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3.4.1911 Erstes Blatt
 
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Vie Ermordung ftanzöfijcher Soldaten in

wie

Die Leichenfeier für Oberstleutnant v. Zchlichting.

K o n st a n i i n o p e l, 1. April. Heute nachmittag fand eine Leichenfeier für Oberstleutnant v. Schlichling statt, au der der deutsche Botschafter, das Persdnal der Botschaft und des Konsulats, die Minister des Krieges, der Marine, der Finanzen und des Unterrichts, das diptomatischc Korps, die Offiziere derLoreley", die deutschen Jnstruktionsoffi- zierc, alle höheren türkischen Offiziere und sämtliche dienst­freien Tuballernoffiziere teilnahmen. Ter Sultan war durch den Prinzen Tjemalcdbin sowie durch seinen Adju­tanten vertreten. Ter Großwesir und die übrigen Mi­nister, die am Erscheinen verhindert waren, entsandten Ver­treter. Nach der Trauerrede des Pastors trugen Matrosen derLoreley" den Sarg nach dem protestantischen Fried­hof, wo eine türkische Ehrenkompagnie den Salut abgab. Tie Straßen, welche der Kondukt parierte, waren von einer großen Menschenmenge gefüllt. Tie Lerche wird in den nächsten Tagen nach Deutschland übergeführt werden.

Ter Mörder erschossen.

Konstantinopel, 1. April. Ter Mörder des Oberst­leutnants v. Schlichtung wurde heute früh erschossen.

Tic Offiziere des Regiments, welches v. Schtichting befehligte, meistens Albanesen, veröffentlichen imTanin" einen Brief, in dem die Tätigkeit und die Verdienste von Schlichnngs hervorgehoben und ihr lebhaftes Bedauern über den Tod des beliebten Offiziers, der einem feigen Mörder zum Opfer gefallen sei, ausgedrückt wird.

ßranzösisüi-Suinea.

Tie Franzosen lauen einen anniia.en traurigen Fall erlebt .... Deutschland bei dec Niedermachung von Beamten durch Ein­geborene nur Ponapc. Wir erhielten folgende Meldungen:

Konatrl) 'Französisch-Guinea., 1. April. Ein Haupt- in an n u n b ein Leutnant, die beauftragt waren, den Wali

sammensetzung des Kabinetts Acnderungen, die er für notwendig hält, vorzu nehmen. Canalejas stattete heute vormittag Morel, Romanos und Monterorios Besuche ab. Als sicher nimmt man an, daß im Kriegsministerium und Finanz­ministerium ein Wechsel eintritt.

Sie Revision der hessischen Verwaltungsgesetze.

R. B. Tarmstadl, _ April. Tie drei Vorlagen zur V e r w a l t u u g s g e s e tz r e v i s i o u, die in der Zweiten Kammer gleich nach Erledigung der von der Ersten Kammer gefaßten Beschlüsse über die Wahlrechtsvorlage hinsicht­lich der beschlossenen Abänderungen zur Beratung kommen

Deutschland und die zriedensidee.

In der amtlichenNordd. Alta. Ztg." wird die 8?c deutung der Rede des Reichskanzlers nochmals hervor gehoben und festgestellt, daß die Regierung weder mit dem Reichstag noch der Mehrzahl der deutsd)cn Zeitungen im Widcrsvruch stehe. Ter ruhige, friedliche Ton des am, liehen Blattes wird auch im Auslande einen guten Eindrucl Hervorrufen:

TieNordd. Allg Ztg." schreibt:

Ter Reich-Kanzler lehnte es in seiner letzten Reichstagsrede ab, den anderen Großmächten ein Programm für die Einschränkung der Rüstungen vorzulegen. Die vom Reichstag angenommene Entschließung der fortschrittlichen Volkspcntei scheint gleichfalls die ungeheuren Schwierigkeiten anzuerkennen, welche der Auf ficllunq eines solchen Programms entgegenstehen. Sie verlangt deshalb nur, daß Deutschland über das Programm, das etwa andere Mächte aufftellen sollen, verhandeln möge. Ten Sch ieds gerichten steht Teutschland, wie der Reichskanzler ausgesühn bat, nicht ablehnend gegenüber. Es Hal im Gegenteil den Abschluß von Schiedsverträgen gefördert und wird es auch ferner tun Aber aurb hier wird es einer praktischen Friedenspolitik dienen, wenn es die Schiedssprecimng die nicht unmögliche Aufgabe zu weist, über die Unabhängigkeit, Ehre und Existenz der Staaten zu entscheiden, ionberu nur klar zu übersehende Rechtsverhältnisse der Schiedssprechung unterwirft. Konform dieser Anschauung akzeptiert die Regierung den von England vorgeschlagenen Nach­richt e n a n s t a tl s cl> über Schiffs baut en. Eine Bindung der beiderseitigen Streitkräfte liegt darin nicht; es soll nur Ueberraschungen vorgebeugt werden, die Paniken und als deren Folge ein krampfhaftes Wettrüsten Hervorrufen könnten. Sowohl im Jnlande wie int Auslande erkannte die Presse in überwiegender Mehrheit diese Grundgedanken der Rede des ReiäBkanzlers als zutreffend an. Nur die Minderzahl erblickt darin Tendenzen, welche einer friedlichen Entwicklung des Volkerlebens widerstrebten. Es verlohnt fick nicht der Mühe, ihnen im einzelnen entgegen zntreten. Sie werden bündig widerlegt durch die Politik, die Teutschland seit vierzig Jahren führt und fernerhin führen wird

Tie amtliche deutsche Erklärung stellt auch falsche Auf­fassungen in der auswärtigen Presse richtig:

London, I. April.Westmünster Gazette" sagt in einem Leitartikel: Es wäre nach unserer Ansicht sehr bebauen lieb, wenn die emphatische Sprache des deutschen Reichskanzlers über die Friedensprinzipien int allgemeinen uns blind machen würde, der Tatsache gegenüber, daß in dieser Rede der Kanzler einen wichtigen, praktischen Beitrag geliefert hat jur Herbei suhrung besserer Beziehungen in concreto. Tie Annahme des' Vorschlages, daß Englattd und Teutschland Informationen über das Schifssbauprogramm anstauschen sollen, ist im höchsten Maße dien­lich Wenn er in einem fairen freundlichen Geiste der beiden Seiten ausgeführt wird, tarnt er trotz Deutschlands Weigerung, über die Friedensprinzipien z u verhandeln, eine tat­sächliche Erleichterung für beide Lander int Gefolge haben.

Glob e" schreibt: Ter deutsche Reichskanzler verwirft die l i e b e it s w ü r d i g e n Theorien der sentimentalen Pazi - fisten in England und Amerika als nnausführbar. Von einer Nation, die bis zu einem Grade, wie wir bei unserer insulareit Stellung uns niemals völlig vorstellen können, von großen Mili­tärmächten umgeben ist, mit denen allen Deutschland gekämpft hat, war feine andere Antwort möglich. Der Kanzler stellte sich auf den Standpuntt der unaustilgbaren Grundbeding­ungen des m e n s ch l i ch e n Lebens, als er die Behauptung aufstellte, die Bedingung des Friedens sei die Stärke. Das alles ist für Idealisten-, die oen Tatsachen nicht ins Gesicht schauen wollen, betrübend, aber wir in unserem Teil sind dem Kanzler für den gesunden Menschenverstand, der sich in seinen Worten ausdrückt, dankbar.

von Gumba, den fanati'chen Marabu:, feitzunehmen, wurden beim Einmarsch in das Torf der Walis infolge Verrätern ge­lötet. Tw i iratlleiice vcmä.i >g.e > ,m: er-.- a.vries uuo ichlugen den Feind in die Fluäst. Ani'er Den beid.m Offizieren wurden etwa zehn französische Soldaten getötet uno jcchzehn^verwundet. Tie Eingeborenen verloren in dem Kamps dreihundert Tote. Unter den Geiallenen befindet itd) der Sohn des Walis von Gumba.

lieber den Kampf wird weiter gemelde!: Eine Kompagnie unter Dera Hauptmann Talah erhielt am 30. März den Befehl, den Marabu t von Tierno, Alin, der sich der Aufreizung zum Aufstande schuldig gemacht hat, festznnehmen. Talah, der Blut­vergießen vermeiden wollte, zog unvorsichtigerweise nur in Be­gleitung eines Leutnants und einiger T iraillcure ins^Torf und ließ. Um seine friedlichen Absick d n z» den isen, die Flintenschlösser öffnen. Ter Hauptmann, der zunächst Gegenstand freundlicher Kundgebungen war, wurde plötzlich an gefall en und mit Säbelhieben niedere ent a ch t. Ter Leutnant und zehn Tiraillcure teilten sein Schicksal, nur zwei llnterosfeziere und drei Tiraillcure enttarnen. T e r Rest der Kompagnie nahm das Torf im Sturm und schlug mit Flinten die bewaffneten Feinde in die Flucht.

Amtlich wird dazu in Paris erklärt, daß der Ueberfall auf ein Wiederaufleben der m u ) c i m a n i | cn Beweg- ii ng znrückzusühren sei, welche den Gouverneur oor fünf Jahren zwang, den Almamv Alfa Jaja nach Tahomep zu deportieren. Dessen Nachfolger Alfa Himu habe auf Anstiftungen des Wali von Gumba und der Marabuts von Fnladialon von neuem die muselmanische Agitation angefacht, welcher bereits 1909 der Ko- lonialadminislrakor Bastie zum Opfer fiel.

lk. Z9 Erster Blatt 16t Jahrgang Montag, 3. April 1911

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!.eriüvrcch - Anschlüsse. politischen Teil: August

»S . General-Anzeiger für Hberheffe» WM Annahm? von Anzeigen Rofafiottsbrud unb Verlag ber vrühl'schen Univ.'vuch- unb Steinbruderei R. Lange. Nebattion, Expedition unb vruckerel: Zchulstrahe 7. Land"-'GHch^für den bis oornüttag^Tubn vüdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle vahnhofstrahe X6a.________________________________ Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfafjt 12 Seiten-

Der Abschied der Kabinetts Canalejas.

im Oktober 1909 bic * * * * s * * B * * 11)iad>rid)t von der Erschießung des Revolutionärs Ferrer bekannt wurde, erhoben sich die bekannten Proteststimmen, so daß das damalige tonserva- tive Kabinett Maura dem liberalen Kabinett Morct Platz machen mußte, das im Februar 1910 wiederum von dem liberal-konservativen Koalitionsmiuisterium Canalejas abgclöst wurde. Seltsam war dabei, daß weder Morct, nod) Canalejas an eine Revision des Ferrerprozesses dach­ten, sondert: sie mit dem Hinweis ablehnten, das; das Mili- rärgericht von Barcelona aus Grund der bestehenden Gesetze lein airderes Urteil gegen Ferrer fällen tonnte, und selt­sam war es auch, daß der Ferrerrummel in den Kulwr- ländern sein Ende erreichte, sobald nähere Einzelheiten über die Persönlichkeit Fcrrers bekannt wurden. Tic Lache bil­dete aber für das Ministerium Canalejas eine recht un­glückliche Erbschaft, mochte and) das Kriegsgericht von Barcelona auf Grund der vorliegenden Akten und der be­stehenden Gesetze nach bestem Wissen und Gewissen die Todcs- strase über Ferrer verhängt haben.

Seit vorigem Montag hat nun die spanische Kammer auf Antrag der Republikaner über den Fcrrerprozcß ver­handelt und so dem Ministerium Canalejas eine arge Ver­legenheit bereitet. Tenn man verlangte die Revision des Ferrerprozesses, und Canalejas war nunmehr gczwungeu, oor dem ganzen LandeFarbe zu bekennen". Tas aber war für ihn um so sd;w:erigcr, als neben bei: Republi­kanern auch die Liberalen der Anschauung huldigten, daß das Militärgericht gesetzwidrig gchandcl: habe, und als die Konservativen, die für die Regierungsmehrheit not­wendig sind, nad) wie vor daran feslhielren, daß die Todes­strafe an Ferrer zu Recht vollzogen sei.

Canalejas mußte also, wollte er den tonservativ-libe- ralen Block nicht in die Brüche gehen lassen, einen Eiertanz aufführen, indem er unter der Tevisceinerseits - an­dererseits" das Verfahren gegen Ferrer mißbilligte, das Urteil selbst aber rechtfertigte. Es schien ihm das aud; bis zum Freitag, wenigstens in der Kammer, gegenüber den Reden der Republitaner gelungen zu sein, wenn nicht das Lssiziertorps von außen her die zwischen Konser­vativen unb Liberalen getroffene /Verabredung, den Ferrer pelz zu waschen, ohne sid; naß zu machen, durchbrochen hätte. Man sand in Offizicr-: kreisen, daß Eanalefas das Militärgericht von Barcelona denn doch zu wenig in Schutz genommen hätte gegenüber den republikmischen Angriffen. So waren die Differenzen innerhalb der liberal-konfer- vativen Blockmchrhcit schon am Freitag so scharf geworden, daß Canalejas sid) genötigt sah, einen Ministerrat abzu­halten, in dem der Abschied des Gesamtkabinetts be- fchlossen wurde, weil sid) aud) eine Uneinigkeit unter den Ministern selbst geltend machte.

Madrid, 1. April. In ber gestrigen Kammersitzung erklärte Lacicrva (fonb , die Regierung habe der Revolution gegenüber ihre Pflicht getan. Die revublilanischen Redner hätten zugunsten Fcrrers nur Ungenaues, Unrichtiges vorgebracht. Tie Anwendung eines besonderen Verfahrens gegen Ferrer fei be­rechtigt gewesen, doch enthielten die auf den Prozeß bezüglichen Akten keinerlei Falfchuiigen oder Verstümmelungen. Tie Aus­führungen Laciervas wurden von den Konservativen mit leb­haftem Beifall aufgenommen.

Im heutigen Ministerrat beschloß das Kabinett zurückzutreten. Canalejas bleibt Ministerpräsident.

Madrid, 2. April. Der König drückte Canalejas sein ferneres Vertrauen aus, inbein er ihn ermächtigte, die von ihm bisher verfolgte Politik fortzusctzen und in der Zu-

was vr. Look von seiner Zlucht erzählt.

Die lange. Irrfahrt, die ber entlarmcNordpolentdecker" Cook unternommen hat, um sich den Augen ber Menschheit zu entziehen, ist in ihren Grundzügen bereits bekannt unb, als bloße Reisebetrachtung auch eigentlich ohne Interesse; was Cook jedod) für Qualen durchgemacht hat, als er ein Jahr lang ruhelos in den verschiedensten Ländern des Erdballs die Einsamkeit suchte, erkennt man erst, wenn man seinen vierten und letzten Recheu- fchaftsbericht liest, den man uns ausHamptons Magazine" überliefert. Und dieser Bcrick't ist nun als menschliches und zeit­geschichtliches Totumcnt sehr inretessam.

Von Halifax aus schiffte ^.ook fick) nad) Liverpool ein. Als er nad) zweitägiger Seekrankheit zum ersten Male im Speise­saal erschien, war das erste, worauf sein Blick fiel, eine drahtlose Nachrickst mit der Uebcrschrist:Wo ist Cook?" Tie wenigen Fahrgäste des Sd)iffes kannten tein anderes Gesprächsthema als die Frage:Wo ist Cook?", und selbst der ^er.iifskocki, ein Halb­blut, mit dem Cook fick) in ein Gespräch einließ, verfiel sofort auf das leidige Nordpollhcma. Hierbei stellte sich heraus, daß er felsenfest an Cook glaubte, und so blieb dem unglücklichen Forscher nicksts übrig, als^sich auf Pearys Seite zu stellen und alle Rede­wendungen des Streites Peary-Coot zu verwenden, die er aus der Zeitungslcklüre behalten hatte. Achnlich auäLenb verlief bic Weiterreise von Liverpool nach Lissabon; dann fuhr Cook nach Algeciras, wo er mit ieiner Frau nach langer Trennung zusammentraf. Ter anfängliche Reiseplan, Italien aufzusuchen, wurde glcid) wieder fallen gelassen, und da das endgültige Urteil ber Universität Kopenhagen erst nach längerer Zeit zu erwarten war, schiffte sich das Ehepaar Cool nach 5 ü b a m e r i f a ein. Tie wochenlange Seefahrt wurde wirilich eine Zeit der Erholung. Hier blieb Cool wirklich unerkannt.

Kurz nach der Ankunft in Buenos-Aires erfuhr Cook die Nad)- richten aus Kopenhagen. Er wußte nichts besseres zu tun, als sich svfort wieder cinzuschissen und um bie, Südspitze Südamerikas herum nach Valdivia uno weiter nach Santiago zu fahren. Zunächst blieb er unerkannt. An Bord machte er jedoch die Be- lannt)"d)ait eines amerikanischen Pillenfabrikanten, dem er sich als Arzt vorstcllte. Erst als dieser Amerikaner das Schiff verließ, erfuhr er, daß er erkannt lonv, _bciiH die Äbschiedsworle lauteten: Good Bye, Dr. Cook," und Tags darauf^ersah Cook aus den Zeitungen, daß sein Jiicognito dahin sei. Im Hotel drehten sick) an ber Tab le b'hote alle Gesichter nad) ihm, in seinem Zimmer wurde er von Reportern bestürmt, die er natürlich alle abwies, aber wieder einen Dag später wimmelten alle Zeitungen von

Interviews mit ihm. Jetzt erst so behauptet wenigstens Cook ging ihm eine Ahnung aus, daß die Augen der ganzen Welt auf ihn gerichtet seien und jetzt wurde seine ruhelose Wanderung zu einer wirklichen Flucht vor den Menschen.

Er burdquerte Südamerika von Westen nad) Osten, aber eine ganze Wolke von Reportern folgte ihm. Wo der Zug hielt. Drängten sich Hunderte von Menschen auf dem Bahnhof und starrten ihn an; unterbrach er feine Reise, so war der Weg vom Bahnhöfe 5um Hotel ein wahrer Leidensweg durch die mellte Menschenmenge hindurch und einmal traf ev gar mit einem ehemaligen Gefährten von der Beigicaexpedition zusammen, der jedoch so ver- ininftig war, ihn nicht tennen zu wollen und sick) erst mit ihm in Verbindung seste, aiu die- unauiiäUtg geschehen tonnte. Ja er erklärte sogar allerdings vergeblich den Zciiungsreporterii, der verfolgte Mann sei gar nicht Tr. Cook. Erst nach längerer Reise gelang es Cool, seine Verfolger abzuschütteln, in einer ganz kleinen Stadt verließ er den Zug, legte eine Strecke im Automobil zurück und bestieg dann einen Dampfer. Kurz darauf trennte er sick) von seiner Frau, die die Sorge um ihre Kinder nach den Vereinigten Staaten trieb.

Sobald die Ostrüste wieder erreicht war, setzte sick) Cook in das erste Schiss, das nach Europa fuhr, mit der Absicht Italien aufzusuchen. Gleich an einem der ersten Tage fragte ihn ein Italiener, ob er nicht Tr. Cook fei, und trotz feines Leugnens verbreitete sich das Gerücht, Tr. Cook fei unter den Reifenden. Nun war er wieder der Mittelpuntt der Aufmertsamkei: wie vorher! Glücklicherweise konnte er aut den Kanarischen Inseln nach ganz kurzer Unterbrechung Der Reise ein anderes Schiss besteigen, das ihn nach London führte, und in London fand er endlich Die er­sehnte Ruhe. Kein Mensch rannte ihn. Abend sür Abend ging er allein durch die Straßen: er saß im (Safe, in der lärmenden Menschenmenge des Varietes oder im Theater, ohne beachte: zu werden. Wenn er zur Nachtzeit durch bic menschenleeren Straßen ging, dachte er wohl, wie mancher Flüchrling vor ihm in Der Millionenstadt Verborgenheit gesucht und gesunden harte. Niemand erkannte ihn, obwohl er sich ieiner Verkleidung bediente, abgesehen davon, daß er sich einen Bart hatte stehen lassen. Er lebte sogar in einem Hotel, wo viele andere Amerikaner wohnten, ja er lernte einen Mitarbeiter einer großen Tageszeitung kennen, unterhielt sich ost mit ihm, und bicicm Zeitungsmannentging es, wen er vor sick) hatte!

Schließlid) wandte Cook sick) an einen Rechtsanwalt, durch den er Die Beziehungen mit seiner Heimat wieder auf nahm. Er ließ feine Familie nach Europa kommen und nun machte er eine längere Rundreise, bei der er anscheinend nie erkannt wurde, ob­

wohl er sich fogar unter feinem richtigen Namen ins Fremdenbuch

etnfdirieb. Während des vergangenen Sommers^hat er nach

feinem Berichte Holland, Teutschland und die Schweiz durch­reist, den Passionsspielen in Oberammergau beigewohnt und

Belgien ausgefiicht, bis er sich endlich entschlossen, vor der Oessent- lichleit seine gründliche Beichte abzulegen.

*

Die Internationale Ausstellung für Reise und Fremdenverkehr wurde am 1. April in den Aus­stellungshallen des Zoologischen Gartens zu Berlin durckj An­

sprachen des Präsidenten K u h k m a n n und Geheimrat Jakob cingelcüet, die Eröffnung selbst im Austrag des Ministers von

B r c i t c n b a dj Durch Geheimrat von Der Leyen mit einem Hoch auf den Kaiser verkündet. Ter Feier wohnte eine glänzende Gesellschaft geladener Gäste bei. An die Eröffnung schloß sich ein Rundgang durch vie vollständig fertiggestellte Ausstellung, wobei die Tirektorcu Schl ie per und Willner die Führung hatten.

I n der Internationalen Kunstausstellung zu Rom erfolgte am Sonntag die Einweihung Der deutschen Abteilung. Um 4 Uhr traf Der König im Automobil ein und mürbe von Dem EhrenvorsitzenDen Des Deutschen Ausschusses, Dem Fürsten Bülow, Dem deutschen Ausstellung-Kommissar Prof. Kampf und dem deutschen Botsd)aster v. I a g o w sowie anderen Persönlichkeiten empfangen. Zugegen waren ferner die Kommissare ter anderen 'Jiaiioneu i'jidic i eroorragenDc Persönlichkeit.". der deutschen Kolonie. Fürst v. Bülow hielt in deutscher Sprache eine Begrüßungsrede. Hieraus besichtigte der König unter Führung des deutschen k'lusstellungskommissars Prof. Kampf die einzelnen Säle.

Preisaufgab c. Ter Vorstand der H n f e l a n - difchet: Gesellfchaft (für Demonstrationen und Vertrag- aus Der gesamten praktischen Medizinzu Berlin hat b. schlossen, folgende Preisaufgabe zu stellen:F u n f t i o n c 11 e Herzdiagnostik in ihrer Anwendung, auf die ä r 31 -

11 chc Praxi s." Für Die preisgekrönte Aroeit ist ein Prcis von 1000 Mk. ausgesetzt. Einzureichen sind die Arbeiten in je zwei Exemplaren möglichst Schreibmasduneufchrift bis zmn 1. April 1912 an Geh i'A sizinalrat Prof. Tr. G 0 1 d > ch c 1 d c . ,

1 I ii t müssen in in r üblichen Art mit einem Kennwort versehen fein. Tie nicht preisgekrönten Arbeiten werden auf Verlangen bis zum 1. Oktober 1912 den Einsendern urüdgegebeu. Tie B kanntmachung der Zuerteilung des Preises findet am 14. Juli 1912 statt.