Ausgabe 
6.7.1912 Zweites Blatt
 
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Nr. (57

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhessen

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TieKiehener $amilienblätter werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, daS Krdsblatt für den Kreis Slehen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaklion:^A 112. Tel.-Adr.:AnzetgerÄleveiu

Samstag, 6.3uli (9(2

RotationSdmck und Verlag der Bruhl'schen Universitäts - Buch- und Eteindnlckerei.

R. Lange, Gießen.

Ältlich, s

Ms.;

Aus dem zwei Stunden von hier entfernten Sellnrod, daS auch gesperrt ist, zogen Bauern selbst ihren Leiterlvagen über Berg und Tal hierher, um das in hiesiger Gemarkung gekaufte Heu zu holen.

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, ü. Juli. Während im vorigen Jahre der nördlichste Teil des Kreises (Schlitzcrland) längere Zeit unter den scharfen Maßregeln der Maul- unb Klauen­seuche zu leiden hatte, ist jetzt, nachdem der Kreis etwa ein halbes Jahr scuchensrei geblieben war, auch der südliche Teil, die sogenannteblaue Ecke", von demselben Schicksal befallen worden. Durch einen Viehhändler aus Schlüchtern wurde die Seuche nach Holzmühl eingeschleppt, der seuchcnverdächtigcS Vieh während der Nacht dorthin verbringen ließ und erst nach 14 Tagen Meldung erstattete. Der Händler, sowie dessen Knecht, der die Tiere nach Holzmühl verbrachte, sind wegen Uebertretung des NeichsoichseuchengesetzeS zur Anzeige gebracht worden. Von den angeordneten polizeilichen Maß­nahmen sind 11 Ortschaften betroffen.

z. Herbstein, 4. Juli. Heute nachmittag ging ein schweres Gewitter über Herbstem. Im benachbarten Lohwalde schlug der Blitz in eine Telegraphenstange in dem Augenblick, als ein hiesiger Bäcker vorbeifuhr. Das Pferd brach zusammen. Doch kamen Mann und Pferd mit dem Schrecken davon. Die neue Wasserleitung geht ihrer Vollendung entgegen. Die im Burgfrieden gefundene und gefaßte Quelle, die zur Verstärkung der alten unzu­reichenden Sei hing benutzt werden soll, liefert so viel Wasser bester Qualität, daß sie allein zur Versorgung Herbsteins ausreichen würde. Es dürfte damit für immer dem seit­herigen Wassermangel abgeholfen sein.

Starkenburg und Rheinhessen.

! Mainz, 5. Juli. In einer größeren Möbelfabrik brach heute nacht ein Brand aus, der großen Umfang an- zunehmen drohte. Dank dem tatkräftigen Eingreifen der rasch hcrbeigeeilten Feuerwehr gelang es, das Feuer in kurzer Zeit zu löschen.

Hessen-Nassau.

)( Marburg, 5. Juli. Tie

führung unserer elektrischen St 'Ti ' ahn vom

jetzigen Endpunkte Wilhelmsplatz nach b . m ^->udbahn- h o f und zurück in die Oberstadt, soivie die Erbauung einer neuen Wagenhalle beschäftigte gestern abend eine 5 Stunden dauernde Sitzung der Stadtverordneten. Es wurde beschlossen, zunächst die direkte Linie durch die Schwanallee zu wählen und die Magistratsvorlage, die eine Linie über Len Friedrichsplatz und von da in die Schwan­allee vorschlug, fallen zu lassen. Ferner beschloß man, unter Benutzung des schon bis zum Heumarkt liegenden toten Geleises die Fortführung der Bahn in die Oberstadt in die Wege zu leiten und wegen der Erbauung «einer Wagenhalle am Südbahnhof eine Ortsbesichtigung vorzu­nehmen.

X Hanau, 5. Juli. Tie Stadtverordneten haben in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, den seitherigen Oberbürger- meistcr Dr. Gebeschus, der seit 20 Jahren an der Spitze der städtischen Verwaltung steht, nach Ablauf seiner Amtszeit an, weitere 12 Jalne w i e d e rz u w ä b l e n. Zugleich mürbe Lc schlossen, dessen Gehalt, bad seither 12 000 Mk. betragen hat nebst 2000 Pik. Funktionszulage mit 16 000 Alk. einschließlich der FnnktwnS- zulage zu erhöhen und das Gesamtgehalt als ruhegehaltsberechtigt anzusehen.

fc. Wiesbaden, 5. Juli. In der heutigen Stadt­verordnetenversammlung wurden 10 000 Mk. für die Beschickung der Internationalen Baufachausstel­lung in Leipzig 1913 bereit gestellt, desgleichen 3000 Mark bewilligt für die kostenlose Verabreichung von Kaf­fee an städtische Arbeiter während der Monate Juli, August, Dezember und Januar, ebenso 3200 Mk. für eine vorzunehmende Wohnungszählung.

i Feuerwehr.

zu dem am Sunnit; M sich vollMig x s. Abmarsch von t: leilnehmerkarien mit n: Neuer Rock, Hel- i& d. Mts., angeiet't aus. Touucroia? lontaa, -en 15. M Uebimuen antrctc Das Kommando.

hessische eoang. Landessynode.

Rmk. Tarmstadt, 5. Juli. Die LandeSsynode setzte beute vormittag die Besprechung über die Vorlage betr. die Ver­besserung ber Einkünfte der Psarrstellen ufro. bei dem durch den Finanzausschuß neu eingesügten § 6a fort, ber die näheren Bettimmungen betrifft, aus welchen Beträgen sich der nach S 6 zu bildende örtliche ErgänrungssondS zusammensetzt. Nämlich aus einem jährlichen Zuschuß der Kirchengemeinde, au5 Bakanzüberschüssen bei nichtdeünitiver Besetzung von Psarrstellen, aus etwa erzielten Kursgewinnen bei der Veräußerung von Wert' papieren, an-» evtl. Mehrerlös bei Neuvervachtung von Grund- lüden, Ablosungskavitalien, bei ber Ablösung von öffentlichen Abgaben zu kapitalisierende Beträge, die bei Verkauf von Grund­stücken des Pfarrbesoldungsfonds eingehen, und endlich biS auf weiteres die Zinsen des örtlichen Ergänzungsfonds selbst.

Tie Synodalen Dr. Lucius und Wahl befürworteten im Qamen ber Ausschüsse die Vorschläge. Es folgt eine lebhafte Aussprache über die Erhebung von Gebühren bei den HauStatisen, den Trauungen und der Beerdigung Auswärtiger. Hervorznheben find die Ausführungen des Synodalen D. Schlosser- Gießen, dem es widerstrebt, für eine Haustrauung, die eine Amtshandlung wie jede andere sei, besondere Gebühren zu erheben. Ober konsistorialpräsident Nebel macht wiederholt daraus aufmerksam, baß int Falle ber Weigerung ber Gemeinden, einen Beitrag zum örtlichen Erganzungssonds zu leisten, die Regierung sich bereit . rklärt habe, der K^irchenbehörde durch eine Gesetzesänderung ent- ^egenzukommen. Synodale Tr. Diehl kritisiert in drastischer Weise die immer häufiger werdenden fremden Trauungen, die von der Umgebung der Großstädte aus in den Städten gel-alten werden. Der 8 6a wird dann angenommen.

Eine lebhafte Aussprache führt der 8 7 herbei, der bestimmt, daß vom 1. April 1913 ab die auf die PfarrbesoldungS- (i r u n b ft ü d e entfallenden ( m e i n b c ft e u e r n ober sonstigen Abgaben, insoweit diese durch Vertrag nicht von Tritten über­nommen sind, von ber die ' irret bildenden Kirchengemeinde l ber den dazu gehörenden M'irvoeiigcmeinben und Filialorte zu tragen sind Synodale Rheins nrt hat mit einer größeren Anzahl von Synodalen beantragt, nicht die Kirchengemeinden, sondern den Zentralkirchensonds mit der Summe zu belasten. Die Kirchenregierung erklärt, daß es nicht möglid) märe, die Kosten, die etwa 43 000 Mk. ausmachen, zu übernehmen. An der weiteren Debatte beteiligten sich die Syn. D. Schlosser, Dr. Eger-Friedberg, I a u d t, Wagner, Oberkonsistorialrat Bcrnbeck, Präsident Nebel, Weinmann und Heiner, worauf ein Antrag Wahl-Schlitz angenommen wird, der feftlegt, daß den Einzelnen eine höhere Besteuerung wie seither nicht 'ressen solle. Auch § 8 wird nach neuer Fassung angenommen. Nächste Sitzung Samstag.

Zweites Blatt 162. Jahrgang

Eichener Anzeiger

Körner, die sich um die Pflege guter Musik in Gießen verdient gemacht hat, reichen Anteil hat.

** Der Festzug zum Jubiläum s-Gauturn- f c ft stellt sich am Sonntag mittag um <2>2 Uhr pünktlich auf Oswaldsgarten auf Und geht um 1 Uhr von da aus durch folgende Straßen zum Festplatz: West-Anlage, Bahn­hofstraße, Marktstraße, Lindenplatz. Walltorstraße, Ost- Anlage, Neuen Däue, Svnnenstraße, Kreurvlatz, Settersw-.'g. Alicestraße, Ludwigstraße, Kaiser-Mee. An dem Weg nach der Kiebigshöhe scheidet der Festausschuß aus dein Zuge auS; die Prunkwagen fahren, wenn der Zug in den Fep- platz einbiegt, gerade aus. Der Zug zählt, der Festschrift zufolge, etwa 140 Vereine und mehrere Festwagen: in der Zugordnuntz ist aber insofern eine Aenderung eingetreten, als die Mintärvereine nicht einzeln, sondern unter Voran­tritt ihrer Fahnen geschlossen marsckfieren.

** Stenographie. Bei dem mit dem Derbands- tag des Hessisch-Nassauischen (Main-Rheingau-) Verbands Gabelsbergersck?er Stenographen in Höchst a. M. verbun­denen Dettsclzreiben erhielten folgende Gießener Steno­graphen Preise: in der Abteilung 260 Silben: 1. und Ehrenpreis Louis Lenz (Sten. Ges.), 220 Silb.: 3. Preis Christian Weller (Verein von 1861 u. Ak. Per ), 200 Sil­ben : 1. Pr. Friedrich Kyritz (Ges.), Wilhelm Bcrgsr (ak. 23er.), Willy Dechert (23er. v. 1831), 2 Preise Ludw. Kurz, Kart Müller (23er. 61), 180 Silben: Andreas Reining (23er. 61), 160 Silben: Will). Weller (Schü- lerver. an der Oberrealschule), Willy Bausch (ak. Ber.), Will). Jordan (Oberrealsch), Konr. Scheer (Ges.), G. Göttelmann (23er. 61), 2. Preis: Hch. Schmitt (Ges.), 140 Silben 2. Preise: Lina Brasch und Ottilie Schmidt (Damenver.), 120 ©ifbert: Emil Becker (Ber. 61), Marie Luch (Damenver.), Wilh. Vogel-(Ber. 61), Alwin Wolff (Ber. 61), 2. Preis: Gg. Kyritz (Ges.), 3. Preise: Willy Werner, Hch. Sann, Karl Langsdorf (23er. 61), 100 Silben 1. und Ehrenpreis: Wilh. Strauch (23er. 61), 1. Preise: Fr Kraus köpf-Rodheim, W. Bep pler (Ges.), Karl Mandler (Ber. 61, Fritz Köhler (Rcal- gymn.), 2. Preise Hch Vogel ((&?).), Else Frees (Tam.- 23er.), Th. Schwarz (Ges.), E. Ra d em acker (Ges.), 3. Preise K. Herzberger und F. Schliephake (Ghmn.), E. Brück (Oberrealsch.). Tie Beteiligung war außergewöhnlich stark, es nahmen 950 Personen in Ab­teilungen von 100 bis 360 Silben teil. Ungeheurer Jubel verursachte die Mitteilung des Berbandsvorsitzenden, daß der Großherzog von Hessen das Protektorat über den Verband übernommen habe. Der nächste Ver­bandstag findet im kommenden Jahre in Darmstadt statt.

** Sonderzug. Am Donnerstag, 18. Juli, fährt ein Sonderzu^ für den Deutschen Floltenverein, Lan­desverband für Großherzogtum Hessen, von Frankfurt nach Hamburg mit Aufenthalt in Gießen von 9.57 bis 10 Uhr vormittags.

Kreis Schotten.

r. Ulrichstein, 5. Juli. Gestern abend meldeten Touristen, die vom Hoherodskopf kamen, daß im Ober- wald eine größere Anzahl Zigeuner lagert. Die die­sigen Gendarmen machten sich mitten in der Nacht auf den Weg, damit sie bei Tagesanbruch das Gesindel erwisckfien. Sie fanden wohl auch oie Lagerstätte, aber die Gesellschaft war schon ausgerückt. Der Forstwart in Feldtrücken mel­dete, daß der Hanze Trupp in der Richtung nach Schotten wcitcrgezogen )ei. In Schotten schlossen sich die dortigen Gendarmen den hiesigen an und sie trafen dann die Zi­geuner in einem Steinbruck). Nachdem sie dem Amts­gericht Schotten vorgeführt worden waren, stellte es sich heraus, daß man eine von einer auswärtigen Behörde ge­suchte Gesellschaft, die als Korbmacher herumzogen, er­wischt hatte. Die Maul- und Klauenseuche hat weiter um sich gegriffen. Die Leute, deren Hofreiten ge­sperrt sind, haben große Last, daß sie ihr Heu heimbringen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 6. Juli 1912.

** Erledigte Lehrerstellen. Tie mit einem evang. Lehrer zu besetzenbe Lehrerstelle zu Rehbach: das Präsentations­recht steht dem Grasen zu Erback^Fürftenau zu. An ber Gc- meinbeschule zu M e r k e n f r i tz eine mit einem evang. Lehrer SU besetzende Schulstelle. Eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ps orbt: mit ihr ist Organisten- und Lektordienft verbunbeu. Dem Grafen von Schlitz genannt von Görtz steht das Präsentations­recht zu.

** Bach-Feier. Den großen diesjährigen Bachfesten in Eisenach, Stuttgart und Breslau schloß )id) am Freitag, 5. Juli, Fräulein Minna Körner mit einer Bach-Feier in demSaale für Höheres Klavierspiel" an. Möge ber Rahmen, in der diese letzte Feier geboten wurde, ein bescheidenrer, möge bas Programm dementsprechend nicht so umfassend gewesen sein, mit weniger Hru- gebung unb Ernst haben die hier Mitwirkenden sicherlich nicht ihre Ausgabe ersaßt und gelöst. Es ist wohl ganz selbstverständlich, daß Fräulein Körner, neben zwei auswärtigen Gästen, Fräulein Mallnlde Petri aus Frankfurt (Gesang) und Herr Hans Mnbeck ans Hannover «Violine) nur auf höherer Stufe stehende Schüler aiisgewählt hatte. Diese haben denn aber auch, wie die zuerst genannten Gäste, allen Erwartungen in musterhafter Weise vollauf entüyrocbcn und dadurch den Zuhörern einen großen musikalischen Genuß bereitet. Neben dem gewaltigen Mtmeister Johann Se­bastian Bach, dem wohl so eigentlich die Feier galt, standen noch aut bem Programm: Wilhelm Friedemann Bach und Johann Christian Bach. DaS zahlreich crfdjicnenc Publikum folgte mit Andacht den ausnahmslos tadellos auSgeführten Vorträgen und kargte nicht mit wohlverdientem Beifall, an dem auch Fräulein

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