Ausgabe 
28.2.1911 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

in

-eK Reichstags alljährlich mit dem Reichshaushalls-Etat -vrzulegen.

Es eigene1 nnrMarl m verlwi uiere zn

Pis

Mb/g.ohn ?Micte m m Mieder M

Nax Sie

tWfurt n.9

teleobi

Aus StaOa un6> LunS.

Gießen, 28. Februar 1911.

Der städtische Voranschlag für 1911.

Der neue Voranschlag der Stadt Gießen, der jetzt den Stadtverordneten zugegangen ist, weist im allgemeinen ein recfyt erfreu!iches Bild auf. Das bedeutet um so mehr, als der Gesamtvoranschlag in Einnahme und Aus­gabe zum erstenmale fünf Million Mark überschreitet und verschiedene Umstände den Voranschlag nicht gerade günstig beeinflußten, wie z. B. das verhältnismäßig sehr geringe Anwachsen der Einnahmen aus den Gemeindesteuern und die Zahlung von 91 OOO Mk. zu den Grunderwerbskosten der Eisenbahn LollarLondorf,

Die Reichrtagrersatzwahl in Allensiein.

2111 cn ft ein, 27. Febr. Bei der Reichstags-Ersatzwahl 'm Wahlkreise 2lllenstein-Röfsel wurden bis 11 Uhr abends gezählt: Für Rittergutsbesitzer OrlowSki-Kutzborn (Ztr.) 10 733, für Pfarrer BarczewSki (Pole) 6 793, für Rechts­anwalt Haase (Sozialdemokrat) 303 Stimmen. Eine An­zahl Bezirke steht noch aus. Die Wahl Orlowskis gilt gesichert.

Der Wahlkreis war mit Ausnahme der Legislaturperiode 18931898, in der der Pole Dr. v. WolSzlegier daS Mandat innehatte, seit 1871 stets im Besitz des Zentrums. Im Jahre 1907 siegte dessen Kandidat Hirschberg im ersten Wahl- gang mit 12 944 Stimmen gegen den Polen CzarlinSki, der 5380 Stimmen auf sich vereinigte.

rtz-s."

Telegra

SS

.$!e Sei

Hause-

S'

LIch

Mi» und

&S

Sngebo

Langbein

^5

6hm U3li1011 "t sSS

7*. nebii

?ctet ]

2lustancL

DieBeerdigungdesKriegsministersBrun fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung flott. Präsident Falliöres, die Minister und das diplomatische Korps nahmen daran teil. General Michel gab bei der Trauerfeier ein Lebens­bild des Verstorbenen. In seiner Gedächtnisrede auf General Brun gedachte Briand namentlich der Tatsache, daß die Lauf­bahn des Verstorbenen in einer schmerzlichen Stunde begonnen habe, die auf sein Herz einen unauslöschlichen Eindruck machte, daß er als Chef des Gcneralstabs das Rekrutierungsgesetz buräv» führte. Das Hauptverdienst, das er in feiner Lausbahn als Mi­nister aufzuweiscn habe, beruhe darin, für die Landesverteidigung hie neuesten Errungenschaften der Wissenschaft nutzbar gemacht zu haben: ihm sei es zu danken, daß die französische Luftflotte einen bedeutenden Vorsprung vor allen anderen aufzuweisen habe.

Der russische Minister für V ol k s a u f k l ä r u n g genehmigte 12 Professoren der Universität Moskau ihre Abschieds­gesuche. Auf Anordnung des Ministers wurden wegen Teil­nahme an den Unruhen auf her Universität Petersburg 67, Mos­kau 75, den Universitäten Charkow, 2ioworossisk, Kiew und Warschau 148 Studierende relegiert.

Aus Trient wird berichtet: Das österreichische Kon­zen i o n s g e s u ch für die Schiffahrt auf dem Gardasee wurde von der italienischen Behörde in Verona abgelehnt. Die Nachricht erregt hier großes Aufsehen, da mau der Ansicht ist, daß Oesterreich laut dem Handelsvertrag ein Recht auf die Schiff­fahrt bat.

l»? i l ch e K riegSminister ist am Montag nach, mittag endgültig zuruckgetreten.

Washington wird gemeldet: Kontreadmiral Hugo $ 1 nFu 5 1UIU.^C 015 Nachfolger des Kontreadmirals Schröder zum Oberkommanoanten der a t l a n t i s ch e n F l o 11 e ernannt.

Die Betriebsrechnung schließt mit 3147 008,90 Mark ab gegen 3149 938 Mk. im laufenden Voranschlag, während die Endsumme der Vermögensrechnung 1 903 726,25 Mk. (1910: 1 754 986,47 Mk.) beträgt. 2d nach schließt der gesamte Voranschlag mit 5 050 735,15 Mk. ab gegen 4 904 925,23 Mk. im vorjährigen städtischen Haus­halt. Der günstige Stand der städtischen Finanzen er­hellt namentlich aus der erf ' erlichen'Tatsache, daß auch in diesem Jahre wieder von einer Erhöhung der Ge­meindesteuern abgesehen werden kann. Es bleibt also bei dem Satz von 120 Proz. der (nicht erhöhten) staat­lichen Einkommensteuer und der doppelten Grundzahlen der Realsteuern. Dabei steigt der voraussichtliche Steuerertrag nur von 106-3 275,04 Mk. auf 1069 280 Mk., eine so geringe Steigerung, wie sie seit Jahren nicht vorgekommen ist. Die Ursachen dieses geringen Wachstums des Gießener Steuer­ertrages werden wohl in der immer noch nicht ganz ruhigen Laae eines der wichtigsten hiesigen Industrien, der Tabak- uno Zigarren-Jndustrie, zu suchen sein, dann aber auch in dem Umstand, daß die Steuerveranlagung jetzt, nachdem das staatliche Steuergesetz seit einem Jahrzehnt in Kraft ist, genauer erfolgt, als es in den ersten Jahren der Gültig feit dieses Gesetzes der Fall war und deshalb die Veran­lagung der einzelnen aufeinander folgenden Jahre nicht mehr so stark wie früher von einander abweicht.

Trotz der steigenden Aufgaben der Gemeindeverwal­tungen tst es gelungen, oen Betriebsvoranschlag, also die laufenden Einnahmen, ohne Erhöhung abzuschließen, trotz­dem einzelne Ausgabeposten, wie die für die Schulen, die Zwecke des Kreises und der Provinz und die Kapitalzinsen erheblich gestiegen sind. Es erklärt sich dies daraus, daß einmal die Schuldentilgung weniger erfordert als im vori­gen Jahr und zum anderen die günstige Entwicke­lung der städtischen Straßenbahn es ermöglicht, mit 11464 Mark anstatt 28676 Mark städtischen Zuschuß auszu kommen.

Auf Einzelheiten des Voranschlags wird noch zurück- zukommen sein.

Tageskalender für Dienstag, 28. Febr.: Stadt- tHeater: »Der Raub der Sabinermnen.* Anfang 8 Uhr.

** Für die Sitzung der Stadtverordnet en-Ver­sa mm lang Donnerstag den 2. März 1911, nachmittags 4 Uhr. wenn nötig Fortsetzung am Freitag den 3. März, 4 Uhr, ift folgende Tagesordnung aufgestellt: 1. Einführung und Verpflich­tung des Beigeordneten Kommerzienrat Emmelius. 2. Mitteilun­gen. 3. Baugesuch Heinrich Horn für die Bleichstraße. 4. Baugesuch Karl Horn für die Marktstraße. 5. Einfriedigungen K. W. Hen­rich, Rodheimer Straße öl, 53. 6. Vergebung von Arbeiten und Lie­ferungen. 7. Verlegung des Brausebades im Schulhaus, an der West- Anlage. 8. Bewachung flöht Gebäude durch hie Wach- und Schließ gefellichaft. 9. Gefuich des Leiepallenverehrs um Ueberlanung eines Torhäuschens am Neuenweger Tor. 10. Kündigung voit Hypotheken. 11. Verkauf von Grundstücken. 12. Emiührungs- beftbnmungen zum Gaseinheitspreis. 13. Einführung von Polizei­hunden. 14. Gesuch des August Wallenfels, Marktplatz 17, um Erlaubnis zum Branntweinveriauf. 15. Verwaltungsbericht für 1909. 16. Voranschlag für 1911.

"Der Vorstand der Landwirtschastskammer beschäftigte sich gestern mit dem Entwurf der Ausführungs­bestimmungen zum Reichsoiehseuchengesetz, sowie mit dem Entwurf eines Gesetzes über die Entschädigung für an Maul- und Klauenseuche gefallenes Vieh. Geh. Ober» medizinalrat Dr. Lorenz wohnte im Auftrag der Regierung öfen Verhandlungen bei. Mit wenigen Aenderungen wurde den Entwürfen zugestimmt.

** Der vierte der akademischen Vorträge, wird am Mittwoch, 1. März, ftattsinden. Prof. Dr. D a n n e- m an n wird über das ThemaDas hessische Irren- wefen" sprechen. Angesichts der bevorstehenden Erösf- nung der neuen Gießener Irrenanstalt dürfte der Vortrag besonderen Anteil erwecken.

* Die Gewerbebank hielt gestern abend ihre satzungsgemäße Generalversammlung ab, in der u. a. die Dividende entsprechend dem Vorschlag vom Vorstand und Aufsichtsrat auf 6V3 Proz. festgesetzt wurde. (Näherer Bericht folgt).

Larneoal in Mainz.

Mainz, 28. Feb'ruar.

Freude und Frohsiim ist der tiesinnerliche Kern unseres rheinischen Karnevals, von dem sich die Leute draußen im Reich nur eine lumklare Vorstellung machen können. Ihnen liegt nicht wie uns die Freude und der Frohsinn im wallen­den Blut uns ist es Lebenselement. Doch wers nicht fühlt, der wird es nie erjagen. Das liegt tief, tief in unserem Blut. Wie glücklich tonnten die Menschen sein, wenn sie unser fröhliches rheinisches Blut in den Adern hätten, wenn sie so von Herzen lachen könnten über das Leben und seine Heine Eitelkeiten und über sich selbst. Dem Narrenkönig gehört nun einmal die Welt und alle Philo- sophie und alle Weisen der Welt können uns das nicht hin weg disputieren. Und wir leisten ihm willig Gefolg­schaft, denn wer nicht einmal so aus vollem Herzenver­rückt" sein kann, einNarr" sein kann, der ist nie ein Weiser gewesen.

Wie es glüht in unserem Wein so glüht es in uns, das rheinische Blut und braust und tollt wie fünfmalhundert- tausend Teufel. Das treibt und gärt und regt und wallt wie flüssiges Feuer, wie goldener Schein, und wer weiß, ob nicht der Nibelungenhort im Rhein die Freude ist, die wir nun erheben aus tiefem Grund. Uns ist die Freude der Sinn des Lebens alles andere auf der Well verdunkelt ihn nur und wir leben ihm, das ganze Jahr hindurch, am reinsten aber, am ursprünglichsten in den drei Fastnachts­tagen. Und läuft das Jahr deshalb auch immer von Fast­nacht zur Fastnacht. Und alles wird angesteckt, alles macht mit bei uns in Main r vom Gouverneur an bis zum jüngsten Kind. Selbst das Militär ist beurlaubt, und die Lchulen sind geschlossen. Ta schließt sich keiner aus, der noch eine Münze im Beutel hat, keiner, und wenn er sich das Geld pumpen muß. Und warum soll er es nicht tun? Der trüben Tage sind viele im Jahre aber nur einmal im Jahre ist Fastnacht.

Am Samstag mittag fängt es an. Da ziehen die Rekruten der Garden ein, abgerissene, fragwürdige Ge­stalten aus allen Erdteilen, aber selbst der Mohr wird rein gewaschen im Karneval und am Sonntag früh erhebt er sich und zeigt sich in strahlender Helle, angetan mit der blitzblanken Uniform des Prinzen 'Karneval, liefe er die Straßen flutet es, denn der Sonntag ist der Tag der Garden und der Kinder. Da ist keine Mutter, die ihren Liebling nicht in irgend ein Gewand steckt, kaum ein Vater, der seinen Heinen maskierten Sprößllng nicht stolz an der Hand führt. Alles ist von Farben und Leben und Freude erfüllt. Mittags geht dann der Trubel richtig los, da kommt die Jugend, die schöne, göttliche Jugend, die schäumende, übermütige; mit schel­mischen Augen die Mädels, mit kecken Backen die Buben: ach Herrgott, rheinisch Blut, vollfastiges, kraftvolles Leben. Da weiß man doch, warum man lebt. Das lacht und tollt und singt und jubelt ohn Unterlaß. Luftschlangen und Konfetti überall. Die Bäume sind davon überzogen wie eine Christtanne, auf den Straßen liegen die bunten Schnitzel fußhoch; man watet darin, unermüdlich, mit heiterer Lust, bis es dunkel lvird. Dann geht es auf die Bälle, oder in das närrische Hoftheater, oder auf den Jux- Platz. Man weiß gar nicht mehr recht wo man hingehen soll, soviel ist los. Und alles ist nodj Vorspiel; die Haupt­sache kommt am Rosenmontag: her Zug, der Mon­tagsball.

Alles ist in Erwartung. Dor Zug, das ist der Angel­punkt des Jahres, und wer Stadtrat werden wlll, der muß dabei wenigstens als Berater mitgewirkt haben. Aber da hilft wer kann, auch ohne den Ehrgeiz, Stadtgroßvater zu werden. Wozu auch? Die andern bringen das Geld auch unter undmer hawe s ja, mer könnes ja!" Und das Wetter wird auch halten. Das üst schon immer so gewesen. Am Fastnachtsamstag regnets, am Sonntag schwankts, am Montag aber ift das herrlichste Wetter, und oas hält bis zum Aschermittwoch aber dann schadet es auch nichts mehr, dann ift die Herrlichkeit ja doch vorbei. Vorläufig aber ist sie noch im Gange und der Himmel macht sein schönstes Gesicht. Kein Wunder! Nach einem alten Mainzer Sprüchwort ist ja auch unfer Herrgott ein Mainzer unb da muß er doch auf Fastnacht für gutes Weller sorgen. Da kommt es aus der Ferne, der Narrhallamarsch, dem Mainzer Ohr die rooniug-fte Musik Sie kommen! Sie kommen! Ein Geranne und Gemurmel geht durch die harrende Menge die Straßenlaternen flammen auf: die Herolde erscheinen und lustig flackern die vierfarbigen Banner seiner Tollität des Prinzen Karneval im Sonnen­schein . Dann kommt Gruppe und Gruppe, Wagen an Wa­gen : die Welt im Schallsjahr 1911. Das Groß Herzog s- Paar ist längst eingetroffen und im Kreisamtsgebäude abgestiegen, um sich von da aus den Zug anzusehen. Und er scheint ihm zu gefallen. Es ist Witz in der Sache, schon gleich im ersten Wagen die riesigeModebobb", hinter der eine ganze Anzahl kleinerer Exemplare derselben Gat­tung gefahren wird, weil der Humpelrock chnen das Gehen nicht gestattet. Ueberhaupt die Damenmode. Eine Montierhalle für moderne Damenhutungeheuer" erregt un­bändige Heiterkeit, ebenso der Wagen mit der Polizei­assistentin,Polizeibutzl auf der Spur". Derletzte echte Meenzer" in Spiritus erregt ebenfalls jubelnden Beifall, gerade wie die Finanzreform, der deutsche Michel, wie er unter der Last der Zündholzsteuer zusammenbricht. Der traurige Bacchus und die lustige Reblaus, die Folgen der Wiesbadener Kurtaxe, die Kleppergarde, die Ranzengarde und die Prinzengarde, wie immer mit lauter Begeisterung begrüßt, und vieles andere noch folgt. Den Schluß bildet der prächtigeKomiteewagen" in violett und gold, die Opfer der Fenrzündu.ng", die städtischen Gaslöscher, uni) daun ganz zuletzt viel Volk sehr viel Volk.

Aus allen Nachbarstädten ist ein sehr großer Fremden­verkehr zu verzeichnen und nachmittags drängt es sich tüchtig in den Straßen und Gasthäusern. Auch her Ball in der Stadthalle ist sehr gut besucht es geht in die iaufenbe nud es sind ganz prächtige Masken darunter. Auch auf den Straßen herrscht bis in die Abendstunden und die ganze Nacht durch lebhaftes Leben und Treiben. Morgen geht es weiter. N.

Der Rücktritt öes Kabinetts Briand.

Paris, 27. Fefer. Briand stellt in dem Schreiben an den Präsidenten, in dem er seinen Rücktritt anzeigt, fest, daß die Kammer in zwei Gruppen gespalten sei. Gewisse Republikaner zeigten gegen den Ches der Regierung eine liefe unaufhörlich vergrößernde systematische Feindseligkeit. Sein Appell zugunsten eines politischen Ausgleichs unb einer politischen Beruhigung und zugunsten her Wetterführung des Werkes einer vernünftigen und toleranten Verweltlichung der Schule, die jedem Glauben Gerechtigkeit widerfahren lasse, sei nicht verstanden oder entstellt worden. Die daraus gegen ihn hervorgegangene poli­tische Feindschaft mache die Verwirllichung der geplanten Re­formen, die das gewagteste Programm bildeten, das dem Parla­ment je vorgelegt worden fei, unmöglich. Unsruchtbare Arbeit mmitten von Fallstricken unb Winkelzügen sei ihm zuwider. Die Politik des Kabilretts sei siegreich ans allen Zusammenstößen hervorgegangen, aber in seinen Händen sei sie gegenwärtig in Gefahr. Ein anderes Ministerium werde die notwendige Samm­lung herbeiführen, um das vom Kabinett Briand unternommene Werk in die Tat umsetzen zu können.

Allgemein glaubt man, daß her Präsident der Republik erst heute nach eingehenden Beratungen mit den beiden Parla- merckspräsidcnten, dem scheidenden Ministerpräsidenten und den Führern der republikanischen und der radikalen Gruppen an die­jenigen Persönlichkeiten heranlleten werde, hie bezüglich der Bil­dung des neuen Kabinetts in Frage kommen. Sowohl der Kammerpräsident Brisson wie der Senatspräsident D u - dost dürften Falliöres gegenüber für eine Politik der Einigung und Verständigung unter den republikanischen Parteien eintreten. Es heißt, Dufeost werde die Ansicht aussprechen, daß eine solche Politik am erfolgreichsten durch einen Senator verwirklicht wer­den könnte. Auch aus den heutigen Erörterungen der Presse ge­winnt man den Eindruck, daß die Lösung sehr schwierig sein werde. Die Vorstände der Gruppeit der Linken werden sich heute nachmittag sosoll nach der offiziellen Bekanntgabe des Rück- trills des Sabinetto in der Kammer versammeln, um über die Lage zu beraten.____________________________________________

Deiitfcbcs Reicl?.

Wie man in parlamentarischen Kreisen annimmt, dürfte, so schreibt man uns aus Berlin, die Fernsprechgebühren­ordnung als aescheitert zu betrachten sein, ha der Budget- ausschuß des Reichstags, wie neuerdings miautet, den ihm noch­mals überwiesenen Emwurf vorläufig nicht beraten werd, da man her Meinung ist, daß er feine Schuldigkeit getan habe, für eine nochmalige Beratung des Entwurfs fein ausreick)ender Grurto vorliege unb eine nochmalige Beratung nur zweckmäßig roäre, wenn her Ausschuß die Abänderungswünfche des Plenums leimen gelernt hätte. Die Fernsprechgebührenordnung wird also ebenso wie das Arbeitskammergesetz zu den Vorlagen gehören, die nn» verabschiedet bleiben werben.

Der Budgetausschnß des Reichstags hat bei bei Beratung der einmaligen Ausgaben des M i l i t ä r h a u s h a l t s die Summe von 60 800 Mark zugesetzt und folgende Entschlie­ßungen angenommen: den Reichskanzler zu ersuchen, im In­teresse her Sparsamkeck insbesondere bei Waffen- und Munitions­lieferungen die bUliger liefernde Privatindustrie mehr heran­zuziehen unb anderersecks den Reichsbetrieben, soweit sie bckliger mwduzieren können, mehr Aufträge zuzutvenben, ferner bcn Reiä)s- kan-ler zu ersuchen, dahin zu wirken, daß der Kaufpreis für das Tempel Hofer Feld durch die Art her Bebauung dem Reiche nicht verkürzt werde, schließlich die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem. Reichstag baldigst einen Gesetzentwurf über die Ein­nahmen unb Ausgaben des Reichs unb über bcn Rechnungshof vor- sulegen.

Der erste Vizepräsident des elsässischen Landesaus­schusses, Stadtrat a. D. Dr. Gunzert, ist gestorben.

Die Blätter melden aus Berlin: Die liberale Frak­tion ber CharlottenburgerStadtverordnelen- versammlung, die über die absolute Mehrheit verfügt, hat beschlossen, die von dem Regierungspräsidenten für alle Städte von Groß-Berlin angeregte Erhöhung der Einkommensteuer von 100 auf 110 Prozent abzu­lehnen. Gegen die von dem Magistrat von Berlin beab- sichtigte Aushebung der Jahrmärkte hat die Händlerver- einigung Protest erhoben.

Für die Reich s tags stich w a hl Kempten-Il­menau wurde der 17. März bestimmt.

DemPosener Tageblatt" zufolge verbot die geist­liche Behörde dem polnischen Pfarrer Kur­ze w s k i die ihm an gebotene Landtagskandida­tur ihn Wahlkreise Krotoschin-Koschmin-Pleschen bei der Ersatzwahl für den verstorbenen Prälaten v. Jazszewski anzunehmen.

Landkreis Gießen.

Rödgen, 27. Febr. Der Männergcsang- verein Rödgen feierte am Samstag abend sein Winter­fest. Der Besuch war sehr stark. Präsident Etzel müll er eröffnete die Feierlichkeit durch eine längere Ansprache, worin er hervorhob, daß unsere deutschen Volkslieder mehr gepflegt werden sollen und baß hierbei die Frauen und Jungfllluen bester mitwirken sollten. Sodann erfolgten Theater usw. unter Leitung der Frau Lehrer Koch, die großen Beifall ernteten. Die vorgetragenen Lieder zeigten, daß der Verein unter der Leitung des Dirigenten Koch auf einer hohen (Stufe sieht. DaS zeigt der stürmische Beifall, der nach jedem Lied den Sängern zuteil wurde. Tanz und sehr gut gegebene Konzert­stücke hielten die Festteilnchmer bis zum Morgen beisammen.

-b. Hungen, 27, Febr. Gestern abend veranstaltete der Turnverein im Saale der ^Traube* eine Abend- unterhaltung, die gut besucht war. Den Glanzpunkt des Abends bildete der von Herren und Damen schön ausgefuhrte Blumenreigen. Auch die Pyramiden, das Keulenschwingen, sowie die übrigen turnerischen Vorführungen zeugten von dem Fleiße und der Leistungsfähigkeit des Vereins und fanden lebhaften Anklang. SDlit Tanzvergnügen endigte die schön verlaufene Veranstaltung.

Kreis Schotten.

r. Eschenrod, 27. Febr. Der Wirt H. Hermann bat auf einem ihm gehörigen Grundstück ein Eisenstein- la g er gefunden, baS sehr reichhaltig zu fein scheint; die zur Untersuchung eingesandten Steine enthiellen bis zu 90 Proz. Eisen. Es wurden iyrn über 200 Hektar Mutungs­recht zuerkannt und wirb demnächst ein Vertreter der Großb. Bergbehörde die eingetriebenen Stollen besichtigen, um fest­zustellen, ob fragliches Terrain abbauwürbig ist ober ob es sich nur mn vereinzeltes Vorkommen handele

Kreis Friedberg.

m. Dorheim, 27. Febr. Unsere Gemeinde, eine der größten des Kreises Friedberg, wirb laut Rtinis'terialver- fügung am 1. April dem Amtsgericht Friebberig zugeteilt. Bis 1851 hatte Dorheim ein eigenes Gericht unb zwar für bie kur hessische Enklave Dorheim, Schwal­heim, Rödgen und Nauheim unb gehörte bis 1866 zum Kreis Hanau, 1851 würbe sobann ber Sitz bes Amtsgerichts nach Bad-Naicheim verlegt. Die Ursache der Zuteilung unseres Ortes zu Friedberg besteht darin, daß Dorheim unmittelbar bei Friedberg liegt, das dtauheimer Amts­gericht mit Arbeit überhäuft ist und daß endlich das Amts­gerichtsgebäude in Friedberg durch Vlltbenutznng der seit­herigen Oberamtsrichterwohnung bedeutend öcrarotot wov- den i&

Der

SjKrli«";