Deutsches Reich.
Die „Mecklenburgische Ztg." schreib!: Die Nachricht, baß die Großherzöge von Mecklenburg beschlossen, int Oktober die Berfassung zu oktroyieren, beruht auf Gerüchten und freier Kombination.
Nachdem der von der nationalliberalen Partei des Kreises Wetzlar aufgestellte Reichstagskandidat, Oekonomierat Kreuz-Bonn, seine Kandidatur niedergelegt bat, ist vom nationatliberalen Wahlkreisausschuß Wetzlar- Altenkirchen einstimmig der Landtagsabgeordnete des Kreises Wetzlar, Herr vom Rath, als Reichstagskandidat vorgeschlagen worden. Herr vom Rath hat die Kan- didatur angenommen._______________________________
Ausland.
Die „Neue Freie Presse" schreibt: .„Wie in unterrichteten, Kreisen anläßlich der Diskussion über den russischen Schritt in Konstantinopel erklärt wird, war die österreichisch- ungarische Regierung von vornherein überzeugt, daß die sTürkei keine agressiven Absichten gegen Montenegro hege. In !dieser Ueberzeugung, die das Wiener Kabinett in Cetinje ausdrückte, noch tche der russische Schritt in Konstantinopel erfolgte, schloß sich das Kabinett diesem Schritt nicht an.
Das chinesische Finanzministerium bewilligte dem Vizekönig der Mandschurei 21/2 Millionen Taels zur_ Entwicklung der dortigen Industrie. Ansländische Sachverständige sollen als Ratgeber hinzugezogen werden.
5chwere Gewitterschäden.
Die Gewitterstürmc haben in den letzten Sagen in verschiedenen Gegenden des Reiches arg gehaust. Zwischen Burdin g e n und Gelnhausen sind schwere Schäden an- i gerichtet worden. Namentlich Mittel-Gründau und Lieblos wurden überaus hart mitgenommen. Aber auch in Baden muß sich die Landwirtschaft damit abfinden, daß die Ernte vernichtet worden ist. Wir geben nachstehend die eingelaufenen Nachrichten wieder:
Zwischen Büdingen und Gelnhausen.
-e- Büdingen, 30. Mai. Das gestrige Unwetter hat auf dem Gebiete zwischen Mittelgründau-'Gelnhausen-Meerholz ungeheuren Schaden angerichtet. Mit Not erreichte der 5.20 nachmittags in Büdingen eintreffende Zug die Station, die späteren Züge konnten nicht mehr verkehren. Ungeheure Erdmassen wurden sowohl von dem Bahndamm der Linie Gelnhausen-Gießen wie von den Böschungen der Einschnitte weggeschwemmt. Die mit Hackfrüchten bestellten Felder sind total vernichtet; sie bilden :cine ungeheure Schlammfläche. In Lieblos richtete das .'Wasser in den Hofreiten und Gärten riesigen Schaden an, in einigen Straßen liegt der Schlamm fußhoch, in den -Ställen steht das Wasser heute noch hoch. Holz und Wirt- Ichaftsgeräte wurden durch die Straßen geschwemmt. In einem noch fast neuen Hause ist die Decke eingestürzt. ^Gleich trostlos sieht es aus den Feldern und in den Gärten iber Gemarkung Roth aus. In Gelnhausen schwemmte das Wasser die Decklage des Pflasters hinweg, und in dem Bahnsteig-Tunnel stieg das Wasser bis zu 60 Zentimeter Höhe, so daß die Reisenden über die Schienengeleise gehen mußten. Bei Diebach am Harz geriet ein mit zwei Pferden bespanntes Fuhrwerk von der hoch überschwemmten 'Straße in den Straßengraben. Es gelang einigen, bis an ;bie Brust in das Wasser gehenden Männern, die Pferde ab- .zuschirren und sie vor dem sicheren Tode zu retten.
4- Mittel-.Gründau, 30. Mai. Wie schon kurz .mitgeteilt wurde, ging am Montag, 29. l. Mts., in unserer -Gegend ein furchtbares Gewitter nieder, das großen Schaden anrichtete. Von 3y2 Uhr mittags bis 8 Uhr abends ■regnete es ununterbrochen, so daß die ganze Gegend bald einem großen See glich. Die Wassermengen stürzten von allen Seiten in unseren Ort, so daß hier die größte Gefahr vorhanden war. Zwei steinerne Brücken wurden zum Teil weggerissen. In den Dorfstraßen stand das Wasser über 2 Meter hoch. Mauern, 'Zäune und Bauholz ^wurden weg- geschwemmt. Die Gärten und Höfe wurden überspült und mit einer dicken Schlammlchicht überdeckt. Auch in den Gebäuden richtete das Anwetter großen Schaden an. Mit Lebensgefahr entriß man dem verheerenden Element Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine. Viele davon sind trotzdem umgekommen. So konnte man heute in einem Stalle noch -eine Kuh, drei Ziegen und einige Schweine tot vorfinden. Wis in die Wohnungen drangen die Fluten. In einem Hause, in dem fünf arme Familien wohnten, stand das Wasser 1,60 Meter hoch. Die Leute im untersten Stockwerk slüchteten in die oberen, während die ganze Habe vom Wasser mitgenommen wurde. Von einer Scheuer wurde die Vorder- und Rückwand mit fortgerissen. Aus den Höfen wurden Holz, Bretter, Stangen, Körbe, 'Fässer, ganze Magen u. dergl. fortgeschwemmt, die man heute draußen auf den Wiesen und Feldern zerstreut wieder findet. Die ganze Ernte ist vernichtet; dazu kommt noch, daß es den Leuten am notwendigsten fehlt. Keine Kartoffel, kein Mehl, kein Heu und Stroh ist zu finden — alles gleicht ■einer großen Wüstenei. — Heute morgen besuchte Kreisrat Boeckmann die heimgesuchte Gemeinde und sorgte für die notwendigsten Aufräumungsarbeiten. Er versprach dafür Sorge tragen zu wollen, daß eine 50 Mann starke Militär- lavteilung zur Hilfe entsandt werde.
O Lorbach, 29. 2)iai. Gestern nachmittag ging hier und in der Umgegend ein schweres Gewitter nieder, das .stundenlang anhielt und bedeutenden Schaden anrichtete. In kurzer Zeit trat der Bach über seine Ufer, viele Keller standen ^meterhoch im Wasser, einzelne tiefer gelegenen Ställe mußten (geräumt werden. Der Blitz schlug in den Turm des hie-, stgen Schulhauses ein, ohne jedoch ernstlichen Schaden anzurichten. Schlimmer noch hauste das Wetter im Fallbachtale bei Vonhausen und Diebach, wo es strichweise auch noch von Hagel begleitet war. Die überschwemmte Brücke über den Fallbach unterhalb Herrnhaag konnte der gewaltigen Wassermassen wegen längere Zeit nicht passiert werden. Ein Branntweinfuhrwerk aus der Wetterau entging hier nur durch die Hilfe herbeieilender Bauern dem sicheren Verderben in den Fluten. In Diebach schlug der Blitz in das Wohnhaus des Fr. Gerth ein.
ch. Bingen, 30. Mai. Ein schweres Gewitter ging heute abend zwischen 6 und 7 Uhr in unserer Gegend nieder. In der Gegend von Büdesheim und Dietersheim hagelte es dabei stark. Angeblich ist recht erheblicher Schaden an den Obstbäumen infolgedessen entstanden. Ein wolkenbruchartiger Regen überschwemmte die Straßen, dabei bornierte und blitzte es unaufhörlich. Das Gewitter hatte allerdings bald ausgetobt und am Abend war es wieder warm wie zuvor.
△ Hochelheim, 30. Mai. Ein schweres Gewitter ging gestern abend in unserer Gegend nieder. Hier ■schlug der Blitz in das Anwesen des Bahnbediensteten Faber rund zündete. Scheuer und Stallung verbrannten
und eine Kuh wurde vom Blitz getötet. Bei Lützellinden schlug der Blitz in einen Baum.
Die Ernte in Baden vernichtet.
Mannheim, 30. Mai. Gestern nachmittag um 4 Uhr ging in den Gemeinden Seckenheim, Friedrichsfeld und Neckarhausen ein Gewitter mit furchtbarem Hagel schlag nieder, der die ganze Ernte mit einem Schlage vernichtete. In der Seckenheimer und Friedrichsfelder Gemarkung hagelte es ununterbrochen eine halbe Stunde lang. Die blühenden Fluren wurden in eine völlige Winter- lanoschaft verwandelt: 10 bis 20 Zentimeter hoch lagen die Eis stücke, die die Größe von Taubeneiern hatten. Die Frucht ist vollständig zusammengeschlagen, die Obstbäume stehen entlaubt da. Heute morgen lagen die Hagelkörner noch haufenweise umher. In Se ck e n h e i m schlug der Blitz in das Haus eines Landwirts, ohne jedoch zu zünden; ein Knabe fiel vor Schrecken zu Boden, war aber nicht vom Blitz getroffen worden. In Seckenheim und Friedrichsfeld wird der durch das Unwetter angerichtete Schaden auf 50- bis 60 000 Mk. geschätzt. Der größte Teil der Landwirte ist glücklicherweise versichert. Das Gewitter war von einem wölken bruchartig en Regen begleitet, der in Feldern und Gärten die Erbe wegschwemmte unb bie Keller mit Wasser füllte. VielGeflügelwurbe getötet. Die Singvögel liegen zu Hunderten in den Gärten und Feldern. Durch den Sturm, von dem das Unwetter begleitet war, wurden viele Dächer ab ged eckt unb viele Fensterscheiben zertrümmert. In Grün selb wurde eine Mühle eingerissen. Der Besitzer unb drei weitere Personen sind ertrunken. In Hei- mar in Baden wurden sechs Häuser von der Flut weggerissen; 12 Personen, darunter eine ganze Familie, sind ertrunken.
D u r l a ch , 30. Mai. Die 48 Jahre alte Ehefrau Luise des Landwirts Klenert wurde nebst ihrer 16jährigen Tochter Berta am Montag abend während eines schweren Gewitters auf freiem Felde vom Blitz erschlagen. Aus den übrigen Reichsgebieten.
Guben, 30. Mai. Schwere .Hagelwetter gingen im Kreise Lebus nieder. Felber und Gärten sind gänzlich verwüstet. Aus der Domäne Lebus brannte ein Vieh stall mit 300 Schafen nieder. In Mürbenfelbe wurde der Gutsschäfer mit 10 Schafen vom Blitze erschlagen.
Bonn, 30. Mai. Schwere Gewitter sind gestern und heute wieder hier und in der weiteren Umgebung niedergegangen, die teilweise mit Hagel und wollenbruchartigem Regen verbunden waren und beträchtlichen Schaden angerichtet haben. Besonders heftige Gewitter entluden sich über Godesberg und dem Siebengebirge. Durch Hagelschlag haben besonders die Segendorser und die Altwieder Gemarkungen gelitten.
Berlin, 30. Mai. lieber das Unwetter im Tauberge biet wird dem „Lokalanzeiger" noch gemeldet, in weiten Kreisen sei die Ernte rolluänDig vernichtet. Die in Grünsfeld ertrunkenen Personen kamen bei dem Einsturz ihrer Häuser um, die von dem rasend baheritürzendcn Wasser weggeschwemmt wurden. In Pa im ar sind auch 200 Stück Rindvieh den Fluten zum Opfer gefallen. In Gamburg an der Tauber wurde eine Brücke und 200 Stück Vieh weggeschwemmt.
Aus StcrSt und Lund.
Gießen, 31. Mai 1911.
Verkausstag der Großherzogin.
Der am 13. Juni hier in Steins Garten ftattfinbenbe Verkaufstag der Großherzogin ist die 4. Veranstaltung dieser Art in Hessen, deren Ertrag unterstützungsbedürftigen Lungenleidenden gilt, für die von Krankenkassen, .Versicherungsanstalten usw. zurzeit noch nicht gesorgt ist. Wer die unendliche Not kennt und das Elend, bas meist unver- schulbet bei vielen dieser Kranken eingekehrt ist, kann es nur mit freudigem Dank begrüßen, baß unsere Großherzogin sich wiederholt in ben Dienst ber Sache stellt unb baburd) ben weitesten Kreisen ein leuchtenbes Vorbild gibt im Dienste ebelster Menschlichkeit zur Linberung ber Not jener armen Kranken tätig zu fein. Die großen Mühen, die sich bie Herrschaften durch biefe Veranstaltung auf erlegen, werden am Pesten durch eine rege Beteiligung am Verkaufstage anerkannt. Der Eintrittspreis zum Verkaufstag ist, um allen Kreisen ber Bevölkerung ben Besuch zu ermöglichen, auf 1 Mark festgesetzt; unb ber Verkauf ber Gegenstände so billig als möglich angeorbnet worben. Es wird Gelegenheit geboten sein, für geringes Gelb eine wertvolle Kunstfache ober einen praktischen Gegenstand zu erwerben, die gleichzeitig dauernd ein Anbeuten an bie Feier bilden werben. Mit der Ausgabe ber Eintrittskarten wurde bereits begonnen. Es wirb gebeten, von bem Vorverkauf recht zahlreich Gebrauch zu machen, bamit am Verkaufstag selbst ber Andrang zu ben beiben Kassen möglichst erleichtert wirb. Die Vvrverkaufsstellen werben auf ben Plakaten bekanntgegeben.
Tageskalender tür Mittwoch, 31. Mai: Konzert- Verein. 2. Chorabend: Die Glocken des Straßburger Münsters, Lieder für Sopran, La vita nuova. Abends 7 Uhr im Stadtlheater.
*• Argentinischer Konsul. Der zum argentinischen Generalkonsul für das Deutsche Reich mit dem Amtssitze in Hamburg ernannte General Francisco Reynolds, dem das ReichSexequatur erteilt wurde, ist zur Ausübung konsularischer Verrichtungen in Hessen zugelassen worden.
"Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu bo setzende Schulstelle zu Traisa.
** Hof dienst. Der Großherzog hat ben Hofküfer Aug. Heilmann zum Hofkellermeister ernannt.
•• Kaserne unt> Wurstküche. Die ehemalige Kaserne auf dem Hintergelände am Seltersweg, die zuletzt als Bezirkskommando diente, wird jetzt vom Metzgermeister Meister als Wurstküche umgebaut. Der hessische Staat hat das Anwesen an Meister für 30 Mk. für den qm verkauft und dabei das Gebäude dem Käufer nicht berechnet.
Landkreis Gießen.
:/: Heuchelheim, 30. Mai. Ein schweres Gewitter zog gestern abend über unser Dorf. Der Blitz schlug in eine Scheuer ein, verursachte aber glücklicherweise keinen Brano. Das elektrische Licht im Haus, das durch eine Leitung mit der Scheuer in Verbindung steht, versagte, da die Sicherung gut funktionierte und bie Leitung so unterbrochen würbe. Außerbem soll ber Blitz auch noch in einen Baum eingeschlagen haben. — Der Gesangverein Germania machte am Sonntag seinen wegen bes schlechten Wetters verschobenen Ausflug in ben Vogelsberg. Unter ber Führung ihres Dirigenten Lehrer Wolf- schm i b t wanberten bie Sänger von Schotten über bas Lehrerheim, Busenbvrn, Bilstein, Hoherobskopf, Taufstein, Breungeshain, Michelbach zurück nach Schotten.
Kreis Büdingen.
= Bübingen, 30. Mai. (Schöffengerichtssitzung am 29. Mai.) Der Schweinehändler F. W. Sch. aus Kilianstädten
ist angcklagt wegen Bichseuchevergehens und wird deshalb zu 3 Tagen Gefängnis unb in die Kosten des Verfahrens verurteil! — Die Dienstmagd F. E. aus Bergheim,, zurzeit in Düdelsheim, hat gegen einen amtsrichterlichen Strafbefehl wegen Uebertretur.ct der Gesinde-Ordnung Einspruch eingelegt.. Sie wurde, als nid-r hinreichend überführt, von Strafe unb Kosten freigesprochen. Tic Kosten fallen der Staatskasse zur Last. — Der Schäfer K. K. aus Sonderhofen, zurzeit in Hopfgarten bei Alsfeld, wirb wegen Viehseuchevergchens in eine Gefängnisstrafe von einer Wocbe und in die Kosten bes Verfahrens verurteilt. — Der Hafner I. H. unb der Silberschleifer Ph. H., beide, von Langenselbold, hatten gegen die amtsrichterlichen Strafbefehle wegen Ruhestörung, groben Unfugs, unerlaubten Schießens Einspruch eingelegt. .PH. H. wurde als nicht hinreichend überführt sreige- sprachen unb I. H. wegen unerlaubten Schießens in eine Geldstrafe von 10 Mark, bie im Uneinbringlichkeitsfalle,mit 3 Tagen Hast zu verbüßen ist, verurteilt und mit ben, Kosten des Verfahrens belastet, insoweit sie nicht ber Staatskasse zur Last fallen. — Der Dienstknecht K. H. M. in Neu-Wiebcrmus ist wegen Körperverletzung angeklagt. Er erhält eine Geldstrafe von 3 Mark evtl. 1 Tag Gefängnis. — Der Taglöhner I. I. IV. von Eckartshausen ist angeklagt wegen Forstbiebstahls. Er ist nicht erschienen. Auf Antrag ber Staatsanwaltschaft wurde bie Haupt Verhandlung ausgesetzt unb neuer Termin auf ben 12. Ium bestimmt unb die Vorführung des Angellagten angeorbnet. — Tie Ehefrau G. Pf. in Mittelgrünbau wird wegen Forltbiebsiahls zu einer Gelbstrafe von 3 Mark, bie im Uneinbringlichkeitsfallc mit 1 Tag Gefängnis zu verbüßen ist, verurteilt. — Ter Hui schmied A. H. aus Unterhambach, zurzeit hier in Untersuchungshaft, erhält wegen Bettelns eine Woche Haft. Auch wirb erEannt, daß ber Angeklagte nach verbüßter ©träfe ber Landespolizei- behörbe zu überweisen lei. — Der Gastwirt H. I. von Bübingen hatte gegen brei verschiedene Strafbefehle wegen Uebcr- tretung ber Polizeistunde Einspruch eingelegt. In einer Sache nahm er seinen Einspruch zurück unb wurde mit den weiter entstandenen Kosten des Verfahrens belastet. Wegen einem weiteren Falle wurde er nach erfolgter Beweisaufnahme in eine Geldstrafe von 1 Mark, evtl. 1 Tag Haft, und zur Kosten- tragung verurteilt unb wegen eines dritten Falles wurde er freigesprochen. — Die Privatklage der M. L. von Wolf gegen die Witwe I. Z. unb bie Ehefrau K. N. daselbst wegen Beleidigung wurde durch Vergleich erledigt.
— Boden hausen, 30. Mai. Der hiesige Gesangverein „Frohsinn" begeht am 25. und 26. Juni das Fest ber Fahnenweihe. Da sich etwa 25 Vereine des „Nidder- Seemental-Sängerbundes" zum Feste einsinden, dürfte e§ ziemlich groß werden.
Kreis Lauterbach.
^Lauterbach, 30. Mai. Die Familie bes Malers unb Lackierers Jäger hier, Vater, Mutter unb 5 Kinder, erkrankte vor einigen Tagen plötzlich an schweren Vergiftungserscheinungen, bie vermutlich auf ben Genuß von grünem Salat, ber nicht lange vorher mit Chili - salpeter gebüngt war, zurückzuführen ist. Auch ivirb angenommen, baß als Ursache ber Vergiftung ber Genuß von verdorbenem Fleisch in Betracht kommen kann. Der anfangs schwer erkrankten Familie geht es jetzt Verhältnis mäßig besser, so baß Lebensgefahr nicht mehr vorhanden ist. Der älteste Sohn blieb von bem liebel verschont,
Kreis Friedberg.
L. Bad-Nauheim, 30. Mai. Heute nachmittag besuchte der zur Firmung hier weilende Bischof von Mainz Dr. Kirstcin zu Fuß das erst seit Frühjahr bestehende Kettelerheim hier. Das Haus trug reichen Guirlanden- und Fahnenschmuck in den hessischen und päpstlichen Farben. Das Haus ist gut besetzt. Zum Andenken an den Freiherrn v. Ketteler, der in der Mitte des vorigen Jahrhunderts Bischof von Mainz war, hat der Ketteler-Verein Deutschlands dieses Krankenheim erworben.
Starkenburg und Rheinhessen«
w. Darmstadt, 30. Mai. Heute wurde hier ein Landesverband Hessen des deutschen Frauen- Vereins vom Roten Kreuz für die Kolonien gegründet. Den Ehrenvorsitz übernahm die Großherzogin.
rm. Darmstadt, 30. Mai. Ein Hessischer Photo- graphen-Bund wurde heute hier gegründet. Hierzu waren außer zahlreichen Berufsgenossen aus ganz Hessen als Vertreter der Hessischen Handwerkskammer Syndikus Engelbach jotoic bie Vorsitzenden Stadelmann des Württembergischen und Kögel des Badischen Pholographenbundes erschienen. Syndikus Engewam machte Mitteilungen über die Organisation des Handwerks unb die damit im Interesse des Gedeihens der einzelnen Stande liegenden Vorteile. Nach Art. 7 der Gewerbe-Ordnung gehöre die Photographie trotz ihrer hervorragenden kunstgewerblichen Tätigkeit zum Handwerk. Der Redner hält nach eigener Ueberzeugung den Zusammenschluß in einer Innung für den vorteilhaftesten Weg, wegen des aber unter vielen Berufsständen nock herrschenden Vorurteils hält er aber zunächst auch die Bildung einer Fachvereinigung für ausreichend, die sich bann dem deutschen Zentralverband anschließen müsse, dann werden die beruflichen Interessen durch Bekämpfung der Schäden und Auswüchse innerhalb des Landes sowohl wie bei den Reichsbehorben am besten gewahrt. Stadelmann-Stuttgatt verbreitet: |ur über die durch die wachsenden Auswüchse immer schlechter werdeudc wirtschaftliche Lage der Photographen, geht bann auf bie burct Verbände bisher erzielten Erfolge ein, weist auf die große Maw- der Gehilfenverbände, der Arbeiter-Organisationen unb der mächtigen kapitalkräftigen Jnteressenorganisationen hm, denen gegen über man nur durch engsten Zusammen,chluß exntenztahig bleiber könne. Der Redner geht bann auf die Einrichtung des Zentral verbandes ein, der 21 Vereine mit 2000 Mitglieder z-ahle^ weil- auf die Vorteile des gemeinsamen Einkaufs, au, die Verbanos- Darlehens- und Unterl'tützungskasse, bie Stellenvermittelung, du, Rechtsauskunftstelle und auf die in Aussicht stehende Gründung emer Sterbekasse, einer Kauf- und Tausch-Zentrale, die ErittÄrnn^ der Sonntagsruhe usw. hin. Nach lebhastem Beifall wird di. Gründung emes „Hessischen Photographenbundes" einstimmig oc- schlossen und als 1. Vorsitzender H. Schramm^Darm,tadt, 2. Boi- sitzender Stein-Worms, als Schriftführer Fraatz-Darmstadt, ab. Kassierer Blumberg-Worms gewählt. Zu Beisitzern wurden stimmt Gerlach und Strubb-Mainz, Busch und Klauer n. Offenbach, Beckmann in Alzey, Zimmer-Gi eßenEnslmgcr- Darmstadt und Holzl-äuser-Michelstadt. Man be,chwtz, stch dev Zentralverband der Deutfcheii Photographen in Bertin anzu schließen. Dis nächste Versammlung soll am 17. Juni in Main, stattfinden. , . r - ,
d. Mainz, 30. Mai. Es wurde berichtet, daß eine hiesige Familie durch Genuß von Konserven eine schwere Vergiftung sich zugezogen und daß ein Familienmitglied im Rochus- Hospital hätte aufgenommen werden müssen. Die Vergiftnngs^ affäre hat sich jetzt aufgeklärt: die Familie hatte kalte-. Kalbfleisch, das vom Tage vorher stammte und durch du Hitze etwas übergegangen war, genossen und bekam dadurch Durchfall und Magenverstimmung. Der zugczogen: Arzt erkannte die Krankheit sofort und auch ihre Ursache un ließ die Familie, die wiederhergestellt ist, darüber nicht un Zweifel. Ins Krankenhaus war keines der Familienmitglleoec gekommen.
Kreis Wetzlar. .
^.Wetzlar, 30. Mai. Der Kreisausschuß beschloß den Lehrern Drescher-Hochelheim und Jäger-Krof or für ihre Leistungen auf dem Gebiete des Fortbildung J


