Der Grundbücher GrunDbucher erden allgemeinen erhöht iich beim
cd er na Hine ichterdienst
Aus Stadt und Land.
(Sieben, 27. Dezember 1911.
Der Jugendpflege
soll infolge mannigfacher Anregungen jetzt in Hessen eine erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden. Im neuen Staatsvoranschlag werden als Beihilfe für Veranstaltungen sur Förderung der Jugendpflege zum erstenmal 15 000 Mark verlangt. Zur Erläuterung dieser Forderung wird bemerkt, daß sich der Staat auf diesem Gebiete bisher kaum betätigt habe. Der größte Teil praktischer Arbeit zum Wohle der Heranwachsenden, aus der Volksschule ent» lassenett Jugend sei vielmehr neben den Kreis- und Gemeindeverwaltmrgen vornehmlich von konfessionellen Ju- gendvereinigungen, Volksbildungsvereinen, Turn-, Spiel- und sonstigen Sportvereinigungen geleistet worden. Um eine nutzlose Zersplitterung der Kräfte zu vermeiden, sei beabsichtigt, nach dem Vorgänge Preußens die Tätigkeit dieser Vereinigungen unter voller Wahrung ihrer ,Selbständigkeit und der durch die örtlichen Verhältnisse bestimmten Gestaltung in einheitliche Bahnen zu lenken, sie zu fruchtbringender Arbeit unter sich und im Zusammengehen mit den Kreis- und Gemeindeverwaltungen zusammenzuschließen, sowie durch staatliche Beihilfen fördernd und anregend zu wirken.
** Tageskalender für Mittwoch, 27. Dez. Stadttheater. Abends 7*/, Uhr: »Polnische Wirtschaft".
** Landesuniversität. Geh. Justiz rat Professor Dr. Biermann hat einen Ruf an die Universität Halle erhalten. Professor Dr. med. Otto v. Franqus, Direktor rer Frauenklinik in Gießen wird der Berufung an die Inwersität Bonn mit Beginn des .Sommersemesters 1912 olgen. !
•• In Audienz empfangen wurde am Samstag Redakteur Karl Neurath, der 1. Vorsitzende des Gießener Schiklubs, um dem Grobherzog über die Entwickelung des Schneeschuhsportes in Oberhessen Vortrag zu halten. Der Großherzog zeigte für die Bestrebungen des Klubs großes Interesse, besonders für Anlage und Betrieb eines Sprung- )ügelS, und nahm das Protektorat über die am 27. und 28. Januar auf dem Hoherodskopf stattsindenden Wettläufe an. Der im Walde geplanten Sprunghügelanlage, der mancherlei Schmierigkeiten entgegenstehen, stellte er seine Förderung in Aussicht.
•• Keine Verlegung des hessischen Bußtages Der dritte Ausschuß der hessischen Landeösynode beschäftigte ich der Verlegung des hessischen Buß- und Bettages, der alljährlich am Sonntag Palmarum begangen wird, auf den Tag, an dem Preußen, Anhalt, Braunschweig, Bremen, Hamburg, Lippe, Lübeck, die beiden Mecklenburg, Oldenburg, Reuß ä. und j. L., die Thüringischen Staaten und Waldeck die Feier des Buß- und Bettages begehen. Der Ausschuß hat sich nunmehr gegen die Verlegung ausgesprochen, trotzdem er die Mißstände, wie sie jetzt herrschen, nicht verkennt, mit folgender Begründung: »Der hessische Buß- und Vertag wird seit Jahrhunderten an dem seitherigen Tage gefeiert und eine Aenderung gerade m kirchlich gesinnten Kreisen groben Anstoß erregen. Em weiterer Feiertag in der Woche würde der erwerbstätigen Bevölkerung nicht erwünscht sein, )er die Arbeitszeit und somit den Verdienst schmälere. Weiter habe sich die Regierung dahin geäußert, daß, wenn eine Verlegung des Buß- und BettageS auf einen Wochentag eintrete, sie dem Tage nicht den Schutz eines gesetzlichen Feiertages gewähre. Hierdurch würde eine würdige Feier sehr in Frage gestellt. Sollte dagegen die Einführung eines all-
0er Kredit um 15 000 Mr. Er wird cnö:r.: ::.t3 burd) tte iwort erwähnte Aenderung in Dem Gebührenbezug der Gerl ent svollz t ri; er wieder soweit entlastet, daß sich die Mehrforderung am oOOO w.k. ermäßigt. Der Kredit für Porto wurde um 2200 M^. gekürzt.
Der Unterschied gegen den auf den 1. April 1911 ermittelten Betrag von 444 719 734 Mk. ist darin begründet, daß die neue Serie XIV nicht mit ihrem ganzen Betrag von 16 500000 Mi. schon zu Beginn 1911 begeben tu ar, — sie wird mit einen: ans nie Nichteisenbahnschuld entfallenden Restbetrag von 8 462 500 Mk. voraussichtlich erst 1912 begeben werden. Sodann sind auf das 1909er TilgunqSsoll der allgemeinen Staatsschuld restliche 537 500 Mk. intb aus die Isenburger Schuld plamnäßig 168 900 Mk. und außerordentlich (aus Geländevcrkauf) 7000 Mk. getilgt worden.
Demnächst sind noch auf das 1910er Tilgungssoll der allgemeinen Staatsschuld 855 700 Mk. (ttom. etwa 840000 Mk.) und auf ba§ 1911er Soll 1 739 500 Mk. mein. etwa 1 720 OOOMk.i zu tilgen. Dagegen erhöht sich die Schuld spater auf Grund der Bewilligungen iin Hauptvoranschlag 1911 und in Nachträgen Um 8 726 800 Mark. Außerdem ist int zweiten Teil des Haupt Voranschlags die Ermächtigung zur Aufnahme einer Anleihe von 5 806 489 Mk. zur teilweisen Deckung der hort eingestellten außer ordentlichen Ausgaben — 5 179 900 Mk. für Eisenbahnzwecke und 626 589 MZ. für lanberc Bedürfnisse — vorgesehen.
Das Tilgungssoll für 1912 ist gemäß dem neuen Gesetzentwurf über die Tilgung der Staatsschuld eingestellt mit rund 2 125 900 Mark.
Der Bedarf für Verzinsung ist zu 14503336 Mk. 33 Pfg. ermittelt, das sind 239 746 Mk. 75 Pfg. weniger als 1911.
Die Lat: deskreditkassenschuld erscheint mit dem früheren Kapitalbetrag von 444 472 Mk.
Unter den Einnahmen erscheinen die Zinsen aus Aktiven der Haupt st aatskasse (einschl. Ausgleichs- und Tilgungsfonds) mit 927 300 Mk., Die fcer Staatsschuldenkasse mit 293 237 Mk. 12 Pfg. Hierzu kommen noch 320 000 Mk. Abträge des Ergänzungsfonds des Familieneigentums des Großh. Hauses, des Erneuerungsfonds Bad-Nanheim und der Dvmänenverwaltung auf ihnen vom Staat gewährte Darlehen. Der Gewinnanteil des Staats aus seinem Besitz an Aktien der Landes-Hypothekenbank ist, wie 1911, bei Annahme einer Dividende von 4 Prozent mit 332 440 Mk. vorgesehen.
In der Hauptabteilung Ministerium der Finanzen, weisen das Kapitel Brücken uni) Ueberfahrten durch Wegfall von Krönten für bisher vorgesehene größere Herstellungen und das Kapitel Staatsrenten durch Ablösungen solcher Renten Verbesse rungen auf, so daß der Zuschußbedarf um 18 484 Mk. 12 Pfg., von 1913 588 Mk. 08 Pfg. auf 1895103 Mk. 96 Pfg., sinkt. Das Kapitel Internationale Erdmessung fällt weg.
Hauptabteilung Ausleihungen und Staatsschuld. Der Stand der Staatsschuld wird zu Beginn 1912 voraussichtlich fein:
Anleihen wegen der vormaligen Hessischen Ludwigsbahn 197 606 700 Mark.
Anleihen wegen der Übrigen Haupt- und Nebenbahnen 163 226 300 Mark.
Anleihen wegen sonstiger außerordentlicher Staatsbedürfnisse 71312 434 Mark.
Restkaufschilling wegen der früher Jsenburgschen Besitzungen 3 398 400 Mark.
Zusammen 80 508 571 Mk. zu 4 Prozent, 112 046 900 Mk. zu 3% Prozent, 242 988 037 Mk. zu 3 Prozent, 326 Mk. untrer- zinslich, zusammen 435 543 834 Mk.
Bei 17 177 405 Mk. 33 Pfg. Gesamtausgabe und 2 345 756 NLark 62 Pfg. Gesamteinnahme erfordert sonach der Dienst der Staatsschuld einen Zuschuß von 14 831 648 Mk. 71 Pfg. oder 322 715 Mk. 01 Pfg. mehr als für 1911 veranschlagt.
Die Hauptabteilung Miniuerium der Justiz, erfordert einen um 182 Mt. geringeren Staatszuschuß als im Vorjahre, und zwar 2 984 853 Mk. bei 2 635 904 Mk. Einnahme und o 620 757 Mk. Ausgabe. Die Einnahmen an Gerichtsgevühren, Strafen, Unter- suchungskvsten und Eriatz von VerpsleguugScosten der Sträflinge wurden um 32 000 Mk., aus 2013 000 Mk. erhöht. 'Der Zuschußbedarf bei den Strafanstalten fällt um 12 390 Mk., bei den Kri- m mal fallen um 35 270 Mk. Hier Konnten verschiedene Kredite erheblich gekürzt werden, so besonders Die für Gebühren der Gerichtsvollzieher und Gerichtsdiencr, nachdem eine Herabsetzung dieser Gebühren bei Zustellung von Amts wegen erfolgt ist. Leider steigen die Schreibhilsetvsuu Lei den Amtsgerichten um 46 075 Mk. an und damit aus 560 100 Mk. Vevanmyr ist dies Durch das Auf- vückcn der Gehilfen in den Vergül-ungssatzen und dadurch, daß bis yum Beginn des EtalsjahreS 1912 in mehreren Ämtsgerichrsbe- jirien Die Anlegung des Grundbuchs beendet sein wird. Denn dann müiien die Vergärungen Der nut Der Anlegung beschästiglen Gchils.n, Die zur ovnsührung Der sorderlich sind, von dein GrunDbuastonds, auf Schreibhcks.sondS iucrneribieii werben. Ebenso Fonds für Stellverlrelungs- und AuShilsetosten i von 6 Assessoren von l, Erunuvueu^u.egung in
Aus dem hessischen Staatsvoranschlag. ii.
Der Etat der Landes univ e r sität zeigt wieder einen Rückgang des Zuschußbedarfs um 7235 Mk. Er beträgt nun 1013 599 Mk. gegen 1020 834 Mk. in 1911 und 1042 332 Mk. in 1910. Tie Besserung rührt von den Kliniken her, deren Einnahmen um 30 665 Mk. höher veranschlagt werden konnten, so daß ihr Zuschußbedarf um 19 157 Mk. sinkt.
Ter Etat der Technischen Hochschule weicht vvn dem laufenden unwesentlich ab. Der Zuschußoedarf geht um 4500 Mk. auf 423 325 Mk. zurück. , t ,
Bei den Gymnasten, Realgymnasien, Oberr^il- und Realschulen usw. konnte durch Wegfall der Herbstklassen im Ludwig- Georgs-Gymnasinm in Darmstadt und durch Umwandlung des Mainzer Herbst-Gi.'mnasiums in ciii Osierghmnasium an j der dieser beiden Anstalten mit 8 akademischen Lehrern weniger ausgekommen werden. Weiter gingen an der Augustinerschule zu Friedberg und an der Realschule zu Alzey je 1 Stelle für einen akademisch gebildeten Lehrer ein, wogegen an dem Realgymnasium zu Darmstadt 2, an der Liebigs-Oberrealschule daselbst, an der Oberrealschule am Stadthaus zu Offenbach und am Realgymnasium in Mainz je 1 Stelle neu geschaffen werden mußten, so daß im ganzen 13 Stellen für akademische. Lehrer weniger vorgesehen sind. An Schulgeld fallen durch Rückgang der Schülerzahl 50 213 Mk. aus. Ter Zuschußbedarf erhöht sich danach von 979 901 Mk. auf jetzt 996 306 Mk.
Eine Mehrforderung von 29 383 Mk. zeigt das Kapitel Lehre r s e m i n a ri e n, pädagogischer Kursus und Prä- paranden-Anstallen. Sie ist darin begründet, daß mit dem Seminar zu Bensheim eine Uebungsschule verbunden werden soll, in der den Seminaristen Gelegenheit gegeben wird, das praktische Unterrichten zu erlernen. Weiter ist beabsichtigt, nachdem letzt der Lehrermangel überwunden und der Seminarneubau zu Bensheim und die Erweiterungsbauten in Alzey und Friedberg fertiggestellt sind, zur Verbesserung der Lehrerausbildung ein 6. Seminarjahr einzuführen und die Präparanden-Anstalten mit den Seminarien zu vereinigen oder vielmehr sie zunächst in Vorseminare umzuwandeln.
Für Volksschulen werden 48 860 Mk. mehr gefordert — hauptsächlich für Tienstzulagen an Lehrer und Lehrerinnen nach Maßgabe der Gehaltsgesetze. Der Ges'.untbedarf beträgt nunmehr 2 830 370 Mk.
Unter einem neuen Kapitel, Jugendpflege, sind 15000 Mark zu Beihilfen für Veranstaltungen zur Förderung der Jugendpflege ausgeworfen.
Unter dem Kapitel Aerztlicher Dienst ist nunmehr die schon seit längerer Zeit in Aussicht genommene und auch von den Landständen empfohlene andere Regelung der Gehalte der Kreisärzte und Kreisassistenzärzte vorgesehen. Sie wird durch die im Kapitel Impfwesen vorgeschlagene Einziehung der Jmpsgebühren zur Staatskasse bei gleichzeitiger mäßiger Erhöhung dieser Gebühren mit einer dermaligen Mehrbelastung der Staatskasse von nur 1382 Mk. ermöglicht. Dabei sollen den zurzeit mit dem Jmpfgeschäft betrauten beamteten Aersten als teilweiser Ersatz der ihnen entzogenen Gebühren besondere Vergütungen im Anschlag von 15 000 Ml. gewährt werden, die mit dem Abgang der der- maligen Stelleninhaber wieder wegfallen werden.
Die in 1911 erfolgte abermalige Erhöhung der Pflegegeldsätze hält den Zuschußbedarf Der 4 Landes-Heil- und fß f lege» anstalten auf der seitherigen Höhe von 603594 Mk., trotzdem für die Anstalt zu Gießen jetzt eine Belegung mit 300 Pfleglingen vorgesehen ist (statt durchschnittlich 200 in 1911).
Unter Dan Kapitel Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen waren schon für 1911 in der Annahme, daß das neue Reichsviehseuchengesetz am 1. August in Kraft treten werde, was aber voraussichtlich erst am 1. April 1912 Der Fall sein wird, 22 680 Mark mehr als bisher eingestellt worden. Nunmehr müssen die vollen Kosten gefordert werden, was eine weitere Erhöhung der Kredite um 30 620 Mk., auf jetzt 90 300 Mk., bedeutet.
Aus Dem Abschnitt Fürsorge für Hinterbliebene usw. ist das Kapitel Reichsversicherung zu erwähnen. Den Vorschriften der neuen Reichsversicherungsorduung entsprechend ist beabsichtigt, an Stelle des zurzeit bestehenden LanDesoersicherungsamts und der 3 Schiedsgerichte für Ar beiterversi ch erun g ein. die Geschäfte der ReichSversicherung als höhere Spruch-, Beschluß- und Aufsichtsbehörde wahrnehmendes, Oberversicherungsamt mit dem Sitz in Darmstadt zu errichten. Ihm sollen 3 Spruchkammern, ür jede Provinz eine, beigegeben werden, wobei in Aussicht genommen ist, für die Berufungen aus Rheinhessen und Oberhessen Sitzungen in Mainz und Gießen abznhalten. Weiter soll bei jebem Kreis amt ein BersicherungLamt errichtet werden, desgleichen bei den Bürgermeistereien der Städte mit über 20 000 Einwohner. Die tatsächlichen Kosten des Oberversicherungsamts ohne die Bezüge 5er Mitglieder und ihrer Stellvertreter werden zur Hälfte Der Staatskasse von den Versicherungsträgern erstattet: insoweit tädtische Versicherungsämter errichtet werden, tragen deren Kosten Die Städte. Danach sind die Ausgaben veranschlagt zu 97 948 Mk., die Einnahmen zu 08 200 Mk., was gegen 1911 eine Mehrausgabe darstellt von 52 570 Mk.
Die Forderungen unter dun Abschnitt Lande skulturund Landwirtschaft halten sich in den Grenzen der seitherigen Bewilligungen.
Beim Kapitel Eichwesen waren die Kosten einer den Vorschriften der am 1. April 1912 in Kraft tretenden und Gewichtsordnung für das Teutsck)? Reich entsprechenden Neuoiaani- ätiou des Eichwesens vorzusehen. Sie belaufen sich aus 107 746 Mark jährlich. Demgegenüber sind nunmehr die Eichgebühren mit ihrem rauben Ertrage in Einnahme gestellt, und zwar mit 218 650 Mk., wozu noch eine Mieteinnahme von 1200 Mk. kommt. Es verbleibt sonach ein Uetzerschuß für die Staatskasse von 112104 Mark gegen 104 190 Mk. in 1911.
Iren, die Portokosten usw. werden eine Steigerung erfahren. Aus diesem Grunde sind auch die einzelnen Posten beider Kammern etwas erhöht wordeu. Weiter sollen die Fassaden des Ständehauses eine neue Tünchung und neuen Anstrich erfahren, auch die Türöffnung von der Torfahrt nach der Haupttreppe der Zweiten Kammer verbreitert, ein Glas- abschluß angebracht werden usw., wofür einschließlich der bereits ausgeführten Neuherrichtung der beiden Regierunas-- zimmer der Betrag von 6150 Mk. verlangt wird;.für die innere Einrichtung dieser Zimmer werden weitere 1250 Mk. angefordert.
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Deutsches Reich.
Der Kronprinz hütet in Danzig wegen eines Erkal t u n g s k a t a r r h s im oberen Luftwege noch das Bett. Indessen ist nach dem bisherigen Verlaufe zu erwarten, daß er in wenigen Tagen wird nach Berlin reisen können.
Die Russen im Kampf mit persischen Konstitutionellen.
Trotz des Nachgebens Persiens gibt es noch immer Kämpfe zwischen Russen und Persern; sie werden noch einige Tage fvrtdauern, bis neue Instruktionen der Sache ein Ende machen. Rußland wird vielleicht neue Genugtuung verlangen. Seine vorläufige Forderung allgemeiner Entwaffnung scheint durchgeführt zu werden.
Täbris, 23. Dez. D^r zwischen den Anhängern der Konstitution und den russischen Truppen begonnene Kampf nahm eine ernfte Wendung. Abgesehen von dem Feuer auf die russischen Patrouillen von den Dächern aus, machten die Fidai am Nachmittag einen heftigen Angriff auf Bagitschemal, wo eine russische Abteilung steht, wurden jedoch von der Artillerie zurück- geschlagen. Die russis che Ko lonie flüch tete in d as russische Generalkonsulat, das nach dem Eintreffen der drei Kompagnien nachts mit der russischen Abteilung in Fühlung trat. Am 22. Dezember früh begann die russische Artillerie die ununterbrochene Beschießung der Zitadelle, wo die Hauptkräfte der Fidai stehen. Vier Kompagnien zogen sich mit zwei Geschützen kämpfend von dem Standort der russischen Abteilung nach dem Generalkonsulat zurück und säuberten den Weg.
Bei den Kämpfen in Täbris sind 50 Perser getötet worden. Die Russen besetzten alle Regierungsgebäude und Telegraphenstationen. Eine Anzahl Negie- rungsbeamter wurde in Rescht getötet.
Der Vizegouverneur von Täbris berichtet, die Russen hätten kaltblütig eine Metzelei unter persischen Frauen und Kindern angerichtet. Nach seiner Schätzung sind in den bisherigen Kämpfen bereits fünfhundert Perser gefallen.
(Sin drohender Zusammenstoß.
Dschulfa, 23. Dez. Die erste Staffel des neuen Detachements, bestehend aus dem fünften Schützenregiment und 100 Kosaken, ist hier angenommen. Sie marschiert unverzüglich nach Täbris weiter. Außer dem telegraphischen ist auch der telephonische Verkehr mit Täbris gestört. Der gewöhnliche Kurier des Konsulats konnte nach dort nicht obgehen. Die Verbindung von Täbris mit Adschitschai ist unterbrochen. In Täbris herrscht Mangel an Bwt'rrnd Fleisch. Die Basare sind geschlossen.
©ine persische Abteilung von dreihundert Mann näherte sich der Grenze, um den morgen von Täbris abgehenden russischen Truppen sich entgegen zu stellen.
Täbris, 26. Dez. Ilm 4 Uhr nachmittags trafen die vom Sultan entsandten fünf Schützenregimeuter und eine Gebirgsöatterie am Schlagbaum von Adschi Tschadi ein. Sie hatten i)ie im Winter schwer passierbare Strecke in drei Tagen zurückgelegt. Da die Dunkelheit schon ein« gebrochen war, schlug das Detachement ein Lager auf. Eine vom russischen Generalkonsulat zur Beerdigung der Leichname der vier gefallenen russischen Soldaten entsandte Ao- teilung fand vollständig verkohlte Leichen vor. Der Gesamt- verluft an Toten und Verwundeten sowie Vermißten beträgt etwa 100 Mann.
Der Gouverneur von Täbris, ein Beamter des Auswärtigen Amts und der Obermullah' begäben sich, so wird aus Täbris vom 26. d. Dt .gemeldet, in das russische Generalkonsulat, um Verhandlungen anzuknüpfen. Vorn Endpunkt der Täbriser Chaussee, am Äd- jitschai ist Gew ehr feuer vernehmbar. Vermutlich ist dort die Kopfkolonne der ungeduldig erwarteten Hilssabter- lung eingetroffen.
Die Auflösung des persischen Kabiuetts.
Teheran, 25 .Dez. Im Einverständnis mit dem Kabinett hät der Regent den Me d s ch lis aufgelöst. Die persische Regierung hat die Bestimmungen des russischen Ulttmatums angenommen, nachdem Rußland vorläufig in eine geringe Aenderung der zweiten Forderung eingewilligt hat. Der russische Gesandte bestätigte in einem Telegramm den Empfang der persischen Antwort auf das Ultimatum.
Allgemeine Wasfenauslieferung.
Petersburg, 26. Dez. Beim Minister des Aeußern ist ein Telegramm ein gelaufen, in dem der russische Generalkonsul tn Täbris gegen die Verleumdung protestiert, die gegen die russischen Truppen ausgestreut worden sind. Die russischen Truppen behandelten die friedliche Bevölkerung mit Schonung, trotzdem die Fideis die russischen Verwundeten und Toten grausam behandelt und geschändet hätten. Der Generalkonjul stellte dem Gouverneur von Mbris und dem obersten Mulla, die sich zu ihm begeben hätten, um Verhandlungen anzuknüpfen, die Bedingung, daß vor dem Beginn irgendwelcher Verhandlungen eine allgemeine Entwaffnung durchgeführt werden solle. Auf Maueranschlägen wird /etzt zur sofortigen Auslieferung aller Waffen an den Gouverneur aufgefordert.
Da; Angeftellienvkrsicherungsgcsetz und Vie weiblichen Angestelllen.
Wir erhalten folgende Zuschrift: Das vom Reichstag verabschiedete Versicherungsgesetz für Angestellte hat in den Kreisen der weiblichen Versicherungspflichtigen bittere Enttäuschungen hervorgehoben. Es wird darüber geklagt, daß sie bei verhältnismäßig hohen Beittägen nur recht geringe Leistungen beanspruchen können und den mannlick)en Angestelllen gegenüber schwer benachteiligt sind. Am schlimmsten liegen in Wirklichkeit die Verhältnisse bei der Witwen- und Waisenversiche- rung. Ter Staat verlangt von Den weiblichen Versicherten eine Prämie von 50 °,'o für den Fall der Verheiratung und für den Todesfall. Er zahlt beim Tode nach Ablauf der Wartezeit unter bestimmten Bedingungen die Hälfte der Versicherungssumme auf Verlangen an die Erben zurück, das gleiche gilt bei Der Verheiratung. Die Aufwendungen der Arbeitgeber behÄt in diesem Falle der Staat. Zu berücksichtigen ist aber hierbei noch, daß bei der Verheiratung Die Anrechnung von 50% Der cingezahlten Jnvalidenbeiträge jetzt fortfällt. Tie Frauen find also für längere Zeit bedeutend schlechter als bisher gestellt, denn wer 1912 heiratet, erhält nichts zurückgezahlt. Weitere SNängel weist die Leibrente für Frauen auf. Es wird angenommen, daß diese Unstimmigkeiten in nicht zu ferner Zeit abgeänDert werden. Da auch Die zustänDigen Stellen balD einsehen wer Den, Daß eine Benachteiligung der rocib» lieben Angestellten tatsächlich besteht.
Aus Heften.
Tie Ausgaben für Die hefsiiche Volksvertretung werden sich im Etatsjahr 1912 von 132 658 Mk. im Vorjahr auf 146 178 Ml. erhöhen, wozu nicht unwesentlich auch die Vermehrung der Mandate in den beiden Stände» kümmern beitragt. Da die D-iäten für die Abgeordneten der Zweiten Kammer bisher durchschnittlich 25 000 Mk. betrugen ausschließlich der früheren Eisenbahnfahrkosten, so wird die Vermehrung der Mandate von öO auf 58 4000 Mk. betragen. Aber nicht allein die Diäten werden sich erhöhen, sondern auch, worauf auch eine amtliche Anmerkung im neuen Staatsvoranschlag hinweist, eine Ver- mchrung der Drucksachen, der Verbraua) an Schreibmateria-


