Ausgabe 
12.10.1911 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

161. Jahrgang

Nr. 240

Erfcheim tSqlicb mit Ausnahme deS Sonntag».

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Donnerstag, 12. GNoder 1911

Rotanousdruck und Verlag der Brübl'schen UnivcrsilätS - Buch- und 6teinbrudereL

R. Lange, Gießen.

Revolution in der chinesischen Provinz hupeh.

In China sind wieder ernste Unruhen ausgebrochen. Die Revolutionäre haben die Stabt Wuchang eingenommen, und der dortige Vizekönig, dessen Palast zerstört wurde, ist entflohen. Selbstverständlich find die Fremden und Euro­päer, obwohl ihnen von den Aufrührern Schonung ver­sprochen worden ist, auss Höchste beunruhigt. Man wird wohl bald davon hören, day Kriegsschiffe nach dem Schau­platz der Unruhen entsandt werden. Wuchang liegt gegen­über der Stadt Hankau, nahe dem Ufer des Jangtse- kiang, in der Provinz Hupeh: da dieser bis in diese Gegend für S e e d a m p f c r schiffbar ist, so hat sich Wuchang zu einem bedeutenden Umschlaghafen und volks- reichen Handelsplatz entwickelt.

Wir erhielten folgende Meldungen:

Peking, 11. Ott. Die Revolutionäre haben sich Wuchangs bemächtigt. Ter Vizekönig ist entflohen. Der Kommandant der Truppen wurde durch eine Bombe getötet. Fünf ausländische Kanonenboote haben den Schutz Hankaus übernommen.

Innerhalb der Stadt Wuchang ist Feuer ausgebrochen. Der Palast des Vizekönigs ist zerstört. Ter Vizekönig begab sich an Bord seiner Privatjacht. Der Kampf zwischen den Aufrührern und den Regierungstruppen dauert fort. Die Ausländer sind wohlbehalten. Die Füh­rer der Aufständischen haben eine Prottamation er­lassen, in der ihre Anhänger aufgefordert werden.

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Vöcklin-Lrinnerungen.

Gießen, 12. Okt.

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Redaktion, Erpedikion und Dnickerei: Schul- siraße 7. Erved'lion und Verlag: 61.

Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGreßen.

TieGtehener Zamlliendlütter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Krtublan für den Kreis Sietzen" -wkinial wöchentlich. DieLandwirlfchaftUchen Seit» tragen" erlchemen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesfen

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tb morgen:

Nierstein: Gutsbesitzer S ck ä tze I - Selzen N., Bürger- mcistcr N e i ch a r d t--Nierstein N. ^Sonderkandidatur), Gutsbe­sitzer Wolf- Stadecken Bbd., Redakteur S d) i l b b a d) - Mainz S.

ft 0 ft f) c i m -Weisenau: Juslizrat Dr. Zudmeyer Z., Gesaaftsführcr Bauer S.

B i n g en Land: Justizrat v Brentano Z., Landwirt S d) m 11 ck V.-Aspisheim f. Vp., Buchdrucker Ibing - Bingen S.

III Oberhessen.

Gießen: Fabrikant Adolf Klingspor 91., Professor Urstadt f. Vp., Redakteur Vetters S.

R 0d I) c i m - O b c r - R 0 s da ch: PedstSamvalt Dr. v. Hel- mol t - Friedberg Bbd., Redakteur W i t t r i d) S.

Echzell-ReichelSheim: Ockononnerat Breiden­bach - Tornhciin Bbd.

L i ch: Lairdwirl Fenchel- Lberhürgcrn Bbd Scminar- lehrer L e u ch t g c n s - Friedberg f. Vp., Häuser- Steinberg S.

Großen-Lindcn Heuchelheim: Bürgerm. Leun- Großcn-Lindcn Bbd., Schneidermeister Diehl S.

Homberg: Mühlcnbcsitzcr Brauer- Obcr-Fleidcn Bbd., Redakteur Vetters S.

Alsfeld-Land: Ockononnerat K 0 r e l l - Angenrod Bbd., Sattlcrnlcistcr Eder - Alsfeld S.

92 i b b a: Landwirt Dorsch-Wölfersheim Bbd., Beck­mann - Gießen S.

Büdingen: Landwirt Bähr- Rohrbach Bbd., Landwirt £>r. B ä h r^- Büd>cs f. Vp., Ockonomierat Andrac 9t., Schaub- Büdingen S.

Vilbel: Gemcindecinnehmer Herling-Rendel f. Vp., Rcichstagsabg. Bus old S.

*

Darmstadt, 12. Okt. Kammerpräsident Geheimrat Haas hat nun bestimmt erklärt, daß er auf dringendes Anraten seiner Aerzte unter keinen Umständen niehr irgendeine Kandidatur zu der bevorstehenden Land­tagswahl übernehme.

Die Kanöiöaturen zur hessischen weiten Kammer.

Von den 58 Abgcordnercnmandami sind am 3. No­vember 33 neu zu besetzen. Es sind bis jetzt in allen Wahl­kreisen Kandidaten ausgestellt und zwar 14 Nationalllbe- rale, J6 Fortschrittler, 32 Sozialdcmotraten, 9 Zentrum und 12 Bund der Landwirte, Baucrnöündlcr und Ehristlichsoziale. Bon den 18 oberhesfischen Mandaten sind 10 neu zu be­setzen.

Wir vcrösscntlichen nachstehend eine vorläufige Zu- s a ni m c n st e l l u n g der bis jetzt a u f g e st c l l t e n Kandidaten zur bevorstehenden Landtagswahl, mn nach Möglichkeit zur Erleichterung der Uebcrsicht über die Wahl- lampflage bcizutragen. Wir haben nur die Kandtdaluren ausgenommen, die bisher als sicher gelten können. Tie noch ausstehenden Kandidaturen betreffen vorwiegend wohl nur noch die Nationalliberalen. Wir bezeichnen Kandi­daten des Bundes der Landw. mit B. d. L., des Bauern­bundes mit Bdb., der Christl.-Soz. mit ch. s., des Zentrums mit Z., der Nationalliberalen nut N., der fortschrittlichen Volkspartei mit f. Vp. und der Sozialdemokratie mit S.

I. Starkenburg.

Darmstadt: Rcgicrungsrat Bastian N., Stadtv. Hen­richs. Vp., Redakteur Knoblauch S.

Offenbach: Haitdelskammcrfhnoikus Dr. Kratz 9t., Ar- beitersekretär Frede Z., Beigcordn. Eißnert S.

Beerfelden-Hirsch Horn -Wimpfen:.germeister Kredel-Airlenbach N., Lehrer L a il g - Beerfelden f. Vp., Parteisekretär H a s e n z a h l - Erlxich S.

Höchst: Stratzenmeistei F l e ck c n n e i n ch. f., Bürgermeister Mei) fing er-Kirch-Brombach 9t., Hartmann S.

Furth-Reichelsheim: Gutsbesitzer liefert- Frohn­hofen B. d. L. u. d). s., Paswerwaltcr Mergelt- Reichels­heim 91., Reästsanwali Sturmfels - Groß-Umstadt S.

Dieburg: Rcid-slagsabL- Uebel Z., Stabrv. Dr. Bau­de l - Darmstadt f. Vp., Schlossermcister A n t h e s - Sprendling. S.

Heppenheim-Viernheim: Postmeister Wiegandt Z., Loch-Worms S.

Bensheim-Zwingenberg: Fabrikant Auler 92., Professor Flcgler - Bensheim f. Vp., Neumann S.

Gernsheim-Pfungstadt: Reallehrcr Boehm -Gerns­heim 92., Landwirt Friedrich- Groß-Rohrhcim B. d. L., Fabri­kant Preß jun.-Pfungstadt f. Vp., Raab S.

Eber st adt-Gries heim: Stadtv. S a m e s - Darmstadt f. Vp., Partcisettctär Raab S.

Bischofsheim-Rüsselsheim: Bürgermeister Hüh­nerkopf f. Vp., Buchhändler Berthold- Darmstadt S.

Langen- Neu-Isenburg: Bürgermeister Pons- Neu- Isenburg 92., Lehrer Kinkel-Langen f. Vp., Rechtsanwalt Dr. Fulda-Darmstadt S.

Seligenstadt: Bürgermeister Singer-Seligenstadt Z., Rechtsanwalt E a r n i e r - Seligenstadt f. Vp., Pattcisekr. Rink- Offenbach S.

II. Rheinhessen.

Mainz: Redakteur Adelung S.

Worms: Justizrat Stephan-Worms 92.,- Buchbinder­meister Schmuck-Worms Z., Parteisekretär Engelmann S.

Alzey: Bürgermeister Diehl- Gau-Ldernheim 92., Wcin- gutsbcsitzer Knell - Heimersheim f, Vp., Stadtv. Lükel - Al­zey S.

W ö l l st e i n: Bürgermeister Schott- Uffhofen 92. (B. d. L.), Bürgermeister E i b a ch - Pfaffenschwabenheim f. Vp., Schuhmacher- meister H c u b a ch - Alzey S.

Osthofen: Beit 92., Bürgermeister Schreiber-Aben­heim Z., Schreiner Lutz S.

Wörrstadt: Pfarrer K0 r ell f. Vp., Stadtv. Gruber- Alzey S.

Gonsenheim-Nied-Olm: Molthan Z., Settetär S eel-Mainz S.

Zur Entwicklung der deutschen Autoindustrie.

In dem eben herausgegebenen Geschäftsbericht des Vereins deutscher Motorfayrzcug-Jndustricller, der wirt- I sdiasttichcn Interessenvertretung der gesamten deutschen Uaromobil- und Zubehörindustrie, gibt dcr Generalsekretär 5 L- jUr. Sperling einen Ueberblick über die Entwick- I (miß der deutschen Automobilindustrie im Jahre 1910/11.

ES heißt dort:

Tas Jahr 1910/11 bedeutet für die Entwicklung der , deutschen Automobil-Industrie wieder einen großen Schritt vorwärts. Der Gesamtumsatz mit dem Ausland, | uso Einfuhr und Ausfuhr an Kraftwagen, Karosserien, I D oloren, Motorrädern, für das Jahr 1910 weist in der I diitllidjcn Statistik eine Steigerung von 45,6 v. H. anj gegen das Jahr 1909 und ist auf 60,1 Millionen gegen 41,1 Millionen im Vorjahre, also um 18,9 Millionen j ß e ft i e g c n.

Sehr beachtenswert ist nun, daß diese große Steigerung 7 des Gesamtumsatzes fast allein auf der Vergrößerung les deutschen Exports beruht. Denn die Ausfuhr- « zi'fer ist für die genannten Artikel um 59,9 v. H., d. h. 4 um 18,4 Millionen, gegen das Vorjahr gestiegen, die Ein- D dagegen nur um 0,5 Millionen, so daß fast der ganze 8 Steln'bedarf Deutschlands im Jahre 1910 durch die ein- heimische Industrie gedeckt worden ist. Auf die ungefähre Hohe des einheimischen Mehrbedarfs kann man schließen Iprs dem Resultat der Bestandszählung für Kraftwagen.

Dinach gab es am 1. Januar 1911 an Motorfahr­zeuge n 5 7 805 Stück, also 7864 mehr wie am gleichen I btrmin des Vorjahres, was einer Jahressteigerung von 05,7 v. h. entspricht.

Nicht soll nun verschwiegen sein, daß von maßgeben- * bett Stellen schon hin und wieder auf die absehbare Mög- * fiiifcit einer Stockung im Absatz warnend hingedeutet wird. »Sinn verweist dafür auf die mannigfachen Neugründungen iuuii Automobilfabriken und aus die wesentlichen Vergröße- uitgen, welche große und besonders auch kleinere Fabriken

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...

Feldarbeitern, die plötzlich den Spaten mit verborgen ge­haltenen Waffen vertauschten, überfallen worden seien. Durch hinzutommende Leute wurden die Kerle verscheucht. Von der persönlichen Tapferkeit Böcklins weiß seine Gattin übrigens mehr zu erzählen. So hat er in seiner Florentiner Zeit, als er mit seinen Freunden den passendsten Ort für die Hochzeitsfeier seiner Tochter Klara ausfindig machte es sollte sestgestellt werden, wo der beste Wein wäre mit Erfolg einen sehr gefährlichen Angriff von händelsüchtigen Arbeitern abgewehrt, indem er einen der Angreifer auf die Erde warf und jämmerlich durchhaute. Hier darf auch die Heine Geschichte erwähnt werden, die in einem römi­schen Karnevalstreiben, vor der Eheschließung, sich er­eignete und die von Böcklin ein lustiges Bildchen entwirft. Er näherte sich dem Fenster Angelas mit einem riesigen Veilchenbukett und warf es an dem Hause in die Höhe. Nachdem der Wurf mehrmals verfehlt worden war, brann­ten einige Gassenjungen mit dem Strauße durch. Böcklin raste mit seinen langen Beinen hinterher.Ich fah noch," so berichtet Frau Angela,die wilden braunen Haare und die Beine in die Luft fliegen und schließlich meinen Ritter in der Ferne verschwinden. Es dauerte aber nicht lange, da tauchte er wieder auf, mit dem völlig zerstampften und zerzausten Veilchenbukett in der Hand, und nun begann das Spiel von neuem." Böcklin hatte ja nicht die Dttttel, aus großem Fuße zu leben. Sein ständiger Gast war der Hunger, und nach dem Bericht seiner Frau ernährte er sich wochenlang nur von Brot und Lattuga, römischem Schnitt­salat. Puffbohnen waren schon eine Delikatesse. Dabei blieb er aber munter und fütterte noch die zahlreichen Mäuse seiner kleinen Klause.

Tie ersten beiden Ehejayre waren besser. Frau Angela bezog als Tochter eines päpstlichen 9Naresciallo noch zwei Jahre lang eine kleine Pension aus der päpstlichen Scha­tulle. Tann aber kamen schon die 92ahrungssorgen. Tas erste Söhnchen starb an Brechdurchfall, und als die Cholera in Rom wütete, nährte sich die Familie Böcklin von den Früchten der verlassenen Gärten und von einem Sack Bohnen, die in Albano billig gekauft worden waren. In der höchsten 9tot wollte Arnold schweizerischer Soldat in Diensten des Königs von Neapel werden. Frau Angela hielt ihn davon ab, indem jie ihmrundweg erklärte, sie hätte einen Maler geheiratet und keinen Offizier".

Konfesfionelle Anfeindungen der Verwandten Angelas trieben das Paar nach Basel, zu den Angehörigen Böcklins, wo namentlich Frau Angela sich gar nicht heimisch fühlte. Nur der Freundschaftsbande, die ihn an denLeimsutt", eine Stammlischge,e..ichaft, fesselten, mochte ihr Gatte

Wcmaten Januar bis 1. August 1911 für 22,5 Millionen Stark exportiert gegen 15,3 Millionen int Vorjahr. Also t.nc weitere Steigerung des Exports um 50 v. H. gegen lern gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der Bedarf int Inland ist gleichfalls ständig im Dachsen begriffen und wird, da man zurzeit vielfach mit den Aufträgen bis nach der diesjährigen Ausstellung zurück- bdlt, erst dann in seinem ganzen Umfang erkennbar werden, edilicftlid) zeigt auch ein Blick auf die viel größere Ver- t licitung des Automobils in anderen Ländern, z. B. in England, in welchem die Vorbedingungen für die Ver- ; lveildung des Motorfahrzeugs auch nicht günstiger sind wie in Deutschland, daß bei uns auch noch im Inland große Absatzgebiete zu erschließen sind.

Von neuern tritt uns der verewigte Meister als ein Laster von Schlichtheit und Anspruchslosigkeit entgegen, h sehen wir ihn als jungen, mittellosen ft.'unftjürger in k ewigen Stadt ein Leben voll Entbehrungen führen, tie 15jähnge Angela Paseueei sah ihm schon von dären an, daß stets Ebb? in seinem Geldbeutel war. Er l dn: aber ungemein fleißig. Wenn morgens in aller i^mhe das 9Nenschengetriebe noch nicht erwacht war, sah Siugela, wie der lang aufgeschossene blonde Jüngling in $9 rtragener Kleidung, mit der Mappe uiiterm Arm, zur weit ins Freie sich begab. Als die Franzosen ui Rom ^«ogen und die Garibalotaner sich zerstreutcii, wurde, nach «ner köstlichen, kurzen und bündigen Werbung, die Ehe SWoffen. Böcklin blieb auch während der Flitterwochen, I k"as junge Paar in dem malerischen Städtchen Palestr 1 na klebte, sehr fleißig,arbeitete sehr viel und sehr an- ; ' engt". Von der Unsicherheit der schönen Gegend cr> j^llt Frau Angela, daß sie beide einmal von angeblichen

gern gedenken. Als Maler hatte Böcklin bekanntlich in Basel gar fein Glück, und nach einer vorübergehenden Tätig­keit in Hannover siedelte die Familie im August 1858 nach München über. Es ist ein erschütterndes Kapitel, das Frau Angela von dieserschwersten Zeit" in München auf­rollt. Böcklin wurde von Typhusfieber geschüttett und er mußte, als feine Frau im Wochenbett lag, die Hilfe mitleidiger Hausbewohner in Anspruch nehmen. Dazu war kein Geld im Hause. Böcklin glaubte sterben zu müssen, abermit einer geradezu grau)amen Emsigkeit malte er, um seiner Frau und seinen drei unmündigen Kinderchen etwas hinterlassen au können". Als der König von Bayern denPan im Schilf" für tausend Gulden antaufte, konnte die Familie sich wieder etwas mehr rühren; nach langem Krankenlager konnte Böcklin wieder malen.

Es ist charakteristisch für den Künstler, daß er trotz dieser schweren Ersabrungen die Anstellung als Professor der Landschaftsmalerei in Weimar, die ihm ein kleines, aber sicheres Einkommen sicherte, schon nach zwei Jahren wieder aufgab. Die Verhältnisse in der Kunstschule waren zwar nicht übel. Aber Böcklin vertrug die Gebundenheit und die Hoflust" nicht. Tie weimarische Landschaft zog ihn auch nicht an, und er klagte, daß ihm in Weimar die Ideen fehlten. Nur der Verkehr mit Lenbacy und Begas, die beide ebenfalls nach Weimar berufen worden waren, vermochten ihn an­zuregen. So ging es denn 1862 zum zweiten Male nach Rom, undalle Sehnsucht nach Sonne, Felsen, Zypressen und dem farbigen Himmel Roms, die wahrend der Zeit, die wir in Deutschland zugebracht hatten, aufgespart war, löste sich jetzt aus in immer erneuter Wanderung". Er tauchte förmlich unter in der römischen Landschaft.

Anselm Feuerbach, der sich zu ihrem alten Kreis gesellte, scheint bei Frau Angela nicht in Gunst gewesen zu sein. Sie schreibt, er habeeine leichte Ader" gehabt, mit einem Modell zusammen gelebt und sich allzu ausfallend gekleidet. Geld hatte er nie und eines schönen Tages pumpte er meinen Mann an." Darüber ist es bann zum Zerwürfnis gekommen. Feuerbach sei, so wird in den Erinnerungen erzählt, nach Empfang des Geldes gleich vierspännig mit seinem Modell nach Frascati abgefahren. Böcklin habe nach langem Säumen Feuerbachs diesem frühmorgensauf bte Bude rucken" müssen, um sein Geld wiederzubekommen, und bie Freundschaft habe sich in bittere "Feindschaft ver­wandelt. Interessant ist auch die Schilderung des Zer­würfnisses zwischen Böcklin und feinem früheren Freunde ^akob Burckyardt in Basel, wohin Böcklins im Jahre 1866 sich gewandt hatten, als nach den italienischen NErlagen in jiom die Geschäfte stockten. Der berühmte Kunsthi,toriker

Neben der neuen Ausgabe von Feuerbachs Briesen, tie zum Teil erschütternde Einblicke in die Feuerseele des lüiistlers gewähren, regen auch die bei der internationalen ^lerlagsanstatt zu Berlin erschienenen, von Ferdinand Runkel letigierten unb herausgegebenen Erinnerungen der Frau tngela Böcklin zu mancherlei angenehmen Betrach- ingen an. Die prattische und resolute Greisin, die in :hrer Florentiner Villa Bencista ihres Lebens Lust und v- - Leid überblickt, rückt uns zwar nur in bescheidenem 9)2aße den $®il. assenstried des Meisters nahe. Sie berichtet uns nicht nel nennenswerte Aeußerungen seines nach Geltung ringen- un Geistes. Offenbar hat sie die künstlerischen Leistungen hres Mannes nur mit halbem Verständnis begleiten können. Hfür läßt sie die treue, oft schmerzliche äußere Wirkiich- -- in diesem an Kämpfen und Enttäuschungen so reichen unstlerleben an uns vorüberziehen. Bleibt uns das Heilig- .im von Böcklins Ättelier auch ziemlich verschlossen, so be- leiten wir die Familie Böcklin durch alle Lebenswege. !anchmal wird man subjettive Rückblicke der temperament- ttlen Römerin mit einiger Vorsicht aufnehmen müssen; »icht immer wird über dem häuslichen Zusammenleben ler Glücksschimmer vollen Einverständnistes geschwebt siden. Aber der in alle Lebensepochen eingestreute Bries- Achsel des Meisters, der sich in feiner Hinterlassenschaft jod; fand, bestätigt, daß die beiden Ehegatten durch ine » Zähre ihres Zusammenlebens Freud und Leid treulich jetcilt haben.

||ltc aoig vornehmen. Wenn nun sicherlich auch die Auto- V Mobilindustrie, wie jede andere, damit rechnen muß, daß sie ^ihce Produkte zeittveilig nicht so leicht unterbringen wird ivic augenblicklich, so muß doch eine noch immer anl) al­te 11 b steigende Konjunktur festgestellt werden, für Ifreuen weitere Fortdauer günstige Anzeichen sprechen.

Zunächst zeigen bie allerneuesten Exportziffern für ben 1 L August 1911, baß bas A u s l a n b s g e s ch ä s t noch weiter in schnellster Ausbehnung begriffen i|t. Es wurden in ben

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