde genommen eine tiefe und ernste Bedeutung haben.

Tas Ende des Princeß Theaters in London. In unfern Tagen, wo sich so viele neue Theater nach kurzem Bestehen mit mehr oder weniger Slandal sang- und klanglos in Kientoppe" oder Varietees venoandeln, ba Die Direktoren schon mit dein Skelett im Hause ihre Tätigkeit beginnen, nimmt es taum Wunder, wenn auch Stätten, Die in Der Gescknchte bes Theaters einst eine btbcutcnbe Rolle gespielt haben, halber Ver­gessenheit anheim,allen und abgerissen werben. In Lonbon wirb in Diesen Tagen ein Bau fallen, Der einst große Zeiten gesehen, auf Dessen Brettern glänzeiide Sterne ber englischen Bühne ge­spielt haben. Es ist Das Princeß Theatre in ber Oxsorb Street. 1840 wurde es eroaut, und sein Baul-err, ein Bankier, trug den echten Theaternamen Hamlet. Nach einer kurzen Zeit, in Der er als Musikhalle unD Panoramatheater biente, begann feine große Zeit, als Charles ftean 18511856 die Leitung hatte. Tas war die Blüteperiode Des englischen Theaters, als durch vorbckdlia-e Aufführungen Shakespeare neu erweckt wurde. Hier trat später Ecken Terry zuerst auf und begründete ihren glänzenden Ruf mit ihrem Mamillius inEin Winter Märchen" und als Puck imSommernachtstraum". Hier trat auch Kate Terry unter Kean auf, deren Ruhm Den der großen Schwester zeitweise fast verdunkelte. Hier feierteAntonius und Cleo­patra" in einer glänjenoen Saison allabendlich Triumphe. Toch auch Die Literatur der Zeit ist in bedeutenden Werken au, dem alten Theater gepflegt worden. George R. Sims und Shirley, Charles Reade und Hall Caine sind hier zu Wort gekommen, und an manche Ausführungen haben sich Theaterskandale und prinzipielle Auseinandersetzungen der ernsthasten Kritik gehuipft. Ter ver­flachenden Londoner Bühnenentwialung entsprechend wurde später mehr die Pantomime und der Sketch gepflegt, und es gehört zu den lebendigen Theatererinnerungen, als Charles Warner in Reade's Trink" auftrat. Eine Blüte bedeutete für das alte Theater der große, unvergessene Schauspieler Wilson Barret, dessen Hamlet bewunderungswürdig war, und dessen Wiedergabe der lapioaren Verse aus Henry Arthur Jones' MelodramaTer Silberkönig", in dem er zur Darstellung bringen sollte, er sei als Mörder er­wacht,O Gott, dein Universum dreh' zurück und gib mir Gestern wieder" berühmt geworden war. Jetzt weicht auch hier das Geistige dem Leiblichen, denn an der altehrwürdigen Theater­stätte, Die so viel Glanz und Größe gesehen hat, wirb ein Hotel mck allem Komfort Der Neuzeit errichtet. Sic transit gloria theatri!

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Am 7. Oktober feiert Emil Claar, der langjährige Intendant der städtischen Theater in Frankfurt a. M., jeinen 7 0. Geburtstag.

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