Ausgabe 
6.5.1912 Zweites Blatt
 
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die Kompaßpflanze, die £)inunel»rid)tungen sestzustellen und da-1 nach seine Marschroute cinzurichtcn. In unserer Flora haben' wir auch eine solche Kompahpslanze, und zwar ist es der wilde। Lattich Laetnca scariola), der auf trodcncm, steinigem Boden ziem­lich häufig vorkommt.

Woher kommt nun die eigentliche Kompaßstellung der Blätter dieser Gewächse? Die Pslanzen haben das Bestreben, ihren Blät­tern möglichst viel Sonnenlicht zuznführen, aber andererseits müssen sie auch darauf bedacht sein, burur zu sorgen, baß ihnen durch die Sonnenstrahlung nicht zu viel Feuchtigkeit entzogen wird. Tas ist besonders wichtig, wenn die Pflanze einen trockenen Standort bat, denn dort würde sie bei großer Verdunstung ver­welken müssen. Durch die Kompaß- oder Meridianstcllung der Blätter erreicht die Pflanze beides. Tie nach Osten und Westen gekehrten Blattsvreizen empfangen morgens und nachmittags das zunl Grünen- und Wachsen nötige Licht in hinreichendem Maße, wahrend die Süd- und Nordstellung des Blattrandes verhindern, das; die sengenden Strahlen der Mittagssonne die Blatiseiten treffen können, die Verdunstung ist alio zu dieser heißesten Zeit des Tages nur eine beschränkte. Tast die Meridianstcllung in der Tat nur zur Verhütung einer übermäßigen Transpiration dient, können wir experimentell sehr gut Nachweisen, wenn wir eine Pflanze des wilden Lattichs von seinem dürren, sonnigen Stand­ort wegneymcn und an eine schattig, feuchte Stelle verpflanzen. Nun Hai die Kompaßstellung leinen 47utzcn mehr, und wir sehen dann auch in der Tal, bat; die Lattichpflanze allmählich ihre Blätter normal stellt, das heißt so, daß die Oberseite nach oben, die Unterseite nach uni en gerichtet ist. Äußer den beiden ge­nannten Kompaßpflanzen gibt es noch einige andere, aber die beiden sind die bekanntesten, und sic erregen durch ihre auf­fallende Eigenschaft immer wieder die Aufmerksamkeit und das Interesse bit Naturfreunde und dienen ihnen in vvrkommenden Fällen als sicherer Kompaß.

Goldsucher der Mcerertiese.

Ter Untergang d.s englischen TampfersOceana", bei dem 15 Millionen Mark in die MeeresUeie ianten, Hal die Bedeutung der Taucher, dieserGoldsucher" auf dem Grunde des Ozeans, wieder einmal jn das rechte Licht geücllt, denn cS gelang ihnen, den größten Teil ixr kostbaren Ladung zu retten, irine der größten Schwierigkeiten, die uch Ehrern kühnen Unternehmen ent- gcgeniuilic, roarenJ)ic starten Strömungen, die das gesunkene Wrack in wenigen Stunden neun englische Meilen von der Stelle abtricben, wo cs uiucrgegangen war.

Tie Tiefe, in der die Trümmer derCceana" lagen, betrug 90 Fuß; für die Taucher kam es vor allem darauf an, den Schlüssel zu dem Raum, in dem die Goldschätze lagen, in der Kapitäns- kajüte zu finden. Enblich glückte es einem der Taucher, in die Kabine zu kommen, aber die Strömung riß ihn zweimal ivieber heraus, bevor er den ersehnten Schlüssel finden tonnte. Andere der unterseeischen Goldsucher wurden durch die reißenden Wasser­massen von den Leilseilen losgeschleuden, gerieten zwischen die Trümmern des Wracks in eine höchst gefährliche Lage und mußten cs ihrem guten Glück und den Strömungen überlassen, wieder an die Oberfläche gerissen zu werden.

Während cs hier die widrige Strömung war. die den Tauchern gefährlich wurde, bietet zumeist, wie eine englische Wochenschrift ausführt, die Tiefe des Waisers das größte Hindernis. Vor einigen Jahren wurden Goldbarren im Werte von 1 400000 Marl aus ocm Wrack des spanischen SchiffesAlphonso XII." gerettet, das bei Point Gando an den Kanarischen Inseln in eine Ti.ft von 165 Fuß gesunken war; nod) tiefer lagen die Trümmer des am Kap Finistcrre untergegangenen Sck irresSkyro", nämlich IdOFaß: die 400000 Mark ungemünztes Gold, die hier begraben waren, konnten nur unter Anwendung von Tynamil gesunden werben. Man kann sich vorstellen, wie gefährlich das Arbeiten der Taucher in diesem wüsten kaufen von Etsenirümmern mar, der nur durch Sprengstoffe entwirrt werden tonnte. 150 Fuß tief sank der TampferDamilla Mitschell", aus dem nach Ueberroinbnng unge­heurer Schwierigkeiten 1 Million gemünztes Gold gerettet wurde. In all diesen Fällen schuf die gewaltige Wasrertiere eine außer­ordentliche Gefahr für die Taucher, Denn je größer die Tiefe ist, in der derGoldsucher der Meerestiefe" arbeitet, um so größ-'e ist natürlich der Truck, der immer bei zehn Fuß um 1. Pfund wächst. Tic Taucher, die beim Wrack derOceana" arjeiLicn, vollbrachten ihr Werk unter einem Truck von etwa - 10 Pfund auf den Quadratzoll, während in den anderen Fälln der Truck zwischen 70 und 80 Pfund auf den Quadratzoll groß war.

Tie größte Tiefe, in der je rin Taucher der englischen Ad­miralität gearbeitet Hai, betrug 210 Fuß. und da die englischen Marinetaucher wohl die besten der Welt sind, so kann di.s als ein Weltrekord angenommen wert n. Ti. «e äußere.d nrliche Leistung vollbrachte Gunner Catio bei den .kebungsarb.il it, die vor einigen Jahren bei dem rechst'Spanier' an »er schottisch. >. Küste angestellt wurden. Er blieb m dieser liefe von 210 Fu; 25 Minuten. Nächst ihm ist am tiefsten in die Wasser oes Oz.an.' der Tauckjer Angel Erostabe herabgestiegen, der bei den Bergungs­arbeiten an dem TamvierStoro" Barren im Wei. von e 10 000 Mark emporbrachte. Gr vollkührte über 80 Hinabstiege in eine

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Zweites Blatt

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162. Jahrgang

Siebener Anzeiger

Erfcheint ttlgttch mb Ausnahme eel Sonntags.

General-Anzeiger für Vberhesjen

DieGießener Zamkliendlätter- werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich deigelegl, das Krcisblah für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie ,^andwtrt|chastlichen LeU- fragen" erscheinen monatlich irocimaL

Montag, 6. Mai 1912

fl«4etion4brud und Verlag der vrüdl'sche» Unwersitöt« - Buch- und Eteindruckerri.

8t Lang«, Ließen.

Redaktton. Expedition und Druckerei: Sckml- straße 7. Expeditton und Verlag: 5L

8tti>aftu)rce<® 112. Lel.-Adr^2lnzeigecGießen.

Zweiter internationaler haurbesitzer-Uongreh.

~ Berlin, 5. Mai.

Unter zahlreicher Beteiligung von Vertretern der verschie­denen Laus- und Grundbeiitzervereine Teutscklands, Oesterreichs, Täncmark, Frankreichs, Italiens, Norwegens, Portugals, Ruß­lands, Schweden- und Finlands wurde heute unter dem Vorsitz des Iustizrats Tr. Baumert Spandau der 2. Internationalc Lausbesttzerkongreß im Landwehrkasino eröffnet. Lu den Ver­handlungen hatten Vertreter entsandt das Reichssustizamt, das Reicksamt des Innern, das preußische Landwirtscha'lsministerlum, ferner die Regierungen von Baden, Oesterreich, Rußland, Griechen­lands und Spanien. Als Vertreter der Stadt Berlin wohnte )er Sitzung Bürgermeister Tr. Reicke, sowie der stelloertr. Stadt- icrordnelenvorsteher Landtagsabgeordneter Cassel und Stadtrat Lanofski) bet; ferner waren anwesend die Oberbürgermeister von Potsdam, Altona, Glogau und Lidstenberg.

Ter Vorsitzende Justizrat Tr. Baumert gab zunächst einen Rückblick aus den im Jahre 1900 auf der Pariser Weltausstel­lung dort abgehaltenen 1 Internationalen Kongreß. Er drückte dann sein Bedauern Darüber aus, daß es nicht gelungen sei, einen Vertreter der englisch sprechenden Völker für die dies- lährige Tagung zu gewinnen; weder England noch Amerika seien aui dem Kongreß vertreten. Tas Licl der Laus- und Grundbesitzerveceine sei die Erhaltung Des Privateigentums. Wenn aber ein Grundbesitzer alles tut, so sagte er weiter, um die Rente seines Grundstücks zu heben, so ist dies int Interesse der ganzen Volkswirtschaft gelegen, und wenn dieses Bestreben vet hindert würde, so würde damit auch gleidjgeitig die Förderung des Familiensinns beseitigt, der durch den Besitz an Grund und Boden gebunden ist. Tie Grundrente muß steigen in einer aufwärts steigenden Konjunktur und sie wird fallen, wenn eine Abwärtseutwickelung eintritt. Tie Grundrente und die Miete müssen steigen, so lange die Löhne steigen. Tenn 90 Prozent der Kosten eines Baues sind als Arbeitslöhne zu rechnen. Eine beklagenswerte Erscheinung ist das allzuichnelle und allzustarke Anwachsen der Großstädte und die damit Land in Land gehende Landflucht Wir müssen alle Maßnahmen unterstützen, welche diesen liebeln steuern. Dazu rechnen wir das Kleinhaus und Aitsied- uug des kleinen Mannes aui dem Lande und in kleinen Städten Tcshalb steht als erster Punkt auf unserer Tagesordnung

die Leimstättenfrage.

Im Namen der Stadt Berlin hieß Bürgermeister Tr. Reicke die Kongreßmitglieder herzlich willkommen. Unter allen Städten Europas, so führte er aus, eignet sich gerade Berlin zum Sitz eines solchen Kongresses, denn wir leben hier wirklich unter dem Problem Groß-Berlin und dieses ist größtenteils ein Bebauungsproblem, ein Grundbesitzerproblem. Nun sagt man, heutzutage besitze der Lausbesitzcr keine Seßhaftigkeit mehr, er sei gewissermaßen mobil geworden. Tie Zahlen beweisen das Gegenicil. Im Jahre 1906 wurden in Berlin 5,85 Prozent des Grundbesitzes bewegt. Im Jahre 1907 4,69, im Jahre 1909 3,61, 1910 2,97 Prozent. Tiefe Zahlen besagen do chgerade, daß der Grundbesitz nicht mobil ist. Wenn man die Grundbesitzerrcchte kassieren wollte, so müßten sich die Städteverwaltungen sofort darnach umschen, auf welche Weise sie ihre Einwohner dauernd für das Gemeinwesen interessieren können; denn nicht die Leute, die seit gestern oder vorgestern Bürger sind, haben das meiste Interesse iür die Stadt, sondern der seßhafte Mann, und ein Mieter, der 20 Jahre lang in einer Großstadt herumzieht, hat Nickt das Interesse für den Stadtteil, in dem er wohnt, das notwendig ilt. Taß die Stadt Berlin den Verhandlungeii einen glücklichen Verlaut wünscht und sie mit lebhaftem Interesse ver­folgt, ist angesichts eines so erheblichen, für das Allgemeinwohl so wichtigen Bestandteiles unserer Bevölkerung wie cs der Laus­und Grundbesitzer ist, eine selbstverständliche Sache. (Anhaltender lebhaiter Beifall.)

Es folgten weitere Begrüßungen und darnach ein gemein­sames Mittagessen.

Kongreß für iDofynungsreform.

~ Lannooer, 5. Mai.

Unter zahlreicher Beteiligung ihrer Mitglieder traten hier der Lauvtvercin für Volkswohlsahrt sür Lannvver und der Deutsch Verein für Wohnungsreform in Frankfurt a. M. zu einer gemein­samen Tagung zusammen, um verschiedene wichtige Fragen der Wohnungsreform zu erörtern.

Generalsekretär Tr. v. Mangold (Frankfurt a. M.) sprach über

Sozialpolitik und Wohnungsreform, indem er ausführte: Die Unterbringung, ber immer wachsenden Scharen der Arbeitermassen, die Ausschließung des Geländes, der Bau und die Vermietung der Lauser erfolge auf die Initiative privater Kräfte hin, unb dieser private 21pvarat arbeite durchaus nick l zufriedenstellend. Tie Folgen seien ungeheuerliche Boden- preise, bald Wohnungsmangcl, bald Wohnungsüberschuß unb eine Versck ulbung unseres Grund und Bodens, die man auf 60 Mil­liarden Mark schätzen könne. Tazu kämen noch andere Sck>äden des jetzigen Systems: die Mietskaserne in all ihrer Häßlichkeit, die Anhäufung der Massen in engen Räumen und die Löhe der Mietspreise, die es verschulden, daß der Arbeiter ein Viertel seines Verdienstes für die Wohnung ausgcben muß. Auch der Reichstag und das Abgeordnetenhaus drängen nach einer Wohnungsreform. Reich, Staat und Gemeinde müßten gemeinsam Vorgehen. Es handele sich um den Ausbau der Wohnungs- auisicht, die Revision der Bcbauungsoorschriflen, um Reformen im Enteignungsrccht, um öffentlich-rechtliche Baubedingung, die Frage der Beschaffung zweiter Lhvolhelen usw. Tie Wohnungs- rcsorm werde eine gewisse Seßhaftigkeit des Arbeiterstandes, den Aufwuchs einer kräftigen Nack komm en schäft in den Städten sichern und bedeute daher eine außerordentliche Lilie für die Industrie, ohne der Landwirlsckfaft Abbruch zu tun, beide Teile kämen dabei auf ihre Kosten. Mit einer begeisterten Aufforderung, die Frage der Wohnungsreform als eine Frage der deutschen Kultur zu be­trachten, schloß der Redner seine Ausführungen.

Geheimer Regierungsrat Tr. Lieb recht (Lannover) be­handelte sodann denStand uiid die Ausgaben der Wohnungsreform in der Provinz Lannvver". Allgemein wandte er sich gegen die mjame gute Stube" und beljanödte dann bejonbers die Ver­hältnisse in den Städten Hannover unb Linben.

In der Aussprache erfläne Admiral v. Oldekopp, daß die Bodenspekulation der Boden- und Wohnungsreform im Wege stehe; diese Spelulation aber könne nur auf dem Wege der Gesetzgebung beseitigt werden.

Reichstagsabgeordneter GiesbertS M.-Gladbach/ ver­urteilte die Bedürfnislosigkeit, die heute nod) in Arbeiter kreisen in Bezug aus die Wohnungsvcrhälinisse herrsck)e. Hier könnten die venchiedencn Arbeiterorganisationen Wandel sckwffcn. ES sei auch zu wünschen, daß oic Sparlassengelder mehr als visher zu Zwecken der Wohnungsreiorm zur Verfügung gestellt würden.

'Jiad; weiterer Aussprache wurde die Versammluiig mit den üb­lichen Tanlesworlcn geschlossen.

Deutjcye Kolonien,

Zum Tode des Gouverneurs von Benuingsen.

Tcm Major v. Bennigsen gingen zum Tode seines Bruders zahlreiche Beileidstelegramme zu. Darunter das folgende aus Korfu:

Ter Kaiser haben die Meldung von dem Linscheiden Ihres Bruders mit Bedauern entgegengenommen. Wir sprechen den Hinterbliebenen allerhöchst das herzlichste Beileid aus. Wir werden seiner Verdienste aud) auf kolonialem Gebiete gern gedenken, (gez. v. Valcnlini.)

Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg tele­graphierte :

Ich spreche Ihnen die tiefgefühlteste Teilnahme zum Hin­scheiden Ihres von mir hochverehrten Bruders aus.

Herzog Johann Albrecht, Regent von Braunsd)weig:

Ich trauere mit Ihnen aufrichtig um Ihren verehrten Bruder, der der Deutschen Kolonialgesellschaft lange Jahre ein hochgeschätztes, verdientes Mitglied war.

'21 ud) die nationalliberalen Fraktionen des Reichstages und des Abgeordnetenhauses sandten Beileibskund- gebungen.

lieber den Lebensgang des verstorbenen früheren Gouverneurs tragen wir noch folgende Einzelheiten nach: Früher Landrat, ging R. v. Bennigsen später in den Kolonialdienst über und bekleidete zuletzt daS Amt des Gouverneurs von Neu-Guinea. Ein Malaria- leiden nötigte ihn zur Rückkehr nad) Europa, wo er sich seitdem eifrig an vielen privaten Kolonialbestrebungcn beteiligte. Im Juli 1908 wurde er als Mitglied in den Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschast für Südwestasrika berufen.

wieder eine Dueüforöerung.

Dresden, 5. Mai. Fabrikant Winkler (Leutnant der Reserve) hat den Bürgermeister von Burgstädt, 2 t.

Roth, wegen Beleidigung zum Duell gefordert. Tr. Roth der übrigens seine Bewerbung um den Zittauer Ober bürgermeifterpoften nicht zurückgezogen bat, lehnte die Forderung ab. Tic Nichtbestätigung Roths ivirb in dieser Woche im sächsischen Landtag zur Verhandlung kommen. Di' Fortschrittliche Volkspartei hat ihre daraus bezügliche '.Huirage zurückgezogen, da sie nicht mehr vor Vertagung des Landtages am 22. Mai verhandelt werden mürbe, und wird die Zn lauer Affäre bei dem EtatskapitelKreis und Stabthaiiptmannschaft" zur Sprache bringen.

Die Grundsteinlegung des Adeiphenhaujcs.

on. Gießen, 5. Mai.

Dicht oberhalb des Teutonenhauses Hai die studentisch- :'icrorni* Verbindung Adelphia, die am Samstag und Sonntag il;r 42. Stiftungssest feierte, einen Bauplatz erworben, der das tuuhige Verbindungshaus tragen wird. Tic Mauern des Baues sind bereits stockwerkhoch aus dem Boden gewachsen, und am Samsiag abend fand in einem engen Kreis von Aktiven, Alten Herren und Gästen eine einfache, aber eindrucksvolle Feier der Grundstein legung statt. 'Nack- einem Musi»stück sprach Landgerichtsdireltor Praetorius als Vorsitzender des im Jahre 1907 gegründeten Vereins Adclpl-enhauS, indem er in kurzen Zügen ein ansck^au- lidics Bild von der Entwickelung der Verbindung und des .»au-.- baues gab und mir einer geistvollen Interpretation des ve-al;! spruches der Verbindung sdiloh. Anstelle des durch Krantv.it ver binberten Obermcdizinairaies Tr. B a 1 \ e r in Darmstadt, des Vor sitzenden der Alt-Adelphia sprach Professor Rudolf K i ff i u g c r, Darmstadt. In markigen Worten gedachte er der altert unb der jungen Adelphen, denen das Haus nun ein eigenes Heim und eine Quelle der GemülliQsteii sein möge. Außerdem sprach nod) der erste Chargierte der Iung-Adelphia, und. phtl. Kari M a i he s. Tarnach verlas Rechtsamvalt Mendelsohn die Baunrl.inde, die mit verschiedenen anderen Gegenständen und dem Burschenband der Adelphia in lupserncr Hülle dem Grundstein cingcfügt wurde.

Tie Bau-Urkunde hat folgenden Inhalt: Am 2. August 1907 wurde gelegentlich der Feier des 30üjäi)rigcii Bestehens der Alma inater Ludoviciana der Verein Adelvhcnhaus gegründet, der sich zur Aufgabe setzte, der studeiitischen Reform-Verbindung Adelphia ein eigenes Heim zu schaffen. Tie Gründungsurkunde wurde unterzeichnet von 11 alten Herren der Verbindung. Iti den Vorstand wurden gewählt: 1. Landgerichtsdireltor Rudolf Prätorius, 2. Rechtsanwalt Herrn. Mendelfohn, 3. Apotheker Julius Caesar, 4. Prakt. Arzt Tr. Hcinr. Zinßer, 5. Referendar Emil Burk, sämtlick) von (öicßen. Als Bauplatz erwarb der Vorstand ein aus verschiedenen Teilen der Flur XVlll Acker neben der Grünbcrger Chaussee gebildetes Olrnndstück, da-.- oie neue Bezeichnung Flur XVlll Nr. 14;/10 führt, in der Gröhe von 1261,4 qm von der Stadt Gießen den Quadratmeter zu 10 Mk., zusammen also für 12 614 Mk., die Anfang 1909 bar an die Stadtkasse Gießen bezahlt wurden. 3um Bau des Hauses konnte nicht sogleich geschritten werden, weil das Baukapilal noch gering war. Aber nachdem in wenigen Jahren sich der Mit­gliederbestand und damit die Bausumme wcientlich erhöbt hatten, tonnte heute, am 4. Mai 1912, der Grundstein des Hauses feierlich gelegt werden. Diese Feier der Gruiidsteinlegung fällt in das 25. Jahr der Regierung Sr. Majestät Wil - Im Ii, Teutsck)er Kaiser, König von Preußen, unb in das 21. Jahr der Regierung Sr. Königlichen Hoheit Ernst Ludwigs, Groß' Herzog voit Hessen und bei Rhein, in das 85. Semester der stiid-.n- tischen : eiormverbindung Adelphia, als Pros. Tr. Walter König Rektvi der Universität und Anton Mecum Oberbürgermeister der Stadt Gießen war. Tie Baupläne sind aufgefteHt von dem Architekten Hans Meyer in Gießen. Mit den Erdarbeiten wurde begonnen Ende Februar 1912, vollendet soll das Haus fern zu Beginn des Sommer-Semesters 1913. Dem Verein Adelphen haus traten insgesamt 88 Alte .Herren der Verbindung bei, von denen heute noch 84 Mitglieder sind. Ter Vorstand be­steht aus: Landgerichtsdirektor Rudolf Prätorius, Gießen, Vor­sitzender, Rechtsanwalt Hermann Meiidclsohn, Gießen Rechner, Pfarrer Georg Groth, Rödgen bei Gießen, Schriftführer Sani tätsrat Tr. Heinrich Zinßer, Gießen, Beisitzer .Dberleljrcr Ernst Keller, Gießen, Beisitzer. Tic studentische Reform Verbindung Adelphia, der das Haus ein eigenes Heim bieten soll, ist ge­gründet am 7. Mai 1870. Sie zählt heute 10 aktive und vier inaktive Mitglieder. Chargierte der Verbindung sind: Stud. phil. Karl Mathes X, Stud. med- vet. Peter Braun XX, Stud. Phil. Otto Jung XXX. Tie Alt-Adelphia, deren Vorstand Obcr- rned.-Rat Tr. August Balser, Tarmstadt, Amtsgerichtsrat Eugen Funk, Gießen und Prof. Rudolf Kissinger, Tarmstadt bilden

rtompahpflanzen.

Wenn wir eine Pstanze, bie bisher einen von allen Seiten glcick mäßig beleuchteten Standort hatte, an das Fenster stellen, io daß das Lickst hauptsächlich nur von einer Seite bie Pflanze treffen kann, so machen wir bie Beobachtung, daß die Stellung der Zweige und Blätter ,ick) in kurzer Zeit völlig ändert.^ Tic ein­zelnen Teile wenden sich dem einrallcnoen Liech zu, die Stengel der Blätter unb bie Zweige krümmen unb dehnen sich so lange, bis die Richtung ihrer EndaHise mit der der entfallenden Lichtstrahlen iuiammcnfülii. In dieser Stellung lönnen die Pflanzen am besten ihre Blattflachen dem Licht, das zur Erzeugung.des 'Blattgrün» unbedingt notig ist, zuwenden, so daß sie die größtmögliche Fülle von Licht bekommen. Man nennt diese Eigenschaft der Pflanzen Heliotrovismus, und zwar den positiven; denn es gibt aud Pflan­zen mit negativem Heliotropismus, die also das Licht fliehen und die dem Licht abgewendeten dunklen Stellen aufsuchcn, wie z. B. die Ranketi unseres bekanntenwilden Weines", die nur infolge dieser Eigenschaft sich in allen Fugen und Ritzen der Wand an- klammer.i und so das Emportletlern der ganzen Pflanze bewirken. Die meisten Pflanzen sind aber positiv helioiropisch, unb bes- halb sehen wir an unfern Sträuchern unb Bäumen die Blätter (o gestellt, das; sie ihre Unterseite der Erde, ihre Oberseite der Sonne zukehren.

Es gibt nun aber einige wenige Pflanzen, die ihre Blätter nicht senirecht zum auffallenden Licht, sondern ganz anders stellen, unb zwar so, daß bic beiden Blattseilen nicht nach oben unb unten gerichtet sind, sondern nach linls u»id reckns zeigen, während bie Blattränder nach oben unb unten gerichtet sind. Eine solche Pflanze mad-i den Eindruck, als wenn sie längere Zeit zwiscknm zwei großen Bogen Papier gepreßt worben Wäre. Tiese sonder­bare Blaitsteliung wird aber noch interessanter durch die Tatsache, daß die Riduung dieser Blauer keine willkürlick-c ist, sondern Ocß bie Blatrspitzen stets naa? Süden und Norden, die Breitseiten t>tr_ Blätter aber genau nach Osten unb Westen zeigen. Tie Blätter sind also gerade wie die Nadel eine» Kompasses gerichtet unb deshalb nennt man solche Pflanzen auch allgemein Kompaß- Vfsanzen. In den fonfrigen Prärien Nordamerikas ist eine Pflanze Silpl-lunt laciniatnm sehr häufig, die wegen dieser Eigenschaft direkt den NamenKompaßpflanze" führt unb ben Reisenden der Prärie auch als Kompaß dient. Schon mancher Jäger und Traoper, mancher Reifender satte allein dieser Pflanze sein Leben ii verdanken: denn wenn er in dem unendlichen Grasmeere sich geirrt hatte unb sich an trüben Tagen nicht nach dem Stande der Lonne zurcchlsindcn konnte, bann ermöglichte es ihm allein