Ausgabe 
23.12.1911 Erstes Blatt
 
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Nachdem, wie wir bereits gestern mitteiltcn, der Bund der Landwirte eine Unterstützung der Kandidatur Werner abgelehnt hat, haben fidi nun auch die anderen rechten Parteien entschlossen, diese Kandidatur zurückzuziehen. Man hat offen­bar eingesehen, daß man hier einen taktischen Fehler begangen hatte. Tiefe Zurückziehung ist ohne jede Vereinbarung etwa mit der hiesigen nationalliberalen Partei erfolgt. Es wurden von dieser keinerlei Erklärungen irgendwelcher Art abgegeben. Tie ausgegebene Wahlparole verweigert zwar dem Freisinnigen und dem Sozialdemokraten eine Unterstützung, sägt eine solche aber auch nicht den Nationalliberalcn zu. Es ist anzunehmen, daß die Wähler der rechten Parteien nunmehr ebenfalls für Tr. Osann eintreten, so das; alle Aussicht vorhanden ist, daß der Wahlkreis Tarmstadt-Groß-Gerau auch weiterhin in bürgerlichem Besitz bleibt.

Aus dem Wahlkreis Marburg-Kirchhain-Franlenberg.

( ) Marburg, 21. Dez. Die nationallibe­rale Partei erlaßt heute einen Wahlaufruf zugunsten des freikonservativcn Kandidaten Prof. Dr. Johann Vik­tor Bredt, Regierungsassessor a. D. und Mitglied des preußischen Landtags.

Die Entscheidung in Persien.

Persien hat sich jetzt endgültig wieder vor dem russischen Bären geduckt und den Generalschatzmeister Shuster ent­lassen. Wir erhalten folgende Meldungen:

Petersburg, 22. Dez. Ter persische Geschäftsträger erschien im Auswärtigen Amt und erklärte namens der Re­gierung, Persien nehme all e Forde rungendesrusst sch en Ultimatums an. Der Minister des Aeußern nahm von der Mitteilung Kenntnis.

T e h e r a n, 22. Dez. Ter Generalsckwtzmeister Sh u st e r ist von seiner Entlassung benachrichtigt worden. Mor­gen werden die Bazare wieder geöffnet. Die Regierung, durch blutige Ereignisse in Täbris und Rescht beunruhigt, sandte den Ortsbehörden und den Endschumen die Meldung von der Beendigung des Konfliktes mit Rußland und er­teilte strenge Weisung, die Feindseligkeiten unverzüglich ein* zustellen, mit den russischen Konsuln in Verhandlung zu treten und die normale Lage wiederherzustellen.

Tie russisch-persischen Straßenkämpfe.

Ueber die hier erwähnten blutigen Zwischenfälle wird noch gemeldet:

Petersburg, 22. Tez. Von der Petersburger Telegra­phenagentur werden zu dem gestrigen Kampf zwischen russischen Truppen und Persern in Täbris noch solgende Ein­zelheiten gemeldet: Nachdem eine russische Patrouille in der Nähe des Hauses des Gouverneurs beschossen worden war, er­öffneten die Fidai ein Gewehrfeuer puf die russische Abteilung. Der Straßenkampf dauerte bis in die Nacht. Die alte Zitadelle wurde bombardiert. Wegen der ernst­lichen Gefahr für die russischen Untertanen bat der Generalkonsul um Verstärkungen. Aus Rescht wird derselben Agentur ge­meldet: Gestern nachmittag wurden russische Kosaken aus einem Hinterhalt beschossen. An dem Ueberfall waren außer einheimi­schen Banden auch türkische Armenier, Gendarmen und Polizisten beteiligt, die aus dem Hause des Gouverneurs unter Leitung des Polizeimeisters schossen. Tie Angreifer wurden aus dem Hinterhalt vertrieben und die Karawanserei von den Russen genommen. Ein Teil der Angreifer versteckte sich in dem türkischen Konsulat. Tie Russen hatten keine Verluste. Bei den Persern wurden bei ihrer Entwaffnung russische Gewehre gesunden.

Der italienisch-türkilche Krieg.

Ein egyptischer Postdampser beschlagnahmt.

London, 22. Tez. Nach einer Lloydsmeldung aus Alexan­dria wurde der ägyptische PostdampferNenzaleh", der sich mit 30 000 Pfund Sterling an Bord nach Hodewah unter­wegs befand, von dem italienischen KriegsschiffPua- lia" beschlagnahmt.

Eine Niederlage der Italiener Bei Zanzur«

Konstantinopel, 22. Tez. Nach einer Depesche des Oberbefehlshabers vor Tripolis versuchten die in Zanzur befind­lichen Italiener die türkische Telegraphenleitung in der Nähe von Zanzur zu zerstören, mußten sich jedoch infolge des Widerstandes per Türken und Araber nach Zanzur zu rück zieh en. Am nächsten Tage griffen die Türken und Araber Zanzur an. Tie Italiener mußten die Stadt räumen und verloren 48 Tote, darunter drei Offiziere und hatten über 300 Ver­wundete. Auf Seiten der Türken und Araber fielen neun Mann, verwundet wurden 40. 1 '

Aus dem hessischen Staalrvoranschlag.

Von den Einzelheiten des Voranschlags für die Verwaltung sei erwähnt: i .

Die Hauptabteilung: Domänen des Grobherzog­lichen Hauses, schließt gegen 1911 mit einem um 140690 Mark 50 Pfg. größeren Ueberschuß ab, nämlich mit 1 219 256 Mk. 05 Pfg. bei einer Gesamteinnahme von 6 449 420 Mk. 50 Pfg. und einer Gesamtausgabe von 5 230 164 Mk. 45 Pfg. Tie Ein­nahme aus Holz wurde um 158 000 Mk., auf 488 000 Mk. er­höht, indem 440 000 Festmeter Holz und Rinde zur Fällung vor­gesehen find und 10 Wik. 20 Pfg. Erlös für den J-estmeter erwartet uerden gegen 433 000 Festmeter und 10 Mk. Erlös 1911. Ter Ertrag aus den Weinbaudomünen zeigt eine weüere Ver­schlechterung, die auf das geringe Ergebnis des Herbstes 1910, das für Rechnung des Jahres 1912 versteigert wird, zurückzuführen Mt 'Sie Einnahme aus Wein mußte um rund 30 000 Mk. er*

Armee nahezu ganz zu germanisieren, deutsch sind die Geschütze, deutsch die Disziplin und deutsch die Taktik. Während ich in Buenos Aires war, weilte dort eine Mission von 9 deutschen Offizieren, und 40 argentinische Offiziere tun gegenwärtig im deutschen Heere Dienst. Ein beutfajer Offizier leitet die ar­gentinische Militärakademie, die Uniformen des Heeres find zum Teil deutsch: es. ist überflüssig, bei der Bedeutung dieser Tatsacye zu verweilen.

Mit verständlicher Büterkeit spricht der Franzose davon, daß bei der Auswahl der Geschütze im Wettbewerb zwischen Krupp und Schneider-Creusot die Argentinier sich für die deutschen Geschütze entschieden, während, wie Huret wohl auf Grund be­sonderer artilleristischer Fachkenntnisse versichert, die Krupp- Geschütze sich bei den Proben mit den französischen nicht ver­gleichen konnten. Dasselbe gilt für die Wissenschaft; deutsche Professoren lehren als einzige ausländische an den Universitäten des Landes. Während der deutsche Handel von 1870 bis heute von 9 Millionen auf 74u Millionen gestiegen ist, wuchs in der gleichen Zeit der französiscl^e nur von 90 auf 400 Millionen. Tie deutsche Industrie liefert die Schienen und Lokomotiven, sogar an die französischen und selbst die englischen Bahngeiell- schasten. Die elektrische Industrie in Buenos Aires ist längst von den Deutschen erobert. Selbständige deutsche Bankunter- nd;mungen sind entstanden und tun ein Uevriges, um die Hanöels- bLziehungen zwischen Argeickmien und Deutschland noch enger zu gestalten.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. 'A/er aus Deutscht-ano stammende ^utuib.inaiifcr Johann Tiudvif Radau, Mitgüed der AkadLmie der Wilsensck-aften, in in Paris im 77. Lebensjahre gestorben. In P a r i y in der Piv-eßor bet Medizin Lannelongue gestorben. In Barcelona starb Juan Maregull, der grösste Dichter Eataloniens, der auch Werke Goethes ins Spaniiche ü der setzt e.

mäßigt werden, so daß sich ein Zuschuß vvn 81 20s Mk. 02 Psg. ergibt gegen 51038 Mk. 52 Pf. in 1911.

Tie Hauptabteilung: Staatsdomänen, verzeichnet eine Einnahme von 18 363 370 Mk. 06 Pfg. und eine Ausgabe von 2 352 081 Mk., sonach einen Ueberschuß von 16 Oll 289 Mk. 06 Pfg. oder 1 153 0-11 Mk. mehr als 1911. 'Dieses Mehr ist in der Hauptsache den Staatseisenbahnen zu danken. In­folge Besserung irr wirtschaftlichen Verhältnisse und durch ver­schiedene Ersparnismaßnahmen der Gemeinschaftsverwaltung, die den Betriebskoeffizienten von 74,62 Prozent in 1908 auf 68,99 Prozent 1909 und 67,27 Prozent 1910 zurückgehen ließen, hoben sich die Anteile Hessens an den Betriebsüberschuß der Eisenbahnge­meinschaft. 1911 wird der Anteil statt veranschlagter 14 980 000 Mk. mindestens 16 000 000 Mk. betragen. Für 1912 sind 16 215 000 Mk. eingestellt, was gegen die Vorsehung tu 1911 ein Mehr von 1235 000 Mk. bedeutet. Die von den Staatseisenbahnen zu zahlenden öffentlichen Abgaben sind zu 480 000 Mk. veranschlagt.

Der Etat für das Braunkohlenbergwerk Ludwigs- Hoffnung war nochmals in der seitherigen Weise aufzustellen. Er schließt infolge Rückgangs des Msatzes, Sinkens der Preise Tür Preßsteine usw. eigentlich mit einem Zuschußbedarf von 10 334 Mk. ab, wurde aber durch Kürzung der Abführung an den Erneuerungsfonds um diesen Betrag in Einnahme und Aus­gabe ausgeglichen. Hiernach ergibt sich gegen 1911 mit einem Ueberschuß von 1304 Mk. nur eine Verschlechterung in Höhe dieses Betrags.

Tie Einnahmen der Badeanstalt Bad-Nauheim steigen infolge dauernder Zunahme des Besuchs und der Bäderabgabe stetig an. Sie konnten um 112 000 Mk., auf 1 591 000 Mk. er­höht werden. Die Ausgaben sind mit 1464 150 Mk. eingestellt, so daß also ein Ueberschuß erscheint von 126 850 Mk. Für Bad-Salzhausen sind die Einnahmen zu 22 800 Mk,. die Ausgaben zu 49 650 Mk. veranschlagt. Das Bad verlangt danach einen Zuschuß von 26 850 Mk. Ter bei Vergleich beider Ab­schlüsse, also nach 'Deckung des Zuschujs.s für Bad-Salzhausen aus dem Ueberschuß von Ba^Manheim, verbleibende Ueberschuß von 100 000 Mk. fließt, wie bisher, der Staatskasse zu. Tabei ist in dem Bad-Nauheimer Etat eine Ablieferung an den Erneuerungs­fonds Bad-Nauheim von 512 250 Mk., 100 240 Mk. mehr als 1911, vorgesehen. Dieser Fonds hatte Ende 1910 einen Bestand von 949 303 Mk. 42 Pfg. Ende 1911 wird, nach Deckung weiterer Geländeankaufskosten von mutmaßlich 200000 Mk., der Bestand voraussichtlich 836 800 Mk. sein. Andererseits waren dein Fonds bis Ende 1910 zur Bestreitung von Bauausgaben vorgeschossen 8 288 379 Mk. 23 Pfg., welcher Betrag sich bis Ende 1911 aus etwa 8853 379 Mk. erhöhen wird. Die seinerzeit genehmigten Neu- und Umbauten sind nun im großen und ganzen fertig- gestellt. Im Vermögensetat war nur noch zum Neubau einer Dienstwohnung für den Siedemeister der neuen Saline ein Betrag von 13 000 Mk. vorzusehen, der indessen aus Ersparnissen ge­deckt werden soll.

In der Hauptabteilung: Lotterie, ist der Betrag von 805 810 Mk. eingestellt.

Hauptabteilung: Direkte Steuern, Regalien, in­direkte Auflagen und Einnahmen aus verschie- denenQuellen. Die Einnahmen aus direkten Steuern konnten bei Zugrundelegung der seit 1910 gültigen und für 1912 wieder vvrgeschlagenen Satze iu.it 414 300 Mk., auf nun 19 202 600 Mt. erhöht werden. Daran sind beteiligt: die Einkommensteuer mit einem Mehr von 341300 Mk., und einer Gesamtsumme von 14 575 300 Mk., die Vermögenssteuer mit einem Mehr von 73 000 Mark und einer Gesamtsumme von 4 541300 Mk. unb die Wander­gewerbesteuer mit dem bisherigen Ansatz von 86 000 Mk. Me Einnahme aus Stempel, die 1907 und 1908 starke Rückschläge aus­wies, scheint wieder langsam anzusteigen, sie konnte mit 3 880 000 Mark, oder 124 200 Mk. mehr als 1911, vorgesehen werden. Aus bem Ausgabeteil ist die Einstellung eines Betrags von 70 000 Mk. hervorzuheben, bestimmt zur Deckung eines Teils der Kosten der Vorarbeiten für die Einführung des neuen Gemeinde- umlagengesetzes und der ersttnaligen Veranlagung nach seinen Vorschriften. Die Kosten der eigentlichen Veranlagung werden später von den Guneinden wieder ersetzt. iDie Schreibhilfekosten sind bei den Finanzämtern um 23 000 Mk., auf jetzt 223 000 Mk., bei den Bezirkskasien um 6100 Mk., auf jetit 80 000 Mk., ge­wachsen hauptsächlich infolge Aus rückens Ser Gehilfen in den Vergütungssätzen, bei den Finanzämtern zum kleineren Teil auch veranlaßt durch die Arbeitsvermehrung, die das Reichszuwachs­steuergesetz brachte. Der ftrebit für Ausfälle, Abgänge und Nock)- lasse mußte der erhöhten Einnahme entspreck-end um 27 370 Mk. erhöht werden, er beträgt nunmehr 1 267 370 2)1 f. Insgesamt schließt die Hauptabteilung ab mit einer Einnahme von 24 215 770 Mark und einer Ausgabe von 2 773 984 Mk., sonach einem Ueber- schuß von 21441 786 Mk. oder 453 085 Mk. mehr als 1911.

In der Hauptabteilung: Land stände, ist ein Steigen des Zuschußbedarfs um 13 520 Mk., auf 146 098 Mk. zu verzeichnen, veranlaßt in der Hauptsache durch die Vermehrung der Zahl der Abgeordneten der Zweiten Kammer und durch die beabsichtigte Herstellung der Fassaden des Ständehauses.

Aus der Hauptabteilung: S t a a t s mi ni ster iu m, sind zwei Mehrforderungen hervorzuheben: eine von 7000 Mk. wegen Einstellung eines Bureaubeamten bei der Vertretung im Bundesrat und stärkerer Unterstützung des Bundesratsbevoll­mächtigten und eine von 10 870 Mk. wegen Neugestaltung des Verwaltungsgerichtshofes nach dem neuen Verwol- rungsrechtspflegegesetz. Tafür werden aus Gebühren wegen der vor dem Verwaltungsgerichtshof zu verhandelnden Sachen und aus Ersatz von Visitationskosten der städtischen usw. Kosten durch Be­amte der Oberrechnungskammer 6300 Mk. und 11 000 Mk. mehr er­wartet, so daß der Zuschußbedarf der Hauptabteilung mit 293 118 Mark fast der gleiche bleibt (= 293 260 Mk.).

Die Hauptabteilung M i n i st e r iu m d e s I n ne r n, beziffert ihren Zuschußbedarf auf 12 867 762 Mk. bei 7 591 736 Mk. Ein­nahme und 20 459 498 Mk. Ausgabe. Er ist gegen 1911 um 233 965 Mk. gewachsen und verteilt sich auf die Hauptabteilung wie folgt: 1. Zentralverwaltung 778 200 Mk. 4- 162894 Mk.), 2. Lokai- und Polizeioerwaltuug 1634 382 Mk. (± 22 036 Mk.), 3. Kirchen- und Religionsgemeinschaften 483 221 Mk., 4. Bildung und Erziehung, Kunst und Wissenschaft 6 371460 Mk. +116 984 Mark-, 5. Oessentliche Gefundhütspflege und Veterinärwesen 1008 296 Mk. (+ 32 876 Mk.), 6. Fürsorge für Hinterbliebene von Beamten, Unterstützungs- und Versicherungswesen 264 563 Mk. (+ 65 922 Mk.), 7. Landeskultur und Landwirtschaft 723 365 Mk. (+ 2474 Mk.), 8. Bergbau, Verkehr, Handel und Gewerbe 1 604 275 Mark ( 23 221 Mk.).

Aus Stadt und Land.

Gictzen, 23. Dezember 1911.

Weihnachten.

Die Reisenden, die in unseren Tagen nach dem Morgen­land gezogen sind, um Palästina zu sehen, sind allesamt enttäuscht zurückgekehrt. Ihre Phantasie hatte das heilige Land mit reizenden Zügen und buneen Farben ausgeschmüat. Sie sahen Jerusalem, die hocygevauce S.aot gtunzend im Abendlichte. Sie schauten Bethlehem, beschattet von Pal­men unb Terebinthen, und den See Genezareth bläulich schimmernd, seine Oberfläche belebt von flatternden Segeln, sein Gestade eingefaßt von lieblichen Ortschaften. Sie sahen stolze Juden durch die Straßen Jerusalems schreiten und dunkeläugige Mädchen, die nach alter Art den Krug auf der Schulter trugen, hinab zu dem Brunnen im Felde steigen. Sie glaubten, allenthalben die Spuren einer großen Vergangenheit zu finden, als sie aber hinkamen, sanden sie nichts, als orientalische Verkommenheit, eine unter­gehende Welt, selbst das Land ohne Reiz; es sagt ein Dichter aus unserer Zeit: Nicht Baum, nicht Blume, uLjt Schmcltcr- ling, wo Jungfrau Nöaria beten ging. Auch imr wurden sehr enttäusch r sein, wenn wir in Bettsteyem, wo einst im Stalle die StTippe gestanden hat, unser Weih nachts fest feiern woll­ten, nein, was bei uns, so ost der heilige Abend wieder- kehrl, und so oft das Ehrijt,est durch das Dunkel der Winrer-

tage berannaht, das Gemüt in Schwingung bat

ist nicht dort gewachsen, wo der Oelbaum blüht und die kahlen Felsen von blendendem Lichte übergossen sind, son­dern in unserem lieben Vaterlande. Deutsch ist der Christ- bäum, dessen Lichter am Weilnachtsabend brennen, deutsch» die Sehnsucht, die sich an diesem Abend in das Vaterhaus und in die Kindheit zurücktränmt. Das deutsche Volkslied hat der Mutter Jesu Wiegenlieder in den Mund gelegt, wie sie niemals eine Mutter im Morgenland, wie sie aber tausendfach eine deutsche Mutter ihrem Kinde gesungen hat. Kann es etwas reizerenderes geben als daS Wiegen­lied ausDes Knaben Wunderhorn": O Jesulein gart, dein Kripplein ist hart? Und die Meister des deutschen Holzschnittes, Albrecht Dürer und Ludwig Richter, haben die Geburt des Heilandes nach Deutschland verlegt. . Sie zeichnen Maria als eine junge deutsche Frau und die Hirten nach dem Liede: Sie kommen herbei mit Pfeif' und Schalmei. Die Landschaft, die ihre Figuren umrahmt, weist unverkenn­bar nach Nürnberg oder nach Sachsen.

Der feiert jedoch das Weihnachtsfest nicht recht, der nur den eigentümlichen Stimmungszauber des Festes auf sich wirken läßt. Weihnächte will uns zeigen, was Jesus der Welt gebracht hat. Er hat ihr keine neue Lehre ge­bracht. Sokrates, Kant und Nietzsche haben gelehrt, Jesus bringt eine neue Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit ist das Leben in Gott. Ohne die Kraft dieses Lebens sind wir arm; denn diese Welt ist keine Stätte des Glückes und des Friedens. Luther hat sie richtig aufgefaßt, wenn er sagt: Diese Welt ist ein unseliges Uebel, und des Weinens ist kein Ende, bis daß wir in die Grube verscharret werde-n. Aber derselbe Luther hat man möchte sagen: in klassischer Form der Menschheit gesagt, was Christus ihr ist, wenn er in einem Weihnachtslrede singt: Das ew'ge Licht geht da herein, gibt der Welt einen neuen Schein; es leucht' wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Geschichte und Gegenwart bestätigen'uns, daß Jesus den müden Seelen neue Krast, den Traurigen Trost, den Sterbenden Zuversicht, denen, die gefehlt l)aben, Achtung vor sich selbst und den Mut, neue Wege zu gehen, gegeben hat. Freilich, auch, nachdem ör in die Welt getommeit. ist, bleibt das Leid und bleibt das Uebel, es bleibt das Alt- Werden und das Sterben, es bleiben die Kindergräber, es bleibt das große Heer der Mühseligen und Beladenen, aber es bleibt auch Christus, der alle Not zu Ende bringt. Durch das Weltall weht der Hauch der Vergänglichkeit wie der Dezembersturm durch den kahlen Wald, das Weihnachtsfest aber predigt uns:

Alles Ding nährt seine Zeit,.

Gottes Lieb' in Ewigkeit.

H. B.

* * Tageskalender Stadttheater: Montag, 25.Te^> (1. Feiertag):Hanneies Hiinmelfahr t". Abends 71/, Uhr. Dienstag, L>. Tez. (2. Feiertag):Glaube und Heimat"; nachmittag 3h, Uhr. ,D a s k l e i n e S ch o k o l a d e n m ä d ch e n"; abends 7H, Uhr. Mittwoch, 27. Tez.: R i n b e r v or ft e t l n n g: ,D o r irr ö § chen", nachmittags 3H, Uhr.

Kolosseum: Täglich Vorstellung.

Kinematogravh: Täglich Vorstellung.

Biograph: Täglich Voritellung.

Milltärkonzerte am 2. Feiertag in Steins Garten, Anfang 4 Uhr nachmittags; am 3. Feiertag auf der Liebigshöhe, Auiang h,5 Uhr nachmittags.

K u n st v e r e t n: Neue Ausstellung.

A n l a g e m u s i k am Lomuag, 24. Tez., vormittags 11h, Uhr in der Süd-Anlage (mir bei gutem Wetter). Spielplan: 1. Un­garische Rhapsodie Nr. 2 in D-moll und G-dur (au Graf Ladislaus Leteki) von Fr. v. Liszt. 2. Große Fantasie a. d. OperTann­häuser" (Ter Säugerkrieg auf der Wartburg) von R. Wagner. 3. Ouvertüre zur OperAscanio vou Alber" von W. A. Mozart. 4. Marsch tu d. OperHansel und Gretel", von E. Humperdmk.

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Gießen vom Lian für den An iWdlvirtschastskan ihm hervorgek miar, vormittags 10,1011.30 Uhr [labt über Geldm bis 1 Uhr Profef iveltwirtschafiNche hjirfuna besonder- I findet die Besprec I für die sämtliche 13 Mk., Karten st

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dem Ueberschuß t konnten die 63 ss bedacht nierden.

** Eine Tr auerfeier für den Beigeordne» ten Geh. Iustizrat Dr. Schäfer sand gestern vor­mittag 11 Uyr bei sehr zahlreicher Beteiligung in der Ka-> pelle des neuen Friedhofs statt. Um den mit zahlreichen Kranzspenden geschmückten Sarg hatten sich außer den Fa­milienangehörigen des Verstorbenen zahlreiche behördliche Vertreter, saft sämtliche Mttglieder der Stadtverordneten- Versammlung uird zahlreiche sonstige Freunde des verstor­benen hervorragenden Bürgers von Gießen eingefunden. Die schlichte, aber dudurch um so tiefer wirkende Trauer- feier entsprach so recht dem alten Prunk abholden Sinn des Dah iuge schieb en en. Pfarrer Bechtolsheimer hielt die tiefempsmibene Gedächtnisrede, der er oas Work zu­grunde legteIch muß wirken die Worte des, der mich ge­sandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da nie­mand wirken lann." Er schilderte darin den Charakter und die rastlose Tätigkeit des Verstorbenen im Beruf, int öffent­lichen Leben uno im Kreise seiner Familie mit bewegten, zu Herzen gehenden Worten. Tann legten Kränze am Sarge nieder Lauogerichtspräiident Güngerich für die richter­lichen Kollegen Dr. Schäfers, die ihm ein treues Gedenken bewahren würden. Provinziäldirektor Geheimerat Dr. U sing er gedachte der treuen Mitarbeit des Ent­schlafenen an den Arbeiten der Kreis- und Probinzialver- waltung, die er noch am Vortage seines Todes in der Sitzung des Kreistages betätigt yabe. Oberbürgermeister M ecum sand anerkennende Worte für die 16sährtge Tättg- keit Dr. Schäfers als Stadtverordneter, die er allezeit nach dem Grundsatz getan habe, den er bei seiner Verewigung als Beigeordneter vor wenigen Tagen als seinen 2eii,iern für fein öffentliches Wirten ausgesprochen habe, daß in erster Linie für ihn das öffentliche Wohl maßgebend sein solle. Nur wenige Tage habe der Entschlafene das höchste Ehrenamt, das die Stadt zu vergeben habe, versehen kön­nen. Sie verliere viel an ihm und werde ihm ein treues Andenken bewahren. Für den oberhessifchen Geschichts­verein, dessen Vorstand Dr. Schäfer 16 Jahre lang an­gehörte, sprach Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel warme Worte des Gedenkens. Weitere Ansprachen hielten noch Rechtsanwalt En gisch für den Freundestreis und Stadtv. Loder für die Altersgenossen des Entschlafenen. Hier­mit hatte die Trauerseier ihr Ende erreicht, die einem" um die Stadt Gießen wohlverdienten Manne galt, von dem der Geistliche mit Recht sagen konnte, daß er ein reiches und gutes Leben geführt habe.

* * Lehrer Personalien. Bestätigt wurde der von dem Fürsten zu Löwenstein-Werlheirn-Rosenberg und dem Fürpen unb Grafen zu Erbaü)-Scyönberg auf Die Lehrerstelle an der Gc- meindeschule zu Kimvacy präsentierte Schulamtsaspiraut Jvh. Pons auS Gräfenhausen, L'reis Darmstaot, für Diese Stelle. Erledigt ist eine mit einer kath. Lehrerin zu besetzende Lehreriw stelle an Der GemeinDeschule zu Sponsheim.

* * Aus dem Militärwochenblatt. Im Beurlaui>- tenfianbe wurden befördert zum Oberleutnant Der Leutnant d. Res. Graf v. Zeppelin (IV Berlin) des GarDe-Drag.-RegtS. (1. Hess.) Nr. 23, zum Leutnant b. Res. der Vizewachtmeister Ried es et Frhr. zu Eisenbach (Guben) Des Leib-Drag.-Regts. (2. Hess.) Nr. 24, Die VizeselDwebel Huhn (Barmen) des Jns.-Negts. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, Hpbach ll Elfen), Des

** Berichti erstes BhattW e än schr film entfiel peile von unien m stattntadn es ber folgenden Satz

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