Ausgabe 
6.3.1912 Zweites Blatt
 
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N. 56

Erschein! täßTich mit Ausnahme der Sonntag».

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Dirletjmrr ^mnHlenblitter werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigriegt, daß Mrdiblatl fir den Mrd» «tetzea" zweimal Wöchentlich. Die ..randwlrilchastllchrn -eil. fregtn" erscheinen manatlrch iroeimel

0S 29. Milche

Ter Präsident Köhler eröffnete die Sitzung um IO11 Uhr. berichtigt zunächst eine Presstinßcrung in derDarmstädter I .Altung", nach der er gesagt haben soll,bau, wenn bie Reber. i ho roeiter geht, nur überhaupt nicht fertig werden". Er stellt fest. !aB er nur gesagt habe,äeü die Diskussion nur sehr langsam

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JUfcafnen. Expedition and Tnuferrb Schul» stratz« 7. ExpedMon und Verlag: 5L

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vom Ausschuß die Bewilligung der Einnahme und der Ausgabe von 31 500 Mark gefordert.

Die Sitzung schließt damit um IVa Uhr.

nachmittag 3 Uhr.

Nachmittagssitzung.

nung zu tragen. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß die Regierun oie örtlichen Interessen berücksichtigen soll. Man muß aber aua berücksichtigen, daß es ganz ohne fcärten nicht abachen kann, auch wenn die Regierung noch so sehr bemüht ist, derartig. Härten zu vermeiden. Dann möchte ich noch eines erwähnen, lvozu der Abg. Münch mir die Anregung gegeben hat. Wir denken gar nicht daran, Wimpfen zu veräußern, es zu vertauschen Mit dem Herrn Abg. Münch sehe ich in Wimpfen in der Tai einen glänzenden Edelstein in der hessischen Krone. Ich habe es nicht notwendig, all die Vorzüge nochmals zu wiederholen. Jeden »alls werden wir Wimpfen behalten, und wenn es eines Be­weises für diese Absicht der Regierung überhaupt bedürfe, so werden Sie diesen Beweis am besten entnehmen aus der Absickn des Großherzogs, in Wimpfen selbst ein Absteigequartier zu haben. (Bravo.«

Damit ist die Debatte gescklosseit und es wird zur Abstim­mung über .stapitel 2, zkameral - und Forstdomänen, geschritten. Der Antrag des Ausschusses wird gegen die Stimmen der Sozial demokraten angenommen Der Antrag Hauck auf Erhaltung der Oberförsterei Groß Umstadt wird einstimmig angenommen.

Es wird dann in die Debatte zu Kapitel 3, Weinbaudomänen, eingetreten Ter Antrag des Ausschusses lautet: Wir beantragen, die Einnahmen mit 99 073,50 Mark, die Ausgaben mit 180 281,52 Mark zu bewilligen

dlbg. Wolf- Stadecken (Bbd.) beantragt, langsam Schluß zu machen mit dem Ankauf von Weinbergen durch den Staat. Die Arbeiter sollten Akkordlohn erlwlten.

Abg. Molthan :Zentr.) wünscht die Anlage von Muster­weinbergen durch den Staat. Mer nicht mir an größeren Orlen, sondern auch an kleineren müßten Mustertveinberge errichtet werden.

Abg. Breidenbach (Bbb.j beschwert sich über die Errichtung eines großen Verwaltungsgebäudes in Mainz, das die Summe von 327 000 Mark erfordert hatte. Kein Abgeordneter habe davon etwas erfahren. Es stnirden viel zu gewaltige Summen aus dem sogen. Mguisitionsfonds genommen. Seiner Ansicht nach sei die Errichtung eines solchen Gebäudes überflüssig gewesen.

Abg. Diehl iMtl. » spricht einige Wünsche aus.

Geheimrat Dr. Becker bittet, über den Ankauf von Wein­bergen bei KapitelMinisterium des Innern" zu sprechen. Er bespricht dann die Vorschläge des Abg. Wolf-Stadecken. Das in Mainz errichtete Gebäude sei dringend notwendig gewesen, um die Arbeit zu erleichtern. Das Unterbringen der Vorräte in verschiedenen Kellern habe zu Unzuträglichkeiten geführt. Von dem fünfstöckigen Gebäude seien allein drei Stockwerke vermietet, die an 50006000 Mark Miete bringen. Außerdem bringen auch die Dienstwohnungen in diesem Gebäude eine Ersparnis an Miete für die Regierung. Die Kellereien fteben keinesfalls leer.

Abg. Adelung (Soz.) wendet sich gegen die Einführung der Akkordarbeit in den staatlichen Weinbergen. Die Domänen mußten auch in Bezug auf die B.chanblikng der Arbeiter föZufterbetrqrbe fein. Er tritt für Tagelöhnung ein.

Es kommt zur Abstimmung Uber Kapitel 3. Der Antrag des Ausschusses wird einstimmig angenommen.

Da Kapitel 4 mit Kapitel 8 vereinigt worden ist, kommt Kapitel 5 an die Reihe. Der Antrag des Ausschusses: Be­willigung der in Einnahme angesetzten 8597 Mark und der in Ausgabe stehenden 7280,50 Mark für das Holzmagazin zu Darm­stadt wird ohne Debatte einstimmig angenommen.

Ebenso wird der Ausschuß-Antrag zu Kapitel 6, Kapitel-

Mit rtiitlittlir toniniobtn !»- ldrankc 6jt vettiicllen

Mittwoch, 6. März M2

UUftonibrutf anb Verlag bet Vrühllchaa LUitwrfuntl - Buch- und 6tembrud<ttL

R. Senge, Stehen

hessische Zweite Kammer.

65. Darmstadt, 5. März.

pang'5 ilner Btihnr- ch abends

iigstii irstaglbiiSfr Mw!

Der dritte Präsident Schmitt eröffnet .

nach 3 Uhr. Kapitel 7, Kamera!- und Forstdomänen, wirb ohne

zinsen und Sonstiges, ohne Debatte angenommen. Hier wird von 68000 Mark

r Mk. 380.- wmmet alt Ult 800.- r Mk. 650.- lelik Küchen

90.-, 12(1.-

iffnet 4-6 llbr Tiefen- F*

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Nr. 3

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Debatte angenommen.

Zn Kapitel 7 a, Braunkohlenbergwerk, Lubwigshoffnung, bc an tragt ber Ausschuß bic Bewilligung bet Einnahme unb Aus­gabe von 181 874 Mark.

?lbg. Dr Kohler (natl.'i wünscht Aufklärung, Ivie sich bic Regierung die Entwicklung des Werkes denkt. Ferner bittet er um Auskunft, meldjcn Einfluß der Brand auf dem Braunkohlen werk gehabt hat.

Der Finanzministcr Tr. Braun nimmt Gelegenheit, aus diese Frage ausführlich zu antworten. Er führt aus: Tie Re­gierung befindet sich in keiner angenehmen Lage, als man ihr vorwirft, warum sie denn die Wirtschaftlichkeit einer_ Brikettfabri- fation nicht erschöpfend unterstützt habe. Ich möchte zunächst' folgendes bemerken: Will man ein industrielles Unternehmen errichten, so ist natürlich die Hauptfrage, ob es rentabel sei ober nickt. Leiber ist biefe Frage nur sehr selten einfach zu bejahen ober einfach zu verneinen In der Mehrzahl aller Fälle ist die Entscheidung um deswillen schwierig, weil sich die Winfckafts- beredmung nur zum Teil auf tatsächlichen, xum Teil aber auf Annahmen stützen. Diese Annahme nun richtig zu machen, ist eine Sackte des Vergleichens und Ueberlegens, letzten Endes mochte ich sagen, eine Sacke des geschäftlichen, des kaufmännischen In­stinkts. Sie alle wissen, baß bic Großindustriellen, benen man einen besonbers scharfen Sinn unb eine besonbers glütflidye Hanb nachfagt, besonders vorsichtig sind. Das sei vorausgeschickt, um darzulegen, daß man bei einer Regierungsvorlage, dienlich auf industrielle Unternehmungen bezieht, nicht die gleiche Sicherheit für den Erfolg und die Zweckmäßigkeit ber Kaptialsanlage vor aiisselten kann, wie bei einer staatlichen Anstalt ober einem staat liriicn Bauwerk. Mit aller erforberliehen Rücksickt aber glaube ich m dieser Angelegenheit vorgegangen zu sein. Tie Bergwerks­birektion hatte, wie Ihnen bekannt, tick schon vor einigen Jahren mit dem Projekt beschäftigt Es lag ferner ein Gutachten eines anerkannten Fachmannes vor, das sich über die Rentabilität günstig aussprack Ick» forderte zunächst ein weiteres Gutachten. Dieses weitere Gutacktcn stellte zwar eine etwas geringere Rente als die älteren Arbeiten, immerhin aber eine gute Rente für eine Brikett- fabrif allein in Aussicht. Auch durch dieses Gutachten hätte id) mich noch nicht bestimmen lassen, die Vorlage an den Landtag gelangen zu lassen, wenn nickt durch die Verwirklichung des Kraft­werkes für Ober Hessen ein erhöhtes Maß auf Rentabilitätsaussichten geschaffen incrben wäre. Ich will dabei nicht verschweigen, daß im Zeitpunkt der Vorlage noch Meinungsverschiedenheiten über bic Rentabilität innerhalb des Finanzministeriums bestanden. Diese vericknedenen Ansidsten noch vorher su beseitigen war aber nicht möglick. Einmal stand der Landtagsschluß unmittelbar bevor, außerdem drängte Eber helfen auf eine Entscheidung. Als wir seinerzeit in Unterhandlung mit ber Provinzialverwattung wegen ber Stromversorgung der Provinz aus dem Kraftwerk auf der Lubwigshoffnung eintraten, ba schenkte uns bie Provinz Oberhesscn das berechtigte Vertrauen, daß wir sie bei dem ganzen Unternehmen nicht im Sticke lassen würden. Dir mußten uns sagen, daß wenn eine Brikettfabrik in Verbindung mit einem Kraftwerk nicht rentabel fein sollte, sie es allein erst recht nickt sei. Man mußte also handeln und die Vorlage an bie zweite Kammer ber Stände gelangen lassen. Tie Kammer genehmigte bie Vorlage. Der Ausschuß ber Ersten Kammer forderte ein weiteres Gutachten ein, bas an sich zu einem ungünstigeren Ergebnis kam als bie bereits

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Bau ber Brikettfabrik -war nicht anfzugeben, ober einstweilen zurückzustellen und i ebenfalls vorerst die Summe von

eine Million zunächst nicht zu verausgaben. Aut diese

Weisc^ meine Herren wird die vorjährige Vorlage an

~tänbe zunächst aufrecht erhalten unb zugleich eine

sehr hohe und riskante -^lusgabe vermieden. Es wirb weiter nichts geschehen, das von den Verein- bnrungen mit den Ständen abwiche, ohne daß diese vorher stenntnis hätten. Aus einer derartig vorsichtigen Sachbch.ind

lung, meine Herren, wird mir keinesfalls ein Vorwurs erwachs en können. Ich wiederhole also, die Annahme, daß bas Projekt so wie es genehmigt sei, nicht auSgesührl werben solle, ist nicht zutrefsenb. Es soll zunächst nur das Kraftwerk gebaut werben und nach weiteren Erfahrungen, ob bic Brikettfabrik auch noch zu bauen sei ober nicht Aber es sott fein Schritt erfolgen, ohne baß bic Stäube Kenntnis erhalten Tie Frage der Gescllschaits bildung verliert unter biefen llmftänbcn an Bebentnng. Diese Verhandlungen werben fortgesetzt werden. Tic Bildung einer Gesellschaft hat für uns Heute eine geringere Bedeutung, als wenn die Bauanlage heute noch mit dem großen Risiko der Brikett fadrik belastet wäre. Die Bildung einer Gesellschaft wird auch davon abhängig, wie die Provinz sich bic Belriebsjulnung und Verwaltung ihrer Ueberlandzentrale denkt. Rackbem die Brikett fadrik auf mehrere Jahre zurückgestellt ist, habe ich den Eindruck,, baß bic Verhältnisse banach drängen, zwischen den Anlagen beS' Staates unb der Provinz eine wirtschaftliche Einheit herbei- zuführen, liebet Einzelheiten läßt sich zurzeit nicht reden. Was den Stand der Arbeiten angeht, fo mußte aus den an gebeuteten Gründen der Beginn der Bauarbeiten vom Herbst 1911 bis auf das beginnende Frühjahr versdwben werden. Die Plane lür das Kraftwerk sind in ber Hauptsache fertig. Wir werden daS Kraftwerk zum Oktober dieses Jahres in Betrieb setzen Ebenso wird die Provinz wenigstens einen Teil ihrer Leitungsanlage im Spätherbst fertig haben.

Was die Frage nach dem Brand angeht, so Hegt zur Stunde noch kein Bericht vor. Ich kann Auskunft geben, daß von den beiden vorhandenen Trockenanlagen die eine abgebrannt ist. Die Ursache des Brandes ist unbekannt. Ter Brandschaden beläuft sich etwa auf 25 000 Mk. Mit verbrannt find etwa 125 000 Stück Preßsteine. Diese Preßsteine find versichert geradeso wie bic Trockenanlagen selbst. Der Betrieb der Wrube ist infolge des Brandes nicht gestört.

Baurat Schöberl: Wir haben einen Vertrag in Ber binbung mit der Stadt Nauheim mit dem Grand Hotel ab geschlossen. Aber and) bie Stadt wird Abnehmer, ba ber Strom verbrauch des Staates vom Nauheimer Werk allein nicht gedeckt werden kann. Die Erfahrungen, bie man über Verbindungen von Elektrizitätswerken mit Brauvkohlengrnben an anderen Orten gemacht hat, sind gute. Es wäre nicht richtig, jetzt nach einer neuen Losung zu suchen Wenn auch der Landtag die Brikelt- fabrif bewilligt hat, so sind wir doch keineswegs znm Bau dci pflichtet. Wir müssen erst die Gewißl-eit haben, daß wir jeden Schritt, den wir vollbringen, auch verantworten können Sehr richtig!) Ist es nicht richtiger, die Preßsteinfabrik sottzubetreiben und mit dem Elektrizitätswerk zu verbinden ? Man wollte die Prcßstciniabrik eingehen lassen: wenn das geschieht, so ist dos Anlagekapital verloren Ich würde also die neue Anlage damit belasten. Die Preßsteinfabrik lieferte einen Betriebsüber schliß trotz verminderten ^lbsatzes. Dieser Ueberschuß ist allerdings von 52 000 Mark auf 35 000 Mk. jurüdgegangen. Tic Untersuchungen haben ergeben, daß das Elektrizitätswerk in Verbindung mit ber Fabrik einen weiteren Ueberschuß von 20000 Mk. bringen wirb Es wäre ein großer Fehler gewesen, wenn man bie Gelegenheit, die Provinz Oberhessen mit Strom aus der Verbindung eines Elei lrizitatswerkes mit der Grube zu versorgen, verpaßt hätte. Wir haben die Preßstrinfabrik notwendig, weil ein Elektrizitätswerk nicht so viel Kohlen braucht als rin Bergwerk, wir haben die Fabrik aber auch notwendig, um das Elektrizitätswert rentabel zu machen. Auch die technisch* Verkuppelung des Elektrizitäts­werkes mit der Preßstriniabrik ist günstig

Abg. Dorsch oöbb fragt die Regierung, ob es ihr bekannt sei, daß seinerzeit bei den Bohrungen nach .Kohlen falsche An gaben gemacht wurden. Tic Brände feien auf Entzündung von Kohlenitaub zurückzuführen.

Abg. Molthan Zentr,: Tas Haus müsse dem Abg. Kohler dankbar sein, daß er der Regierung Gelegenheit gab, sich im Plenum über diese wichtige ober hessische Frage zu äußern. Wir hörten, daß man die Absicht habe, nochmals die Angelegenheit zu beraten. Ter Finanzminister hat Auskunft gegeben, die mich auf einer Seite nicht ganz befriedigen kann. Daß im Schoße ber Regierung selbst eine Uebcrcinftimmung über die Rentabilnät nicht bestand, ist recht bedauerlich Tie damalige Denkschrift hat von Optimismus getrieft. Diejenigen haben also nicht un­recht behalten, die damals schweren Herzens die Zustimmung zum Elektrizitätswerk gegeben hatten, nur um der Prooin.'. Ober- Hessen einen wirtschaftlichen Dienst zu leisten Das Fazit ist, daß die Provinz Oberhesscn zur Verwirklichung ihres Planes, ein Elektrizitätswerk zu erhalten, gekommen fei Man müsse eine gewisse Garantie verlangen, daß sic vorerst von der Er­richtung einer Brikettfabrik Abstand nimmt, daß sie dem Landtage

vorliegenden. Er empfahl deshalb, die Drikettfabrik vorerst nur auf zwei Pressen zu beschränken, alio bic Anlage auf einen kleinen Umfang zu errichten. Nachdem sich die Regierung hiermit ein­verstanden erklärte, dem entsprechend auch die Erste Kammer zu- gestimmt hatte, wurden Angebote für bie wesentlichen Teile ber Jieuanlage eingcholt. Also es wurde von neuem versucht, ob nicht eine andere Losung zu einem besseren finanziellen Erfolge führen konnte. Herr 'Baurat Schöberl hat diese Unimud>-ingen in einem umfangreichen Schriftstück niedergelegt Diese-.- I Christ ftüd ließ erkennen, wie außerordentlich schwierig bie ganz. Materie ist. Tas Ergebnis seiner Untersuchungen gipfelte in dem Vor­schlag, die Brikettfabrik nicht zu errichten, sondern bic Preßstein­fabrik fortjutrriben, solange sic in Verbindung mit dein Eleltiizi tatswerk war. Dem Sachverständigen ber Ersten Kammer. Herrn Bergbirektor, Diplomingenieur Wagner in Dresden bat die Arbeit des Herrn Sd>öberl Vorgelegen. Er sprach iid) da hin auS, daß man zunächst bic Errichtung ber Brikettsadrik in Verbindung mit dem Kraftwerk vornehmen solle Bei günstiger Entwicklung des Kraftwerkes sei die Möglichkeit nicht ausgeschloftcii, baß bas Straf: werk späterhin für sich ganz allein imstande sei, Zinsen und AmoNisation aufzubringen. Bei der Verschieden lieft der Ansidi ten wurde die Angelegenheit am 5. v. Mts nockunalS zum Gegen­stände einer eingehenden Besprechung im Finanzmininerium ge­macht. Die Besprechung bezog sich wesenttick auf die den Be­rechnungen zu Grunde zu legenden EntstehungSlosten ber Rohkohle. Es wurde nochmals eingehenb in Betracht gezogen, meld e Atzsatz- aussichten für das eine ober uiibere Produkt vorhanden seien, und ob nicht insbesondere ber Konsum von Preßsteinen sich wieder steigern werbe. Es war dabei zu prüfen, ob bet der

Lage unb der möglicherweise sich ändernden Stonjuuniir für beide Arten von Braiinkoblcprodilkten für uns überhaupt Anlaß sei, den Absatz unserer Braunkohle zu formieren unb bafür eine Million Mark rinzusetzen. Endlich wurden bei der nochmaligen Besprechung die Aussichten des Kraftwerkes wiederholt erörtert. Vielleicht ist Herr Baurat Schöberl in ber Lage, über diese Frage Auskunft zu geben. Wir sind daher im Finanzministerium einmütig zu dem Ergebnis gekommen, daß wegen unseres Bertragsvcrhällnisses zur Provinz und wegen der -lussidst, die das Straftroerf bietet, diese» unverzüglich zu bauen. Dagegen empfehle es iid), den

kerwärts schreite".

Der Präsident teilt sodann mit, daß ein Antrag des Aba ii d vorliegt, nach dem nicht bic Oberförsterstettc in Groß Umftabt, sondern die in Lengfeldt, auf den Inhaber bewillig! perden solle.

Abg. K o r e 11 - Königstädten (Fortschr. Vp.) gibt einige Wnlche aus seinem Heimatort bekannt.

Abg. Bähr (Bbd.) bittet das Haus, dem Anträge Hauck pyuftimmen und legt dann die Verhältnisse in seinem Heimatorte -iehrbach dar.

Abg. Münch (Hospitant der natl. Partei): Es geht von Zeit zu Zeit die Notiz durch bic Blätter, man möge doch Wimpfen LUstauschen Gegen einen solchen Wunsch spricht aber ungeheuer iid Wir haben in Wimpfen nickst nur eine Perle, solidem die eiabt hat auch eine große historische Vergangenheit. Man sollte tkmntc nach Wimpfen entsenden, die über ihre Pflicht hinaus tätig sind.

Abg. v. Brentano (Zentrum) bricht eine Lanze für die ßorstasscssoren. Man müßte die Leute warnen, diesen Beruf zu

I Biteifen.

Abg. Molthan (Zentrum): Nadidem von der Vereinfack) tmt4foinmiffion mit Mühe unb Not eine Ersparnis erzielt worben I rare, werden hier die Vorschläge zumeist aus lokalpatriotischen I Gründen über den Haufen geworfen

Abg. Schönberger <Nil > tritt dafür ein, daß die Ober- I förfierci in Groß-Umstadt bestehen bleibt.

Abg. Grünewald (Fortschr. Vp.,: Er trete den Ausfüh­rungen des Abg. Nllstthan bei, es dürsten Sonderwünsche tr in der Vereinfachung und von den Erspamisrüdsichtcn bc* I tioffenen Beamten und Gemeinden gegenüber den Staatdintcrcffcn I r.dit in Betracht kommen. Sonst würden die Ersparnisse wieder I illusorisch gemacht. An der Vereinbaning, iveldie die E i n z i e h- I na von Oberförsterstellen betreffe, dürfe nicht gerüttelt | urtden. Er. Redner, stehe persönlich sogar auf dem Standpunkt, kfc bic Zahl der Cbcrförflcrcicn noch weiter vermindert irr b c n Tann Audi die intensive Forstwirtschaft, wie sic in ibdfcn bestehe, lasse eine Verkleinerung ber Reviere zu: bic Werförster hätten gegenwärtig zu viel Zeit, es werde and) zu viel rimentiert. Er sei kein Fachmann, aber der Augenschein lehre, sehr häufig ein Oberförster eine Methode anwende, die ent

I dtder er selbst nach einiger Zeit beseitige, oder die sein Nadifolgcr I lieber verwerfe. Die preußischen Oberförster eien seien viel größer I«- bie lxssischen, allerdings bei nicht fo intensiver Wirisdwst und I Hier ausgebildetem Unlerpcrsonal. Mer aud) bei 9lufrcd)tcrl>ari I hing der in Hessen geltenden Grundsätze lasse jid) bic Zahl der I Oerförftercien vermindern. Aud) bic Forstabteilung des M i n i IlertumS lasse Ersparnisse zu. Die Oberförster seien wissen- j haftlid) gebildete Beamte, denen eine größere Selbständigkeit I eigeräumt werden könne, als sie zurzeit besteht. Man sage in | t»erHessen scherzend, daß ein Geheimer Lbcrforstrat von Tarm- I fubt kommen müsse, wenn in Salzhausen ein Ofen raucht: aud) | in dieser Hinsicht könne gespart werden. Die Zahl ber Obcrfortt- I retc könne reduziert werden. Die Eingabe der Kommunal- L lo r st warte sei in allen Punkten berechtigt, ihre Besoldung I riifc revidiert und miitdestens eine Gleichstellung mit den Doma- I Fa.irrrftivarten erfolgen: sic seien ja auch bezüglich ber dientt- Ilikn Anforberungcu gleichgestellt. Es sei außerordentlid) nndiltg | t-.b aud) s o zial von Bedeutung, daß diese mitten im Wirtschaft«- [ kjfit stehenden Beamten, die vielen Versuchungen ausgesetzt seien, I tzenigstens einigermaßen bezüglich ihrer Existenz sid)crgestellt wür- bii Es sei aber nicht zu vergessen, daß auch die Bezüge der staat-

| lilyit Forstwarte nicht mehr den Verhältnissen entspredien, wie fr in bezug auf die Preise der Lebensmittel und die sonstigen An

tbernngen, bie heutzutage bas Leben stellt, belieben, bei der tatung der Besold nngsordnung sei hieraus Ruckiidst F st nehmen. . . ,

Dr Weber <Bbd.l betont, daß die Vorschläge das Produkt lluigivütiger Verhandlungen seien. Darum könne man das, was irrt vorgrichlagen sei, and) vertreten. Man müsse letzt endlich Bti'niial das Forstwesen zur Ruhe kommen lassen. Die Forittvirt- | ^afr in Hessen sei intensiver als in Preußen Aud) bei ber Forst rrtichah gäbe es Perioden des Exverimentierens. Auf die Forst- driiorcn falle jetzt die ganze Schwere. Deshalb müsse man eine Milderung eintreten lassen.

Aba. Lutz iBbd.) madst eine Reihe von Einzelvoricklagen. I ko müsse man z. B. Holzversteigerungen mehr im Walde als in Wt'tsmirtsckaftcn vornehmen. . .

Abg Ulrich (So.z ): Die seinerzeit geichaffenen 14 Cber= Irfierihilcn waren notwendig. Die Einnahmen aus der Wald- Ltur beziffern fick auf mehr als 100000 Mk. xie Zahl der Men Herren ist zn groß, die ein "Aufriickcn der lungeren Leute krhinbert. Tritt auch tiir die Erhaltung der Obersöriterei in Umstadt ein. Die Stadt Groß Umstadt fei bereit, oOOO bis fOO Mk. zur Reparatur des Schlosses zu gebem

Al-.g. Dr. Boxheimcr (3cntnim> kritisiert das Verfahren k. ber Verpachtung von Domäncitgütem.

Abg. Hauck i'öbb.i begründet seinen Antrags große II kalbbestand von Groß-Umstadt erfordere dringend die Erhaltung Br Dbcrförfterci. _ .

Abg Dr Osann stelst nickst aur dem ^tandpuiM nne der Lg Ulrich, daß ein Politiker alles wissen mnfic ^onft könnte B: Abg. Ulrich ja einmal seine .sTcnntnhfc vrattnck verwerten. Benn man ihm auch in Hessen keine Waldungen zur Vermgung ^»llkn könnte, so könnte man ihm ja am Kongo ein <stud tano Verfügung stellen. Fragt die Regierung, wie es sich mit eh Dcildaiifäufen der Stadt Pftingstadt verhalt.

Abg. st rebel (Nll.l spricht für Wimpfen. Ebenso noch cm- biL der Abg. Bk ü n ch .Ntl? _ . .

Abg. Schott (Ntl.> tritt für den Atisfchußantrag sowie M»i Besserstelluiig der Domania(forftivartc rin.

|ln*r ®ebcr ldbd.) verteidigt sich gegen Angrifte des Abg.

Geheimrat Wil brand: Er dankt fürdie einzelnen An I jungen und insbesondere den Herren, die rur die jtommui al- I ^Nwane eingetreten sind Die Vertnehrung ber Eberronter« I Men ha(>e segensreich gewirkt: die Eiitnahmen

I <chr zu Jahr verbessert. Der Redner macht dann MMeilung I ^er bie Ankäufe von Wald durch die Domänen, bie aber aui I Tribüne unverstänblich sind

Abg. Ulrich icooz.) wendet sich gegen xr. Cimtn.

I Abg. R aab .Soi. kann die Ausführunaen tws GcHeinirat I ^ifibranb nicht als richtig anerkennen Die Waldkaufc burd)Jne I priänen seien durch Preistteiberrien zustande gekommcir. <co I die Domänen erfahren, daß bic Stadt Tauten will, kommt bie I-barförftcrei und macht Schwierigkeiten.

Finanzministcr Dr. Braun: Mit einer gewuicn Erlcicv- I ^riung fe^-r. wir dem Schluß der Debatte über rtapitcl .- cn_ I Es ist ungeheuer schwer, aui ber einen ^eite,verein adx I k sollen unb auf der anderen Srite dem Lokalpatnotismus

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Zweites Blatt 162. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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