Ausgabe 
4.4.1912 Drittes Blatt
 
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162. Zahrgang

Drittes Blatt

Nr 81

Gießener Anzeiger

6dd)*htf tlflfid) mit Ausnahme des SonmagS.

Seneral-Anzeiger für Gberheßen

r,e ^Otktzeuer LamtliendlSNer" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegl, das Krelsblati für 6en Kreis «letzen" zweimal wöchentlich. D,eLandwtrtfchattUchen Seit» tragen" erscheinen monatlich zweimal.

Donnerstag, 4- April 1617

9letQtien4i>ni(f und Verlag der Brühl'schen UniversilätS - Blich- und 6teiiibrudcret R. Lange, Dietzen.

Redaktion, Expedition und Tniderei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: M

Redaktion: 118. Tel.-Sldr.:AnzeigerDietzen.

Die Methqlaltoholvergistungen vor Gericht.

sh. Berlin, 3. April.

Nach den gestrigen erregten Szenen zwischen dem Gerichts­hof uiü) der Verteidigung herrscht heute eine zienrlich schwüle Stim­mung im Gcrichtssaalc. Die Verteidiger waren nach den gestrigen Zwischenfällen iwch am Abend zusammengetreten und hatten ent­gegen der allgemeinen Ansicht beschlossen, im Interesse ihrer Man­danten von einer Niederlcgung der Mandate vorläufig Abstand zu nehnien. Nach Eröffnung der Sitzung irahm der Vorsitzeiwe Landgerichtsdirektor Brieskorn das Wort zu der Erklärung, datz die Berichte der Presse über die gestrigen Vorgänge objektiv un­richtig und tendenziös gefärbt seien. Verteidiger R.-A. Werthauer stellte wieder eine Reihe von Beweisanträgen. Eine Reihe von Zeugen würden bekunden, datz sie bei dem Gastwirt Dahle ver­kehrt und Methylalkohol getrunken hätten, ohne nachteilige Folgen zu verspüren. Weitere Zeugen sollen darüber gehört werden, das; in Gefängnissen die Gefangenen oft den bei der Möbelfabrilätion verwendeten PolitUsspiritus trinken, ohne datz cs ihnen etwas scl>adet. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen gerät der Verteidiger wieder mit dem "Vorsitzenden zu- s a m m e n, der den Verteidiger ersucht, ihm nicht zu widersprechen und ihm schließlich das Wort entzieht. Der Vorsitzende bemerkt dazu, datz er allein die Leitung der Vcrhmrdlung habe: et habe das sclzon einmal ausgesprochen, man scheine sich aber nicht danach zu richten.

Es wird hierauf eine Stenographin als Zeugin vernommen, die für den Beisitzer Landrichter Kriener die Verhandlungen stcno- gravhisch aufnimmt und, ein außergewöhnlicher Fall, vor dem Richtertische Platz genommen Ijat. Sic bekundet, datz ihr Laird- richtcr .stricner den Auftrag gegeben habe, die wichtigsten Aus­sagen zu stenographieren, nicht nur die Aussagen bestimmter Per­sonen. Trotz des Widerspruchs der Verteidigung wird die Zeugin vom Vorsitzenden entlassen. Als während der Vernehmung der Zeugin der Rechtsbcisland des Angeklagten Zastrow Justiziar Zvcrs die Aeutzcrung macht: Das ist ja unerhört! Ta hört jaallcs auf, bittet der Verteidiger- R.-A. Wcrthaucr ftm den Schutz des Gerichts und beantragt zugleich die Vernehmung der anwesenden Pressevertreter zum Beweise dafür, datz die Vc richte in der Presse durchaus richtig seien, datz dagegen das gerichtliche Protokoll Unrichtigkeiten enthalte. Der Gerichtshof lehnt den Antrag aber ab, da er mit der Sache nichts zu tun habe: int übrigen könnten die Verteidiger sich selbst schützen, wie sie es schon getan hätten.

Ter Verteidiger R.-A. Jaffs beantragt nunmehr, das Pro tokoll der gestrigen Sitzung zu verlesen unb es zu berichtigen, da es falsch sei: ferner sei das Protokoll zu ergänzen, da es die verschiedenen gegen ihn ergangenen Wortentziehungen nicht ent- oaltc Der Gerichtshof lehnt auch diesen Antrag ab, da eine Berichtigung lediglich Sache des Vorsitzenden sei.

Die Verhandlung soll sich nun den materiellen Verhältnissen wieder zuwcndcn, als cs zu einem neuen Zwischenfall kommt.

Die Verhandlung wendet sich dann wieder der Giftigkeit des Methylalkohols zu. Dabei fragt der Verteidiger R.-A. Tr. 3affe den Sachverständigen Förster: Es gibt doch drei Arten von Alkohol? Bors.: Ich kann diese suggestive Frage nicht zulassen.

Bert.: Für mich ist die Frage keine suggestive, ich bitte um einen Gerichtsbeschluß über die Zulassung der Frage. Der Gerichtshof lehnt hierauf die Frage ab. Bert.: Ich bitte um Ausfertigung des Abweisung-: bcschlusscs. Der Gerichtshof zieht sich hierauf zur Beratung zurück. Als der Gerichtshof nach einer halben Stunde wieder erscheint, ist der Staatsanwalt nicht anwesend, so daß der Vorsitzeirde eine halbstündige Pause cm tret en läßt. Nach Ml auf der halben Stunde verkündet der Vorsitzende als Ge- richtsbcschlutz, daß der Verteidiger R.-A. Dr. Iafte wegen Un­gebühr vor Gericht in eine Geld st rase von 100 Mark ge­nommen fei. R A. Dr. Jaffe beantragt die Verlesung des Pro­tokolls, Protokollierung des Vorganges, der zu der Lrdnungs- strafc geführt hat und Aussetzung der Verhandlung, bis die Urteils­begründung erfolgt sei. Der Gerichtshof lehnt sämtliche An­träge ab.

Es werden darauf noch eine Reihe von Zeugen vernommen, die aber nur unwesentliche Bekundungen ntad)eit. Eine Zeugin hat bei Zastrow am Silvester Bowle getrunken, die. ihr gut be­kommen ist. Ob Methylalkohol darin war, weiß sic freilich nicht. Morgen vormittag werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Lnft-cbiffahrt.

Erfolge derStädtesveuden für Flugzeuge. Tic in verschiedenen Groß- und Mittelstädten in der legten Zeil in Fluß gekommene Bewegung allgemeine Sammlungen zur Schaffung von mili arischen Luftfahrzeugen zu veranstalten, bat nach den bisher vorliegenden Nachrichten überaus günstige Er- folge gezeitigt, so daß damit zri rechnen ist, daß der Müitär- verwaltnng in absehbarer Zeit die gesammelten Beträge zur Ver­fügung gestellt lueiben können. Am ertragreichsten ist bisher die Sammlung in Leipzig verlauseii. 25 000 Alark für das erste 7Uu«kahrzeiig sind bereits vor wenigen Tagen erreicht ivorden. Tteier Erfolg bat aber die Bewo ner der Lindenstadt nicht ver­anlaßt, sich auf ihren Vorheeren auszuruben. Inzwischen hat der Betrag die Summe von 33 852 Mark erreicht, so daß nur noch 14 OnO Mark an den Rohen für ein zweites Flugzeug fehleii. Unter den bereits quittierten Beiträgen befinden sich jolche von Tienstmädchen, Sextanern, llhrmacherlelnlingen., einem .Bauern­jungen", Tanzkränzchen, bikkolos, Tagelöhnern.

Uttrversitäts-Nachricbten.

Hk. Zum Nachfolger von Prof. Tr. M. Hahn auf dem Lehrstuhl der Hygiene der Universität Königsberg i. Pr. ist der Privatdozent und Abtcilungsvorsteher am hygienischen In­stitut der Universität Berlin Pros. Tr. med. Karl Kitz- kalt berufen worden. Im Herbst 1901 siedelte er als Assistent an das hygienische Institut in Giechen über und habilitierte sich ebenda 1903 für das Fach der Hygiene. Am 1. Juli 1906 wurde Kißkalt Oberassistent am hygienischen Universitätsinstitttt in Berlin.

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* Konkurse in Veiien. lieber das Vermögen des Maurergesellen Heinrich Wink VI. und Ehefrau Margareta, geb. Koch, zu Huß darf wurde am 13. 'März das Konkursver­fahren eröffnet. Ortsaerichisvorsteher Habicht zu Schlitz wurde

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zum Konkursverwalter ernannt. Konkurssorderungen sind bis zum 10. April bei dem Amtsgericht Schlitz anzumelden. Neber daß Vermögen der Isabella Zander, geb. Nußbaum, Ehe­frau des Kaufmanns Joseph Zander zu Bos en beim, zurzeit im Untersuchungsgefängnis zu Mainz, ivurde am 28. März das Kon­kursverfahren eröffnet, da die Gemeinschuldnerin zahlungsunfähig ist. Rechtsanwalt Alten do rs in Wöllstein wurde rinn Ikonkurs Verwalter ernannt. Konkursforderungen sind biS zum 18. Avril bei dem 'Amtsgericht Wöllstem anzumelden. lieber den Nachlaß des Landwirts Jakob Kraft III. zu Crumstadt wurde am 26. Platz das Konkursverfahren eröffnet. AmtSgerichtstarator Traut zu Gernsheim ivurde zum Konkursverwalter ernannt. RonkurSforderungen sind bis zum 20. April bei dem Amtsgericht Gernsheim anzumelden. Heber den Nachlaß des Ludwig Wilh. Kohlenberger, Apotheker in Mainz, wurde am 27. März das Konkursverfahren eröffnet. Bureauvorfteher Schum in in Mainz ivurde zum Konkursverwalter ernannt. RonkurSforderungen sind bis zum 20. April bei dem Amtsgericht Mainz anzumelden.

Märkte.

Limburg a. d. Lahu, 4. April. Fruch 1 markt. Tiivrfi- schnittspreis pro Malter. Roter Weizen lnassamschers 17,70 Pik., weißer Weizen langebaute Fremdsorten) 1 >,20 Pik., Korn 14,35 J>f., Gerste: . utlergerste 00,00 Alk., Braugerste 13,50 Alk.. vafer li-,2ü, Dik. v rüfen 0,00, Alk. Kartoffeln 0,009,8 ) Alk.

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