162. Jahrgang
Drittes Blatt
nr. 23t
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme be5 Sonntags.
General-Anzeiger für Oberhejjen
Die „Gießener Zamtlienblätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „ktreftblott für 6<n Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die .^andatrtschastlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Freitag, 4. Gttober 1912
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Unioersuars - Bilch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: fcjsööl.
Redakuon:^-sS 112. Tet..Adr.:AnzeigerGießew
Christlich-sozialer Parteitag.
1 - Düsseldorf, 1. Ch.
Mit einer großen öffentlichen Volksversammlung in der Tonhalle wurden hier die Verhandlungen des 16. (Shnlthrfp-Sojia cn Parteitages eingeleitet, zu denr zahlreiche elegierte aus allen Teilen des Reiches eingctroffcn sind. Rcichstagsabgeordneter Xltc. Mumm erstattete
den parlamentarischen Bericht.
Er wies einleitend auf die Vorgänge bei der Wahl Lchndemanns jum Vizepräsidenten des Reichstages hin, der den Wortbruch eine erhabene Tradition der Hol-cnzolleru genannt habe, -’iod) immer gehörten diejenigen, die seiner Zeit für Bebel und ^cheibemann im Reichstage Stimmen abgegeben hätten, zur n a t i o n a l l i berat e n Fraktion. Bezüglich der Fleischt eucrun g habe man noch gar nicht von einer Herabsetzung der Schlachtgebuhren gesprochen, aus denen manche Städte crlMrchen Gewinn erzielten. -Tie .ng des Zolles würde nicht den Verbrauchern und
Viehzüchtern zu Gute tommen, sondern lediglich dem .Handel. Tas Gleiche gelte von der Herabsetzung der Frachtgcbührcn. Erfreulich sei, daß der Reichstag zwei christlich-soziale Anträge angenommen habe, den auf Verbot der Branntweineiusuhr in die Kolonie,i und einen zweiten, der sich gegen die Auswüchse der Kinematographen-Thcater richtet.
Reichstagsabgcordneter BehrenS (Eisen) sprach über d i e p o l i t i s ch e L a g e.
Er behandelte dabei das Verhältnis der Partei zum Zentrum und betonte, daß sich für beide Parteien ans ihrem posilioen Christentum eine Fülle gemeinsamer politischer Folgerungen und gemeinsamer Arbeit ergebe. Kurzsichtige Leute befürchteten von einem Zusammengehen mit dem Zentrum eine Beeinträchtigung der evangelischen Interessen. Diese Befürchtung sei aber unbegründet. Geschädigt würden die evangelischen Interessen durch eine Unterstützung der Sozialdemokratie, denn durch die große Zahl der sozialdcmokratisd>cn Reichstagsmandate sei das Zentrum im Reichstage ausschlaggebend geworden. Die größte Gefahr drohe auch nicht vom Zentrum, sondern von der christentumsfeindlichen revolutionären Sozialdemokratie.
Pfarrer D. Philipps (Eharlottenburg) sprach als nächster Redner über „Familie und Politik", Pastor Stuhr- mann (Godesberg) über „Volksleben und Politik". Sämtliche Vorträge wurden mit großem Beifall ausgenommen.
Die geschlossene Telegiertensitzung beschäftigte sich zunächst mit geschäftlichen Angelegenheiten. Rach dem Geschäftsbericht, den fiaumiann Neuhaus (Barmen) erstattete, l>at die christlich soziale Bewegung im verflossenen Geschäftsjahr gute Fortschritte gemacht. Zu rühmen l'et, ba& die Wähler allenthalben Parteidisziplin beobachler und den Weisungen der Parteileitung strikt entsprochen hätten, auch da, wo es manchmal schwer, z. B. bei der W a h l e n t h a l t u n g in verschobenen Wahlkreisen, in denen sich Frei sinnige inü> Soziald em o- Traten gegenüberstanden. Ter Kassenbericht weist an Aus- |abcn etwa 28 OOO Mk., an Einnahmen dagegen nur 23 000 Die Tagung wandte sich dann der Beratung der vorliegenden Anträge auf politiscliem Gebiete zu. U. a. erklärte sich die Versammlung durch Annahme einer Entschließung gegen die sogenannten gelben Gnverkselzasten. Ferner wurde gewünscht, daß unser Spionagegefetz nach dem Muster des englischen eine Ver- fd>ärfung erfahre und daß bei der eventuellen Einführung eines neuen Erbsd/aftssteucrgesetzes auch die Dcklarationspflicht der Banken, Sparkassen usw. gesetzlich feftgelegt werde. Wester sprach
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s,ch der Parteitag in einem Antrag gegen die vielfad) geforderte Verschärfung der Strafbestimmungen für Vergehen bei Streik- postenstehen aus.
Pfarrer D. Philipps (Eharlottenburg) hielt dann einen Vortrag über „Staat und Kird>e", in dem er erflärtc, daß die Frage der Trennung von Staat und Kirche gegenwärtig spruchreif geworden sei.
Zn einem weiteren Vortrag forderte Rektor G r ü n w e i l e r (Mülhausen >, der das Thema „Staat und 5 dm le" behandelte, die Konfessionsschule und den konfessionellen Religionsunterricht.
Ta der bisherige Vorsitzende Reichstagsabgeordneter Behrens sein Amt niedergelegt hatte, wurde an seine Stelle Pfarrer D. Philipps (Eharlottenburg) gewählt. Tamit hotte der Parteitag sein Ende erreicht. __
Zweiter deutscher Schulresormkongreh.
~ München, 3. Skt.
Unter zahlreicher Beteiligung der hervorragendsten bcutfd)en Pädagogen und anderer an Fragen der Jugendbildung und Jugend künde interessierter Pcrsönlidck eilen trat hier der Bund für Schulreform zu seinem zweiten deutschen Kongreß zusammen, nachdem der erste im vorigen Jahre in Dresden abgehalten worden ,var. Ter Bund für Sd)ulresorm wurde im Jahre 1910 in Berlin gegründet. Er will alle Fragen der Jugendbildung und Jugendkunde in sein Arbeitsprogramm aufnehmen. Demcntsprcch.nd ist die Tagesordnuiff, für den Kongreß überaus reich. Unter den Vortragenden befindet sich auch der bekannte Münchener Päda gogc Sberstudienrat Tr. Georg K e r s che n st e i n e r, der die aus dem Wesen der Bildung sich erhebenden allgemeinen Forderungen für die Gestaltung der Schultupcn und ihrer Schulpläne behandeln wird. In der Einladung zu dem Kongreß sagt das vorbereitende Komitee u. a.: Ter Bund für Schulreform bezweckt den engeren Zusammenschluß und die gemeinsame Tätigkeit aller, die überzeugt sind, daß unsere Kultur eine zweckmäßigere Gestaltung der Bildungsarbeit in Schule, Haus und Leben fordert und daß für diese Arbeit die Entwickelung der jugendlichen Persönlichkeit und der Bildungsgeholt der Kultur der Gegenwart maßgebend sein müssen. Als Hauptaufgabe erkennt der Bund für Schuli-esorm die Weckung und Vertiefung des Interesses für Erziehung und Unterrichtsfragen in den weitesten Kreisen und die Anregung zu zielbewußter Ä, beit aus allen Gebieten der Jugendbildung. Ganz ferne liegt cs dem Bund, gewaltsame, katastrophenartige Umwälzungen her- beisühren zu wollen, vielmehr betrachtet er es als seine Haupt ausgabe, einer natürlichen, stetigen und organischen Entwickelung der Jugendbildung vorzuarbeiten und den Bildungsbegriff mit der modernen Kultur in Einklang zu bringen. Auch in München hat sich eine sehr umfangreiche und rührige Ortsgruppe unter dem Namen „Pädagogische Gesellschaft" gebildet, die eine große Zahl von Einzelmitgliedern und angeschlossenen Vereinen mit verwandter Ausgabe und Tätigkeit umfaßt. In den zwei Jahren ihres Bestehens wurden von berufener Seite eine Reihe von Vorträgen über aktuelle Fragen der Jugendbildung und Erziehung gehalten, sowie reger Gedankenaustausch über die verschiedenen Gebiete des ir.itcn Arbeitsfeldes gepflogen. Der Bund sucht sein Ziel zu erreichen u. a. durch Berichterstattung .über , die Ergebnisse der modernen Forschung auf dem Gebiete der Psychologie und Jugendkunde, durch Berichte und gegenseitige Aussprache und durch Eingaben an die für die weitere Entwickelung des Erziehungswesens maßgebenden Behörden und Körperschaften.
Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Cornelius (Frankfurt a. M.) über „Das Wesen b er Bildung und ihre Bedeutung für bie Schule".
vermischtes.
kl. Tie SchiNahrt« verluIIe bettelt Bon den riesigen Verlusten, die die Schiffahrt der Well ei leibet, kann man fid) einen Begriff aus Der jüngst durch Lloyds, bie bekannte Londoner Schisisverstchernngs-Gesellschnst, veröffentlichten Aniuellnng machen. 3m Jahre 1911 schieden 88 Schiffe teils durch Untergang, teils, iveil sie abgebrochen werden imt6ten, aus Sie halten einen (Sc- jamtinhalt von “84 *43 Registertonnen. Tabci lind die .Fahrzeuge von weniger als 100 Registertonnen nicht mitaezähst. 42u der Schiffe waren Dampfer und 461 Segler. Tie i- am vier hatten einen Gesamtinhalt von 619 752, die Segler einen solchen von 265 u91 Registertonnen.
kf. Ein Hinein, all. Ein Pariser Schlächtermeister bemerkte, daß ein Hund ein paar der verlockenden Würste, die er vor seinem Laden zur Bebau gestellt batie, maulte. Nachdem der Röter bie Würste verspeist hatte, schloß er sich friedlich einem Herrn wieder an, der — wie der Beuohlene gerade noch sehen konnte — bald darauf in einem Hanse vcrschivanb. Ter Lchlachtcr- meiitet betete sich ihm flugs an die Ferse», erfährt, bau der Hündchen her Advokat ist, schmmuelt für sich hm und steiat zu dem Herrn Advokaten hinauf. Er klingest und bittet um eine Unterredung mit dem Herrn Rechtsanwalt Ter Herr Rechlsanivast erschemt, und c5 entsvinnt sich folgendes Gespräch: .Sagen Sie, Herr Rechtsanwalt, ist ein Hmibebcntzer eigentlich ersatzpflichtig für die Schandtaten seines Bierfüßlers? — „'.Uber natürlich, mein Lieber." — .Ach, dann dürfte ich vielleicht um fünf Francs bitten. Ihr Hund hat mir nämlich soeben ein paar Würste gestohlen." 'Mit fauersi'lßer Miene hoste der Rechtsan,vast die 5 Francs auS der Tasche und gibt sie dem schmnnzelnben Schlächtermeister, der Ijodj- cvfrent, auch einmal einen 'Advokaten hmemgelegt zu haben, nach Hause eilt. Wer aber begreift sein Erstaunen, als er nach einigen Wochen eine Rechnung von dem Rechtsanwalt über erteilten juristischen Rat erhält, ivofiir 20 France gefordert wurden. Wohl ober übel mußte jetzt der Schlächtermeister in die Tasche greifen.
Märkte.
fc. Wiesbaden, 3. Cft. Heu- und Siroh markt. Ungefähren waren ?0 Wagen mit Hen und Stroh. Man notierte: H e n 6.60—8.20 Mk., Stroh (Richtstroh) 4.^0—5.40 Mk. — a r u chtmark t. Hafer 20,00—22.0" Mk. 'Alles für 100 Kilo.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
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Höchste Temperatur am 2. bi- 3. Oktober — + 10,6’ C.
Niedrigste „ , 2. „ 3. „ - + 3,86 0.
Niederschlag: 0,0 mm.
Straußfedern, M. Reitz Ww., Riegelpfad 20. (6375s
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isblatt für den Kreis Gietzen


