Ausgabe 
3.3.1911 Erstes Blatt
 
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Ueberzeugung mitnebmen könne, daß er and) im Reichstage, un- befümmcrt nach oben und unten, den als recht erkannten Weg als -freier und unabhängiger Mann marschieren werde.

Die Anhänger der wirtschaftlichen Vereinigung zollten auch den.Ausführungen des Herrn Rippel lebhaften Beifall.

Die Aussprache.

Waren schon die beiden Redner durch häufige Zurufe, Herr Rippel auch durch Schlußrufe, häufig unterbrochen worden, so zeigte sich dieses störende Verhalten eines Teiles der Versammlung noch in weit höherem Maste bei der nun folgenden freien Aus­sprache. An erster Stelle ergriff Stadtverordneter Krumm das Wort imd spielte zunächst auf seinen Zeitungskrieg über den Zukunstsstaat imGießener Anzeiger" an. Am heutigen Abend aber wolle er vom Gegenwartsstaate reden. Aus Erfahrung ist, so sagte er, zur Genüge bekannt, daß die Kandidaten vor jeber Reichstagswahl immer schöne Worte machen, alle möglichen Ver­sprechungen geben, im Reichstage aber niemals in der Lage lind, ihre Worte in die Tat umzusetzen. Durch die Branntwein- liebesgabe ist nicht den kleinen Brennereien geholfen, sondern nur den größten Betrieben. Die Rückvergütung an vier große norddeutsche Brennereien betrügt mehr als an 60 kleine süd­deutsche. Die Schilderung, die Dr. Werner über die Freihandel­zeit gegeben habe, sei vollständig richtig, aber der Kapitalismus hätte sich entwickelt auch ohne Gewerbefreiheit. 1808 seien nur einige Getreidesorten in genügender Menge gepflanzt worden. Die Löhne haben mit der Zeit der Schutzzölle nichts zu tun. Der Unterschied zwischen reich und arm ist größer wie je. Rur 610 Prozent der Einwohner find im Besitz eines Vermögens, das die Hälfte des Volksvermögens übersteigt. Der Fleisch­genuß müsse größer sein, weil die körperliche und geistige An­strengung gewachsen sei. Die Arbeiterseinde sitzen in den Reihen der Konservativen und des Bundes der Landwirte. Es ist den Landwirten nicht übel zu nehmen, wenn sie hohe Zölle erstreben: die Arbeiterschaft aber wird herabgedrückt in ihrem Bestreben nach höheren Löhnen. Auch die Sozialdemokratie will aus­reichende Fürsorge gegen die Einschleppung der Seuchen. Schutz­zölle werden jetzt in allen Ländern erhoben, aber nur, weil wir sie erheben. Bei aller Anerkennung des (Muten, das die Schutz­zölle haben, haben sie dock; manche Nachteile im Gefolge. Der Redner bestreitet weiter den Nutzen der Kolonien. Die Land­wirte würden dem Viehzüchter, der aus den Kolonien Vieh ein- führte, sicherlich wenig Dank wissen. Es sei wohl möglich, daß Kupfer und Diamanten dort gesunden würden, der Nutzen, den der Anbau von Baumwolle biete, werde in dem Augenblick fraglich werden, wenn bei der Sperrung der amerikanischen Grenzen infolge von Ringbildung der Vorteil in die Taschen des Groß­kapitals fließe. Alle Verbesserungen der Arbeitergesetze sind von der Sozialdemokratie angeregt und stückweise Erfolge erzielt wor­den. Hinsichtlich der Wehrmacht verlangt die Sozialdemokratie ein Volksheer, die Zweckmäßigkeit der ausgegebenen Gelder be­streitet sie. Kriegsschiffe sind nicht nötig: denn der Handel hätte dieselbe Ausdehnung genommen; die Güte der Ware ist hier ausschlaggebend. Alle Steuern werden überflüssig, wenn Vermögens- und Erbschaftssteuern eingesührt werden. .Die Erb­schaftssteuer, wie sie bei der Finanzreform vorlag, ging ihnen nicht weit genug. Infolge der Zündholz- und Tabaksteuer sind viele Ar­beiter brotlos geworden. Das Beamten- und abhängige Arbciterheer wird immer größer. Wenn auch die sinzelnen Interessengruppen z. Zt. gegeneinander eiferten, so stehe doch fest, daß sie zu gelegener Zett wieder zusammenkämen. Auch er habe die seiner Zeit er­folgte Versetzung des Herrn Tr Werner als eine politische Maß­regelung angesehen und sie mißbilligt. Aus der Entgleisung des Abg. Raab in der 2. Kammer dürsten keine allgemeinen Schlüsse ge­zogen werden. Es sei der heldenhafte Untergang der Mann­schaften des Iltis und des Unterseebootes Nr. 3 wohl anzucrkennen ianb ihre Mamihaftigkeit sei ein schönes Beispiel treuer Pflicht­erfüllung, aber in allen Ständen und Berufen fänden sichMenschen, die auf dem Schlachtfelde der Arbeit standhaft und mutig ihr Leben opferten. Frankreich und England sind nicht allzusehr zu fürchten, die Völker find friedlich gesinnt, schuld an dem gespannten Ver­hältnis ist einzig und allein der Kapitalismus. Die Erde gehört Allen: jeder Mensch hat teil daran, nicht eine kleine Schicht. Die agrarischen Teile des Volkes sind nicht allein Steuerenthalter. Die Produktionsmittel sollen verstaatlicht werden. Den Anfang hätte man mit der Verstaatlichung der Kalibergwerke machen sollen. Die Sozialdemokratie ist die Freundin aller kleinen Leute: wer diese Ueberzeugung hat, muß am 10. März Beckmann wählen.

Die Erwiderung des Herrn Dr Werner.

In seiner Erwiderung verbreitete sich Dr. Werner zunächst über das Fallen des Reichsbankdiskonts trotz der Finanzreform und über das Frauenstimmrecht. Hinsichtlich der Schutzzollpolitik müsse er auf seinem Standpunkt beharren. 1908 seien nicht nur grotze Massen von Getreide verfüttert, sondern .auch noch ein Teil nach dem Ausland befördert worden. Bezüglich des Milizheeres vertritt er den Standpunkt, daß es teurer als ein stehendes Heer und dazu noch ungenügend sei. Die Sozialdemokratie leistet keine positive Arbeit. Tie Parfümeriesteuer, die sicherlich nur die Besitzenden getroffen härte, wurde von ihnen abgelehnt. Die Zündholzsteuer ist von dem Freisinn vorgeschlagen worden. Der Kapitalismus wurde von ihm niemals ernstlich gefaßt. Daß die Sozialdemo­kratie für den Freilstrndel ist, liegt ganz in ihrem Interesse, da dann die Verstaatlichung des entwerteten Grund und Bodens eher vor sich gehen kann.

Redakteur KaubOffenbach

zog in gewohnter' sozialdemokratischer Weise gegen den Militarismus los, der Deutschland dem Untergang ent­gegenführe. Es gibt gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder abrüsten ober losschlagen. Die Kosten und die Schädigungen eines Krieges nack> den verschiedensten Seiten hin sind so un­geheuerlich, daß niemand die Verantwortung dasür übernehmen kann und will. Es bleibt darum nur noch die Abrüstung. Nur an der deutschen Regierung liegt es, daß nicht abgerüstet wird. Aus dem früheren Agrarstaat ist ein Industriestaat ge­worden. Deshalb muß sich die Wirtschaftspolitik ändern. Die in nächster Zeit bevorstehende Erneuerung der Handelsverträge muß unter diesem Gesichtspunkt vorgenonimcn werden, wobei die Schutzzölle den Abschluß wesentlich erschweren werden. Die Reichsfinanzresorm bedeutet eine schwere Schädigung des armen Mannes. Er unterzieht dann die einzelnen Reichstagskandidaten einer kurzen Betrachtung und kommt zu dem Schluß, daß der sozialdemokratische Kandidat Beckmann gewählt werden müsse. Mit dem Freisinn könne man in der Stichwahl zusammengehen.

Ihm tritt Stadtverordneter Rippel-Hagen in kurzen Ausführungen entgegen und betont, daß der ernsthafte Politiker sich nicht von Zukunststräumen, sondern von der realen Wirklichkeit müsse leiten lassen. Dem Freisinn prophezeit er, daß er über kurz oder lang von der Sozialdemokratie verschlungen werde und ver­wahrt sich energisch gegen die Mffassung, als ob seine Partei Agrarpolitik treibe.

Wenn bis hierher die Aussprache sich in durchaus sachlichen Bahnen bewegte, so erging sich her folgende Redner, Herr Bär - Gießen, in Schmähungen und Beleidigungen gegen die Partei der wirtschafttichen Vereinigung, gegen verschiedene Vorkämpfer des Antisemitismus, sowie hauptsächlich auch gegen den Kandidaten Oberlehrer Tr. Werner Die Versammlung zeigte sich mit we­nigen Ausnahmen über dieses Verhalten entrüstet und billigte es. daß dem Redner das Wort entzogen wurde. Nach einem kurzen Schlußwort schloß man die äußerst stürmisch verlaufene Versammlung mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland und mit dem Gesang des Liedes: Deutschland, Deutschland über alles.

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Von der Parteileitung der fortschrittlichen Volks Partei werden wir gebeten, festzustellen,daß |'b die unsachliche und persönliche Kampsesweise des Herrn Bär miß­billige und weit von sich weise."

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Eine Wählerversammlung für die Kandidatur Dr. Werner findet wieder am Sonntag, 5. März, in Gießen und zwar nachmittags 3 Uhi inSteins Garten" statt. 9cadj einer An- Ivrache des Reichstagsabgeordneten Liebermann v. Sonnenberg wird Reichstagsabgeordneter Amtsgexichtsr ah Sattmann einen Vortrag halten.

Line (Ertlärimg des randesvorfitzenden der Sunde; der Landwirte.

Wir erhalten folgende Erklärung zum Abdruck:

Gegenüber den verschiedenen Erklärungen des Wahl­bureaus der Fortschrittlichen Volkspartei im Gießener An­zeiger stelle ich, soweit der Bund der Landwirte in Frage kommt, folgendes fest:

1. Am 5. Februar fand vor der Vertrauensmänner­versammlung des B. d. L. im Felsenkeller mit Herrn Professor G i s e v i u s eine Besprechung statt, nachdem die Nationalliberale Partei die Unterstützung des Bundes für ihren Kandidaten nachgesucht.

2. Bei dieser Besprechung wurde nicht das offizielle Pro­gramm des Bundes der Landwirte vorgelegt, da dieses erst später in der Bundesversammlung in Berlin beraten, sondern s christlich formulierte Grundsätze, die sich auf dem "Boben der gleich­mäßigen Berücksichtigung aller Berufs­arten bewegten.

3. Die von Professor Gisevius in kurzer Aussprache mündlich gegebenen Darlegungen, die sich auch mit dem seither öffentlich vertretenen Pro­gramm deckten, boten mir Anlaß, in der Vertrauens­männerversammlung vom B. d. L. Stimmfrei» gäbe zu befürworten, nachdem auch der Kandidat der Wirtschaft!. Vereinigung, Herr Oberlehrer Dr. Wer­ner, durch einen Vertreter seine Bereitwilligkeit zur Anerkennung der Grundsätze hat erklären lassen. Der Landesvorsttzende des Bundes der Landwirte: _____________________________ Korelt.

Au; den ReichstagsausschMn.

:: B e r l i n, 2. März.

Reichsversichernngsordnung.

In der Donnerslags-Sitzung der Reichsversicherungs­kommission wurde die Aussprache über die Angestellten der .Krankenkassen fortgesetzt, tu der wesentlich neues nicht zu­tage gefördert wurde. Bei der Abstimmung wurden die §§ 356 bis 363 b nach den Einigungsanträgen angenommen.

Beamtenfragen beim Posthaushalt.

In der heutigen Sitzung des Bndgetausschuffes des Reichstages beschäftigte man sich weiter mit der Bitt­schrift der Oberpostassistenten und dem Antrag der Natio- nalliberalen und Fortschrittspartei, jenen, soweit sie vor dem 1. Januar 1900 in den Postdienst getreten sind, ge­wisse Alterszulagen zu geben. Nach mehrstündiger Aus­sprache geht eine Entschließung von konservativer Seite ein, nach der den Oberpostassistenten, die drei oder mehr Jahre in der obersten Gehaltsstufe sich befinden, soweit sie vor dem 1. Januar 1900 in den Dienst getreten sind, eine Zulage von 300 Mk. gewährt werden soll. In der langen Aussprache treten wichtige neue Gesichtspunkte nicht hervor. Die Abstimmung ergibt eine Mehrheit der Natio­nalliberalen, Konservativen, Rcichspartei, mehrerer Frei­sinniger mit 14 gegen 13 Stimmen für den konservativen Antrag. Bei Titel 24 werden Wünsche der Telephonistinnen zur Sprache gebracht: die Regierung steht ihnen teilweise freundlich gegenüber. Die lebenslängliche Anstellung könne nicht bewilligt werden, da mehrfach Fälle von Pensionierung vorlägen, denen die Ehe aus dem Fuße gefolgt sei. Er­leichterungen im Dienst unterlägen der Prüfung. Der Re­ferent Abg. Beck (Natl.) empfiehlt die Genehmigung von 800 neuen Dienststellen für Unterbeamte, davon 500 in ge- hobenen Dienststellen. _____________________________________

Deutsches Resch«

Ein Niederlassungs-Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Schweiz, und ein Vertrag beider Staaten, betreffend Regelung von RechtSvcrhältniffen der beiderseitigen Staatsangehörigen, ist dem Reichstage zu- geganaen.

AnslanS.

Das französische Kabinett setzt sich endgültig wie folgt zusammen: Vorsitz und Inneres: Monis; Justiz: Antoine er riet; Aeußeres: Cruppi; Krieg: Verteaux; Marine: Delcasse; Finanzen: Caillaux; Unterricht: t e e g ; Oeffentliche Arbeiten: Dumont;

Handel: Masse; Ackerbau: Pams; Kolonien: Messimy; Arbeit und soziale Fürsorge: Paul Boncour.

Der Abgeordnete von Bagdad, Ismael Hakki, wurde zum türkischen Unterrichtsminister ernannt.

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, 3. März 1911.

Aus der Sitzung der Stadtverordneten.

Die gestrige Sitzung verlief so friedlich, wie seit langem nicht, namentlich wenn man bedenkt, daß der Hauptgegenftand der Beratung die Voranschlagsberatung war. Die Vor­arbeit, die die Bürgermeisterei und der Finanzausschuß für die Beratungen geleistet hat, war so gründlich, daß die ganze Ab­änderung in der finanziellen Wirkung des Voranschlags sich auf 10 Mk. erstreckte, die für den Westerwaldklub bewilligt wurden. Auch die lange Reihe von Wünschen, die fönst zu erscheinen pflegt, hielt sich diesmal in bescheidenen Grenzen. Am meisten sprach man noch Über die Vertilgung schädlicher Tiere, wil­dernde Katzen u. ä. Auch Die von sozialdemokratischer Seite vertretenen Arbeitersorderungen nahmen diesmal be­deutend weniger Zeit in Anspruch als sonst. Sehr energisch wurde für eine Verbesserung der Anlage vor dem Uni­versitätsgebäude hingewirkt, doch liegt dies nicht in der Macht der Stadt, da der Platz Eigentum des Staates ist. Die Sitzung wurde mit der Einführung und Verpflichtung des Beig. E m m e l i u s eröffnet.

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Anwesend waren in der Sitzung: Oberbürgermeister SDtccum, die Beigeordneten Keller, Georgi und Emmelius, sowie die Stadt­verordneten Dr. Ebel, Eichenauer, Faber, Friedberger, Gabri^, Grünewald, Habenicht, Dr. Haberkorn, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Jughardt, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Plank, Dx. Schäfer, Schafsstaedt, Dr. Sommer, Trotz, Detters, Wallenfels, Dr. Wimmenauer, Wimr.

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In der nichtöffentlichen Sitzung wurde die Verbreite­rung der Neustadt an den Häusern der Herren Schön und Schneider bezw. ein neuer Fluchtlinienplan beschlossen.

Elektrizitätswerk Oberhessen.

In seiner gestrigen Sitzung hat der Provinzialausschuß eine von der Provinzialdirektion ausgearbeitete Vorlage benebmigt, nach der die Provinz aus einem vom Staat in Wölfersheim zu erbauenden Kraftwerk elektrische Energie beziehen wird und damit ungefährdieHälste der Provinz Ob er Hess en mit Licht und Kraft ver­sehen kann. lieber die Vorlage wird der Provinzial­tag in seiner für den 27. März in Aussicht genommenen Sitzung zu vesinden haben. In nördlicher Richtung reicht das Versorgungsgebiet bis Lich, Grün berg und Lau- 6 a di einschließlich, in westlicher und südlicher Richtung l'inb seine Grenzen die Landcsgr«enzen, in oMcher

Richtung ist es begrenzt durch den Komm des hohen Vogelsbergs. Mit Ausführung des Projekts wird für Den Fall feiner Genehmigung durch die berufenen Fak­toren alsbald nach dem 1. April, d, I. begonnen werden Die auf Errichtung eines Provinzial-Elektrizitätswerks ge­setzten Hoffnungen werden hiernach demnächst aller Voraus­sicht nach in Erfüllung gehen.

* * Tageskalender für Freitag, 3. März: Kolos­seum: Lustiger Abend des Kabaretts. Alles gestohlen. Abends 8 Uhr.

* * Erklärung. In der FriedbergerNeuen Täges- ztg." wird aus Großen-Linden geschrieben, der Samstag- Nummer unseres Blattes habe nod) eine andere Gießener Zeitung beigelegen. Wir haben unsere Träger angewiesen, auf keinen Fall mit unserer Zeitung zugleid) andere Blätter oder Flugschriften auszutragen.

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* * Gerichtspersonalien. Der Großherzoa hat den Oberstaatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberheffen Ludw. Lang zum Oberlandesgerichtsrat bei dem Oberlandesgericht und den Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg 5äf. H o f mann zum Oberstaatsanwalt am Landgericht der Pro­vinz Oberhessen ernannt.

* * D i e Frankfurter U ni v e r si t äts f r a ge. Nach der Frkf. Ztg. ist die erwartete Universitäts-Vorlage des Magistrats jetzt erschienen. Der Magistrat macht Vorschläge wegen Be^ gründung einer Stiftungs-Universität in Frankfurt am Main durch den Zusammenschluß der hier bestehenden städtischen Kliniken uird wissenschaftlichen Anstalten. Die Universität soll drei Fakultäten erhalten: eine juristische, eine philo­sophische und eine medizinische. Nach der Berechnung des Magi­strats fehlen zur Deckung noch rund 130 800 Mk. jährlicher Em- nahmen, wegen deren Beschaffung Erörterungen schweben.

* * Sta dttheaier. In der Sonntagvorstellung von wird dasGretchen" von Frl. Sybil Bane gespielt werden. Die Dame steht von ihren letztjährigen Gastspielen alsSalome" undMelide" hier noch in bestem Andenken. Am Montag findet als V o l k s Vorstellung eine Aufführung von SchillersKabale und Liebe" statt; sie soll Herrn Max Bogel, dem jugendlichen Helden des Metzer Stadttheaters, der alsFerdinand" auf Engagement gastiert, Gelegenheit geben, sich vorzustellen.

* Sein fünfundzwanzig st es D ienstju b iläum beging am Mittwoch der Hausverwalter des Gesellschafts. Vereins, Georg Todt. Zu seiner Beglückwünschung hatte sich der engere Vorstand des Vereins eingefunden, in dessen Namen Prof. Fromme eine kleine Ansprache hielt und dem Jubilar eine goldene Taschenuhr überreichte. Geheimerat Baist war als Vertreter der Weinstube erschienen. Außer dieser offiziellen Ehrung wurde Herrn Todt noch eine große Anzahl von Blumen und anderen Geschenken zu teil.

* Verhaftet wurden gestern zwei vorbestrafte junge Burschen von hisr, die am Montag am Biebertalbahn- Hofe eine Reisetasche gestohlen hatten. Den Jnhaltder Tasche hatten sie bereits verwertet und die Tasche selbst im Philosophenwald versteckt. Beide sind auch verdächtig, die Wein d ie bst äh le der letzten Zeit ausgeführt zu haben, zu­mal sie sich früher schon ganz gleiche Kellerdiebstähle zu schulden kommen ließen.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach, 2. März. Um die Stelle des tech­nischen Beigeordneten für den zum 1. Juli aus­scheidenden Beig. Walter hatten sich 111 Bewerber gemeldet Der Stadtverordneten-Versammlung werden Bauinspektor Weil-Offenbach, Baurat Bewig-Marburg und Beig. Schmidt- häuSle-MörS a. Rh. zur Auswahl vorgeschlagen, Von den hier lebenden 400 Veteranen von 1864, 1866, 1870 und 71 haben 317 die von den Stadtverordneten bewilligte Ehrengabe von 25 Mk. erhalten.

Hessen-Nassau.

w. Kön igstein i. Taunus, 2. Marz. Gestern nach­mittag fuhr der Papiergrobhändler Kommerzienrat Flinsch von Burg-Königstein nach Eronberg, dabei lief ihm der vier Jahre alte Knabe deS Maurermeisters Kowald in den Weg, wurde überfahren und auf der Stelle getötet.

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Handel.

Kopenhagen, 2. März. Die Nationakbank setzt ab morgen den Diskont von 5 auf 4y2 Proz. herab. . 11 ...___ ............... .............

Wettermissichtcn in Hessen am Samstag dem 4. März 1911t Starke westliche Winde, mild, Regenfälle.

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Letzte Nachrichten.

Aus der Hessischen Zweiten Kammer.

R.B. Darmstadt, 3. März. Die Zweite Stimmer begann heute die Einzelberatung des Staats» oranschlaaL. Kapitel 1, Reste aus früheren Jahren, wurde genehmigt. Bet Kapitel 2, Ka meral- und Fvrstdvrnäiren, braMe eine größere Anzahl Abgeordneter Wünfche wegen den Waldkulturen vor. Abg. Bähr wandte sich gegen das Ordenswesen mtbl beantragte, bei der Verleihung von Orden eine S t e m-l p e l g e b ü h r zu erheben, bereu Ertrag, den er auf 30 000 Mark schätzt, bei der Keck inettsdirektio n in Einnahme gestellt werden solle. Staatsminifter Dr. Ewald sprach sich entschied« gegen diesen Antrag aus, indem er betonte, daß der größte Teil der Ordensverleihungen im staatlichen Interesse erfolge. Die int Voranschlag für die Ordenskanzlei langeforberten 5000 Mark stellten nur einen kleinen Teil der wirklichen Aufwendungen für das Ordenswesen vor. Die Sitzung dauert fort.

London, 2. März. Im englischen Unterhaus be­antragte Austen Chamberlain ein Amendement, das sich für die Reform des Oberhauses ausspricht, aber die Unabhängig«; feit als zweite Kammer erhalten wissen will und erklärt, bte Regierungsvorlage biete keine Sicherheit dagegen, daß schwer­wiegende Veränderungen ohne Zustimmung des Volkes Gesetz würben. Es kam zu einer lebhaften Szene, als Balfour er­klärte, bic Regierung beabsichtige, in ber Zeit zwischen her An­nahme des Vetogesetzes und der Einführung ihres Reformplanes die größte konstitutionelle Umwälzung zur Annahme zu bringen- die das Land je gesehen habe, nämlich die Home Rule. Die Re­gierung beabsichtige, die Home Rule dem Lande durch Betrug aufzuerlegen. Das Wort Betrug wurde mit lauten und immer wiederholten Zurufen: Zurückneymen! seitens der Ministeriellen und Nationalisten ausgenommen. Um 11 Uhr nachts wurde ans Antrag des Premierministers Asguitb beschlossen, bic Aus­sprache zu schließen. Hieraus wurde das Amendement Chamber­lain mit 365 gegen 244 Stimmen abgelehnt und die zweit« Lesung der .Vetobill mit 368 gegen 243 Stimmen an­genommen.

Washington, 3. März. Das Repräsentanten­haus lehnte einen Antrag ab, daß die Vertreter Amerikas bei der internationalen Friedenskonferenz für Den Ab­schluß eines internationalen Abkommens eintreten sollten, das sich gegen Kriege zwecks Erwerbung neuer Gebi.'tr ausspricht.

Rio de Janeiro, 3. März. Nach hiesigen Blättermel­dungen wurde eine monarchistische Verschwörung ent­deckt, die sich gegen Die republikanische Regierung in Portugckll richtet. Dex Sitz der Verschwörung soll sich in London besmoe»4