Nr. 254
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Erstes Blatt
M Jahrgang
Donnerstag, 5. Oktober (9U
SietzenerAMger
General-Anzeiger für Gberhessen
Rofationsbrud und Verlag der Brühl'fchen Univ.-Buch und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.
Büdingen: Zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a.
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Die heutige Nummer umtobt 10 Seiten.
Der italienisch-türkische Krieg.
Bom Kriegsschauplätze lammen heule feine überraschenden Meldungen. Die Stadt Tripoli? scheint, nachdem ihre Befestigungen von den Italienern unter Schonung der Häuser und Menschen beschossen worden sind, von den Türken geräumt und den Belagerern eingenommen worden zu sein. Die türkische Besatzung hat sich wahrschein- lich ins Innere des Landes begeben. Tie italienischen Meldungen lauten ziemlich bombastisch, besonders wenn gesagt lvird, daß hinter den feuernden Kriegsschiffen Torpedoboote kreuzten, um dem Geschwader den Rücken frei zu halten. Die türkische Flotte ist jedenfalls froh, daß fie in beit Dardanellen in Sicherheit ist. Eine neue Meldung der Konstantinopeler Blätter, wonach ein italienisches Schiff bei Hodeida ein türkisches Torpedoboot zerstörte, bestätigt offenbar nur die früher gemeldeten Vorgänge, nämlich die Verfolgung zweier türkischer Torpedoboote, von denen eines sich in Sicherheit bringen konnte. Was die Kämpfe bei Prevefa anlangt, so steht es fest, daß die Italiener dort entschieden zum Angriff übergegangen sind. Ter Evrriere della Sera erhielt ja von Tarent aus eine ausführliche Darstellung eines oer beteiligten italienischen Offiziere, des Kommandanten Bisearetti. Danach erhielt Bisearetti am Abend des 28. den Befehl, sich zu vergewissern, ob im Hafen von Prevefa noch feindliche Schiffe seien, und diese eventuell zu kapern. Bisearetti wandte sich daraufhin mit dem „Eorazziere" und dem „Artigliere" gegen Prevefa. Er entschlotz sich in der Stähe zu einer Rekognoszierung anLano , womit der Leutnant Panunti, der landes- tundig ist, betraut wurde. Danach dampfte Bisearetti mit seinen Schiffen vor Prevefa und eröffnete in sechs KilometerEntfernungdasFeuer. Die türkischen Schiffe wurden schnell so schwer beschädigt, daß sie das Feuer nicht erwidern konnten. Der Feind war völlig überrascht; auch die Forts von Prevefa feuerten nicht, weil sie wahrscheinlich nicht auf einen Angriff vorbereitet waren. Ter „Artigliere" blieb zur Rückendeckung drei Kilometer vom Hasen weg, während der „Eorazziere" allein einfuhr,, um eine im Hafen liegendeJacht zu nehmen. Die beiden feindlichen Torpedos waren schon gänzlich zerstört, eines war bereits untergegangen, das andere stand in Brand, um dann auch zu versinken. Rasch näherte sich der „Eorazziere" der Jacht, während am Ufer die aufgeregte Menge zufcch. Tie Jacht war von der Mannschaft verlassen. Tie Türken rafften sich schließlich noch zu einem Angriff auf; während nämlich der „Eorazziere" mit seiner Beute sich entfernte, begannen sie vom Ufer aus .Gewehrsalven abzugeben. Darauf wurden vom „Eorazziere" die Häuser bombardiert und als das feindliche Geweyrfeuer nicht aufhörte, auch die Menge beschossen, wodurch große Lücken in diese gerissen wurden, was eine allgemeine Flucht veranlaßte. Langsam drehte sich der „Eorazziere", immer noch unter dem Feuer, das aber keinen Schaden anrichtete. Zwischen Ein- und Ausfahrt waren noch nicht vierzig Minuten vergangen, dabei aber 76 Schüsse abgegeben worden.
Was danach von den amtlichen Beruhigungsnachrichten der Italiener zu halten ist, kann man sich denken. Vielleicht werden die italienischen Schiffe jetzt die albanische Küste in Ruhe lassen. Der türkische Botschafter in Wien scheint die geschilderten Vorgänge beim Grafen Aehrenthal zur Sprache gebracht zu haben. Vielleicht entschließt sich Oesterreich noch zu deutlicheren Warnungen. Tie Regierungen der kleinen Balkanländer versichern, eine nach der andern, ihre Neutralität und abwartende Haltung. Tie
Gietzener Stadttheater.
Tie Geschwister. — Die Neuvermählten.
Von Goethe. Von B j ö r n s o n.
Gießen, 5. Okt.
Obliegenheit und Neigung des jungen Tichters, die gesellschaftlichen Vergnügungen des weimarischen Hofes zu, beleben, mag Goethe veranlaßt haben, D i e G e f ch w i st e r zu schreiben, aber das kleine Merkchen ist ein getreues Spiegelbild feiner damaligen Herzensnot, die in Frau von Stein eine Schwester und zugleich eine Geliebte begehrte. Im schlichten, bürgerlichen Gewände des Kaufmannes Wilhelm tritt Goethe selbst an das Licht der Rampe, um seine schmerzvolle Liebe in gefühlvollen und leiden) chaftlichen Worten zu klagen und sie in seinem dichterischen Traum mit einer schönen Erfüllung zu krönen. Tern- gemäß ist der Wilhelm des Stückes, das mit Schärfe die Grenzen zwischen der bräutlichen und der schwesterlichen Liebe zeichnet, denn auch aufzufassen. Er ist ein gefühlvoller, weit über dem Durchschnitt stehender Mann, der — ein feiner Gegensatz—in geschäftlichen Tingen zwar bedachtsam und zuwartend, in seiner Liebe aber enipftndsam, stürmisch und von überquellender Leidenschaftlichkeit ist. Tie meisten Darsteller spielen ihn, wie das auch von Bulthaupt und anderen wiederholt beanstandet.wurde, viel zu saftlos und zu maßvoll. Tas tat auch Herr Karl Gerhart Schröder, üidem er jedenfalls den etwas allzu korrekten, bescheidenen bürgerlichen Ton der Zeit zu wahren suchte. Tas ist jedoch nicht Goethes Absicht gewesen und der Künstler, der, ihm folgen will, muß die höchste Leidenschaft mit einer gcmeh'enen Gebärdensprache vereinen. Im Sinne der durch nichts begründeten Bühnenüberlieferung — man denke nur an Charlotte — also Au jung und zu gebändigt, bot Herr Schröder eine achtbare Leistung. Fräulein Frieda de Bruyn wußte in der erheblich leichteren Rolle der Marianne ein starkes Gefühl und würdige Schlichtheit eindrucksvoll zu vereinen. Herr Marl Volck war als Fabrice vielleicht auch zu jung, aber von herzlichem, gewinnendem Wesen.
Aus das bedeutende Goethesche Jugendwerk, das die geringe Zahl der klassischen bürgerlichen Stücke um ein wertvolles bereichert, folgte Björnsons dramatische Plauderei über Die Neuvermählten. Geistreich und spöttisch schildert es in seiner technisch so rührend ungeschickten Form, die sich zu allen Erläuterungen langatmiger, feierlicher Reden bedient, wie ein junges
Lage kann sich aber jeden Tag ändern. Tie russische Schwarzetneerflotte soll schon in verdächtiger Nähe des türkischen Gebietes gesehen worden sein.
Said Pascha hat nach mühevollen Versuchen endlich ein neues Kabinett zufammengebracht, von dem man behauptet, das; cs englandfreundlich fei. Ter Wiener Bot- schaftcr aber, nicht, wie gestern noch vermutet wurde, der Londoner, soll die Leitung der auswärtigen Politik übernehmen. Ernstlichen Fricdensvcrhandlungen ist man auch heute noch nicht näher gekommen.
Ereignisse zur See.
Konstantinopel, 4. Okt. Tie Blätter melden: Ein italienisches Schiff zer st örte bei Hodeida ein türkisches Torpedoboot. Ter Torpedoboots- zcrstörer „Scheik-i-Schefket" fei nach Hodeida geflüchtet, von wo aus er und andere Kanonenboote gegen die italienischen Schiffe geschossen und sie angeblich beschädigt hätten.
Berlin, 4. Okt. Der „Lokalanz." meldet aus Konstantinopel : Ein italienischer Kreuzer hat im Roten Meere den kleinen Kreuzer „B e k i S ch c w k e t" verfolgt, der sich in einem Hasen in S i ch e r h e i t b r i n g e n konnte. — Aus Janina wird amtlich gemeldet: Gestern nachmittag um 2 Uhr erschien vor V a 1 o u a ein italienischer Kreuzer, der den Hafen absuchtc und weiterdampfte, ohne Anker zu werfen.
K o n ft a n t i n o p e l, 4. O Et. Aus Tripolis wird gemeldet: T,'s als Küstenschiff dienende Kanonenboot „Seja-d i-T e r i a h" wurde von der Besatzung versenkt, damit es den Italienern nicht in die Hände falle. — Eine amtliche Note widerspricht der voil italienischer Seite auf- gestellten Behauptung, die Türkei beabsichtige, Vorstöße gegen die italienische Küste zu unternehmen.
Nom, 4. Okt. Tas Marineministerium erließ für die Kommandanten der Hafenplätze folgende Anordnungen: Ten im Augenblick der Kriegserklärung im Hafen liegenden oder in Unkenntnis der Kriegserklärung eingelaufenen t ii r l i s ch e n Schiffen ist eine sichere Rückkehr in die Heimat zu ermöglichen, die übrigen tür- tischen Schiffe find zu kapern, den türkischen Schiffen, die die Fahrt gezwungenermaßen unterbrachen, ist die für eine sichere Weiterfahrt erforderliche Zeit zu gewähren und über die auf den beschlagnahmten Schiffen gefundenen Waren neutraler Mächte fino besondere Instruktionen beim Marine- ministerium einzuhölcn.
K o n st an t c n op el, 4. Okt. Ter Mali von Janina meldet, in der vergangenen Nacht ist ein italienisches Schiff im Hafen von Aolona erschienen und hat sich bald wieder entfernt. Wie die Blätter berichten, erhielt die Pforte gestern ein Telegramm aus Tripolis, das den Beginn der m oieser Jahreszeit üblichen Stürme meldet. Man glaube daher, die Italiener würden zur See die Operationen beschleunigen. Zur Verteidigung von Tripolis seien alle Vorkehrungen getroffen.
Vizeadmiral Aubry hat einen Tagesbefehl erlassen, in dem die Tapferkeit und Kaltblütigkeit des Marine- leutnants O l g en i, der in der Nacht vom 27. zum 28. September im Bereich der feindlichen Batterien auf einer Schaluppe des Linienschiffs „Roma" eine Erkundung des inneren Hafens von Tripolis vornahm und der Mut seiner Mannschaften rühmend hervorgehoben wird.
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Die Beschießung des Forts von Tripolis.
Rom, 4. Ott. (Agericia Stefani.) Vizeadmiral Farave l l i telegraphierte gestern abend um 7 Uhr 45 an Bord des Panzerschiffes „Benedetto Brin": Um 3i/2 Uhr nachmittags begann d i e Beschießung der Haupt-
Weib infolge der elterlichen Verzärtelung erst dann den rechten Weg zu ihrem Manne findet, als er sie gegen den Willen aller von ihrer Familie losgelöst hat. Björnson geht dabei dem Problem artig aus dem Weg, aber er sagt so viel treffliche, erbauliche Worte, er schildert feine Menschen mit so innigem, luftigem Behagen, daß man eine wahre Freude daran hat. Herr V o l ck, in der Maske des Tichters, und Fräulein Scholz als besorgtes Elternpaar, verstanden es beide, treuherzige, fern vom Leben stehende Menschen zu schaffen, die kraftvoll beseelt waren und durch kleine, kaum merkliche Gesten überraschend natürlich schienen. Fräulein Emma M ü h l p f o r t h — wie man mir sagte, eine ganz junge Anfängerin — bewies warmes Theaterblut und lebendiges Erfassen. Sprechweise und Geste wirken ungezwungen und klar, so daß ihre Laura ein allerliebstes verzogenes Kind war, das zwar im einzelnen noch manches unfertige bewies, aber im ganzen einen sehr guten ersten Eindruck machte. Herr John Rappe- por t war mir als widerspenstiger Gatte und Schwiegersohn etwas zu sanft, vielleicht aus der Erwägung heraus, daß die Umwelt schon auf ihn abgefärbt habe. Tas ist berechtigt, aber nur zu einem Teil und m dem Augenblick, wo es in ihm aufflammt, muß sich seine Unerschütterlichkeit und seine Entichlosfenheit in jedem einzelnen Zug äußern. Herr Rappeport ließ diese Regungen nicht außer acht, aber er dämpfte sie, obwohl Axel selbst einmal sagt, daß er im Verkehr mit seinen Kommilitonen nicht gerade zartfühlender geworden sei. Meta de la Chapelle war eine liebevolle Mathilde. Tie Regie des Herrn Direktors Steingoetter hatte mit den z. T. doch neu zusammengesetzten Kräften in beiden Stücken ein tadelloses Zusammenspiel herausgebracht, das. voll lebenbiger Bewegung war. K. N.
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ff. E i n unveröffentlichtes Werk von Oskar Wilde erscheint in diesen Tagen im Verlage des „Mercure de France" in Paris. Es führt den Titel „Die heilige Buhlerin" und hat, roie_ berichtet wird, eine seltsame Vorgeschichte. Eines Tages ließ Wilde, als er in einer Droschke durch Paris fuhr, in dem Wagen ein Manuskript liegen, das er nicht wieder fand. Dieses Manuskript war das bes Buches, das jetzt vor die Oeffentlichkeit tritt. Ter Gegenstand dieser Wildeschen Dichtung berührt sich mit Flauberts berühmten sJtomane „Tie Versuchung des heiligen Antonius". Eine als Probe bekannt gemachte «zene schildert, wie der Christum bekennende Honorius zu der Buhlerin Myrrhina kommt und von chr unter Hinweis
battericn und wurde bis Sonnenuntergang fortgesetzt. Tie Beschießung werde heute wieder aufgenommen, um die Batterien vollständig zu zerstören. Mau wandte mäljrenb der Beschießung die größte Sorgfalt an, um eine Beschädigung der Stadt zu vermeiden. Nur ein Leuchtturm in der Nähe der Batterie sei zerstört worden.
Nach einer Meldung der „Tribuna" aus Malta über die erste Phase der Beschießung von Tripolis wurde das Feuer von der Division des Admirals Thaon di Revels bestehend aus den Schiffen „Ferrucio", „Varese" und „Garibaldi", und zwar von der Artillerie mittleren Kalibers eröffnet. Tas Feuer wurde in langen Zwischenräumen abgegeben, als ob der Admiral gleich nach den ersten Schüssen die Hisfung der weißen Fahne als Zeichen der Uebergabe erwartete. Tie Schiffe schossen aus weiter Entfernung von der Küste und s ch o n t e n W o h n h ä u s e r u n d M e n - scheu.
Berlin, 5. Okt. Das Bombardement von Tripolis wurde nach Meldungen der Morgcnblätter gestern fortgesetzt. Die Wir« fang der Geschosse wird aber in den Blättern verschieden geschildert. Während nach einem Telegramm des „Berl. Tagebl." aus Rout die Italiener eine Menge von Explosivgranaten abfeuerten, die eine schreckliche Wirkung gehabt haben müßten, läßt sich der „Lokalanzeiger" aus Rom folgendes drahten: Die durch das Bombardement der inneren Stadt Tripolis angerichteten Zerstörungen sind ganz geringfügig. Durch Granatsplitter wurden einige Baulichkeiten nahe dem Friedhöfe beschädigt. Bei der Beschießung schonte Admiral Thaon die Privathäuser und Moscheen. Während die Granaten auf den Fons von Tripolis explodieren, ireuzen italicniiche Torpedoboote hinter der Schiffslime zur Rückendeckung des Geschwaders. Ter Militärgouverneur sandle mittels Parlamentärboten eine Botschaft an den italienischen Äommanbanten, Vizeadmiral Thaon de Revel, über die Bedingungen der Uebergabe. Man versichert von italienischer Seite, daß der Gouverneur an den italienischen Admiral das dringende Ersuchen gerichtet habe, die Landung der italienischen Truppen so rasch wie mög - lick ins Werk zu setzen, damit in der Stadt Unruhen verhindert würden. Er, der Gouverneur, verfüge nicht mehr über die genügende Anzahl Truppen, um die öffentliche Sicherheit verbürgen zu können, nachdem fast alle Bataillone sich nach dem Süden zurückgezogen hätten. Daraufhin ließ der Admiral de Revel alle Forts durch Maxjnein f a n t e r i e besetzen.
Tie Uebergabe von Tripolis.
Mailand, 5. Okt. Eine in später Abendstunde veröffentlichte Extraausgabe des „Secolo" erklärt, aus amtlicher Quelle die Nachricht erhalten zu haben, daß sich Tripolis gestern um 11 Uhr vormittags den Italienern ergeben hat. In Mailand herrscht §un- geheurer Jubel.
Das Kabinett Said Pascha gesichert.
Konstantinopel, 4. Ch. (11 Uhr 15 Min. vormittags.) Wie verlautet, ist es Sa cd Pascha doch ge* lungen, das Kabinett zu bilden.
Ter Marinemini st erzog seinEntlassungs- gesuch zurück, wahrscheinlich um die Neubildung des Kabinetts zu erleichtern. Tas jungtürkische Zentralkomitee erließ eine Proklamation, in der es die Einsetzung eines Komiteesdernationalen Verteidigung ankündigt. Tie Gruppe Abgeordneter, die die Regierung um Einberufung der Kammer ersuchte, erhielt von der Pforte die Mitteilung, daß dasParlamenram14. Oktober einberufen wird unter dem Vorbehalt, daß bis dahin eine genügende Anzahl Abgeordneter in Konstantinopel sich befindet.
K'onstantinope l, 4. Okt. Der Min ist er rat beriet über die Stellungnahme der Regierung gegenüber den in der Türkei befindlichen Italienern. Es verlautet, daß
auf den Ruhm ihrer Schönheit und den verführerischen Zaubep ihres Hauses eingelaben wird, die Liebe zu gemeßen, wogegen er nur von der Liebe Gottes und der Schönheit des Heilandes spricht. Seine Worte machen auf die vielumworbene Kurtisane einen verwirrenden Eindruck und immer wieder muß sie sich wiederholen: „Wie seltsam er zu mir sprach! Und mit welcher Verachtung er mich ansah! Ich frage mich, warum er so settsam zu mir sprach?" Tie Szene atmet den schwülen und sonderbaren Reiz Wil bescher Wortkunst.
kf. Die Einrichtung der Süd pol ar post. Binnen! kurzer Zeit werden Briefe bis wenige Meilen vor dem Südpol befördert werden rönnen. Es handelt sich darum, eine postalische Verbindung mit der Expedition des Kapitän Scott herzustellen, lieber die Art der Beförderung werden von der Postbehorde interessante Angaben gemacht. Im nächsten Dezember wird ein Hüss- schifs von Neuseeland in die antarktischen Regionen abgehen und Briefsachen aus der Kulturwelt nach Viltorialand befördern. Tort ist am Kap Evans eine Art Postanstalt errichtet worden, in der die Mitglieder der Südvolarexpedition ihre Briefe niederlegen werben. Es wird zuversichtlich erwartet, daß es gelingen wird, die Briefe aus der Heimat auch Über diese südlichite Postanstalt der Welt hinauszubefördern, denn einige Teilnehmer an der Expedition sind entschlossen, den gefahrvollen Weg zwischen den Lagerstätten der Gesellschaft und Kap Evans auf Hundeschlitten zurückzulegen, um die Verbindung mit der Außenwelt aufrecht zu erhalten. Für Markenliebhaber sei erwähnt, daß auch diesmal wie in den Jahren 1907 bis 1909, als sich Shakleton auf seiner Forschungsreise befand, besondere Marketi herausgegeben werden, die den Ausdruck Viktorialand tragen und einen hohen Liebhaber- wert erreichen werden.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen-« schäft. Ter Mathematiker, Professor an der Technischen Hochschule zu Braunschweig, Tr. Richard Dedekind friert am 6. Oktober feinen 80. Geburtstag. — Der Kaiser richtete an den Generalkommissar der deutschen Abteilung der Turiner Weltausstellung, Geh. Regierungsrat Busley, aus bellen Meldung von der Zuerkennung zweier großer Preise für (Sabiner Majoliken und für ihre künstlerische Fassung folgendes Telegramm aus Rominten: Ihre Meldung über die meinen Erzeugnissen zuerkannten zwei großen Preise befriedigte mich ganz besonders. Ich beauftrage Sie, dem Obersten Preisgericht meine Freude hierüber auszudrücken. Wllhelm,


