Nr. 124 Erster Blatt M. Jahrgang Montag, 29. Mai 19U
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M Gießener Anzeiger
S^SW-L General-Anzeiger für Oberhessen DSM
Annahme von »nzetge« Rotafionstrud und Verlag der vrühl'jchen Unio.'vuch' und Zteindruckerei B. Lange. Redaktion. Crpedition und Druderet: Zchulfiratze LandE^S.^K: kür den bis vonnUlags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 50 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzelgented: H. Beck.
Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.
Vie Wahlen zur portugiesischen Nationalversammlung.
Die Wahlen zur portugiciifd)en Nationalversammlung sind für die junge Republik Portugal deshalb ungemein wichtig, weil die daraus hcroorgebende Kammer nicht nur über die Staatsverfassung selbst beschließen soll, sondern auch, weil die Republik Portugal erst dann von den Mach len anerkannt werden wird, wenn die Wahlen eine auc schlaggebcndc Mehrheit für die provisorische Regierung Theophil Bragas ergeben haben.
Die Revolution vom 4 Oktober 1910, die König Ma miet und hie königliche Familie aus Portugal vertrieb und an die Stelle der Monarchie die Republik unter Ihm phil Braga setzte, war im großen und ganzen unblutig verlaufen und hatte auch kein Eigentum gefährdet. Trot dem Hal es feit ihrer Erklärung eigentlich nie an 8er schwörungen und Putschen gegen die provisorische Regie ruiifl flesehlt, und flerade in den letzten Wochen gelangten trotz der von der Regicrunfl ausgeübten Depcschenzensur über Madrid, Paris und London Nachrichten zu uns, die die Lage in Portugal als bedenklich für die Republik er scheinen lassen. Namentlich scheint der Norden Portugals durchaus antirepublikanisch gesinnt zu sein, und wenn auch die Regierung gegen eine dortige monarchistische Erhebung militärische Gegemnaßregeln genug getroffen l)at, ein Sieg der Monarchisten also keineswegs sicher ist, so bleibt doch die Vermutung bestehen, daß die dortige Bevölkerung fast ausschließlich gegen die portugiesische Regierung wählt. Nicht nur, weil sie, wie fast die gesamte übrige Land^ bevölkerung, monarchistisch ist, sondern gleichzeitig auch, weil sie die katholische Kirche durch das vom Ministerium Braga vorbereitete Trennungsgesetz aufs äußerste bedroht glaubt. Sehr bezeichnend ist es überdies, daß der Vati» t an gerade am Vorabend der Wahlen feine Beziehungen zu Portugal abgebrochen hat, indem die portugiesischen Bischöfe einen Hirtenbrief veröffentlichen mußten, der die der Religion und Kirche durch das Treunungsgesetz drohen den Gefahren in den schwärzesten Warben malt und die provisorische Regierung Miss heftigste angreift.
War dieses, da die kleinen Städte und das Land in keiner Weise zu den Ereignissen des 4. Oktober Stellung genommen hatten, vielmehr sich ständig an den Verschwörungen und Putschen gegen die provisorische Regierung mebr ober mmber beteiligten, eigentlich vorauszusehen, so bedeutet es eine weitere Schwächung der Republik Portugal, daß sie üinerhalb der 8 Monate ihres Bestehens auch die besitzenden klassen der großen und größeren Städte ver lorcn hat, die panikartig Portugal verlassen, weil sie an den Bestand der Republik nicht mehr glauben und von der wtederkehrendeu Monarchie Repressalien wegen ihrer repn- blikanischen Gesinnung befürchten Nur der Pöbel ist dep Republik noch tym geblieben, wenn sie auai in seinen Reihen Einbuße erlitten zu haben scheint Dazu ist die Armee zum Teil unzuverlässig und hat sich den monar chistischen und klerikalen Geldspenden als so zugänglich er- miefen, baß bie provisorische Regierung im Falle einer monarchischen Gegenrevolution — mag sie mit dem Tage
der Wahlen ^ufammenf allen ober erst später aus brechen — ich nur wenig auf sie verlassen kann Und wenn das Vbini- terium Braga in letzter Zeit in seiner Hilflosigkeit von ber bisherigen katonischen Rechtschaffenheit abwich, Aden teurem aller Art Tor und Tür öffnete, den Ausbruch bes Wahlkampfes durch zahllose Verhaftungen und Ausweisung mißliebiger Kandidaten nahezu verhinderte, 3ei hingen unterdrückte und, um das Nationalgesuhl des portu giesischen Volkes gegen die Monarchisten aufzustacheln, die Nachricht verbreiten ließ, König Manuel habe während seiner Regierung in zwei Hauptstädten «Madrid, London? den Versuch gemacht, im Falle einer Revolution eine bewaffnete Intervention zugunsten der Dynastie Braganza Ijerbei zuführen, so sinkt die republikanische Regierung Portugals damit aus den Standpunkt der früheren monarchischen Ministerien herab: Monarchisten und Republikaner haben einander nichts vorzuwerfen
Trotzdem iß es immerhin noch möglich, daß die Republikaner, weil für jic bie Regierungsmaschine arbeitet, die Mehrheit in der Nationalversammlung erlangen. Die fol genbe über ben gestrigen Wahltag, Sonntag, eingelaufene Meldung scheint bas zu bestätigen.
Lissabon, 28. Mai. Der Wahltag ist ruhig n b g e I a u f e n. Von ben 231 zu wählenden Abgeorb- ncten wird der größere Teil aus Kandidaten der repu- blikanischen Partei bestehen. Die unabhängigen Repu- blilancr sind wenig zahlreich Mehrere Verschwörer tour den in ber Nacht verhaftet.
wie die Franzosen sich in Fez cinrichtcn.
Halb zogen sie ihn, halb sank er hin, so könnte man über ben Sultan Muley Hasib jetzt sagen, nachdem die PariserMelbungen seineBegeisterung über basEintrefsen der französischen Truppen geschildert haben. Ter Sicgeszug soll jetzt weiter nach Melines gehen, in dem bekanntlich die Aus fiänbiidien sich wohnlich eingerichtet haben. Der „Matin" verbreitet dazu seine bciannicn Lügenmelbuitgen und ruft als Zeugen dafür, daß Frankreich Marokko dauernd besetzen solle, Herrn Muley Hafid auf
Paris, 28. Mai. Tie Ageuee Havas meldet aus Fez unterm 22. Mai. Der Sultan empfing heute bie Generäle M o i n i c r und Talbiez und andere höhere französische Offiziere. Der Sultan beauftragte Moinier, ber französischen Regierung seinen Tank a u s z u f p r e d) c n für die wirksame Unterstützung, bie ihm gewährt worden sei bei ber Wiederherstellung der Ruhe Uno Crbnung, wo Unordnung und Anarchie geherrscht habe. Nachmittags hatte ber Sultan eine Besprechung mit Moinier über bie Notwendigkeit der Wiederherstellung der £ r ö n u n g i n Mekines , wo ber Stamm der Berber seine Leute zusauiluengezogen hätte und mit Plünderung drohe. Man will die Jlnfunft der Abteilung ojourano abwarten und bann die Truppen nach Melines absenden. Der Weg dorthin sei abgefd)nitten und ein Postläufer ermordet luorben. Ter Sultan hielt eine strenge Unterbrüduiig für notwendig
9?ad) einer weiteren Meldung asts Fez vom 23. Mai haben bie Stamme b er Hamiyan und El) effaa zum Zeichen ihrer Unterwerfung Stiere geschlachtet. Es
verlautet, baß die Scheraja und bieellieb Tianima ihrem Vorgehen folgen werben Ter französische Konsul in Fez (Vaillarb, ber Bevollmäditigte des Sultans Ben Ghabrit, Oberst Mangin und 0>eitcral Moinier erhielten wegen der dem Maghzen geleisteten Dienste vom Sultan Ordensauszeichnungen.
Ter „Malin" meldet aus Fez vom 24 ds Mts, der Sultan habe in seiner Unterredung mit Weneral Moinier und Konsul Gaillard erklärt, er wünsche, daß der Mann- chastsbestand der französischen Truppen auf .0000 Mann erhöht werde und diese Fez nicht mehr verlassen: er^ivürde, alls sie dies trotzdem täten, mit ihnen abreisen. Schlicß- id) habe der Sultan ganz unumwunden das Protektorat Frankreichs verl a n g t.______________
(55 Heid)$tag$abgeortmctc auf der Hygiene- Ausstellung in Dresden.
Dresden, 28. Mai. Heule vormittag trafen einet Einladung ber Stadt Dresden folgend 156 Reichstagsab- gcorbnete, an ihrer Spitze Vizepräsident Sd) u 1 tz und ber Direktor des Reichstages, Geheimrat Jung heim, sowie zahlreick-e Vertreter der Berliner Presse auf dem Haupt- bahnhof ein Oberbürgermeister Tr. Beut h l er und die 5tabivorftanbc begrüßten bie Gäste, worauf bie Fahrt nach ber internationalen Hygiene Ausstellung erfolgte. Hier begrüßten Geheimrat Lucgner sowie ber Präsident der Ausstellung, Professor Renk, die Gäste, die sodann unter iadmemäner Führung die populäre wissenschaftlickie und historische Abteilung der Ausstellung mit lebhaftem Interesse besichtigten.
Um 112 Uhr sand im großen Saale des AussteUungs-^ palasles ein von der Stadt Dresden gegebenes Frühstück statt Nad) dem Frühstück wurde die Besichtigung der Ausstellung fortgesetzt Um 4 Uhr wurde auf von ber sächsisch - böhmischen Tampfschiffahrts Gesellschaft gestellten Luxus- bampfern bei schönem Wetter eine Fahrt nach Pill- ititz und zurück unternommen. Nack) der Rückkehr versammelten (idi bie Aaste in bem Fest raume des neuen Dresdener Rathauses zu einem Festmahl, ivoran iämt■ liehe Staatsminister mit Ausnahme des Kriegsministers, die Ministerialdirektoren, sonne die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden leilnahmeu Trinksprüche wurden hierbei nicht gewechselt. Tie Rückfahrt nad) Berlin erfolgte mittels Sonderzuges um 10 Uhr 20 Min abends.
Liu Lüttifch-bulgarischer Zwischenfall.
S o f i a , 27. Mai Heute vormittag gruben Soldaten eines türkischen Postens einen Graben auf bulgarischem Gebiet, im Bezirk Küstenbil; als bulgarische Sol- bateu herankamen, gab der türkische Offizier Befehl zu feuern, worauf Türken und Bulgaren sich gegen* fettig beschossen Wie es heißt, sind auf türkischer Seite ein Offizier und zwei Soldaten gefallen; auf bulgari» scher Leite wurde ein Mann verwundet. Um 7 Uhr abends wurde das Feuer eingestellt.
Sofia, 28. Mat. Heute früh eröffneten bie Türken von neuem das Feuer auf bie bulgarischen Grenzposten, das von diesen erwidert wurde. Beim
Elektrisch kochen.
Es wird in neuerer Zeit viel Aufhebens von bem elektrischen Äodjen gemacht und es werden luhne Vergleiche in Bezug auf die Billigkeit mit der Gasküche gezogen, so daß es sich wohl verlohnt, einmal etwas näher aus die Lache einzugehen.
Bekanntlich wirb bei ber Verwenbung der verschieben en Energien zum Heizen ober kochen bie Wärmemenge, welche in ber Energieart enthalten ist, zur Erwärmung verwenbei Es kommt deshalb einfach in Frage, welche Wärmemenge lann id) für einen bestimmten Preis erhalten. Es ist nun ein Kilowatt gleich etwa 860 Wärme-Einheiten zu setzen, während in 1 cbm Gas 4-,00 Wärmeeinheiten aufgespeichert sind. Kalkuliert man selbst ben Wirkungsgrab elektrischer Kochapparate besonders günstig, ben ber Gaskocher besonbers ungünstig, so ergibt bies bei bem Gaskochen eine Nutzbar machung von mindestens 2400, bei ber Elektrizität aber von ruub 800 Wärmeeinheiten.
Es ist also 1 cbm Gas, bei modernen Gasherden verwendet, an Wärmeausnutzung, selbst unter für das Gas ungünstigen Annahmen, dreifach einer Kilowattstunde überlegen. Wenn bas elektrische Kochen gleichen Schritt mit ber .Gasküche in Bezug auf Billigkeit halten soll, so darf bei einem angenommenen Preise von 10 Pfg. pro cbm Kvchgas die Kilowattstunde nur 3,3 Pfg. kosten.
In Berlin kostet beispielsweise eine Kilowattstunde zum Stödten 10 dis 16 Pfg.; es würben also 2400 Wärmeeinheiten 30 bis 48 Pfg. Kosten verursachen. Beim Gas erhält man diese 2400 Wärmeeinlteiten aber etwa für 13 Pfg. Es kostet also in Berlin die Gasküche etwa h ber eiet- irischen Küche, gatiz abgeseben davon, daß die Anschaffungsrosten einer elektrischen kocheinrichkung wesentlich höher sind als die einer Gaskocheinrichtung. Besonders beweis- Iräftig sind die in der Schweiz gemachten Erfahrungen. Selbst in Orten, in denen durch Wasserkräfte der elektrische Strom billig erzeugt wird, mußten nachträglich Gaswerke errichtet werden, um die Nachfrage nach Kochgas befriedigen 31t können, da bie elektrischen kocheinrichtungen ben Anforderungen nicht zu entsprechen vermochten.
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R. B. Darmstadt, 28. Mai. Reger-Musikfest ui Darmstadt. Auttelle eines mebrabendlichen Kammermusikfeues, wie es feit drei Jahren den Abschluß der hie'igen Koiizerrsaison bildet, fand dieses <abr, gleichfalls auf Anregungdes Groß- Herzogs, ein ffstlid>es Konzert un Hostbeatcr uau, in dem Max Reger seinen 100./Psalm für Ehor, Orchester und ^Orgel zur zweimaligen Aufführung brachte. Tas monumentale
Werk, bad an du Ausübenden wie an die Hörer 1)l I foröerungen stellt, verlangt einen ungeheuren Aiwa rat von Wit» mirfenben, den man in einer Mittelstadt nur bei außergewöhnlichen Anläßen m’ammcnbringt: da der lag der Gedanke der sofortigen Wiederholung der fnavu - «stündigen Ausführung fehr heilen der Partitur erst eigentlich ermöglicht wurde. 600 Mu wirkende, der Rüdlsche Gesangverein aus Franksurt, der Muß!- verein und der Sängerdwr des Lehrervereins, sowie die verstärkte Hofkavelle füllten den fRicicnraum der Bühne, während auch der ,jufä>auerrauui einen glänzenden Anblick bot: leider war die Akustik nicht sehr günstig. Wenn fid) irovbem die Wiedergabe zu einem Triumvh für Reger und seine Kunst, ne inii." <S .in ünbe zihU, pst
Begeisterung aller Sänger und Spieler, der großen Tirekti gäbe des Meisters und nicht zuletzt der grandiosen Anlage des Werkes zu danlen. daß die Ltimniung des Textes wunderbar aus- nmlt und namentltd) in dem machivoll gesteigerten Schluß einen überwältigenden Eindruck machte Von den vorbergebenben Teilen gefiel am meisten ber zweite und dritte Sav, wo iid) Rhythmus und motivische Entwicklung der Uirchenmusil mit moderner Har monie und Melodie zur glücklichsten Stileinhert zusammenschließen.
— Stuttgart, 28. Mai. Heute mittag sand in feier lieber Weise die Einweihung des i n d c n - M u ' e u m s furVölkerkunde statt. Zu dem Fest im Vortragsiaale bauen sich eiugefundeu: bie hier anwesenden Mitglieder der königlichen Familie, die Witwe und die nächsten Verwandten des Grasen von Linden, des Stifters, sämiliche Staatsminister u. a. Um 1 .12 Uhr erschien der König und die Königin. Nach der Erönnungsrede des Herzogs von Urad) erklärte ber König das Linden Museum für eröffnet. Ec knüpfte den Wunsch daran, daß es sich ;um 3toli der Vaterstadt uno des Landes blühcno w.'iter entfalten möge. Ter Erönnungsfeier schloß sich eine eingehend.' Beüd> tigung des Museums und später cur Festmahl im Stadtganen an, an welches sich abends eine Sondervorstellung im Wtlbelma thcatcr ansdstießt Morgen folgen die Festg5ste einer Einladung des Herwgs von Urach zum Besuche seines Schlosses Lichtenstein.
— DieExko in m unikationdcr Maikäfer Seit jeher trat in den nördlichen Ländern Europas ber Maikäfer als gefürchteter Schädling auf und in früheren Zeiten wurde ihm manchmal auf ganz originelle Art und Weise ber Krieg erklärt: die Maikäfer würben nämlich vielfach in ben Bann getan. Die berühmteste Exkommunikation biefer Art stammt aus bem Jahre 1449. In diesem Jahre suchten bie Bewohner ber Stabt Bern Hilfe gegen bie Engerlinge bei ihrem Bischof. Taraushin ließ der Bischof von Lausanne auf bem Kirchhof zu Bern unb auf ben Dörfern folgenbes Monitorium an bie Engerlinge verkünden:
„Du unDernünftige, unvollkommene Kreatur, du Inger! Teincs Geschlechte ist nicht gewesen in der Arche Noah. Im
Namen meines gnädigen Herrn und Bischois von Lausanne, bei ■ Kraft der hochgclobien 2rnfaUigieü, vermöge der Verdienste un- scres Erlösers Fefu Ebristi unb bei Gehorsam gegen die heilige Kirche gebeut' id) euch, allen und jeden, in den nächsten sechs Tagen zu weichen von dllcn Orten, an denen wächst und entspringt Nahrung sür Menschen und Vieh."
Im Falle des Ungehorsams wurden bie Engerlinge aus den sechsten Tag nad;mittags ein Uhr vor ben Richt erstich l des Bischofs nach Miflisburg geloben Sie erhielten, als sie nicht crfdjicnen, noch einen Auischub, als aber auch eine zweite Zitation auf bie unvernünftigen Tiere keinen Eindruck machte, erfolgte endlich bie Exkommunikation:
,,Wn, Venedilt von Montferrand, Bischof von Lausanne,' " btig 1- Herrin von Bern oen die Inger und uns gerüstet mit dem bfiligrn Mrciy unb allem, Gott vor Augen gehabt, von dem alle geredeten Urteile kommen — demnach so grameren und beladen wir die schändlichen Würmer und bannen und verfluchen sic im Namen des Vaters, Sohnes und heiligen Geistes, daß sic beschwört werden in der Person Jodannes Perrodati, ihres Beschirmers, und von ihnen gar nichts bleibe denn zum Nutzen des menichltcheti Brauches."
Hier, wie in allen Bannflüchen ber bamaligen Zeit finben wir ben eigentümlichen Gebrauch, daß ben Tieren, denen ber Prozeß gemacht werben sollte, ein Sachwalter gestellt wurde, ber vor Gericht bie Interessen ber ango klagten Tiere in jeder Weise wahrnehmen mußte. Ein derartiger Kurator machte in langer Verteidigungsrede geltend, daß die Maikäfer seit unvordenklichen Zeiten in der betreffenden Gegend Wohnung und Nahrung gehabt hätten, also angesessen unb heiinatberechtigt seien unb infolgedessen durch einen Gerichtsbeschluß nicht verbannt werben könnten. — Diese unb ähnliche Jnsektenprozesse füllten dicke Aktenbündel unb nahmen Zeit und Weisheit zahlreicher Geistlichen unb Juristen in Anspruch, von irgend einem Erfolg dieser Prozesse berichten uns bie Chroniken aber nichts, was bei ben unvernünftigen Tieren ja auch nicht weiter nni übernimmt.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen-' schäft. Aus Anlaß Des* infolge ui.ers croigteii Rücktritts des Professors der Geologie Ed. Suctz von der Stelle eines Präsidenten der Akademie der Wissenschaiien in Wien, richtete Kaiser Fran; Josef an den Scheidenden ein Handschreiben, ui dem er erklärt, die (Gebildeten auf dem ganzen Erdball kennten den Namen Sueß als einen glänzenden uno öic Welt der Gelehrten reihe chn unter ihre Besten ein. Er hab das von Sueß geschaffene Werk der ersten Wiener Hochauellnxuserleuung, welches^ über die Grenzen des Reiches hinaus Dielfad) /iachahmung gefunden habe, ienr.: de
heben Leb hervor. — .. . meld'' man: Der >com -
ponin Weinwurm ist im Älter von 75 .fahren ocürxte»-


