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06/01/1912 Zweites Blatt
 
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162. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 5

Trlchetni tLgNch mit Ausnahme btf Sonntag«.

war

cm Ende seiner Ausführungen: die Mehrheit bei

habe aller-

Hansabund

sei

als

gäbe.

Also sei

Aushebung Abbau der Schutzzölle kommen.

in

10

cingeführt wyrdcn sei, sei der

Steuern beschlossen worden, nicht durch sie, sondern durch Börserrmanipulationen sei cs verursacht worden, daß der Kaf,ee teurer geworden sei. Hieran seien aua) deutsche Banlen beteiligt gewesen. Freisinnige Abgeordnete hätten zuerst die Erhöhung des Kaffeezolles und eine Besteuerung auf Zichorie verlangt. Die sog.

Branntweinliebesgabe

Hafter Beifall.)

Tic nahezu 2/a stündige Rede wurde im allgemcincn ruhig angehört, die oft recht sinnlosen und unangebrachten Zurufe wurden von dem Redner meistens geschickt erwidert.

Kandidat Erkelenz als Gegenredner.

Redaktion, Ervedition und Druckerei: Schul» streße 7. Exved'tion und Vertag: 5L

Redaktion:^sS112. Lell-AdrnAnzeigerGießen.

aber von den 946 Positionen des Zolltarifs handelten 900 von der Industrie und 46 von der Lanowir.schaft. Fürst Bismarck habe die Schutzzölle im In.eresse der deutschen Eisenlndustrie cingeführt, dura) ihre Bei cicigung , würde die Stillegung der Ma- schirren',abrik und bamü Arbeitslosigkeit heroeigeuhrt. Die Schutz-

Wählerversammlung für Dr. wrrner.

Gießen, 6. Januar.

die Lieferung der unsetbständigeu Erwerbstätigen. In der neuen Reickssversicherungsordnung sei der Kreis-der Versicherten bedeutend ern eiter: worden. Wenn ,ie ur Krasi ireic, rouiven tdgja) drei Millionen an bicii2iDe:.iuiraiifd>er

Seite sei nrehriech anerkannt morden, daß durch die Versichrrungs- -gesetzgcbung und die Arbeiterschutzgejctzgcoung die deuischen Ar­beiter wesentlich besser, gestellt Men als die Arbeiter in anderen Ländern. Ter Redner belegt dies durch eine Reihe von Aus­sprüchen deutscher und auswärtiger Sozialdemokraten. Tuix: die Frechandelspolitik Englands sei der englische Bauernstand be­seitigt worden, während bei uns der Bauernstand den Jungbrunnen des Volles bilde. Durch das P riva ta n g c ste I t t en g c s c tz seien die 2 Millionen des sog. neuen Miticlitandes in die Ver- sicherringsgcsctzgehung eingesügt worden..

tcicn und Der Freisinnigen gescheitert seien. Unrichtig sei auch die Behauptung, daß unsere Grenzen gesperrt seien. Die ge­statteten Einfuhrkontingentc aus Oesterreich und Rußland wur­den niemals erreicht. Tie bedauerliche Teuerung der letzten Zeit sei nur durch den Mißwachs hervorgerufen worden. Aus Tänc- mart würden lährlich über 100 000 S.ück Rindvieh eingeführt. Als man die Grenzsperre nach Frankreich aufgehoben habe, sei sofort die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Durch die Grenzsperre sei cs gelungen, Deutschland seuchenfrei zu machen. Die jetzige Ausdehnung der Seuche sei blos durch _bie Auf­hebung der Grenzsperre hervorgerufen. Die wichtigste Frage, die der nächste Reick-srag zu erledigen habe, sei die Frage, ob

Freihandel oder Schutzzoll.

lediglich das Großkapital.

Ersatzsteuer für andere

Die ..«lehener Samillcnblätter0 werden bem .Anzeiger* viermal wöchentlich betgclegt, da4 Krelsblott für den Ktels Sletzen" groetmal wöchentlich. Tte ..kandwirtschastlichen 3tU» trageo" erscheinen monatlich jrocimaL

Samstag, 6. Januar 1912

Rotationsdruck und Verlag der Brüdlfchen UnlversilälS - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Wahrheit gemeint sei, gehe a.us der Tatsache hervor, daß er Millionen

Wahlansichtspostkarten

zollpolitik habe die Arbeitslöhne viel mehr erhöht als die Brot- preisc. Tic ganze Sck-utzzollpolilik lause darauf lnnaus, die Fcrligsabrilate hül-er zu verzollen als Halbfabrikate und noch höher als bie Ziohprodukie. Vier Fünftel der Rohprodukte wür­den zollfrei cingcsührt werden. Die Sozialdemokratie wolle bic der Sckrutzzölle und die Fortschrittspartei sei'für den Schutzzölle. Durch Abbau oder gar Aufhebung der werde namenlofc» Elend gerade über die Arbeiter

Er sei ..... ----- ------- -------...... .

Versammlung sei politisch aufgeklärt genug gewesen, ihn ruhig anzuhören. Wenn es ihm gelingen werde, mit Hilfe alter na­tionalen Clemente (Ohorufc) wieder in den Rcick)stag zu tomfnen. werde er auch in Zukunft arbeiten für Kaiser und Vaterland, für den Schutz der ehrlichen Arbeit in Stadt und Land. (Leb-

L ? Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesjen

das bezwecke, &en billigeren Verkauf Produkts im Ausland als im Inland . Es sei anzustreben. Laß das Gesetz auch aur die vorigen Syndikate Mlsgedehnt werde. Weitere Arbeiten des Reichstages betrafen

Wenn die Frage zugunsten des Freihandels entschieden werde kurze Zeit die Fahne des Großkapitals wehen, dann aber die Fahne der Revolution (lebhafte Hohnrufe). Au­

man bann die Arbeits-

statt billigen Brotes werde losigkcit haben. Tnrch die Einführung des Schutzzollsyftems sei es gelungen, die Zahl der Auswanderer von 200 000300 000 in den achtziger Jahren auf 20 000 zurückzudrängen. Unter den Schutzzöllen sei die Industrie mäch.ig cmporgcblüht, durch die Schutzzollpolitik habe man Arbeit geschossen und cs der Industrie crmögliüM, die Lasten der Kolonialpotitik zu tragen. Es werde immer mir von den landwirtschaftliawn Schutzzöllen gesprochen.

gegründet worden. Er schütze

Auch die Kafseestcucr sei c.l

in nicht nationaler Weise durch zwei Agenten in Amerika babe Herstellen lauen (Weiterleit und Beifall). Tie Pojikarten seien bann durch einen Strohmann des Bundes der Landwirte in einer Berliner Truckerei verschnitten worden und der Mann hat. vergessen, den dabei beschäftigten Arbeiterinnen ihren Lohn auc- zuzahlen, deshalb sei durch eine Klage am Berliner Gewerbegericht der ganze Handel aufgedeckt worden (Heiterkeit). Taß durch die Reichsfinanzresorm Geld in die Reickstasse gekommen sei, sei richtig und klar. _ Tarum handle es sich bei der Sache nicht, son­dern darum, daß der schwarzblauc Block die Besteuerung dcp großen Vermögen durch die Erbschaftssteuer Nicht zugclassen habe.

eines wichtigen zu verhindern.

werde durch die Untätigkeit der Regierung stets falsch dargestellt. Tie Stcuerspannung, die man mit diesem Namen belege, sei im Interesse der süddeutschen Brenner eingeführt worden. Tie ost­elbischen Brenner haben kein Interesse an der Liebes-

(Ter Redner wird in seinen Ausführungen hierüber mehrfach durch den RufErbschaftssteuer" unter­brochen.) Es wäre möglich gewesen, aus dem Branntwein 220 Millionen herauszuholen, wenn nicht die Einführung des Branntweinmonopols an dem Widerstand der süddeutschen Par-

Tie Wählerversammlung, bic der Wahlausschuß der Kandidatur Tr. Werner für gestern abend in das Kolosseum cin&cruicn hatte, war aus allen Parteilagern außerordentlich gut betucht. Auch laMrcidtc Wähler vom Land waren anwesend. ,

Punkt V'9 Uhr eröffnete Lehrer Kling die Veriammlung, woraus Oberlehrer Tr. W c r n e r seine Rede begann mit bem Aus­druck des Tankes an alle, bic bei ber letzten Wahl ihn in der Hauvt- eber Stichwahl gewählt hätten. Als einige Zwischenrufe cm- setzten, sagte ber Redner,Sprengen Sic.nur bic Versammlung, ^ic werden uns Damit den größten Ticntt tun." Er muilc damit beginnen, einige unrichtige Behauptungen in gcgnerifchcn Flug­blättern richtig zu stellen. Ter G i e ß c n e r A n z c i g e r habe die gemäßigt liberalen Bahnen des vorigen Jahres verlanen und bic Aufnahme einer Berichtigung von ihm abgelchnt. Tann be­stritt ber Redner, daß er sein Versprechen, für die Achchaffung oct Zündholzsteuer zu wirken, nicht erfüllt habe, wie dies die Sozialdemokratcn behauptet hätten. Tie Behauptung eines libe­ralen Flugblattes, er sei Vertreter einer einseitigen agrarischen Klässenvolitik, sei unrichlig. Er sei der Nachfolger Philipp Kohlers, an dessen Grab zahlreiche nicht agrarische SBcrtrctcr gestanden und Kränze nicdcrgclegt hätten. Ter liberalen Behauptung wider­spreche das Programm der wirtschaftlichen Vereinigung und vor allem auch seine, des Redners, Tätigkeit im Reichstag. Er habe

Prof. Schring habe bic Gesahren geschilbert, die Deutschland durch die vom Großgrundbesitz herbeigeführte Abwanderung ber Be­völkerung droht. In Oberhessen und Starkenburg seien 44 Proz. des Ackerlandes im Besitz der Großgrundbesitzer. Nach Sehring sei in 40 bis 50 Jahren der beutidje ländliche Grundbesitz im Besitz der Großgrundbesitzer. Tuch Tr. Werners Partei ver­spreche Bauernpolitik durch innere Kolonisation, aber Tr. Werner habe nicht sagen können, wie er mit dem Großgrundbesitz Bauern Politik treiben könne. Die Antisemiten seien eben abhängig vom ! ^mij der Landwirte, den Koniecvativcn und dem mit diesen verbündeten Zentrum. Ein Rundschreiben vom Bund ber Land­wirte, das die Beschaffung von Geldmittel für die Reichstags wahleii erstrebe, spreche es deutlich aus, daß die jetzige Politik in erster Linie dem Großgrundbesitz Vorteile biete, davon habe Tr. Werner nichts gesagt. Ter Wahlausschuß Tr., Werners habe eine Schrift von dem Redner an hiesige Geschäftsleute gesandt, in der er sich günstig für die Koni umvereine aus­gesprochen habe. Dr. Werner habe hiervon nichts gesagt, weshalb er es nachholen wolle. Er habe in der Schrift sich dagegen gewendet, daß Leute, die ein paar hundert Mark geerbt haben, ein Ladengeschäft ausmachen. Tie Entwicklung habe gezeigt, daß der Kleinkaufmann sich neben den Konsumvereinen lebens- und

konkurrenzfähig erhalten könne und ihnen vielfach überlegen sei. Die Konsumvereine seien mit ihrem einen Prozent des Gesamt­umsatzes keine so große Gefahr für den kleinen Kaufmannstand, daß er sich nicht behaupten könne. Er könne dies sehr gut auf dem Boden des liberalen Programms und mit Hilfe des HansavundcS, der gerade die Förderung des kleinen Kausmann- standeS als wichtige Aufgabe betrachte. Von dem Warenhaus des Bundes der Landwirte mit seinen 11 Millionen Umsatz habe Tr. Werner nicht gesprochen. Tr. Werner habe so viel von Steuern gesprochen, die die liberalen Parteien nicht gewollt hatten. Die Parteien des schwarzblauen Blockes hatten doch die Mehrheit gehabt, warum habe er denn bic schönen Steuern dann nicht be>chlossen. Tr. Werner habe seine Rede mit bem Versprechen geschlossen, daß er für die ehrliche Arbeit in Stadt und Land fei. Durch seine Steuerpolitik habe ber schwarz-! blaue Block dies nicht getan, er habe bie erwerbstätigen Stände bei der Arbeit besteuert und nicht nach der Fertigstellung an ihrem Verdienst durch eine gerechte Einkommensteuer. Tie Stellung der fortschrittlichen Voltspartei zur Zollpolitik habe Tr. Werner völlig unrichtig dargestellt, weshalb er es hier vor genügend vielen Zeugen wiederholen wolle, damit Tr. Werner fernerhin nicht mehr unrichtige Tarstellungen geben könne. Es sei vollständig ausgeschlossen,

die Zölle

völlig abzuschaffen, denn das werde schwere Erschütterungen mit sich bringen. Taß man die Zölle erhalten wolle, bedeute doch nicht, daß man alle Zölle in ihrer jetzigen Höhe erhalten müsse. Tie fortschrittliche Volksvartei wolle alle Zölle erhalten

Ter Redner legte dann seine

Stellung zur Rcichsfinanzreform dar, an der er znnr nicht mitgearbeitet habe, für

die er aber von seinen Gegnern verantwortlich gc

macht werde. Tic ReichLfinanzreform habe sich durchaus vewahrt, 'ic habe das Reich von der Schuldknechtschaft des Kapitals los­gelöst und zahlreiche Haudckskammerbcrichte hätten in ihren Be­richten die günstige wirtschaftliche Lage anerkannt, -iic ictzige Tabaksteuer habe zwar ihr.' bedenklichen teilen, aber auch bie Liberalen hätten den Lalak schärfer heranziehen wollen. Es ,ei Tatsache, daß bic Tabakindustric mcljr unter ber Konkurrenz ber Zigarettcnindustric als durch die erhöhte Tabakiteucr gelitten ha. e. Auch Gcneraldirektvr Ballin frohe ausgesprochen, da» die Äusflchten unserer wirtschaftlichen Entwickelung durchaus günstig feien,-tie Fänanzreform sei durchaus notwendig gewesen, fie fei oon feiner Partei, auch nicht bezüglich der geforderten Höhe, crnst.tch bestruten worden. Die Einzclstaatcn seien auf

bie direkten Steuern angewiesen, und die an sich nur durch eine Verfassungsänderung mugiiefre Einführung einer Rcicl-Seinkommen- und Vermögenssteuer sei an dem Widerstand der Einzelstaatcn gescheitert. Es fei mög­lich geivcscn, die Erbschaftssteuer durch die Koticrungs- b i e 2 i V i b c n b c n ft c u c r usw. zu ersetzen gewesen, aber die Par- teien der Linken ivären dagegen gewesen, trotzdem die kleinen Leute davon nicht getroffen werden. 'Tie Kotierungssteuer bringe in Frank­reich viele Millionen ein und hätte bei uns 120 Millionen erbracht, wenn nicht die Regierung und Parteien der Linken allzusehr aus den Schutz des mobilen Kapitals bedacht gewesen seien. Auch bei Genehmigung ber Grb.'chaftsstemr seien alle bürgerlichen Parteien geneigt gewesen, 400 Millionen indirek.e Steuern zu bewilligen. D-anlit 100 Millionen Erbsck-aftsstcuern erreicht worden wären, ici es notwendig gewesen, bis 62^ Prozent zu gehen. Man habe sckwn eine Erbschaftssteuer, die 1911 39 Millionen emgebracht habe Für diese habe seine Partei 1906 nniiimmtg gestimmt und auch 1009 hüllen die meisten Mitglieder der wirtschaftlichen Bereinigung b.-.fiir gestimmt. TaS Gesetz von 1909 frabc eine Er­weiterung des Gesetzes von 1906 uno die Au.dchnung aus itinDer und Ehegatten bezweckt. Ihr Ertrag sei aus m Millionen ver- aiiichlagt gewesen, so daß noch 443 Millionen ans anderem Wege zu decken gewesen seien. 1906 hätten auu> dw Pollli.er der Linken Die Erbschaftssteuer als einen Lin.rnd) in das Famillenleben be­zeichnet, wenn sie 19o9 ihre Ansiast geändert hallen, so sei dies in dem Gesetz bcgrüiu-t, der dem mobilen Kapital bic Möglich­keit gegeben hält , regen Zahlung von 5jJ Mark Lronungsstrasc jid) d.r Erb,chusrsst.euer entzochen zu können. Auch ber größte Teil des Grunbbesitzes, wie er in den Fideikommisten festgclcgt sei, sei durch die Erbichaftssteuer nicht gc.roi,en worocn, weshalb man den t)ideikommisft.nipel cinge.ührt l;aue. Warum hatten Denn die Parteien der Linien gegen

die Reichs Wertzuwachs steuer

dort zweimal

zum schwedischen Handelsvertrag gesprochen und dabei vor allem ber zollfreien Einfuhr der Pflaster­steine widersprochen, durch bie die deutsche Steniinbuilrie auf das schwerste geschädigt würde. Nach dem Bericht ber Gießener Handels­kammer hätten zahlreiche Steinbrüchc stillgelcat werden müssen. Seine Partei habe gegen den schwedischen Handelsvertrag geitimmt, wahrend die Sozialdemokraten dafür geftimmt hätten, trotzdem da­mit außer den Steinbruchbesitzern zahlreiche Steinbrucharbeiter schwer geschädigt worden seien. Seine Partei hätte dies getan, um eine bodenständige Produktion zu schützen und zu erhalten,

Ter japanische Handelsvertrag

habe gezeigt, daß unsere Lage immer schlechter ge­worden fei. Er und seine Partei schließe aber daraus nicht, daß unsere Handelspolitik schleckst sei, sondern fie wolle umercr Industrie durch ihre Zollpolitik vor allem den Jnlandsmarkt erhalten. Ter japanische Handelsvertrag schMge unsere Seiden- inbuftrie auf das schwerste, ermögliche die Niederlassung von japanischen Industriellen und die Ansiedlung von japanischen Arbeitern. Wenn jetzt das große chinesische Menschenreservoir durch die ftattfinbenbeu Umwälzungen in Bewegung gesetzt wird, die es ermöglichen, daß dieses Volk einen ähnlichen Vertrag erhält, bann hätten wir bie g e l b c G e s a h r. Wenn das erst einmal ein» trete, werde man auch in ben Kreisen unserer Handarbeiter die Bedeutung einer nationalen Arbeiterpolitik erkennen. Er habe im Reichstag weiter über

die Maul- und Klauenseuche gesprochen, die Sperrmaßregeln, das Beobachtungsgebiet und die Entfchädigungsf'rage besprochen. ES handle sich dabei nicht allein um die materiellen Interessen, sondern um die Frage der Sicher­stellung unserer Volksernährung. Teutschland hätte die beiden letzten Krisen überwunden dadurch, daß wir im Inland einen aufnahmefähigen Markt hätten. Wenn man den sozialdemokra- tifchen und freisinnigen Parteien folge und unsere Schutzzollpolitik beseitige, werde Teutschland in seiner Ernährung vorn Ausland abhängig werden und im Falle eines Krieges wäre unser Volk aufs schwerste bedroht. In diesem Sinne sei bie landwirtschaftliche Frage und die Beibehaltung der Seuchen-Absperrmaßrcgeln von außerordentlicher nationaler Bedeutung. Er habe ferner mit- gearbeitet in der Kommission für das K U r p f u s ch e r g e s c tz und fei in der Petitionskommission tätig gewesen und habe in letzterer manches erreicht. Er sei außerdem im Reichstag für

die Lahnkanalisation

tätig gewesen, die durchaus aussichtsvoll sei. Wenn der, erste Perionendampser hierhertömme, werde er dafür sorgen, daß jeder­mann eine Freikarte erhalte. Er habe ferner einen Antrag zur Förderung des gewerblichen Ätittelstandes unter­schrieben, der alles enthalte, was die gewerblichen Korporationen haben wollten. Tie schrankenlose Gewerbefreiheit habe vielfach schwere Schädigungen für die Gewerbetreibenden im Gefolge ge­habt. Ter kleine Befähigungsnachweis verhindere nicht, daß den Handwerlern vorn Großkapiral und der Großindustrie große und unberechtigte Konkurrenz gemacht wird. Tcmgcgenüber üctlange Der Antrag der wirlsch. Vereinig, die Einführung dcS Befähigungs­nachweises, so daß nur der ein Handwerk ausüben könne, der eine ordentliche Lehrzeit durchgcmacht uni) den Befähigungsnach­weis erbracht habe. Ferner ver.auge der Antrag, dag die Industrie entsprechende Beiiräge zur Handwerkerausbiidung leiste, und daß nur DoUjäfrrige Personen ein Gewerbe selbständig betreiben Dürfen. Tas Gesetz zur Sicherung der B<rufrandwerker müsse in seiner ganzen Ausdehnung dem Reiche unterstellt )üerben, da der gegen­wärtige Zustand, daß ber 2. Teil des Gesetzes den Einzelstaaten überlassen sei, Unzuträglichkeiten im Gefolge habe. Tem loandwcrk sei cs verboten, Mindestpreise festzusetzen, das müsse im Interesse des Mittelstandes geändert werden. Ferner sei daS Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wellbeweros schärfer zu fafsen und zum Schutze Der Gewerbetreibenden in den kleinen Städten vorn Reich eine Filial- und eine Warenh-aussteuer einznführen. Die nach bem Umsatz zu bemessen sei. Ferner sei das Snbmissionswesen reichsgesctzlich zu regeln und zu verbessern, auf der Gruudlage, daß Der den Zuschlag erhalte, der ben angemcncnitcit Preis fordere. Weiter werde gefordert, daß das Militär und Die Gefängnisiarbeitcr den selbständigen Gewerbetreibenden keine Konkurrenz mache. Tie Sträflinge konnten z. B. zur Urbarmachung von Ocdländereien verwendet werden. Seine Partei sei weit davon entfernt und habe dies durch ihre Arbeit bewiesen, daß sie eine einteilige Wirl- fchafllpoli.ll treibe und habe sich bemüht, für die Internsen der Kleinsten und des Mittelstandes einzutreten.

Ter Redner besprach dann weiter

das Kaligesetz,

den, sondern von liberalen Blättern. Heute wcroe die ganze Rcichsmgswahlagitation um das Streichholzck/en geführt. Er sei Gegner der Zündholzsteuer, weil sie eine Verärgerungssteuer sei, und wolle sie durch eine Ko.ierungs- und TiviDcndensteuer er­setzt haben. Doch sei dies gegenwärtig nicht möglich, da hierdurch die Streichfrolzindustric noch mehr geschädigt worden sei, als durch die Einführung der Steuer. Tie Zündholzsteuer märe nicht gekommen, wenn die R e k l a m e st e u e r angenommen worden sei. Als die Kouponstcuern, die von den Bancen bezahlt werde.

wissen, die dem Bauernstand nützen, aber nicht die, die lediglich im Interesse des Großgrundbesitzes geschafsen wurden. s Abg. Oeser im Recht gewesen, in dieiem Sinn von einem Abbau der Zölle zu sprechen. Ein im Saale ausliegendes Flugblatt gegen den Hamabund, das nicht in Gießen gedruckt sei und des­halb seine antisemitische Tendenz deutlich erkennen lasse, stelle die Beweggründe, die zur Begründung des Hansaöundes führten,

Industrie nur Hinderniffe bereitet. Vor allem müsse von den Dingen gesprochen werden, von denen Dr. Werner nicht gc sprachen habe, und das seien alles Dinge, die auf bic Entwick­lung ungünstig eingcroirit hatten. Nicht bloß daS große Kapital, fondern auch der Großgrundbesitz habe von der Politik, die Tr. Werner vertreten wolle, Vorteile gefrabt. Er müsse sich nninbctn, daß Tr. Werner den Mut gehabt hätte, Der SchnapSlieb.'sgabe eine so l-armlose Bedeutung zu geben.. Er wolle nur darauf Hinweisen, daß die 200 größten Schnapsbrenner 5 Millionen Liebesgaben bezögen, und umgekehrt 19 000 süddeutsche Brenner auch nur 5 Millionen. Tic Gefahr der japanischen Einwande rung in Deutschland, die Dr. Werner so glühend geschildert habe, sei an sich sehr unwahrscheinlich. Aber gerade von Tr. Werners Freundest, im Bund der Landwirte, sei der Vorschlag gemacht worden, chinesische Kulis einzuführen. Der Großgrundbesitz führe jährlich 700000 ausländische Arbeiter bei uns ein. Von ber Judengefahr, bie sonst bei Tr. Werner und seinen Freunden eine so große Rolle spiele, sei ja hier keine Rede gewesen. Das Land werde von den Arbeitern und Bauern

entblößt und entvölkert durch den Grundbesitz.

Mit stürmischem Bcisall begrüßt, ergriff in der freien Aus» spräche zunächst der Staubibat ber fortschrittlichen Volkspartei Erkelenz bas Wort. Die Rede bes Referenten ' bings burch ihre 2l/a ftünbige Dauer bie versprochene freie Aus­sprache sehr schwer gemacht. Daß ^manches in ber Rebe Ti. WernerS richtig sei, sei nicht zu bestreiten. Ec habe auf eine Blüte der industriellen Entwicklung bingcwiescn, von der er nicht sagen könne, daß seine Freunde sie verursacht hätten. Ter Bund der Landwirte und was sich um ihn gruppiere, habe der

ganz falscp dar. Ter Hansavuno sei entftatiüen durch die lieber* fpannung der Gesetzgebung im Interesse des Großgrundbesitzes. Vor zehn Jahren hätte kein Mensch den Hansabund ins Leben rusen können. Tr. Werner habe auch wieder vom Schutz der natio­nalen Arbeit gesprochen; wie aber dieser Schutz der nationalen Arbeit von den Freunden Tr. Werners im Bund der Landwirte

gestimmt, d'.e die großen Gero inne beim Grundbcsitzwcchscl ge­troffen hätte. Tas Er b scha f t s st eue r ge setz werde in dem Augenblick kommen, wo das bleich neue Di i t - ccl zu seiner Verteidigung brauche. Tann müsse aber dafür gesorgt werden, baj die Steiierhinterziehung ent,brechend der Höh: der hinterzogenen Steuer unj nicht durch Vezahfung eines Tr nkield'S von 500 Mark bestraft werde. Tic Sozialdemokraten hätten schon 1906 die Ausdehnung der Erb­schaftssteuer ans Kmdcs- und Gattenerbe von 2000 Mark aus­wärts in Höhe vo.i 2 Prozent beantragt und 1909 hätten sic einen ähnlichen Antrag gestellt. Eine solche S.cuer Mn em Schlag in das Gesicht des deutschen Arbeiters gewesen. Eine Erbsafafts- steuer, die die Heranziehung des Großiäpilals getoäfrrlciue, werbe im Reick)stag keinen Widerstand fiirden. Tie Behauptungen der Sozialdemokraten und Der Linksliberalen über d,e sck-ädllmen Wir- [ungen der Zündholzsteuer seien nach Aussührungen des nalll Abg. Dr. Osann duro/ius übertrieben. Tie Zündholzsteuer sei nicht von den Parteien der Rechten in Vorschlag gebracht wor-