Ausgabe 
3.10.1911 Drittes Blatt
 
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Nr. 252

Drittes Blatt

161. Jahrgang

Erscheint tlglich mit Ausnahme des GonntagS.

DieGießener KamlIiendlStter- werden dem Anzeiger^ viermal wöchentlich betg*legt, das Xrelsblatt für den Krtb «letzen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftliche, Lett- fragen** erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefien

Dienstag, 3. Oktober 1911

Rotationsdruck und Verlag der Vrübliche» UnwersuLtS Buch- und bletndruckerei.

9L Lange, Eießen.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul- strahe 7. Expedition und Vertag: 6L

Redaktion: e-E HA. Tel.-Adr^ AnzeigerGießen.

(2. Deuts Iler Meteorologentag.

~ München, 2. Cft.

Unter dem Ehrenvorsitz der Prinzessin Therese von Bayern und in Gegenwart des Prinzen Alfons von Bayern, von Vertretern sämtlicher bayerischen Ministerien, der Deutschen Wetterwarte und aller deutschen meteorologischen Gesellschaften und Institute, trat heute in der Aula der Tech- nischen Hochschule der 12. Deutsche Meteorologen-Tag zu seinen Beratungen zusammen. Ter Vorsitzende, Geh. RcgierungSrat Dr. Hollmann i Berlin) hieß die Anwesenden willkommen. Daraus folgten die übrigen Begrüßungsansprachen.

AlSdann sprach Geh. RcgierungSrat Tr. Hollmann (Ber­lin) über den gegenwärtigen Stand und die neueren Ergebnisse der meteorologischen Wissenschaft. Er führte aus: Die Tatsache, daß wir in der Beurteilung des Wct.crs der nächstfolgenden Tage noch soweit zurück sind, hänge mit der Frage zusammen, ob eS nicht richtiger wäre, das Geld, das ausgcgeben werde, um die Zahl der Stationen im Jnlande zu vermehren, zur Schaffung von A u S l a n d s st a t i o n e n zu verwenden. (IS g.be viele Stellen der Erde, wo die meteorologische Beobachtung maß- gebendcr sei, alS aus den Stationen in der Heimat. Obwohl drei Viertel der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind, werden aus dem Meer Beobachtungen überhaupt nur längs der großen Schift'ahrtSlinien angeslelit. Daraus ergibt sich eine Ungcnauigkeit. Infolgedessen würden auch die Tabellen ungenau. Am wichtigsten für die meteorologische Wissenschaft habe sich die von Berlin aus in die Wege geleitete Beobachtung der freien Atmosphäre durch wissenschastliche Ballonausstiege erwiesen. Dazu kamen dann noch die Ergebnisse durch unbemannte BallonS und Trachenaufstiege. Ten größten Erfolg habe aber die arktische Expedition des Grasen Zeppelin erreicht, die die Gründung von Beobachtungsstationen in den Polargegenden zeitigten. Auch im Südpolarmeer besiehe bereits eine Beobachtungsstation.

Geheimrat Günther (München) sprach sodann über die meteorologische Wissenschaft in Bayern, womit die Hauptsitzung schloß. Am Nachmittage traten die einzelnen Abteilungen zu ihren Beratungen zusammen.

In der iltadjmiiLug^iyUug berichtete^ Prof. Tr. Her gesell (Straßburg) über tv* wifienssi -ftftchen Ei Positionen nach Tene­riffa, dem karaibischen Meer und Spitzbergen. Alle Dicie Expeditionen Ine. n c,n i . «ntes Beobachtungs­material, vor allem für die meteorologische Welt gebracht, aber auch die Ueberzeugung, daß solche Expeditionen immerhin nur Stich­proben in der urtuiiiyung üyl ^.uiwipynre Vuoeuten, und daß man dahin streben ntü-i'c, an den interesiirrten Stellen der Erd­oberfläche durch periodische Observationen immer reichlicheres Ma­terial zu sammeln. ES ist gelungen, durch Unterstützung von Privaten, der Rcichsbehördcn, vor allem, aber durch den Kaiser, zunächst aus dem Pie von Teneriffa eilte ständige LeobachtungS- slation zu errichten. Der Redner macht bann. Mitteilungen über die dort angestelltcn aerologischen Untersuchungen. Tie BallonS z. B. truaen selbstregistrierende Instrumente bis zu einer Höhe von 17 000 Metern uno stellten dort eine Temperatur von 81 Grad Kälte fest, so daß sich die sonderbare Tatsache ergab, daß in den Tropen die Atmosphäre in den höheren Schichten bedeutend kälter ist, alS in unseren Gegenden. Tie größte Kälte wurde un­mittelbar über dem Aeguator festgestellt. Es ist dem Redner ferner geglückt, im Anschluß an die Zeppelin-Expedition in Spitz­bergen ein ständiges Observatorium einzurichten.

Zum Schluß führte der Redner eine Reihe von farbigen Photo­graphien vor.

Aus Stadt itii& Land.

Eleven, 3. Oktober 1911.

** Altphilologisch-archäologijcher Ferien­kurs. Am 5., 6. und 7. Oktober wird auf Veranlassung der Schulabteilung an der hiesigen Universität ein altphilobogifch-arcyaologiicher Ferienkursus für Oberlehrer abgchalten werden, an dem als Dozenten die Universitäts- proft^orcn Immisch, Körte, Stract und Wahingcr, sowie Gymnasialprofcsior Körber aus Mainz beteiligt sind. Von ihnen wird Korre über neuere literarische Papyrusfunde (Donnerstag von 911 und Freilag von 1112 Uhr) und

« Prof. Immisch über sprach und srilgeschicktliche Parallelen zwischen dem Griechischen und Lateinischen (Donnerstag von 1112 und SamStag von 910 Uhr) sprechen. Prof. Watzinger wird die Bedeutung der Ausgrabungen auf Kreta für die griechische vorgeschichtliche Kultur (Donnerstag von 35 Uhr) und Prof. Strack die antiken Münzen als Ge- schichtkquelle (SamStag von 1012 Uhr) behandeln. Der Vortrag deS Prof. Korber bezieht sich auf römische In­schriften deS Mainzer Museums (Freitag von 911 Uhr). Außerdem wird Prof. Watzinger am Freitag von 35 Uhr die Teilnehmer deS Kursus durch die archäologische Samm­lung der Universität führen. Mit den Geschäften des Ob­mannes ist der Direktor deS Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums von der Schulabrciluna betraut worden.

** T i e Generalversammlung b e 5 Konsum- vereins Gießen und Umgegend, die am Sonntag nach­mittag im GewerlschastShaus statlfand, war sehr gut be­sucht. Aus dem Bericht für das 10. Geschäftsjahr ging hervor, daß der Verein im abgelaufenen Geschäftsjahr 1679 Mitglieder zählte (am 1. Oktober betrug deren Zahl 1830) gegen 1423 int Vorjahr. Ter Umsatz hat sich von 257000 Mr. auf 315000 Mk. gesteigert. Die Reserven des Vereins, die im Vorjahr 18 333 Mk. betrugen, haben sich im letzten Geschäftsjahr auf 23 460 Mk. gesteigert. Don den Mitgliedern ist als Anteil zu den Betriebsmitteln ein Kapital von 27186 Mk. eingczahlt, während an Rabatt 5 Prozent der Umsätze, 20 52 j Mk., unter Die Mitglieder zur Verteilung kommen. In dem Bericht über die Ge- ichäftslage wurde darauf hingewiesen, daß die Preissteige­rungen der Waren beim Einkauf das Geschäft recht un- günstigt beeinflußt haben und dadurch, daß man beim Ver­kauf mit dem Aufschlag nicht habe folgen können, der Rein­gewinn nicht so gewachsen sei, wie es eigentlich die Zu­nahme der Mitglieder hätte erwarten taffen. Der Rein­gewinn beträgt im letzten Jahre 4719,75 Mk. 3000 Mark davon werden dem Reservefond, 304,75 Mk. dem Spezial- Rescrvesond überwiesen. Die Zinsen für Anteile betragen 700 Ml., Entschädigung für Vorstand und Aufsichtsrat 640 Mk., für den Unterriaftsjond 60 Mk. und für die Gießener Lesehalle 25 Mk. In der sehr lebhaften Aussprache erklärte Direktor Keßler, daß es nicht die Aufgabe des Kons um - Vereins sei, zu Schleuderpreisen (z. B. bei Zucker) zu ver lausen, sondern daß jede Geno,sen>chaft das Bestreben haben müsse,, zu Tagespreisen zu verkaufen.

Landkreis Gießen.

B. Rödgen, 1. Oft. Nachdem heute vormittag in der Kirche ein gut besuchter MlssionSkindergotteSdienst durch Missionar Bommel auS China abgehalten worden war, fand heute nachmittag das DekanatS-MissionSfest in unserer Kirche statt. ES hatten sich von hier und der Umgegend zahlreiche MissionSfreunde eingefunden, so daß daS Gottes­haus dicht besetzt war und noch viele, ohne Platz gefunden zu hoben, wieder umkehren mußten. Die eindrucksvolle, zu Herzen gehende Jestpredigt unseres früheren Geistlichen, Prof. Pfannmüller von Darmstadt behandelte auf Grund von Röm. 1, Vers 1416 die Missionspflicht der Christenheit. Nach ihm erzählte Missionar Bommel von seiner Missions­tätigkeit in China. Im Anschluß an Ps. 20, VerS 6, wies er unter Vorzeigung von einigen chinesischen Gegenständer auf den fortschreitenden Erfolg der Missionsarbeit im Lande des Drachen hin. Als Vertrauensmann des Dekanats für die Mission sprach sodann Pfarrer Gußmann-Kirchberg. Er berichtete über den Stand der Missionssache im Dekanat Gießen und ermunterte zu fleißiger, treuer Mitarbeit. Den schön verlaufenen Gottesdienst verschönte in dankenswerter Welse der hiesige Gesangverein Konkordia unter der Leitun

k e n gesunden, die unter einer

feilen: "Treue und alles, was einen Menschen ohne Geist" nur bedeuten, daß emrocoer das Slück so schwer oder ' und unseren Charakter dir so neu und ungewohnt war, daß du nicht Darein eindringen

erweitern. Nichts bringt so große Sorgen, ober auch nichts j kannst, oder du haft nicht genug gearbeitet, oder etwas ift im

nahm, in der Apsis des Chores Reste spätgotischer Fres­ken gesunden, die unter einer dreisarbenen Leimfarbenschicht blauer Himmel mit goldenen Sternen zum Vorschein tarnen. Tie bei E. A. Seemann in Leipzig erscheinendeöcunstchronil" weiß über den intereiianten Fuiio Näheres zu berichten. Tie

kf. Spätgotische Fresken in der Mark. In der Dorskirche zu Lindenberg in der Mark Branden­burg, nördlich von Berlin, nahe bei Buch, wurden bei den gründlichen Renovierungsarbeiten, die Baurat Heidemann vor­

der Treue, Bergliot, sie ist des Erlebens Krone! Alles andere, was die Menschen so nennen, ist es nicht, mag es nun ein Priester oder sonst wer behaupten. Allein die Treue ist es. So erhebt sich denn die Frage: wem schuldet man sie zumeist? Also auch wein höchste Treue? Tem Vaterlande. In diesem Namen

so große Freuden; und darum greift auch nichts so tief in des l Augenblicke gegen dich, so daß du nicht alles herauSbringen kannst, Künstlers Seele und des Menschen Willen ein. Halte fest an lvas du sonst in das Stück zu legen pflegst."

Die schönsten und bedeutendften Telle des Briesbandes bilden !- v ä t e r l i ch e n Ratschläge, die Björnson seiner Tochter w und die o\t tief in seine eigene Seele blicken lassen. So :i»mt er am 30. Cftober 1888 auf den Wert der Treue ii I brechen und schreibt darüber die folgenden schönen und echt i^nfonschen Zeilen:Treue und alles, was einen Menschen

Aus Briefen Björnftj rne Björnfons.

Bor wenigen Tagen hat Frau Bergliot Ibsen, ge­borene Björnson, des Dichters älteste Tochter, an den ngftcn Kreis ihrer und ihres Hauses Freunde ein Buch versandt, aas sogleich in allen literarischen Kreisen Skandinaviens den größten Anteil erregt hat und das auch für deutsche Literatur- teunbe von ungewöhnlichem Interesse sein muß. In diesem übrigens prächtig ausgestatteten Bande, von dem nur 50 Stück versendet wurden, hat Frau Ibsen eine Anzahl von Briesen ihres Vaters vereinigt, die dieser zumeist in den Jahren 1887 bis 1890 an sie geschrieben hat. Bergliot Björnson studierte damals bei Jer berühmten Madame Marchesi in Paris Gesang; sie trug t-ü äunächft noch mit dem Plane zur Oper zu gehen.

Äiraje gehörte in kathouicher Jj.il einem Nonnenkloster und weist daher eine viel prächtigere Gestalt und erheblich reicheren Schmuck auf als die meinen märkischen Torslirchm. Sie wiro urkundlich zuerst im 14. Jahrhundert erwähn., stammt jedoch in ihrer ur- Iprünglichen rci.i romanischen Gcftalt zweifellos aus älterer Zeit, wahrfcheiniich aus dem Beginn des 13., wenn nicht sck-on aus dem Ende dcS 12. Jahrhunderts, sie hat bann ieooch zweimal gründ.iche Umbauten erfahren: zuerst um 1400, worauf mehrere Teile in Uebergangsftil vom Romanischen zum Gotischen weifen, lodann um 1500 in reinem gotischen Geschmack. Bei dieser zweiten Umgestaltung, die untvt die alte uaaje Balkendecke cir ichönes Netzgewölbe ciiwauie, sind offenbar auch jene Wand­malereien in der Apsis des auadrculfchen Chores entstanden, die in den Lettern einer leidlich erhaltenen Schrisirolle uno in deutlich erkennbaren ornamenta.en Te.aiw durchaus den Eharalt.r jener Epos/e tragen. Tie lsi.d.tche-i Tarsteoungen lelost bauen iciber zu jehr gelitten, um eine völlige und einwandfreie Er­klärung zuziuasien. Eine große sitzende Gestalt mit reicher Falten- biibung des Gewandes ist oifenuar als Christus zu biuten, der mit erhobenen Händen auf einem schwarz^getb-roren Reg^wogen- oval thront, während von seinem Munoe Lifte und Schwert auSgehen. Tieie Auffassung Jesu als Weitcnrichter wird unter-- stützt durch zwei kleine Engel in den Ecken, ote mit Posaunen zum jüngsten Gerichte biaien, während zwei anbetenoc (y..alten rechts und links von der Hauptsrgur, eine männliche und eine weibliche, zu schlecht erhalten find, um sich mu Sicherheit be- Kimmnt -u lassen.

hast du Wahrheit, hast du alles Gute. So daß deine Treue gegen Menschen nie mit deiner höchsten Schuldigkeit in Streit geraten kann. Erst diese, dann alle anderen." Auf gleicher vöhe des Interesses steht ein Brief vom Januar 1889, worin Björnson sich über dasSingen mit Gei st" ausspricht. Unter der Hand erweitert sich ihm dieser Bries zu einer Art Philosophie des Kunststudiums überhaupt.Liebe Bergliot (so schreibt er), diesesSingen mit Geist" beruht nicht allein darauf, daß einerGeist", baß er die Fähigkeit poetischer Auslegung von Wort uno Musik besitzt, es beruht darauf, daß er, oder sie gearbeitet hat. So lange das Tech-

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cotzcs valent wegwcrse und eine Arbeit geschaffen habe, die nur Ia-ge3roert habe und auf dem Niveau englischer Blaustrumps- umane stehe.

I Augenblicke gegen dich, so daß du nicht alles | was du sonst in das Stück zu legen pflegst."

Diese Auszüge werden das große Interesse begreiflich machen, daS diese Briese Diörnsons erregen. Es wird auch bereits der Wunsch ausgesprochen, sie auch dem großen Publikum zugänglich zu machen, und es besteht Aussicht, daß dieser Wunsch in Erfüllung geht. In bezug auf die persönlichen Ver­hältnisse der Adressation dieser Briese mag zum Schlüsse bemerkt sein, daß Bergliot Björnson nach ihrer Heimkehr nach Norwegen sich mit Dr. Sigurd Ibsen, dem einzigen Sohne des Dichters, verlobte. Tas Paar hat seinen Sitz auf Slemdal bei Christiania, und drei Söhne setzen bereits die Dynastie Ibsen-Björnson fort-

Nische drückt, ist es ungemein schwer, mehr als das Technische zu erreichen; man hat zu mehr nicht Zeit, man heftet sich ganz daran, esrichtig" zu machen; der Rest muß gehen, wie er eben kann. Aber wenn das Technische überwunden ist, so beginnt daraus derGeift" für den aufzuspringen, der den Sinn hat. Tiesgearbeitet haben", so daß man in jedem einzelnen Punkte Herr über das Technische geworden ist und den Geist vorbereitet hat für den Sinn des Stückes: dies ist die Vor­bedingung für dasSingen mit Geist". Der eine schreckliche Menge durchstudiert und viel Musik gehört hat, gelangt leichter dazu; schließlich ist das Technische in dem Grade überwunden, datz man vom ersten Augenblicke an allein mit dem Geiste des Stückes beschäftigt ist. Für alle aber kommt es außerdem in der Stunde der Vorführung darauf an,aufgelegt" zu fein, die Bortragsinspiration aus der augenblicklichen Gefühls- krast heraus zu haben. Wer ein persönliches Leben führt, wer gebildet ist, so daß sein (oder ihr) Veritändms seiner und mannig­faltiger ift, legt natürlich mehr hinein als einer, der nur alle Kunstgriffe kann und alle Variationen bei hundert anderen Künst­lern gehört hat. Es sind die originellen Individuen, die dazu kommen, einen dauernden Eindruck heroorzurusen: keine anderen. Die reichen Naturen, die, die die großen Fähigkeiten in tausend Begebenhellen des Lebens gereift, ihr Herz gefchmol-en, ihren Verüand geschärft, ihren 'JJm. duich z.ihllo.e Kämpfe ruhig gemalt haben, die gewinnen es über sich seihst, wo sie aua) neycn; i ie kommandieren die Aufgelegtheit, wie iynen gehor­same Geister, denn das will ja nichts anderes bedeuten, als bei sich s e l b st zu sein ohne daß andere uns vor uns selbst verstecken können. Insbesondere, Bergliot, will dasSingen

85. Versammlung deutscher Naturforscher und Acrzte.

~ Karlsruhe, 30. Sept.

In einer Gesamtsitzung der naturwissenschaftlichen Haupt­gruppe hielt Prof. G. Steinmann (Borm) einen Vortrag üL.-r oas Thcma: die Abstammungslehre, was sic bieten kann jnj was sie bietet.

Tr. B e st (Heidelberg) hielt einen schr interessanten Vortrag über daS Thema:

Einfluß der Zubereitung der Nahrungsmittel auf die Verdaulichkeit".

Ter Vortragende ging von den Erfahrungen aus, die tr mit 3 ,u seinen Versuchen verwendeten Hunden gewonnen hat, und stellte J-5 erste Forderung für die Beurteilung der Veid-ulichkeit vcr- .icbcncr und verschieden zubereiteter NayrungSmitlel die KenninlS aoon auf, wie lange die Speisen in Magen unb Darm verweilen.

Xlö Ergebnis seiner Beobachtungen stellte er folgendes fest. Fleisch bleibt verhältnismäßig sehr lange im Magen; 200 Gramm blieben 3 bis 4 Stunden. Gekochtes Rindfleisch blieb eine Stunde länger. Als am leichtesten verdaulich zeigte sich Schinken, der nur 2 Stunden im Magen verweilte und nur die Hälfte des Magensaftes beanspruchte wie anderes Fleisch. Tie Masnnent- leerung geht um so schneller vor sich, mit je größerem Appetw gegessen wird. Zucker belastet den Manen nur wenip. Brot wird weniger verdaut wie Fleisch, die Verweildauer ist kürzer. Ter Vortragende bestreitet, daß geröstetes Brot leichter verdaulich sei wie gewöhnliches. Feine Brotsorten liegen im Magen viel Länger als andere. Kartoffeln schonen den Magen »sicht be­sonders, die Hauptarbeit bei der Verdauung fällt aber dem Dünn- arm zu. In Fett gebratene Kartoffeln belasten den Magen in ziemlichem Grade, sie 'werden aber besser ausgenützt als solche ohne Fett. Brot ruft wegen der beim Backen entstehen- _ cn Veränderungen eine stärkere Ausscheidung von Galle und Pankreassaft hervor als Mehl oder Kartoffeln. Fleisch gelangt in das untere Trittell des Dünndarms überhaupt nicht, weil es schon vorher ausgenommen wird. Tas gleiche gilt für Mehlbrei. Mit Butter bestrichenes Brot erscheint tm Dünnoarm we,eutlich väter und mehr gelöst als grobes. Hülsenfruchte, gelbe Rüben ufw. werden wenig verändert; Fetlzufatz bewirkt auch hier eüt längeres Verweilen und euie belfere Ausnutzung. Gewöhnliche Milch passiert den Darm sehr rasch, Rahm dagegen wird schon be­deutend früher ausgenommen. Tie Zubereitung sonst schlecht ver­daulicher diahrungsmittcl mit Fett ermöglicht also ein längeres Verweilen der Nahrungsmittel in Magen und JtXinn und erhöht .sie Aufnahmefähigkeit. Es werden io die Speisen zwar be­deutend mehr ausgenutzt, sie belasten aber Magen und Darm ganz erheblich. A p f e l b r e i erreicht den unteren Darmabschnitt schnel­ler als rohe Aepfel, weshalb es vorteilhafter erscheint, Obst in .'vmpottform zu geben. Man kann also nicht allein durch ute sorgsame Auswahl der Nahruirgsmittel aus Tier- und Vslanzenreich ebenso wie durch die Zubereitung einen Einfluß auf die Verdaulichkeit der Spetseit ausüben. Das gilt besonders chr die pflanzlichen Nahrungsmittel. Der gesunde Organismus kann aber auch verschiedene und verschieden zubereitete Nahrungs­mittel gleich gut verdauen, wenn infolge der Zubereitung der Appetit angeregt und damit auch die psychische Motilität und die Sekretion als Hllfskräfte herangezogen werden. Leicht ver­daulich im idealen Sinn, also gut ausnützbare und dabei nur kurze Zeit im Magen und Darm verweilend, sind nur wenige Nah­rungsmittel. Am nächsten kommen diesem Ideale die Kohle­hydrate und der Zucker; an sie reihen sich Eier und Schinten. Im übrigen muß man sich klar darüber sein, daß die gut aus- nützbaren Nahrungsmittel Magen und Darm mehr oder weniger belasten und daß wir es bei ihrer Zubereitung nur in der Hand haben, ben Magen auf Kosten des Dünndarms oder den Dünn­darm auf Kosten deS Magens zu schonen.

In der Abteilung fürGeMchte der Medizin und Natur­wissenschaft" sprach Prosessor Sud Hoss (Leipzig) übermal franzos in der ersten Hälfte des 15. Zahrhmrderts in Italien". Dr. et ter er (Mannheim) sprach überFortschritte auf dem Gebiete der Röntgentherapie",

Am heutigen Tage machten die Kongreßteilnehmer Ausflüge in die Umgebung von Karlsruhe, womit die Tagung ihr Ende erreicht hatte.

.Nan darf sagen, daß in diesen Briesen Björnsons an seine sivchter, aus benen skandinavische Blätter Auszüge veröffent- tchen, der ganze Björnson steckt, und. wie der große Rrrde im Leben, so üben auch diese brieflichen Auslassungen von «hm einen solchen stürmischen, einen solchen Frühlingszauber auf len Leser aus, daß er sogleich in ihren Bann gezogen wird und ton dem Buche nicht mehr loskommen kann. Welche Frische, 'foelche Lebensfreude schlägt nicht aus diesen Briefen empor. .Hurra jur ben Frühling in Aulestadt (der Hof utb Wohin itz Biörnwns)!(' So lautet die Wochenschrift, die iftörnfon einem diefer Briese hinzusügt, und mit kindlicher Freude priemt er darin von den Kühen, die einen neuen Käsig bekommen Üben, und bic allgemeinen Lieblinge der Hofbewohner sind, von der Veranda, die neu angestrichen ist, und von den herrlichen Sonnenuntergängen, über dem Feld. Auch sehlt es in der Brief- iammlung nicht an Mitteilungen über das Kleinleben aui tuleftabt, wofür er bei der in der Fremde wellenden Tochter volles Jnterefse vorausfetzen durste. An 1 i t e r a r i f ch e n M 11 - J:ilungen sind diese Familienbriefe intimster Art begreiflicher-' ülnse nicht gerade reich, doch finden sich einige Aeußerungen, die xif die Beziehungen zwilchen Björnson und feinen Dichtergenoffen jonaö Lie, Licht werfen. Ec rät Bergliot, bei Lies Be- irii zu machen, vorausgesetzt, daß diese nicht direkt oder indirekt '-sieg gegen Bjornsons" führten; er spricht sich an einer anderen ereile sehr ungehalten über ein neues Buch von Lie aus, der sein