Ausgabe 
27.3.1911 Erstes Blatt
 
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tag eine Gondelfahrt und besuchten mehrere Sehens­würdigkeiten. Ter Kaiser machte mehrere Besuche bei Mit­gliedern der hiesigen Gesellschaft.

Aus Hefferr.

Tie natioualliberale Partei und die G i e s; e u e r S t i ch w a h l p a r o l e. ImMainzer Tgbl." läßt die Leitung der Mainzer Nationalliberalen folgende Erklärung veröffentlichen:

Die Osicßcner Nationalliberalen haben dm»'' ihre Stich- wahlvarole den gewiß unbeabsichtigten Erfolg gehabt, daß ihnen von manchen Seiten antisemitische Beweg­gründe unterschoben wurden. Es bedarf ja eigentlich keines Dörtes der Versicherung, daß derartige Beweggründe bei der Ausgabe der Stichwahlparolc auch nicht die mindeste Rolle ge­spielt haben, ebenso wenig wie cs einer Versicherung bedarf, daß die nationalliberalc Partei von Antisemitismus vollkommen frei ist. Das leitende Motiv der Gießener Nationalliberalen war ja offenbar, daß sie es in nationalem Interesse gelegen er­achteten, jeden bürgerlichen Kandidaten, einerlei welcher Rich­tung, gegenüber einem Sozialdemokraten zu unterstützen.. Sie haben dabei wohl übersehen, daß es ebenso wenig im wirklich nationalliberalen Interesse, nämlich bem, einer ruhigen und ge­deihlichen Entwicklung unseres Nationalstaats liegt, einen anti­semitischen Rassekanrpfer, wie einen sozialistischen Klassenkämpfer zu unterstützen.

Der Zweck dieser Erklärung ist offenbar, den Ver­hetzungen entgegenzutreten, die darin lagen, daß man der Neigung, für den nationalen Kundidatc. zu stimmen, antisemitische Beweggründe unterschob. Ter Ton ist auch wesentlich milder, al? die ziemlich schroffe Art, mit der die Köln. Ztg." die zahlreichen Andersgesinnten ihrer Partei im Reiche behandelt hat, indem sie u. a. schrieb:

In dem Verhalten der Gießener Nationalliebralen offenbart sich ein solches Maß von Selbstüberwindung, nationalem Gefühl und Disziplin, daß ihnen niemand die Anerkennung für den Beweis dieser Tugenden versagen kann. Eine andere Frage aber ist, ob diese Tugenden der Gießener zur Nachahmung auffordern, ob die Nationalliberalen im Reiche da? Verl ulten ihrer hessischen Parteigenossen verstehen und billigen. Da würde man nun die Volksßimmung gründlich verkennen, wenn man nicht sagte, daß einer großen Zahl der nationalliberalen Wähler im Reiche das stramme Eürtreten für den Antisemiten int Interesse des natio­nalen Rufes der Partei überflüsiig erscheint, weil die Partei nicht solche Gewaltkuren zu macken braucht, um ihren robusten nationalen Charakter zu beweisen, daß aber die Selbst­achtung der Partei dieses bedingungslose Abschwenken zu den Anti­semiten geradezu verbieten mußte. In Gießen hat der Nativnalliberalismus gezeigt, daß man politische Tugenden so übertreiben kann, daß sie menschlich unverständlich und zu Untugenden werden können Der nationale Politiker mit libe­ralem Herzen hätte in Gießen u. E. nichts anderes machen können, alsGewehr bei Fuß" die radikalen Gegensätze gegen­einander toben lassen. Ergriff er eine Partei, so mußte er eine Schuld auf sich laden."

Ob die hier der nationalliberalen Parteileitung emp­fohlene Stimmenfreigabe an dem Ergebnis der Gießener Wahl das Geringste geändert haben würde, muß umsomehr bezweifelt werden, als in der fortschrittlichen Partei ja die Erfahrung vorliegt, daß trotz der Parole für Beckmann so viele Wähler Korells zu Werner übergegangen sind.

Deutsches Reich.

Der Kaiser ernannte den Reichskanzler bei Ge­legenheit des Stapellaufes des Linienschiffes Kaiser" in Kiel zum Generalmajor

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt zur Aussprache über die elsaß-lothringische 33 er» fassungsfrage im preußischen Abgeordnetenhaus:

Es ist bedauerlich für Die Sache, aber nicht entscheidend, daß immer wieoer die Musterungen der elsaß-lothringischen Poli­tiker dazu beitragen, die Bedenken gegen die Verfassungsreform zu verstärken. Man gewinnt den Eindruck, als ob es bei den Agitationen darauf angelegt sei, keine Vcrfassungsreform zustande kommen zu lassen. Es wäre zu wünschen, daß die ruhigen Elemente des Reichslandes sich der Schädlichkeit und der Gefahr solcher Treibereien bewußt werden."

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Meh­rere Gemeinden, die nach $ GO Absatz 2 des Zu­wachssteuergesetzes befugt sind, die Belassung ihrer bisherigen Zuwachsfteuersatzung beim Reichskanzler zu be­antragen, halten mit der Stellung solcher Anträge zurück, bis sie die Ausführungsbestimmungen zu diesem Gesetze oder die Festsetzung des Durchschnittsvertrages durch den Bundesrat erfahren oder ihre Gemeindevertretungen befragt hätten. Diese Gemeinden gehen von unzutreffen­den Voraussetzungen aus. Die Anträge auf Belassung der bisherigen Satzung können, soweit sie überhaupt aus­sichtsvoll erscheinen, nur berücksichtigt werden, wenn sie vor dem 1. April ohne Vorbehalt gestellt und bei dem Reichskanzler eingegangen sind.

wichtigen Austritt mit machtvollem Eindruck dar. Ter Auftritt der Mutter und der Brüder Uriels hinterließ bedauerlicherweise keinen ähnlichen Eindruck, obwohl er ebenfalls ein Angelpunkt ist. Frünzi Ko ch war eine liebe Judith, aber das soll diese hochgeistige Jüdin, die so viele Züge von Herweghs Frau trägt, ja gar nicht sein, und so blieb Fräulein Koch der Judith alles schuldig. Weniger düstere Verschlossenheit und mehr tätigen Hatz hätte ich dem Eiferer Santos, Rolf Gunolts, gewünscht. Karl Marx paßte sich als Jochai ebenso wie Karl Volck als Manasse verständnisvoll in das Spiel ein. Kurt Gold­berg spielte den Ruben, und Hilde Engel den Knaben Spinoza sehr gefällig. Die Aufführung mürbe von Kurt Gühne geleitet. K. N.

Eine kostbare Münze. 1450 Dollar hat ein Münzensammler aus Philadelphia, S. H. C h a p m a n, für ein goldenes Dreidollar st ücl bezahlt, das im Jahre 1870 in San Franzisko geprägt wurde. Die Münze ist eine" der seltensten und wertvollsten, die es gibt, denn außer diesem Exemplar existiert nur noch ein einziges, das sich in der Münze von San Franzisko befindet. Als man im Jahre 1870 beschloß, die neue kalifornische Münze zu erbauen, wurde vorher noch von jeder Art Münzen, die in der bisherigen Münze von San Franzisko her­gestellt worden waren, ein Exemplar geprägt. Im Jahre 1870 waren nun keine Dreidollar stücke in San Franzisko hergestellt uwrden: da aber eine vollständige Sammlung aller Münzsotten vorhanden sein sollte, ließ der Münzdirektor Harmstcad ein Drei­dollarstück mit der Jahreszahl 1870 schlagen und dann noch ein zweites für sich selbst. Dieses zweite Stück, dessen Authentizität durch eine schriftliche Bestätigung Hannsteads außer Zweifel ist, wurde nun von Chapmcm erworben. Es blieb zunächst eine Reihe von Jahren in Hannsteads Familie, kam dann in den Handel, wo es die höchste Sehnsucht jedes amerikanischen Sammlers bildete, wurde schließlich von William H. Woodin gekauft und ist nun bei der Veräußerung seiner Sanimlung zu Neuyork in Chapmaus Hande übergegangen.

Kurze Na chrichten aus Kunst u. Wissenschaft. In Hamburg ist der Direktor der Botanischen Staatsiiistitute, Professor Dr. Eduard Zacharias, gestorben. Der Augen­arzt, Geh. Med.-3iat Professor Dr. Carl Völckers in Kiel vollendet am 28. Vlärz das 75. Lebensjahr. Ostern 1907 trat Völckers vom Lehramte zurück.

Im französischen Mini st errat unte^eichnete Präsident Falliöres ein Dekret }ur Durchführung^oes Ge­setzes über die Altersversicherung für oie In­dustrie- und ländliche7i Arbeiter. Der Minister­rat stimmte den AuSsiihrungsbesttmmungen für das Ge­setz zu.

Aus Fez wird unterm 18. März gemeldet: Muley Hafid empfing die Abgesandten von Benimter, welche erllärten, sie hätten nicht die Absicht, die Waffen gegen den Machs en zu erheben, sie wollten nur die benachbarten Stämme zwingen, sich mit ihnen zum Protest gegen die Erpressungen El Glauis zu bereinigen. Der Sultan ge­währte ihnen Verzeihung. Fast alle Stämme der Scherardas untertoarfen sich.

Weiter wird gemeldet: Da der Sultan sich weigerte, die Gefangenen der Beni Mter freizugeben, so griff dieser Stamm, wie aus Berichten voll Eilboten hervorgeht, die Fez am 21. März verließen, die Hauptstadt an, wurde aber zurückgeschlagen. Der Kbalif von Casablanca und die Paschas von Rabat und Saleh erhielten vorn Sultan den Befehl, allen Angehörigen des Zaer-Starnmes den Zutritt zu ihren Märkten zu untersagen, bis die Ur­heber des Ueberfalles auf die Kolonne Marchand aus­geliefert sind.

Aus Bagdad wird gemeldet: Seit der Entlassung des Malis Nazim Pascha herrschen hier Unruhen. Es kommen zahlreiche Räubereien vor. In Kerbela, das von aufständischen Arabern umzingelt ist, herrscht der Bürgerkrieg.

Wie Associated Preß aus Presiale in Texas be­richtet, wurden die Aufrührer von den Regierungs­truppen bei Chihuahua geschlagen. Auf Seiten der Regierungstruppen sind 160 Mann gefallen.

Heer und Flotte.

Berlin, 25. März. DerReichsanzeiger' gibt die Verleihung be5 Schwarzen Adlerordens an den General z. D. von Be necken do rfs und von Hindenburg bekannt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 27. März 1911.

** Tageskalender für Montag, 27. März. Stadt­theater: Benefiz für Regisseuü Gühne:Flachsmann als Erzieher.' Anfang 8 Uhr

*

** Für den allgemeinen Buß- und Bettag hat der Groß Herzog die nachfolgenden Bibelstellen als Predigi- texte ausgewählt und bestimmt: 1. Für den Vormittag: 2. Korinther 5, 17:Ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur: das alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden." 2. Für den Nachmittag: Psalm 34, 19:Der Herr ist nahe bei denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die zerschlagenes Gemüt haben."

* Die Schlußprüfung für Handarbeits­lehrerinnen an der Aliceschule fand am Freitag durch Kreisschulinspektor Professor Dr. Alles im Beisein des Ober­bürgermeisters Mecum, des Profesiors Fromme und der Prä­sidentin des Alice-Fraiienvereins Frau Gebhardt statt. Die 15 Schülerinnen bestanden sämtlich. Die bisherige Leiterin der Aliceschule, Fräulein Möser, scheidet jetzt von ihrem Amte.

** Paketvevkehr nachdem Ausland. Vom 1. April ab ist bei allen Postväckereien nicht mehr bloß bei Paketen mit Wertangabe nach dem Zollauslande das für die deutsche Warenverkehrsstatistik erforderliche Doppel der Zollinhaltserklä­rungen auf einem Formular von grüner Farbe auszufertigen. Die Bezeichnung der Gattung der Ware in dem Doppel braucht mit den Angaben in den für das Ausland bestimmten Zoll- inhaltserllärungen nicht übereinzustimmen. Der Absender ist be­rechtigt, Angaben, die er zur Wahrung geschäftlicher Beziehungen geheim halten will, dem Doppel in verschlossenem, an die An­meldestelle gerichteten, mit dem Doppel fest verbundenen Brief­umschläge beizufügen. In dem Doppel ist in diesem Falle auf den beigefügten Brief hinzuweisen. Das Kaiserliche Statistische Amt Tarnt in besonderen Fällen auf Mittag des Absenders gestatten, daß von der Angabe des Wertes in dem Doppel oder von der Beifügung von Wertangaben in verschlossenem Briefumschlag ab­gesehen wird, wenn der Absender sich verpflichtet, ihm den Wert entweder für die einzelne Sendung oder in bestimmten Zeit­abschnitten für mehrere Sendtmgen gleicher Art unmittelbar an­zugeben. In die, em Falle hat der Absender am Kopfe des Doppels den VermerkWertanmcldimg beim Kaiserlichen Sta- tiftischen Amte niederzuschreiben. Die Zollinhattecrk'äriingen nebst dem Doppel und den etwaigen sonstigen Begleitpapieren (Ur­sprungszeugnisse, Rechnungen usw.) sind mit Klammern oder ähnlichen Befestigungsmitteln nicht mit Stecknadeln haltbar an der Begleitadresse zu befestigen. Das Doppel ist an letzter Stelle, also hinter den übrigen Begleitpapieren, beizufügen, damit es zwecks Ueberweisung an die Anmeldestelle ohne weiteres ab­genommen werden kann.

" Tierschutzverein. Die Hauptversammlung des Tierschutzvereins für Hessen findet Mittwoch, 3. Mai, zu Oppenheim auf der Landskrone unter Vorsitz des Geh. Oberschulrats Dr. Scheuermann statt. Pros. Dr. Heineck ans Alzey wird einen Vortrag überBrutpflege im Tier­reich" halten.

** Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbrüche der Seuche sind gemeldet aus MönchSrot, Regierungs­bezirk Mittelfranken.

Landkreis Gießen.

8. Lollar, 27. März. Bei der am SamStag hier oorgenommenen Beigeordnetenwa hl wurden folgende Stimmen abgegeben: Gemeinderat Karl Gerlach 69, Schreinermeister Hr. Geißler VII. 69, Schuhmachermeister Ludw. Pfaff 45, Fabrikant C. Schiemangk 44, Gemeinderat Ludw. Hofmann V. 36, Landwirt Ludw. Geißler 31 und die drei weiteren Kandidaten zusammen 11 Stimmen. Zwei Zettel löaren ungültig. 95 Stimmen blieben der Wahlurne fern. Es findet also Stichwahl zwischen den beiden erst­genannten statt. Eine vorherige Einigung war trotz Ein­berufung einer Wählerversammlung nicht zustande zu bringen, daher die vielen Kandidaten.

(!) Altcndors a. d. L d a., 27. März. Fünf Tage nach Der Reichstagsstichwahl hat sich hier einVater­ländischer Bürgerverein" gebildet, der dieFör­derung und Erhaltung vaterländischer Gesinming" durch Vorträge usw. auf allen gemeinnützigen Gebieten, Haltung einer Bibliothek und von Zeitschriften sowie Bekämpfung der Schundliteratur, Jugendfürsorge in vaterländischer und gewerblicher Hinsicht u. a. m. erstrebt. Die gestern bei Gastwirt Zintzer abgehaltene erste Versammlung war von 75 Personen aller Stände besucht, von denen 70 dem neuen Verein bcigcfrctcn sind. Der Jahresbeitrag ist auf min­destens 50 Pfg. festgesetzt.

b. Göbelnrod, 27. März. Am Freitag nachmittag fand die Schlußscier des hier abgehaltenen Koch-

schul- und Handarbeits-Kursus im Saale dcS Gastwirts Ehr. Schultheiß statt. Die Zahl der Teilneh­merinnen betrug 21, wovon neun den Nachbarorten an­gehörten. Zur Prüfung hatten sich deren Eltern, sowie der Orts- und Schulvorstand eingefunbcH. Vom Kreisamt war Regierungsrat Welcker erschienen. Mit der Prü­fung, die ein gutes Zeugnis ablegte, daß die Schülerinnen unter ihrer tüchtigen Leiterin, Frl. M u t s ch le r, die kurze Zeit fleißig ausgenützt hatten, war auch eine Ausstellung gefertigter Arbeiten verbunden. Nach der einstt'mdigcn Prü­fung wurde für die Eingeladenen ein tadelloser Kaffee nebst Kuchen und Torte serviert, der vorzüglich mundete. An­sprache und Gesänge beschlossen die Feier, da mit den Abend- züaen die Gäste wieder abreiften. Tags darauf sand ein allgemeiner Spaziergang der Kursusteilnehmeriunen nach der Neumühle bei Grünberg statt.

rm. Lich, 25. März. Bei der heutigen Wahl eines Bezirksvorsttzenben der LandwirtschaftSkammer für den Kreis Lich-Hungen wurde einstimmig Bürgermeister Dörrn er- Lich, als sein Stellverlreter der Bürgermeister Nicklas von Steinheim bei Hungen ebenfalls einstimmig gewählt.

Kreis Alsfeld.

2$. Alsfeld, 25. März. Die lande s Polizei- liche Prüfung des Entwurfs zum neuen Bahnhof für die Gemarkungen Alsfeld unb Altenburg fand am Donnerstag statt. Das hessische Ministerium war vertreten durch Oberbaurat Kilian, die Eisenbahndirektton Frank­furt, durch Geheimrat Rügenberg und Regierungsrat Drescher. Der Prüfung wohnten noch bei Bürgermeister Dr. Dölsing und der Stadtvorstand. Die Prüfung der Pläne dauerte bis 1 Uhr. Nach dem Umbauprojekt kommen Güter- und Personenbahnhof etwa 150 bis 200 Meter weiter nach Altenburg zu stehen. Die jetzigen Gebäude werden abgebrochen. Unser Kirchenbauverein hielt gestern seine Hauptversammlung ab. Dekan Sauerwein gab seinem Bedauern Ausdruck, daß das Interesse am Verein erlahme. Die Mitgliederbeiträge betrugen in 1910 nur 467.50 Mk., 34 Mitglieder traten aus, der Staatszuschutz fiel weg. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 14 743 Mark.

Kreis Schotten.

§ Schott en, 25. März. Zu Ehren des am 1. Mull von hier scheideirden Lehrers Heinrich Schaaf veranstal­tete der hiesige Bezirkslehrerverein imHessischen Haus" eine Abschieds feier, wobei der Obmann des Bezirks, Lehrer Linck, Rudingshain, dem Scheidenden die bester: Wünsche auf seinen ferneren Lebensweg entbot. Lehrer- Schaaf, der Ostern 1900 das Lehrersemitrar in Friedberg verließ, war dann als Schulverwalter in Herchenhain tätig, wurde dann in Schotten angestellt und geht mit Wirkung vom 1. April a l s Lehrer an die deutsche Schule in Paris.

Kreis Friedberg.

-h AnS der Wetterau, 27. März. Nachdem gestern den ganzen Tag über ein heftiger Sturmwind wütete unb vielfach Bäume entwurzelte, haben sich Tal unb Höhen über Nacht wieder in eine leichte Schnecdccke gehüllt. Auch der Vogelsberg ist mit Neuschnee bedeckt.

Starkenburg und Rheinhessen.

R. B. D a r m st a d t, 26. März. Die nationalliberalen V c r trauensmänner des Reichstagswablkreises Bensheim- Erbach waren heute nachmittag im städtischen Saalbau bierselbst zu einer ersten offiziellen Besprechung über die kommende Reichs­tagswahl versammelt. Nach einem einleitenden Vortrag des Herrn Reichstagsabg. Dr. Osann über die Lage der Patteiver hältnisse im Wahlkreis fand eine eingehende Erörterung über die Kandibatenfrage statt. Nachdem diese Frage nach allen Seiten besprochen worden war, erfolgte die Abstimmung und es wurde mit allen gegen sechs Stimmen Herr Fabrikant Scior in Erbach als Kandidat aufgestellt. Herr Scior ist Anhänger der nationalliberalen Partei und wird den Standpunkt der Partei in durchaus landwirtschaftssreundlichem Sinne vertreten.

d. Mainz, 26. März. Hier fanden sich gestern vor­mittag ungefähr 80 Schlossermeister aus Hesieu ein, um die Gründung eines hessischen Schlossermeister- Verband es vorzunehmeu. Vertreten waren Alzey, Bingen, Darmstadt, Gießen, Mainz, Bad-Nauheim, Offenbach, Worms und verschiedene kleinere Orte. Der In- nungsmeister der Mainzer Innung, Schlossermeister Schwarz, führte aus, daß sich das darniederliegende Handwerk zusammenschließe, um eine Besserung hcrbei- zufübren. Herr H e i n z e r l i n g-Darmstadt führte aus, daß der Gedanke aufgetaucht sei, einen hessischen Schlosser meister-Verband zu gründen, um das Gewerbe wieder in die Höhe zu bringen. Der Konkurrenzneid mi'nfe ausgemer^t werden und jeder zur Hebung des Gewerbes beitragen. Wie notwendig ein Zusammenschluß sei, beweise der Tarif der Hochbauämter mit seinen Stundenlöhnen und das Sub­missionsunwesen. Die Zl/sjährige Lehrzeit müsse herbei­geführt und die Fortbildungsschule von Fachgenvfsen ge­leitet werden. Dann könne man auch bei der Süddeutschen Eisen- und Stahltrustsgenossenschaft manche Verbesserung durchführen. Der Redner wies auf ein Flugblatt hin, das der Verein Deutscher Eisenwarenhändler an die Schlosser- meister versandte, worin vor Gründung einer Rohstoff- Einkaufsaenossenschaft die Handwerker gewarnt werden. Jedenfalls befände sich der gen. Verein im Irrtum, wenn er annehme, daß der Zweck der Zusammenkunft eine solche Gründung sei. Herr Steinert verlas den Satzungs- Entwurf, der mit einigen Abänderungen angenommen wurde. Als Name und Sitz wurde bestimmt: Hessischer Schlossermeister-Verbaud, Sitz Darmstadt. In den Vor­stand wurden gewählt: Erster Vorsitzender: Geist-Darm- ftabt, 2. Vors.: Heinzerling, Kassier: Roth, Schriftführer Jakoby, sämtlich in Darmstadt, als Beisitzer: Schwarz- Mainz, Hammerstein-Worms, Knipp-Bad-Nauheim, Krei­ling-Gießen, Steinert-Offenbach. Tie Versammlung beschloß, den Vorschlag, sofort dem Süddeutschen Schlojser- meister-Verband beüutreten, vorläufig zurückzuftellen. Für Veröffentlichung Der Verbandsangelegenheiten, Sub­missionen usw. soll die Südd. Bau- und Kunstschlosser^ zeitung benützt werden, die zu diesem Zwecke dem Ver­band kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Ter Vor­sitzende des neuen Verbandes lud die Anwesenden zum Süddeutschen Schlossermeister-Verbandstag ein, der vom 2.4. September in Darmstadt tagt. Der nächste hessische Schlossermeister-Verbandstag findet nächstes Jahr in Wiwm-.. statt. Der Unteroffizier Retzlaff der 5. Komp. de>? Jnf.-Regts. Nr. 117 sollte wegen Mißhandlung von Unter­gebenen und wegen Mißbrauchs der Dienstgewatt von seinem Vorgesetzten gemeldet werden. Als ihm dieses nütgeteUt wurde, eilte er auf seine Stube und schoß sich mit seinem Dienstgewehr, indem er mit dem Seitengewehr den Hahnen abdrückte, eine Kugel in die Brust Die Kuge ging durch den Körper und drang oben in die Stubendecke ein. Im Lazarett, wohin brr Schwerverletzte gebracht wurde, ver­starb er nach kurzer Zeit.

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