Ausgabe 
7.11.1912 Erstes Blatt
 
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von allen Seilen ein. Vor allem gibt es wieder Brot für die Truppen.

TieBoss. Ztg." will aus Konstantinopel wissen, Kiamil Pascha, der bisher durch Russen beeinflußt worden sei, habe sich jetzt durch die Darlegung fremder Fachleute überzeugen lassen, daß ein Kampf bei T scha ta l d s che a us si ch t s r e i ch sein könne.

Nach einer Konstantinopeler Havasrneldung s chickt sich der Sultan an, mit seinem ganzen H of und Regie­rung nach Asien über; u siedeln. .Tie Archive sollen bereits gepackt und alles zum Umzug bereit Jein.

Abdullah Pascha ist angeblich abgesetzt wor­den, weil er vollkommen versagt habe, dafür sei 5) am di Pascha mit der Führung des linken Flügels beauftragt worden.

Ein türkischer Offizier, der von Tschataldscha zu­rückgekehrt ist, behauptet, dort sei nichts zur Verteidigung vorbereitet.

Die türkischen Beamten und die Pforte scheinen nicht mehr an Wider st and gegen die Bulgaren zu denken. Es herrscht allgemeine Mut­losigkeit. Tie Soldaten sengen und brennen beim Rückzug alle Dörfer nieder. Dabei sollen viele bulgarische Bauern erschlagen worden sein. Aller dings wurde vorher aus allen bulgarischen Dör­fern auf die Truppen, vor allem auf allein reitende Offiziere, von Komitadschis und Bauern oft mit Schrot und Jagdmunition geschossen.

Auf dem Rückzüge von Bisa und Seraj sind viele Soldaten in der Panik niedergetreten wor­den oder, vor Hunger erschöpft, im meterhohen Sck;lamm stecken geblieben. Die Gefechtsverluste selbst sind anschei­nend nicht sehr hoch.

Allerlei aus Konstantinopel.

Konstantinopel, 6. Nov. Wie verlautet, sind bei Midi« die Trümmer des türkischen Schiffes T s ch a m l y" gefunden worden, das auf eine von den Bulgaren im Schwarzen Meer gelegte Mine gestoßen und gesunken sein soll.

Den türkischen Blätter:: zufolge hat das Kriegsmini­sterium angeordnet, daß alle Offiziere, die sich noch nicht bei ihren Regimentern eingefunden haben, als De­serteure zu betrachten sind.

Zahlreiche Flüchtlinge aus Pristina sind in der Hauptstadt eingetroffen. Der frühere Sultan befin­det sich in dem Palais Beylerbeh. Er wird dort entgegen kommend behandelt. Eingeiveihte Kreise versichern, daß der Sultan sich weigere, den Beschluß des Ministerrats zu genehmigen, wonack) Abdul Hamid nach Brussa ge­bracht werden sollte, daß er seinem Bruder vielmehr den Aufenthalt in Konstantinopel gestatten wolle und ihm ein großes, eines früheren Souveräns würdiges Palais zur Verfügung stellte.

DerT a n i n" rät der Öffentlichkeit, besonders den Nichtmohammedanern, den übelwollenden und alarmieren­den Gerüchten keinen Glauben zu schenken. Der Schutz unserer nichtmohammedanischen Landlente, sagt das Blatt, ist nicht nur eine Pflicht der Menschliche feit, sondern auch eine religiöse Pflicht. Alle Mo­hammedaner kennen diese Wahrheit. Es wäre ungerecht, zu glauben, daß die Mohammedaner Ausschreitungen be­gehen würden.

Konstantinopel, 6. Nov. (Reuter.) Die Bot­schafter haben darum ersucht, einem zweiten Pan­zerkreuzer die freie Durchfahrt durch die Dardanellen zu gestatten.

Die Bulgaren auf der Verfolgung.

Der Kriegsberichterstatter der Wiener R e i ch s p o ft" meldet aus dem Hauptguartierder bulgarischen Ostarmee vom 5. November:

In den letzten Tagen wurde eine Teilung des großen Hauptquartiers vorgenommen. Stara-Zagora lag schließlich nur mehr in Bezug auf die Operationen gegen Adrianopel und die Leitung des Nachschubdienstes günstig, für die Leitung der Operationen der Feldarmee jedoch zu weit ab von dem Schauplatz der- entscheidenden Kriegs- opcrationcn. Daher wurde die Teilung derart vorgenom­men, daß nur das sozusagen repräsentative Königliche Hauptquartier noch aus bulgarischem Boden verblieb, wäh- rend das eigentliche militärische Hauptquar­tier mit dem Generalissimus General Sawow und dem Chef des Generalstabes Fitschew auf Kirk Kilisse vorgeschoben wurde. Nach dem Fall von Adrianopel soU dann auch die Verlegung des Königlichen Hauptquar­tiers erfolgen.

Die Verfolgungsoperationen der Haupt­armee gegen die türkische Feldarmee werden trotz oer enormen Inanspruchnahme in der dreitägigen Schlacht fortgesetzt. Die Offensive erfolgte, ent­sprechend der Gruppierung der bulgarischen Hauptarmee in der Schlacht von Luele-Burgas-Visa, in zwei Haupt­richtungen. Eine südliche Armeegruppe drängte in östlicher Richtung über Corlu nach, während der zweite Vorstoß aus dem Norden über Saraj und Jstrandscha erfolgte. Tie südliche Gruppe rannte die türkischen Nach­hutstellungen hinter dem Beazko-Jderf-Flnß bei Karischadiran und Gekerler sowie hinter dem E r g e n c - F l u ß durch einen gleichzeitigen Frontalangriff und Umgehung des linken Flügels ccher I sch.e n ge r le r - Musclimki über den Haufen und warf die Türken in die Deroute hinter Corlu. Das ungestüme Nachdrängen der Bulgaren scheint neuerlich eine vermehrte Verwirrung unter den türkisck^en Massen hervorgerufen zu haben, denn trotz der großen Gefahr, durch die bul­garische Nordgrmppe in der rechten Flanke umgangen und abgeschnitten zu norden, habe:: starke türkische Krä f t e hint er C o r lu neu crdings Stellung ge­nommen, wo sie von den Vulgaren aus den Richtungen Gekerler, Karahasa nko et und Mueselimkoei angegriffen und nach heftigem Kampfe unter großen Verlusten zurückgeworfen wurden. Die bulgarische Nordgruppe ist mit starken .Kräften im Vorgehen über Saraj begriffen inti) erreichte mit ihrem linken Flügel, etwa eineinhalb Division-en, die Höhen von Stranza. Eine weitere Offensive dieses bulgarischen Flügels wird nur mit schwächeren Kräften südlich auf Tschcrkesloei und Jeniizloei erfolgen. Der Hauptteil geht ohne Rücksicht auf die südlich stehenden türkischen Streit­kräfte direkt über Stranza gegen den Raum zwischen Dcr- kossee und Tschataldsckx: vor, während die südliche Armee­gruppe der Bulgaren den Hauptstoß erttlang an der Bahn über F-enarkadikoei frontal gegen Tschataldscha führt.

Die allgemeine M'sicht bei diesem Vorgehen ist, die nicht ab geschnitten en Teile des türkischen Heeres durch scharfes Nachdrängen noch vor der Tschatal­dscha. P v s: t: o n zu r Sch l a ch t zu stellen und glcidt- jcitig mit den geschlagenen türkischen Truppen in diese Stellung cinzudringen. Erst wenn dies nicht gelingt, soll ein normaler Angriff unter Mitwirkung von schwerer Ar­

tillerie Platz greifen. Die unaufhaltsame Offensive der bulgarischen Armee wäre trotz der außerordentlichen Lei­stungen der Truppen nicht moalich, wenn nicht der Ver- pslcgungs- und N ach schu b a p P ar a t tatsäch­lich ohne Klagen funktionieren würde. Das Zu­sammenarbeiten von Intendantur und Generalstab ist ideal zu nennen. Man erkennt hieraus die außerordentlich vor­bereitende Friedensarbeit des bulgarischen Heeresappa- rates. Die Trophäen aus den letzten siegreichen Kämpfen sind außerordentlich zahlreich. Die erbeuteten Schnell­feuerbatterien werden, soweit Munition vorhanden ist, zu der Verstärkung der mit altem Material ausgerüsteten Rc- servedivisionen verwendet.

Größere Verluste als bei Luele-BnrgaS.

Sofia, 6. Nov. Nach einer aus am t lich en>Kr e i- sen stammenden Nachricht aus dem Hauptquartier ist die Nachhut der Türken aus mehreren Stellungen zwischen Corlu und Saraj nach äußerst heftigem Widerstand auf Tschataldscha zurückgewor­fen worden, wobei die Türken größere Ver­luste erlitten hätten als bei Luele-Burgas

Die Agence Bulgare meldet: In den fünftägigen Kämpfen um Luele-Burgas und Bunar His­s' ar erbeuteten die Bulgaren 37 Schnellfeuerbatte­rien und machten über 2000 Gefangene. Die Verluste der Türken betragen ungefähr 25000 Tote und Verwundete. Die Stimmung der Türken ist gedrückt. Bis jetzt haben die Bulgaren auf der Linie Adrianopcl-Konstantinopel vier Lokomotiven und 243 Wag­gons mit Beschlag gelegt. Auf der Strecke Luele-Burgas- .Kirk Kilisse ist der regelmäßige Verkehr wiederhergestellt. Der Geist unter den bulgarischen Truppen ist nach wie vor ausgezeichnet.

Monastir gefallen?

Rom, 6. Nov. DerTribuna" wird aus Belgrad gemeldet, daß sich Monastir heute nachmittag 2 Uhr den serbischen Truppen ergeben hat.

Heber die Einnahme von Prilep wird aus Uesküb gemeldet: Tie bei Kumanowo und Veles geschla­genen türkischen Truppen in der Stärke von 20Bataillonen mit Artillerie nahmen zwischen Veles und Prilep eine Rückzugs st ellung ein. Obwohl in­folge der schwierigen Terramverhältnisse die serbische Ar­tillerie nicht in Tätigkeit treten konnte, gelang es der serbischen Infanterie trotz des türkischen Artilleriefeuers, die Türken aus ihren Stellungen zu verdrängen. Das 5. serbische Infanterieregiment erstürmte hierbei mit dem Bajonett die türkische Artilleriestellung. Hierauf traten die Türken den Rückzug an und die Serben nahmen ohne weiteren Widerstand Prilep ein.

Der Kampf, der gestern bei Demir Kapu statt­fand. war hartnäckig und endete mit der Niederlage der Türken und der Einnahme des Passes durch die ser­bischen Truppen. Die große Brücke über den Wardar- fluß ist unbeschädigt.

Gestern traf eine Kolonne des serbischen Generals Zivkowitsch in Ipek mit den Montenegrinern zusammen.

Grausamkeiten der Serben?

Ter BerlinerLok.-Anz." meldet aus Semlin: Die frem­den Kriegsberichterstatter beim serbischen Heer haben die Heimfahrt ang etreten. Sie wurden geflissent­lich von den Schlachtfeldern ferngehalten, können daher auch die Gerückste nicht dementieren oder betätigen, wonach die S er­ben die Albaner systematisch ausrotten und ihre Dörfer verbrennen. Tatsache ist, daß gefangene Albaner die Damen vom Roten Kreuz kniefällig baten, sie nicht aus der Pstege zu entlassen, weil sie sonst auf freiem Felde erschossen würden.

von der Belagerung Adrianopel?.

Die türkischen Blätter veröffentlichen Telegramme ihrer Korrespondenten aus Adrianopel über den Kampf im Gürtel von Adrianopel. Die Bulgaren erlitten ixtbei große Ver­luste. In dem Ka,mpf am 31. Oktober bei Akb unar er­beuteten die Türken 48 Wagen mit Munition. Ein bulgarisches Bataillon wurde gänzlich vernichtet. Die türkische Artillerie zerstörte einen bulgarischen Transport von Lebensmitteln. Am 31. Oktober warf ein bul- garischerFliegereinSchriftstückindieStadt, in dem gesagt wurde, daß nach dem Fall von Kirk-Kilisse der Widerstand der Garnison von Adrianopel unnütz sei. Sie solle kapitulieren. Der Kommandant von Adrianopel veröffentlichte darauf -eine Proklamation, in der er aus­führte, man dürfe dem bulgarischen Schriftstück keinen Glauben schenken, Adrianopel könne sich gegen 10000 Kanonen und Hunderttausende von Soldaten halten. Die Regierung fordere nur die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahret:.

Ungefähr 300 Dörfer des Wilajets Adrianopel sind von ihren Bewohnern geräumt worden.

Bon der türkischen Westarmee.

Konstantinopel, 6. Nov. Ein amtliches Tele­grammd es KommandeursderWe st armee vom 5. Nov. meldet: Nach zweitägigen: Kampfe ist eine griechische Di­vision zersprengt worden. Wir haben eine große Menge Kriegsmaterial erbeutet und Soroviecvo hrieber gewonnen. Ein serbisches Kavallerieregiment nebst einer Ma­schinengewehrabteilung wurde bei Drenowo, nördlich von Prilep zerstreut. 48Pferde wurden genommen. Der Kampf dauerte den ganzen Tag und verlief günstig für uns. Ein anderer Kampf, der ebenfalls den ganzen Tag dauerte, spielte sich in der Gegend von dem Gute Abdi Pascha ab und zwar zwischen einer türkischen Abteilung und einer aus Kruschewv stam­menden Bande, die zersprengt wurde. Bei Janina erlitt der Feind große Verluste und wurde bis Pen topigadia/zurückgeworfen.

Wie aus Uesküb amtlich gemeldet wird, hat-die serbische Armee Kitschevo und Kodscha eingenommen und ohne Aufenthalt bei: Vormarsch in nordwestlicher Richtung vonPrilep nach Süden fortgesetzt. Abends fanb ein dreistündiger Minifterrat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Pasitsch statt. Einer Privatmeldung zufolge soll Djakova von den Serben besetzt worden fein.

Die bulgarisch-mazedonische Armee.

Belgrad, 6. Nov. Die bulgarisch-mazed»- nische Armee ist rasch durch das Strumatal nach dem Südei: vorgerückt und bat gestern: den Rupel-Paß besetzt. Sie setzt den Marsch aus Damir Hissar und Seres fort

Die Kämpfe der «riechen.

Athen, 6. Nov. Die griechischen Verluste in der Schlacht bei Jenidze betrugen sechs Offiziere und 145

Soldaten tot, 33 Offiziere und 737 Soldaten verwundet. Tie Verluste des Feindes sind sehr groß.

Die Türken haben ihre Stellungen am Warodar aufgegeben. General Sapundjakis meldet aus Arta, daß der Kamps bei Anghi gestern den ganzen Tag dauerte. Die griechischen Verluste find gering. Ein Hauptmann ist gefalle::.

Ter Berliner ,Lok.-Anz." meldet aus Saloniki: Tie Griechen stehen nach einem glanzenden SiegüberdieTürker. ebn Kilometer vor Saloniki, dessen Gvuveri:eur wegen Uebergabe der Stadt verhandelt, während die Truppen einen letzten Widerstand oerfudjen wollen. Saloniki dürfte spätestens am Mon­tag fallen.

Die Insel Tancdod besetzt.

Athen, 6. Nov. Admiral Kunduriotis meldet: Tie Insel Tenedos ist um 3 Uhr nachmittags durch ein griechisches Geschwader besetzt worden.

Oesterreich gegen Serbien.

Graf Berchtold soll dem österreichisch-ungarischen Gesandten in Belgrad nach Ofenpest berufen haben, um ihm Weisungen über die künftige Politik der Monarchie Serbien gegenüber zu erteilen. Eine Festsetzung Serbiens an der Adria wird, |o heißt es, Oesterreich-Ungam zur Aufwerfung der Machtfrage nötigen.

Kaiser Franz Foscs an die Delegationen.

Ofen pest, 6. Nov. Aus Anlaß des heutigen Emp­fangs der Delegationen beantwortete Kaiser Franz Josef die Huldigungsansprachen der Präsiden­ten folgendermaßen:

Mit aufrichtiger ©efriebigung und wärmsten Dank nehme ich die Versicherung ihrer treuen Ergebenheit entgegen. Seit dem Zusammentritt der letzten Delegationen sind ernste kriege­rische Verwicklungen auf der Balkanhalbinfel ausgebrochen, welche eine erhöhte Wachsamkeit gebieten. Im Hinblick darauf, daß bedeutende Interessen der Monarchie durch den Konflikt de- rührt werden können, erscheint die baldige Wiederkehr geordneter polittscher und kommerzieller Verhältnisse im nahen Orient drin­gend wünschenswert. Meine Regierung wird bereit fein, im Ein­verständnis mit den verbündeten Kabinetten an einem geeigneten Zeitpunkt an der auf die Wiederherstellung des Friedens ab­zielenden Aktion der Großmächte teilzunehmen. In der letzten Delegationssession wurden mit einer dankenswerten Opferwillig­keit für Heere und Marine außerordentliche Kredite bewilligt, wodurch die Schlagfertigkeit unserer Wehrmacht eine erfreuliche Stärkung erfuhr. Das lausende Erfordernis meiner Kriegsverwaltung bewegt sich in normalen Grenzen. Nur zur Lösung der Unteroffizier frage die die notwendige Ergänzung des durch das neue Wehrsystem bedingten organisatorischen Ausbaues der Armee und der Flotte darstellt, wurde ein Mehrbettag angesprochen. Die Verhältnisse Bosnien und her Herzogew:na sind dank der loyalen und patriotischen Haltung der Bevölkerung in einer ruhigen Ent­wicklung begriffen. Ein reichhaltiges legislatives Arbeitsprogramm wird dem Lande Gelegenheit geben, den kulturellen und wirt­schaftlichen Fortschritt beider Länder zu fördern. Ich bin überzeugt, daß sie an die Prüfung der Ihnen zugehenden Vorlagen mit be­währter Einsicht und pflichtgetreuem Eifer brrantreten werden und wünsche Ihrer Arbeit einen gedeihlichen Erfolg. Ich heiße Sie herzlich willkommen!

O f e n p e st, 7. Nov. In der gestrigen Sitzung der Delegation griff der Sozialist D r. Ellenbogen den Thron­folger Franz Ferdinand heftig an. Die ganze öffent­liche Meinung verwahre sich gegen die Nebenregierung im Belvedere (hie Wiener Reiwenz des Thronfolgers) ganz entschieden. Die Welt habe den Eindruck, daß der Kaiser bei: Frieden wolle. Es liege also eine bewußte Herabsetzung der Autorität der Krone vor, wenn diese Friedensabsichten ständig durchkreuzt würden.

Karten des Kriegsschauplatzes.

Im Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig sind einige interessante Karten des .Kriegsschauplatzes erschienen. Von den 8 in 7 Farben ausgeführten Karten, die hier auf einem Blatte bargeboten werdcn:, gibt die Hauplkarte im Maßstab 1:2800000 eine Ueberstcht über die Balkanländer. Die verschie­denen Schauplätze der Kämpfe veransdwnlichen Spezialkarten, von denen das serbisch-montenegrinisch-türkische Grenzgebiet im dop­pelten Maßstab der Hauptkarte wiedergegeben ist, während da« Gebiet der bulgarisch-türkischen Kämpfe in dem ungewöhnlich großen Maßstab 1:1000 000 dargestellt wird. Einen Vorzug vor den übrigen Kriegslagen bietet die farbige Hervorhebung der Angriffs­linien der verbündeten Balkanstaaten und der sonst schwer zu findenden Gefechtsorte nebst den Tagen der Kämpfe, wodurch der Karte dauernder Wert verliehen wird. Die in dem großen Maßstab 1:180 000 gezeichnete Karte des Bosporus kann als wertvolle Bereicherung der bisherigen Kartenliteratur gelten. Großes Interesse bieten die Lagepläne von Adrianopel mit der bulgarischen Einschließungslinie und von Bel­grad sowie die beiden GeschichtSkarten, welche die höchste Machtentwicklung der Türkei bis zum Jahre 1699, deren ferneren Verfall sowie das allmähliche Wachstum der Balkanstaaten vor Augen führen.

Äii» Stadt und Land.

Gießen, 7. November 1912.

Der Blumenschmuck unserer Stadt

wurde wie in früheren Jahren, in den ersten Tagen des September prämiiert, nachdem bereits im Juli eine Borwertung erfolgt war. Die zuerkannten Preise wurden im Laufe der vergangenen Woche berteüt. Tie Verteilung gestaltete sich folgendermaßen. Es wur­den vergeben: 1. für hervorragende Leistungen in der S ch m ü cku n g ganzer Wohngebäude 5 erste, 4 zweite und 1 dritter Preis; 2. füt besonders schöne und gut unterhaltene Galerien- und Portalbepflanz- ungen 4 erste, 3 zweite Preise; 3. für geschmackvolle Bepflanzungen von Fenstern und Balkons 2 erste, 23 zweite und 30 dritte Preise.

Hierzu muß bemerkt werden, daß es die maßgebenden Herren für richtig gehalten haben, die Zahl der Preise zu beschränken und diese selbst so wertvoll zu wählen wie es die zur Verfügung stehenden Mittel zuließen, um auf diese Weise einen erhöhten Anreiz zur Nacheiferimg zu schaffen. Daß dabei mancher, von opferwilligem Gemeinsinn und Liebe zur Sache zeugender Blumen­schmuck diesmal leer ausgeheu mußte, ist zu bedauern, ließ sich aber im Hinblick auf die bescheidenen Mittel nicht ändern. Es wäre im Interesse der Sache sehr zu begrüßen, wenn dem Verkehrs­verein mehr Mittel zur Verfügung ständen, damit die erfreulich einsetzende Schmückung der Wohnhäuser mit Blumen immer all­gemeiner und dadurch besonders die Altstadt freundlicher würde. Es wäre dann auch eher möglich, die einzelnen Blumen­fenster der Kleinwohnungen mit zu berücksichtigen, soweit sie von erfolgreicher Pflege Zeugnis oblegen. Nicht weniger wün­schenswert wäre die Verteilung von Preisen an die Hausbesitzer, die ihre Vorgärten in mustergültiger Weise bepflanzen und pflegen lassen. Daß eine Anregung in dieser Hinsicht dringend nötig ist, empfindet wohl jeder^ der fremd hierher kommt.

Obgleich der vergangene Sommer mit seinem unaufhörlichen Regen und trüben Tagen der Blumenpflege nicht so girnfhg war wie der Sommer 1911, konnte man doch mit Befriedigung eine Weiterentwickelung in der Schmückung einzelner Häuser wahr­nehmen. In einigen Straßen hat sich bereits ein erkennbarer Wettbewerb herausgebildet. Den Privathäusern folgen erfreu­licherweise bereits einzelne öffentliche Gebäude. So hatten bei­spielsweise die Stadtmädchenschule in der Schillerstraße und das Militärlazarett einen Blumenschmuck aufzuweisen, der in jeder Hinsicht vorbildlich genannt werden kann.

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** Tageskalender für Donnerstag, 7. Nov.: 1. Volks- Abonnements Konzert der Regimentsmusik. Abends 87« Uhr in Steins Garten.