Gedenket der hungernden Vögel!
Leerung.
Kreis Lauterbach.
Stockhausen, 4. Ian. Bürgermeister Eichenauer hier feierte ain dieujahrstage sein 25jä brigeS I», biläun, als Rechner der hiesigen Spar- und Darlehenskasse. Dl'rch den Vorstand und Aufsichtsrat der Kasse wurden ihm auS diesem Anlaß Glückwünsche überbracht und ein wertvoller
jährig-freiwilligen Dienst Seit Bestehen der Anstalt ist dies die erste Prüfung, die hier abgehalten wird, um die Berechtigung zum Einjährigen-Dienjt zu er
löst wird.
•* Lehrerpersonalien. Uebertraqen wurde dem
den Riesenarm wie ich: Es war das Brockengespenst. Ich ge- tehe, daß die Seltsamkeit dieses Phantoms einen fast furchtbaren Eindruck aus mich machte: ich sah mich und fühlte mich über den Gletscherspalten hängen, die in der Tiefe des Abgrunds gähnten. Die Vision dauerte zwanzig Minuten: von den fünf Erscheürungs- sormen, die sie annahm, toar die dritte die erstaunliche: Ein dritter ungeheurer weißer Lichtkreis bildete sich um die beiden anderen. Marne beiden Führer und ich die in einer Gruppe zusammenstanden, konnten zugleich die Konturen unserer drei Köpfe wahcnehmen, aber ganz deutlich und genau sah jeder von uns nur seinen eigenen Schatten, drei- bis viernral größer als er selbst, und jede geringste seiner Bewegungen wiederholen"
Das Brockengespenst ist nicht nur im Gebirge, sondern auch in der Ebene beobachtet worden, und zwar vor etwa 20 Jahren von Lancaster zu Uoole in Belgien. In der Nacht vom 30. zum 31. Juli 1892 war ein dichter Nebe gefallen-, gegen ein Uhr morgens bemerkte Lancaster, als er sich einem offenen Fenster im zweiten Stock seiner Wohnung näherte, ein ziemlich großes und lebhaftes weißes Licht am Himmel, das sich als eine leuchtende Nebelwand erwies, auf der sein Schatten erschien. Der Nebel wirkte ganz wie ein Lichtschirm, wie eine Art Mauer, auf die der Schatten projiziert war.
Künstler begrüßt, zumal kleine Preise angesetzt sind.
♦♦ Stenographie. Man schreibt uns: Auch jetzt ist das Jahrbuch der Schule Gabelsberger pünktlich den Bestellern aus den Weihnachtstisch gelegt worden, in seiner einfachen, geschmackvollen Ausstattung. Die darin gegebene Statistik über Vereine und Unterrichtete zeigt gegen das 'Vorjahr wiederum ein recht erfreuliches Anwachsen beider Zahlen. Danach wurden gezählt im ganzen 2600 Vereine (gegen das Vorjahr 146 mehr) mit 117 260 Mitgliedern (+ 7946) und 183 097 Unterrichteten (4- 17 874). Von diesen entfallen auf das deutsche Reich: 2229 Vereine (4- 135) mit 96 332 Mitgliedern (4- 6936) und 101121 Unterrichteten (4- 7673), und auf Hessen: 125 Vereine (4- 13) mit 4812 Mitgliedern (4- 505) und 4209 Unterrichteten (4- 572). Gießen darf sich inbezug auf die Tätigkeit für die Schule Gabelsberger und die Ausdehnung des Systems mit an die erste Stelle rechnen, d. h. keine etwa gleich große Stadt beherbergt so viele Anhänger des Systems Gabelsberger wie Gießen. Am 30. Juni 1910 bestanden hier sechs Ga- belsbergersche Stenographenvereine mit 611 Mitgliedern Unterrichtet wurden 224 Damen und Herren in Anfängerkursen. Dabei sind natürlich die Anhänger des Systems nicht mitgezählt, die den Vereinen nicht angehören, deren es aber auch eine ganz erhebliche Zahl hrer gibt. Der .Gabelsberger Stenographenverein, der in diesem Jahre fein 50jähriges Bestehen feiern kann, beginnt am 23. Januar in seinem Vereinszimmer im Cafe Ebel wieder einen neuen Anfänger-Lehrgang unter bewährter
Canöwirt{d)aft
— Darmstadt, 4. Jan. Der 2. Tag des Bvrtra gS« kursus der Landwirtschaftskammer, der wieder mehrere hundert Landwirte hierher geführt hatte, brachte zunächst einen interessanten Vortrag des Generalsekretärs des T-eutscl-cn Landwirtschastsrats, Professor Tr. Dade-Berlin über die handelspolitische Lage Deutschlands seit dem Abschluß der letzten Handelsverträge. Der Redner schildert die geschichtliche Entwicklung des deutschen Zollwesens, namentlich der Agrarzölle, deren Beibehaltung ganz abgeselnm von privatwirtschasmchen Verhältnissen der Landwirtschaft und Industrie aus manchen volkswirtschaftlichen Gründen eine unbedingte Eriorderins sei. Wodurch sollte z. B. die Zolleinnahme des Reichs in Höhe von etwa 700 Millionen Mark ersetzt werden, etwa durch direkte oder indirekte Steuern? Die handelspolitische Lage Deutschlands seit dem Abschluß der letzten Handelsverträge wurde dem Redner sodann eingehend erörtert, besonders kam er dabei aus unser handelspolitisches Verhältnis mit den Vereinigten Staaten zu sprechen. Eindringlich warnte der Redner die Landwirte vor der Zersplitterung in den eigenen Reihen. Fest geschlossen müsse vielmehr die gesamte Landwirtschaft zusammenslehen, wenn sie mit Erfolg ihre berechtigten Interessen vertreten wolle.
Hierauf sprach Prof. Dr. G i s e v i u s - Gießen über das Thema „N eues über Boden, Klima und Pfl an z e". In fernen einleitenden Worten erwähnte der Redner die Tätigkeit des Begründers der Landwirtschastslehre Albrecht Thaer. Eingehend verbreitete sich dann der Vortragende über die Steigerung der Produktion deS landw. Pflanzenbaues und der Rohmaterialien der landwirtschaftlich technischen Nebengewerbe, der Gewinnung und gesteigerten Verwendung von Düngemitteln, Zunahme der Bevölkerung, Veränderungen des Diehpandes usw. Die verschiedenen klimatischen Verhältnisse und ihr Einfluß auf die Aw bauvechältnisse der verschiedenen landwirtschaftliche Kulturpflanzen, die Bildung besonderer Anbauzonen wurde erörtert. Durch die neuen Fortschritte auf dem Gebiete der Meteorologie ist heute die Möglichkeit der Wettervorheyage gegeben. Tie Niederschlagsmengen in verschiedenen Teilen des Reiches und Landes sind außerordentlich verschieden. Diese Verhältnisse müu'en beachtet werden beim Anbau der verschiedenen landwirtfchait'ichcn Kulturpflanzen. Zum Schluß machte der Vortragende darauf aufmerksam, daß die landw. Produktion andauern) gestiegen ist und daß ihre weitere Steigerung möglich ist. Dadurch wird die Sicherstellung der Ernährung unseres Volkes gewährleiltct. xu Landwirtschaft ist die Quelle des Wehrstandes der Bevölkerung. Ter Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
werbenden Angriffe auch hier und i>« schärfer vorgd- Regulator Überreicht. In einer Ansprache legte Lehrer gangen sei, als man dies vielleicht billigen Wasser die Verdienste beß Jubilars um die Spar- und könne. Er unterbricht dann sein Plädoyer, das er morgen DarlehnSkasse dar. Durch seine Gewissenhaftigkeit und Pflicht- S treue fee d.e Raffe bt. jetzt von jegUchem ™
hnefi, Meyer, Nöhrenbcrg und Muslewski Gefängnisstrafen von ivorden. Die Genosienschast habe ihm deshalb als be)onöeren vier Monaten bis zu einem Jahr sechs Monaten beantragen' Dank für seine Verdienste eine jährliche Gehaltserhöhung von tortbe. __ 50 Mk. bewilligt. Der Redner schloß mit dem Wunsche, der
wurtzm d,- weiteren Verh-ndümgen am Dmmersrag |fl „nb j„ berj,lben geistigen
W 9 ,2 ________Arische bas Amt eine« Rechners zum Segen bet Raffe fützren.
Derrn iiebte».
* lieber das Bettlerunwesen in Paris, das namentlich um Neujahr und das Nationalsest vom 14. Juli einen ganz ungeheuren, fJi bedrohlichen Charakter annimmt, hat ein yober Polizeibeamter einem Mitarbeiter des „Petit Journal" eine Reil)e sehr üiteref anter Mitteilungen gemacht: „Sie können sich nicht vorstellen, woher all dieses Bettelpack kommt. Sie meinen wohl, daß Paris damit von der näheren Umgebung, von Saint-Ouen, Pankin, Auberviiliers, Montreuil-sous-Bois usw. bedacht wird, wo es bekanntlich Kolonien von Berufsbettlern gibt. Dem ist aber nicht so. Sie kommen aus der Bretagne, aus Spanien in ganzen Eisenbahnzügen, und ich bin eben daran, die eigenartigen Bedingungen festzustellen, unter denen sie von wahren Unternehmern des Bettelgewerbes zusam- mengerafft werden. Man muß wohl annehmen, daß der erzielte Reingewinn sehr bedeutend ist, da nicht nur die Kosten der Reise hin und zurück und der allerdings nicht sehr kostspielige Unterhalt in Paris getragen werden müssen und den Bettlern immer noch elivas übrig bleibt, nachdem der Impressa mo seine Prozente eingezogen hat. Es märe die höchste Zeit, daß ernstliche Verfügungen getroffen wer- den, um dem schmachvollen Krnderschacher und der AuS-
65, in Betracht.
A Wetzlar, 4. Jan. Die Buderuß'schen Eisenwerke, die nicht nur die Stadt, sondern auch den Kreis Wetzlar mit elektrischem Licht und straft versehen wollen, haben jetzt für die geplante Anlage, die sehr bald errichtet werden soll, die Lieferung der Maschinen usw. zur Vergebung gebracht.
Starkenburg und Rheinhessen.
m. Offenbach a. M, 5. Jan. Mit dem Bau der neuen katholischen Kirche in der Bichererstraße soll in den nächsten Monaten begannen werden. Die Katholiken besitzen zurzeit in Offenbach zwei Kirchen und zwar die 1828 erbaute und 1866 erweiterte Pfarrkirche St. Paul in der Kaiser strotze und die 1896 als Notkirche errichtete Pfarrkirche St. Maria. An der Stelle der letzteren wird demnächst die nach den Plänen des Kirchenbaumeifters Professor Decker-Mainz zu errichtende neue Kirche treten. Voraussichtlich wird Dann die jetzige Notkirche am Friedrichsring Aufstellung finden.
Hessen-Nassau.
W Wiesbaden, 3. Jan. Im RegierungSgebäude begann heute unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Hengstenbng- Kassel eine Konferenz zur Bekämpfung der Rebschäd- I i n g e, der der Vertreter des Landwirtschaftsministers, der Landrat Freiherr von Hammerstein-Loxten, beiwohnte. An der Konferenz nahmen il a. der Regierungspräsident Tr. v. Meister, mehrere Oberregierungsräte, bte Landräte der weinbautreibendcn Kreise des Bezirks und der Präsident der Landwirtschaftskammer Bartmann-Luedicke-Frankfurt a. M. teil. Tie Konferenz beschäf-
— Neues vom Golfstrom. Seit Jahren sammelt die amerikanische Regierung sorgfältig alle Nachrichten über treibende Wracks; di?se schwimmenden Schiffsreste sind für die Erforschung der Meeresströmungen ungleich wertvoller als die in den Ozean geworfenen Flaschen, weil sie weniger dem Winddruck ausgesetzt sind und well man ihre Fahrten wenigstens teilweise beobachten kann, während man bei den Flaschen nur den AuSgangsort und die Fundstelle kennt In den letzten 23 fahren hat man im nördlichen Atlantischen Ozean 157 solcher treibenden Wracks beobachtet, und auf Grund ihrer Fahrten zieht A Hautreur außerordentlich interessante Schlüsse. Danach wendet sich der Golfstrom vom Kap Hatteras ab nicht nach Novdoften, sondern nach Osten zu den Azoren, wo er unter dem Einfluß der nördlichen Winde nach Süden einbiegt Die warmen Strömungen an der norwegischen Küste sind nur Abzweigungen des Golfstromes, die durch den Winddruck hervorgerufen werden. Die Geschwindigkeit der Strömungen ist ungleich größer, als man bisher auf Grund der Beobachtungen mit Flaschen annahm. Sie wechselt nad) Gegend und Jahreszeit und fd>nxmlt zwischen 10 bis 70 Meilen innerhalb 24 Stunden.
mit einem Lichtschein oder einer Aureole geschmückt war, die wieder aus drei ober vier kleinen ton» zentrisd)en Lichtkronen von höchst lebhafter Färbung bestand. In einiger Entfernung sahen wir bann noch einen großen weißen Kreis, der das Ganze umrahmte. Es war wie ein Schauspiel der Apotheose für jeden Betrachter." Seitdem ist die Erscheinung des Brockengespenstes zu Ende des 18. Jahrhunderts auf dem Brocken beobachtet worden, und im 19. Jahrhundert auf Bergen in allen Weltgegenden. Besonders gut ließ es sich auf einigen Schweizer Bergen, dem Rigi, Pilatus, Faulhorn, erkennen; Sooresby beobachtete es in den Polargegenden; Rarnond in den Pyrenäen; Saussure auf dem Montblanc; Boussingault in den Cordilleren; Tyndall auf dem Finstercuirhorn; Brunhes und David auf dem Gipfel des Puy de Dome. Die beiden letzten Gelehrten haben bei verschiedenen Wiederholungen des Phänomens bis zu vier Lichtkronen gezahlt, die die Körper umgaben, ohne dabei die gelblichweiße Hauptcrureole zu rechnen. Am 8. August 1895 glückte es dem französischen Forscher Mourreaux, das Brockengespenst auf der Terrasse des Observatoriums des Pio du Midi zu photographieren. Es war das erjte Mal, daß mau eine Photographie des Brockengespenstes erlangte.
Die Erscheinung findet sich vielfach in den Bergen, wenn der Beobachter zwischen der l ichtenden Sonne und einer Nebelwand steht. Tie riesenhafte Vergrößerung des Schattens rührt daher, daß man ihn in großer Entfernung wahrzunehmen glaubt. Die merkwürdigen Lichtringe oder Aureolen entstehen durch Beugung der Lichtstrahlen an den Wasserkügelchen, die im Nebel in der Atmosphäre enthalten sind. Aus derselben Naturerscheinung ist auch der große gelblichweiße Kreis herzuleiten, der die ganze V sion umgibt und den man manchmal den Namen „Kreis von Ulloa" beilegt. Dieser seiner Farbigkeit beraubte Regenbogen ist besonders gut von E -A. Märtel vom Groß- Glockner aus am 20. August 1882 beobachtet worden.
„Ich war auf dem Grat deS Felsens, den Rücken dem Groß- Venediger zugewendet: ein dichter Nebel überdeckte die Fläche des 1200 F-uß unter mir liegenden Pasterzgletfchers. Nach kurzer Zeit überflutete die Sonne diefes Chaos mü ihrem Licht. Soaleich zeichnete sich auf dem beleuchteten Nebel nrie auf einem Licht- fdnrm ein ungeheuerer Schatten ab, zuerst von einem völlig runden, Hellen Regenbogen umgeben, um den herum bann noch «in zioeiter, viel größerer, konzentrischer erschien. Völlig über- ।Katot machte ich dem Führer eiu Zeichen, der Schallen bewegt«
Zeriums und der Stadt Gießen. Als Vertreter des Staates Arbeiter b war Geheirnerat Dr. Weber, als Vertreter der Unioerfr e A Rektor Geh. Justiärat Pros. Dr. Biermann, und als l tretet der Stadt Die Mitglieder des für diese Frage vuh -----1~>-v ffAütor h»r
den Siadtverordneten eingesetzten Sonderausschußes, Ober- mittag bie eben Don den ^rien emtreffenden eä) bürgermeifter Mecum und die Stadtverordneten Grüne- J^Ien ^^h ran st alten f olIt en, ^so daß t e fP^ge*
walo und Dr. Haberkorn erschienen. Das Ergebnis der blanke Bahn gegen
digt- »nb nur noch teerige Pnnkte unerledigt blieben, fW'). diese Ostern^hre, Pru^ng^s^dsn^E für deren Erörterung Mttte des Monats eine weitere Verhandlung vereinbart wurde. Der Vertreter des Ministeriums ist den Wünschen der Stadt sehr entgegengekommen, und auch die Vertreter der Stadt haben es an Entgegen» lammen gegenüber den Forderungen des Staates nicht fehlen lassen. Es ist Aussicht vorhanden, daß die Frage zur Zufriedenheit beider Teile längere Zeit hinaus ge-
Försterwohnuna und eine neue Schule. Durch .Geländeaustausch zwischen Fiskus und Gemeinde hat letztere an der Straße nach dem großen Forst eine Parzelle von 25 Ar abgetreten zur Erbauung eines Forsthauses. Zwischen KrofdorfÄleiberg ist für beide Orte eine gemeinsame Schule, einstweilen nur drei Klassen, vorgesehen Krosd?rf zählt 5 Klassen, hat aber nur 4 Unterrichtsräume, dazu gilt Gleiberg schon seit Jahren als die stärkste einllassige Sckule des Bezirks. Für diese neue Schule kommen von Krosoorf alle Kinder süd.ich der Straße Kinzenbad)-Gießen, jetzt schon
i hiesigen Lehranstalten folgten, so daß die spiegel- tfe Bahn gegen Abend ein sehr bewegtes Bild darbot. L. B ad - N a u h e i m , 4. Jan. Die Schüler der obersten
(ßcrid>t»iaaL
nt. Offenbach a. M., 4. Jan. Hier wurde am 11. Nov, v. Js. von der sozialdemokratischen Partei eine Protestversainm-> lung gegen die Vorgänge in Moabit und die beabsichtigte Gründung von Betriebskrankenkafsen abgel-alten. Ueber die letztere Tatsache herrschte in der Arbeiterbevölkerung eine große Erregung! und nach Sd;luß der Versammlung bildete sich ein DemonstraiwnS- umzug, der unter Hoch-Rusen auf das allgemeine Wahlrecht^Niedev mit den Ortskrankenkassenzersplitterern usw. durch die ^traten zog. Vor dem Hause des Fabrikanten Theodor Boehm ui der Sprendlinaer Landstraße wurden von den Demonstranten besonders scharfe Worte ausgestoßen und großer Lärm gemacht. Die Untersuchung führte zu einer Anklage gegen den Redakteur Gg. Kaul vom „Ossenb. Abendbl." als angeblicher Ansül-rcr des Zuges wegen Verübung von groben Unfug, nächtlid>er Rube- störung und Ausstoßens von Pfuirufen und dergleiä-en mehr. In einer bürgerlichen Protestversammlung wurde gegen derarligs nächtliche Szenen Stellung genommen und als Abhilssmaßregel bi einer Eingabe an ;i>en Landtag die Verstaatlichung des Polizeiwesens gefordert. In der heutigen Schöffengerichtssitzung kam die Sache zur Verhandlung. Da die Anklage dahingeht, daß es sich um eine politische Aktion handelt, hat der Verteidiger Rechtsanwalt D-r. Bernh. Katz Beweisanträae dahin gestellt, daß weder die sozialdemokratischL Partei noch die Gewerlschasten einen Temon- strationszug wünsäüen, sondern ein solcher ausdrücklich von bieien abgelehnt worden ist und daß die trotzdem erfolgte Blldung eines Zuges auf andere Elemente, anscheinend Lockspitzel, zurückzi» führen sei. Das Gericht hat diesen Beweisanträgen ftattgegeben.
Nach Vernehmung von einigen Zeugen beantragte der Amts- anwalt Dr. Aull in seinem Plädoyer eine Geldstrafe von fünfzehn Mark und wegen groben Unfugs und Ruhestörung eine solche von 50 Mark. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß es nicht genügend erwiesen sei, daß der Angeklagte als Letter des Zuges in Frage kommen könne und erkannte dieserhalb wegen der Uebertretung der §8 7 und 19 des VereinsgesetzeS auf Freisprechung, wegen des groben Unfugs und den nächtlichen Ruhestörung wurde der Angellagte in eine Geldstrafe von 40 Mark genommen
tigtt sich zunächst mit den Maßnahmen zur Bekämpfung des Heu- und Sauerwurms. — In der hiesigen Metall- und Staniolkapselfabrik A. Flach sind 180 Arbeiter in den Ausstand getreten, ohne die zum 7. Januar erfolgte Kündigung einzubalten. Tie Zahl der Nichlltreikenden beträgt nur 15. Tie Aus ständigen sind meist Frauen, Mädchen und jugendliche; Arbeiter.
X. Hanau, 4. Jan. Gestern, nachmittag ist vom Berliner v-Zug, der Mm 2.47 Uhr Frankfurt verläßt zwischen Nt e b e r m i 111 au u nb Meerholz baS mu Langholz bclabene Fuhrwerk bes Fuhrmanns Hartwig aus Lieblos bei Gelnhausen überfahren worben. Wahrenb ber Fuhrmann mit leichten Verletzungen bavon- kam, wurde ein Pferd zermalmt und ber Wagen total zertrümmert. Die Lokomotive des V-Zuges blieb unversehrt, so baß ber Zug nach einviertelstünbiaer Verspätung bie Fahrt fortsetzen konnte. Nack) einer Mitteilung war auf oer einten Seite, von ber bas Fuhrwerk bie Gleise jaffierte, bie Schranke geöffnet, bie auf ber anberen Seite >agegen geschloßen, eine anbere Mitteilung lautet, bas Fuhrwerk haoe si»hl festgefahren gehabt unb fei nicht von >er Stelle zu bringen gewesen. Der Führer bes V-Zuges ;abe ben Versuch gemacht, den Zug zum Halten.zu bringen, doch sei ein Zuiammenstoß unvermeidlich geweien.
5lu> StaSt uiifc Canö. Kreis Friedberg.
Gießen, 6. Januar 1911. L. Friedberg, 4. Jan. Heute vormittag fand die
*♦ Der Kliniksvertraa Am Dienstag abend Eröffnung der Sch l i 11 f ch u h ba h n unseres Et s la u f- 5 und 8 Uhr verhandelten Vertreter des Mrni- °-r-ins statt- Schon rn früher Morgenstunde waren . - —.__otr,eschafttat, bie Bahn in fahrbaren Zustcrno zu
sität fetzen als auch alle sonstigen nötigen Anorbnungen jam munn u.iu ui» Ver- Eishcruse usw. zu treffen. Um 11 Uhr kamen bie ersten für biese Frage von Klassen ber hiesigen Volksschule an, benen bann^am Nach-
langen.
m Over-Rosbach, 4. Jan. Aus dem v. Bartlingschen Eismsteinbergwerke ereignete sich heute ein schweren Unfall, dem ein junges Menschenleben zum Opfer fiel. Der 17jährige Bergmann Storck wollte den eben entleerten Förderwagen auf den Förderschacht fahren, um das Förderseil einzuhängen, als ihn ein Kamerad darauf aufmerksam machte, daß der echu-°m.sa,v.ran.en Ivb. Wvls au- Stadecken, eme »eheer.
stelle an der Gcmemdefchule zu Retchenbach. — Erledlgt Mann bemühte sich ihn aufzuhalten und wurde bei dieser Gelegenist die mit einem evang Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle hett mtt in die Tiefe gerissen. Die Schuld an dem Unfall soll an der Schule zu Zell (Rr. Erbach). Das Präsentationsrecht einen Steiger treffen, 5er schon entlassen sein soll.
steht dem Grafen zu Erbach-Erbach zu. Kreis Wetzlar.
** Stadttheater. Die Ankündigung des am 9. Januar = Krofdorf, 3 Jan. Infolge der Zu s a m m en» im Stadttheater stattfindenden „Lustigen Abends" von M a r c e l l legunA der Feldmark Kro,borf-G!erberb setzte in dem Salzer hat großes Interesse wachgerufen. Gllt der Gast doch abgelausenen Jahr hier eine rege Bautätigkeit ein. mit Reck als der unerreichte Meisterinterpret zeitgenössischer^ Für das neue Jahr scheint sie fort^udestehen, dazu sind speziell feinhumoristischer Dichtung. Seine alljährlichen Vortrags- u auch öffentliche Gebäude in Aussicht genommen, eine
reisen sind ununterbrochene Triumphe und in Großstädten, wie - - - - ~ ~ "
Berlin und Leipzig, ist bei „Salzerabenden" schwer ein Platz zu bekommen. Es ist zu hoffen, daß auch hier ein volles Haus den


