Ausgabe 
4.2.1911 Erstes Blatt
 
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hessische Lrfte Kämmet.

R.B. Darmstadt- 3. Febr.

Der Beginn der Plencrrverhandttmgen in der Ersten Kammer h*rt auf heute vormittag 10 Uhr festgesetzt worden; es wuroe aber hernahe 12 Uhr, bevor die Sitzung ihren Anfang nahm. Tic Ursache dar Verzögerung lag darin, daß vorher noch eine längere Beratung des Wahlrechisausschusses mit der Regierung stattfand, Jvobri noch einige Abänderungen zu Art. 67 getroffen wurden.

Am Regierungstische nahmen Platz: Staatsminister Ewald, Minister das Innern v. S? .o nt b e r g t, Geheirnerat Dr. Becker, Lorbacher u. a.

Präsident Graf Görtz, gar v. Schlitz, eröffnete die Sitzung |mb gedachte, während sich alle Mitglieder und die Regierungs- Vertreter von den Sitzen erhoben, der inzwischen verstorbenen Karnmermitglieder Frhr. v. Leon Hardi-Grotz-Karben und Landgerichtspräsident a. D. Lippold, welch letzter als Mitglied des Gcsktzgebungsausschusses namentlich) der Beratung der Wahl­rechtsvorlage und dem Gesetzentwurf über die Städteordnung seine ganze Kraft gewidmet habe. Tas Haus werde den beiden Dahin­geschiedenen jederzeit ein ehrendes Andenken bewahren.

Der Präsident teilte dann die Ernennung zweier neuer Kam- vtermitglieder durch den Großherzog mit, der Herren Geh. Kom­merzienrat Dr. Strecker-Mainz und Landgerichtspräsident Dr. Hangen-Mainz. Deren Vereidigung erfolgte in der üblichen Weise. Bei der darauf erfolgten Ergänzung mehrerer Kammer­ausschüsse wurde an Stelle des verstorbenen Landgerichtspräsidenten Lippold der Landgerichtspräsident Dr. Hangen zum Mitglied des zweiten (Gesetzgebungs-) Ausschusses und Frhr. L. R i e d e s e l zu Eisenbach zum Mitglied des dritten Ausschusses gewählt. Zum Mitglied der Großh. Staatsschuldenverwaltung wurde Geh. Rat IProf. Dr. Kittler und zu dessen Srellvertreter Geh. Iustizrat Kleinschmidt und zum Mitglied des Ausschusses für die Reorganisation der Staatsverwaltung G e h, K o m m e r z i e n r a t lG.ail-Gießen gewählt.

Es. wird darauf in die Beratung der

Wahlrechtsvorlage

ein getreten. Zunächst erhält der Ausschußberichterstatter, Geh. Iustizrat Prof. Dr. Schmidt-Gießen das Wort, der die vom Ausschuß an den'beiden Artikeln 67 und 75 der Verfassung vor­genommenen Aenderungen näher erläutert und eine kurze Schil­derung über die langjährigen Wahlrechtsverhandlungen zwischen beiden Ständekammern gibt. Der Ausschuß sei bei: Wünschen der Zweiten Kammer weit entgegengelömmeu, und man dürfe daher Diesmal auf eine Verständigung hoffen; die Forderung des direkten Mahlrechts lasse sich nicht länger zurückdrängen und müsse im laltf eilig en Interesse erledigt werden.

i Staatsminister Ewald spricht zuerst dem Ausschuß für seine Eifrige Arbeit und auch für die Zurückhaltung, die dieselbe be- Mglich der Budgetfrage an den Tag gelegt hat, seinen Dank aus kund hofft, daß dies dazu beitragen werde, eine Verständigung! Über die noch bestehenden Differenzpunkte zwischen beiden Kammer): herbeizusuhren. Die Zurückhaltung in den budgetrechtlichen Gren- 18en sei um so höher einzuschätzerr, als die Frage des Budgetrechts ün beiden Kammern noch eine umstrittene sei. Tie Standesherreir chatten im Jahre 1806 ihre Steuerfreiheit verloren, es seien ihnen 'aber nach und nach Zugeständnisse auf steuerlichem Gebiete ge­macht worden, nämlich im Hinblick auf das englische Budgetrecht. Der Minister schließt mit der Hoffnung, daß auf der jetzt vor- ihandenen Grundlage über die Wahlrechtsvorlage eine Vereinigung zustande kommen wird.

Graf Stolberg-Roßla bemerkt: Die Ausführungen Des Staatsministers über die Aufhebung der Steuerfreiheit hätten einen großen Raum eingenommen, aber die Steuerverpflichtungen 5>cr Standesherren seien nicht der Grund zu dem damals gestellten sund einstimmig angenommenen Initiativantrag der Ersten Kam- imer. Dieser erfolgte vielmehr, weck ein demokratisches Wahlrecht sin der Zweiten Kammer eingeführt werden sollte; da fühlte fick) die Erste Kammer dafür verpflichtet, dahin zu wirken, daß auch Mr erwefterte Rechte, namentlich erweiterte Budgetrechte, ein­geräumt würden. Das war der Grund zu dem Initiativantrag Md schließlich auch zu den hervorgetretenen Differenzen.

, Geheim rat Dr. Schmidt ging noch auf die Frage des sBudgetrechts näher ein und sprach die Hoffnung aus, daß das, was heute vom Ausschuß vorgeschlagen wurde, von beiden Kam­mern angenommen werden würde, wie auch schon aus den zahl­reichen Pressestimmen auf eine endliche .Verständigung gehofft wer­den kann.

Geheimrat Dr. Becker besprach die Frage der Fehlbeträge jund bemerkte, daß die vom Ausschuß vorgenommene diesbezügliche sAenderung hinsichtlich der Fehlbeträge sich nicht auf ein bereits verabschredetes Budget beziehe, sondern auf den Fall, daß bei vorübergehendem Smken der Staatseinnahmen ein voraussichtlich nur vorübergehender Fehlbetrag im Budget durch Anleihe auf­gebracht werden soll, in der Erwartung, daß int nächsten Jahr ^as Budget balanciert werden könne. Durch diese Maßnahme 'würde eine Steuererhöhung, die voraussichtlich im nächsten Jahre puht mehr nötig wäre, auch für das laufende Budgetjahr vermieden i F ü r st z u H o h e n s o l m s - L i ch stellt hieraus den Antrag, dem Artikel noch einen Absatz beizufügen, der einige Jnterpreta- twnen des Ministers festlegen soll. Der Antrag lautet:Wird das rechnerische Ergebnis aus einem von den Ständen noch nicht aenehmigten Gesetze in den Hauptvoranschlag eingestellt, so scheiden, sofern das Gesetz nicht angenommen wird, die hierfür eingesetzten Beträge aus dem Hauptvoranschlag aus."

Dagegen erhebt Staatsminister Ewald Bedenken, wahrend Graf zu Sol ms-Laub ach den Antrag unterstützt. Bet der Abstimmung wird der Antrag des Fürsten zu Solrns- Hohensolms-Lich einstimmig angenommen, ebenso der vom Ausschuß noch abgeänderte Artikel 67, welcher nunmehr lautet: Ohne Zustimmung der Stande kann keine direkte oder indirekte Auflage ausgeschrieben oder erhoben werden.

Das Finanzgesetz, das immer auf ein Jahr gegeben wird, soll mit dem Hauptvoranschlage der Staatseinnahmen und Aus­gaben zuerst der 2. Kammer vorgelegt werden und wird zunächst zwischen den Ausschüssen der beiden Kammern vertraulich be- sprochen Der letzte Satz wurde neu eingeschoben. Jede Kammer beschließt hieraus selbständig über den Hauptvoranschlag und das Finanzgesetz. Die 1 Kammn legt ihrer Beschlußfassung die ihr Mitgeteilten Beschlüsse der 2. Kammer zugrunde: sie ist berechtigt Über die einzelnen Teile des Hauptvoranschlags und des Finanz- gesetzes auch gesondert zu beschließen.

. Tritt die 1 Kammer den Beschlüssen der 2. Kammer nicht so gelangt das Finanzgesetz nebst Hauptvoranschlag an die 2. Kammer zur nochmaligen Beratung und Beschlußfassung über dre Punkte, hinsichtlich deren Meinungsverschiedenheit besteht zurück. Soweit die 2. Kammer bei ihren abweichenden Beschlüssen beharrt, gelangen diese letztmals an die 1. Kammer. Tritt diese nicht bei, so sind, wenn die 2. Kammer nicht nachträglich den Beschlüßen der ersten Kammer znstimmt, die noch niait durch übereinstimmenden Beschluß der beioen Kammern erledigten Punkte des Hauptvoranschlags in denselben so einzustellen, wie sie sich «us der Beichlußsassung der 2. Kammer ergeben. Das den Be­schlüssen der 2. Kammer entsprechende Finanzgesetz gelangt in diesem §alle nochmals an die 1. Kammer, welche es nur im ganzen annehmen oder ablehnen kann.

Lehnt die 1. Kantmer das Finanzgesetz ab, so ist über das­selbe m emer Versammlung der vereinigten Kammern, die unter dem Vorsitz des Präsidenten der 1. Kammer stattfindet, zu beraten Und un ganzen abzustimmen. Bei dieser Abstimmung entscheidet vre absolute Stimmenmehrheit; bei Stimmengleichheit entscheidet dw «Stimme des Präsidenten der 2. Kammer.

Ersordert ein Gegenstand einen Gesaintkostenanfwand von fmebe als 200 000 Mark, der in dem Weg der Anleihe gedeckt werden soll, so sind die Mittel nicht im Hauptvoranschlag an- A°roeni, sondern m einer besonderen Gesetzesvorlage der sian- dlschen Beschlutzsaßung zu unterbreiten. Diese Bestimmung findet keine Anwendung au, Anforderungen, die gestellt werden zur Bewirkung der dem <staat auf Gruno des Staaisvertrags zwischen '§stlien ustd Preutzen über die gemeinschaitliche Verwaltung des Lerdersettigen Eisenbahnbesitzes vom 23. Juni 1896 sowie etwaiger späterer Zusätze zu beniielben obliegenden Leistungen sowie ülur- paufit. i,ur. Erfüllung rechtlich begründeter ^erpftichtungen der

(Ein Jubiläum Dr. Gutfleischs.

Geheimer Justizrat Rechtsanwalt Dr. Egid Gut­fl er sch in Gießen begeht heute den Tag, an dem er vor 40 Jahren zum Advokaten an dem damaligen Hof- gerickit in Gießen ernannt wurde. Die Stadt Gießen ist für den nun 66 Jahre alten Juristen, dessen Wiege in Lorsch stand, eine zweite Heimat geworden und sein Wirken m sernem Beruf, wie auch im öffentlichen Leben für die Allgemeinheit hat ihn zu einem der geartetsten und popu­lärsten Mäirner nicht nur in unserer Stadt und in Hessen, sondern wett darüber hinaus gemacht. Dr. Gutfleisch war noch vor wenigen Jahren ein gesuchter Verteidiger in ^Ltrasprozessen und besonders seine Ausführungen vor den Schwurgerichten waren erfolgreiche Glanzleistungen über­zeugungsvoller Beredsamkeit. Er war auch sonst der Au- llagebchorde gegenüber ein geschickter Fechter, der bei aller «charse stets^ sachlich in seinen Ausführungen blieb. Be- Gutfleisch trotz seiner Stellung als liberaler Politiker üieifad) juristischer Berater und Vertrauensmann von Standevherrn war und ist und in dieser Eigenschaft nn? Eisern und Königen persönlich zu tun öeljabt Gutsleiscy hat in den Legislaturperioden 188184

WaAllrnsGießen, 189093 für Gießen und Fried- * gewählt, für den Friedberger Wahlkreis dem er da für die Arbeiter gewirkt ! üon vielen heute auch anerkannt,

lersch gehörte- als Vertreter des Wahlkreises Gießen- «on 1L8184 als Mitglied der 2. hessischen Kammer an. Nach einer mehrjährigen Unterbrechung wurde er Daun Üb geordneter der Stadt Gießen. Im Jahre 1879 mürbe Gut fletsch als Mitglied des Kreistages (dem er bis !887 angeborte), des Provinzialtages, des Kreis aus schuf, es und des Provmzialauss chu s, es gewählt, welchen Körper- bts heute angehört. Sett dem 1. Januar 1884 ift Gut fletsch ununterbrochen Mttglied der Stadtverord- netenvers aminllrng. Sett dem Bestehen der Anwattstammer (18ist er Mitglied des Vorstandes der Kammer und sett

Staatskasse oder zur Durchführung gesetzlich beschlossener Maß­regeln oder zur Deckung von Fehlbeträgen der Verwaltung.

Bei Beratung des Art. 75 der Verfassung fuhrt Graf zu Stolberg-Roßla aus, daß die Differenzierung der 1. und der 2. Kämmer im Artikel 75, die jetzt nach dem Antrag Wolf ganz neu in die Erscheinung trete, als völlig ausgeschlossen gelten müsse. Er hatte es für richtig, dies hter ruhtg und vor der Oeffentlichkett auszusprechen. .

Graf zu Erbach-Fürstenau gibt die Erklärung ab, daß er sich den Ausführungen seines Vorredners vollständig an- schließe. Artikel 75 der Verfassung gelangt darauf in folgender Fassung einstimmig zur Annahme: .

Wenn auch nur eine Kammer gegen: einen Gesetzesvorschlag stimmt, so bleibt das Gesetz ausgesetzt..

Wird aber ein solcher Gesetzesvorschlag der Regierung auf dem nächsten Landtag den Ständen durch die Regierung wieder vorgelegt und von einer Kammer wieder angenommen, von der andern Kammer jedoch von neuem abgelehnt, so kann die Re­gierung verlangen, daß in einer Versammlung der beiden Kam­mern unter dem Vorsitz des Präsidenten der 1. Kammer über den Gesetzesvorschlag verhandelt und abgeftimmt wird. Zur An­nahme des Gesetzesvorschlags bedarf es der einfachen Mehrheit der in der gemeinsamen Sitzung anwesenden Mitglieder der beiden Kammern, toemt die Annahme des Gesetzesvorschlags mit zwei Drittel der Stimmen aller Mitglieder der annehmenden Kammer erfolgt; andernfalls sind zur Annahme des Gesetzes zwei Drittel der in der gemeinsamen Sitzung abgegebenen Stimmen erfor­derlich."

lieber die zwecke Vorlage, betr., die Landstände

führt der Ausschußberichterstatter aus, daß der Ausschuß darin bei verschiedenen Artikeln Abänderungen vorgenommen habe, die aber meist die Wiederherstellung der Regierungsvorlage bedeuten. Zu Art. 2 der Vorlage erklärt Graf zu Stolberg-Roßla, wie die 2. Kammer über ihre Zusammensetzung in erster Linie selber beschließe, so müsse auch die 1. Kammer zunächst über ihre Zusammensetzung bestimmen. Die Mckglieder und auch die großen Parteien einer gewählten Kammer entbehrten doch einer gewissen Stetigkeit, wie diese bei den meisten Mitgliedern der 1. Kammer vorhanden sei. Wenn der Ausschuß Vorschläge, die berufsständischen Vertteter zu vermindern, so habe das ja für das andere Haus noch den Vorteil, daß bei Durchstimmungen nach Art. 75 die 1. Kammer weniger Stimmen hat. Die Vertreter für Handel und Industrie, Landwirtschaft und Handwerk seien nicht gewählte Mit­glieder der 1. Kammer, sondern sie wurden auf Vorschlag der betr. Berufsorganisation vom Landesherrn berufen.

Die einzelnen Arttkel des Gesetzentwurfs über die Land stände wurden darauf nach den Vorschlägen des, .Ausschusses angenom­men.

Zur dritten Vorlage, betr.

die Wahlkreiseinteilung

schlägt der Ausschuß vor, Die diesbezüglichen Beschlüsse der 2. Kammer, die aus einer Einigung hervor gingen, anzunehmen. Rur war es notwendig, eine Beschlußfassung bezüglich des Wahl- fr ei fed Gießen zu treffen, da hier zwar verschiedene Be­schlüsse der 2. Kammer Vorlagen. Der Ausschuß beantragt des­halb und die Kammer beschloß dementsprechend, dem mit Zwei­drittel-Mehrheit von der 2. Kammer beim Wahlgesetz gefaßten Beschluß beihutreten, wonach im Art. 3 hinter den Worten: Die Provinzialhauptstadt Gießen (nebst Schiffenberg und Herrn- wald )noch die Wortesowie Klein-Linden" hinzugefügt werden. Die übrigen Abänderungen des Ausschusses an der Wahlkreiseinteilung sind lediglich redaktioneller Att; sie wurden ohne Aussprache angenommen.

Damit war die Beratung der Wahlrechts-Vorlage beendet und der Präsident vertagte nach ,Vr2 Uhr die Sitzung auf Sams­tag vormittag 91/3 Uhr.

Ausland.

DerTemps" meldet aus London, daß bisher zwischen der Türkei und En al and wedep über die Bagdadbahn noch über die Frage von Ko weit irgendwelche Verhandlungen stattgefunden haben. England sei bereit, die Lösungen zu prüfen, welche die Türkei etwa Vorschlägen werde, würde jedoch ein Abkommen erst nach vorherigem Einvernehmen mit der französischen Regierung abschließen.

Ms New York wird gemeldet: Einem Telegramm aus El Paso zufolge fand gestern in der Nähe von Jua- rez ein Kampf zwischen der Kavallerie der Bundes­truppen und den Aufständischen statt. Von den Bundestruppen sind 32, von den Aufständischen sechs Mann gefallen. Viele Einwohner sind von Juarez nach El Paso geflohen. Man fürchtet, daß 1500 Aufständische die Stadt jeden Mgenblick angreifen. Der Führer der Revolutio­näre benachrichtigte den Bürgermeister und die fremden Konsuln von Juarez, daß am Freitag nachmittag das Bom­bardement auf die Stadt eröffnet werde, falls sie sich bis dahin nicht übergebe.

Wie über Batavia aus dem Haag gemeldet wird, brachen in Ma n g g ar auf der Insel B i 11110 n von der chinesischen Bevölkerung angezettelte Unruhen aus. Truppen sind dorthin entsandt worden.

mehreren Jah'ren ihr Vorsitzender. Weiter ist Dr. Gub, fleisch Vorsitzender des Auffichtsrats der hessischen Landet Hypothekenbank und seit über 30 Jahren Mtglicd des Aus­sichtsrats der Gießener Gewerbebank. Wenn der Jubilar heute zurückblickt auf die gewaltige Summe segensreicher Arbett, die er in den vergangenen 40 Jahren geleistet hat, so kann er befriedigt in die Zukunft schauen, in eine Zu­kunft, die dem körperlich und geistig noch frischen Manne, der sich keine Ruhe gönnt, noch tzenug Tätigkeit im Dienste des Allgemeinwohls bringen ward.

Aus Stadt und Lund.

G letzen, 4. Februar 1911.

** Tageskalender. Stadttheater. Samstag nach, mittag 3'/r Uhr:Maria Stuart"; Sonntag afienb 8 Uhr:Er und (eine Schwester".

Konzert-Verein. Zweiter Orchester-Abend. Solist Professor Hugo Heermann. Sonntag nachmittag 48/* Uhr im Stadttheater.

Ortskrankenkasse. Vortrag von Landeswohnungs- inspektor G r e tz f ch e 1 - Darmstadt: Wohnungsfrage und Woh­nungsreform. Sonntag nachmittag 3 Uhr im Kolosseum.

Kinematograph. Neues Programm.

Biograph. Neues Programm.

Anlagenmusi? am Sonntag vormittag 11 Uhr in der Süd-Anlage: 1. Rakocztz-Ouverture, F-moll von Köler-Bela: 2. Große Fantasie von G. Meyerbeer; 3. Estudiantina, Walzer über spanische Nationalmelodien, von ®, Waldteufel; 4. Herzog-Albrecht-Marsch von Komzack.

Finanzminister Braun ist dieser Tage von seiner Erholungsreise wieder nach Darmstadt zurückgekehrt und war wiederholt im Ministerium. Der Minister hat sich soweit erholt, daß man mit seiner vollständigen Wieder­herstellung nach einigen Wochen rechnen kann.

** Studentische Unterrichtskurse für Arbeiter und Unterbeamte. Am Sonntag, 5. Februar, nachmittags, findet wiederum eine Besichtigung des Elektrizitäts- wertes statt.

** Stad tth eater. Die morgige Aufführung des so überaus lustigen VaudevillesEr und seine Schwester wttd die voraussichtlich letzte des Werkes fein. Das Rehoss-Theater, das am kommenden Diens­tag hier mit Ibsens dramatischem EpilogWenn wir Toten erwachen" gastiert, feiert auf der diesjährigen Tournee anhaltend^ Triumphe. Die neuesten eingegangnie.i Besprechungen konstatieren überall die wunderbar jein ab­getönte Stimmung, das hervorragende Zu,ammen,piel und : die eminenten Einzelleistungen von Frau Marie Rehoss ' und Herrn Fritz Wolter.

Wohltätigkeits-Konzert für die beiden hiesigen Schwesternhäuser. Dian schreibt uns: Essei hiermit auf das von der Minna Körner'schen Schule für höheres Klavierspiel veranstaltete Konzert am Sonntag, 19. Februar, in der neuen Aula hingewiesen, das nicht nur durch die Vorträge der vorgeschritteneren Schüler von j immer strebendem Bemühen auf dem Gebiete einer edlen < Musik zu uns reden will, sondern das auch einen klingenden ] Erfolg für unsere Schwestern zu erreichen wünscht. Aiöchteii sich recht viele finden, die für diesen Zweck etwas übrig haben! | Hinlänglich bekannt ist ja das segensreiche Wirken unserer ; Schwestern, wie sie in manches HauS in trüben Stunden j Licht bringen und im Dienste einer Liebe stehen, von der in I besonderem Maße das Wort gilt: »Sie suchet nicht das Ihre.-

* Kunstverein. Die Kollektion von Professor | Dettmann bleibt nur noch bis zum nächsten Sonntag aus- 1 gestellt.

** Kein Brauereiring mehr. AuS Brauereikreisen | wird uns geschrieben: In Wirtekreisen ist immer noch die Ansicht verbreitet, daß der frühere Brauereiring noch b?« stehe. Deshalb fei mitgeteilt, daß dieser Verband bereits seil 1. November 1909 aufgelöst ist.

** Fun d. Ende Januar wurde ttn H an g elfteiner Wald, Gemarkung Wieseck, in einem Dickicht versteckt u.n. ein Capes aus grüngrauem Lodenstoff ausgefunden. Da anzunehmen ist, daß das Capes aus einem Diebstahl hei- rüyrt, so wird der Eigentümer gebeten, sich bei der Staats­anwaltschaft zu melden.

** Maul- und Klauenseuche. Neue Aus­brüche der Seuche sind gemeldet aus Leiselheim und Pseddershim, Kreis Worms; Mannheim (Schlacht- Hof); Fahrnau, Amtsbezirk Schopfheim; Furt- Wangen, Amtsbezirk Triberg; H 0 f a. S., beiHändler Vieh; Eckenhagen, Regierungsbezirk Köln; Fische« nich, Landkreis Köln. Erloschen ist die Seuche in Frankfurt a. Di. (Viehhof).

Landkreis Gießen.

-s- Leihgestern, 3. Febr. Zwei junge Leute von hier spielten nut einem Gewehr, in der Meinung, es sei nicht geladen. Plötzlich ging der Schuß los und die ganze Schrotladung dem einen in den Hals. Man brachte den Schwerverletzten nach Gießen in die Klinik, wo man die Schrotkörner entfernte. Er liegt hier schwer krank darnieder.

+ Reiskirchen, 3. Febr. Bei der gestrigen Jagd­verpachtung blieb Metzgermeister Schreiner von Gießen Höchstbietender mit 1315 Mk.

Beuern, 3. Febr. Der Gesangverein ,Lieder­kran feiert am Sonntag, 5. d. Mts., sein siebentes Stiftungsfest, verbunden mit theatralischen Vorführungen und Gesangsvorträgen. Die Vorbereitungen versprechen einen genußreichen Abend.

*t)- Hausen, 3. Febr. (Verspätet eingegangen.) M Sonntag abend hielt der Zweigverein des Evang. Bundes einen Familienabend ab. Ter Vorsitzende des Bundes, Pfarrer Hepding, sprach über die Kirchen- und Orts- geschichte von Hausen, mit der er einiges aus der Geschüy^ des benachbarten Schisfenbergs aufs geschickteste zu vei' weben verftand. Trotzdem der Vortrag, der hier und da mit trefflichem Humor gewürzt, nahezu zwei Stunden währte, folgten ihm doch Die überaus zahlreichen Zuhörer mit gespanntester Ausmerksainkeit. Die Pausen wurden durch Vorträge beider Schuittasfen und gemeinsame Lieder aufs angenehmste und sinnigste ausgefüllt.

== L1 ch, 3. Febr. DieFrankfurter SiebertafeV\ der älteste dortige Mäimergesangverein und einer der ältesten im Reiche, wird am Sonntag, 12. <ycbruar in Lich zu Ehren seines langjährigen Dirigenten und Ehrenmitgliedes, des itomponilten 1 \) e i n r ich Need, eines Sohnes der Stadt Lich, an dessen Ge- ' dnrtshause eine Gedenktafel anbringen und abends ein Fest­konzert DcranfvahciL Der Verlauf der Feier ist folgender: vor- , mittags 1 .-9 Uhr Empsangam Bahnyos durch die. Lia-er Sanges- freunde und Verbringen der Fahne nach dem KonzerllokalHvtll stein''. Dortselbsi vormittags um 11 Uhr Aufstellung und Ab- : marsch nach dem Geburtshause Neevs. Am Geourlshause U-Hor der Liedertafel: ,,£) SchntzgM alleK Schöns von Mozatt^ I

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