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28.11.1911 Erstes Blatt
 
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Act.-Ges. Augisbnrg

Ständ.Lager u. Vertretung: AUgern. Elektro- u. Maschi­nentechnischer Ve; tr. Louis Geiershöfer, Frankfurt a. M., Neue Mainzerstr. 14.

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Kreis Alsfeld.

-g. Als selb, 27. Nov. Die Großherzogs-Ge­burtstabsfeier vollzog sich bei uns in der alljähr­lichen Weise. Im HotelZur Krone" fand nachmittags um 5 Uhr ein Festessen statt, an dem die Behörden und Bürgerschaft teilnahmen. Kreisrat Dr. Heinrichs brachte das Hoch auf den Landesherrn aus. Abends 8 Uhr ver­anstaltete der Krieger- und Veteranen verein im großen SaaleZum deutschen Kaiser" eine festliche Ver­anstaltung für seine Mitglieder nebst deren Angehörigen, die sehr gut besucht war. Theatralische Ausführungen wechselten mit lebenden Bildern und musikalischen Darbte» tungen ab. Die Festansprache hielt Bürgermeister Tr. Völsing. Mit Rücksicht auf den Totensonntag mußte die übliche, sich an den offiziellen Teil anschließende Tanz- Unterhaltung diesmal unterbleiben. Der Militär- Verein hielt eine entsprechende Feier imDeutschen Haus" ab. Nach dem Vorbild anderer Städte hat sich bei uns ein Ausschuß gebildet, um die Verabreichung von warmem Frühstück an bedürftige Kinder der V 0 lksschulezu ermöglichen. Da bereits eine ansehnliche Stiftung vorliegt und weiter noch namhafte Beträge ge­zeichnet sind, hofft man die erforderlichen Mittel zusammen- zubekommen.

Kreis Friedberg.

L. Fried berg, 27. Roo. Am gestrigen Sonntag sand, wie alljährlich am Totenfest, ein Gottesdienst in der Friedhofskapelle statt. Sie wird ini kommenden Früh­jahre umgebaut und vor ihrem südlichen Ende ein Krematorium errichtet. Nachmittags um 4 Uhr sand in der Stadtkirche eine geistliche Musikaufführung (17. VolkS-Kirchen- konzert) statt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz bejetzt. Eingeleitet durch einen Orgelvortrag des Organisten dec Stadt- kirche, wechselten auf den Tag bezügliche Chöre der Chor. 1 / schüler, deS Männerchocs ehemaliger Chorschülcr und der Ge­meinde miteinander ab.

rm. Vilbel, 27. Nov. Gelandet wurde hier eine männliche Leiche, die nach den bisherigen Feststellungen als die des GerichtSschreiber-Assislenten Gabelmann auS Groß-Gerau anzusehen ist, der zuletzt in Herbstein wohnte. Während seiner Tätigkeit beim Amtsgericht" Groß-Gerau soll er Verfehlungen begangen haben.

Starkenburg unü Rheinhessen.

tm. Darmstadt, 28. Nov. Wegen Veruntreu­ungen zum Nachteil der Spar- und Darlehenskasse Ernst­hofen wurde heute der Rechner der Kasse Phil. Maul V. ?nCAnn aJe letzt sind Unterschlagungen in Höhe von ll)000 Mt festgestellt, anscheinend ist der Fehlbetrag be- deutend hoher. Maul, der anscheinend sich in Bauspeku- lahonen eingelassen hat, ist teilweise geständig, 1

Gießener Strafkammer. 1»

- . .. , )( Gießen, 24. Nov.

. Intellektuelle Urkundenfälschung.

Am J. Ium 1911 wurde die Näherin A. R. geb. M. aus' Plngenheun, .zuletzt wohnhaft in Schwerte, in die Frauenklinik in Gießen aufZenommen und am gleichen Tage von einem Mädchen hÄÄ. ®ke .Aufnahme an, sie sei die Ehefrau

R. in Schwerte und wiederholte einige iva0/u .Angabe dem Schrerbgehilfen gegenüber, der

Kindes dem hrestgen Standcsamr anzuzeigcn hatte.

? ^cr5,et ans Schamgefühl, daß das Kind unehelich ^oten war, denn ihr Mann war ichon seit Jahresfrist verstorben.

^-tbetr borkte sie hierdurch, daß das Kind als eheliches lltnb des veriwrbenen Ehemannes tn das Geburtsregister der Stadt n^^ragen wurde. Sie hat sich deshalb wegen intellek­tueller Urkundenfälschung zu verantworten. Nach der Beweis- ÄÄ^/ber ergaben |td) erhebliche Zweifel, ob die Angeklagte S Erklärung sich darüber klar war, daß sie dadurch

onenUrchen Registers veranlasse. Die Angeklagte wurde dement,brechend lrerge,prochen

_ Erne kaum glaubliche Geschichte. 1*

. Der 29 Jahre alte Dachdecker A. I. von Friedberg ist ver° ^etcatet unb Sßater tion zwei Kindern. Er lernte am Abend m I- eme zugererste Schneiderin in einer dortigen

r kennen, be,uchte mit ihr die Tanzmusik in dem Vorort ^Cr^,üUr?t 0tn2 ihr . spazieren. Als er sich von

^^'Schutzleuten verfolgt sah. verstel er auf folgenden kaum ?^ll&Cn^Ian Ä &e0?b mit dem Frauenzimmer nach ^^fte eine im unteren Stockwerk wohnende $Cmfpl?J,/ra;lISsU?ke^Qrt ,etne Ehefrau erwarte momentan gUnTF1^01 U-n 1 qr8 ?Cltt55r und lasse sie dringend in ihre Wohnung eine Treppe höher hinaufbitten. Während die Frau i föüSfö ?C0^b ty6 gemeinschaftlich mit dem Ü

Frauenzimmer ur ihr Schlafzimmer und riegelte die Tür von

ab. Azwiichen aber sah die Mieterin, daß sie hintergangen hls schrill zur Verhaftung des

^r,au n st mm er §, b a§ sich entkleidet und in das Bett der Mieterin Wst hatte. Der Angeklagte ober wollte sich dies nicht ge- das Frauenzimmer mit Gewalt zu jefreten. Er ut deshalb vom Schöffengericht zu Friedberg wegen

I loser Weise blieben die Kollegen noch längere Zett bei­einander.

Landkreis Gießett.

-1 Harbach, 27. Nov. Im Laufe der vorigen Woche wurden dem Landwirt Karl Schmidt auf seinem Grund­stück vor dem Orte die Rinde von drei der schönsten Apfelstämmchen vollständig abgelöst. Ter Täter soll beobachtet worden sein, so daß er seiner Strafe nicht ent­gehen wird.

Kreis Bübingen.

xNidda, 27. Nov. Tas gestrige Totenfest wurde in unserer Stadt mehr denn se vorher gefeiert; waren hoch eine Anzahl unserer besten Bürger im Laufe des Jahres gestorben. Vor- und nachmittags war das Gotteshaus über füllt. Im Vormittagsgottesdienst wurde von dem Frieden geredet, den die Entschlafenen und die Leben­den durch Christus haben. Im Nachmittagsgottesdienst wurde gezeigt, was die Toten un» ain Iotenfeft z u sagen haben, nämlich: Vergeßt uns nicht! Nicht ei uns nicht! Lebt nicht vergeblich! Denkt an das Ende! Im Laufe des Nachmittags strömten ganze Scharen Leidtragen­der zum Friedhof, um mit Blumen und Kränzen den Heim­gegangenen den Zoll ihrer Liebe und Dankbarkeit darzu- bringen.

----- Nidda. Infolge undeutlicher Schrift ist in dem Bericht über GroßherzogsqebiirtstagSfeier em Druckfehler ent­standen. Der darin erwähnte Feldmarschall war Prinz Emil von Hessen.

uno französische sind, glauben wir nicht, daß speziell englische Interessen berührt werden könnten. Es erscheint rat­sam, es den beiden unmittelbar beteiligten Parteien zu über­lassen, den Wert der eventuell auszutauschenden Objekte ab­zuschätzen. Tie unfreundliche Kritik von englischer Seite müsse offenbar die Unterhandlungen erschweren, auf der anderen Seite würde die öffentliche Erklärung, daß England den erfolgreichen Anschluß der französisch-deutschen Besprechungen gern sehe, einen höchst wohltätigen Einfluß auf ein günstiges Ergebnis ausüben, das wir auf das ernsthafteste erhoffen. Wir wünschen auf das aufrichtigste, alle Reibungspunkte, die wir mit Frankreich in der kolonialen Sphäre besonders in Afrika haben, zu vermindern, und hoffen, daß es schließlich mög­lich fein wird, sie gänzlich verschwinden zu lassen. Selbst wenn dies geschehen sollte, können wir nicht auf bie Schaf­fung intimer Beziehungen mit Frankreich hof­fen. Aber wir glaubten, daß es eine Uriache häufig wieder­kehrender Spannung beseitigen würde. Wenn die Wünsche Eng­lands in derselben Richtung liegen- würde der beste Weg, dieses Ergebnis zu erlangen, der sein, einen beruhigenden Einfluß auf die öffentliche Meinung in Frankreich auszuüben, welche gerade jetzt durch halbe Wahrheiten und ungenaue Erklärungen beträchtlich erregt worden fei.

Der Ton dieser Mitteilung war durchaus freundschaftlich, sowohl für Frankreich als für uns, und ich würdigte zugleich den freunds chas tlichen Ton, in dem die Mitteilung abgefaßt war. Der deutsche Botschafter und ich hatten noch einige wei­tere Gespräche, allgemeiner informativer Natur, in deren Verlaus er einiges Bedauern über die Art und Weise ausdrückte, in welcher unsere öffentliche Meinung zu feindlichen Schlüssen über das deutsche Vorgehen verleitet wor­den sei.

Ich fragte ibn, tvas denn anderes erwartet werden konnte, wenn die deutsche Regierung plötzlich ein Schiff nach Adagir sende, einem geschlossenen Hafen, der an der Westküste von Ma­rokko der geeignetste Platz für eine Flottenbasis sein soll. Natürlich habe diese Aktion die britische öffentliche Meinung in Bewegung gesetzt. Ich gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese neueste deutsche Mitteilung als neuer Ausgangspunkt genommen werde und daß wir nicht auf Dinge zuttickzugehen brauchten, die zu gegen­seitigen Beschuldigungen führen müßten. Am Nachmittag des­selben Tages gab der Premierminister Asquith seine Er­klärung im Unterhause, und jeder, der diese Erklärung liest, wird sehen, daß der Geist, in welchem wir die Sache in der Oefsentlichkeit erörterten, dem Geist entsprach, in welchem wir uns einander nähern sollten. Von jenem Tage ab gab es keine weiteren Schwierigkeiten zwischen uns und der deutschen Regierung.

Damit ist tatsächlich das Ende meines Berichtes erreicht. Was den weiteren Verlauf der Verhandlungen betrifft, so brauche ich nur zu sagen, daß die französische Regierung uns über jeden Z eitpunkt z u Rate zog, wo es irgend­wie wahrscheinlich schien, daß britische Interessen berührt werden konnten, und vielleicht mit Ausnahme eines oder zweier unter­geordneter Punkte von ausschließlich ökonomischem Charakter in Marokko selbst, waren wir in der Sage, zu erklären, daß britische Interessen nicht in den Vorschlägen und Gegenvorschlägen, die im Laufe der Verhandlungen gemacht wurden, in Frage kamen. Alles was wir sagten und taten in unseren Mitteilungen an bie französische Regierung, richtete sich auf die Förderung und nicht die Behinderung der Verhandlungen.

Grey fuhr fort, wenn er auf das ein gehe, was er als die wahre Natur der Spannung bezeichne, so habe er zu erklären, daß Mischen Frankreich und Deutschland ein Abkommen erreicht worden ift, in dem beide Seiten sich wichtige Zugeständnisse machten und wichtige Vorteile gewährten. Daß dieses Abkommen angenommen worden ist und der Friede gegenüber der Erregung während der Verhandlungen erhalten blieb, ist eine den an den Verhandlungen beteiligten Diplomaten hoch anzurechnende Tat­sache (Beifall) und durchaus nicht beschämend für unsere Stel­lung, die wir unsererseits einnahmen, obgleich sie nur eine neben­sächliche Stellung war.

Es ist wirklich, als ob die Welt in einem Zustand von politischen Alkoholismus wäre (Beifall und Heiterkeit). Ich erwähne die Rede, die kürzlich Oberst Faber hielt, weil diese Rede auch im Budgetausschuß des Reichstags Gegenstand von Erörterungen war, und wie mir von zuverlässiger Seite mitgeteilt wurde, die Erbitterung des deutschen Volkes verstärkt hat. Ich weiß wohl, daß es für uns leicht möglich wäre, zu erwidern, daß eine oder zwei im Reichstage gehaltene Reden nichtamtliche, und auch Faber ist Tein amtliches Mitglied (Heiter­keit uns genau soviel Grund geben, hier zu erklären, daß unsere öffentliche Meinung dadurch beleidigt würde. Natürlich führt eine Rede eine andere herbei. Ich kann nur mein Bestes tun, ich kann versuchen, den vorhandenen Argwohn und das aufregende Gerede abzuschwächen, indem ich untersuche, was die Spannung und die Befürchtungen im Sommer und bis in den September hinein wirklich bedeuteten. W ir waren in be­ständigen intimen Beziehungen mit Frankreich. Wir wußten, Frankreich hegte den ernstlichen Wunsch nach einer Verständigung und würde die Verhandlungen nicht plötzlich ab­brechen. Wir glaubten auch nicht, daß die deutsche Regierung dieses tun würbe, obschon wir nicht in jo enger Fühlung mit ihr standen ober ihre Absichten über den Verlauf der Verhand­lungen uns so bekannt waren. Immerhin lag die Möglich­keit vor, daß die Verhandlungen abgebrochen werden konnten, obschon ich es nie für wahrscheinlich hielt. Ich erwartete nie­mals einen jähen Abbruch, aber es war ein- ober zweimal im Sommer so, als ob bie Verhandlungen auf einem toten Punkt kommen konnten. Natürlich würbe der n ä ch st e düp l o m a r i s ch e Schritt für eine an der Algecirasakte Beteiligten der gewesen sein, eine Konferenz vorzuschlagen. Das wäre ein Schritt gewesen, den zu tun wir bereit gewesen wären. Ich hatte die deutsche Regierung im Juli daraufhin sondiert, ob der Vor- ichlag einer Konferenz ihr annehmbar erscheinen würde, im Falle bie Verhandlungen auf einen toten Punkt kommen sollten. Tie Antwort, welche ich erhielt, war zwar nicht absolut schlüssig, beutete aber an, baß der Vorschlag nicht annehmbar er» (feinen bürste. Das war bas Bedenkliche an der diplomatischen Sage.

Sir Edward Grey tarn dann auf die auswärtige Poli­tik im allgemeinen zu sprechen und jagte: Wir haben die geheimen Artikel des englisch-französischen Abkommens ver­öffentlicht. Andere geheime Verpflichtungen gibt es nicht. Unsere Freundschaft mit Frankreich und Rußland ist an sich eine Garantie dafür, baß keine der beiden Mächte eine herausfordernde ober aggressive Politik gegen Deutschland verfolgen wirb, das ihr und unser Nachbar ist. Fede Unterstützung die wir Ruß­land ob er Frankreich in schwierigen Zeiten! eisten würden, würde ganz und gar von der Stirnmun g des Parlaments und ber öffentlichen Meinung abhängen. Sowohl Frankreich wie Rußland wissen sehr wohl, bau bie britische öffentliche Meinung einem herausfordernden ober aggressiven Vorgehen gegen Deutschland keine Unterstützung leisten würde. (Beifall.) Dieielben Erwägungen würden mutatis mutan- dis bei Frankreich und Rußland maßgebend fein. Deutsch­lands Stärke gibt in sich selber eine Garantie, daß kein anderes Land einen Streit mit ihm suchen wird. Das ist eine Seite des Schildes, auf den Deutichland wohl stolz sein kann. Aber bie beutsche öffentliche Meinung sollte baran denken, daß es eine andere Seite deS Schildes gibt. Wenn eine Nation die

größte Armee in der Welt besitzt, wenn sie eine lehr große Flotte schon besitzt und int Begriff steht, eine noch größere zu bauen, bann muß sie alles in ihrer Macht Stehende tun, um die lehr natürlichen Befürchtungen anderer verhindern, bie keine ag grell wen Absichten besitzen, baß diese Macht mit ihrem Heer und ihrer Flotte aggressive Tendenzen gegen sie verfolgen tonnte. Alles, was wir und die anderen Nachbarn Teutichlands wün­schen, ist auf gleichem Fuße mit ihm zu leben. (Bei,all.) Es gibt eine auswärtige Politik, die verschieden ist von der, die ich zu schildern versuchte, und es scheint, daß sie tn einigen Kreil en befürwortet wird. Mir scheint dies einfach unheilvoll zu fein. Sie besteht darin, daß wir es zu verstehen geben sollten, daß wir unter keinen Umständen einem unsrer Freunde irgendwelchen Beistand leisten sollten,, in so herausfordernder oder unberechtigterweise er auch angegriffen wird. Das würde ein Versuch sein, zu dem zurückzukehren, was man einstmals die Politik der glänzenden Isoliertheit nannte. Ich mochte alles tun, was ich kann, um die Beziehungen zu Teutlchland zu bei lern, aber bie Freundschaften, bie wir haben, haben letzt mehrere Tage ge­halten, und es muß der Hauptpunkt bei ber Besserung unserer Beziehungen zu Teutschlaiib sein, daß wir keine von ihnen opfern. Wenn Deutschland freunbliche Vereinbarungen be­treffs Afrika mit anderen Ländern treffen will, gehen wir nicht darauf aus, ihm irgendwie in den Weg zu treten, ebensowenig wie Frankreich. Es ruht eine große Ver­antwortlichkeit auf der britischen und deutschen Regierung, da ßsie den Ton und den Geist der Reden und besonders von des Kanz­lers zweiter Rede in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren zur Geltung bringen. Wir wollen uns nicht der Ein­bildung hingeben, daß wir in diesem Augenblick in ber Verbesse­rung ber Beziehungen zu Deutschland das Tempo formieren können.

Sir Grey schloß: Wenn diese Regelung zwischen Frankreich und Deutschland bie Zustimmung beider Nationen erhält, dürfte sie sicherstellen, daß bie marokkanische Frage dauernd geregelt ist ohne Bruch des europäischen Friedens. Wenn dies so ist, bann nehme ich vertrauensvoll sowohl gegenüber ber Politik in diesem Lande als derjenigen von außerhalb in Anspruch, daß bie Stellung­nahme ber britischen Regierung wesentlich zu ber Verwirklichung bieser Erwartung beigetragen hat, und ich bin ber .Meinung, baß dies bie allgemeine Gesinnung des Hauses ist.

Preffestimmeu.

Berlin, 28. Nov. (Drahtbericht.)

DerBerliner Lokalanzeiger" meint, man müsse anerkennen, daß die Debatte in sehr ruhigem Tone und in einer dem Ernst des Gegenstandes angepaßten Sprache geführt worden sei. Im allgemeinen deckten sich Greys tatsächliche Mitteilungen mit denen des deutschen Staatssekretärs. Der Widerspruch mit Kiderlens Erklä­rung wegen des angeblichen dreiwöchigen Schw ei­gen sd er deutschen Regierung werde wohl bei den weiteren Marokkoverhandlungen im Reichstage noch auf­geklärt werden.

DieTägliche Rundschau" schreibt: Die Aus­führungen Sir Edward Greys werden alle die enttäu­schen, die von ihnen eine entscheidende Wendung zu­gunsten einer deutsch-englischen Annäherung erwartet haben. Im übrigen gehe durch die Darlegungen ein kühler, fast schneidender Ton, der durch die stark hervor­gekehrte formelle Höflichkeit nicht gemildert, sondern wo­möglich verschärft werde.

DerBörsen - Courier" schreibt: Alles in allem sind die Ausführungen des englischen Staatssekretärs nicht geeignet, allzu große Hoffnungen auf eine wirkliche Besserung unserer Beziehungen zu Eng­land aufkeimen zu lassen.

DieV o s s. Z t g." meint, der Ton, in dem zwischen den deutschen und englischen Staatsmännern im Sommer amtlich verkehrt wurde, habe offenbar die Grenze des noch Korrekten nahezu erreicht. Damals mag man in Der Dowe- ring Street am ersten ängstlich jene Pläne gehegt haben, die Kapitän Fab er enthüllt hat. Soweit aus den bis­herigen Drahtberichten zu ersehen sei, werde Greys Rede an den politischen Zuständen und politischen Stimmungen nichts ändern.

DasBerl. Tagebl.": Diese Ministerrede biete weder Anlaß zu einer abgrundtiefen Enttäuschung noch Ursache zu einer himmelhohen Zufriedenheit. Wenn Eng­land im Sommer seine Flotte kriegsbereit machte, so lag dazu keine vertragliche Verpflichtung vor. Da also alles ein freier Entschluß war, träte die Weltrichterrolle noch klarer in den Vordergrund, die Weltrichterrolle eines England, das um der eigenen, angeblichen Interessen willen Deutschland nicht nur von Ddarotko, sondern auch von der Kongoküste fernzuhalten gesucht habe.

> _* 11 '-'L ' e, r - , JJ_! - .......------

Deutsches Reich.

Ms Tag ber Eröffnung des neuen elsaß-lothring­isch e n L a n d t a g e s ist der 6. Dezember in Aussicht genommen. Tie feierliche Eröffnung des neuen Landtages wirb tm Kaiserpalast stattfinden.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 28. November 1911.

Lich. ltmr-Aörchbllch 19(2.

Die Einwohnerschaft der Stadt Lich wirb darauf aufmerksam gemacht, daß bas Abressenverzeichnis zur Einsicht und Berichtigung auf dem Amtszimmer ber Großh. Bürgermeisterei Lich am 29. und 30. November offen liegt.

Verlag Des Adreßbücher der Stabt und der Kreiser Gießen.

* Tageskalenbec für Dienstag, 28. November: Stabt- theater:Was ihr wollt." Anfang 8 Uhr.

Damen-Borrrag von Mabame Lola Bernhard: Was die Frauen wissen müssen. Abends 8# Uhr in Steins Garten.

*

** Ordensverleihung. Der Großherzog hat das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Oberstleutnant u. Sonin beim Stabe des 6. Rhein. Jnfanterie-NegimentS Nr. 68, seither Bataillons-Kommandeur im Leibgacde-Infanterie-Regiment (1. Hess.) Nr. 115, vei» liehen.

** Der Verband hessischer Kommunal forst - warte, Abt. Gießen und Umgebung, versammelte sich dieser Tage im Schipkapatz zur Feier des G e b u r ts ta g e s des Großherzogs. Nachdem der geschäftliche Teil der Versammlung sein Ende erreicht hatte, gedachte der Vor­sitzende, Lotz-Wieseck, der Bedeutung de§ Tages und brachte ein Hoch auf den Landesherrn aus. In zwang-

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