das jungtürkische Komitee auf die Ausweisung der Italiener aus der Türkei bestehe, worüber die Pforte die Entscheidung jedoch aussetze.
Der „'Sanin" meldet, der Ministerrat traf eine Ent- scheidung, die die Wahrung der nationalen Ehre s i ch e r st e l l t.
Nach der Liste des neuen Kabinetts', die dem Sultan zur Genehmigung unterbreitet wurde, wird der frühere Kadi von Jahia, Scheik ul Islam, der Botschafter in Wien, Mustapha Reschid Pascha, erhält das Portefeuille des Aeußeren, der Walt von Adrianopel, Dschelal, das des Innern, der Vakufminister erhält das Portefeuille der Justiz und behält vorläufig das Bakus bei, der Rechtsbeirat des Ackerbauministeriums, Sinapiam, übernimmt das Porto feuille des Ackerbaus und der erste Adjutant des Sultans, General der Artillerie, Hörscheid, das Portefeuille der Marine. Die Minister des Kriegs, der Finanzen, des Unterrichts, der Bauten und der Kunst behalten ihre Porte feuilles.
Der türkische Widerstand.
Saloniki, 4. Okt. Dem hiesigen jungtürkischen Komitee telegraphiert das Komitee in Ben- Cha si, daß die Mohammedaner beschlossen hätten, die Provinz bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen.
Wie aus P r e v e s a berichtet wird, erschienen abermals italienische Kriegsschiffe vor Prevesa. Sie gaben Salven ab, ohne den Hafen anzugreifen und verschwanden wieder. Das Vorgehen wird als Kundgebung ausgelegt.
Die Regierung verbot den Verkauf von Kohlen und allen Artikeln für den Schiffsbedarf an fremde Schiffe und fremde Staatsangehörige.
Der stellvertretende Gouverneur von Tripolis meldete, daß die Kabel in der Nacht vom 30. September zum 1. Oktober nicht abgeschnitten wurden und daß der telegraphische Verkehr auf den Landlinien aufrecht erhalten worden sei.
S f a x, 4. Okt. Agence Havas. Der türkische Militär- Attache Ali Fethi Pascha und mehrere Offiziere und Aerzte der türkischen Armee beabsichtigten, Tripolis zu erreichen. Sie gingen in Gabös an Land und versuchten im Automobil die Grenze zu überschreiten. IN Ben-Guerdan weigerten sich die Militärbehörden, sie über die Grenze zu lassen. Sie begaben sich nach Sfax zurück, um Instruktionen abzuwarten.
Friedensverhandlungen?
Berlin, 5. Okt. Das „Berl. Tagcbl." meldet aus Konstantinopel: Der deutsche, russische und der englische Botschafter, sowie der serbische und der rumänische Gesandte statteten gestern nachmittag auf der Pforte einen Besuch ab. Die Botschafter erklärten, daß die Großmächte bereit seien, falls >die Türkei mit Italien in Verhandlungen eintreten wolle, ihre guten Dienste zur Verfügung zu stellen.
Tie neutralen Mächte und die Türkei scheinen den Versicherungen Italiens, die Ruhe des Balkan zu respektieren, nicht zu glauben. Dem Berliner „Lokatanzeiger" vom Donnerstag morgen wird aus Wien depeschiert: Der Wiener türkische Botschafter erschien heute am 4. Oktober bei Freiherrn v. Achrenthal und gab den Befürchtungen Ausdruck, daß Italien tatsächlich die Landung größerer Truppenmengen in Albanien beabsichtige, da nach vertraulichen Informationen der Pforte &u diesem Zweck Druppenein schiff un gen an der adriatischen Küste Italiens stattfänden. Der Botschafter fragte, ob Oesterreich, wenn sich diese Befürchtungen bewahrheiten sollten, auf seinem nach der Kriegserklärung abgegebenen Standpunkt auch heute beharre.
Griechenlands Vorbereitungen.
Berlin, 5. Okt. Die „Tägliche Rundschau" meldet aus Athen: Die griechische Regierung behält die Reservisten des Jahrganges 3904 unter den Waffen und hat die int Juni d. I. zur Reserve übergegangenen Truppen wieder einberufen.
Mobilisierung Rumäniens.
Wien, 5. Okt. Aus Bukarest sind hier Nachrichten ein- getrofsen, daß die rumänische Regierung umfassende Maßnahmen getroffen habe, um die Armee rasch mobilisieren zu! können. Andererseits hat aber das russische Kabinett, einer Wiener Meldung der „Bossischeu Zeitung" zufolge, in Athen mitgeteilt, daß sich Griechenland wegen etwaiger Truppenbewegungen an der griechischen Grenze nicht zu beunruhigen brauche.
Die Haltung Rußlands.
Der Berliner „Lokalanzeiger" meldet aus Odessa: Eine Abteilung des Sch w ar z em e erg es ch wad ers ist nach der anatolischen Küste des Schwarzen Meeres abgegangen. Hier fand eine wichtige Beratung statt, die im Zusammenhang mit der auswärtigen Lage stand.
Die russische Flotte soll in der Nähe des Bosporus gesichtet worden sein.
Der serbische Geschäftsträger überreichte nach einer Meldung aus Konstantinopel der Pforte die Neutralitätserklärung, die besagt, daß Serbien die freundschaftliche Politik, weuhe es bisher der Türkei gegenüber befolgte und während der Ereignisse in Albanien bewies, wabren und nichts unternehmen werde, was die innere Ruhe der Türkei gefährden könnte. Serbien hofft, daß die anderen Balkanstaaten dieselbe Haltung einnehmen und daß der Friede auf dem Balkan nicht gestört werde.
Benghasi bombardiert?
Paris, '4. Okt. Heute abend hier eingetroffene Depeschen berichten, daß die Stadt Benghasi von den Italienern bombardiert wird.
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Eine amtliche Mahnung an den Herzog der Abruzzen.
Berlin, 4. Okt. Die Nachricht von einer erneuten Beschießung des Hafens von Prevesa ist, wie von zuständiger italienischer Stelle mitgeteilt wird, unzutreffend. Der Herzog der Abruzzen erhielt gestern von zwei verschiedenen radiotelegrapbischen Stationen an5 und überdies durch ein eigeits entsanotes italienisches Torpedoboot die bestimmte Weisung, jede Beschießung zu unterlassen. Es steht fest, daß diese Weisung den Herzog recht- zertia erreichte.
Trotz dieser halbamtlichen Erklärung der Ageneia Ste- fani beharren Meldungen aus türkischen und griechifchen Quellen dabei, daß die italienischen Schiffe nach wie vor mit neuen Angriffen auf die albanische Küste drohen.
Dem „Berl. Lokalanz." vom Donnerstag morgen wird aus Konstantinopel gedrahtet: Der Landungsversuch der Italiener bei Prevesa wurde abgeschlagen. Die Italiener verloren 15 Mann.
Italienische Truppensendungeu.
Genua, 4. Okt. Der Dampfer „America" ist mit 1200 Soldaten und Kriegsvorräten an Bord in der Richtung auf, Sizilien in See gegangen. Eine un
geheure Menschenmenge jubelte den Abfährenden zu. Auch General T o m m a s i, der Kommandeur des hiesigen Armeekorps, war erschienen.
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Eine Rede des englischen Handetsministers.
Es liegt wieder einmal eine englische Ministerrede vor. Der Handelsminister Churchill spielt darin den Weltschulmeister und spielt auf Englands entscheidende Haltung bei der Marokkofrage an. Es klingt ein versteckter Triumph heraus. Um so scheinheiliger sind die Versicherungen, England habe sich nicht eingemischt und die Verständigung mit Frankreich nicht gehemmt.
London, 4. Okt. Minister Churchill erklärte gestern in einer Rede in Dundes: Der Anblick der europäischen Lage ist rauher und schrecklicher geworden als seit Jahren. Befriedigend ist, daß die zurückhaltenden Kräfte am stärksten sind bei den stärksten Nationen, und daß England, Deutschland und Frankreich gerade jene Mächte sind, denen es am schwersten fallen würde, den Frieden zu brechen. In der Zwischenzeit machten wir eine unruhige und kritische Zeit durch, die noch weit unruhiger und kritischer gewesen wäre, w e n n n i ch t die britische Flotte stark genug gewesen w ä r e, u m n n s die unbestrittene und zweifellose tatsächlich-e Herrschaftzu sichern. Der Streit zwischen Italien und der Türkei ist in ein Stadium getreten, wo leider Worte gegenwärtig unnütz sind. Was die marokkani^ s ch e n Schwierigkeiten betrifft, so kann die Politik Großbritanniens klar als Politik bezeichnet werden, die, wie Premierminister Asquith und Schatzsekretär Llohd George erklärten, eine vollkommen gerade und e h r- liche ist. Wir wünschen ernstlich, Frankreich und Deutschland zu einem Abkommen gelangen zu sehen, das für beide Teile befriedigend und vorteilhaft unb .für uns nicht nachteilig ist. Kein englischer Minister äußerte je öffentlich oder geheim eine Silbe, welche solch glücklichen Schluß verzögern oder hemmen könnte. Wir wünschen eine Erledigung zu sehen, welche die marokkanische Frage ein für allemal beendigt, und welche diese beiden großen Nationen, die der Menschheit unschätzbare Dienste geleistet haben, in die Lage setzen würde, zusammen- zuleben unter der Bedingung gegenseitiger Achtung. Das ist die einzige sichere Grundlage auf der der Friede Europas aufgebaut werden kann. Der Wunsch nach einem solchen Abkommen leitet die ganze Politik Greys.
Noch eine Stimme aus dem englischen Lager.
Der frühere Botschafter in Berlin, Sir Frank Lascelles, sprach auf einer Versammlung in Hanley mit ernstem Nachdruck über die Notwendigkeit, eine bessere Stimm un gHwischenEnglandundDeutschland au schaffen. Die jetzt bestehende Verstimmung zwischen bci- oen Völkern könnte die Ansicht entstehen lassen, daß man nicht eher ein gutes Einverständnis und herzliche Beziehungen erhoffen dürfe, bis die Stellung beider Völker endgültig durch einen Krieg festgelegt fei. Es liege kein Grund zu einem Zwist vor, es schwebe keine Frage, die sich nicht dazu eigne, durch Verhandlungen beigelegt zu werden. Er richte an^jede der beiden Nationen die Mahnung, dahin zu streben, bte andere besser kennen zu lernen.
Auch im Verlag von Dietrich Reimer ist eine gut brauchbare, farbige italienisch-türkische Kriegs- karte nebst Uebersichtskarte des Mittelländischen Meeres erschienen.
Aus Hessen.
Zur Landtagswahl in Gießen. Wie uns von zuverlässiger Seite aus Darmstadt gemeldet wird, sind die von den Gießener Nationalliberalen gemachten Einigungsvorschläge seitens der freisinnigen Landesparteileitung abgelehnt worden. Diese Vorschläge gingen dahin, das neugeschaffene dritte Mandat in Darmstadt den Freisinnigen, dagegen das hiesige zweite Mandat den Nationalliberalen zu überlassen.
Aus Stabt mtb Land.
(ließen, 5. Oktober 1911.
* Uebertragen wurde dem Rabbiner Dr. phil Js. Holzer zu Worms die Stelle eines Rabbiners des Rabbinates WormS mit dem Amtssitze in Worms.
• • Er,ledigt sind an der Volksschule zu Worms eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrer stelle, sowie zwei mit eoang. und zwei mit kath. Lehrerinnen zu besetzende Lehrerinstellen.
"Steuerpersonalien. Der Steueraufseher Stephan zu Friedberg wurde in den Ausseherbezirk Vilbel versetzt.
•* Ernst-Ludwig-Eleonoren-Kreuz. Wie im Regierungsblatt bekannt gegeben wird, hat der Großherzog unterrn 23. März 1910 zur Anerkennung hervorragender Verdienste auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege das Ernst-Ludwig-Eleonoren-Kreuz gestiftet. Das Kreuz wird solchen Personen zur Belohnung verliehen, die sich in hervorragender Weise um die Wohlfahrtspflege verdient gemacht haben und es kann dieses Kreuz jeder, sowohl Hesse als auch Nichthesse, erhalten, dessen Würdigkeit anerkannt ist und keinem Zweifel unterliegt. DaS Kreuz ist aus Silber hergestellt und trägt auf der Vorderseite das Brustbild des Großherzogs, sowie das der Großherzogin, auf der Rückseite ein allegorisches Herzschild, darum die Umschrift: „Für Verdienste in der Wohlfahrtspflege". Es wird an einer silbernen Spange neben oder unterhalb der Ordensschnalle getragen. Damen befestigen es an der linken Schulter.
” Stiftung. Bankier I. Grünewald in Gießen hat für Zwecke der Mutter- und Sänglingsfürsorge in Hessen 10000 Mk. gestiftet.
*' Stadttheater. Es sei darauf hingewiesen, daß e8 sich noch jetzt lohnt, Abonnements zu nehmen, da neu hinzutretende Slbonnentcn für die bereits verflossenen Abonne- mentZ.Vorstellungen kostenlos Gutscheine erhalten.
** Die natio nallib erale Partei hält heute abend im Groß Herzog von Hessen eine Vertrauensmännerund Mitgliederversammlung für Gießen und Wiescck ab, in der die Aufstellung des Kandidaten für die Landtagswahl erfolgen soll. (S. Inserat.)
Landkreis Gießen.
O Lich, 4. Okt. Verschiedene Gemeinden in der Nachbarschaft haben wegen der immer noch herrschenden Viehseuche und der allgemeinen Notlage auf die Kirch- weiyseier verzichtet, so Nieder- und Ober-Bessingen, Nonnennotst, Rötbaes it a-
Kreis Alsfeld.
-b- Alsfeld, 4. Okt. Ter israelitische Religionslehre^ Spier verließ heute nach 36jähriger segensreicher Arbeit unsere Stadt. Ein großer Teil der jüdischen Gemeinde be-1 gleitete ihn und seine Angehörigen an die Bahn.
B. K. Schwabenr od, 4. Okt. Ein schwerer Abschied. Mitten in den schönen Seemannsurlaub traf dieser Tage bei einem Matrosen eine telegraphische Abberufung ein. Sein Schiff sollte, wie man annahm, nach Tripolis abgehen. Die Mutter des „blauen Jungen", die schon bei der Marokko- frage um ihren Sohn besorgt war, war hierüber ganz trostlos. 'Auf dem Bahnhose in Alsfeld kam es zwischen Mutter und Sohn zu einer rührenden, herzergreifenden Abschiedsszene, die manchem Anwesenden als Bildnis über „Mutterliebe", auch „Scheiden" in Erinnerung bleiben möge.
Kreis Lauterbach.
~ Lautcrbach, 4. Okt. In letzter Zeit wurde von dem Zugpersonal der Nebenbahn Lauterbach-Stockheim wiederholt bemerkt, daß Steine auf die Schienen gelegt waren. Trotz eifriger Nachforschungen konnten aber die Täler nicht ermittelt werden. Obschon man nach den Umständen annehmen konnte, daß es sich nicht um. eine verbrecherische Abflcht, sondern um unbesonnene Bubenstreiche handeln dürfte, so waren doch die Züge gefährdet; und ein Unglück konnte hierdurch leicht herbeigeführt werden. Vor einigen Tagen glückte es endlich einem Streckenwärter, zwei der Täter auf frischer Tat zu erwischen. Es waren schulpflichtige Jungen, die in der Nähe des' Bahnhofs Lauterbach-Süd Steine von etwa 10 Zentimeter Stärke auf die Schienen legten. Wenn sich diele Jungen auch der Tragweite ihrer Handlungsweise nicht bewußt' sein dürften, so wäre eine exemplarische Strafe doch sehr am Platze. — Die Schlachtungen im hiesigen, Schlachthofe betrugen im dritten Kalendervierteljahr;' 1911: 556 Stück Großvieh, 384 Stück Kleinvieh und 2456 Schweine. Der größte Teil der geschlachteten Tiere gehört der hiesigen Wurstfabrik.
Kreis Schotten.
X Schotten, 4. Okt. Unter dem Vorsitze des Lehrers Dern-Offenbach tagte heute auf dem Lehrerheim bicj Hauptversammlung des Vereins „Lehrerheim Vogelsberg", die gut besucht war. Nach Be-i grüßung durch den Vorsitzenden, sowie durch den Obmann oes Bezirksvereins Schotten, Lehrer Karl L i n ck-Rudings-j Hain, erstattete Dern-Offenbach den Jahresbericht, 5er, ein erfreuliches Bild steter Vorwärtsentwickelung des Unternehmens bot. Außer der regelrechten Tilgung der Hypothekenschuld konnte die Schuld auf >Anteilscheine um 800 Mk. vermindert werden, so daß bei der hessischen Hypothekenbank jetzt noch 11 608,08 Mk.. auf Schuldscheinen noch 19 200 Mk. zu tilgen sind. Trotz der Rückzahlungen und der beträcht- lichen jährlichen Abschreibungen auf Mobilien und Immobilien vermehrte sich das Vereinsvermögen um 263,96 Mk. und der in Sparkassen angelegte Reservefonds für bauliche Reparaturen stieg um 364 Mk. Durch den Vertrieb von Backesbildern und Backespostkarten erwuchs dem Verein eine, Einnahme von mehr als 400 Mk. Der Mitgliederbestand hat sich im letzten Vereinsjahr um 127 vermehrt, und e4 steht zu erwarten, daß bei der außerordentlich regen Tätigkeit des Vorstandes und dem wachsenden Interesse, das Hessens Lehrerschaft für das Heim bekundet, das Unternehmen sich immer günstiger entwickelt. Die vor einigen | Jahren gebaute zweite Wasserleitung hat in diesem Sommer. Wasser im Ueberfluß geliefert. Die Anmeldungen zum Gesuch des Lehrerheims liefen in den Ferienmonaten so zahlreich ein, daß viele keine Berücksichtigung finden konnten. Trotzdem soll ans ftnanziellen Gründen zunächst von einer Erweiterung des Heims abgesehen werden. Doch wurden von der Versammlung Anträge auf kleinere bauliche Veränderungen angenommen. So wird zum Schutze gegen Witterungseinflusse die Wetterseite des Heims geschindelt. Bei der Vorstandswahl wurden König-Mainz, Dirlamm-, Nieder-Eschbach, Spieß-Rainrod und Dem-Offenbach wieder- gewählt, anstelle des nach Paris versetzten Lehrers Schaaf- Schotten wurde Lehrer Trinkans-Darmstadt neugewählt. Der Voranschlag für 1911/12 wurde mit 2900 Mk. gut geheißen. Ein Antrag, das Lehrerheim während der Weihnachtsferien offen zu halten, wurde auf ein Jahr zurück- gestellt. Die jetzige Pächterin, Frl. Berta Maul, die schon 12 Jahre den Wirtschaftsbetrieb in Händen hat, hat zum Bedauern aller Besucher gekündigt, und der Vorstand sieht sich darum vor die Frage gestellt, das Lehrerheim vom 1. April 1912 anderweitig zu verpachten. — Die Firma Jul. Bach in Gießen hat dem Heim eine Anzahl Wand- dekorierungen geschenkweise überlassen, die gelegentlich der Hauptversammlung ausgestellt waren und die als Wandschmuck für die Wände oer Fremdenzimmer dienen sollen.
-z. Sellnrod, 4. Sept. Das von der Chris ch ona- G em ein de hier erbaute neue Vereinshaus, das schönste Gebäude im Dorfe, soll nächsten Sonntag eingeweiht werden.
Kreis Friedberg.
O. Friedberg, 4. Okt. Wegen der Maul- und Klauenseuche, die bei einem schon gekauften Stück Rindvieh im Frankfurter Viehhof cmSgebrochen war, durften unsere, Metzger die gekauften Ochsen nicht nach Friedberg bringen. Sie mußten im Frankfurter Schlachthof geschlachtet und das Fleisch auf Wagen hierher gebracht werden.
xSteinfurth, 4.Ott. In voller Blütenpracht stehen gegenwärtig noch unsere Rosenkulturen — bei dem trüben Herbstwetter dieser Tage ein uugewöhnlicheü Anblick. Viele Rosen blühen in diesem Jahr zum zweiten und drittenmal. Neben dem Blumenversand beginnt jetzt auch schon das Verschicken von Ablegern und Steck' lingen.
Starkenburg und Nheinhessen.
R. B Darmstadt, 4. Okt. Der neue russische Gesandte am hessischen Hofe. Ministerresident Baron voü der Vliek, dessen Uebersiedeluug von Berlin hierher infolge des Streits der Möbeltransportarbeiter um mehrere Tage sich verzögerte, ist heute mittag vom Großherzog in besonderer Audienz empfangen worden. Im Anschluß daran fanb zu Ehren des Gesandten im hiesigen Residenzschloß eine Hof täfel statt, zu der Staatsminister Dr. Ewald, Minister des Innern v. Hombergk, die Generalität und die höchsten Hofchargen, sowie die hier akkreditierten Diplomaten Einladungen erhalten hatten.
Kleine Tageschronik.
Die Südpolarexpedition des Oberleutnants F i l 6* ner trat am Mittwoch von Buenos Aires aus, an Bord der „Deutschland" die Ausreise an.
In Saloniki breitet sich die Cholera weiter aus. Die italienischen Aerzte sind aus dem Sanitätsausschuß ausgeschlossen worden. Die Behörden entfernten die Leitung des italienischen« Hospitals; sie beabsichtigen, es als CbvlerabospÄal zu verwenden.'


