Viertes Blatt
Nr. 105
162. Jahrgang
Gießener Anzeiger
trfdtetnl klßttch tntt •ttinabmf M Bennteei.
General-Anzeiger für Oberhesjen
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.Änjfteer* ourmal wöchentlich beigeleflt, da» „Xrcisblea fit bei Kreis Lietzen" tweirnal wöchkirltrch Die „lavdwtrttchaftliche» ktt» frage," erscheinen msnatlich zweimal.
Samstag, 4. Mal 1912
Ä*tetton<brucf and Verlag oer Vrüdl'icheo Untocrfuäti * Buch- und Stembtudecel Ä. Lange, Sieben.
Redakttan. Expedition und Truderet: Schul» ftrage 7. ErvediNon und Verlag: 6L
Redaktion:«-^ llL. T«l.-Ndr.?InzeigerDiehen.
UnfaMrankenhaus und Aerzte.
Die sechs ärztlichen jVreisvcreinc Oberhessens imb der Verein Ser Aerzte des .'lreises Wetzlar haben an die Behörden, Abgeordneten ufa). eine Eingabe geriduet, in der gegen die liier «restante Erridttung eines Unfall kraiikenhauses Behrmken erhoben werden. Tie Eingabe gipfelt in folgender Einschließung:
„In der Errichtung eines UnfaHTranfer.lxiiiito sehen sie nad) ihren (Srfdhnmgcii an anderen Stellen eine gefährliche Schädigung des ärztlichen Standes, sowohl in ethischer, wie materieller Hinsicht.
ES ist ferner ihre sichere lleberyugimg, daß die medizinische Fakultät durch ein Unsallkrankenhmts erhebliche Einbuße erleiden wird."
In der Begründung wird u. a. gesagt: Tie Errichtung eines Umallfrankenhauses gibt Anlaß zu den idtoerften Siebenten, da für die prartijdn’ii Aerzte durd, das .Bestehen einer solclxm Anstalt enorme «Schädigungen ihrer Tätigkeit und vor allen Singen ihres Ansehens die unausbleibliche Folge sein werden.
Wenn jeher Verlebte narb Meldung des Unfalls der Fürsorge des Arztes, der die erste Hilfe geleistet ibat, entzogen und in dar Krankeichaus eingeliefert wird, so ist es llar, daß dadurch das Vertrauen der Bevölkerung in dem Pra^isbezirk dos Arztes zu diesem empfindlich erschüttert werden muß, da sie aus diesem Verfahren Jioeifcl von den Berufsgeiwssenschosten oder Msse an der Fähigkeit des Arztes, einen Verlebten sachgemäß ju behandeln, folgert. Ist doch sogar in einem Artikel, der vor kurzer Zeit un „Gießener Anzeiger" durch einen Juristen veröffentlicht wurde, diesem Zweifel je^t schon klipp und flat -lusdruck üerlichen, „daß die meinen Aerzte von der ^ielwudlung Unfallverletzter nichts oerstefan"! Das; solche Beeinträchtigung der Ausübung des Berufs auf das Verhalten auch der Nichtangehörigen der Beruf sgenossen- ichaften usw. einen wesentlichen Emsluß ansüben wird, liegt auf der Hand. <
Wenn als einer der Grunde für die /Krankmliauserriclitung angeführt wird, daß in ihm die jungen Mediziner für die Be- baublung der Unfall verlebten ganz besonders gut vorgebildet werden sollen, so ist dem entgegenzuhalten, daß dies einerseits durch gesteigerte Aufnahme Unfallverletzter und an Unfallsvlgen Leidender in die Universitätskliniken in erforderlichem Maße gescheht, es andererseits bei Bestehen eines Unfallkrankenhauses für die ssolge aber geradezu zwecklos wäre, da ihnen ja später die Verlebten doch sofort entzogen werden. Ja, es wird dann dem Arzte sogar die, Möglichkeit der in jedem Falle (bcsv nders im Kriegsfälle) unbedingt erforderlichen Uebung im Behandeln von Wunden, MitPd’cnbrild)cn, Verrenkungen und anderen Verlegungen geradezu unterbunden. <5id)crlid) ist für die Ausbildung der jungen Mediziner der Unterricht m der Universitätsllinik der beste und geeignetste.
dk i ch l minder schwer geschädigt werden weiterhin ;bic kleineren Krankenhäuser in unserer näheren oder 'weiteren Umgebung Friedberg, Büdlitgeit, Niederweisel, Hungen, Lauterbach, Laubach, Alsfeld, Vilbel, Nawlwirn, Limburg, Dillen- tarn, Ehringshausen usw Ihr Bestehen ist von großer Wichtigkit für ihre nächste Umgebung und ihre Eristenzmöglichkeil hängt nicht unerheblich von der Verpflegung Verlebter ab. Auch ihnen sollen in Zukunft keine Unfall krauten mehr zngeführt .werden bezw. sotten sie, sobald sie transportfähig sind, ihnen wieder entzogen werden. Tie dort tätigen Aerzte haben demnach nur die Mühe, den ersten Verband anzulegen ober erste Anordnungen zu treffen, die Fortseßung der Behandlung wird ihnen entfärb entwunden. Dabei sind diese ucankenhäuser unzweifelhaft erstklassig eingerichtet und geleitet. Es kann ferner nicht genug die Notwendigkeit frrDorgt hoben werden, daß der Arzt mit seinem Patienten in Berührung bleibt und daß er auch fernerhin sich von seinem Befinden über»mgen kann. Tas kann aber nur geschehen, wenn die betrefteuden Verlebten in ein nahegelegenes Kranken- bcu-.' eingewiesen werden können. Auch erheischt es das Interesse sowohl des Mranh-it wie seiner Angehörigen, beiden die Mög- lidjfvit des Besuchens zu erleichtern.
Auch unsere Universitätskliniken werden pro ü c n Schaden erleiden. Das Material zu Behand- lungs und Lehr zwecken wird i tat en in empfindlicher Weise entzogen. Taß diese >hrankenhäuser zur Behandlung und Begut- echtung der Verlebten ungeeignet seien, wird niemand im Emst behaupten wollen. Auch) besteht hier daS medrko-mechanische Institut des Sanitätsrats Dr. Zinßer, dem seither zur Behandlung unh Begutachtung eine große Anzahl Unfallverletzter überwiesen wurden, und das anerTanntermafeen vorzügliche Erfolge aufweist, l,Außerdem besitzt die chirurgische Klinik ein mediko-mechantsches pnititut, in dem den Studenten Gelegenheit geboten wird, sich Itnit dieser Art der Behandlung oertrant zu machen.
Ganz besonders schwer würden die chirurgische und Augenklinik ' den Verlust an Material zu beklagen haben. Ist es doch sicher, daß fast ein Drittel aller behandelten Fälle aus Unfallverletzten I besteht.
In erster Linie wird die Möglickr-keit der Ausbildung der Istudierenden und auch der an den laufen tätigen jungen Aerzte
Fraucn-Fcuillcton.
Neues aus der Welt der Frau.
Tas belgische Postministerium hat den weiblichen Angestellten des Post- und T e l e g r a p h e n d i e n st e s an- «k'kündigt, daß sie künftig den männlichen Angestellten durchaus gleichberechtigt sein sollen. Hierauf haben die belgischen Lehrerinnen an das Unterrichtsministerium eine Eingabe ge- ncbtet, die die Gleichstellung der weiblichen Angestellten mit den - männlichen, die dem Unterrichtsministerrum unterstehen, forbert. Die Eingabe ist bisher jedoch unbeantwortet geblieben. — Ein „Wandertheater für Frauenstimmrecht" hat sich so- dien in den Bereinigten Staaten gebildet. 25 Stimmrechtlerinnen tabcii fiel» zusammengetan, die unentgeltlich, nur im Tienste ihrer Lache, Theaterstücke aufsiihren, die das Frauenstimmrecht behandeln. Tie tednnsche Leiterin des Theaters, Frau Caffin, ist mit einem nanihaiten Theaterkritiken verheiratet. — Frau Isaac 2. Rice, die in Neunork die Bewegung gegen den « t r a b c n I ä r m leitet, hat einen neuen Erfolg zu verzeichnen. Auf ihr Betreiben sind sogenannte Ruhezonen um die Krankenbiuser herum gesclrasien n>orhen; neuerdings hat sie aber die Schaffung gleicher Rnbezonen um Schulgebäude durch- -eseyt. Zuerst hat die Reuyorker Stadtverwaltung die Ruhezonen »ersuchsweisc eingeführt, dann aber, als sie sich bewährten, wurden sie zu dauernden Einrichtungen erhoben. — Tie letzte Zählung K'r Pariser Bevölkerung, deren Ergebnisse jüngst verösfentlidn »orden find, ergibt für die Frauen ein Mehr von 172987 »öpfen. Es wurden im ganzen 1 337 121 Männer gegenüber 1510 108 Frauen gezählt. — Der französische Bund für • if Frauenrcchie hat eine neue Form gefunden, sich bet der iCDutiertnifamnier Gehör zu verschaffen. Ter Bund hat Frauen- ßintmrechtskarteu drucleu lassen, die den Mitgliedern der Kammer md) die Post zugesandt tocröen. Ter gedruckte Tert dieser Marten lautet: „Wir fordern für die Frauen das Recht des Wählens der Wählbarkeit": darunter setzt die Absenderin ihren Namen inb ihre Adresse. Am unteren Rande stehen schließlich die bs- »kutungsvollen Worte: „Seit dem Jahre 1789 narren die Frauen vrankreichs auf die Erklärung des Frauenrcchts".
schwer getroffen werden, ein Umstand, der für den künftigen Zuzug Pen Studenten sehr ins Gewicht fallt. Tie medizinische Jugend soll nicht vir Ausführung großer Lperattonen, sondern zur Betandlung praktischer Fälle vorbereitet werden. Gerade oiese^Fälle nnrroen aber den Slinileit genommen werden.
Sodann wird aber auch der Staat späterhin die9.'linikenpekuniärinbedeutendböheremMaße unterstützen müssen, wenn fast ein Drittel der Einnahmen — die Angehörigen von Berufsgenossenschaften und Manen tahlcn im Turd,schnitt einen etwas höheren Verpflegungssatz als die selbst^thlenden Patienten III. Klasse — für die Folge wegfallen wird. Um das Krankenhaus rentabel zu machen, wird beabsichtigt, aud) Privatpatienten aufzunehmen. Tiefe aber fuhren gerade den Kliniken wegen ihrer höheren Pflcgesätze erfreblidy? Einnahmen zu, die 'dann in Wegfall kommen würden. Es müssen also die Finanzen des Landes in erheblich stärkerer Weise belastet werden.
Es ist der Rat gegeben worden, mit dem Ufrfallkranken Hause einen Lehrstuhl für soziale Medizin zu Derbiubcn. Wir Aerzte würden dies mit Freude begrüßen, sehen jedoch die Notwendigkeit einer Verquickung des Lehrauftrages für soziale Medizin mit der Errichtung eines» Unfalkkranken Hauses nicht ein. Bekannllich mackn die Unfallversicherung mir €inen_ flehten Teil der iojialen Medizin aus. Invalidenversiclierung, Seuchengesetzgevnna, Sani tälspolizei, Vorbereitung für den ärztlichen Bcnif, das Verl)allen der Aerzte untereinanber und dem Publikum gegenüber uff. sind jedenfalls ebenso wichtige Bestandteile. Das alles tarnt in einer der Kliniken durch besonderen Lehrauftrag von einem der Dozenten gelehrt werden: es ist gar nidrt nötig, das es ein Chirurg ist, lieft doch beispielsweise in Bonn feit Jahren ein interner Mediziner (Professor Rumpf) über soziale Medizin.
Reichsgerichtsbrief.
(Nachdruck verboten.) js. Leipzig, Mai 1912.
Krankenkassen und beamtete Kassenärzte.
Bei dem großen Interesse, das die Ceffcntlidyfeit seit Jahren an den wirtschaftlichen Kämpfen zwischen Aerzten und Krankenkassen nimmt, wird eine Entscheidung des Reichsgerichts rntcr» essieren, die zu der Frage der vertraglichen Verpflichtungen der festangestellten Kassenärzte Stellung nimmt. Eine Anzahl gegen festes Gehalt bei einer rheinischen Ortskrankenkasse aiigcltciltc Aerzte ,sogenannte beamtete Kassenärzte) haben ihren Anstellungsvertrag angefochten, weil er gegen die guten Sitten verstoße und deshalb nichtig sei.
Tie Aerzte erblicken die «ittemvidrigint darin, daß durch die Verträge ein Abhängigkeitsverhältnis der ^lerjte von der Verwaltung der Krankenkasse gefdmffcn ivorden sei, wel- ck,"S mit dem Mcrstebcruf unvereinbar und desärzt- 11 dj c n Standes unwürdig sei. Nack) 8 7 des Vertrages unterliegt nämlich die Tätigkeit der^Aerzte fiir die Kasse, insbesondere die Abhaltung der Sprechstunden, die Bestimmung darüber, in welchem Bezirk die Aerzte i h r e W o h- niing z u nehmen haben, den Anordnungen des Kassen- vvrstandes. Dieser soll nach § 8 auch befugt fein, im Falle einer Verminderung des Mitgliederbestandes das A e r z t e g e h a l t im Verhältnis zur Verminderung p r o z e n tu al zu kürzen, wogegen bann dem Arzte die sonst verbotene Ausübung einer Privatpraxis bewilligt werden könne.
Diese Bestimmungen hat das R e ick)s geeicht in lieber* cinftimmung mit dem Obcrlandesgeridtt Düsseldorf als nicht gegen die guten Sitten verstoßend angesehen. In seinen Entscheidungsgründen führt das Reichsgericht hierzu aus: Die bezeichnete Vorschrift greift nicht ein in unantastbare Rechte der Aerzte, deren Aufrechterhalhmg durck) die sittliche Würde und die öffcntlidje Bedeutung des Aerzteberufs geboten ist: von den Aerzten werden nidjt Leistungen verlangt, die mit pflicht- getreuer Erfüllung ihres Berufes unoereinbar sind. Es dient Diclmelrr die Vorsdwift hauptsächlich den Benvaltungszwecken der Kasse, die bei ihrem großen Umfang solcher Ordnungsbestimmungen nicht entbehren kann. Es ist sittlichnichtunerträglich und anstößig, wenn die Aerzte, die ihre SBcrufatähgEeit der Kasse zur Verfügung gestellt haben, fid) in die zur Wahrung der Interessen der Kassenmitglieder erforderlichen Anordnungen fügen. Durch die erwähnten Bestimmungen sind die Aerzte bei richtiger, den Grundsätzen von Treu und Glauben folgender Vertragsaus- lcgung keineswegs der Willkür des Kassenvorstandes preisgegeben: dieser hat vielmehr seine Anott>- nungen noch billigem Ermessen zu treffen; den Aerzten steht auch gegen eine vertragswidrige Handhabung die Anrufung des S-dstedögerichts und die fristlose Kündigung zur Seite. Auch in der hinsichllick) des Gehalts gegebenen Bestimmung kann eine übermäßige und deshalb sittlich verwerfliche Beschränkung der persönlichen und wirtschaft- I i d) e n Betätigungsfreiheit nicht erblickt werden. Den Aerzten ist unter Verzicht auf die Ausübung einer Privatpraris eine auf Jahre hinaus gesicherte auskömmliche Lebensstellung gewährt worden. Hierin ändert der Vorbehalt des Kassenoor-
— Ter beste Sport. Tie sashionabken Tarnen der vornehmen Gesellschaft in Boston, die vor einigen Tagen zu einer Eonserenze des bekannten Havard-Professors, Dudley-Sar- gent, rauschten, um von dem Gelehrten wenn möglich allerlei Schmeichelhastcs über weiblichen Sport und die Leistungssählg- keit der Frauen auf diesem Gebiete zu hören, waren nicht wenig verblüfft und entrüstet, als der Gelehrte den gerade bei der amerikanischen Damenwelt so beliebten Sportsarten temperamentvoll den Krieg erklärte. „Mle diese Formen des Sports," so erklärte Professor Dudlev-Sargent seinen eleganten Zuhörerinnen, „sind nur ein Vonvand, um mit vielen Kosten und viel Zeiwerlust die Eitelkeit, die Koketterie und den Flirt zu betreiben. Wenn Sie, mcinc~ verehrten Tomen, einen wirklich vernünftigen hygienischen Sport treiben loollen, der Ihrem Körper seine ganze normale^Schönheit schenken und erhalten soll, so kann ich Ihnen diesen Sport verraten: die häusliche Arbeit, die Tätigkeit im Haushalt. Um die Bcinmuskeln zu stählen und Fettleibigkeit zu verhindern, gibt es kein besseres als häufiges Treppen
steigen. Um die Brust und die Wirbelsäule zu fräitigen, ist Knien und Aufwaschen das Veste, vor allem, wenn man dabei mit beiden Händen zu glcickwr Zeit arbeitet. Um die Schultern schmiegsam zu machen, ist die Arbeit mit einem Besen das idealste Mittel, außerdem das Tragen von Eimern. Backen verschafft Ihnen die schönsten Unterarme und eine Stunde Waschen ersetzt Ihnen in hygienischer Beziehung eine ganze Woche Tennist- spieleu." Ter Vortrag Prof. Tudley-Sargents wird viel umstritten: die Mehmahl der Männer neigte zu der Ansicht, daß der Gelehrte sehr klug und weife dächte, aber die schönen Frauen sind auf» Tiefste entrüstet, daß der Gelehrte „in Wirklichkeit ein Barbar ist, an dem ein Neger Händler verloren gegangen sei".
kf. Karin Michaelis über die Frau der Zukunst. Aus Neu York wird von einer Unterredung berichtet, in der sich Karin Michaelis, die Verfasserin des „Gefährlichen Alters", über die Frau der Zukunft geäußert har. Karin Michaelis ist nämlich der Ansicht, daß die Fran der Zrv- kunft sick, zur Ehe von Grund aus anders stellen wird, als die der Gegomvart und der Vergangenheit. Tie tufünrtigc Frau nach dem Bilde der dänischen Schriftstellerin wird nicht mehr aus einen Eheantrag warten, sondern sich ihren eigenen Mann
ttandcs, daß für den Fall her Herabminderung der Muglwdcr- zahl eine prozentuale Gebotlslürzung stairunden soll, umsoweniger, etwas, als für diesen Fall die gleichfalls nicht unter her Willkür des >t assen Vorstandes stehende M öglidfcit her ök’iuähning von Privatprazüs in Aussicht genommen ist.
Börsen-Wochenbericht.
. . --- Frankfurt a. M, 3. Mai.
Tie Börse stand fast ganz unter hem Einfluß der Mefa düngen über den Stahlwcrksvcrband. Brachten die mcdH felnoen Nachrichten über das Schicksal des Verbandes auch einen nervösen Zug, so ist die Börse biwh ihrem Optimismus treu geblieben, indem sie an ein Scheitern her Verlwnhlungeu nichtz glauben wollte und in der Tat ist her Stahlwcrksverband in letzter Stunde wieher zustauhe gekommen. Sinh auch die Wünsckw der Spekulation bezüglich her 6 Produkte unerfüllt gc« blieben, so Hat man es dock) begrüßt, haß hie großen WKrke sich Haben bereit finden lassen, ihre hoben Forderungen zu reduzieren und der Eisenindustrie die Grundlage für eine weitere! gedeihlick« Entwicklung zu sichern. Man glaubt die Hoffnung hegen zu dürfen, daß auch bezüglich der 8-Prohukte hie Einsicht für die Notwendigkeit einer Syndizierung Platz greifen wird, während jetzt der flotte Geschäftsgang davon abhält, hie Zeiten ins Auge zu fassen, in denen das Vorhanhensern fester Organisationen von posittvern Nutzen ist Infolge dieser Stimmung Haben die Engagements in dieser Woche bctrnfatlid) zugcnommen und eine Reihe von Werten geht mit Kurserlüihungen hervor. Besonders begünstigt waren Montanpapiere, namentlich Bochumer, wobei auf das Interesse des Unlernebniens an ^-Produkten verwiesen wurde. Daneben ivarrn Phönix Aktien und Teutsch-Lurcmburqcr stark gefragt, and) Laurohutte aut Gerüdste über gute Ergebnisse, namentlich im Kohlenbergbau. Für reine Kohlenwerte war die Stimmung weniger günstig, ha die O.uar- talsausweise die Einbußen zeigen, hie hie Zecken hurch den Ausstand erlitten haben. Vmtimmend wirkte, daß her Koksmarkl sich wenig erfreulich entwickelt, so daß mit einer wetteren Eim'chrän-- fung gerechnet wird. Eine bchcutenbe Mur>5ftcigmnig crfulyrcn die Aktien der FriedrichsWtte, die außerhalb des 5i)nbifntv geblieben ist, da mit einer wescntlid-en Tividendenerlröhung gerechnet wirb. E a s s a - I n d u ft r i e p a v i e r e waren wieher höljcr, so einzelne Maschinenfabrikaktien, Elektrizitätswerte und Aktien rfie- mischer Fabriken. Größere Rückgänge haben Holzverkohlung und Tairnler^Motoren erfahren, in denen Gewinnabgaben ftntinnihcn. Große Kauflust bestand für S chifsa hrts a kt i e n, ohne daß etwas anderes Greifbares für die Höherbewertung vorlicgt als die Tatsack)e eines sefa günstigen Geschäftsganges. Auf den übrigen Märkten, namentlich am Bankaktien markt, war der Verkehr ruhiger, abgesehen von amerikanischen Eiseubahn- aktien, von denen sich für CauabwPacific Jntcreffe erhielt und Baltimore and Ohio fid) besonderer Gunst erfreuten im Hinblick auf den großen Besitz an Reading^Aklien, die :ii Neu- York stark in die Höhe gesetzt worden sind. Eine Stutze hatte die feste Tendenz der Börse in der befriedigenden Entwicklung der Geldverhältnisse. Die Frage einer Tiskontermäßi- gung der Reichsbank wurde erörtert, ohne daß sich eine bestimmte Ansicht darüber herausbildete. Beachtet wurde besonders her Hinweis des Präsidenten Havenstein in der letzten Zentrafaussdiuß- sihung, daß sich noch nicht erkennen lasse, ob die am offenen Ntarkl eingetretene Erleichterung von Dauer fein werde, und daß die Kurse der fremden Wechsel noch hod," seien. Privab-Diskonc 33/4 Prozent.
Leber und Gallenbeschwerden
sind so verbreitet, bah cs mit Freuden zu bemühen ist, in Dr. Wegener S Tee ein Mittel zu besitzen, welches diese Störungen in kurzer Zeit beseitigt. Nichts verursacht so viel llnamichnv lirbfcit, Unbehagen und Lcbcnsübcrdruh als tfeber und Gal lenkrankheiten. Dr. Wcgcncr'o Tee soll stets in jeder Familie vorrätig iciu. Preis Mk. 1.50. Zu haben in Apotheken: n enn nicht vorrätig wende man sich an Ferromanaaniu Gesellschaft, Frankfurt a M., Kronvrinzcnftrahe 55. [>“) Du/i
Kannst da vielleicht das Wetter machen?
rmw biesnurN Ps. Ächte aber daras.daßTu keineNachaüniung cihälft
9lem? Na also, bann mußt du dich auch vorsehen, damit daß schlechte Wetter dir nicht gefährlich wird. Du wirst dir also eine Schachtel Fays achter Sodener Pllneral-Pafallen in die Tasche stecken, wenn du Touren machst: und wirst noch ein paar schachteln in Vorrat mitnebmen, und bann kannst du ziemlich sicher sein, bah du allen Erkältungsgefahren sicher begegnen kannst. Ich hab s auöorobicrt und weif;, bah trtj dir etwas Besseres nicht empsehlen kann. Tie Schachtel koner liber-
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aussuchen und, wenn sie den Rechten gefunden hat, fid) ihm aw tragen. Sie meint, die Entwickelung werde die Frau lehren, daß hierin nichts Unbescheidenes liege, und sic will die überlieferte Form nur auf "Prüderie zurüctsühren. Aber eben in dieser Prüderie sieht sie die Ursache vieler körperlickier und geistiger Leiden der gegenwärttgen Frau. Ihre vermeintliche Bescheidew- heit erscheint ihr als barbarisch und sie verursache verhängnisvolle Reaktionen. Uebrigens füllt Karin Michaelis bei dieser (Gelegenheit über die geistige Reife der amerikanischen Frau ein Urteil, das bei den Amerikanern allerdings Anstoß erregen muß, da es ihnen als Dogma gilt, daß die Amerikanerin die Krone aller Schöpfung sei. Karin Michaelis behandlet nämlich, daß die Mädchcm der bemittelten und gebildeten Klassen in Amerika im Heiratsfähigen Alter an Entwicklung noch geradezu itinber seien, wofür ihre Erziehung Deranttocrtlidi zu machen sei Ein Mädck>e.i von I.'> oder 16 Jahren in Nordeuropa ft ehe auf einer Stufe her geistigen Entwicklung, die die Amerikanerin erst in den 30er Zähren ihres Lebensalters erreiche. In dieser Behauotung liegt denn doch unseres Bedünkens viel Uebcrtmbiing, uno was das von Karin Michaelis gezeichnete Bild der zukünittgen Frau anlangt, ta trifft es wohl nur auf den schlag von Frauen zu, ben btc Dänin in ihrem Romane geschildert hat.
_ kf. Frauenuniversitäten in den Bereinigten Staaten. Die Bereinigten Staaten find im Vergleiche mit feurooa reich an Frauen Universitäten. Hochschulinftitul,, dic für Frauen allein beitimmt sind, wie etwa das Bassar-, Sw.itb und das Wellesley College, gibt es gegenwärtig wohlgezäh.l 128 gegenüber 146 Eolleges, die ausschließlich für männliche Stu- benten bestimmt sind. Andere Universitäten der Vereinigten Staaten lassen Frauen nur zu bestimmten Fächern zu, und 324 Colleges huldigen dem Grundsätze der Gemeinsamkeit. Nur die großen, alten Universitäten des Ostens sind ben Frauen g?gcn- uber ziemlich verschlossen und lassen sie nur in beschtänkicm Maß? iu_- Grundsatz der Gemeinsamkeit hat sich bisher gut bewährt. 1883 wurde die erste Einrichtung dieser Art, Sberlin College in Ohio, gegründet und 20 Jahre foätcr entstanden eme ganze Reih? ähnlicher Institute, bis heute ihre Anzahl aus mehr als 300 angewachsen ist.


