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30.11.1911 Erstes Blatt
 
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Nr. 282

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Anzeiger «teßeu.

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Erstes Blatt

161. Jahrgang

Donnerstag, 50. November 1911

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Zteiudruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und ©ruderet: Zchulftrahe 7.

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Die heutige Nummer umfafet 12 Seiten.

Die chinefllche Revolution und die Mächte.

Das uralte Riekenreüh China bebt in seinen Grund- besten. Ter Ausstand, der im Lüden des Landes, in Honan und Hnpeh, begann, hat sich allmählich io ziemlich aller Provinzen bemächtigt, und nur das im Norden «stärker vertretene Mandschuturn verhindert es, das; man Die re­gierende Mandschudynastie überhaupt aus Peking verjagt. Immerhin scheint ihr Verbleiben dort nur noch von kurzer Tauer sein zu sollen. Wenigstens bereitet man eine Flucht des HoseS nacy Jehvl schon vor, und am 24. November erklärte der von der Dynastie zu ihrem Retter erkorene u a n s ch i f a i, daß er die Revolution nicht zum Ltill- ftanb brinaen könne, solange die Mandschus herrschten. Ob diese Meldung richtig ist, kann ruhig dahingestellt blei­ben, jedenfalls war der vielgenannte Manschikai nicht der Mann, das total verfahrene Staatsschiss wieder slott zu machen. Bei den Mandschus wegen seiner chinesischen Ab­stammung verhaßt, bei den Chinesen als Renegat verdäch­tig, hätte er ausreichende Truppen und ausreichende Geld­mittel zur Verfügung haben müssen, sollte es ihm über­haupt gelingen, die chinesische Revolution zu bekämpscn.

Davon war aber nicht die Rede. Vuanschikai mußte sich unter diesen Umständen zu einer Vermittelungsaktion zwischen dem chinesischen Norden und dem chinesischen Sü­den bequemen, und diese mußte scheitern, weil man im Süden republikanischen Tendenzen huldigte und demgemäß die Mandfchudynastie stürzen wollte, während man im Nor­den zwar die Mandschudynastie beiM>ehalten gedachte, ihre Rechte aber und die Vorrechte der Mandschufarnllien dort beschränken, hier überhaupt beseitigen wollte. Tie Kriegs» erfolge der letzten Zeit sind aber auf Seiten der Repu­blikaner, so daß es bei dem Doppelspiel, das 'Zuan- schitai augenscheinlich treibt, keineswegs ausgeschlossen ist, daß er fick selbst für die Republik China entscheidet und vielleicht sogar ihr Präsident wird. Eine andere Mög­lichkeit bei der Lösung der chinesischen Wirren märe die, daß China sich in eine nördliche, wirklich konstitutionelle Monarchie und in eine südliche Republik teilt, die erste unter der dann nur noch dem Namen nach regierenden Mandschudynastie, aber unter Dem Regiment Nuanschikais, Die letzte unter der Präsideiitschast des intellektuellen Ur» Hebers der Revolution, Dr. Sunjatsen, oder vielleicht auch unter dem Führer der Rebellenheere, General Li.

DaS Ausland könnte diese innere Umwälzung Chinas ruhig mit ansehen, wenn es nicht eine durch den ; Taiping- und Boxeraufstand geschichtlich erhärtete Tatsache wäre, daß die chinesischen Machthaber, wenn sie in der Klemme sitzen, stets bemüht sind, den aegen sie gerichteten Haß auf die Fremden abzulenlen. Im Anfang der Re­volution haben sich beide Teile löblicherweise jedes Angrifts auf die Fremden enthalten. Crst die freilich bisher unbe­stätigte Meldung von der Niedermetzelung schwedischer Misionare, unter denen sich zwei deutsche befanden, sowie die gestrige Nachricht von der Plünderung des deutschen Hospitals in Tungkun und dem Ueberhandnehmen der Pira­terie in den chinesischen Gewässern, lassen befürchten, daß, wenn auch diese Missetaten vorerst nicht auf das Konto der beiden kriegführenden Parteien, sondern auf das räube­rischen Gesindels zu schreiben sind, im Verlauf der chinesi- scheu Wirren es doch zu Ausschreitungen gegen die Fremden kommen dürste, und zwar wahrscheinlich von feiten der­jenigen Partei, die ihre Meberlage befürchtend, allein in einer Intervention der Drächte Rettung für sich erblickt.

Die im neuen China wohnenden Europäer sind nun zwar endlich, nachdem die ersten Warnungen ihrer diplo-

Siehener Thealerverein.

Die luftigen Weiber von Windsor.

Oper von O. Nicolai.

Gastspiel des Großherzoglichen Hoftheaters in Tarmstadt.

Ein prächtiger Theaterabend! 5ln sich könnte man ja darüber streiren: ist es zweckmäßiger, einem Publikum, das den Genug regelmäßiger Opernvorstellungen entbehren mutz, icweus ai^fcltcne Kostprobe die bedeutenderen Novitäten zugänglich zu machen oder aber den Gesichtspunkt der Seltenheit umgetchrt zu be­werten und lieber die müheloseren Genüsse altbewährter Menter- werke zu bieten, bie auch dem weniger gesättigten und fntilluHcrncn Hörer noch genug des Neuen und Lohnenden bringen. Beides hat sein für und wder; jedenfalls aber konnte unter den alteren heiteren Opern nicht leicht eine bessere Wahl.getrosten werden als mit Nicolais allerliebsten und dabei musikalisch w wert­vollen .Lustigen Wildern" zumal sie ent neuerdings als Festvorstellung zum Geburtstag des Großherzogs in xacmitaDt neu cimtubicrt worden find. Tas einzige Werk Nicolais (geh. 1810 zu Königsberg, bae sich von seinen verschiedenen Opern u w. erhielt, kam leider zu f»at, um dem Meister seintrauriges Los, ein deutscher Opern Krmponist zu sein" zu verbeiiern; wenig Wochen nach Der erfolgreiche« Erstausführung iLecliN 1840- starv er. Tie 'Musik ist von übeüprudelndem Humor und von ton» lieber an Mozart gemahnender Feinheit und Frische. Oas nach dem bekannten Shalespeareschen Lumviel zurechtgezrmmerte Text­buch ist immerhin theatralisch nirtfam. Tie Tarmstad.er Gaue id ienen ganz in ihrem Fahrwamc und boten ihr bestes, ^chon die auch als Konzertstück betannie und beliebte Duoettllte fand eine schwungvolle Wiedergcbe. Man erbeut nch immer wieder an diesem töstlich erfundenen und instrumentierten ^on- gemäld-v Auch die pikante Balleitnusik im letzten Akt ist rühmend hcroorzuhebeu. Bei einigen Begienungsstellen, zumal im ersten Akt, wurden die Sing stimmen durü etwas zu schneidige -ton- gebung der Instrumente teilweise gedickt. Toch mögen hier auch die Raum- und akustischen Verhättnvse unseres Theaters mtt- sprechen. . .

.o.iiSenienmg und Regie iraren galt lvacker; indessen tollten sich die meist doch ganz einfachen Verwandlungen in etwas kür- seren V aus en bewältigen lassen. Unter den Solisten glänzten besonders die Vertreter der bdbCH Hauptrillen. die übermütige

malischen Vertreter nngelwrt verhallt waren. Den Rat schlügen gefolgt und haben sich in die großen Stabte be­geben, wo ihr Leben minder bedroht erscheint. Aber die auch hier vorhandene Möglichkeit, daß der chinesische Pöbel, wenn er eine Tirektive von oben erhält, Leben und Eigen­tum der Fremden bedroht, Uetz es den Mächten angezeigt erscheinen, ihre Gesandtschasts- und Konsulatswachen zu verstärken. Was speziell T e u t s ch l a n d anbetrisft', so hat sich die Provinz Schautung, zu der unser Pachtgebiet Miau- tschau gehört, bisher völlig ruhig gehalten, ja sogar ihre Unabhängigkeitserllärung widerrusen. Und am Jangtse- kiang, wo der Ausstand ausbrach, sind die dort sehr großen deutschen Interessen in Hanlau, Hanjang, Wutschang, Nan- ling, Tschinkiang und Schanghai Verhältnismaß.g stark ge­schützt durch den KreuzerLeipzig", die Kanonenboote Iltis" undTiger", das FlußlanonenbootVaterland" und das Torpedoboot S. 90. Mißlicher sieht es dagegen mit dem Schutz der in Peking und Tientsin lebenden Deutschen aus, für den nur 100 bezw. 50 Mann des in Kiautfchau garnisonierenden 3. Seebataillons als Gesandtschaftswache bezw. Konsulatswache in Betracht kommen. Tiese deutschen Truppen sollen jreilich von Miaut)djau aus durch weitere Abgabe von 2VU 'JJiumi üerfrdrit werden, aber was sind ichtteßlich 330 deutsche Soldaten in den beiden Millionen­städten Peking und Tientsin? Und wird cs nicht den Ueber- mut der Chinesen in Schantung anstacheln oder wenigstens unser politisches Ansehen dort sehr finten lassen, wenn in dem uns Millionen kostenden Niautschau und in der für uns überaus wertvollen Provinz Schantung nur eine schwache deutsche Be.atzung verbleibt?

Turch den Boxerauss.aud wurde unjere Regierung über­rascht. Soll sie sich aud) burd) die in China zu erwartenden Ereignisse uülicbi,ain ubena.schen lassen? Wir müssen in China auf dem Posten fein, sollen wir nicht bei den dortigen Staatsumwälzungen die FruciFe des Jangfteabiommens an England verlieren und an Rußland, Amerika und Japan alle die wirtschaftlichen Rechte abtreten, die wir in China noch besitzen, einjchließlid) natürlich unferes Schutzgebietes Miautschau. Tenn aud) diese Rechte werden sämtlich hin­fällig, sobald sich Der Status quo aiiie in China ändert, sich also z. B. eine Teilung Chinas vollzieht. England, Ruß­land, Amerika und Japan haben anscheinend schon alle Vor­bereitungen getroffen, um in China einzuschrei.en und sich ihre befiel)enoen Rechte nicht nur zu sichern, sondern sie auch zu erweitern.

Maßnahmen der deutschen Regierung.

Wie heute gemeldet wird, hat die deutsche Regierung folgende Vorsichtsmaßregeln getroffen:

Berlin, 29. Noo. Tas Gouvernement des Schutz­gebietes K i a u t s ch o u ist angewiesen worden, sofort ein Tetachement von 200 Mann nach Tientsin zu ent­sende «. Tiefe Truppe bildet zunächst eine militärische Reserve in der Provinz Tschili, aus die gegebcnensalls zurückgegrisfen werden kann. Mit Rücksicht auf die Befatzungsstärke des Schutz­gebietes erfolgt sofort ein Ersatz der Gouvernementstruppen und zwar durä) Mannschaften des Stamm-Seebataillons. Tiese werden dem planmäßigen Ablöfüngstransport der Feld­batterie deS Schutzgebietes angeschlosteii, der am 30. November auf dem DampferGöben" Hamburg verläßt,

Lie Eroberung von Nanking.

Nanking, 2j. t-uiu. xie Revolutionäre sind heute morgen durch vier Tore in die Stadt einge­drungen.

Belagerungszustand in Hongkong.

Hongkong, 2V. Noo. Mit Ruasicyt auf die An­wesenheit zahlreicher unruhiger cyine.ifiher Elemente und

Frau Fluth lFr. m e r n i c-oraniiuri) uns Ritter Falstaff (Herr Riechmann! in mufilalisarer unv befonders auch in darstelle­rischer Beziehung: einzelne Momcnlc gestalteten ne in Der Tat mit hinreißendem Humor. Ihnen rechten sich mit tüchtigen Lei­stungen Herr Weber fowie Herr Hofs und öiäidein

Howard in den Rollen Des Ehepaares Reich an. Tie schwierige und auch rnufikalifch beßeutiame Szene mit Falstaff im zweücn Aufzug gelang Herrn Weber bei'onoers gut. Angememfscne Ver­tretung taiUMt auch die Nebenrollen, die beiden Karilaturen: Junker Spärlich Herr Bernhardt) und Tr. Cajus Herr Kroger, 'owie die Lenreter Der icntimentalai Seite: Anna Reich (Fräulein Schaube und Femon 'Herr Hacker-, Die in tiefer Atmosphäre von Uebcrmut und burleskem Humor etwas schwer zur GAiung tommeu: Herr Hacker möge sich vor dem Tremulieren hüten. Tie Ensemble-Nummern eine Haupt- Stärke Nicolais gingen vortrefflich, so z. B. das packend jnicye Finaie pes eriuj. «iiaifzu^. auu» das oailen bot Dem Auge anmutige Bild.r, die uns indes Den geheimnisvollen Rnz näMluyen Eifemvuls wohl nod) mehr vorgezauöert hätten, wenn die Belcudüung aus anfänglichem Dämmern erst nach und nach zu schärferer Helle übergegangen wäre. Tanzbär ist anzuerkennen. Daß uns der fast ungerürzic Genuß dieser Oper geboien wurde, Du sich sonn h,rgcdra^,te...iaßcn iay.r.iu^ cinac gciallen laffen muß. Tas Haus war dicht defctzt und sehr amnueit P.

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haufton Sfemart Lhamberlain über Richard Wagner; Beziehungen zu Mathilde wesenöonck.

K.-f. Von dem bekannten und allseüig geschätzten Werke Houston Steiran Chamberlains üocr Richard Wagner erscheint soeben im Verlage von Friedrich Bruckmann in München eine neue, reich üluiinerte Ausgaoe, in der Chamberlain Gelegenheit nimmt, sich über Wagners Beziehungen zu Mathilde Wefen- donck zu äußern. Ter Briefwechsel zwischen dem Meister und Frau Wesendonck ist ja inzwischen erschienen und hat nicht allein, wie natürlich, ein außerordentliches Aufsehen erregt, sondern auch auf manchen Setten Die Anficht erzeugt, daß man hiernach erst Wagners Perfönlichkett und Schaffen zu erfafien im:ande fei.

Tem gegenüber macht Chamberlain zunächst Darauf aufmerk­sam, Daß, wie sich aus Den biographifchen Urkunden erroeifen

wegen wiederholter Angrine auf die Polizei ließ der Gon- Dcrncnr die Sondcrvorfdiriflcn zur Ausreck-terhaltung der Ruhe und Ordnung in Kraft treten.

Eroste Lage in der Mandschurei.

Tokio, 29. 9iov. 'Xad) amtlid)cu Melduilgen beginnt die Lage in der Mandschurei ernster zu werden. Japanische Truppen sind in Niutsckswang eingelrofsen. Es wird be­richtet, daß Sangs au von den Aufständisch en ge­nommen worden ist. Banditen und Pöbel treiben in Fentschang und Futschu ihr Wesen. Ter Vizc- könig hält alle verfügbaren Truppen in Mukden ver­sammelt. Eine Verstärkung für die Wache der japanifchcn Gesandtschaft wurde nad) Pering abgefandt.

Ein kaiserliches Edikt.

Peking, 29. Nov Ein kaiserliches Edikt weist die Schuld an den letzten Kämpsen und Angriffen den 'Jluffiän- duchen zu und befiehlt demVizekömg vonHukuang, die zahl­reichen Leid>en zu beerdigen fowie Die Not zu lindern. Ter selbstbewußte Ton der gestrigen und heutigen Edikte spiegelt das w i e d e r k e h r c n d e V e r t r a u e n d e r Mun­ds ch u s wieder. Aus militärischen Melduageit von H a n ka u geht hervor, daß die Macht der Aufslandischen der der Kaiserlichen bis zum 25. November überlegen war, bann weigerten sich die Truppen aus Hunan anzngreisen. Später meuterten 5000 frisch angestellte Rekruten aus Hupe und töteten ihre Offiziere, als fie angreifen follten. Ttc Streit­kräfte Liifuanghengs in Wilschang betragen angeblich mehr als 19 000 Ttann.

Der italienifd)=tflrfi|d)e Krieg.

Aus türkischer Quelle werden jetzt die Meldungen von dem jüngsten Vorstoß Der Italiener bei Tripolis bestätigt. Nur follen die großen Verluste auf feiten der Italiener, nicht der Türken, gewesen sein:

Konstantinopel, 29. Nov. Tas Kriegsministerium ver­öffentlicht ein Telegramni des Kommandanten von Tripolis Nesches Bey vom 27. November: Tic kombinierte ita­lienische Brigade begann gestern früh den Angriff ui ter Richtung von Frnjara, um innere Rückzugslinre abzuschnciDen. Infolge unseres harMäckigen Widerstandes z o g si ch dc r Fe i n d abends in seine früheren Stellungen zurück. Ta unsere Rück- zugslin^e bedroht war, ließen wir uiucr Bataillon nach Suk el Tjchuma zurückgehen. Feindliche Kolonnen ruckten Die Henne vor. Tie Verluste unserer Freiwilligentruppcn sind unbedeutend. Ter Feind erlitt große Verluste.

Grausamkeileu der Türken und Araber.

Tie Italiener haben dieGenugtuung", gleichfalls Über Grausamkeiten ihrer Gegner klagen zu können. Wenn der nachstehende Bericht nur Halbwegs wahr ist, sind er­schreckende Ausschreitungen durch Türken und Araber vor­gekommen. Tie Italiener aber müssen sich sagen: Wer Wind säet, wird Sturm ernten:

Berlin, 29. Noo. Ter hiesigen italienischen Botschaft ist folgende Mitteilung zugegangen:

Aus dem Vormarsch, der dem Siege vom 26. dieses Mo­nats folgte, konnten die italienischen Truppen zahlreiche Akte furchtbarer Grausamkeit feststellen, die Don türkischen und arabischen Truppen begangen worden roaren. Nahe bei der Moschee von Henni, wo in Der Sd)lacyt vom 26. Oktober ein Lazarettposten des 27. Ber- saglieribataillons ausgestellt war, wurden 28 schwer ver- ftummelte Leichen von Soldaten gefunden, die ge­kreuzigt, erwürgt, aufgespießt oder deren Glie­der aus Den Gelenken gelöst waren. Unter ihnen besand sich auch der Leichnam eine» Stabsarztes. Auf dem be­nachbarten arabischen Kirchhof, der von Der 4. Kompagnie der Bersaglieri besetzt worden war, wurden die Leichen

läßt, die Beziehungen Wagners zu dem Ehepaare Wescndonck immer ungetrübt geblieben find' in Triebschen wie auch später in Bayreuth waren Die WescnDoncks gern gesehene Gäste, und wie wäre, io fragt Chamberlain, das möglick), wenn dem Ver­hältnis zwischen Richard Wagner und Mathüde Wesendonck, jene leidenschaftliche, rein individuelle und einzige Bedeutung zukamc, die oberflächlich Urteilende ihm andichteten.Ebenso wenig besaß aber jene liebliche funge Frau und Mutter die geistige Be­deutung, sähig einem Dichter zu hohen Eingebungen, die erste Anregung zu spenden. Als ich das vorliegende Bud) schrieb, kannte ich Frau Wesendonck Nicht; später wurde mir die Ehrr niteü: und ich sah bestätigt, daß hier einzig der Zauber vor Jugend und Anmut in einer fchönen Weiblichkeit der sehnsüchtigei, Phantasie des Tichters Nahrung zugesührt haben konnte. Ta» Geheimnis Der sonst unerklärlichen Seelenossenbarung des Meisters gegen diese Freundin liegt einerseits in der Dürftigkeit seiner fonstigen Umgebung, andererseits aber in der verklärenden Wir­kung der Abwesenhett. Wagner war von Mathilde Wesendonck säst stets getrennt und dadurch wurde der Trchter frei, alle Zeitlichkeit nach Belieben abzuftrelsen und sich em Bild nach feinem Herzen und nach seinem Geiste zu schassen, ein Gefäß für sein Sehnen und sein Vertrauen." Treffend hebt Chamberlain hervor. Daß Wagner sich über seine Umgebung saft immer getäuscht habe, indem er ihr Wollen überschätzte; man Darf hinzufügen. Daß er auch stets zuviel für sich und die Förderung fernes Werkes seiner Umgebung gefordert hat. Aus diesem Grunde lag, wie Chamberlain sich ausdrückt, fast in jeder Beziehung Wagners gleich von Ansang an Der Äcim zu einer tragischen Entwicklung.

T i e Leibisammlung kommt nach Köln. Tie Kölner Stadtverordnetenversammlung beschloß^ in ihrer heutigen Sitzung den Erwerb Der Seegerschen Leibi-Sammlung für cen Kauivreis von 1050000 Mark. Eine in Den letzten Wochen für diese Zwecke veranstaltete Privatsammlung hat die Summe von 332 000 Mt. ergeben. Tie Versammlung nahm diese Schen­kung unter dem Ausdruck lebhaftesten Tankes an. Tie teibi- lammlung emhätt u. a. 30 3 .iroerL* des Meisters, der ein Kölner Minb war. Tie Sammlung soll im Museum Wallraf Richar? untergebracht werben.