Ausgabe 
30.3.1911 Zweites Blatt
 
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161. Jahrgang

Zweit« Blatt

M. 76

Erscheint tSgNch mtt Ausnahme bei Ssnnlagi.

9

TaysEatl

Der Ausschuß zur Beratung des Gesetzes gegen die Kurpfuscher

als

rsammlung 6® in TilleMi« iugeiagt w- meraben, m6i 'nen.

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weift: bem i8t|)ören. sm- Ma herab-

Reichstages Erlediaung Nachsession

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuld strotze 7. Expedition und Verlag: 6L

Redaktion:«^AlI2.Tel.-Adr.:AnteigerGietzen.

reich nehmen: es wäre beim, daß vorher müten in oiesem Dramck der ungcreditfrtoeiic vergessene französische Bauer auftaucht imb mit seiner rauhen Faust bic wurzellosen Doktrinäre bavonjagt.Glaube und Heimat!" Wann wirb boch bieseTragöbie eines Volkes^ in ganz Frankreich gut gespielt und richtig verstanden werben?"

Die deutschen Flieger bei dem Zluge Paris-Berlin.

Ter als Ballonführer bekannte Luftschiffer Professor Santn l c r Essen äußert sich in felyr bemerkenswerter Weise in einem; Düsselborser Blatte über den vorläufig um ein Jahr versäwbenen Plan eines bcutschen UeberlanofluaeS AachenBerlin und eines Internationalen Fluges Paris - Berlin. Barnler bedauert, daß ber deutsche Plan verschoben worden ist, da hierburch die deutschen Flieger zu Gunsten ber ausländischen benachteiligt würben. Es seien bereits 140 000 Mark für ben Flug aufgebracht worden und höchstwahrscheinlich würde der Betrag die Höhe von 200 000 Mark erreicht haben Das sei allerdings eine geringe Summe gegenüber den 3 Millionen F-rsc., welche die Franzosen im vergangenen Jahre für Lnftfliegcrmeise aufgebracht hätten, aber immerhin sei in pekuniärer Hinsicht ein erfreulicher Auf-, frimmng zu Gunsten der deutschen Fliegerei zu verzeichnen ge-, wesen. Diese kranke lediglich am Gelomangel, und unsere deutschen Flieger hätten schon längst erhebliche größere Leistungen aufweisen können, wenn sie durch große Preise angespornt und wenn unsere Flugzeugindustrie durch größere Barmittel in die Lage gefommen wäre, leistungsfähigere Maschinen zu bauen.

Professor Barnler erklärt weiter: Bei dem französischen Ost" Rundfluge handelt cs sich um einen Lanbflug in verschiedenen Strecken. Sieger wurde derjenige, der alle vorgeichriebeiicn Strecken zusammen in der kürzesten Zeit überflog. Er konnte dabei so viel Apparate und Motoren benutzen, wie er wollte, natürlich nur Ma-" schinen eines Systems. Als Preis waren 100 000 Frcs. zu ge­winnen. Sieger wurde bekanntlich der von der Firma B l e r i o t unterstützte Leblanc. Es ist von höchster Bedeutung für die Beurteilung dieses Fluges, zu erfahren, wie dieser Sieg errungen wurde. Nicht nur erwartete Herrn Leblanc an jeder Haltestelle ein vollständig neuer Motor, sondern auch die ganze Maschine wurde mehrfach gewechselt. Außerdem fuhren ihm wahrend des ganzen Fluges 2 Automobile nach, von o.aen eines vollständig als Werkstätte eingerichtet war. Diese Leistung hat der Firma rund 100000 Frcs. gekostet, so daß also der ganz?

Donnerstag, 50. Mr; 19H

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universität» - Buch- und Steindruckerei.

9L Lange. Dietzen.

DieWietzener ZcnnlllenblStter" werden dem »Anzeiger* 6ietmo[ wöchentlich beigelegt, da» Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit, (regen" erscheinen monatlich zweimal.

Mark i,rz " 8,25

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ateruus äap JWhttet

französische Glossenzu5chönherr5Glaubeundhe:maL"

Herr Charles Bonncfon, ber Berliner Berichterstatter des Figaro", erchhlt den Lesern seines Blattes von dein liefen Ein­druck, den Schönherrs DramaGlaube und Heimat' bet ber .lu*> führung in Miel auf das deutsche Naiscrpaar gemacht hat, und gibt mich die Worte wieder, di' ber Kaiser nach ber Ausführung, wah­rend der Kaiserin noch die Tränen in den Augen standen, an ben glücklichen Autor richtete An die kurze Notiz knüpft der kranzo- irsche Fonrnalist dann einige Bemerkungen über deuOckres und französisches Theaterwesen, die interessant genug sind, um eine Wiedergabe in deutschen Blättern gerechtfertigt crsckx'inen zu Innen.

Ich möchte," schreibt er,von dem Theater in Ehcrbourg nichts Schlechtes sagen, iiunal, da ich es gar nicht leime. Asch möchte aber doch bezweifeln, ob Frau Falliöres je dort gcioeint hat, und id) frage mich, ob man in Brest oder in Tonlon drei Tage nach Paris die neuesten Stücke spielt, und noch dazu so aus gezeichnet, daß sie nichts von ihrer Feinheit verlieren. Ich stelle mir diese Frage, ohne baraur zu antworten. In der allerdings schon etwas fcrnlicgeiiben Zeit meiner Jugend war die srauzösi'ck. Provinz m Theaterdingen gegen Paris nm etwa zehn Jahre zurück: ich hoffe, daß es seitdem besser geworden ist, denn Frankr reich braucht, genau so wie Deutschland, mehrere Hirne.

Das Stück des Herrn Schönherr, das der Kaiser io sehr gelobt hat, ist für einen französischen oder lateinischen Weift fdimcr zu her stehen. Es versinnbildlicht das tragische Geschick der deutschen Nation, die Tragödie Deutschlands, das iahrhnnder'elang bürd' religiöse Kämpfe irnb Lcidensdxisten zerrissen war: die Furcht vor den Strafen ber Hölle entfesselt hier die büiteriten Dramen: bic Liebe zur Heimat, zur väterlichen Scholle gewinnt Macht über bic Seele der Renegaten imb führt sie allmählich zur Abschwörung des neuen Glaubens, bis ber Tag tomml, an welchein plötzlich das wicdererweckte religiöse Gewissen die unglücklichen Menschen zur Flucht oder in den Tod treibt Diese Zeiten liegen in weiter Ferne. Was einst ein grausamer, ftcdx'nbcr Sd)inerz war, ist seit her zu einer bloßen Unzufriedenheit geworden. Man flieht nicht Mehr, aber man leidet noch immer, und mehr als ein Katholik in Frankreich, ber seinen Glauben verbergen ^muß, befindet sich in einem grausamen Dilemma: an' der einen Seite stehl bic Liebe 'n seinem schönen Bat erlaube, aus der ander!', ber Widerwil! , ben ihm der religiöse Verfolgungswahn bicses selben Vaterlandes ein

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11. Mär» 18H mem.'Lorsie^;

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2 April 1911 31/, Mr ..

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Hon jur 9löit id Ruhl, dmwg: Kassierers fii neu Kamen!«

1er Gouverneur von Samoa im Bubgetanischutz.

Nachbcm ber Budgeßansschuß seine Arbeit soweit crlebigf Hai, als cs für bi; Fertigstellung bes Voranschlages unbedingt erforderlich war, befdiaftigt er sich nunmehr mit den cinfirocucn ausgeschicdcnen Fragen. Heute stand die Verwaltung von Samoa zur Verhandlung. Tas Zentrum hat eine E n t * schlic ß u u g eiiigebrachl, die daraus ausgeht, A'urlorgc jur Du: Einführung der Selbstverwaltung zu tressen und dafür zu sorgen, daß der Voranschlag dem 01 duv ernem en:lsr at jedes Jahr zur Oleuchmigung vorgclegt wird. Bon T o r t) m r 111* iidier Seite wird diese Entschließung für gegenstandslos ge­halten, weil Gouverneur Sols ihren Grundiorderungen durchaus gerecht geworden sei. .

Staatssekretär Dr. v. Lindeauist gibt die Erklärung ab- daß ber Gouverncnumtsrat regelmäßig etnberufen werden soll- aber das sei auch bisher schon geschehen. Zur Bekräftigung dessen verlieft Gouverneur Sols das Protokoll über die letzte Sitzung des Gouvernementsrats, das bartue, baß er ben Rat keineswegs. Umd$on konservativer Seite wirb erklärt, daß man bent Inhalte ber Zentrumsresolution _ zu stimme, aber sie boch ab- lehnen locrbe, um nid)t nad) außen ben Anschein zu crhicctot, daß man sick) gegen den Gouverneur Sols wende, ^er gleiche Staubpunft wird von den N a t i o n a l l i b e r a l e n emgenonr» men. Die Sozialbcmokraten erklären sids für die Enb- idiHeRung pntec ber Bedingung, daß aud) die Eingeborenen zup Selbstverwaltung herangezogen würben.

Wcitcrberatung: Donnerstag.

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flößt. Herr Bonncfon selbst entstammt, wenn wir ttidtf irren, einer protestantischen Fcknilic.)

In literarischer Hinsicht ist Schönherrs Stück reckst intereffant, weil cs in hohem Grabe bic Eigenschasten dc-S französischen llassischen Geistes und bic ber deutschen Volkstradition vereinigt. Eorneillesch" in seinen Grundlagen, da iljm ein GcwisicnskonNikt zugrunde liegt, ist es kunstvoll ausgebaut, indem cs uns m tragischen Etappen ui einer Lösung sührt, bic bic Aufregung zum Paroxysmus steigert. Aber unter dieser kunstvollen Architeitur, bic iranzösisdien Ursprungs zu sein scheint, regt und bewegt sich ein Bauernvolk von rauher Wesensart, mit einfachen und itarfen Leidenschaften, mit wahrlfa fügen Worten, ein Volk, dem bic .Fran­zosen niemals ben Zugang zum Heiligtum ihrer Dramen gestattet l aben. Zur Zeit Ludwigs XIV. formte dieser Ostrazismus noch einen Schein von Berechtigung haben. Der Bauer, der gut genug n ar, bic vornehmen Herrschaften zum Lachen zu bringen, war Nicht gilt genug, um ihnen Tränen zu entlocken. Diese schwer verständ­liche'Gleicksgültiglit des Gebilocten für das Dorf und für die Millionen von Aeckcrn, ohne welche unser Land bald in Staub zer­fallen würde, blieb aber auch bestehen, als auf den klassisckwn Geist der jakobinische Geist folgte. Ein großer Dichter, Mistral, hat uns die Bauern ber ProvencD.enthüllt"; ein großer Prosafckrin- ncllcr, M li u vassan t, hat mit grausamen Strichen bic Bauern ber Normandie gezeichnet, aber ohne Liebe und fast widerwillig: Pierre L o k i hat uns einen Blick tun lassen in die Seele des bretonischen Bauern. Aber es ist noch niemand aus den Gedanken gekommen, den französischen Bauersmann aur die Büchte zu bringen, in seinerBauernscklaubeit", in seiner rauhen Schale, aber .ruck in seiner unbewußten Größe, bic sozusagen Frankreichs Knochengerüst ist. Schade darum! Und wenn ich sehe, wie die größten >. imitier ber deutschen Sprache, von Gottfried K cl l c r dis Sn F r c n f s c n, von Anzengruber dis zu S ch ö n h c r r, sich :man*in1id' mit au nichtig er Liebe zu ihren Brüdern und zu ihren Grosnätern, den Bauern, als su ber Duelle aller straft, hinab, neigen, möchte id) unfern Regieruiigsdoktrinären mit bent engen Horizont zürnen, weil sie Frankreich immer mehr zur Abitraktion l-intreibem Indern wir uns von der fruchtbaren Scholle entfernen, werden wir nad*. und nach zum Laboratorium Europas, das ncu- gier'g ober spöttisch unfern Experimenten beiwohnt, unb^wenn da nanGsische Volk, nachdem man es lange genug in Töpfen ->no Tiegeln gekocht haben wirb, nur noch ein trockenes und satt- loses Fleisch) jein wird, wird der Fremde kommen und. jich Frank-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Ciierhessen

wird angenommen, desgleichen unverändert ber eddniuxiragrabb, s monad) bas Versassungsgesetz hin'ichtlick der BcsttniMilNgeir über die Bildung bi .- Landtage mit dem Tage ferner Verkündung, im übrigen.?n einem durch staiserlicm Verordnung fcstzufetzenden Tage, ivätcstens am I. Januar 1912, m straft tritt. latwj nur durch Reichsgcsctz aufgehoben ober abgeändcrt werden^

Damit ist bic erste Lesung des Berfa,lungSgefctzcv' crfcbigt, t'ic )li eich vartei hat ben Entwurf eines Gesetzes Wer bic Eiusubiu n g eines neuen PreßgesetzeS in El^ saß Lothringen eingereicht. Da der Entwurf der Doll- dci iamuthmq des Reichstags uodi nicht Vorgelegen hat, erhebt! bic Linke Einspruch gegen seine sofortige Behandlung. Der AuS" schuß beschließt aber, morgen in bic Verhanblung etntutreien.

dem Aussckußantrag lauten:Tie Beitreibung bei Gemeinde einkünste Gemcinbeuinlagen und Ausstande der Gemeiiibe bc stimmt sich nach ben beftebenben Gesetzen."

Geh. Rat Best bemertt hierzu, bic Dcranbcrtc Falfung ent­spreche dem Art. 188 ber Stöbt.orbnimg und man habe bei bieicr Bestimmung an ber bisherigen Vorschrift nichts ändern wollen.

Laubgcrickttspräsibent Dr. Hangen führt aus, das; ber Aus­schuß der gegenteiligen Ansicht sei: mau wollte tatsächlich m ben Versahrettsvorichrnten etwas änberu. 'Jiadibcin nun beule bic Regierung ilre Erklärung abgegichen Ixibc, werbe bas vorherige Verfahren wieder b.-rgestcllf. eine stlarftellung im Wortlaut des Gesetzes wäre erwünscht. , . ,

Tic Art 187 >00 handeln von den bcionbcrcit Ausidstageit, Gebühren und Abgaben, bic An. 200208 von dm Gemembc- uerbäuben und bic Pestartikel bis 225 von ber staatlichen Lbcr auifid - über nie Verioaltung ber Gemeiiiden unb Gern ein deve-r bänb* uhr. Sämtliche Artikel werden nach einigen .tnwc,cnt- nrh'it Bemerkungen und Erläuterungen des Regierungsvertreters angenommen, womit bic Beratung über den Gesetzentwurf, betr. o i c ^anbgemcinbcorbituug erledigt ui.

Es folgt noch die Beratung über ben Gesetzentwurf, betr.

die Verwallungsrechtspsteee.

Ucbcr die Ausschußberatung dieser Vorlage lhtben die Herren Geh. Justin'al Pros. Dr. Schmidt unb JOifttirqt Dr, Klein» Idiniibt Bericht erstattet. D^r entere stellt test, bar. ber Jic- gicrnngsentwiirf mit großer Sorgfalt ansgearb.ntct ici. ~cr iiiebnn ei läutert-dann b.u Slandpnntt des Ge,etzgevungsans>chu> cs ii cn'u ein.einen Bestimmungen und begründet bic einzelnen Abänderungen des Ausschusses. Dann werden die cnnelnen Ma titet der Vorlage ohne Ausspradtc nad) den l-lu-schittzantragen angenommen. .. __ .

Ter Gesetzentwurf ist damit erledigt unb bic Tagesordnung erschöpft. ber Präsident jdiließt barnad) die sitzung nach b Uhr.

A'stchstc Sitzung nnbcflinmil. ______________

gesetz aufgenoimnen .

S 25, wonach der Statthalter die Bevollmächtigten. Lothringens znin Bundesrat ernennt imb instruiert, ist bereits durch einen früheren Beschluß erledigt

s 26, ber bic Aufhebung einer Reihe bisher für bic Vcr waltuiig Elsaß-Lothringens gellenden gesetzlicheit Belliinmungen unb Erlasse verfügt, wird angenommen.

27 lautet nadi bei- Vorlage. Wo in Gewtzen oder in Verordnuiigcn vom Landesaussdiuß die Rede ist. ist die Zweite Hemmer m verstehen. Ein Z ' niru m s antrag ivill dieicm Paragraphen folgende Bcstimmuiig hinzufügen: Finanzgcfetzent- mürfe unb Staatshaushaltsvoransck)lägc werden zu-- erft der Zweiten Hammer vorgelegt, letztere werden von der Ersten M a m m c r im ganz en angenommen ober abgelchnt. Im Etat nickt vorgesehene Ausgaben ober Er- ! öhnngen von Ausgabevosten^ichcr ben Betrag der von der Landes- icgicrnitg vorgeschlagenen Summe können von den Kammern ohne jusiimmung der Regierung in den Etat nickt eingesetzt werden.

Jur Begründung des Antrages wird aus die Württembergisdicit Berlstiltnisse verwiesen: bic Antragsteller glauben durch eine solche Bestimmung maiidhc Konflikte uermcibcn zu können.

Staatssciertär Delbrück meint, daß eine foldrc BciNininung in das Etat recht gehöre. Die Regierung würde sid) einverstanden erklären können, wenn bi? bisher noch nicht erzielte Vcrstöitbigung über die Gestaltung des Budgctrcdits 5 herbeigeführt werben könnte. Der Wonführer ber Sozialdemokraten stimmt dem ersten Sapc des Zentrumsanrrages zu, wahrend er int zweiten Satz eine Verschlechterung erblickt. Dagegkn findet der Zciitrumsantrag Unterstützung bei den anderen Parteien Praktisch wird die An­gelegenheit des zweiten Satzes im Reick und in Breutzcn durch i vorherige Bespreckning mit der Regierung geregelt. Ser Eintrag

Mus den Hcici)stagsausfd)üficn.

: Berlin, 29. März»

Im elsafi-lothringisckrn Verfassungsaiis'chuß machte zu Beginn ber heutigen Sitzung ber Vorsitzende Mitteilung von ber schweren Erkrankung bes Freiherrn von Hertling unb bat um bic Ermächtigung, bem Patienten im Namen des Ausschusses die besten Wünsche für baldige Genemitg zu überiniticln.

txc Beratung wird forlgeietzt bei dem Antrag ber .stetms- Partei überbic Freiheit des religiösen Bekennt nisscs. Der Antrag wird angenommen. Er lautet: ,>ic Frcihejs de--' religiösen Bekenntnii.es, der Vereinigung zu Rcli- gionsgciellschaftcit unb bet Mmeinsanten häuslichen und ot)ent> licken Religionsübung wirb gewährleiste l. Der Ost nutz ber bürget licken und staatsbürgerlidien Reckt? ist unabhängig von bem religiösen Bekenntnisse. Den bürgerlichen und staatsbürgerlichen Pflichten da-.i dinck) die Ausübung der Religionsfreiheit kein Abl'iiisti geschehen." Diese Bestimmniig wird in das Verwsnmgs-

sctzte heute die Beratung des § 4 fort, ohne, sic zu Ende zu führen. Der Paragravh untersagt den Nichtapprobierten gewerbs­mäßigen Hcilbeflissenen, Arzneien für die von ilmen behandelten Menschen obci gieren abzugeben ober ihre Kunden sitr b^cn So zug an einzelne bcsondere Bezugsstellen zu verwcueii Em An-- trag der wirtschaftlichen Bereinigung will das Ber^ bot auf bic Empfehlung einer bestimmten Bezugsquelle be-i schränken. Ein Antrag Faßbender (Ztr.i will die Vermitt­lung des Bezuges nur bei solchen Arzeneistcllen zulas,en, die unter behördlicher Kontrolle stehen, ohne daß eine bestimmte Quelle angegeben werden darf, während ein Antrag Graf Oppe r s d o r f f Ztr.- den eigenen Vertrieb oder biq Verweisung ain eine bestimmte Bezugsstelle nur für solche Mittel gestatten will, die auf einer von dem betreffenden Behandler der Behördg eingereichten Liste stehen. ,r

Donnerstag: Weiterberatung. An eine Durchberatung des Kurpfuschcrgeseycs, auch nur im Msschuß, ist nicht zu denken. Diese Vorlage findet sich auch nicht auf der vom Bureau des ausgestellten Liste derjenigen Gesetzentwürfe, deren in der gegenwärtigen Tagung und eventuell in bei; wünschenswert bezeichnet wird.

Der SchifiahrtsabgabenauSschuß

nahm heute bic §§4 unb 5 ber Vorlage unverändert an. Rach 1 können bic Vcrwattungsausschüsse und Strombeiräte durch 'übereinstimmende Beschlüsse mit Zweidrittcl - Mehrheiten be­schließen. daß die Mittel der Verbände auch zur Herstellung und Unterhaltung anderer als der im $ 2 bezeichneten Anstalten ver-> wendet werden können. § 5 bestimmt, daß die Selbständigkeit der- Staaten auf dem Gebiete des Strombaus unberührt bleibt und eine Verpflichtung des Staates zur Aufwendung von Mitteln für bic Verbesserung und Unterhaltung natürlicher Wassersttaßen burd) das Abgabengefatz nicht begrünbet wirb. Bei 8 6 führt ein fortschrittlicher Llntraa, bofc die Ocsfentlichkeit ber, Verhandlungen unb ber Beschlußfassung ber Vcrwaltungsaus- schüssc verlangt, zu einer scharfen Auscinandersetzung zwischen Mi-, nisterialdirektor Peters unb fortschrittlichen Mgeorbneten. Der Eintrag würbe abgelchnt.

Zn Aickikcl 47 (teilt Graf Solms Laubach einen Ah- änderungsantrag. Der Rcbncr iüfnt aus, baß cs erwünscht sein müsse, die Geistlichkeit, wie bic Volksschnllehrer von der Wahl-bar- feil au^jiiKbliciicn Ter Redn r wolle bat Voltsschullehrern nickt zu nahe treten, sondern bic|c schützen.

Gra> Stolberg R oßla unterstützt diesen Antrag.

Minister v. Homb er gl legt den Slandvimki ber Regst- rmiq näher bar Wenn man bic Lehrer in den Städten für'wahl­fähig halte, müssen sie c-> mith auf dem Lande sein.

Iustizrat Klein schm i b t erklärt sich für den Antrag Solms- Laubacki. woraus dieser Antrag angenommen wird.

Nachdem noch die Artikel 48127, sowie Artikel 128129 ohne Aiisspracke angenommen werden, sind die erftcit 5 Abschnitte erledigt.

Schluß der Sitzung 2 Uhr

Nächste Sitzung heute nodtmittag 5 Uhr.

Abendsitzung.

Bizevräfident Fürst S o 1 m s - H oh e n s o 1 m s °>L i ck er­öffnet die Sitzung nad) 5 Uhr. Das Haus genehmigt zunädnt ohne Ausfprachc die Ipeutc vormittag in der zweiten Kammer an- genommeue Regierungsvorlage auf Bewilligung eines Staats- b e i l r a g e s von 100000 M k zu Baukosten für Bad- Ra u h e i m.

Darauf wird bic Einzelberatung über

die Laiibgemeindcordnunst fortgesetzt, f^cr sechste Abschnitt bes Gesetzentwurfs behandelt bic Bestimmungen über bic Abordnungen und Ausschüsse, der siebente Abschnitt die Rechtsverhältnisse ber Gemeindebeamicn. Tie Ver­walt ung beb Grundvcruiögcns wird in den Artikeln 160186 bc handelt. ä . v

Das Haus stimmt allen diesen Wttildn nad) den unroejeu^ lieben Abänderungsanträgen des Ausschusses zu. Der Art. 186 handelt von der Beitreibung der (Wem .iibccintüintc und ioll nack

heffsche Lrftc Kammer.

R.B. Darmstadt, 29. Mär;.

Am ReaiermigstisÄe. Minister des Innern v. Hombergk, Seh Rai Best. , .

Präsident Gras Görtz- Schlitz erönnet bic Sitzung um 10'. Uhr Zur Scrolling kommt der Gesetzentwurf, betreffenb

die Stäbteorbnuug.

Landgerichtspräsibent Dr. Hangen, als Aussckmßberickt «rstatter-, gab eine Ucbersicht über die Beratung ber Vorlage im Gesctzgebungsausschuß, worauf nad) kurzer Aussprache sämtliche ^».puel, mit Ausnahme bcs au ben Ausschuß zurückoerwicstnen DwitclS 212, nack den Ausschußaiiträgcn angenommen wurde.

Die Regierungsvorlage, betr. die Landgemeindeo rd- n u n g und der Gesetzentwurf über die V c r w a I: u n g s r e cht s pflege wurden von der Beratung urüdg i ilt

Zur Beratung kam hierauf ein Initiativantrag von 19 Mir gliedern der Ersten Stamm er auf Abänderung des Gesetzes, betr. -Besteuerungsre<htderÄircl:en undAeligion s gemein schaf t e n vom 25. April 1875 unb 30. Marz 1901.

Nadi ber mündlickten Berichtcrstaiiung bnrdi Frhrn^ Heul zu Herrnsheim unb nadibem Prälat D. 5 l Öring bic Stellung der Sticdyc hierzu näher präzisiert hatte, wurde ber Antrag nodmul-:- mt den Ausschuß ztirückvcrwiesen. Li ne .".ussprache wurd.m cinn Die Regierungsvorlagen, bcti Nadiweifungcn über bic Staat cinnahmcn und Ausgaben des Großherzogtums im Elatsjahr 1908, betr. die aus der Rechtuuig des Fonds zur Ergänzung des Famili r eigeututns des Großherzoglichen Hauses für 1906 gefertigte Rack, Weisung unb betr. die Summarischc Uebcrfid)! bvr Eitinalmicn imb Ansgabeti ber Staaissckulbenvcrwaltung nad) ben Besdstttji -n ber Zweiten Sammer erlebet. Bei Beralung diw Vorstellung der. Bürgenneistcrei amtiert heim um Errichtung einer Eisenbahn^

station an der Kreuzung ber WormsLampertheimer Eisenbahn linic mit der Worms- Bürstadter Landstraße und betr bi.' Grün bung einer bäuerlichen Ansiedlung im nöiblickten Teil der Ge mar Fung Lampertheim gibt Frhr v. Hehl eine cingehenbe Dar stellung über die dort in Betracht lommenben Verhältnisse

Minister v. Hombergk sagt zu, angeregt durch die inlercs saute Darstellung des Vorredners, der Sache sein volles Interesse zu widmen.

Darauf tritt eine Pause ein

Bei Wiederbeginn der Sitzung beridftet Frhr. v. .*i? c n L über Artikel 212, betr. bic Höck stbcfteuerteti Der Aussckußanllag, der nur nnwesenlliche Abänderunacn enthält, wird boriut äuge* iwmmen, das glcidie geschieht mit bent an den Ausschuß zurück- verwicseiiku Inuiativantrag der 19 Mammcrmitglicbcr.

Hieraus tritt das Hans m bic Beratung ber Regierungsvorlage, den Gcsenentwnif betr. die Land g e m c i n d cordnung ein

Frhr. v. Hehl berichtet darüber unb Xitel I, II, III, IV nnh V werden ohne Aussprache angenommen, desgleichen die Artckel 384«. . ,