Ausgabe 
9.10.1911 Erstes Blatt
 
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Bingen ein. Sehr fördernd wirkte er in den einzelnen Ausschüssen.

P. ist im Mai 1849 in Bingen geboren, besuchte die dortige Realschule und übernahm 1877 die Buchdruckerei und oen Zeitungsverlag desBinger Anzeigers", in dem er schon seit 1872 Redakteur war. Seit 1902 zog er sich non der Redaktion zurück, blieb aber Hauptaktionär des Verlags, des seit dieser Zeit unter dem TitelMittel- rheinische Volkszeitung" erscheinenden Blattes. P. war seit 1874 mit kurzer Unterbrechung Mitglied des Stadt­verordnetenkollegiums in Bingen.

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Die Bezirksgruppe Darmstadt des H ansa- b u n d e s hat in der letzten Sitzung ihres geschästsführenden Ausschusses eine Entschließung z u r Abwehr d e s 'w iri­sch a f t l i ch e n R o t st a n d e s beschlossen, in welcher haupt­sächlich Oeffnung der Grenzen und Herabsetzung der Zölle und Äsenbahntarife sowie Beseitigung der Ausfuhrtarife verlangt wird.

Deutsches Reich.

Petersburg, 7. Okt. Heute vormittag fand der S t a p e l l a u f desG a n g u t", des vierten Dreadnoughts der baltischen Flotte, statt. Die Wasserverdrängung beträgt 23 000 Tonnen.

Heer und Flotte.

Der bekannte Zwischenfall in der Charlotten- burgerLuisenkirche hat mm doch noch ein militär­gerichtliches Nachspiel gehabt. Wie erinnerlich, hatte dort am 23. Juli d. I. der Pfarrer Sic. Kraatz in seiner Predigt den Fall Jcttho berührt und dabei das Er­kenntnis des Spruchkollegiums kritisiert. Die an dem Gottesdienst teilnehmenden Mannschaften des Königin-Elisa- beth-Grenadierregiments hatten daraufhin auf Befehl ihrer Offiziere noch während der Predigt ziemlich geräuschvoll den Gottesdienst verlassen. In der Folge hatten sowohl Pfarrer Kraatz wie der Gemeindekirchenrat gegen die beiden in Betracht kommenden Offiziere, einen Hauptmann und einen Oberleutnant, Strafanzeige wegen Störung des Gottesdienstes (aus §167 des Reichsstrafgesetz­buches) beim zuständigen Militärgericht erstattet. Wie der Fränkische Kurier" erfährt, hat nunmehr das Kriegsgericht der zweiten Gardedivision die Einleitung eines Strafver­fahrens gegen die beiden Offiziere abgelehnt. Dem ablehnenden Entscheid ist eine Begründung beigegeben, die etwa folgenden Gedankengang hat: Den Offizieren müsse zugestanden werden, daß sie zum mindesten subjektiv in der Ansprache des Pfarrers Kraatz eine Gefährdung der ^Disziplin der ihnen anverrrauten Mannschaften erblicken, und sich infolgedessen zu ihrem Vorgehen berechtigt halten konnten. 'Danach müßten, selbst wenn objektiv eine Stö­rung des Gottesdienstes vorgelegen habe, die Offiziere straf­frei bleiben.

Die Erhebung der Monarchisten in Portugal.

Lissabon, 8. Okt. Aus Braganza wird vom 7. Ok­tober, nachmittags 3 Uhr 20 Minuten, gemeldet: Tie Roya­listen wurden geschlagen: sie haben sich auf spanisches Gebiet zurückgezogen.

OPorto, 8. Okt. Marinetruppen sind gestern abend hier eingetroffen und nach Villa Real und Mirandello weiter­gegangen. Tas KüstenpanzerschiffVasco da Gama" warf auf der Reede von L e i x o e s Anker. Republikanische Trup­pen halten die wichtigeren strategischen Punkte besetzt. Einzelne Abteilungen verfolgen Banden von Monarchisten.

Spanische Kämpfe im Riffgebiet.

Madrid, 8. Okt. Nach einer Blättermeldung setzten sich gestern früh drei spanische Kolonnen nach dem Heb Kert in Bewegung. Die eine überschritt den Fluß und griff heftig die Befestigungen der dahinter verschanzten Harka an. Tie Harka flüchtete. Zwei spanische Kriegsschiffe unterstützten die Operationen mit ihrer Artillerie.

Melilla, 8. Okt. Tie Vorhut unter Oberst Rivera würde auf dem linken Ufer des Kert angegriffen; sie verlor zwanzig Mann. Rivera und zwei Offiziere wurden ver­wundet. Tie Division von Orozco überschritt den Fluß und be­setzte eine Stellung elf Kilometer landeinwärts.

Arbeiterbewegung.

Im T arifau s schuß der deutschen Buch­drucker wurde am Samstag nach vierzehntägiger Ver­handlung einneuerLohntarif auf die Dauer von fünf Jahren abgeschlossen. Nach dem Tarif wird der Ge­hilfenschaft u. a. eine Lohnerhöhung pon 10 Prozent und eine wöchentliche Verkürzung der Arbeitszeit um eine halbe Stunde bewilligt. Lokalzuschläge auf Orte mit besonders verteuerten Lebensbodingunaen werden nach dem Orts- klassenprinzip des Reichsbesoloungsgesetzes geregelt. Ferner wird die allgemeine Einführung des Berechnens an Setz­maschinen zugestanden und die Arbeitszeit an Setzmaschinen für alle Systeme und für alle Betriebsarten einheitlich geregelt. Auch über die wirksame Bekämpfung der Schleu­derkonkurrenz wurde Uebereinstimmung erzielt.

Graf wolss-Metternich vor Gericht.

< Berlin, 7. Oktober.

Am heutigen fünften Verhandlungstage wurde mit der Ver­nehmung der Zeugen fortgefahren. Zu Beginn der Verhandlung beantragte der Verteidiger R.-A. Alsberg die Ladung eines neuen Zeugen, der Angaben über die Glaubwürdigkeit der vielgenannten Zeugin Gust'ke machen solle. Diese wurde neuerdings vorgerufen und nochmals über die Geschäfte mit dem Juwelier Steff ver­nommen. Sie ist zurzeit in Petersburg engagiert und zwar noch bis Mitte Januar; sie will nur nach Berlin gekommen sein, um dem Prozeß beiznwohnen. Sie erklärt, dem Juwelier seien wöchentlich 500 Mk. bezahlt worden. Es konrmt sodann das Automobilgeschäft mit der Firma Horch zur Sprache. Der als Zeuge vernommene Direktor der Horchwerke, Rolla, erklärt, seiner Firma sei die Verbindung mit dem Grafen um der Reklame willen sehr angenehm gewesen und deshalb habe der jetzige Angeklagte den Wagen auch erheblich billiger bekommen; die Firma habe nicht annehmen können, daß der Neffe des deutschen Botschafters betrügerische Absichten habe. Hierzu bemerkt der Angeklagte, daß er für den Wagen genau den Preis bezahlt habe, der im Katalog verzeichnet war, nämlich 16 000 Mk. Der Vorsitzende stellt an Hand eines Kataloges für 1909/10 fest, daß ein Wagen, wie ihn der Angeklagte besaß, mit 14 000 Mk. ausgezeichnet war. Direktor Rolla behauptet, den Grafen ganz besonders davor ge­warnt zu haben, sich etwa betrügerische Manipulationen zuschulden kommen zu lassen, und beziffert den seiner Firma erwachsenen Schaden aut 7000 Mk. Graf Metternich widerspricht in ziem­lich erregtem Tone einzelnen Ausführungen des Zeugen. Es kommt dann zu einem

neuen Zwischenfall, der selbst beim Gerichtshof lebhaftes Erstaunen hervorruft Der Zeuge Rolla überreichte nämlich dem Gerichts einen Brief des vorgestern als Zeuge vernommenen Grafen Lchulenburg, der bekanntlich selbst dein Angeklagten ein größeres Darlehen gegeben und sich bei seiner Vernehmung seinerzeit nicht ungünstig über den Grafen Metternich geäußert hat. In diesenr an die Firma Horch gerichteten Brief schreibt Amtsrichter Graf Schulen­

burg, daß er selbst sowie auch verschiedene andere Personen von dem Grafen Metternich in gröblicher Weise betrogen worden sei und die Vermutung hege, oaß auch die Horch-Gesellschaft bei der Hergabe des Wagens ein Opfer des Angeklagten geworden sei; er beabsichtige, das gesamte Material der Staatsanwaltschaft zu übermitteln unb ersuche die Firma' Horch um Mitteilung, in welcher Weise sie durch den Grafen Metternich betrogen worden sei. Es wurde sodann beschlossen, den Grasen Schulenburg neuerlich zu vernehmen. Bald darauf erscheint der Zeuge auch im Saal und erklärt auf den Vorhalt, daß zwischen seiner Aussage und dem von ihm geschriebenen Briefe ein erheblicher Unterschied sei, er sei infolge der verschiedenen ungünstigen Gerüchte, die ihm über den Grafen zu Ohren gekommen seien, mißtrauisch geworden. Der Zeuge erklärt auf Befragen, er habe den Brief an die Firma Horch im Zorn und in der Aufregung geschrieben. Die Aeuße- rungcn in dem Briefe: habe er überhaupt nicht Jo ausgefayt, als ob es sich um einen Betrug im juristischen Sinne handle. Er sei überzeugt gewesen, daß der Angeklagte über kurz oder lang eine reiche Heirat machen werde. Das Darlehen von 6000 Mk. habe er dem Angeklagten gegeben, um ein Automobil kaufen zu können. Auf die Bemerkung des Vorsitzenden, daß das Automobil um 3600 Mk. ausgelöst tvvrden sei, der Angeklagte dem Zeugen also auch falsche Vorspiegelungen gemacht habe, erwiderte der Zeuge, er würde ihm den Betrag auch gegeben haben, wenn der Angeklagte die paar hundert Mark zu anderen Zwecken hätte verwenden wollen. Tie Angelegenheit sei jetzt dadurch geregelt, daß sich die Gräfin Metternich für die Schuldsumme verbürgt habe. Der Zeuge hat seine Ansicht über den Grafen wieder ge­ändert, nachdem er gesehen hat, daß Graf Metternich nach seiner Verheiratung bezahlen wird. Auf Befragen des Verteidigers R.-A. Jaffe erklärte der Zeuge, er halte die im Affekt getanenen Aeuße- rungen über den Angeklagten nicht mehr auftecht.

Der Zeuge Wäschegeschäftsinhaber Singer bekundet, Graf Metternich habe bei ihm Hemden im Werte von 28 Mk., Strümpfe zu 18 Mk., Handschuhe zu 12 Mk. üsw. auf Kredit gekauft. Der Angeklagte erklärt, bei diesem Einkauf sei auch seine Frau an­wesend gewesen, woraus wohl zur Genüge hervorgehe, daß ihm jede betrügerische Absicht ferngelegen habe. Die wieder vor­gerufene Gräfin Metternich bestätigt die Angaben ihres Mannes und erklärt ausdrücklich, daß sie als seine Frau die gefaulten Sachen habe bezahlen wollen. Bei den folgenden Zeugenaussagen handelt es sich zumeist um ganz geringe Be­träge. Das Gericht beschloß, von einer nachträglichen Vereidi­gung der Gräfin Metternich Abstand zu nehmen.

Es kam sodann abermals zu einem interessanten Zwischen­fall insofern, als sich ergab, daß

ein Irrtum des Gerichtshofs vorgekommen war. Der Zeuge Kaufmann Mandus sollte laut Gerichtsbeschluß gleichfalls nicht nachträglich vereidigt werden und zwar deshalb, weil er wegen Geisteskrankheit entmündigt sei. Mandus verwahrte sich hiergegen ganz entschieden. Der Gerichts­hof zog sich erneut zurück und verkündete dann den Beschluß, den Zeugen nachträglich zu vereidigen; das Gericht war, wie der Vorsitzende betonte, auf Grund eines Passus in den Akten und infolge gewisser Eigentümlichkeiten des Zeugen bei Abgabe seiner Aussage zu der Ansicht gekommen, daß der Zeuge nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sei.

Es folgte sodann die Vernehmung des Sachverständigen Dr. Edm. Forster, Assistenten an der psychiatrischen Abteilung der Charite, der vom 15. April bis 4. Mai d. I. den Geistes­zustand des Angeklagten beobachtet hat. Er äußerte sich dahin, daß Graf Metternich auf der Abteilung feine Spuren von Schwachsinn gezeigt habe, dagegen habe er während der Ver­handlung stets Proben eines vorzüglichen Gedächtnisses und einer schnellen Auffassung gegeben. Der Angeklagte sei schon auf der Abteilung wegen Geringfügigkeiten außerordentlich erregt worden. Seine BAchwerden waren vielfach sehr übertrieben, aber sie hatten stets einen tatsächlichen Grund. Zwischen dem Verhalten des Angeklagten in der Anstalt und seiner ganzen Lebensgeschichte bestünden verschiedene Beziehungen. Der Sachverständige erklärt hierauf weiter, es lasse sich md)t mit Sicherheit feststellen, ob bei dem Angeklagten eine Vererbung vorliege. Jedenfalls aber sei die Erziehung, die er genossen habe, auf fein späteres Leben von bestimmendem Einfluß gewesen. Als einen schweren Fehler des Grafen Metternich sen. bezeichnete es der Sachverständige, daß er seinen damals noch nicht volljährigen Sohn, dessen Ver­schwendungssucht er kannte, mit einer ziemlich großen Summe Geldes nach Amerika sandte, um sich dort eine Existenz zu gründen. Bei Personen, die so veranlagt sind wie der An­geklagte und die noch dazu einen klangvollen Namen besitzen, erklärte es der Sachverständige für gänzlich ausgeschlossen, daß sie einen gewinnbringenden Beruf ausfüllen können. Es sei unter den vorliegenden Umständen ganz erklärlich, daß der An­geklagte eben jede sich bietende Gelegenheit, sich das notwendige Kapital znm Leben zu verschaffen, benützen mußte, im Auslande wie in Berlin, wohin ihn seit Vater mit monatlich 30 Mk. habe ziehen lassen. Charakteristisch für Leute mit der Veranlagung des Angeklagten sei es, daß sie es mit der Wahrheit nie besonders genau nehmen. Es scheine sehr wohl möglich, daß sich Graf Metternich gar keine Rechenschaft darüber gegeben habe oder habe geben können, ob das, was er tue, recht oder unrecht sei.

Der Vorsitzende richtet hierauf an den Angeklagten die Frage, ob der bereits als Zeuge vernommene Generalmajor Pauly sich nicht mit Heiratsvermittlung befasse. Der Angeklagte erklärt, etwas ähnliches gehört zu haben, es aber nicht selbst zu wissen. Der Staatsanwalt bemerkt hierzu, er habe erfahren, General­major Pauly sei früher zwar einmal Offizier gewesen, sei aber nicht Generalmajor; dem Vernehmen nach soll er sich auch mit Ordensschacher befassen. Wie der Angeklagte bestätigt, trägt Generalmajor Pauly das Eiserne Kreuz auf der Brust. Der Generalmajor Pauly soll zur nächsten Verhandlung, die am Diens­tag vormittag ftattfinden soll, nochmals als Zeuge geladen werden.

Die Einnahmen

dem von

Juli August (September

auf beiden Linien zusammen 138 941 (120811) 105 631 (101 162) 92 419- (89 657)

grüne Linie

51253

43 531

59 592

mithin wurde im abgelaufenen Quartal 1911 gegenüber gleichen Zeitraum des Vorjahres eine Mehreinnahme

Mk. 2068,25 erzielt. Mit diesem Ergebnis ist der Rück­gang der Einnahme des vorigen Vierteljahrs gegenüber 1910 ausgeglichen.

134 376 Personen mehr stellen sich

1911

Mk. 13 078,25 10 292,55 8 999,60

Mk. 32 370,40

im

Juli August September zusammen mithin 1911

331 988 (311 63u, als 1910.

Ans Sta&t Ntld Land.

(&jenen, 9. Oktober 1911.

Von der Straßenbahn.

Im abgelaufenen Vierteljahr hat sich die Freglienz unserer Straßenbahn gegen das Quartal vorher gehoben und die Personenbeförderung und damit die Einnahnien haben das Ergebnis für den gleichen Zeitraum des Vorjahrs über­holt. Allerdings sind auch durch die Einstellung von zwei weiteren neuen Wagen (um den 7x/2 Minutenverkehr der roten Linie bis zum Schützenhaus durchzuführen) mehr Wagen­kilometer zurückgelegt worden. Das zahlenmäßige Ergebnis stellt sich wie folgt (die Zahlen in Klammern sind die Ver­gleichszahlen von 1910):

Die Zahlen der beförderten Personen betragen

rote Linie

82 688

62 107

52 8(7

197 612

20 358

1910 Mk. 11 765,30 9 836,95

8 709 90

'Ulf. 3u 312,lo

**DenNachweisderBefähiaungzurUeber- n ahme eines .Kirchenamtes erbrachten die Kandi--

baten der evang. Theologie Ferd. Eckhardt aus Lincoln (Nord-Amerita), Hch. Seim aus 97orbecf und Gottfried Weber aus Lißberg.

** Gießener Stadttheater. Es lebe das Leben! Der gestrige Abend brachte im großen und ganzen eine Wieder­holung des am Ende des vorigen Winters als Benefiz für Herrn Bakof auf dem Spielplan erschienenen Stückes, in dem Suder­mann feinem alten Thema von der Ehre dadurch eine neue Wendung gibt, daß er es vor einem parteipolitischen Hintergrund abhandelt. Tas Stück, das als Buch bei I. G. Cotta erschienen ist, gehört nicht zu den besten Werken des Dichters, aber die spannende Handlung fesselte auch gestern die Zuschauer ebenso lebhaft, wie die zahlreichen, witzigen Schlagbilder des blendend geführten Dialoges sie ergötzten, lieber die schöne und gute Darstellung ist nicht viel neues zu sagen. Frau Baum ei ster- Felsegg erschütterte wieder durch ihre hervorragende Verkörperung her Beate, Herr Bakof war ein trefflicher Kellinghausen. Die Herren G ü h n e als Staatssekretär, Volck als Brachtmann und Norden Berkelwitz waren von bezwingender Natürlichkeit. Neu war vor altem Herr Goll als Völkerlingk, in reservierter, takt­voller Darstellung, Lona Schmidt als allerliebste Ellen, Mila de la Chapelle als spitzzüngige Leonie, John Rappe­port als temperamentvoller Norbert, Ludwig Großer als sarkastischer Prinz Usingen, Georg Hilpert als tüchtiger Holtz­mann und schließlich Karl Schn mack als Meißener. Der ge­ringe Raum, der mir heute zur Verfügung steht, macht es mir un­möglich, auf die einzelnen Leistungen näher einzugehen. Ter Gesamteindruck der von Herrn Bakof geleiteten Vorstellung war sehr günstig. Am Nachmittag erregte die unverwüstliche Tante Charleys Ausgelassene Heiterkeit in einer flotten, von Kurt Gühne geleiteten Aufführung. N.

" Stadttheater. WolzogenS LustspielKinder der Exzellenz', das in der morgigen DienstaqS-Abonnement- Vorstellung gegeben wird, ist unter der Direktion Steingoetter hier noch nicht aufgeführt worden. DaS liebenswürdige Werk, daS in einigen Szenen an den Charakter eines Schauspiels heranreicht, enthält eine Reihe dankbarer Aufgaben. In Hauptrollen sind beschäftigt die Damen de la Chapelle, Brehm, de Bruyn und die Herren Bakof, Goll, Kaiser, Gühne, Volck, Rappeport und Großer.

** Ihr hundertjähriges B e st eh en feiert am 15. Oktober dre Firma I. B. Noll hier.

** Verein der Straßenbahner. Am Samstag abend beging im Lenz'schen Felsenkeller der Straßenbahner-Verein Gießen fein 1. Stiftungsfest. Hierzu waren Fahrgäste eingeladen worden, die sozusagen die feste Kundschaft des Unternehmens bilden. Daß die Männer von der Elektrischen mehr können als die Kurbel und die Bremse am Straßenbahnwagen zu bedienen, bewiesen die Dar­bietungen des Abends, die außer Musik flott gespielte, humorvoll wirkende Theaterstücke brachten. Gegen 1 Uhr nachts begann bet Tanz, der um 5 Uhr sein Ende erreichen mußte, damit bte Festgeber pünktlich um 6 Uhr tvieber zum Dienst antreten konnten.

Kreis Büdingen.

(.) Ortenb er g, 7. Okt. Im Sitzungssaal des Bezirks- sparkassegebäubes versammelten sich heute die Mitglieder des Sparkassebezirks Ortenberg. Der Präsident der Sparkasse, Großh. Forstmeister und Lanstagsabg. Dr. Weber gedachte in ehrenden Worten des Vorstandsmitglieds Bürgermeister Gußmann-Hirzenhain. Gußmann gehörte 30 Jahre oem Sparkassevorstand an. Auch die Regierung war durch K^eisrat Boeckmann-Bübingen vertreten. Die Prüfung der 1910er Rechnung gab zu keinen Beanstandungen Anlaß. Der Reservefonds beträgt jetzt zu Ende 1910 176 352.11 Mk. Gegen 1909 vermehrte er sich um 8148.10 Mk. Der 1910 erzielte Reingewinn beträgt 11 272.75 Mk. An Unterstützungen und Geschenken wurden 1680 Mk. und an Beiträgen zu den Kosten der Industrieschulen des Bezirk 1380 Mk. bewilligt. Die Einlagen (Kapitalschulden) bc trugen zu Ende 1910 2340 606 Mk. Der Direktor Lenz berichtete ausführlich über den günstigen Geschäftsstand. Nachoem der geschäftliche Teil beendigt war, fand ein ge­meinsames Mittagsessen im Gasthaus zur Post statt. Kreis­rat Boe ck mann brachte nach vorausgegangener Betrach­tung der Kriegs- und Friedenslage der Gegenwart auf den Kaiser ein Hoch aus. Auch der Präsident Dr. Weber gedachte in wohlgesetzter Rede der Bedeutung der Spar­kassen im Kriegsfälle und ihres Schutzes.

Kreis Alsfeld.

w. Angenrod, 8. Okt. Ein eigenartiger Unfall, der ben Tod zur Folge hatte, ereignete Jid) heute morgen zwischen 3 und 5 Uhr. Der in einer Mühle beschäftigte Mahlbursche stürzte im Fieberwahn aus dem Fenster seines Zimmers auf das Mühlrad und zog sich hierbei schwere Verwundungen am Kopf zu. Hierauf ist er in den Bach gefallen, wo er anscheinend Noch ertrunken ist. Ter Bedauernswerte litt seit einiger Zeit an einer starken Kopfrost. Noch bis 3 Uhr heute morgen war er bewacht worden; als fid) der Wärter auf einige Zeit entfernt hatte, geschah das Unglück. Später fand man die Leiche im Bach. Der Bedauernswerte steht in den 40er Jahren und hinterläßt eine Frau mit drei kleinen Kindern.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 8. Okt. Die ZuckerfabrikWet« t e r au" beginnt morgen ihren diesjährigen Betrieb. Einig/ hundert Arbeiter werden beschäftigt, die zum großen Teil im Stadtteil Fauerbach wohnen. Am Donnerstag wurden die ersten Zuckerrüben angefahren. Sie haben dieses Jahr weniger Zuckergehalt als sonst. Die Fabrik, die unmittelbar neben dem neuen Güterbahnhof liegt, wird durch eineü Schienenstrang mit ihm verbunden.

-1. Butzbach, 8. Oft. Gestern abend um 8l/4 Uhr ver­sammelte sicb der K r i e g e r p e r e i n am Gasthauszum Löwen' und marschierte von da aus in die Stadtkirche, um den vom Ver­ein für die Veteranen geftifleteu Ehren schrei» einzuweihen, der von dem Vereinsmitglied Schreinermeister Karl Weigel hier sehr schön auSgeatbcitet Itvorbeit ist. Der GesangvereinOrpheus* leitete durch Absingen eines Liebes die Feier ein. Pfarrer Loos gedachte der verstorbenen und noch lebenden Veteranen in wann- herzigen Worten, erinnerte an die Kriegs- und gegenwärtige Zeit, forderte die Jugend zur Nachahmung der Veteranen auf, dankte namens des Kirchenvorstandes dem Verein für den Schmuck' gegenständ der Stadtkrrche. Ter Vereinsvorsitzende, Medizinalrat Dr. Vogt, der ebenfalls eine kernhaste Ansprache hielt, hatte den Ehrenschrein Pfarrer Loos überliefert, der die Orden und Ehren- zeichen folgender Veteranen ans den Feldzügen 184b49, 1866 lind 187071 enthält: Eskadronsschmied Müller, | 1875; Musketier p. I. Weber, f 1876; Stabsarzt Dr. Engelbach, f 1881; Gefreiter Karl Ewald, f 1885; Gardist Gg. Held, f 1886; Unteroffizier Friedr. Wilhelm Müller, f 1887; Musketier H. Hermann, f 1890; Füger I. G. H. Haub, f 1890; Schütze Wilh. Metzger, f 1900; Unteroffizier Jakob Vogt, f 1901; Musketier Markus Kaufmann, f 1903; Stabsarzt Dr. Melchior, f 1904; Rittmeister Freiherr L. v. Bouchenröder, f 1904; Gardist Johannes Heiser, + 1906: Musketier Heinrich Heyd, f 1906; Musketier Peter Wex, f 1906; Cheveauxleger Daniel Faust, f 1906; Wachtmeister Friedr. Will)- Lirchho', f 1908; Dragoner Ludwig Pfeil, f 1909; Trompeter Heinrich Braun, j 1911. An diese Feier schloß sich die Mitglieder- Versammlung im HotelHess. Hott. Stach Beendigimg der 2age6* ordnung wurden mehrere gemeinschaftliche Lieder gesungen und es herrschte eine sehr gute Stimmung.

Starkenburg und Rheinhessen.

iftVonMainz,8. Okt. wirb uns geschrieben: Gestern! fanb in bem Feftsaal bes Kasinos znm Gutenberg unteir bem Vorsitz von Jnstizrat sMetz-Gießen bte ordentliche Hauptversammlung der Hessischen Anwalts^ I k a mmer ftattz die int ganzen von 89 Anwälten W