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8.1.1912 Erstes Blatt
 
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Schutz der Nad Hölzer gegen Schneebruch.

Don Professor Dr. G. Worgitzky*).

Wie entgehen unsere Nadelhölzer den Gefahren des Schutt- bruchs? Lenken wir unsere Schritte dem heunatltchen Walde zu, wenn der erste Schnee gefallen ist und wir lautloZ über eine weichen Shncn da hm schreit en. Alle Aeste der Nadelbäumc tnd von ihm bedeckt, doch nur in schmaler hoher cd)'.d)t,, dte anfangs wenig fest haftet. Schon die leise Erschütterung unterer Tritte genügt, um sie da und dort beim Vorübergehen zum plötzlichen Abrutschen %u bringen und erst recht werfen sie dte leisen Schwellungen deS Westwindes herab. Wte bald werden die Wivsel vorn Schme gesäubert stehen, wenn sich dte schwach? Strömung zu wirklichen Windstößen ausgewachsen haben wtrd. Auch die Wintersonne mit ihren bloß schrägen Strahlen befreit doch oft in kurzer Zeit die Wipfel von ihrer Schncelatt, wenn sie die Trusten an tfroen Ränoern zum Schmelzen bringt, bis sie den Halt verlieren und abfallen, um dann in die unverletzte Schneedecke des Bodens eigeMümliche fährtenarttgc Lücken zu schlagen, der jeder Semit, der zur Winterszeit den Hochwalo durck-streift hat. Es ist wieder Form, Stellung und Kletnheu der Aadeln, die den Bäumen diese willkommene Erletchlerung verschaffen. Die schmale Form läßt den Schnee an den cm* seinen Nadeln überhaupt schlecht haften und ihre zwar sichte, aber nach allen Seilen ncri-Wc Stellung bietet keine günstige Unterlage zu seiner Anhäufung. Das gilt nicht nur für die büsdielförmigen Zweige der Kiefer, sondern noch mehr für die Fichte lPicea exc(fa), deren kurze Nadeln einzeln und allseitig um den Zweig stehen, wenn auch oberseits etwas dichter als unterseits, und ebenso für km Wacholder iJumperus com­munis), dessen vfri menförmig zugespitze Nadeln dreizählige Quirle bilden. Nur bei Tanne und Eibe (Tarus baccata) sind die Nadeln zweiteilig geordnet, d. h. sie stehen in zwei Langs- retben am Zweige, als wären sie mit einem Kamm geidjeitelt worden, nnd beide Bäume wären daher leicht zu verwechseln, wenn nickst die Längsfurchen an der Nadelunterseite bei bet Tanne graue, bei der ®ibe gelbgrüne Farbe hätten und die Eibe nicht im Spätherbst ihre scharlachroten Scheinbeeren trüge. Doch sind die beid n Nadeln zu kurz, um eine geeignete Fläche für die Schneekruste zu sck-affen, und infolge ihri^s glänzeiiden Wachs­überzuges zu gjatt, um leichtes .Haften zu ermöglichen. Eitd- lich ist die hängende Stellung der Endzweige und ihre elastifche Federung bei allen Nadelbäumen der längeren Sckstieebedeckung hinderlich.

Nur wenn reichliche Mengen feuchten Schnees Tage hindurch niedergehen, dessen große nasse Flocken in dicker, immer wachsen bet Kruste Heben bleiben, oder wenn gefrierender Nebel oder

überkalteter Stegen, derRanchfrost", sich in großen Eiskiumpen an die Zweige hängt, dicke Eisschalen um die Stämme legt und schließlich die Wälder ganzer GrittrgsNanken m einen einzigen glitzernden Eismantel hüllt, dann können wir auch im Nadcl malb ähnliche Verwüstungen durch Schneebruch erleben, wie nur sie bisweilen im Laubwald antreffen. Aber es handelt fick bann immer nur um zeitlich und örtlich begrenzte Zerstörungen, die iwar daS Daldgebist eines bestimmten Bezirks auf Jahrzehnte hinaus aufs schwerste schädigen, aber niemals die Nadelwald r ganzer SrcitenftridK gleichzeitig Heimsuchen, den Fortbestand d-st Nadelwaldes als solchen in Frage stellen. Die Schneefälle der beginnenden Eiszeit mußten allein durch ihre regelmäßige Died-r kehr, und nickt durch besondere Ergiebigkeit oder lange Dauer, das weitere Auftommen von Laubwäldern mit tropischem G/eorägf vernichten, während sie die damaligen Nadelhölzer in nickt höherem Grade schädigen konnten, als es unsere heutigen Diuter tun. Erleben wir es dock fast alljährlich, daß die,Fichten-' und Tannen­wälder unserer Gebirge wochenlang^tief verschneit stehen, uw jebci Äst seine hohe, zum Teil vereiste Schneemütze aufgesetzt hat und sie die ganze Zeit über, solange das gleichmäßige Frostwetlei' auljält, ohne Gefährdung erträgt. Dazu verhilft ihnen nicht zu letzt die schmale Wipfelform der Nadelbäume. Man denid an Den Wacholder und seine seltsamen, fast an v.rmummte Mensckwn- gestalten gemahnenden Gebüsche, wie sie unsere nordischen Heiden beleben und ihnen in ihrer starren Eigenart ein neues Eharaller > mertmal aufprägen. Die Kiefer im jugendlichen Zustand, die

-Fickte zeitlebens, ähnlich die Tanne, überraschen durch die regel­mäßige Pt)ramid7nform ihrer Wipfel, wo die Zweige quid artig in einzelnen Stockwerken nach allen Seiten abgehen und^die folgenden immer etwas kürzer als die vorhergehenden werden Nur an den äußeren Enden der Zweige kann hier der Schtee haften, da die jüngeren Zweige die darunter stehenden älteren teilweise decken. Es verteilt sich die Schneelast auf zahlreiche, relativ kurze Arme, die selbst wieder in günstigster Stellung von dem 8-cntraIen Stamm getragen werden.

Sinnend blicken wir auf zum eintönigen Winterhimmel, denen grau verschleiertes Gewölbe soviel im Geschick unserer Heimat- licken Wälder entschieden hat, als wir durch rauhe Tone anf- aeichreckt werden, die aus ihtn selbst zu Erni men scheinen, schwarze Schatten taudyen in größeren Höhest über den Wipfeln auf, eine Vogelschar, aus deren Dritte die Stimmen vereinzelt ersck>allen. Zu Hunderten ziehen sie schweren, aber eilfertigen Fluges, fast zielbenußt dahin. Sind es Nebelkrähen, die der eisige Winter des tontinentalcn Ostens nach dem milderen Westen treibt, sind cs Saatkrähen auf der Wanderung nach Süden? Wir vermögen es von unten nicht zu entscheiden. Mit ihren dnnllen Fittichen aber fliegt unsere Sehnsucht, hin zu jenen glücklichen Breiten, fernen letzt ein heiterer Himmel lacht und eine wärmere Sonne strahlt.__

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