deutsche Regierung hat bargclegt, wie die deutsche Ansicht wirk- lick gewesen ist, und ich haoe feinen Kommentar dazu ;u geben und feine ÄrUif daran zu üben. Meine Erzählung beginnt also mit dem 1. Juli
An diesem Tage kam der deutsche Botschafter aus das Auswärtige Amt und machte folgende Mitteilungen bas bereits im Budgerausi'chuß des R.ickstagS befanntgegebene Aide M^moire vorn 30. Juni). Ter „Panther" war, glaube ich. auf dein Wear nach Agadir, aber in der Erläuterung des Botschafters, meldtc diese Erklärung begleitete, war noch mehr enthalten. Tiefe Mitteilung war begleitet von einer Erläuterung, die erkennen liefe, daß die deutsche Negierung eine Rückkehr zum Status ouo in Marokko als zweifelhaft, wenn nicht als unmöglich betrachtete, und baf, was sie ins Auge fa&te, eine befinitibe Lösung der marokfaniscl»en Frage zwischen Teutschland, Frankreich und Spanien war. Tic Mitteilung wurde am Sonnabend gemacht und ließ daraus schließen, das; das ins Auge gefaßte wirkliche Ziel eine definitive Lösung der ganzen marokkanischen Frage war.
Am folgenden Montag teilte ich dem deutschen Botschafter mit, daß ick mit dem Premierminister Asquith gesprochen habe, und daß wir die durck die Entsendung des „Panthers" nach Agadir^fleschafsene Situation als so wichtig betrachten, daß sie in einer Sitzung des Kabinett- erörtert werden müßte. Ich wollte bis zu dieser Kabinettssitzung nichts weiter sagen, aber ick möchte, daß bie b e u 11 d) e Regierung sofort erfahre, daß nad) unserer Ansicht bie Lage ernst und wichtig sei. Ich sah den deutschen Botschafter am 24. Juli wieder und sagte, ich müßte ihm mitteilen, daß unsere Haltung bezüglid) Marokkos keine uninteressierte sein könne. Wir müßten unsere Vertragsverpflichtungen gegen Frank- re i ch und unsere eigenen Interessen in Marokko in Betracht ziehen. Wir seien der Ansicht, daß durch die Entsendung eines deutschen Kriegsschisses nad' Agadir eine neue Situation geschaffen fei. Die künftige Entwickelung könnte vielleicht die britischen Interessen direkter berühren, als sie bisher berührt worden seien und daher könnten wir keine neuen Arrangements anerkennen, z u denen man ohne uns gelangen könnte. Ich machte es ganz klar, daß diese Mitteilung und die von mir gebrauchten Worte genau diejenigen von Se. Majestät Regierung seien. Nun folgte eine Periode des Schweigens. Der deutsche Botschafter hatte keinen Auftrag, mir irgendeine Bemerkung bezüglid) meiner Mitteilungen ju machen, und wir erhielten keine M i 11 e 11 u n g von derdeut - scheu Regierung über das, was ihre Wünsche und Ziele seien, oder woran sie gedacht habe, als sie von einer definitiven Losung des marokkanischen Problems sprach. Das war die wirklich wtchüge Frage. Aus anderen Kreisen gelangten cinipe Mitteilungen an uns, was uns besorgen ließ, daß die von Deutschland tnd Auge gefaßte Regelung eine Teilung Marokkos sein könnte und zwar durck) Verhandlungen, zv denen man uns nicht hin^uzuziehen beabsichtigt'..
Es ist natürlich vollständig richtig, daß wir uns in Marokko durck) das Abkommen mit Frankreich im Jahre 1904 politisch desinteressiert hatten. Aber bei dem Abschluß dieses Abkommens hatte die frühere britische Regierung gewisse wirtschaftliche und strategische Bedingungen jtipuliert. Diese hätten durch eine Neuregelung bezüglich Marokkos gestört werden können, und das war der Grund, warum rotr uns über bad beunruhigten, was geschehen könnte.
Ter britische Botschafter in Berlin hatte am 12. Juli Gelegenheit, ben beutschen Staatssekretär bes Auswärtigen über einige weniger wichtige Fragen zu sprechen, und ergriff die Gelegenheit zu sagen, daß einmal von einer Unterhandlung zwischen Dreien, zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien, gciprochen worden fei, woraus zu schließen wäre, baß wir davon ausgeschlossen werben sollten. Ter Staatssekretär sagte unserem Botschafter, er möge uns mitteilen, daß niemals irgendein Gedanke an eine solche Unterhandlung erinicrt habe. Aber ausgeschlossen diese negative Erklärung erhielten wir von der deutschen Regierung keine weiteren Mitteilungen. Etwas später hieß es in der Presse, daß die deutsche Negierung mit Bezug auf Französisch-Kongo Forderungen von einer Ausdehnung gestellt habe, daß offenbar weder bie französische Regierung noch die französische Stammet hätten zustimmen können, und ich wurde besorgt wegen der zukünftigen Entwicklung der Marokkoitage.
Ich sprach daher am 21. Juli mit dem deutschen Botschafter und sagte ihm, ich möchte keine Zweifel darüber beließen lassen, daß unser Stillschweigen nicht ’o verstanden werden bunte, a l s ob wir an der marokkanischen Frage nicht dasJnteressenehmenwürden.dasin unserer Erklärung vom 4. Juli ausgesprochen worden war. Wir hätten gewußt, daß eine Berichtigung der Grenze von Französisch- Kongo als Grundlage für die Verhandlung mit Frankreich vor- gejchlagen worden sei. Wtr hielten es für möglich, daß aus dieser Basis eine Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich erreicht werden könnte, iceld'e die britischen Interessen nicht berühre. Wir würden uns sehr freuen, wenn dies gelingen sollte, und in der Hoffnung, daß dies geschehe, hatten wir uns bisher beiseite gehalten. Aber ich fei ängstlich geworben durch Mitteilungen, die Tags zuvor über bie von der deutschen Regierung an die französische gestellten Forderungen erschienen feien, Forderungen, welche tatsächlich keine .Grenzberichtigung, sondern eine Abtretung von Französisch-Kongo bedeuteten und denen offenbar die französische Regierung unmöglich zustimmen könnte. Ich hatte gehofft, daß die Verhandlungen noch andauern, und ich Hostie noch, daß sie zu einem befriedigenden Resultat führen würben. Aber ich.konnte keinen Zweifel darüber lassen, daß eine erfolglos verlaufen sollte. Ich bemerkte dem deutschen Botschafter, daß die Deutschen in dem geschloffenen Ha en von Agadir sich befanden, daß sie nach Gerüchten, die unter den Eingeborenen verbreitet feien, Mannschaften landeten und mit den Stammen verhandelten, so daß sie nach allem, was wir wüßten, Flagge in Agadir gehißr fein könnte, das der passendste Hafen für eine FloUenbans an jener Küste sei. Es lasse sich nicht lagen, bis zu welchem Grad die Lage ui unserem Nachteil sich andern könnte, und wenn die Verhandlungen mit Frankreich scheiterten, würden wir gezwungen fein, etwas zum Schutze der britischen Jnterefien zu tun und unsererseits an den Verhandlungen teil; n nehmen. Je länger die Deutschen in Agadir blieben, umso gröber se. die Gefahr, das; dies einen Stand der Tinge schasse, der es lür sie noch ’djroieriger machen würde, sich zurückzuzrehen und tür uns noa? notwendiger, irgendeinen < w r 11; %aui — u y i u c e öririiajen Interessen zu unternehmen. Ich halt: all dies sagen wollen, solange wir noaj bie yonnung hegten, daß die Verhandlungen
mit Frankreich erfolgreich sein würben 85enn ick bas jetzt nickt täte, io könnte c > später zur Erbitterung führen, wenn tnc bcuiidic Regierung durck unser Stillschweigen zu ber Annahme v erführt n.»rr n wäre, dost mir kein Int er esse au bet Sache hätten. Ter deutsche Botschafter war nickt in ber Vage, mir irgendeine Aufklärung z u geben, wies aber bie Annahme zurück, daß, was ick als möglidtt n i
statrgcfunben habe. Er fei gewiß, feine Regierung habe nicht die Absickt, Hanbeismonopolc zu erwerben unb unsere Interessen in unfairer Weise zu schädigen. Dazu bemerkte ich, die Tatsache, daß Deutschland einen geschlossenen Hasen weiter besetzt balle, schließe wenigstens ein Monopol kommerzieller Möglichkeiten in sich.
Grev sagte weiter: Im Laufe diese- TageS, des 21. $uli, George bei einem wichtigen Anlaß im Mamurn- boufe am Abend zu sprechen gehabt. Er beriet mit dem Premierminister und mir, was gesagt werden sollte. Ter Schatzkanzler nahm in seiner Rede in mehr allgemeinen Ausdrücken auf die Lage bezug. Was er gesagt hat, ist in Erinnerung. Tie Ausführungen Lloyd Georges verlangten keinerlei Vorrang oder Vor- Lcrridjait für uns in internationalen Angelegenheiten, sie enthielten keinerlei Trohung im Sinne des Wortes „Häiide weg" gegen irgenöjcmanb oder irgendwohin. Sic brachten nichts 5um Ausdruck, was irgendeine spezielle Forderung ober irgendwelche Aussprüche auf Seiten Teutfchlanbs mit ben britischen Interessen nicht zu vereinbaren wäre. Ihre Bcbeutuna war, daß, wo britische Interessen berührt würben, wir nicht behanbelt werben bürsten, als ob wir nicht mitzählten. Wenn bie Zeit je kommt, wo das nicht gesagt werden bart, werden wir ausgehört haben zu existieren, wenigstens als eine Großmacht. Tatsächlich war bie erste deutsche Besprechung der Lage, die mir zu Gesicht kam, so wie man sie natürlicherweise erwarten durfte. Ein deutsdns konservatives Blatt sagte, daß, wenn das Wort „Deutschland" statt des Wortes „England" geatzt woiden wäre, bie R d: von einem englischen Minister hätte gehalten sein tonnen. Aber ber Wortlaut der Rebe war balb vergessen und eine Art Legende wuchs um sie empor. Zum Beispiel horte ich einige Wochen später von einem Teutschen, der zu seinem englischen Freunde gegen die Rede protestierte. Als man »hm aber den Bericht zu lesen gab, sagte er, daß dasjenige, wogegen man sich in England gewandt habe, nickt bie Rede selbst sei, lonbcm bie Tatsache, baß sie zu einem Zeitpunkt gehalten würbe, als Frankreich und Deutschland im Be- griffe waren, zu einem Einverständnis zu kommen, unb baß sie bie Verhandlungen gestört hat. Gerade das Gegenteil i st.wahr, bezüglich des Zeitpunktes, zu dem die Rede gehalten würbe.
Drei Tage nach der Rebe bes Schatzkanzlers Lloyb George besuchte mich ber deutsche Botschafter und teilte mir mit, daß die deutschen Absichten bei der Enttendung eines Schisses nach Agadir sich nicht geändert hätten. Nicht ein Maim sei dort gelanget worden. Tie deutsche Regierung bebaure, daß England den Insinuationen über die Absichten Teutscklands Glauben schenke, bie von feindseliger Sette herruhrten. Teutschlanb habe nie daran gedacht, einen Hafen für seine Flotte an der marokkanischen Küste zu schaffen und werde niemals Daran denken. Solche Gedanken feien Halluzinationen. Was die Verhandlungen mu <yr untrem) bcireife, |o jei die deutfck)e Regierung, sofern ihre Forberungen etwas hochgespannt seien, bereit, Konzessionen z u machen, sowohl in Marokko als auch in andern kolonialen Angelegenheiten. Aber der chauvinistische ßug der französischen und eines Teils der britischen Presse, welche Teutschland mit einer Einmischung der Freunbe Frankreichs bedrohten, sei nicht dazu angetan, eine Beilegung zu fördern.
Auf diese Erllärung des Botschafters erwiderte ich, es sei wahrscheinlich, daß ich im Parlament gefragt werden würde, was in Agadir vvrgehe. .^0) moa)ie oahcr gern will en, ob ich antworten tonne, daß die deutsche Regierung nicht beabsichtigt habe, daß gelandet worden sei. Der Botschafter erklärte, über bieie Unterredung nicht eher eine öffentliche Erllärung abzugeben, bis er Zeit gefunden habe, mit feiner Regierung in Verbindung zu treten.
Am nächsten Tage besuchte mich der deutsche Botschafter wiederum und sagte mir, daß seine Mitteilung vom Tage vorher vertraulich sei, und daß bie deutsche Regierung ihre Z u st i m m u n g nicht geben könne, daß im Parlament davon Gebrauch gemacht werde. In Bezug auf die Rede Lloyd Georges machte er mir dann die Mitteilung, welche jetzt von dem Staatssekretär des Auswärtigen veröffentlicht morben ist. Diese Mittellung war eine scharfe Kritik und zwar mehr an der Wirkung der Rede auf die Presse, als auch an dem Inhalt der Rede selbst. Aber sie war außerordentlich steif im Ton, und ich hiell es für notwendig, zu sagen, daß tae Rede mir teuren Unlai, zu Kragen zu geutn ichecne. Tie Tatsache, daß fic in Deutschland Ueberraschung hervorgerufen habe, sei an sich eine Rechtfertigung der Rede, denn sie hätte leine Ueberraschung Hervorrufen können, wenn nicht in Deutschland eine gewisse Neigung zu dem Gedanken bestanden hätte, daß man uns nickt zu beachten braud>e TiedeutscheRegrerung bat erklärt, es vertrage sich nach der Rede des Sckatzkanzlers nicht mit ihrer Würde, darüber Erklärungen zu geben, was in Agadir vorgehe. Ich sand, daß der T o n iyrer Mitteilung es unvereinbar mit unserer Wurde machte, Erklärungen über diese Rede abzugeben.
_ Ich fügte in meiner Unterredung mit dem Botschafter hinzu, daß durch nichts, was gejagt worden fei, ober gesagt werden würde, beabiichtigt werde, Die Unterhandlungen zwischen Deutsch- lanb und Frankreich in Verwirrung zu bringen. Wir hegten im Gegenteil den aufrichtigen Wunfck, daß sie zum Erfolg fuhren mochten. Aber der Ton der deutschen Mitteilung fei sehr unerfreulich, sowohl für Frankreich als für uns, uno mache es llarer als je, daßcine sehr schwierige Lage entstehen würde, wenn die Verhandlungen Teutschlarcks mll Franlreich nicyi zum Urjolg führen joilten.
Auf diesem Standpunkt l ieb Je Angelegenheit bis zum 27. Juli. Ter deutsche Botschafter macht: an diesem Tage folgende Mitteilung:
Wir hegen die Zuversicht, daß Sir Edward Grey durch liniere iehc ui jene uiiu auftia^nge ^cuteüiuig ou Ucoerzeugu: g gewonnen hat, daß unsere Beivrechungen mu Frankreich in diesem Augenblick die brllischen Interessen nicht berühren. Wu verlaiün uns auf des Ministers große Loyaluär, die er so c . gezeigt Hai, daß er cs möglich finden wird, bieie Taisock. >,.i Parlament festzustellen, ohne irgendwelche Einzi. Seiten unserer uer.ranlicken Mittellungeot. Mi; Rücksicht auf bie formelle Verpflichtung zuG< - heim Haltung, bie wir übernommen haben, ist es nicht möguch, auf Einzeln: :..n ein ugehen, aber Du. ceenuiell aus - zutauichenden Gebiete ausschließlich doeutfche
Nr. 280
ter «ietzener Snjdget trfcbeuu täglich, außer Sonntags. - Beckagen: viermal rooeb entlieh GichenerZamitteadlatler; iivt tmal roödjen tl.Kreis» bleit für ben KrcisGiefjen
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Erstes Blatt
16 b Jahrgang
Dienstag, 28. November 1911
Anzeiger für
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Griys Rede über die Kriegsgefahr.
Tie mit größter Spannung envarkeke Rede des englischen Ministers des Auswärtigen wird uns heute ausführlich vom Draht übermittelt. Sie ist ein diplomatisches Meisterwerk, klar, geschmeidig, kühl und geschäftsmäßig. Jetzt haben wir, wenn Reden überhaupt noch Klarheit schassen konnten, einen vollständigen Einblick in die amt-
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lichen englisch-deutschen Beziehungen. Will man den eng» tischen Standpunkt kurz fassen, so kann man wohl sagen: England will sich die Weltherrschaft zur See, und im Bündnis mit seinen „Freunden", auch die Entscheidung gegenüber dem wachsenden Teutschland erhalten. Taft das Ergebnis des Handels mit Frankreich für Deutschland klein aus-
äÄfiW» für den Loriiand.
H. Doerina.
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in grosser Auswil JKaaijt. KrenzplatI 10
! sich noch viele wichtige Untersuchungen an diese Rede Greys knüpfen, die interessanter und bedeutungsvoller ist als irgend eine Rede eines Staatsmannes seit einer guten Reihe von Jahren. Im ganzen kann man wohl sagen, daß das j gespannte Verhältnis zwischen Deutschland und England auch für die nächste Zukunft noch dauern wird. Wir erhalten folgenden Bericht:
London, 27. Nov. TaS Unterhaus war in allen | Teilen dicht besetzt. Die Tiplomatenloge, die Galerie i für die Mitglieder des Lbcrhauses und die Galerie für das L Publikum waren gedrängt voll. Bei Einbringung der be- «reits angekündigten Erklärung sagte der Minister des '»A uswärtigen, Sir Edward Grey, zunächst, er bc- ^absichtige, sich auf die jüngsten Marokko-Verhandlungen zu beschränken. Ter Gegenstand sei so wichtig, so ernst und im Augenblick noch so heikel, daß es für ihn
äußerst ungelegen wäre, andere Frageii damit zu vermengen. Wenn es möglich gewesen wäre, häkle er gerne bis zu dem Abschluß der Be|prechungeii im sranzösischcn und deutschen Parlament gewartet, bevor er irgendetwas über die Frage gesagt hätte. Aber in Deutschland sei bereits soviel darüber gesprochen worden, insbesondere in den jüngsten Darlegungeii deö Staatssekretärs des Auswärtigen Aintes, v. K i d e r 1 e n - W ä ch t e r, daß er ’icfj selbst auf die Gefahr hin, die Erörterungen zu sturen, die in Franlreich und Teutschland noch stalliiuden müßten, verpftichtet fühle, eine ziemlich vollständige Erklärung abzugeben. Gr wünsche auf die Empfindlichkeit ber öf,entlichen Meiimng in Frank reich und Deutschland jebe Rücksicht zu nehmen. Aber, so fuhr er fort, es ist bereits so viel über uns dort gesprochen worden, daß wir dieselben Rücksichten auf unsere eigene öffentliche Meinung nehmen müssen. Man werde es sicherlich im Auslände verstehen, daß, was geschehen sei, es für England unmöglich mache, eine vollständige Erklärung noch länger hiuauszuschieven. Er werde also
;einen Bericht über die Unterhaltungen zu geben haben, die im Sommer zwischen ihm und dem deutschen Botschafter ftaitgcfunben hätten. Er wolle seine Erllärung so genau wie möglich abgeben, und es werde daher notwendig sein, daß er seine eigenen Aufzeichnungen über das, was tatfachlich ftattgefunben habe, Dortyc. Er wolle beginnen mit einer Erzählung dessen, was zwischen England und Deutschlmid im Sommer Dorgegangen sei. Dann wolle er untersuchen, was der wirkliche Grund der zwischen Deutschland unb England durch die marokkanische Frage hervorgerufenen Spannung gewesen fei. Es I)abe sich bezüglich dieser Spannung im Sommer soviel Mißtrauen unb Gerede angesammelt, daß cs die Gemüter beider Lander mehr als je zuvor erregt und aufgereizt habe. Lbwohl die Krisis, welcher Art sie nun auch gewesen fein mag, vorüber ist, werde ich mrch bemühen, jene Erregung zu mildern nicht dadurch, daß ich verkleinere, was wirklich e r n st h a s t gewesen ist, sondern dadurch, daß ich versuche, eine getreneDarftellung der Situation zu geben. Ter dritte Teil von dem, was ich sagen möchte, wird allgemeine Bemerkungen über die aus- Iroärtige Politik bringen und eine Antwort auf gewisse Abschnitte der Rede des deutschen R eich stanzlers jein, die mir ein hoffnungsvolles Borzeichen zu sein scheinen.
Grey schloß seine einleitenden Bemerkungen mit folgenden Worten: Wenn in dem früheren Teil meiner Erklärungen Tinge enthalten zu fein scheinen, bie keine hofmungs volle ober versöhnliche Entwicklung versprachen, so bitte ich bas Haus, zu bedenken, daß, wenn ich richtigstelle, was schwierig und störend gewesen ist, ich dies nicht m der Absicht tue, es hervorzuheben ober zu verewigen, sonbern in der Absicht, es aus dem Wege zu räumen. ,
Sir Ebwarb Grey führte weiter aus:
Ter deutsche Staatssekretär des Auswärtigen Amts hat bc- tcils, wemi auch nicht eine vollstäiidige, aber eine ausgedehnte Aufklärung über das gegeben, was in der Unterredung zwischen dem deutschen Botsckwster in London und mir vorgegangen ist. Im diplomatischen Verkehr ist es sehr ungewöhnlich, einen Bericht über Unterredungen zu verösfemlicken, ohne vorher den anderen Teilnehmer zu befragen. In biefem Falle >cuptc ick) nichts, bis ich den veröfientlichtsn Bericht zu lesen bekam. Ich verswhe, daß die Anforderungen der Lage in Teutschland es unmöglich gemacht haben, daß ich vorher befragt mürbe. Wenn jtf) befragt worben wäre, 1° würbe ich sicherlich keine Einwendung erhoben haben. Id' erhebe feine Beschwerde darüber, aber cs wurde mir dadurch ?lc Nolwendigkcll aujerlegt, aufzuklären, was nach meiner An- ächt dem Hause über ben Anteil, den wir an der Ängelegenhllt genommen haben, miigeteilt werden muß. Ter heutige Reichs :Qudlec und Der deutfeye Slaatssekrctär des Auswärtigen Amis haben bereits ein Mißverständis erledigt. Man hatte in ftnigen Kreisen angenommen, daß T eulschland gegen die Lc vnzöfische .Aktion, das heißt gegen den Marsch nach üez überhaupt protestiert und baß Frankreich angciia “teies dcutjcheii Protestes auf dem Marsch bejmuben habe. Tie
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