Nr. 252 Zweiter Blatt
Lrfchetnl tS-li- mit Ausnahme des Sonntag«.
Die „eieBetiet ZamllienbläUer- werken dem .Anzeiger^ Dietmol wöchentlich beigelegt, das „Krelsblott ffir ben Kreit Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
161. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Dienstag, 3. Gttober Ml
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätS - Buch- und Cteindruckerei, R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^^6L Redaktion: 112. Tel.-Adru2lnzeigerGießen.
Politische Tagesschau.
Sollen die deutschen Staat-arbeiter Beamteneigenschaft erlangen?
Man schreibt uns: Es ist oft in Parlament und Presse die Forderung aufgestellt worden, den Staatsarbeitern Beamteneigenschaft zu verleihen, einerseits, um sich tüchtige Arbeiter zu sichern, andererseits als Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie. .Dieser .Gedanke ist auch von der Regierung wiederholt erwogen worden, doch ist man zu dem Schluß gekommen, dieser Forderung nicht nachzugeben, weil zu große Schwierigkeiten bestehen und vereinzelte Verwaltungen dem Plane widerstreben, alle Arbeiter, die zehn Jahre sich im Staatsdienste befinden, als Beamte einzustellen. Bor allem lagen finanzielle Bedenken vor. Man ist den Staatsardeitern in der Hoffnung, daß sie die Sorge des Staates anerkennen werden, in anderer Weise entgegengekommen.
Es ist beabsichtigt, bei bewährten Arbeitern ein ziemlich unkündbares Arbeitsverhältnis, das sogenannte Diplomderhältnis, herzustellen und zwar soll ein Arbeiter, der zehn Jahre im Staatsdienst gearbeitet hat, gegen Arbeitsverlust gesichert werden. Die preußische Staatsbahnverwaltung hat den Anfang gemacht. So dürfen Eisenbahnarbciter, die sich 10 Jahre gut geführt haben, nur entlassen werden, wenn die zu- ständige Eisenbahndirektion die Entlassung herbeiführt. Diese .Arbeiter dürfen von Bahnmeistereien und den Inspektionen nicht ohne weiteres entlassen werden, sondern es bedarf eines Antrages bei der Direktion. Diesem Anträge wird nur entsprochen, wenn der Arbeiter seine Pflichten gröblich vernachlässigt hat oder wenn er arbeitsunfähig ist. Im letzteren Falle wird für eine Unterstützung nach dem Maße seiner Arbeitszeit und seiner bisherigen Arbeitsleistungen gesorgt, wenn die gesetzlichen Wohlsahrtseinrich- tungen nicht ausreichen.
Durch diese Maßnahmen kommt das .Arbeitsverhältnis dem des Beamten außerordentlich nahe. Die Borteile für die Staatsarbeiterschaft liegen auf der Hand. Bemerkt sei noch, daß durch diese Regelung eine politische Beeinflussung nicht eintritt, wenn auch erwartet wird, daß die Arbeiter die Politik des Staates, der für sie unermüdlich sorge, nicht bekämpfen.
n
Merkwürdige Erscheinungen der Futtcrnot in der Großstadt.
Die diesjährige Knappheit an Futtermitteln für das Dieh infolge der Dürre des Sommers Hal für die Großstadt merkwürdige Erscheinungen gezeitigt. Das Fleisch ist momentan billiger und reichlicher am Markt, die Milch ist teurer und rnapper. Tie Milch ist seit einigen Tagen sogar so knapp, daß die Milchhändler ihre ftänbigen Kunden laum versorgen tonnen und namentlich die Säuglinge schon unter der Milchknappheit leiden. Die Ursachen dieser Erscheinungen sind folgende: Ter Heine Bauer verlauft seit Wochen sein Vieh, da die Futtermittel zu teuer sind und sich für ihn eine rationelle Viehhaltung nicht mehr betreiben läßt. Kurz vor dem Quartalsbeginn mit seinen finanziellen Verpfllchtungen ist die Notwendigkeit des Biehverkaufs noch mehr an den kleinen Bauern heran- getreten. Das .Angebot von Schlachtvieh ist deshalb in den Städten ungewöhnlich groß, wodurch die Preise gedrückt werden und das Fleisch etwas billiger ist. Der Mckschlag wird aber kaum ausbleiben, da später durch diesen Massenverkauf ein Mangel an brauchbarem Schlachtvieh eintreten muß und die Preise höher notieren müssen als jetzt. Wir werden bald eine Hausse in Fleischpreisen erleben. Die natürliche Folge des Biehverkaufs ist der Mangel an Milch. Biele Heine Milchbauern haben die Milchlieferung schon gänzlich eingestellt, da sie für den Winter nur wenig Kühe behalten. Auch die Milchpreise werden in kurzer Zeit emporschnellen, und es ist bereits in Erwägung gezogen worden, die Mlchpreise vom 15. Oktober ab abermals um 2 Pfg. pro Liter zu erhöhen.
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Zugang an neuen Versicherungen «
Abgang durch Tod und Ablauf
Abgang durch Aufgabe und Ruckkauf . .
Die Entwicklung der Lebensversicherung in Deutschland.
Der gewaltige Aufschwung der deutschen Volkswirtschaft kommt u. a. auch in der außerordentlichen Zunahme der Lebensversicherungen zum Ausdruck. Die folgenden, uns zur Verfügung gestellten Zahlenangaben beziehen sich nur auf das Todesfallverjicherungsgeschäft der inländischen Lebensversicherungs-Gesellschaften.
Geschäftsergebnis bei fämtl. Gesellschaften
Am Jahresschlnß blieben insgesamt versichert I
(Versicherungsbestand). . . . 1
[1900 1905 11910 19UU 1905 ,1910 1900 1905 .1910 1900 1905 .1910
Mk.
559 915 583
770 508 374
1 197 554 906
109 080 217
148 707 374
197 446 645
147 010 850
185 286 124
266 509 808
6 264 983 924
7 935 573 233
10 665 004 638
294 756 784
407 905 557
687 164 385
1900
1905
1910
Der Bestand an den ehemals beliebten lebenslänglichen oder den bis zum 85. und 90. Lebensjahre laufenden langen Todesfallversicherungen geht von Jahr zu Jahr zuruck. Dieser Rückgang hängt u. a. jedenfalls mit der Erkenntnis zusammen, daß eine Todesfallverficherung im Greisenalter meist ihren ursprünglichen Zweck verliert und dem Versicherten zur Last fällt.
Jahreszunahme des Versicherungsbestandes (reiner Zuwachs).....
Aus Hetzen.
Im neuen Landtagswahlkreise Lich - Hun- 9 en ist, nachdem sich kürzlich auch die liberalen Parteien aus die Person des Seminarlehrers und Stadtrats Leuchi- gens-F-riedberg geeinigt haben, bie Lage die, daß für d re i Kandidaten der Wahlkampf geführt wtrd. Für die Soz.al- wemokraten kandidiert Hauser- Steinberg, für den Bund Ber Landwirte der seitherige Abg. Fenchel-Ober-Hörgern. Äer liberale Kandidat ist geborener Licher und erfreut sich
hier großer Sympathien. Er hat bereits begonnen, sich seinen Wählern vorzustellen. Am Sonntag sprach er in Trais-Horloff und Langsdorf, am Montag in Langd vor gut besuchten Versammlungen und entwickelte unter Beifall sein Programm. Am kommenden Sonntag wird Seminarlehrer Leuchtgens in seiner Vaterstadt Lich sprechen.
R. B. Darmstadt, 2. Cft. Tie nationalliberale Partei Hessens wird sich auf ihrem Parteitage, der Sonntag, 8. Oktober, im städtischen Saalbau zu Tarmsladt stattsindet, ausschließlich mit den am 3. November erfolgenden Landtagswahlen beschäftigen. Am Vormittag des genannten Tages wird der Landesausschuß eine Sitzung abhalten; Nachmittags um 3 Uhr findet alsdann die Landesverfammlung statt, in der die Landtagsabgeordneten Bach-Mainz, Oberbürgermeister Kühler- Worms und Justizrat und "Notar Dr. Osann über Fragen der hessischen Politik sich aussprechen werden.
Im Wahlkreis Bensheim-Zwingenberg hat eine nationalliberaleVertrauensmünnerver- sammlung nach einem Bericht des bisherigen Abgeordneten Aul er und einem Vortrag des Landesvorsitzenden 2r. Osann Herrn .Auler wiederum als Kandidaten ausgestellt.
Deutsches Aeich.
Der Neichstagsprüsident beraumte die erste Reichstagssitzung auf den 17. Oktober, nachmittags 2 Uhr, an. Die Tagesordnung ist sehr umfangreich, enthält jedoch lediglich Berichte über Bittschriften.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" teilt folgendes mit: Heute fand im Reichsamt des Innern die Eröffnung der neuen Unterrichtskurse für Konsularanwärter des Auswärtigen Amtes statt, wozu eine Reihe der hervorragendsten Vertreter von Handel und Industrie, der Finanzwissenschaft, zahlreiche Mitglieder des Reichstages, Vortragende Räte, Hilfsarbeiter des Auswärtigen Amtes erschienen waren. Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter wies in seiner Eröffnungsrede auf die Vielgestaltigkeit der von den Konsuln im Auslande zu erfüllenden Ausgaben hin, die durch die wachsende Bedeutung unserer wirtschaftlichen Beziehungen zum Auslande immer größere Anforderungen an die Vorbildung der Einzelnen stellen. Für die heute im Vordergrund stehende Ausgabe der Förderung der wirtschaftlichen Interessen Deutschland sei der Konsul bisher durch eine einjährige Tätigkeit in der Handelsabteilung des Auswärtigen Amtes und durch praktische Arbeit als Vizekonsul unter Leitung älterer Konsuln ausgebildet worden. Wenn auch diese Einrichtung sich gut bewährte, so müsse man trotzdem auf eine Verbesserung bedacht fein. Dies setze aber voraus, daß ein Teil des Unterrichts von denjenigen übernommen werde, über deren Interessen und Anschauungen der Konsul unterrichtet sein müsse. Das Auswärtige Amt wandte sich daher an zahlreiche Firmen um dauernde Mithilfe und erhielt von allen Seiten Zusagen. Ebenso stellten sich die Vertreter der Wissenfthast bereitwilligst zur Verfügung. Dies Zusammenwirken von Industrie, Handel und Wifsenschaft werde der Förderung der deutschen Interessen im Auslande zugute kommen. Daraus hielt Professor Schumacher (Bonn) einen Vortrag über ostasiatische Wirtschafts fragen/ womit der neue Msbildungsgang eingeleitet wurde.
Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens der „N y r d d e u t s ch e n A l l g e m e i n e n Z e i t u n g" sand am Sonntag im Hotel „Arion" zu Berlin ein Festmahl statt, an dem der Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter und zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden sowie der Presse teilnahmen. Ter Kaiser sandte ein Glückwunschtelegramm, in dem er der patriotischen königstreuen Haltung der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gedachte.
Der wür ttember g ische Kriegsminifter v. Marchtaler hat sich nach Berlin begeben.
Der Geschäftsführende Ausschuß der National- liberalen Partei, der am 1. Oktober d. I. zu einer Sitzung in Berlin zusammengetreten war, ist sich darüber schlüssig geworden, den diesjährigen allgemeinen Vertretertag der .Partei auf Sonntag, den 3. Dezember nach Berlin zu berufen. Ter Tagung wird am 2. Dezember eine Sitzung des Zentralvorftandes voraus- gehen, in welcher der dem Parteitag zu unterbreitende Wahlaufruf für die bevorstehenden allgemeinen Reichstagswahlen sestgestellt wird — Ob der Zentralvorstanb der Narionalliberalen Partei vor diesem Zeitpunkt noch einmal zu berufen ist, wird von dem Gange der Politik im Reichstage abhängig sein.
Um der Teuerung zu begegnen, wird die Stadtgemeinde Essen einen großen Einkauf und einen Kleinverkauf von Seefischen und Kartoffeln eintreten lassen. Um den staatlichen Beamten und .Arbeitern, die durch die Teuerung besonders in Mitleidenschaft gezogen sind, Beihilsen zu gewähren, wird ein Fonds von 30000 Mark zur Verfügung gestellt. Für die Speisung armer Schulkinder wurden anstatt wie bis- her 10 000 Mk. 19 000 Mk. gewährt.____________
Ausland.
Der König von Schweden beauftragte den Führer der liberalen Partei S t a a s f mit der Bildung des neuen Kabinetts.,
Aus Lissabon meldet man: Der Versuch der royalistischen Erhebung ist vollständig unterdrückt. Tie Gefangenen wurden auf die Festungswerke von Lissabon gebracht. Tie Regierung wird den Royalisten wegen Verbrechens der Rebellion den Prozeß machen und sie unverzüglich aburteilen lassen. Im ganzen Lande herrscht völlige Ruhe.
In Mexiko wurde M ad er o zum Präsidenten gewählt.
Aus Han kau wird gemeldet: Tie hiesigen chinesischen Behörden benachrichtigten die Europäer, daß in Spontan Revolutionäre eingelrossen und die cyinesftchen Truppen wenig zuverlässig seien. In der Provinz Hupe find Unruhen gusgebrochen. .Eine große Anzahl Soldaten ist desertiert.
Das Ende öer Marottooerhandlungen.
Im französischen Minister rat erhärte der Minister des Aeußern, die französisch-deutschen Verhandlungen schritten beftiedigend fort.
Paris, 2. Oktober. (Agence Havas.) Tas endgültige Einvernehmen über Marokko steht unmittelbar bevor. Es konnte festgestellt werden, daß beiderseits der lebhafte Wunsch nach einer Einigung besteht, da v. Kiderlen-Wächter und Herr Eambon einzig und allein bestrebt sind, zu einem Text zu gelangen, der vollkommen klar und jeder Zweideutigkeit bar ist und so für die Zukunft jede Ursache zu Reckungen und Mißverständnissen verhütet. Man verhehlt sich indessen nidjt, daß die Regelung der Kongofrage nicht weniger schwierig und nicht weniger heikel ist._______________________________________________
Vie Affäre Oes Grasen wolff-Metternich abermals vor Gericht.
4 Berlin, 3. Okt.
Vor dem Landgericht Berlin I begann heute erneut die Ver« Handlung in dein Prozesse gegen den Grasen Gisbert Wolfs- Metternich, der sich unter der Anklage, verschiedene Hochstapelelen und schwindelhafte Kreditoperationen begangen zu haben, zu verantworten hat.
Tie Angelegenheit hat bereits im Juli b". Js. drei Tage lang die 10. Strafkammer des Landgerichts I beschäftigt. Ter Angeklagte gab damals lediglich zu, Schuldverpflichtungen übernommen zu haben, er stellte sich aber auf den Standpunkt, daß es ihm nach der nahe bevorstehenden Hochzeit .mit einer reichen jungen Tarne leicht möglich sein werde, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Als die in Frage kommende Dame bezeichnete er die Tochter der Frau des Warenhausbesitzers W. Wert- Heim. Tie als Zeugin geladene Frau Wertheim behauptete dagegen, der Graf habe keinerlei ernste Aussicksten gehabt, ihr Schwiegersohn zu werden, er habe in ihrer Familie lediglich als eine Art bezahlter Reisemarschall fungiert. Um die Aussage der Zeugin zu erschüttern, beantragte in der damaligen Verhandlung der Verteidiger des Grafen verschiedene Zeugen äu laden, die bekunden würden, daß Frau Wertheim eine gewisse Gehässigkett selbst gegen ihre nächsten Familienangehörigen an den Tag gelegt habe. Ter Gerichtshof gab dem Anträge statt und vertagte daher die Verhandlung. Zum Termin ist auch Frau Wertheim wieder als Zeugin geladen, sie hat aber aus Meran ein Schrecken geschickt, daß sie reiseunfähig sei; aus diesem Grunde ist es möglich, daß der Verteidiger des, Angeklagten eine neue Vertagung erwirken wird.
Aus Statt und Land.
Gießen, 3. Oktober 1911.
* Tageskalender für Dienstag, 3. Oktober: Stadttheater: „Nora/ tilnfang 8 Uhr.
* ♦ Der Großh erzog hat dem Pfarrer und Dekan Otto Scriba zu Erbach die erste evangelische Psarrstelle zu Wimpfen übertragen.
** Lehramtspersonalien. Der Großherzog hat den Oberlehrer am Realgymnasium zu Darmstadt Prof. Gg. Grünewald zum Oberlehrer an der Liebigs-Ober- realschule zu Darmstadt ernannt und den Oberlehrern an der höh. Mädchenschule und dem Lehrerinnenseminar zu Mainz Tr. Franz Bender und Tr. Friedr. Lehnert den Charakter als Professor erteüt. Turch Entschließung des Ministeriums des Innern wurden die Lehramtsreferendare: Christian Stephan und Aug. Rühl in Grünberg, Aug. Schlörb in Friedberg, Siegfried Kann in Gießen, Herrn. Baas in Mainz, Karl Göbel in Schotten, Nud. Nuß in Mainz, Tr. Theodor Jil ke in Gießen, Herbert Hölzer in Mainz, Tr. Otto .Arnold in Offenbach, Otto Hauff und Christian Müller in Mainz, Mlh. Hörr in Offenbach, Adam Ofen loch in Bensheim, Friedr. Elb ert in Worms, Gg. Goes und Otto Heid in Darmstadt, Wilh. Meyer und Adam Schier in Friedberg, Hch. Lenz in Mainz und Dr. Jos. K e i l m a n n in Gießen zu Lehramtsassessoren ernannt.
* * Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde: dem Lehrer Rich. Kühnel zu Groß-Gumpen die Lehrerstelle an der G.emeindeschule zu Wemges, der Schulamtsaspirantin Susanna Herrmann aus Mainz eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Mühlheim (K'r. Offenbach).
* * Stadttheater. Einigen der neuen Fachmitgliedern, die sich bisher noch nicht in größeren Aufgaben zeigen konnten, bietet sich am Mittwoch in Goethes „Geschwistern" und Björnsons „Neuvermählten" Gelegenheit dazu. Es sind in diesen Stücken neben Herrn Volk, Frl. Scholz und Frl. de la Chapelle beschäftigt die Herren Schröder und Rappeport und die Turnen de Bruye und Mühlpf ort. Besonderes Interesse dürste die neue Naive Frl. de Bruye finden, die s. Zt. den ersten Preis in der Seebachschule errang. Tie junge Tarne spielt die Marianne in den „Geschwistern" und hatte mit dieser Rolle auch schon im Nauheimer Kurt Heater im September einen großen Erfolg.
** Ter Sängerchor des Turnvereins Gießen 18 4 6 feierte am Samstag im „Großherzog von Hessen" sein 10 jähriges Stiftungsfest, zu dem eine stattliche Anzahl Vertreter anderer $8 er eine und eingeladcner Gäste erschienen waren. Tie Feier wurde eingeleitet durch einen sehr schönen Prolog, der von Fräulein Tilli Lindenstruth sehr gut zum Vortrag gelangte. Sodann begrüßte der 1. Vorsitzende Gröninger alle Anwesenden; sein Gut-Heil galt der deutschen Turnsache und der Pflege des deutschen Liedes. Der gut geschulte Chor unter Leitung des Herrn Wickert erntete für seine Vorträge wohlverdienten Beifall. Auch zwei Toppelquartette kamen sehr schön zum Vortrag. Weiteren Genuß wurde den Teilnehmern geboten, durch einen von Herrn Max Blau geblasenen Klarinettensolo, wofür ihm durch regen Beifall gedankt wurde. Sehr viel Vergnügen bereiteren zwei humoristische Duette, gesungen von Fräulein Carola Malkomesius und Herrn Theodor Wittenbecher sowie Fräulein Käthe Gröninger und Herrn Hch. Wahl. Der Tanz, darunter ein Blumenwalzer, trug ebenfalls dazu bei, daß sich die Teilnehmer unterhalteiider Stunden erfreuen konnten. Ten Schluß der Feier bildete ein stattgehabter Ausflug nach der Karlsruhe am Sonntag nachmittag.
Kreis Bstdingen.
X Nidda, 2. Olt. Tie Obsternte ist beendigt und in unserer Gegend so reichlich ausgefallen, wie seit vielen Jahren nicht. Beispielsweise wurden auf der Station Nidda in der letzten Hälfte des September über 50 Eisenbahnwagen voll Kelterapfel und Zwetschen verladen; hierzu lieferte die kleine Gemeinde Borsdors allein etwa 900 Ztr. Lcyüttelavfel und 3UO Zentner Zwetschen. Berücksichtigt


