Ausgabe 
3.10.1911 Drittes Blatt
 
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seines Dirigenten Kurz mit dem stimmungsvollen Vortrag von:Mit dem Herrn fang alles an, sowie die hiesige 1. Schulklasse des Lehrers Rabenau mit dem erhebenden Gesang des 23. Psalms. Die beim Schluß deS Gottes­dienstes erhobene Kollekte betrug 83,66 Mk., wozu noch etwa 60 Mk. auS den Missionssammlungen und den DankcSbüchsen von Rödgen und Annerod kamen. Außerdem wurden noch für 18 Mk. MissiouSschriften verkauft.

A Garbenteich, 1. Okt. Unser SchulhauS- Reubau wurde heute eingeweiht. Um V23 Uhr trafen die Vertreter der Kreis-Schulkommission und deS KreiS-Bau- amteS Gießen ein. Ein Festzug war hier bereits aufgestellt; in ihm marschierten die Schulklassen, Kriegerverein, Turn­verein, die drei Gesangvereine, der Gemeinde-, Kirchen- und Schulvorstand, sowie bie Ehrengäste. Der Zug bewegte sich nach dem Neubau, wo die ganze Gemeinde sich einsand. Die Einleitung der Feier bildete der Schülerchor .Nun danket alle Gott". Darauf sang der GesangvereinFrohsinn" den EhorDie Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Pfarrer Hepding hielt die Weihecede. Er wies besonders darauf hin, daß Kirche und Schule die BildungS- und ErziehilngS- ani'talten des Volkes feien und Hand in Hand wirken tollen. Der Regierung dankt er für die Anregiing, der Gemeinde für Ausführung deS ReilbaueS. Er weihte die Schule als Bildungs­stätte deS Geistes und Herzens, als Erziehungsanstalt für die Jugend und somit als eine SeqenSgiielle der Gemeinde. DaS Weihelied trug der GesangvereinViktoria" vor. RegierungS- baumeister Knöll-Gießen sprach über den Neubau, den Baurat Diehin erbaut hat. Er dankte besonders den auS- führenden Handwerkern und übergab den Schlüssel an Regie- rungsrat Weicker-Gießen, der der Gemeinde die Glückwünsche der KreiS-Schulkommtssion übermittelte und dem Gemelnderat für die Bewilligung der Baukosten dankte. Der Neubau möge eine gesegnete Stätte der Jugenderziehung sein. Bürger­meister Kissel sprach namens der Gemeinde der Behörde für ihr Entgegenkommen Dank an5. DaS Schlußwort sprach Lehrer Weisel, der auf das Wachsen dec Gemeinden um Gießen und die dadurch bedingte große Schülerzahl, Klassen­errichtung und Erbauung eines neuen Schulhauses für Garben­teich hrnwies. Hier soll die Jugend zu tüchtigen Gliedern der Gemeinde und des Staates herangebildet werden. Dec Gesang­vereinLiederblüte" trug den ChorHeimat" vor. Tann fand die Besichtigung des Neubaues statt, dec in seinem schmucken Aeußeren, wie auch in feiner zweckmäßigen Innen­einrichtung allgemeine Anerkennung fand. Ter Bau kostet 26 600 Mk.

-m. Langd, 2. Okt. Die Kartoffelernte ist hier ziemlich beendet und trotz des trockenen Sommers gut aus­gefallen. Die Knollen sind gut entwickelt lind in Menge vor­handen. Viele Landwirte haben eine solche Kartoffelernte noch selten erlebt. Am meisten wurde hierVater Rhem" angebaut. Wie in vielen anderen Orten muß auch öie für kommenden Sonntag anberaumle hiesige Kirchwelhe infolge der in mehreren Orten der Umgegend noch herrschen­den Maul- und Klauenseuche ausfallen.

Kreis Lauterbach.

r. Lauterbach, 1. Oktober. Zu Ehren des nach Gießen versetzten Kreisbauinspektors Hechler fand gestern abend im Saalbau zum Johannesberg hier eine wohlgelungenc Abschieds- feier in Gestalt eines Bierabends statt. Eine große Anzahl Freunde und Bekannte des Kreisbauinspektors sowie mehrere Hand­werksleute hatten sich eingesunden. Kreisrat v. Bechtold hielt eine Ansprache, er bedauerte das Fortaehcn des Kreisbauinspektors Hechler, der es verstanden habe, in seiner fast 9jährigen Wirksam­

keit am hiesigen Kreisanrt stets ein gutes Einvernehmen zwischen den Beamten und Untergebenen zu erhalten. Der Redner gab seiner Freude darüber Ausdrück, daß der Kreisbauinspektor des KreiseS Lauterbach dazu auSersehen sei, die Stelle eines Provinzial­baubeamten zu erhalten und wünschte ihm in seinem neuen Wir- kunaSkreise ferneres Wohlergehen. Sein brausend aufgenommenes Hoch galt dem Kreisbauinspektor Hechler. Bürgermeister Stöp- l e r feierte die Gattin des Scheidenden, der sein Hoch galt. Kreis­bauinspektor Hechler dankte in bewegten Worten für die Ehrung. Er versprach, dem Kreitz und besonders der Stadt Lauterbach, stets ein gutes Andenken zu bewahren. Sein Hoch galt dein Kreis Lauterbach. Schlossermeister O t t e r b e i n , Lauterbach, sprach im Namen der Handwerksmeister, die den Weggang detz Scheidenden tief bedauerten, da er deren geleisteten Arbeiten stets als gut anerkannt und bewertet habe. Krcisstraßenmeister Jockel hier schilderte in humorvoller Weise das schöne Verhältnis Hechlers zu den Untergebenen. Ein gut zusammengesetztes Orchester ver­schönerte die Feier.

Kreis Friedberg.

--- Friedberg, 2. Okt. Am letzten Freitag schloß unsere Ob stb ausch ule ihr Sommerhalbjahr. Noch in keinem Jahr Maren die verschiedenen Lehrgänge so zahl­reich besucht wie dieses Mal. Im ganzen wurden 147 Personen unterrichtet. An dem achtwöchigen Baumwärter- kurs nahmen 28 und an dem Wiederholung^kurs für Baum­wärter vier Schüler teil. Letztere unterzogen sich am Schlüsse mit gutem Erfolg der Baumwärterprüfung und dürfen nun den Titelgeprüfter Baumwart" führen. Der 14tägige Obstbaukursus für Geistliche und Lehrer war von 10 Herren und der achttägige Gartenbaukurs von 14 Damen besucht. Am ApfelweinproouzentenkurS beteiligten sich sie­ben Herren. An dem seit vorigen Sommer neu eingerich­teten Beerenobst-VerwertungSkursus nahmen 27 Damen teil, und die beiden Obst- und Gemüseverwertungskurse waren von 57 Damen besucht. Am 6. November nimmt die landw. Winterschule ihren Anfang.

Starkenburg unö AhciNhefsen.

X. Groß.-Steinheim (Hessen), 1. Okt. In einfacher Weise vollzog sich heute nachmittag die Feier der Grund­steinlegung zu dem von dem Großkaufmann Louis Meyer - Gerngroß in 'Mannheim zur Verschönerung seiner Vaterstadt geftifteten Fried« nSdenkm als. Der Vorsitzende des Fest­ausschusses, Bildhauer Jak. Busch in Groß-Steinheim, hielt eine Ansprache, in der er den Zweck des Denkmals darlegte. Hiernach soll das Denkmal ein Erinnerungszeichen sein an die Taten der Krieger von 1870/71, die den Frieden erstritten haben, vor allem aber ein dankbares Erinnerungszeichen an die friedliche Entwickelung Hessens, die mit der glorreic^n Negierung Lud­wigs I. eingesetzt hat. Als ein schönes Zusammentreffen bezeichnete etz der Redner, daß das Denkmal gerade an der Stelle seinen Platz finde, wo unsere Vorväter jahrhundertelang über das Wohl und Wehe unserer Stadt zu Rate saßen. Im Jahre 1376 wurde an dieser Stelle das sog. Spielhaus errichtet, datz später als Rathaus benutzt und vor 100 Jahren ein Raub der Flammen wurde.

Köln, 2. Okt. Auf der Tagesordnung der auf den 26. Ok­tober d. Js. nach Dortmund einberufenen ordentlichen Haupt­versammlung des Eisen-undStahlwerks Hösch, Aktinr- gesellschaft, Dortmund ist außer den gewöhnlichen Verhandlungs­gegenständen ein Antrag auf Genehmigung eines Verschmel­zungsvertrages mit der Aktiengesellschaft Maschinen­fabrik Deutschland in Dortmund enthalten, deren Werk unmittelbar an die Werkanlagen des Stahlwerks Hösch angrenzt. Weiter wird altzdann eine Erhöhung des Aktienkapitals des Stahl­werks Hösch durch Ausgabe von nominell 3 200 000 Mark Aktien beantragt Der Abschluß der Maschinenfabrik Deutsch­land in Dortmund pro 30. Juni 1911 weist nach Abschreibungen in Höhe von 78 877.13 Mark (i. V. 62 037.56 Mark) einschließlich des Vortrages aus dem Vorjahre einen Reingewinn auf von 211 257.91 Mark (i. B. 187 473.73 Mark). Ter auf den 26. Ok­tober einzuberufenden Hauptversammlung soll vorgeschlagen wer­den, eine Dividende von 10% gleich 135 000 Mark (i. V. 8% gleich 108 000 Mark) zur Auszahlung zu bringen, 7500 Mark für Gratifikationen für Arbeiter und Wohltätigkeitszwecken zur

Verfügung zu stellen unö' den nach Bestreitung der statucrrcschen und kontraktlichen Tantiömen verbleibenden Restbetrag von 52561.03 Mark auf neue Rechnung vorzutragen.

Kartoffelmarkt-Bericht vom 2. Oktober 1911. Berlin: Rote Taber üük. 3.153.30, andere rote Sorten Mk. 3.003.25, Magnum bonuin Mk. 3.103.15, weiße runde Mk. 3.00- 3.05. Breslau: Rote Daber Mk. 3.10-3.30, Rote Sorten Mk. 3.10 bis 3.30, Magnum bonum Mk. 3.103.30, weiße runbe Mk. 3.10-3.30. Liegnitz: Magnum bonum Mk. 3.253.50, weiße runde Mk. 2.25 bis 2.75. Leipzig: Rote Daber Mk. 3.80, andere rote Sorten 3.60 0.00, Magnum bonum 3.800 00, weiße runde Mk 3 550.00, Gelbfleischige blaue Mk. 0.00, rote Akk. 3.80-0.00, weiße 0.000.00. Magdeburg- Rote Daber Mk. 3.25-0.00, andere rote Sorten Mk. 3.O03.05, Magnum bonum Mk. 3.153.50, weiße runde Mk. 2.80-3.25, Gelbfleischige tote Mk. 3.153.75, weiße 4.50-5.00. Köln: Rote Daber Alk. 0.00, andere rote Sorten Alk. 0.000.00, Magnum bonum Mk. 3.203.30, weiße runde 0.00, Gelbfleischige rote 3.60. Dort m und: Rote Daber 0.00-0.00, andere rote Sorten Mk. 0.000.00, Magnum bonum Mk. 3.700.00, weiße runde 3.60 bis 0.00, Gelbfleischige blaue Mk. 0.000.00, rote Mk. 3.60. Kempen: üUagnum bonum Mk. 3.20, Gelbfleischige rote 3.70. Plaidt: Magnum bonum Mk. 3.200.00, Gelbfleischige rote Mk. 3.000.00. Hagen: Rote Daber Mk. 0.000.00, andere rote Sorten 3.500 00, Magnum bonum Mt. 3.303.40, iveiße runde Mk. 3.150.00, Gelbfleischige rote Mk. 3.400.00, weiße Alk. 0.00. (Alles für 50 Kg.)

Bekanntmachung.

Betr.: Abfuhr des Hauskehrichts.

Die mangelhafte Aufstellüng Der Kehricht- gefäße, insbesondere aber die Verwendung ungeeig­neter Kehrichtbehälter (wie Holzkisten, Eimer und Kästen ohne Deckel), hat in vielen Fällen eine Ver­unreinigung des Straßengeländes zur Folge. Ferner muß es als Mißstand bezeichnet werden, wenn stundenlang nach stattgehabter Leerung die Gefäße auf den Bürg ersteigen' stehen bleiben und den Verkehr hemmen.

Wir haben die Schutzmännschast angewiesen, diesem llebelstanö ihre verschärfte Aufmerksamkeit zuzuwenden und alle Verstöße gegen die Bestimmungen des Art. 111 uftib 112 des Polizeistrafgesetz­buchs und § 366 9 und 10 R. Str. G, die das Herausstellen der Gefäße auf die Straße usw. und die Verunreinigung von Orts- ftraßeu und öffentlichen Plätzen unter Strafe stellen, znr Anzeige! zu bringen.

Wir machen darauf ausinerksam, daß eine ordnungsgemäße und reinliche Art der Aufbewahrung des Hauskehrichts durch die Verwendung der mit Deckel versehenen Kehrichtgefäße, wie sie von verschiedenen Firmen zurzeit in den Handel gebracht werden, sehr gefördert wird. Diese runden Kehcichteimer mit Tragbügel und daran befestigtem Deckel verhindern das Heransscharren und Ver­schleppen des Kehrichts durch Hunde, erleichtern die Entleerung der B e h ä l t e r bei der Abfuhr und sind, wenn sie, wie vorgeschrieben, innerhalb des Hoftores oderderTüre aufgestellt sind und nach der Leerung alsbald entfernt wer­den, für das Straßenbild nicht mißständig. Tie einschlägigen Bestimmungen des Regulattvs betreffend Reinhaltung der Straßen und öffentlichen Plätze bringen wir ferner nachstehend in Er­innerung :

Ab fuhr des Hauskehrichts.

1. Ter städtische Mfuhrdienst erstreckt sich lediglich auf die Beseitigung des Hauskehrichts urtb der häuslichen Abfälle; Kehrichtkasten und Gefäße, welche Bauschutt, Steine, gewerbliche Abfälle und dergleichen enthalten, werden seitens der Kehrmann- schaft weder entleert, noch wird deren Inhalt abgefahren.

2. Ebensowenig ist die Kehrmannschaft verpflichtet, Kehricht­kasten oder Gefäße zu entleeren, welche den nachstehenden Be­stimmungen, insbesondere denjenigen bezüglich des Fasfnngs- raumes, nicht entsprechen.

3. Gesäße zum Sammeln des HaNskehrichts unb' der häus­lichen Abfälle müssen solide und dicht hergestellt und mit ji zwei Handhaben versehen sein; dieselben dürfen das Maß von 60 Kubikdezimeter Inhalt keinesfalls überschreiten. Das Muster eines Kehrichtkastens in Holz von 50x40x30 Zentimeter Größs kann auf dem Tiefbauamt eingesehen werden.

Gießen, den 2. Oktober 1911.

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