Ausgabe 
28.11.1911 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Zweites Blatt

161. Zahrgang

Nr. 280

Erscheint lLgttch mit Ausnahme be» Sonntag».

g!

iend

ID.R.G

en*

en Reste ».'S® orden noch

werden

[eben.

abergläubische

ÄN'ichlLN.

jungen hab.n weniger wert.

Allgemein gehaltene Anwei- Tie Ratschläge müssen der Lage

. uner zu .k3 Geldes xnum war

lammern ist gutem Vernehmen nach die Zeit »wischen Mittwoch, dem 13. und dem 20. Tezcmücr in Aussicht genommen worden. Tie genaue Feioetznng des Tages wird erst anfangs nächsten Monats er.olgen. Ter Groß- Herzog wird auoj diesmal, wie stets bei Beginn der lebten Kammcrtagungen, die Thronrede im Rendenzsckloß per­sönlich verlesen.

Dienstag, 28. November 19fl

Rotation« brud anb Verlag bet vrüblichen Unroerfttät« - Buch- und Stttnbrucferti.

9L Lang«. Gießen.

FF 4 K

iar-Vereinljun5"

!0$ <

tleEleßener Jaratlleablätter" werden dem »Anzeiger* »termal wöchenllick betgdegt, da« Krthbkrtl filr bev Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tiekanöwlrttchastttche, Lett- tragen" erscheinen monatlich zweunat.

Kreis Lauterbach.

-f- Schlitz, 27. Nov. Gutem Vernehmen nach wird mit dein Bau der Bahnlinie Schlitz Nreder-Aula HerSseld im Februar n. Is. begonnen. Viele hiesige Ar­beiter hoffen dabei lohnenden Verdienst zu finden.

AreiS Schotten.

a. Sch ott en, 23. Nov. Eine schöne Großherzog s- Geburtstagsseier iand in der Turnhalle statt. Kreis- rat Tr. Kranzbühler brachte das Großherzogshoch aus, an den Landesherrn wurde ein Glückwunschtelegramm gesandt.

Redaktion. Expedition unb Druckerei: Schul- (trabe 7. Exvedltton und Verlag: 5L

fltebaftiorce^® 112. Teü-Abro Anzeiger «Ließen.

Kreis Friedberg.

Friedberg, 27. Nor Tei in Srcmsurrh gebotene, in Wölfersheim wohnende Arbeiter Heinrich Ziegler hatte am vorigen Mittwoch eine Gefängnisstrafe verbüßt. Am Freitag begab er sich zu einem ^Mehl nno Vroduttenbändser httr und gab sich als Landwirt Falk ron ^Stei u urth aus Er boi dim Kanclcr eine Fuhre Weizen zum Tagespreis an, uno Iicf; durm tlicten, daß es ihm angenehm wäre, wenn er 50 Ml. abschläglic!' erhallen könne, rooraur auch der Händler einging. Mm ^amdta-j ollie der Weizen geladen werden. Als der knecht des Händlers >ich in Steinfurth erlunoigre, roa der Vertaufer wob'- , ronm

L-Z- trägen mi,tni8 gebracht, datz nhard LtMHV-Dii Ä Sitten «Ad."" mi%

tu SOW'Vfi von ..

Aus Hessen.

Tie Eröffnung der Landtagsfitzungeu.

jb. Darmstadt, 21 'Mod. Als Termin für die

Eröffn ungdcr 3 ö. TagungderbeidenSlände-

.onzert

Jhr Eintritt fn>l

lein nmß. Sehr loünichenswert bezeichnete cs die Vortragende, daß sich eine Zentralisation aller inbcrracht tommenoen Für- lorgevcreine vollziehe. Nur durch einheitliches Hand in Hand gehen tonnten auch die von den einzelnen Crganiiaiwnen als notwendig erachteten, von den Familien aber häufig als lästig empfundenen Besuche auf em Mindestmaß zurückgefuhrt werden. Wohnungspslege bleute FamUicnpnege, und dazu gehöre das Einarbeiten auf die Beseitigung aller Iiaiubarten Zustande Säug­lings- und Jugendfürsorge. Heilung der Trinier und Tuber- lulofer). Wie mut nun oorgegangen werden? Sehr viel kann geschehen durch Aufklärung. Hin und wieder bestehen noch ganz verkehrte Auffassungen über gesundheitliche Verhältnisse, altertümliche Tamit muß man rechnen

und mit dtthbarm Wch» :e undptottischslrMchnk en tzauS^ii,

, Stshm

Robbeimn Ltt.0 ,d verlaust «r.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

6e|« tM,

ölll|beit6- q

i >

angevaßt werden. Auch muß man iidi das Vertrauen des Beratenen zu erwerben und zu erhallen wissen. Cs ist zu unterscheiden zwischen Verwahrlosung aus Not, Krankheit ober Länigkeit Geld ist häufig der verderblichste Heller. Verbringung der Kranken m Mranlcnbäuier, Tuberluloseheilanstalten. Ver id'ofiung von Freistellen in Badeorten erjüllen ihren Zweck besser. Beseitigung der Mißllande ist daS zweite. Ter größte Feind gc sundcr Wolmungeir ut die Feuchtigkeit, bedingt durch ungenügende Lust- und Lichtzusuhr, feuchten Untergrund ohne Unlerffllerung. Zur Abstellung solcher Uebelstände muß bann der Vermieter herangezogen werden, wobei allerdings zu bedenken ist: Je geringer die Miele, desto höher prozentual die Berbesserungskosten. Em großer Mißstand ilt in laiidlichen Gemeinden die im Winter ein gerichtete Wohnküche, mit deren Beseitigung sofort eine Menqe von Unzutraglichleiten schwinden würde. Inwiefern ist nun die Frau geeignet, Wohnungspslege zu treiben? Weil die meisten der berührten Fragen von der Hausfrau -u lösen sind und dem­gemäß eine Einwirkung der Frau jiuf die Frau von größerem Einfluß sein muß. Ter häusliche Sinn ist dec Frau angeboren, sie üeht darum im Haushalte schärfer, iveiß auch in Sachen der üicinbaltung, des -Waschens, Nochens und den vielen häus­lichen Arbeiten besseren Bescheid. Ohne Organisation von Frauen vereinen lvird die wichtige Wohnungsfrage kaum gelöst werden können, wobei aber die Mithilfe von Sachverständigen, wie Aerzten, Baubeamlen durchaus wünschenswert, ja notwendig ist.

Bei der anschließenden lebhaften Aussprache regle Äirchenrat D. Schlosser ein gemeinsames Boraehen der für Gießen in Betracht kommenden Vereine an, damit die Frage der Wohnungs fstrsorge in dem Sinne bet Vortragenden gelöst werde, womit lieb die Vorsitzende. Frau H ö h l b a u m , und Tirektor Döring ein- verstanden erklären, nur hat Pfarrer Bechtolsheimer das Bedenken, wegen anderer Aufgaben des von ihm vertretenen Vereins so rasch noch nickt an der Verwirklichung der ihm sehr am Herzen liegenden Wohnungsfürsorgefrage denken zu können. Nachdem Medizinalrat Tr. Haberkorn noch daraus aufmerh lam gemacht hatte, daß seither in Gießen eine Ueberwachung der in Pilege gegebenen Kinder erfolgt und so im Sinne der Rednerin gewirkt worden sei, schloß die Vorsitzende die Versammlung, indem lie der Vortragenden für ihre lehrreichen und anregenden Dar­legungen den Tank der Zuhörer aussprach.

9

** In der Aufführung der Lustigen Wei­ber" am Mittwoch wird die Partie der Frau Fluth an Stelle der unpäßlichen Frau Speiser-Suchcknek von Frau Ker nie vom Frankfurter Opernhaus gesungen werden. Frau Kernic ist uns von der Figaro-Aufführung des Frank­furter Opernhauses bei Eröffnung unseres Theaters be­kannt; sie sang damals die Susanne.

** Stadttheater. Auf die Wiederholung des Äin- dermärchensHänsel und Gretel", das bet der Ersb- ausjührung so großen Beifall fand, am nächsten Samstag, nachmittags 3i/3 Uhr, sei hingewiesen.

* Ter Fran kfurter Automobil-Klub hielt am Donnerstag abend eine Haupt-Mitgliederversammlung ab, in der einstimmig beschlossen wurde, den O b e r h e s s i- schen Automobil-Klub in Gießen auf sein Ansuchen als Sektion des Frankfurter Automobil-Klubs aufzuneh­men. Ter Gießerrer Klub hat es durch diese Angliederung an Frankfurt verstartden, als erster hessischer Automobil­klub in em Kartelloerhältnis zum Karserlichen Automobil- Klub, und damit auch zu den anderen deutschen Klubs! zu treten.

-Ein Gnadengesuch für den Raubmörder Erbe hat deffen Mutter an den Großherzog gerichtet. Sie hat eme Audienz nachgesucht, um persönlich ihre Bitte um Gnade für den Sohn anbringen zu können.

Landkreis Gieße«.

Wieseck, 27. Nov. Auch hier wurde der Geburts­tag unseres Großherzogs festlich begangen. Zu diesem Zwecke halte sich im Saale von Adam Ziegler eine stattliche Anzahl von Kriegervereinsmitgliedern nebst Familie auf Ein­ladung deS Vorstandes eingesunden. Der Vorsitzende Vogel brachte unter HinweiS auf die Bedeutung des Tages daS Hoch auf den Landesfürsten auS. Lehrer Braunewell ge­dachte der Verdienste Ludwigs I V. als Heerführer der hessischen Tivision 1870/71. Treffend führte dann Lehrer Westphal auS, wie unser deutsches Heer und unsere aufstrebende Flotte als Stützen des Vaterlandes unsere tatkräftigste Förderung verdienten. Unter Musik- und GesangSvorträgen verlief der Abend in der schönsten Weise.

a. Hungen, 27. Nov. (Blutvergiftung.) Nach dem Genuß von W u r st s u p p e, die über Nucht in einem kupfer­nen kessel gestanden hatte, ift heute hier eine Frau nach etwa dreiwöchigem Krankenlager an den Symptomen der Vergiftung gestorben. Eine andere Frau, die von der grüusvanhaltigen Suppe genossen hatte, bekam heftiges Er­brechen.

Der italienisch-lürki.che Krieg.

Tripolis, 27. Nov. Agcnzia S.eiaui.) Ter An­griff des 50. Infanterie-Regiments am Schluß des gestrigen Tages gegen die in den Schanzgrüben liegenden regulären türkischen Truppen im Luden oer Oase zwischen dieser und Ain Zara wurde unterstützt von zwei Batail­lonen des 23. Regiments. Nach hartnäckigem Widerstand wurden die Türken gezwungen, sich zurückzuziehen. Gegen Sonnenuntergang befanden fte sich in voller F l u ch t auf Ain Zara, verfolgt vom Feuer der nachdrängcn- ben italienischen Infanterie und Artillerie, die den lenken Vorstoß ebenfo vorzüglich unterstützte, wie sie die Aus- gäbe des ganzen Tages erfüllte.

Die italienischen Verluste während des langen erbitterten Kampfes anzugeben, ist zurzeit noch nicht möglich; sie sind jedoch verhältnismäßig ge­ring, da die Truppen aus dem schwierigen Gelände kühn, aber mit großem Geschick vorgingen. Tie Aufstellung der italienischen Truppen auf der nach den Kämpfen des gestrigen Tages besetzten vorgeschobenen Linie ist folgende: Oestlich vom Fort Hamid te steht das 93. Infartterie- Regiment; von links nach rechts folgen das 1. Grenadier- Regiment, das 11. Berfaglierie-Regiment, das Alpenjäger­bataillon von Fenestrelle und die 6. Jnsanleriebrigade.

Nack einer Meldung desMessagero" über den gestrigen Kampf oei Tripolis fanden die Italiener in den Häujern der Oase mehr als 500 Tote und Verwundete des Feindes. In Henni wurden 72 Leichen gesunden, viele andere auch unterhalb Vakah. Tie Zahl der Ge­fangenen beträgt über 300, unter ihnen mehrere türkische Offiziere. Wie die Blätter melden, soll der Eindruck des gestrigen Tages auf die Stimmung der Araber Italien gegenüber günstig sein.

Türkische Erfolge bei Terna.

Konstantinopel, 2<. ^cvv. Das Kriegsministerium tat eine Depesche Enver Beys erhalten, wonach die Italiener bei den seit 14 Tagen aus ihre Stellungen in Derna unternommenen Angriffe gegen 200 Tote hatten. Die Türken und Araber erbeuteten Waffen, Munition und Ausrüstungsgegenstände und hatten nur sieben Tote und einen Verwundeten. Der letzte An­griff hat am 25. d. Mts. stattgefunden. Die Depesche hebt den Heldenmut der Eingeborenen hervor.

feinsten aualitij» nachten Nfl«» :um Verkauf .....

Airche unb Schule.

Vom Papst.

Rom, 27. Nov. In der Allotution, welche der Papst heute vormittag im Konsistorium hielt, führte er aus, das gegenwärtige Jahr sein ein Jahr der Trauer für thn gewesen, die jedermann verstehe. Ein großer Schmerz sei ihm und jedem ergebenen Sohn der Kirche durch die I laute Erinnerungsfeier des Ereignisses vcrur- .1 sacht worden, das der Anfang so vieler Opfer von Rechten des heiligen Stuhles war. Er bedauere das unglaubliche Entgegenkommen, das 'Jtom selbst den Feinden der Kirche und der ungläubigen Sekte zeigte, die nichts mehr hasfe als Gott und die christliche Ordnung. Der Papst kam sodann auf die heftige Verfolgung zu sprechen, der die Kirche in Portugal durch die Tätigkeit derselben Sekte ' ausgesetzt sei, und drückte das Vertrauen aus, daß die portugiesische Nation sich diesen Machenschaften widersetzen werde. Gegenüber den Schäden unserer Zeit, dem Mo- 1 dernismus und Naturalismus, die sich hier und da bemerkbar machen, finde er darin Trost, zu sehen, wie Überall die Liebe zu der hochheiligen Eucharistie wieder auflebe. Er erinnerte an den großartigen Eucharistischen Kongreß in Köln, London und Montreal, besonders an den letzten in Madrid, an denen sich alle Klassen, von den niedrigsten, bis zu den höchsten, beteiligten. Bei dieser Gelegenheit zeigte Spanien mit der größten Klarheit seine wahren Gefühle in religiöser Hinsicht und bestätigte, daß es tief katholisch sei uno bleiben wolle. Ter Papst schloß mit der Bitte, Gott möge die ihm teure Nation vor den Schäden bewahren, die ihren Frieden und ihr Glück zu bedrohen schienen.

iW:

'i^äe @clC(,nL itt

ihm niemanb Bescheid geben. Inzwischen lam ü<r dem Händler und oerstand te, auch noch den Rest

Deutsche Kolonien.

Tie klemen Kiautschoii-Aktien im Ausschuß.

Der Budstetaiisickuß des Reichstages beriet am Montag den ihm überwiesenen Gesetzentwurf über die Einführung von k l eine.n Aktien m Sl i a u 11 d) o u unb den Konsular bezirken. Tie neuliche Aussprache iin.Plcnnm sand jegt im Ausschuß in der Hauptsache nur eine sinngemäße Wiederholung. Tie Bedenken wegen der Ge'ahr einer attinahlichen Turchlöcherung und Turch- brechung des deutschen Aktienrechts, die durch diesen, wenn auch ganz destinuut adgegrenztcn Anfang einer Zulassung kleiner rifuen sich ergebe, wurden von einzelnen Setten erneut zum Ausdruck ge­bracht, von anderen Rednern für völlig unbegründet erklärt. Auch die Regierung, vertreten durch den Ministerialdirektor Tr. Kriege, erneuerte ihre Versicherimgen in dieser Beziehung in ganz beinnvuter Form. Schließlich verständigte sich eine annähernde Ziveidrittel- Mehrheit auf die Annahme eines von reichsparleilicher Seile ge- UeUteii Antrages, wonach die Zulasiung k.emer Aktien im Gesetz ausdrücklich ans China-Kiautschou beschrankt wird.

Aus dem Büischriften-Ausjchufj des Reichstages.

Ter Verem Tenticher Lokomotivführer, der r.'okoinotioführe^ vercm ans Alecklenburg, Eisenbahlibeamtenvereiiie aus Bayer", Sachsen, Württemberg, Elsaß-Lothringen unö der Verband Teutscher Vrivateiscnbahii-Beamten haben sich an den Reichstag gewendet mit der Bttre um reichsgeseyliche Regetuiig der Dienst- und Ruhe- sttten des Eisenbalmverjonals. Ter Reichstags-Ausschuß nir Bitt­schriften hat deii Antrag, soweit r e i ch s g e s e tz l i ch e Regelung verlangt wird, dem Reichskanzler zur Envägimg, soweit eine bessere Regelung der Tienst- und Ruheoerhältmsse des Eisenbahn- versonals gefordert lvird, zur Berücksichtigung itberwiesen. Tein Ausschiißberichterstalter, der die Mängel der jetzigen Praxis, die langen Tienstzctten us»v. rügte, stimmte auch das Aiisschußmitglied -^r. Wern er-Gießen zu, der betonte, daß die Verhältnisse in Hesseii auch oerbessernngsbedür'tig seien.

für ben von. ihm verkamen Wc^zen zu erichwindeln.

tet V.:rüger fon, >'o'.r.-. der Jineri mit -.Acung, oaß ixr aniiiite'_ L "..L/.: in ^.«liniunlj überhiupr nick: crnstierv. Tie hie igc rvdLte sofort, mir mein man es zu tun barte und sorgte für bi. Verhaftung Zieglers.

Dr. Max Jäiicde f.

Hannover, 2<. Nov. ^er Vorsitzende des Vereins deutscher Zei.ungsverleger und der Herausgeber desHan­noverschen Eourters", Dr. Max Jänecke, ist in dcu Naun vom Sonnabend zum Sonntag gestorben. Ein schweres Gallensteinlciden, das im Jahre 1010 eine lebensgefähi liche Operation erforderte, stellte sich mit großer Hesttgteil wieder ein und ist die Ursa he seines .:

Dr. Jünecke ist am 28. August ij in Hannover als Sohn des Geheimen Kommerzienrats Ianecke, des Be­gründers desHannoverschen Eouriers", geboren. Nach gymnasialer Vorbildung war er, um sich beruflich vor- zubereilen, buchhändlertsch tätig und srudiertc dann in Marburg, Leipzig und Berlin Volkswirtschaft und Ge­schichte. Er vollendete seine Ausbildung durch größere Reisen und trat in das väterliche Geschäft ein, wo ihm die Berlagslettüng de.' hannoverschen Eouriers" übertragen wurde, womit er auch eine umfassende Buchverlagsia.igleit, namentlich aus technischem und land- wirischastlichem Gebiete, verband. Er gehörte zu den Gründern des Vereins der Deutschen Zeitungsoerleger, den er während der letzten Jahre als erster Vorsitzender leitete. Außerhalb seines engeren Berufs betätigte er sich vielfach: namentlich im A^geordnetenhause, wo er mehrere Jahre den Kreis Lüneburg-Winsen betrat. Ec war auch lurze Zeit Mitglied des Reichsrages für Lüneburg. Ende 190b wurde ihm das holländische Kou.ulal für de.i Bezirk Han­nover (mit Ausnahme von Ostfriesland, Harburg und Geestemünde) für das Herzogtum Braunschweig, Lippe-Tet- mold, Schaumburg-Lippe, Waldeck-Pyrmont und Anhalt übertragen. Auch um die Verwaltung der Provinz und Stadt Hannover hat er sich durch rastlose Mitarbeit sehr verdient gemacht.

Ludwig pietsch f.

Berlin, 27. Nov. Nack) kurzem Leiden ist heute vormittag um 9i/2 Uhr der Senior der reichshauptstädti­schen Presse, Professor Ludwig Pietsch, Berlins bekann­tester Journalist, Redattionsmitglied der Vojsischen Zei­tung, im Alter von fast 87 J<ri)ren, sanstent schlafen.

Tie Chiffre P.", mit der derlichtvolle Historio­graph" so nannte der Kaiser einmal den Dahingeschie­denen jahrzehntelang seine vielgelesenen Balckerichte, seine interessanten Plaudereien, seine tunstkritischen Auf­sätze unterzeichnete, ist ausgelöscht für immer. Auch als Zeichner er|reute sich Pietsch ungemeiner Popularität.

Pietsch wurde im Jahre 1823 zu Danzig geboren, stu­dierte an der Kunstakademie zu Berlin uno widmete sich hauptsächlich bei Otto der Porträtmalerei. 1864 wurde er Mitarbeiter der Vossischen Zeitung. Für dieses Blatt ging er 1867 als Berichterstatter über die Weltausstellung nach Paris. 1869 reifte er für dieVosfische Zeitung" und die Schlesische Zeitung" nach Aegypten zur Eröffnung des Suezlanals, und befand sich 1870 als Zeichner und Bericht­erstatter im Hauptquartier des Kronprinzen von Preußen. Er untcrnaljm mehrere Reisen nach Rußland, Italien, Algier, den Balkan und England, über die er einige große Werke schrieb. Seine bekanntesten Bücher sind:Vioaraphie von Knaus und Herkomer",Aus atten und jungen Tagen", Erinnerungen aus den sechziger Jahren".

Au» Stadt und LanS.

Gießen, 28. November 1911.

Tie Tätigkeit der Frau in rSohnungsaufsicht und Wohnungspslege.

Bön der ErwäguiiZ au-geheiw, Le-: die soziale Fürsorge sich noch mehr als dies seither geschah der Wohnungsfrage zu­wenden müsse, hatten der Gemeinde-Frauenverein, der allgemeine Deutsche Fraucnvercin, Ortsgruppe Gieß.n, die Oriskrankenkassc, die Baugenossenschaft des evangelischen Arbeiiervereins und die Gemeinnükige Laugesellschast im großen Hörsaal der Unicerfität eine Versammlung emberufen, die reckt gut besucht war und in der Fräulein Tr. Kröhne, Kreiswohnungsinspektorin zu Worms, über obiges Thema »prack. Wenn auch ihre Aus­führungen sich auf die in den LandZemeinden des Kreises Worms gemachten Erfahrungen stützten, wo die Verhältnisse etwas anders liegen als hier, so nnb ine von ihr entwickelten Richilinien doch überall zutreffend und imstande, iverreelle Fingerzeige zu geben. Tie Vortragende sühne etwa aus: Es ist nicht zu beüreuen, daß sich infolge der eigenartigen Entwickc ung der zehnte eine Wohnungsnot herauSgcbildn not, die sich zeigt in dem Mangel unzureichender Wohnungen x der Bewohner Berlins wohnt in Einzimmerwohnungen und in ihrer unzulänglichen Veichaffenheit. Vielfach sind Mietstasernen an die Stelle eigener Wohltätigen getreten. Ter sittliche Halt des Heims ist viel- rad) verloren gegangen. Sollen sich die Zustande bessern, so muß bet der Familie, im Haus, angetangen werden. Tie gesamte soziale Fürsorge hat ihr Rückgrat in der Dohnungsaufsicht und WohnungSfüriorge. 2lber biete Arbeit ist auch miolge der großen Beweglichkeit der in Industrie unb Gewerbe beschäftigten Aröeittr die schwierigste. Mir dem Bau neuer, den hygienischen unb sozialen GcsichtSpuntten Rechnung tragender Wohnungen ist es allein noch nicht getan, es hat sich gezeigt, daß eine ständige Wohnungs- aunicht notroenbig ist, womit eine Wohnungspslege verbunden