Zweites Blatt
162. Jahrgang
Nr. 265
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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rbnten der einzelnen Zweigkomitees,
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von den Bulgaren beseht war, wurde von nucr türkis vag-nie unter dem Befehle des Unterleutnants Zelsm mit aufge Pflanzern Seirenge.vehr gestürmt und na<l furcbrbarem diahkampf
Nach der polizeilichen Liste in Berlin sind seit dem Jahre 1903 insgesamt 388 MadckcnHändler in Deutschland verfolgt bezw. verurteilt worden. Tie Listen des Komitees, die erst seit dem Jahre 1905 geführt werden, ergeben: In den 7 angegebenen Jahren sind 132 Mädckien ihren Verwandten wiedergegeben und 693 Erkundigungen eingezogen worden. Tie Broschüre behalidelt
v o u r gerungen. Dabaik-Enla, das, nördlich von
zur Beseitigung der Gefängniskonkurrenz gegenüber den Klagen der .Handwerker.
Der Z e n tr a l a us sch u ß der Fortschrittlichen Volk svarter
wird am 18. und 19. Januar 1913 in Berlin zusammentretcn. ?!,m 20. Januar soll der auf dem Mannheimer Parteitag angeregte „P reu ß en t a g" abgehaltcn werden, der über die sachliche und taknsckw Stellungnahme bei den nächsten Landtagswahlen zu beraten hat.
Stadtverordnctenwahl in Halberstadt.
Bei den Stadtvcrordnetcnwahlcn der dritten MtcUung in Halberstadt siegte di c bürgerliche Liste über die der Sozialdemokraten mit 313 Stimmen Mehrheit. Die Sozialdemokraten verlieren dadurch ihre sämtlichen Sitze im Stadtverordnctenkollegium.
Das Präsidium des Hansabundes hat beschlossen, die Gründung des I n d u ftri e ra t es des Hansa» bundes am 14. November, während der .Hansawoche, vorzunehmen. In der ersten Sitzung des Jndustrieratcs, der aus einer kleinen Zahl namhafter Industrieller bestehen wird, soll unter anderem die Fleischfrage erörtert werden.
Donnerstag, 7. November 1912
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen ilniversitälS - Buch- und ötcmbrudetei.
9L Lange, Bietzen.
Kreis Schotten.
0 Ulrichstein, 7. Noo. lieber die Au to mobilp ost, der ein Probewagen erst kürzlich die Straßen abgefahren verlautet seit dieser Zeit fast nichts mehr. Das hiesige
Komitee für die Autopost arbeitet fleißig weiter an der Verwirklichung deS Planes. Tie erforderliche Summe schätzt man auf 40 000 Mk. Zu ihrer Aufbringung stellt man zuerst den seitherigen Betrag der Post mit 9000 Mk. ein. 15 000 Mk. erhofft man als Staatsbeitrag. Die restlichen 16 000 Mk. blieben als Beitragsleistung der Gemeinden. Hrer liegt aber der wunde Punkt des Projekts. Die Gemeinden weigern sich, einen derartigen Beitrag zu leisten; sie haben für eine Automobilpost keine Sympathie. Sollten die Gemeinden auf einer solchen Verweigerung beharren, so will man eine Aktiengesellschaft ins Leben rufen.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 4. Nov. Ter Neubau des Postamtes hier, wie der Neubau des Eisenbahnempfangsgebäudes schreiten rasch voran, lieber 100 Arbeiter sind an beiden Gebäuden beschäftigt. Man hofft, beide Häuser noch in diesem
Deutsches Seid).
San Giuliano in Berlin.
Ilm 1 Uhr am Mittwoch fand in der italienischen Botschaft ein Frühstück für Herrn v. K i derl en - W ä chter statt, an dem Marquis di San Giuliano, der italienische Botschafter und Gemahlin, die Staatssekretäre v. Tirpitz und Tr. Solf mit Gemahlinnen, Robert v. Mendelssohn und Gemahlin, v. Schwabach u. a. teiluabmen.
Bei der Audienz im Neuen Palms überreichte <oan Grulmno am Dienstag dem Kaiser ein eigenhändiges Handschreiben des Königs von Italien.
Die Frage der gesetzlichen Regelung des Strafvollzuges
bildet, wie uns aus Berlin geschrieben wird, den Gegenstand erneuter Vorarbeiten im Reichsjustizamt. Das von den Justizverwaltungen der Bundesstaaten zur Verfügung gestellte Material aus der bisherigen Praxis des Strafvollzuges ist eingehend bearbeitet worden und wird für die Aufstellung der neuen Grundsätze Verwendung finden. Die neuen Vorschläge werden voraus-
$ie „Gießener Sawiilienblätter** werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Tie „r«ndwirtschastllchen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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Redaktion, Expedition und Druckerei: 6diul- strotze 7. Ervedttion und Verlag:
Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AiizeigerBießen.
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
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693 Erkundigungen nngezogen worden.
dann noch ausführlich die Arbeiten der „
die dem National-Komitee angesck>lossen sind: durch Angliederung verschiedener Vereine auf konfessioneller Grundlage hat sich dieses schließlich auf einen interkonfessionellen Standpunkt gestellt.
Aur Stadt nnd Land.
Gießen, 7. November 1912.
•• Die Besteuerung der Filialgeschäfte. Dek Verband Süddeutscher Großdetaillisten der LebenS- m ittel br anche, e. V., Frankfurt a. M., schreibt unS: .Von Anhängern der Einführung einer Sondersteuer für Filialgeschäfte wird immer wieder behauptet, daß die zu Besteuernden eS verstehen würden, den tatsächlichen Gewinn der Besteuerung zu entziehen. Diese Behauptung ist unrichtig. Die zu dem Verband gehörenden Großdetaillisten berechnen ihren Filialen die ihnen gelieferten Waren zuVerkaufSpreisen. DieS geschieht aber nur der nötigen Kontrolle halber und hat mit der Besteuerung nichts zu tun. Diese Besteuerung findet vielmehr, wie daS Finanzamt I in Offenbach bestätigen kann, in folgender Weise statt. Die Großdetaillisten stellen in lieber- einstimmung mit der Steuerbehörde und unter deren Kontrolle ihren Gewinn für die Filialen zum Zweck der Besteuerung in der Weise fest, daß ihr Gewinn auS sämtlichen Filialen, sowohl denjenigen am Zentralsitze als auch denen an allen auswärtigen Plätzen im Verhältnis deS Umsatzes auf die einzelnen Filialen verteilt und hiernach die Steuer der einzelnen Filialen festgestellt wird. DieS hat ein Vertreter der hessischen Regierung in einer Konferenz hessischer Handelskammern ausdrücklich als richtig anerkannt. Der Verband Süddeutscher Großdetaillisten wird den, der die unwahre Behauptung wieder vorbringt, auf Unterlassung verklagen, wenn er von einem solchen Vorbringen Kenntpis erhält."
** Der Gewerbeverein hielt am Dienstag abend im Caf6 Ebel für diesen Winter seine erste Monats- vorsammlung ab, die sehr gut besucht war. Der Vorsitzende empfahl zunächst den Mitgliedern den Eintritt in Die Handwerker st erbekas sc und die Benutzung der ncucrrichteten Einziehung s st clle in Darmstadt und teilte dann mit, daß als Tag für die Feier des 75jährigen Bestehens der hiesigen Gewerbeschule der 3. Osterfeiertag (25. März) bestimmt sei, daß die Feier in einem Festakt am Vormittag und einer Familienfeier am Nachmittag bestehen solle und daß eine achttägige Ausstellung der Schülerarbeiten der Gewerbeschule uno der gewerblichen Fortbildungsschule ins Auge gefaßt sei. Die Neuwahl des Gesellenprüfungsausschusses ergab in der Liste der Beisitzer keine nennenswerten Veränderungen. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde Gewerbelehrer und Architekt Ph. Schramm, zu stellv. Vorsitzenden Stadtv. Huhn, Schlossermeister Dörr, Gewerbelehrer und Architekt H. G a r n o n und Schreinermeistcr Gg. H a u b a ch gewählt. Sodann hielt Rechtsairwalt Kaufmann einen Vortrag über „Erbrecht und Testament". Die klaren Ausführungen wurden aufmerksam verfolgt und mit großem Beifall ausgenommen Die nächste Monatsversammlung findet am ersten Dienstag im Dezember statt.
Kreis Alsfeld.
X Mücke, 6. Noo. Von den umliegenden Orten unseres Bahnhofes, besonders aus dem benachbarten Ohmtal, findet eine große Zahl von Arbeitern Verdienst in den Eisengießereien zu Wetzlar und Lollar. Wer die Arbeiterzahl Samstags und Montags hier beim Kommen und Gehen beobachtet, findet, daß diese Zahl gegenwärtig sich vergrößert hat. Tie benachbarten Eisenstembergwerke spüren diesen Abgang von Arbeitern nach Wetzlar. Besserer Verdienst und befiere Lebensweise sind wohl hier die treibenden Faktoren.
genommen. Tas Handgemenge trug den Charakter verzweifelter Wut. Pardon wurde nidn gefordert und Pardon nidu gegeben. Ter Ingrimm der Türken i|t maßlos, denn man bcsdrnldigt die Bulgaren, türkische Verwundete zu ermorden. Das Gcrücln ist natürlid> unbestätigt, aber seine Wirkung auf den Geist der Truppen ist unverkennbar."
Als der Korrespondent seinen Bericht absandtc, war der Kampf um Luele-Burgas noch un entschied en: der linke Flügel der Bulgaren dagegen war im Zuriickwcichen, und Muthtar Pascha ging vor. . . Nach all den Erfahrungen der ersten beiden Schlachttage zeigt sich jedenfalls, daß die türkischen Linicntruppcu auch heute noch mit alter Bravour und alter Todesverachtung zu kämpfen wissen. Mer immer wieder werden die Wirkungen ihres Heroismus durch die Rcscrveabteilungen zunichte gemacht. „Die Truppen der Territorialreservc von Luele-Burgas, die Mustafiz, benahmen sich erbärmlich. Als bulgarische Kavallerie sich ihren Stellungen Näherte, wurden sie von der Panik ergriffen, warfen die Oterocfyre fort und liefen wie die Hasen davon. Und leider sah man auch viele Reserveoffiziere diesem Beispiel folgen. Tie Flüchtlinge stürmten zur Dahn, zerrten Frauen und Kinder aus den bereitste!) en den Zügen, nahmen deren Plätze ein, drängten sogar auf die Lokomotive: nur fort, schnell fort. Sie erreichten Seidlen in offener Meuterei, brüllten, beulten, verlangten etwas zu essen und schienen zu jeder Gewalttat bereit. In Scidler stand der Zug mit den fremden Kriegs kor re- spondenten: die Haltung der Deserteure wurde immer drohender: „Diese Hunde haben Brot: schlauen wir sie nieder!" Prachtvoll benalnnen sich die anwesenden türkischen Offiziere. Kaltblütig gingen sie auf die Horden zu, trotzten Der Gefahr, nahmen den Kerlen richtig die Waffen ab und bewahrten die Korrespondenten vor dieser Soldateska. „Wir schulden diesen Tapferen viel Tank."
3n der türkischen Zchlachtreihe bei tuele-vurgar.
Zum ersten Male ist es jetzt einem europäischen Kriegskorrespondenten gelungen, die Türken während des Kampfes aus unmittelbarer Nül>e zu beobachten und seine Schilderung dem Telegraphen drahte zu übermitteln, ohne die Zensur passieren zu müssen. Der Kriegskorrespondent ocr „Stainpa" weilte am 30. Oktober in den Schlachtreihen bei Luele-Burgas, sandte seine Aufzeichnungen durch Boten nach Konstantinopel, von hier nach einem neutralen Hafen, von wo aus die Schilderung auf drahtlosem Wege zensurfrei nach Turin gelangte. Es scheint, daß in der Schlacht von Luele-Burgas im osmanischen Heere wieder etwas von dem Geist der alten SurEentrieger aufgeflammt ist. Am 29. Oktober begann das gewaltcge Ringen, mit dem zum ersten Male in diesem Feldzug den bulgarischen Angreifern ein wirklick>er Widerstand entgegengesetzt wurde.
„Tie Türken schlagen fid) um ihre Existenz und mit einem heldenhaften Ingrimm. Um jeden Fuß Boden wird mit beispielloser Grausamkeit gerungen. Die SckZladft begann mit einem heftigen Artillettefeuer von Seiten der Bulgaren, denen es trotz aller Sclüvierigkeit und der strengen Kälte gelungen war, Geschütze von großer Tragweite herbeiDsicliaffen. Von Anfang an konzentrierte sich das Haiiptseuer auf die nördliche Spitze von Luele- Burgas, wo die türkische Verteidigungslinie eine s?Irt rechten Winkel bildete. Tie Türken haben drei Armeekorps im Kampfe. Ihre Stellung ist am reckst en Flügel besonders stark, am linken Flügel aber und im Zentrum liegen infolge des ebenen Terrains die Berl)ältnisse weniger günstig. Tie türkisckre 91rtillerie erwiderte sofort das Feuer. Während einer Feuerpause nahmen die Bulgaren wobl an, die feindlichen Geschütze zum Schweigen ge- gebradst zu haben: und ein wilder Angriff setzte ein. Anfangs wurde die türkische Infanterie von dem Ansturm zurückgedrängt: aber als dann die Verstärkungen entwickelt wurden, gelang es ihnen schließlid), das verlorene Terrain zurückzuerobern.
Das ist in großen Umrissen der Verlauf des ersten Schlacbt- tages: am zweiten, am 30. Oktober, setzte das Ringen mit erneuter Wut wieder ein. Man kämpft auf einer Front von nahezu 40 Kilometer. Schesket Pascha, der die Truppen in Lucle-BurgaS befehligte, geriet in eine verzweifelte Sage. Durch die starken Verluste des vorigen Tages zu wilder Leidenschaft entbrannt, gingen die Bulgaren mit großen Kräften in wildem Sturme vor. Schesket Pasdw mußte befürchten, aufgerieben zu werden und verlangte von Abdullah Pascha schleunige Verstärkung. Mdullah befand fid} in Corlu, 40Kilometer weiter südlich, und setzte fid) sofort in Bewegung; en brachte die in den letzten Tagen in Corlu konzentrierten Reservedivisionen mit. Es gab ein wildes Turckxinander, die Truppen, Infanterie und Artülerie, stürmten die Eisenbahnwagen, um möglichst schnell zur F-ront zu kommen: viele Reservisten hatten überhaupt noch keine Waffen, wurden aber in aller Haft zur Front gesandt, wo man sie dann auf dem Scküadstfelde mit den Gewehren und der Munition der Gefallenen und Verwundeten ausrüftete. Mdullah selbst eilte zur Front. Ten ganzen Tag über trafen in Luele- Burgas aus Corlu kommende Truppen ein; die Soldaten .erkletterten die Wagendächer, banden sich fest, um nicht zu fallen, alles «rollte in den Kampf. Andere Regimenter marschierten idfort zu Fuß los; uitterwegs wurde das Gepäck abgelegt, um !ben Marsch zu beschleunigen und möglichst fdjncH bei den bedrängten Gefährten einzutreffen. .
Ter Ingrimm des Kampfes spottet jeder Beschreibung. Aus beiden Seiten wurde mit einer heldenhaften Br a-
Wilfons Sieg bei der Präsidentenwahl.
Die Stimmen zahl, die Wilson erhält, ist wahrscheinlich die größte, die je ein Präsidentschaftskandidat in den Bereinigten Staaten crltalten hat. Sicl-er hat er 404 Wahlmänner stimmen aus 38 Staaten. Taft erhielt bisher nur 15 Stimmen, Roosevelt 112 Stimmen. In allen zweifelhaften Staaten siegte Wilson Sein Sieg . in den republikanisckfen Hochburgen Maine und Massachusetts ist besonders bemerkenswert Roosevelt hat weniger .Stimmen erhalten, als seine Anhänger erwartet haben; er war in vielen Landes teilen dritter. In N c w V o r k erhielt W i 1 s o n 698000, T a f t 493 000, R o o s c v e 11 419000 Bolksstimmen. Die Nerv Yorker Staatslegislatur ist demo- 'kratisch geworden. Das sozialistisck)e Mitglied der New Yorker Legislatur, der sozialistische Kongreßmann Borger, ist ansckfeinend geschlagen.
In das Unterhaus des Kongresses werden voraussichtlich 289 Demokraten, 132 Republikaner und 13 Progressisten einziehen. Im Bundesrat haben die Demokraten anscheinend eine Mehrheit von sechs Sitzen erobert. Die demokratische Kontrolle der Durchführung .des Tarifprogramms ist notwendig.
- Im Kabinett Wilson wird so gut wie sicher Bryan das Staatsdepartement übernehmen und Louis Brand- eis, der sich von einem Trustadvokaten zu einem Gegner der Trusts entwickelt hat, den Posten des Gencralstaats- anwalts. Wiley, der voraussichtliche Sekretär des Ackerbauamts, soll ein Nahrungsmittelgesetz nach deutschem Muster befürworten; der künftige Handels- nrinifter Redfield ist wenigstens im Prinzip absoluter Freihändler. .KriegsMinister soll der berühmte Ingenieur und Brückenbauer Mac Adao werden.
Now Pvrk, 6. Nov. Auf die Nachricht von dem Siege Wilsons erklärte Taft: „Das Ergebnis der Wahl bedeutet einen nahe bevorstehenden Umschwung in der Wirtschaftspolitik der Regierung betreffend den Zolltarif, falls dieser Wechsel ohne Schaden für die Wohlfahrt des Landes verwirtticht werden kann. Die Stimmenabgabe für Roosevelt und der Vorstoß der Sozialisten beweisen, daß ihre Propaganda zu Gunsten fundamentaler Veränderungen unserer Verfassung und unserer parlamentarischen Regierung einen bedenklichen Rückhalt lwt. Die Republikaner müssen sich daher von neuem um die Fahne der Partei scharen zur Verteidigung der Regierung, die uns von unseren Vätern vererbt ist."
Tief bewegt empfing Wilson die Glückwünsche seiner Freunde. In einer kurzen Ansprache sagte er u. a.: „Ich glaube ernstlich, daß unsere große Sache gesiegt hat, und daß das amerikanisckie Volk weiß, was cs will. Ich selbst habe kein Gefühl des Triumphes, sondern nur das Gefühl sck-werer Verantwortlichkeit."
Roosevelt erklärte, der Kampf für die Grundsätze der Fortschrittspartei werde fortgesetzt. Er aab der Hoffnung Ausdruck, daß der Partei in Zukunft doch noch Erfolg beschieden sei.
Der Kampf gegen den Mädchenhandel.
Für die bevorstehende Tagung des Teutsck>en Nationalk.nniteeZ zur internationalen Bekämpfung des Mädcl-enhandels hat der Schriftführer des Komitees, Maior a. T. Wagen e r, in Broschürenform dessen Geschichte geschrieben, die interessante Einblicke in die Ziele, das Arbeiten und die Erfolge dieser Arbeit ge- nxüjrt. Einleitend bemerkt der Verfasser, daß das Verdienst, die internationale Bewegung gegen den Mädchenhandel in Fluß gebracht zu haben, dem Sekretär der englischen Pigllanee Association, Mr. Coote, gebührt, der nach seiner eigenen Angabe durch eine Vision auf die Begründung von National-Komitees hingewiesen worden ist. Bei seiner Arbeit in London hatte er wiederholt junge Mädckxm kennen gelernt, die durch lügnerische - Versprechungen und Vorspiegelungen falscher Tatsachen zu einer Reife ins 2lus- land verleitet und bann durch Mädchenhändler in öffentliche Häuser verschleppt worden waren. Es war ihm nur in seltenen Fällen gelungen, diese Mädchen vor ihrem Schicksal zu bewahren. Er erkannte sehr bald, daß es sich hierbei um ein internationales Verbrechen handelte, das auch nur aus internationalem Wege beseitigt werden konnte. Tas erste Land, welches er sich zu seiner Arbeit auswählte, war Deutschland. Mr. Coote trug einer Versammlung interessierter Persönlichkeiten in einem längeren Vortrag seine Erfahrungen, seine Wünsche und seine Vorschläge vor, die in der Hauptsad-e darauf hinausliefen, in jedem Lande ein Komitee zu bilden, dessen Vertreter im Juni 1899 in London zusammenkommen sollten, um darüber Beschluß zu fassen, wie bei der Verschiedenheit der Gesetzgebung, der Verwaltungsvorsdiriften, der staatlichen und privaten Einridstungen, der Fürsorgevereine, der Nationalität usw. eine einheitliche Arbeit eingeleitet werden könne. Tie Brosdpire schlldett dann die Weiterentwickelung dieser Bestrebungen, bis zur definitiven Gestaltung des Deutschen N a t i o n a l-Kom i t ees, die vom 7. bis 10. Oktober 1902 in Frankfurt a. M. erfolgte.
Im Frühjahr 1903 unternahm der Schriftführer im Auftrage der Kaiserin eine Informationsreise in die Häfen des Mittel- ländisd>en Rtceres. Es sollte festgeftellt werden, welche Häfen bei der Verschleppung der Mädchen besonders in Betracht kämen. Mit ©idterljeit nachzuweisen waren derartige Transporte in Marseille, Genua, Athen, Odessa, Konftantiu»pel und Alexandria. Im Jahre 1906 fand eine Studienreise des Schriftführers nad) Argentinien statt, die dadurd) erforderlich wurde, daß das Ziel der meisten verschleppten Mädck)en en'ahrungsgemäß Buenos Aires ist und die Ansickst verbreitet war, der größte Teil der in den dortigen Häusern befindlichen Mädd>eu stamme ausDeutschland. Es ließ sich seststellen, daß sich so gut wie gar keine deutsche Mäddten in den öffentlichen Häusern befanden. Die aus Galizien, Rumänien, Serbien, Bulgarien und Ungarn gebürtigen Mädchen batten sich als Reichsdeutsche ausgespielt und dadurd) diese falsche Ansicht veranlaßt. Aud) die Behauptung, daß die deutschen Schisss- lapitäne Provisionen für den Transport solcher Mädckren bekämen, erwies sich als irrig, es konnte im Gegenteil festgeftellt werden, daß die meisten Anzeigen über Mädchenhandel gerade von deutschen Kapitänen ausgegangen waren.
Burgrs, 1 sichtlich dem Strasgesetzausschuß zur^ Begutadrtung unterbreitet* n Kom I werden, wie auch beabsichttgt ift, den Strafvollzug im Zusammenhänge mit dem neuen Strafgesetzbuch neu zu regeln. Die Reform, geht von liberalen Grundsätzen aus, kommt ben bürgerlichen Verhältnissen des Verurteilten wesenttich beim Strafantritt entgegen, regelt die Frage der G c f a nge- nenbeftbaftigung neu unter Berücksichtigung vielsach geäußerter Wünsdte der öffcnHidfcn Meinung und macht Vorschläge
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