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30.1.1911 Zweites Blatt
 
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16L Jahrgang

Zweiter Blatt

Ur. 25

Giehener Anzeiger

Erscheint lSglkch mit Ausnahme de» Sonntag».

General-Anzeiger für (vderhchen

TieElehener KamilienblStter" werden dem ,Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, dar 'llreisblatt ffit Öen Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Tierandwirtschaftlichev Lett- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Montag, 50. Januar Ml

Rotationsdruck und Verlag der Drübl'ichen UnioersitälS - Buch- und Cteindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e<saöl.

Redaktion:e--K 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

o sind die Ansichten darüber, wer sich in der besseren Gesell-

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5

2. Anschaffung

Provinzial-Ausschutz her Provinz Oberycffen.

L. Gießen, 28. Januar

Anwesend: Provinzialbirektor Tr. Usinger, als Vorsitzender, ordentliche und ein Ersatzmitglied. Beginn: 9 Uhr, Ende

die freisinnige Partei, uu, u.»t vu,e -- - -

sie in Anspnich genommen und jetzt diese Entrüstung, weil das Zentrum, das sich in Hessen als ein mitarbeitssreudiger Faktor erweist, sich nicht vor den fortschrittlichen Karren spannen lassen

^ttairnt ist die Mahnung,sachlich und vornchm, im Kampf untereinander" ausgesprochen, so mutz schon die erfte ^etstung eines fortschrittlichen Anhängers in dieser Zeitung berichtigt wer­den iino das ist nicht ganz leicht, denn nrchtsbedeutende A.inge Und mit wechnlliclx'n Unrickstigkeiten stark durchletzt, wahrend das Wich­tigste, das bem Einsender doch auch bekannt gewesen lein mutz, verschwiegen wird. _ ..

Wenn die sorlschrittliche Voltspartci genügende Beweise ihrer Friedfertig!eit gegeben hat, so bestehen diese lediglich darin, datz sie ben Namen Rade mit dem Namen Grünewald vertauschte uiid dessen Unterstützung verlangt^, ohne das geringste Aeguivalent dafür anzubicteii. , , . L . . 3,

Und in was bestand die so garnichts beiagende und deshalb verschwiegene Friedfertigkeit der Nationalliberalen?

1. Man hat auf die Nominierung eines nationalliberalen Kandidaten verzichtet.

ans die Nominierung eines nationalliberalen Kandidaten ver­zichtet.

2 Man bat der fortschrittlichen Volkspartci zwei, nicht ein­mal der natimialliberalen Partei angchörende, vollständig neu­trale Herren, Heren Programm das des Herrn Grünewald gleicht, wie ein Ei dem anderen, die Herren Prof. Gisevius und Reg.- Rat Merck als Kompromitzkandidaten angeboten.

3. Man hat der fortsckirittlichen Volkspartci die Stellung des Kandidaten bei der nächsten Landtagswahl ohne weiteres zu­gestanden.

4. Man hat nach Verhandlungen mit Main^ die Zusicherung gegeben, zu Gunsten der Aufstellung eines Mainzer freisinnigen Kandidaten die Zurückziehung der dortigen Kandidatur Pagen­stecher (Natl.t erwirken zu wollen.

Das sind friedfertige Beweise, und ivas hat die fortschrittliche Volkspartei dagegen geboten, Herr Professor?

Nichts, rein garnichts! Im Gegenteil, man verlangt, wie aus den erwähnten Auslassungen bes Fortschrittlers hervorgcht, daß

des Faselviehs in der Gc-> Die Gemeinde Ebcrstadt hatte einen

Darüber herrscht eine Stimme.

Der Herr Einsender sagt ferner, daß seine Partei sogar einen Nationalliberalen, Herrn Professor Biermann, als Kan­didaten habe aufstcllen wollen, er verschweigt dabei aber, daß man diesen als Kandidat der fortschrittl. Volkspartei zu gewinnen suchte und »daß das von Herrn Biermann entschieden zurück­gewiesen worden ist. .

In die Debatten über die Aussichten einer Kandidatur mochte ich nicht eingreifen, denn sie sind völlig unfruchtbar. Bei der Ausstellung eines linken Kandidaten fällt das Gros der rechten Stimmen ab, umgekehrt ist es bei der Aufstellung eines rechten. Deshalb hat die nationalliberale Partei die Mittellinie gezogen.

Heber die Organisation sind auch die Ansichten geteilt. Durch das jahrelange Zusammengehen ist es nicht überall ft ar erkennbar, welche Stellung die Vertrauensmänner bei der Trennung der liberalen Gruppen einnehmen: es wird sich aber bald zeigen, daß nicht alles Gold ist, -was glänzt. Nun zur Schlußfolgerung des fortschrittlichen Anhängers. Sie überschreitet in ihrer An­maßung alles dis letzt Tageweseue! Nachdem im Vorhergehenden das unge ähre Bild der Verhältnisse und Verhandlungen in knappen Zügen gegeben ist, 'tarnt sich jedermann eine Vorstellung davon machen, aus welcher Seite die Unnachgieb,gleit liegt und wer für die Zerslcischung des Liberalismus einzig und allein verantwortlich sein wird. Mit dem Einsender frage auch ich: Gibt es in der freisinnigen Partei nicht einen ehr­lichen Mann, derdas vierfache" E n t g e g e n k 0 n, - men der Nationalliberalen der fortschrittlichen leeren Hand" entgegen zu setzen wußte und da­bei den Mut fand, nicht die Nationalliberalen, sondern die Volks Partei für das'Scheitern der Verhandlungen zwischen den Liberalen ver- a n t w 0 r t l i ch z u m a ch e u? Tic Nationalliberale Partei führt nicht nach rechts, sie bleibt ihrer ganzen Tradition entsprechend in der Mitte, und darin gehen alle in der Partei einig. Tie Anlehnung des fortschrittl. Volkspartei-Kandidaten an das Pro­gramm der Nationalliberalen ändert daran nichts. Die national- liberale Partei bekämpft nicht weniger wie die Volkspartei dw Ursache der Volkskrankhciten, aber sie weiß praktische Politik von einer zu nichts führenden Blender-Politik zu unterscheiden.

Der Zufammenrufin letzter Stunde" kann als Beginn der Feindseligkeiten ausgesaßl werden. Den Nachweis der Friedfertig­keit seiner Partei weiß der Fortschrittler nicht anders zu begründen wie durch die üblichen bald abgedroschenen Verdächtigungen der Nationalliberalen Partei. Dem außerordentlichen Entgegen­kommen der Nationalliberalen gegenüber ist der Ersatz der Kait- didatur Rade durch Grünewald Kinderspiel und trotzdem findet man den Mut, in dieser brüskierenden Weise aufzulreten.

Geh. ZusiiMt Lessing t-

Berlin, 28. Ian. Geheimer Justizrat Lessing von derV 0 s s i s ch e n Zeitung" ist, 83 Jahre alt, gestorben. Die Redaktion des Blattes widmet ihm einen Nachruf, in denk es u. a. heißt:

Aufklärung, Fortschritt, Humanität waren die Ideen, in deren

meinbe Eber stabt.

Bullen angeschasft, wozu das Krcisamt Gießen die Genehmi­gung versagte, weil nach Mitteilung des Kreisveterinäramtes Gietzen es kein reinrassiges Tier war und in Eberstadt die reine Simmentaler Rasse gezüchtet wird. Die Gemeinde wandte sich an den Provinzial-Äusschuß. Ter Bürgermeister erklärte heute, daß er den Nachweis erbringen könne, daß es sich ooch um ein reinrassiges Tier handele. Darauf wurde die Verhandlung vertagt.

3. Beschwerde der Firma oornt. H. Breuer u. Eie. in Höchst a. M. gegen die Heranziehung zur Gewerbesteuer in Inheiden für 1911. Auf Antrag der Firma wurde die Entscheidung in dieser Sache solange aus­gesetzt, bis eine andere, ähnlich liegende Beschwerde vom Vcr- waltungsgerichtshof entschieden ist.

4. Enteignung von Gelände zur Durchführung der Zufahrtsstraße zum neuen Bahnhof in Vilbel. In einer früheren Sitzung des Provinzial-Ausschusses war j)ic Zulässigkeit der Enteignung bereits ausgesprochen worden. Die Stadt Vilbel hat inzwisclurn nachgewiesen, daß die zuerkannte Entschädigungssumme gerichtlich hinterlegt ist. Es wurde deshalb die beantragte Enteignung ausgesprochen.

5. WirtschastSgesuch des Simon Alt zu Asien- Heim. Tie Dedürsnissrage war vom Gemeinderat zuerst ein­stimmig verneint, später aber einstimmig bejaht worden. Ter Kreisausschuß des Kreises Friedberg versagte aber die Genehmi­gung mangels vorhandenen Bedürfnisses. In der heutigen Sitzung wurde iestgestellt, daß m Assenheim verschiedene Vereine be­stehen, die' kein geeignetes Lokal bekommen können. Ter Pro- 'vinzial-Ausschuß hielt deshalb ein Bedürfnis für vorliegend und gab dem Rekurs gegen die Entscheidung des Kreisausschusses statt.

6. Klage des OrtsarmenÄerbandes Wirbelau gegen den Orts-Armenverband Ober-Eschbach wegen U n t e r st ü tz u n g d e.s A. Nickel. Ter Orlsarmemver- banb Wirbelau hatte für Nickel Kranlcnpflegckosten vcrausgabi, bereit Ersatz er von Ober-Eschbach verlangte, weil Nickel dort über

Kann doch nirgends ein Zweifel über den Wert belieben, welcher einem freundschaftlichen Verhältnis zwischen den beiden mäd tigen Nachbarreichen für die Sacke des allgemeinen Friedens inne wohnt. In Deutschland wie in Rus land kam 'die freudige Genug tuung über das hochbefriedigende Erg 0 bn i s des zwischen den beioen Monarchen und ihren Beratern stattgehabten vertrauens vollen Gedankenaustausches in dem bei weitem größten Teile. de öffentlichen Mehrung in einer Weise zum Ausdruck, die leinen Zweifel darüber läßt, daß ein gutes nachbarliches Verhältnis den Wünschen beider Völker entspricht. Wenn aber die Beziehungen zwisa-cn den beiden Ländern aus einer solchen Grundlage rubeu, berechtigen sie zu der Hoffnung, daß sic von Toner sein werden- Sic sind zu s e st gewurzelt, als daß Versuche, i c z u erschüttern, wie sie der Widerstreit der Meinungen in dem politischen Tageslampf zeitigt, Aussicht auf Er.olg haben könnten. Möge die Erkenntnis, daß diese Freundiamit dem Wohle beider Lander entspricht und dem Frieden der Völker dient, in immer weitere Kreise dringen, möge sie auch diejenigen bekehren, die sich in dieser Beziehung noch nicht üb er ic ngen lauen wollen. Unseren beiden erlauchten Herrschern aber gebührt 1111 anslöschlichcr Tank für ihre fortgesetzten Bemühungen, das ver­trauensvolle Verhältnis zwischen den beiden Reichen zu pflegen und vor Trübung zu schützen.

V»1 Uhr. , .

1. Tas E ahnschc Knochenlager zu Alsfeld. Gegen Adolf Cahn zu Alsfeld war ein Strafbefehl erlassen wor­den, weil er Knochen in einem Gebäude lagerte, bad nicht den vorgeschriebenen Abstand von den bewohnten Gebäuden hatte. Er wurde aber von dem Schöffengericht freigesprochen, da eine Unter­sagung nach Paragr. 4 ber für Alsfelb bestehenden Polizei­verordnung nicht erfolgt sei. Tas Kreisamt Alsfeld untersagte bann förmlich die Weitcrbenutzung der Anlage. Gegen diese Ver­fügung verfolgte der Vertreter des Cahn Beschwerde an den Provmzial-Ausschuß. Ta eine solche Beschwerde sich aber nur an die vorgesetzte Behörde des Kreisamts richten kann, nmrbc der Rekurs als unzulässig zurückgewiesen. Tie Kosten des 23er ährens sowie eine Verhandlungsgebühr von 5 Mk. fallen dem Rekurrenten zur Last.

Line Rede des deutschen Botschafters in Petersburg.

Petersburg, 28. Jan. Bei der Feier anläßlich des Geburtstags des deutschen Kaisers in der deutschen Kolonie brachte der kaiserlick)e Botschafter Graf Pour- tales ein Hoch auf den Kaiser Nikolaus aus und sagte u. a.:

Es erfüllte uns Deutsche mit besonderer Freude, daß Kaiser Nikolaus int Jahre 1910 längere Zeit ht Deutschland weilte, und ht unseren heimatlichen Gefilden Ruhe und Erholung suchte und fand. Eine besondere Bedeutung erlangte der Au, ent halt des Kaisers auf deutschem Boden durch die Begegnungen mit unserem Kaiser, l 'ei denen das zwischen den beiden Herrschern bestehende Freundschafts- und Vertrauensverhältnis von neuem besiegelt und befestigt wurde. Es ist nod: i.' frischer Erinnerung, welch günstigen Eindruck die Potsdamer M.narchen- zusammeniunst und die erfreulickum Au:- .chren, bic uck für die weitere Entwicklung guter deMich-rm 1 - S. r Beziehungen eröff­neten, überall bei allen Freunden des Friedens, Hervorrufen,

Dienst er die Zeitung gestellt wissen wollte, an bereit Spitze ibn der letzte Wille seines ihm väterlich zugetanen Oheims in scharfsichtiger Erlenitlnis seiner Tüchtigkeit unb Zuverlässigkeit berufen hatte. In den mehr als sechzig Jahren, die leit dem Uebergang derVossischen Zeitung" in den Besitz C\art Robert Lessings verstrichen sind, war sie stets im ersten Treffen zu finden, wo für geistige und bürgerliche Freiheit, für, Unab bängigfeit von Wissenschaft und Kunst, für politischen und sozialen Fortschritt gestrigen wurde. Das Verhältnis Geheimrat Lessings zur Redaktion und zu allen in dem vielgestaltigen Betriebe des Instituts tätigen Angestellten entsprach seiner vornehmen Av' fassung des Zeitungswesens und seiner ideellen Ausgaben. Pllicw- gcsühl, Geiradsinn und Freimut waren die Eigenick asten, , die er an icbent seiner Mitarbeiter zu höchst schätzte, freier Entfaltung der Individualität in dem weitgezogenen Rahmen der allgemeinen. Richtung der Zeitung ließ er bereitwillig Spielraum. Beinahe sechzig Jahre hindurch wat Geheimrat Lessing Tag für Tag ins Haus derVossischen Zeitung" getommen, um in ituitbcniaiigeic Konferenzen mit den Leitern der Redaktion, der Expedition unb der technischen Betriebszweige bic Fragen, bic ber Tag gebracht hatte, zu besprechen. Erst 111 ben letzten Monaten mußre er, durch ein schmerzliches Altersleiden behindert, auf diese ihm säst zur Not Wendigkeit gewordene Gewohnheit verzichten.

Seit seinem Ausscheiden aus dem Justizdienst, den er Ende der achtziger Jahre als Landgerichtsdirektor verließ, widmete er seine ganze Kraft dem Blatte, zu dessen Be­sitzern er schon als junger Referendar gehört hatte. Ter Entschlafene, ein Uren'kel von Gotthold Ephraim Lessing, war mit der Familie Zelles, des verstorbenen Oberbürgermeisters von Berlin, verwandtschaftlich ver­bunden: ein Sohn, der Rittergutsbesitzer Gotthold Ephraim, Rittergutsbesitzer auf Merseberg bei Gransee, hat eine Tochter Zelles zur Gattin.

schäft befindet, an dieser Stelle besser nicht erörtert.

Ein Kamps der Nationalliberalen Schulter an Schulter nut dem Zentrum wird nicht stattiiiiden, und wenn das Zentrum in dem einen oder anderen Wahlkreis Bersprechungen hält, bic es gemacht hat, so läßt sich baaegen nichts einwcnben. Wie lange unb gern hat boch bic Vorgängerin ber fortschrittlichen Volkspartei, freisinnige Partei, sich um biesc Unterstützung beworben unb

(Erwiderungen.

Auf die fortschrittlichen Ausführungen in der Sams- tag>9hinnncr erhalten wir von nationalliberaler Seite fol gen de Erwiderung:

Ein Mitglied des hiesigen 23ereins der Fortschritt­lichen Volkspartei nach dem Inhalt des Artikels ein führendes Vorstandsmitglied hat in Nr. 24 des Gieß. Aiiz einen den wahren Sachverl>alt durch Unrichtigkeiten unb namentlich durch Auslassungen entstellenden Artikel veröffentlicht, der obeiidrein mit persönlichen Spitzen ver­sehen war Er hat durch diese Tat, die gerade tote f. 3t. die Herausgabe gewisser Flugblätter vor einer wichtigen Entscheiduna, so 'erfolgte, daß den Angegriffenen eine Ab­wehr nicht mehr möglich war, sicher gegen den von beiden Seiten verabredeten Vorsatz einer ruhigen, sachlichen gampsesweise verstoßen und so der Sache des Friedens wicht gedient, sondern eher geschadet. Daß er der Er­reichung seines Zweckes auch nicht damit gedient hat, dürfte bic Tatsache beweisen, datz die Vertrauensmänner der Nationalliberalen Partei heute nach ausführlicher Dar­legung des Sachverhalts nnd einer darauf erfolgten regen Aussprache ihre Beschlüsse, sowohl die bejahenden, sowie die verneinenden, e i n stimmig gefaßt hat. Ich will bte Leser des Gieß. Anzeigers nicht mit langatmigen Gegen- cmsführungen belästigen. Tie Entgegnungen werden besser Ange in Äuge in den öffentlick)en Versammlungen hier und auf dem Lande erfolgen. Tort bitte ich den Herrn Verfasser, das Visier herünterzunehmen. Da ich an den letzten Einigungsverhandlungen von Anfang bis zu Ende leilgenommen habe, glaubte ich mir erlauben zu dürfen, die vorstehenden Zeilen im Gieß. Anzeiger dem Herrn Anonymus gegenüber zu veröffentlichen.

Prof. L u l e y, Oberlehrer.

Dem Herrn Veffasscr des Samstagsartikelsin letzter Stunde" war leider bic Antwort darauf vor bem gestrigen Zusammentritv ber Vertrauensmänner beider liberaler Parteien nicht mehr zu geben Schade, denn vermutlich sollte es Zweck seiner Auslaimngen jein, einer Einigung bas Wort zu reben, unb eine gegenteilige Aussprache hätte vielleicht zu anberem Ergebnis wie biese ein­seitige Darstellung geführt. Erreicht ist aber wahrscheinlich durch bic den Tätlichen ganz unb gar nicht entsprechende Wicbergalw ber seitherigen Vorgänge bas Gegenteil des beabsichtigten, eine Voreingenommenheit ber Vertrauensmänner ber eigenen Partei und ein Abstößen der Uebrigcn, das sich in neuer Verbitterung Lust schaffen wird. . r

Tie Entscheidung ist inzwischen gefallen, und cs kann nur Zweck dieser Antwort sein, den fortschrittlichen, Verfasser der Leffcntlichleit gegenüber auf ben Boben der Tatsachen zuruckzu-

roill?

Daß bei der Ausstellung einer mittleren Kandidatur, dank einer wüsten Agitation unb Entstellung der tatsächlichen Verhält­nisse, mancher Kurzsichtige ins sozialbemokratifchc Lager schwenken wirb, mag sein. Groß ist die Zahl dieser Geblendeten nicht, ihnen werden noch die Augen geöffnet, haben wir erst ein sozialdemo­kratisches unb Zentrums-Parlament. Viel schmerzlicher dagegen ist es, wenn durch bic Aufstellung einer linken Slanbibatur das Heer bet bürgerlichen Wähler, besonders vom Lande, ben Anti­semiten in bic Hände getrieben wird, und das ist nach Lage ber Tinge im hiesigen Wahlkreis ganz zweifellos der Fall. Der Gießener Vertreter der Nationalliberalenwill sich mit ben Anti­semiten vcrbinbcn", sagt ber Fortschrittler in seinen Auslassungen. So lange inan basür nicht ben glatten Beweis beibringt, muß das als wisseutliche Unwahrheit bezeichnet werben, denn bic national liberale Parteileitung ober ihr Kandidat haben nicht int ent­ferntesten ein Bünbnis mit ben Antisemiten ins Auge gefaßt. Ist bem Herrn Einsenbcr ber Verkehr Korell-Köhler unb Krumm Köhler nicht bekannt unb sind Korell unb Krumm jetzt Anti­semiten? Jedenfalls ist ber Zweck bieser Ausstreuungen nur ber, unser Judentum wieder, wie bei ber letzten Stabtverorbneten.- wahl, bet Fortschrittspartei gefügig zu machen unb als Lteig- bügelhaltcr ber Sozialbcmokratie auszunützen. Als vor brci Jahren bic Freisinnigen sich im Block der bürgerlichen Parteien gegen bic Sozialbcmokratie betäuben, ba hörte man nichts von antisemilischen-sreisinnigen Brüdern. Nachdem sie sich von ben anberen bürgerlichen Parteien bei der letzten Stabtverorbnetcn- wahl getrennt, würben diese zum antisemitischen Block gestempelt unb unser sonst so aufgeklärtes Jubentum siel leibcr auch auf diese Wahlumtricbe hinein. Die Sozialdemokratie, die irre geführten Israeliten unb bic recht saubere Agitation mit bem vom Vor- sitzenben der fortschrittl. Volkspartei verfaßten Sckiriftstück zur Seite, konnte man bas Jahrhunbert in bic Schranken fordern, unb sich ein glänzendes Vertrauensvotum holen. Seien sich die Juden des wohl bewußt, daß man sic wieder als Mittel zum Zweck, früher ober später, zu verwenben suchen wird! Nur ein aus mittlerem Boden stehender liberaler Kandidat wird ben Antisemiten aus der Stichwahl gegen den Sozialdemokraten ver­drängen unb bamit dem Liberalismus wieber eine bauernbe Stätte verschaffen. Ob es ber Volkspartei mit dem Verdrängen des -Lo- zialdemokraten gerade so sehr ernst ist, wie mau das betont unb als Hauptaufgabe hinstellt, bars nach ben seitherigen Beweisen ber Freundschaft zur Sozialdemokratie miubesteus in Zweifel gezogen werben. WaS sich liebt, neckt sich! Die nationalliberalc Partei ist trotz ber schwebenben Verhandlungen der Liberalen unterein­ander mc so glimpflich behandelt worben.

Tas Lob, bas denliberalen" Männern unter den National- liberalen gespendet wird, werden diese hoffentlich zu schätzen wissen: sie verstehen leider trotzdem vollständig die Maßnahmen der hiesigen Wahlkreisleitung, wenn sie daneben die Fricdsertig- keit und das Verhalten der fortschrittl. Volksparteileitung stellen.

der gemeinsame Kandidat in schroffster Haltung zur hessischen Parteileitung stehen muß, die allerdings weitgehendste liberal' Duldung übt, indem sie den auf wirtschaftlichem Gebiet abseits stehenden unb gegen bic Gesamtparteileituug stqrk eingenommenen Frhrn. von Heul nicht aus ber Partei entfernt, zum Entsetzen der liberalen, sonst so duldsam en Fortschrittler.

Wird die fortschrittliche Volkspartei alle die entfernen, welche direkt gegen das Parteiprogramm, das die schrittweise Herab­setzung der Schutzzölle fordert, verstoßen, und entweder für deren Beibehaltung oder die sofortige gänzliche Beseitigung eintreten? So wichtig eine richtige, dem Volkswohl angepaßte Finanzreform ist, nicht minder bedeutend ist aber die Erhaltung einer ge­sunden Landwirtschaft und diese hat, roenn auch einige fort­schrittliche Abgeordnete für die jetzigen Schutzzölle eintreten, nicht die geringste Gewahr dafür, daß das Gros der Partei ihr irgend welches Verständnis, irgendwelchen Schutz entgegenbringt. Tas überlege sich der Bauer beizeiten, nicht erst, wenn man ihn durch schöne Reden lahm gelegt hat.

Die naiionalliberalc Partei des Kreises fragt nickt danach, was die Parteileitung oder Herr von Heyl zu der hiesigen Kan­didatin- sagen, sie fragt ben Kanbidaten auch nicht, wie er sich zur Parteileitung ober Herrn von Heyl stellt bas ist seine Sache unb Sache des Taktes, benn ber hessische Parteileitcl gehört zu den niaßgebenbsten Persönlichkeiten ber Gesamtvartei sondern sie fragt den Kandidaten nach seinem Progranrm und verlangt in solchem die Wiederannäherung zwischen Stadt und Land, einen gesunden Ausbau der di­rekten Besteuerung, die Erhaltung eines zufrie­denen B e a m t e n st a n d es , die Hebung und Unter­stützung des Handwerks, ber A r b c i t er s'ch aft und der kleinen Geschäftswelt unb nicht zuletzt die Kräftig- Haltung unb gerechtere Beurteilung ber Land­wirtschaft, von bereit Bedeutung sie andere Begriffe bat, wie der Herr Einsender der Zuschriftin letzter Stunde" unb viele seiner Freunde.

Daß. die Volkspartei Verbanblungen mit den Sozialbemokraten wegen der R e i ch s t a g s w a h 1 gepflogen hat, ist zu keiner Zeit behauptet worben, bedarf alfo keiner Berichtigung und was die Beziehungen anbeirifft, die beide liberale Parteien haben.

2 Jahre gearbeitet hatte. Ober-Eschbach weigerte sich mit der Begründung, Nickel fei geistig minderwertig und es fei bei ihm eine freie Sclbs bcstimmung feines Aufenthaltsortes ausgeschlossen. Sein Arbeitgeber in Ober-Eschbach habe ihn nur auS Mitleid beschäftigt. Wirbelau suchte demgegenüber nachzuweifen, daß Nickel ;a Dienstverträge selbständig abgeschlossen habe unb nicht so minder­wertig sei, baß er nicht einen Unterstützungswohnsitz erwerben